Die Noten der State Bank of the Riff


State Bank of the Riff, 10.10.23, 5 Riffans, Vorderseite. Einseitiger Druck, Größe: 127 x 82 mm.

Um 1669 ergriffen die Alawiden, die noch heute in Marokko herrschende Dynastie, die Macht. Sie verdrängten die Spanier und Portugiesen weitgehend aus dem Land. Nach der Eroberung Algeriens (ab 1830) versuchte Frankreich, seinen Einfluss auf Marokko auszudehnen. 1843/44 kam es zum Krieg, der mit einer Niederlage der marokkanischen Truppen endete. Infolgedessen wurde Marokko zum Zankapfel der miteinander konkurrierenden europäischen Mächte. Auf der Konferenz von Madrid schlossen der Sultan von Marokko und verschiedene europäische Mächte sowie die USA am 3. Juli 1880 die Madrider Konvention. Sie garantierte die Souveränität des Landes, verpflichtete es aber zur „Politik der offenen Tür“, sodass das Land um die Jahrhundertwende dem semi-kolonialen Status Chinas glich.


Frankreich war bestrebt, sein Kolonialreich von Algerien aus bis zum Atlantik auszudehnen, während Großbritannien freie Hand in Ägypten wünschte. Allerdings überschnitten sich die jeweiligen Interessen. Im anglo-französischen Abkommen von 1904 vereinbarten die Vertragspartner, dass England seine Unterstützung für den Sultan von Marokko beendet und im Gegenzug Frankreich auf seine Rechte in Ägypten verzichtet. Diese Entwicklung belastete das Verhältnis des Deutschen Reichs zu Frankreich und führte zur ersten Marokkokrise (1904/1905), die durch die Konferenz von Algeciras beigelegt wurde. Die Ergebnisse wurden in der so genannten „Algeciras-Akte“ zusammengefasst, die am 7. April 1906 unterschrieben wurde. Danach wurden die allgemeine Handelsfreiheit und die Souveränität Marokkos formell zwar anerkannt, doch sicherte sich Frankreich das Zugeständnis, gemeinsam mit Spanien die marokkanische Polizei sowie die Staatsbank verwalten zu dürfen. Unter spanische Kontrolle kamen Tetuan und Larache, an Frankreich fielen Rabat, Safi, El Jadida und Essaouira, während Polizisten beider Länder Tanger und Casablanca überwachen sollten.


Das Ergebnis der Konferenz war für die deutsche Delegation enttäuschend, sodass die Spannungen blieben und schließlich zur Zweiten Marokkokrise (1911) führten. Nachdem französische Truppen Fès und Rabat besetzten, entsandte Kaiser Wilhelm II. persönlich das Kanonenboot Panther nach Agadir. Die Krise wurde schließlich am 4. November 1911 mit dem Marokko-Kongo-Vertrag beigelegt, in dem das Deutsche Reich auf seine Ansprüche in Marokko verzichtete und dafür mit einem Teil der französischen Kolonie Französisch-Äquatorialafrika (Neukamerun) entschädigt wurde. Im März 1912 unterzeichnete Sultan Mulai Hafid einen Vertrag, in dem er ein französisches Protektorat über Marokko anerkannte.


Im folgenden spanisch-französischen Vertrag übertrug Frankreich Nord-Marokko an Spanien. Die spanische Zone bestand aus zwei großen Gebieten, dem Rif im Osten und dem Jibala im Westen. Durch das Rif-Gebirge getrennt von der übrigen marokkanischen Bevölkerung im Süden des Landes unterscheidet sie sich im Norden in der Physiognomie von den übrigen Berberstämmen: blasshäutig, oft rothaarig mit hellen Augen, sind es mögliche Nachkommen der germanischen Vandalen.


Das Rif wird von vielen Stämmen bevölkert, die im Allgemeinen nur in ihrem eigenen Interesse handelten. Es gab nur selten Vereinbarungen, die die Stämme verbanden. Einzig die Abneigungen gegen die Spanier einte sie. Der spanische Einfluss reichte kaum über die Küstenzone hinaus, sodass das Militär bestrebt war, das Hinterland unter Kontrolle zu bringen. Hiergegen regte sich bei einem der größeren Stämme, den Aith Waryagher, im Osten der spanischen Zone stärkerer Widerstand.


Abd al-Krim, Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Abd_al-Karim.

Si Muhammad n-Si Abd al Krim al-Khatabi oder allgemein als Abd al-Karim (* 1882) bekannt, organisierte den Widerstand. Der Sohn eines Qadi (islamischer Richter) hatte in Madrid Bergbau studiert und unterhielt gute Beziehungen zu den Brüdern Mannesmann, die in Marokko verschiedene Minenkonzessionen besaßen. Ab 1906 arbeitete er viele Jahre in verschiedenen Positionen in der Zentrale für einheimische Angelegenheiten und wurde 1914 Chief Qadi der Melilla-Zone sowie Herausgeber der arabischen Beilage von El Telegrama del Rif.


Im Ersten Weltkrieg förderte Walter Zechlin, der Konsul des Deutschen Reichs in Tetuan, antikoloniale Bestrebungen und verhandelte auch mit Mohammed Abd al-Karim, der von 1916 bis 1917 in spanische Haft kam. Ab Anfang 1919 warb Abd al-Karim für die Bildung eines Stammesbündnisses mit dem Ziel, die Spanier aus dem Land zu vertreiben. Sechs Stämme des Rif-Gebirges riefen 1921 Abd al-Karim zum Emir (Befehlshaber, Fürst) aus. 1923 proklamierte er als Präsident der Rif-Republik die Unabhängigkeit von Spanien. Vorausgegangen waren verschiedene Feldzüge.


Im Mai 1921 griff er mit dreihundert Kriegern den befestigten spanischen Posten

Dar Abara (oder Abaran) an, bei dem die Spanier drei- bis vierhundert Soldaten verloren. Dieser Sieg brachte ihm die Unterstützung weiterer Stämme ein. General Sylvestre, der Befehlshaber der spanischen Streitkräfte in Melilla forderte von

Abd al-Karim die Herausgabe der getöteten spanischen Soldaten der Schlacht von Dar Abara. Als der sich weigerte, griff der General, um seine Autorität wieder herzustellen, mit seinen Truppen Sidi-Bouyane bei Anoual an. Wieder wurden die Spanier geschlagen. Daraufhin sammelte der General seine Truppen in Ygueriben, südlich von Anoual.

Da die aufständischen Rifkabylen die Versorgung der spanischen Truppe unterbrachen, war der General gezwungen, den sofortigen Angriff zu befehlen. Die Schlacht vom

21. bis 26. Juli endete in einem Fiasko. Fünfzehn- bis neunzehntausend Spanier wurden bei der Schlacht und auf dem Rückzug zur Küste getötet, darunter auch der General.


Nach ihren Siegen übernahmen die Rifkabylen die Kontrolle über den Jibala. Abgesehen von der internationalen Enklave Tanger und den spanischen Presidios (Festungen) hielten Abd al-Karim und seine Krieger die gesamte spanische Zone. Trotz der militärischen Erfolge blieb die staatliche Anerkennung durch die Staatengemeinschaft aus. Dies bedeutet aber nicht, dass die die Rif-Republik keine Unterstützung erhielt.

So besuchten Sympathisanten, Anhänger und Journalisten die junge Republik, und mancher Besucher vertrat Minengesellschaften, die die Eisenvorkommen der Region erschließen wollten.


Unter den Besuchern war auch der britische Abenteurer Captain Charles Alfred Paroy Gardiner, auch gekannt als „Percy“ Gardiner. Er war am Waffenschmuggel ins Rif beteiligt. Im Mai 1923 erwarb Gardiner im Namen eines Konsortiums, dessen

Co-Direktor er war, verschiedene Konzessionen, darunter das Recht zur Errichtung einer Emissionsbank in Adjdir. Gardiner wurde wohl wegen des Drucks von Banknoten bei verschiedenen Wertpapierdruckereien in Großbritannien ohne Erfolg vorstellig, da die bekannten Noten zu 1 und 5 Riffans sicherlich keine Produkte einer Wertpapierdruckerei sind.


Das Design beider Banknoten unterscheidet sich nur in der Farbe: Der Wert zu 1 Riffan ist rot und der zu 5 Riffans ist grün, ansonsten ist der einseitige Druck gleich gestaltet.

In einem Schmuckrahmen, der den ganzen Schein umschließt, befindet sich im oberen Drittel links und rechts am Rand ein Halbmond mit Stern, dazwischen „STATE BANK OF THE RIFF“ und darunter ein Text in arabischer Schrift. Im mittleren Drittel links und rechts ein Beduine auf einem Pferd reitend. Dazwischen in einem Rahmen ein Text in arabischer Schrift. Über diesem Rahmen die sechsstellige schwarze Kennnummer mit vorgesetztem „No.“ und rechts davon die Datumsangabe: „10.10.23“. Im unteren Drittel schließlich links die Wertangabe in einer Ziffer im Kreis sowie rechts in einem Kreis ein Text in arabischer Schrift. Dazwischen die Wertangabe „FIVE RIFFANS“ bzw. „ONE RIFAN“. Darunter zusätzlich zweizeilig „EQUAL TO FIFTY ENGLISH PENCE / BON POUR CINCO FRANCS D’OR“ bzw. beim Wert zu 1 Riffan „EQUAL TO TEN ENGLISH PENCE / BON POUR UN FRANC D’OR“. Eigentlich hatte die englische Währung im Rif-Gebiet keine Bedeutung. Umso erstaunlicher ist ihre Angabe auf den Scheinen. Unverständlich ist dagegen, dass eine Wertangabe in Pesetas unterblieb, zumal sie die gängige Währung in Nordmarokko war. Anzumerken ist noch, dass das Papier kein Wasserzeichen aufweist.


Peter Symes geht davon aus, dass die Banknoten nie in den Umlauf gelangten.

Er schreibt: „Das Schicksal der Bündel von ‚Riffans“, die an das Rif geliefert wurden, ist unbekannt. Während die Mehrzahl zerstört wurde, wurden einige Noten als Souvenir von spanischen Militärangehörigen nach der Kapitulation der Rifkabylen mitgenommen.

Das Ende der Rif-Republik kam 1926, als Frankreich und Spanien die Rifkabylen in einen Zweifronten-Krieg verwickelten. Im Mai 1926 kapitulierte Abd al-Karim und wurde mit seinen engen Freunden auf die Insel Reunion im Indischen Ozean verbannt. Erst 1947 erhielt er die Erlaubnis, in Frankreich zu leben. Auf dem Weg dorthin erhielt er Asyl in Ägypten. Auf das Angebot Sultan Muhammad V. (seit 1956 war Marokko wieder selbstständig) nach Marokko zurückzukehren, ging er nicht ein. Er starb am 6. Februar 1963 in Kairo.


Literatur

Peter Symes, The Notes of the Rif Revolt, in: International Bank Note Society Journal, Volume 41, No. 3, 2002.


Text und Abb. Uwe Bronnert

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