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Die „Schein“-Banknote der Wiener Großausstellung „1918“

Hin und wieder wird bei ebay ein Schein angeboten, dessen Vorderseite auf den ersten Blick dem der Reichsbanknote zu 500 Milliarden Mark vom 26. 0ktober 1923 (DEU-152) ähnelt. Während das Original 137 x 65 mm groß ist, hat dieser Schein die Maße 145 x 84 mm.

Die Farbe des echten Scheins ist links hellviolett und der Text hellbraun, während die Vorderseite der Imitation einen Unterdruck in Hellgrün erhielt. Einzelne Buchstaben im Text, wie z.B. R, V …, weichen deutlich von der ursprünglichen Note ab.

Was es mit dieser Imitation auf sich hat, vermittelt der umfangreiche Text auf der Rückseite:


Fünfhundert Milliarden Reichsmark = 500.000 Millionen / = 500.000.000.000 RM Dafür erhielt man 1 kg Brot während der Inflation, die durch die hemmungslose jüdische Spekulation / hervorgerufen wurde. Der Verlust aller Ersparnisse, Arbeitslosigkeit, Hunger und entsetzliche Not waren / die weiteren Folgen des „gerechten“ Friedens der Freiheit und Unabhängigkeit, die uns unsere englischen / und amerikanischen „Freunde“ versprochen hatten.

Am 16. Juli 1919 hat die Nationalversammlung der deutschösterreichischen Republik zu dem Friedens-/diktat einstimmig folgende Entschließung angenommen: / Das, was dem Volk Deutsch-Österreichs in diesem Frieden gegeben wird, ist kein Frieden der Ver-/söhnung, es ist ein Vernichtungsfriede. Dieser Friede bedeutet für uns nicht Erlösung aus den Qualen / des Krieges, er bedeutet für uns ihre Verlängerung, er bedeutet Hunger, Not, Elend und Verderben.' Die Großausstellung 1918 / zeigt in Originaldarstellungen Ursachen und Folgen des Zusammenbruchs von 1918. Sie beweist auch über-/zeugend, daß sich in diesem Krieg die Ereignisse des Jahres 1918 nicht wiederholen werden. / Wir werden diesen Kampf fortsetzen bis zum Sieg! / Jeder Wiener, jede Wienerin muß die Ausstellung 1918 gesehen haben.

18. Dezember 1943 – 29. Februar 1944 im Messepalast, Wien VII. Täglich (auch Sonntag) von 9 bis 19 Uhr. // Eintrittspreis: An der Tageskasse 50 Rpf. – Vorverkaufskarten zum ermäßigten Preis von 40 Rpf. erhält-/lich bei allen Ortsgruppen, Dienststellen und Amtswaltern der NSDAP, der DAF., der NSV., der NS-Frauenschaft, in / der NS.-Gemeinschaft 'KdF.', sowie bei zahlreichen Organisationen und Verbänden.“


Abb. 1: Propagandaschein zur Großausstellung vom 19.12.1943 – 29.2.1944 im Messepalast in Wien im Stil der Reichsbanknote zu 500 Mrd. Mark vom 26. Oktober 1923, Vorder- und Rückseite.


Abb. 2: Reichsbank, 26. Oktober 1923, 500 Mrd. Mark, Vorderseite. Rückseite unbedruckt.


Mit diesem Schein wurde also für den Besuch einer Großausstellung zum Thema "1918" geworben. Schaut man sich den Rückseitentext und den folgenden Zeitungsbericht der Leipziger neuesten Nachrichten vom 28. Dezember 1943 genauer an, wird schnell deutlich: Die Bevölkerung soll mithilfe der Ausstellung in ihrer Überzeugung gestärkt werden, dass der derzeitige Krieg notwendig und unbedingt siegreich beendet werden musste. Die Ausstellung knüpft an die selbst erfahrene Not der Besucher im Ersten Weltkrieg und der Inflationszeit an. Die Schuldigen für die damalige Misere sind schnell ausgemacht: Die hinterhältigen Alliierten, das Weltjudentum und die Bolschewisten, gegen die man jetzt gezwungen war Krieg zu führen. Auch die unfähigen Regierungen der Weimarer Zeit werden für den Niedergang Deutschlands verantwortlich gemacht. Es wird suggeriert, dass Hitler und der Nationalsozialismus Deutschland zum Glück wieder zu alter Größe geführt habe – so die propagandistische Botschaft dieser Ausstellung. Diesmal sollte der Sieg nicht wieder durch Zauderer, Pazifisten und Kriegsmüdigkeit verspielt werden. Unter dieser Prämisse ist die Überschrift „Ein 1943 ist kein 1918“ des Berichtes der Leipziger neuesten Nachrichten zu verstehen:


„[…] Die Eröffnung am Sonnabend wurde durch einen Festakt im Deutschen Volkstheater eingeleitet. Darauf strömten Tausende durch die Ausstellungsräume des Messepalastes.


Reiches Bildmaterial und aufschlußreiche Dokumente im Ausgangsraum der Ausstellung beleuchten die militärische und politische Lage der Mittelmächte im Jahr 1918, den Heldenkampf unserer Heere und die innere Zersetzung. Ein Werbematerial der vielfältigsten Art setzten die Feinde gegen uns in Bewegung. Generalstreik, Sabotage, Pazifismus und andere hinterhältige Mittel und Schlagworte wurden angewendet, um Deutschland, das militärisch nicht zu schlagen war, von innen heraus sturmreif zu machen. Ein Bild stellt den zielbewußten Lloyd George dar, wie er mit erhobenem Zeigefinger seinen Landsleuten die Lehre zu vermitteln scheint: Die Deutschen sind nur durch Deutsche zu besiegen. Dann macht uns die Ausstellung mit den berüchtigten 14 Punkten des amerikanischen Präsidenten bekannt.


Der nächste Saal trägt die Ueberschrift: Die Feinde haben ihr Ziel erreicht. In Bildern, Maueranschlägen und Zeitungen feiert die furchtbare Elendszeit von 1918 ihre Auferstehung. Aber auch schon die Zeitungen des Jahres 1917, die in Originalen ausliegen, berichten, daß die Lebensmittelfrage brennend geworden war. Die jeder Menschlichkeit hohnsprechende Blockade und die unzureichende Vorbereitung der eigenen Führung hatten Mangelerscheinungen im Gefolge, aus denen wir erst ermessen können, welchen Wert die gerechte Verteilung aller Güter bedeutet, wie sie in diesem Krieg schon am ersten Tag einsetzte. Aber erst nach dem sogenannten Friedensschluß erfuhr das deutsche Volk, das den Feinden ins Garn gegangen war, welche Dummheit es damit begangen hatte. Hunger, Elend und nackte Armut, begleitet von roten Revolten, die von Juden und Judenfreunden angezettelt waren, das war das Gesicht des Zusammenbruches, der das deutsche Volk für immer erledigen sollte.


Aber nur sollte. Denn die letzten Säle der Ausstellung zeigen, wie das deutsche Volk, geführt von Adolf Hitler, wieder den Weg aufwärts fand. Als Losung nehmen wir nach dem Besuch der Ausstellung den Satz mit, der auf der Abschlußwand angebracht ist: Wir müssen, wir wollen, wir werden siegen!“


Uwe Bronnert

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