Aus privaten Sammlungen: Anweisung über 10 Gulden der Temesvárer Kammeramts-Kasse vom 1.5.1849

Die heute rumänische Stadt Timișoara (Temeschburg) stand als Teil des Königreichs Ungarn unter habsburgischer Herrschaft. Zerstört durch die Kriege gegen die Osmanen, wurde die Stadt im 18. Jahrhundert wieder aufgebaut; es entstanden eine Trinkwasserleitung und zahlreiche Bauten im Schönbrunner Gelb in der "Klein-Wien" genannten Stadt. 1781 wurde Temesvár – so lautete der ungarische Name – von Joseph II. in den Stand eines Municipiums, einer königlichen Freistadt, erhoben.


Am 18. März des Revolutionsjahres 1848 berief der Temesvárer Bürgermeister Johann Nepomuk Preyer eine Vollversammlung vor dem Rathaus ein, die die Treue zur Habsburgermonarchie versicherte. Vom 26. April bis 9. August 1849 wurde Temesvár von ungarischen Revolutionären belagert, bis die Stadt von den österreichischen Truppen unter Feldzeugmeister Julius von Haynau befreit werden konnte.


In der Notlage der 107-tägigen Belagerung durch die ungarische Armee kam es in Temesvár zur Ausgabe von Belagerungsscheinen: Undatierte Anweisungen über Beträge von 1, 3 und 6 Kreuzern sowie über 5 und 10 Gulden Konventionswährung mit dem Datum vom 1. Mai 1849 sollten dem Geldmangel Abhilfe leisten.


Nach der Niederschlagung der Ungarischen Revolution erlebte Temesvár zahlreiche Modernisierungen: 1857 erfolgte der Anschluss der Stadt an das Eisenbahnnetz, 1869 wurde eine Pferde- und 1899 eine elektrische Straßenbahn eingeführt und 1884 wurde Temesvár nach Paris, Nürnberg, Berlin und Steyr zu einer der ersten europäischen Städte mit elektrischer Straßenbeleuchtung.


Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs blieb Temesvár habsburgisch; danach erhoben sowohl Serbien als auch Rumänien Anspruch auf das Banat. Mit dem Vertrag von Trianon im Jahr 1920 fiel das Gebiet schließlich an das Königreich Rumänien. Auch in der Zeitgeschichte spielte Timișoara eine entscheidende Rolle: Dort nahm die Revolution von 1989 gegen den kommunistischen Diktator Nicolae Ceaușescu ihren Ursprung.


Aus der Sammlung Josef Gerber:


Haus Habsburg, Königreich Ungarn, Königliche Temesvárer freistädtische Kammeramts-Kasse:

Anweisung über 10 Gulden Conv. Münze vom 1. Mai 1849


Vorderseite: Wertangabe, Zahlungsversprechen, Datum und Unterschriften im Ornament-Rahmen; am linken Rand KÖNIGL. FREISTADT TEMESVÁR. Lochentwertung.

Rückseite: Druck einseitig

Serie/Kontrollnummer: Serie B, No. 462

Einlösungstermin: 1. Juli 1850

Katalogreferenzen:

HUN-S198b (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. I – Specialized Issues)


Kana Totsuka


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