Der schöne Schein – Symbolik und Ästhetik von Banknoten

Aktualisiert: 25. Juni 2018



Stefan Hartmann/Christian Thiel (Hrsg.):

Der schöne Schein – Symbolik und Ästhetik von Banknoten

308 Seiten, durchgängig farbig bebildert, Format 14,8 cm x 21 cm, Klebebindung,

Regenstauf 2016.

Preis: 29,– Euro.

ISBN: 978-3-86646-850-4


Vom 17. bis 19. Oktober 2014 fand an der Universität Augsburg die erste interdisziplinäre wissenschaftliche Tagung zum Thema Banknoten in Deutschland statt. Deren Initiatoren sind auch Herausgeber des nun erschienenen Tagungsbands. In ihm sind die wichtigsten Vorträge der international besetzten Teilnehmerliste der Tagung zusammengefasst. Die Wissenschaft hat die Notaphilie entdeckt und am Ende der Tagung waren viele Teilnehmer von dem überrascht, was die Beschäftigung mit Geldgeschichte und Geldscheinen alles offenbart.

Nach einer Einleitung der beiden Herausgeber berichtet Prof. Dr. Gottfried Gabriel (ehem. Friedrich-Schiller-Universität Jena) von der Ästhetik und Rhetorik des Geldes.

Dr. Christian Thiel (Universität der Bundeswehr) beschäftigt sich mit Banknoten im Blickpunkt der Wissenschaft.

Prof. Dr. Heinz Tschachler von der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt setzt sich mit den US-Dollars auseinander. Unter dem Motto „O Washington – O Father“ zeigt er auf, wie George Washington in einer „vaterlosen Gesellschaft“ zum Gesicht der Nation wurde und bis heute die Papier-Dollars prägt.

Dr. Reinhold Zilch von der Akademie der Wissenschaften Berlin-Brandenburg – engagierten Sammlern durch seine wissenschaftliche Arbeit „Okkupation und Währung im Ersten Weltkrieg“ bekannt – beschäftigt sich mit der numismatischen Ikonografie von Nachfolgestaaten nach dem Ersten Weltkrieg.

Dr. Peter Leisering, den viele Leser auch von seinen fundierten Beiträgen über die Ausgaben der Deutschen Notenbank und der Staatsbank der DDR kennen, bleibt auch hier dem Thema treu. Er betrachtet die Banknoten der DDR als Spiegel der gesellschaftlichen Situation.

Die Bedeutung der Adler-Arabeske in der syrischen Geld-Tradition untersucht MA Esam Aljaber Abou-Fakher von der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg.

MA Katharina Depner, wissenschaftliche Mitarbeiterein der HVB Stiftung Geldscheinsammlung in München, untersucht die Ikonografie von Banknoten afrikanischer Länder im Zusammenhang mit der Herausbildung unabhängiger Staaten.

MMag. Dr. Stefan Hampl von der Sigmund Freud Privatuniversität Wien setzt sich intensiv mit der Gestaltung der Euro-Banknoten auseinander und erläutert dabei Details, die den allermeisten Sammlern unbekannt sein dürften.

Mag.art. Mila Moschik aus Wien hat Restaurierung/Konservierung mit dem Schwerpunkt Papier und Fotografie sowie Kunstgeschichte studiert. Ihr geht es um Material-Illusionen auf Wertpapieren, also darum, dass ein Wertpapier einen materiellen Wert vortäuscht, der in Wirklichkeit nicht vorhanden ist.

Dr. Stefan Hartmann von der Universität Augsburg beschäftigt sich mit „Banknoten-

Fakes“, also Scherz- und Fantasienoten.

Das Thema von Dr. Meropi Tzanetakis vom Vienna Centre for Social Security hat zwar nicht direkt mit Banknoten zutun, ist aber dennoch äußerst interessant. Ihr geht es darum, wie aus visueller Symbolik ein Vertrauen schaffendes System der virtuellen Währung Bitcoin entsteht.

Der reichhaltig illustrierte Tagungsband sei jedem Numismatiker empfohlen, der nicht nur Geldscheine sammelt, sondern sie auch im Kontext der Zeitgeschichte betrachtet, in dem sie sowohl Wertpapier als auch Kunstobjekt verkörpern. Bezogen werden kann der Band über den Battenberg Gietl Verlag oder den Buch- und Fachhandel.


Hans-Ludwig Grabowski

Münzen & Sammeln, Ausgabe 2016/03

#Weltbanknoten #Grabowski