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Aus privaten Sammlungen: 200 Reales de Vallón-Banknote der Banco de la Unión (1847)

Mitte des 19. Jahrhunderts begann auch in Spanien das Zeitalter der Industrialisierung. Das notwendige Kapital stellten meist Banken zur Verfügung, die zu diesem Zweck häufig Banknoten oder banknotenähnliche Papiere ausgaben, die wie bares Geld umliefen. In Madrid gründeten 1845 Carlos Sansom und Juan Pedro Saigtan Bagnere im Namen der Compañia Sansom, Bagnere y Cia. die Banco de la Unión. Die Aktiengesellschaft wurde mit einem Grundkapital von 60 Millionen Reales de Vallón ausgestattet, das in 15.000 Aktien zu 4.000 Reales eingeteilt war. Zu den Aktionären gehörten einige der angesehensten Finanziers und Politiker Spaniens: Gaspa de Remisa[1], José Safont[2], Manuel Gonzáles Bravo[3], José Casals, José Salamanca[4] und José de Buschental[5]. Ihren Sitz nahm die Bank in der Carrera de los Jerónimos 29.


Durch Vermittlung Salamancas kam es 1847 zu einem Vertrag zwischen der Bank und dem spanischen Staat. Danach gewährte die Bank gegen eine Provision von 2,5 % dem Staat ein Darlehen in Höhe von 100 Millionen Reales, zahlbar in Raten von 15, 10, 17,5, 25 und 27,5 Millionen Reales von Juli bis November desselben Jahres. Gleichzeitig übergab Salamanca Schatzanweisungen, die eine Laufzeit bis September 1848 hatten. In zwei Raten wurden 9 % Zinsen ausgezahlt, am 1. März und die andere Hälfte am 1. September. Als Sicherheit erhielt die Bank 140 Millionen Reales in „Schuldscheinen“, die 1850 bis 1862 fällig waren. Außerdem wurde festgelegt, dass die Regierung die Schuldscheine zur Zahlung von Steuern und Abgaben zu akzeptieren hatte, wenn sie nicht rechtzeitig getilgt würden.


Die Bankgeschäfte entwickelten sich wohl nicht wie erhofft, denn am 9. Dezember 1847 meldete die Bank überraschend Konkurs an und stellte im März 1848 ihre Tätigkeit ein. Es ist nicht bekannt, ob es Probleme bei der Einziehung der Schatzanweisungen gab oder ob die Bank auch mit diesem Geld keine Zukunft hatte. Auf jeden Fall hatten einigen Aktionäre finanzielle Probleme. Hinzu kam, dass dem Bankdirektor Missbrauch von Bankgeldern vorgeworfen wurde, zumindest wird dies beim Prozess Sansom gegen Bagneres erwähnt.

Im selben Jahr klagte der Liquidationsausschuss gegen Salamanca wegen zweier unbezahlter Schuldscheine in Höhe von 2,5 Millionen Reales.


Der Konkurs und die Liquidation der Banco de la Unión zog sich über einen langen Zeitraum hin. Erst 1879 erhielten die Gläubiger die neunte und letzte Zahlung.

 

Die Bankleitung hatte wohl vor, Banknoten auszugeben, jedenfalls liegen Probedrucke von Noten zu 200, 1000, 2000 und 5000 Reales de Vallón vor. Castellanos meint, dass die Stückelung auch die die Werte 100 und 500 Reales umfasst habe. Es gibt ein signiertes und datiertes Banknoten-Formular. Hierbei dürfte es sich jedoch um ein manipuliertes Stück handeln. Der Stil der einseitigen Probedrucke ist eindeutig englisch und stammt aus der Mitte des 19. Jahrhunderts.

 

Es ist nicht verwunderlich, dass man auch bei der Banco de la Unión die Ausgabe von Banknoten plante, war doch Salamanca auch an anderen zeitgenössischen Emissionsbanken (Banco de San Fernando, Banco de Isabel II, Banco de Barcelona und Banco de Cádiz) beteiligt.  

 


 

Objekttyp: Probedruck

Sammlung: Uwe Bronnert

Authentizität: Original

 

Land/Region/Ort: Spanien

Emittent: Banco de la Unión, Madrid

Nominal: 200 Reales de Vallón

Datierung: Datum und Jahr sollte handschriftlich eingefügt werden, wobei das Jahr 18 nur ergänzt werden musste

Vorderseite: vierzeiliger Text in einem breiten achteckigen Schmuckrahmen

Rückseite: unbedruckt

Unterschriften: sollten vom „El Cajero“ und vom „Intervenido“ handschriftlich erfolgen

Material: Büttenpapier mit Wasserzeichen Schrift mit Verzierung

Format: 231 x 152 mm (Banknotenbereich: 199 x 126 mm)

Druck: wahrscheinlich in einer englischen Druckerei

Nummerierung: sollte wohl auch handschriftlich erfolgen

Gültigkeit: nur Probedrucke bekannt

Zitat: José Antonio Castellanos, Enciclopedia de la Notafilia y Escripofilia española, Volumen I, Tomo I, Madrid 2021, S. 210 f.


 

Uwe Bronnert


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Anmerkungen:

[1] Der spanische Finanzier Gaspar de Remisa Miarons (* 3. November 1784 in Madrid; † 26. November 1847 ebenda) wurde 1843 zum Senator der Provinz Orense und 1845 zum Senator auf Lebenszeit ernannt. 1826 wurde er zum Generaldirektor der königlichen Schatzkammer der Königin María Cristina. Während der Krise von 1847 befürwortete er die Fusion der Banken von San Fernando und Isabel II.

[2] José Safont Lluch (* 5. Juli 1803 in Madrid; † 13. Dezember 1861 ebenda) erbte von seinem Vater ein beträchtliches Vermögen, davon erwarb er vom Staat beschlagnahmte Vermögenswerte in Madrid und Toledo. Die Kontakte und Freundschaften seines Vaters ebneten ihm die Wege. Mit dem Finanzier und Politiker José de Salamanca beteiligte er sich beim Bau der Eisenbahn. Er gründete die erste große metallurgische Gießerei in Madrid. Neben anderen vielfältigen und umfangreichen Aktivitäten betrieb er zahlreiche Mühlen am Tejo in Toledo.

[3] Luis González Bravo y López de Arjona (* 8. Juli 1811 in Madrid; † 1. September 1871 ebenda) war ein spanischer Politiker und Journalist. 1841 wurde er Abgeordneter für Cádiz.

Als Vizepräsident der Regierung wurde er mit Unterstützung von Narváez zum Präsidenten des Ministerrats ernannt.

[4] José de Salamanca y Mayol (* 23. Mai 1811 in Málaga; † 21. Januar 1883 in Madrid), ab 1863 Markgraf von Salamanca und ab 1864 Graf von Llanos, war ein spanischer Adliger, Unternehmer, Mäzen und Politiker. Politik und Wirtschaft waren im Handeln José de Salamancas untrennbar verknüpft, was ihm zum sozialen Aufstieg verhalf. Ein großer Teil seines Einflusses beruhte auf der finanziellen Unterstützung von Politikern und Adligen.

Er schreckte aber auch nicht vor Spekulation und Korruption zurück. Salamanca studierte Jura in Granada und kämpfte schon in jungen Jahren für liberale Ideen gegen den Absolutismus von Ferdinand VII. Als die liberale Monarchie von Isabel II. etabliert wurde, erhielt er mehrere politische Ernennungen und begann seine parlamentarische Karriere – zunächst als Abgeordneter (1836–64) und dann als Senator (1864–73 und 1879–83).

Als offizieller Verhandlungsführer bei der Umschuldung Spaniens (1841), Börsenmakler für General Narváez und den Herzog von Riánsares, Gründer der Banco de Isabel II (1844) und der Banco de Cádiz (1846) machte er sich einen Namen. Als Finanzminister fusionierte er 1849 die spanischen Staatsbank Banco de San Fernando mit der von ihm gegründeten Banco de Isabel II. Sein Ruf als reicher und korrupter Geldwäscher machte ihn zur Zielscheibe des Volkszorns.

[5] Der aus einer lutherischen Familie stammende José de Buschental wurde 1802 als Josef von Buschental in Straßburg [Elsass] geboren. Als junger Mann ging er nach Amerika und ließ sich zunächst in Rio de Janeiro nieder. Dort heiratete er 1830 die zweite Tochter von Boaventura Delfim Pereira, Baron von Sorocaba, Maria da Glória de Castro Delfim Pereira.

Mit der Mitgift unternahm Buschental risikoreiche Geschäfte, die zu einem kapitalen Konkurs führten. Das Paar ging nach Europa. Hier machte man die Bekanntschaft von José Longinos Ellauri, dem ersten Botschafter Uruguays in Europa. Ellauri riet Buschental, sein Glück in der neu entstandenen Republik zu versuchen. In den folgenden Jahren erwarb

Buschental in Uruguay ein Vermögen. Mitte der 1870er segelte Buschental nach Frankreich, wo seine Frau lebte. Nachdem er mehrere Wochen in Paris verbracht hatte, begab er sich nach London, um Ärzte aufzusuchen. Am 25. November starb er im Alter von 68 Jahren allein im Clarendon Hotel in London.

Alle biographischen Angaben nach Wikipedia.

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