Doppelwährung in der britischen Kronkolonie Heligoland

Aktualisiert: 15. Jan 2019

Im Verlauf der britisch-dänischen Auseinandersetzungen in den Napoleonischen Kriegen besetzten britische Truppen im September 1807 Helgoland, das seit 1714 der dänischen Krone unterstand. Die von Napoleon I. verhängte Kontinentalsperre verhinderte den Import englischer Waren auf das europäische Festland. Zwischen 1807 und 1813 entwickelte sich deshalb die Insel zu einem lebhaften Schmuggler-Stützpunkt. Von hier wurden Waren heimlich über Wangerooge und Neuwerk zum Festland geschmuggelt. Im Kieler Frieden vom 14. Januar 1814 wurde der Verbleib Helgolands bei Großbritannien besiegelt. Helgoland wurde zur britischen Kronkolonie Heligoland.

Mit Aufhebung der Kontinentalsperre begann der wirtschaftliche Niedergang der Inselwirtschaft. Die katastrophalen wirtschaftlichen Verhältnisse änderten sich erst, nachdem 1826 ein tatkräftiger Inselbewohner den Entschluss fasste, ein Seebad zu gründen. Im ersten Sommer kamen etwa 100 Badegäste in offenen Segelbooten.

1834 begann mit zwei Raddampfern von Hamburg aus der regelmäßige Bäderverkehr nach Helgoland, sodass die Gästezahl kontinuierlich stieg. 1838 waren es bereits mehr als 1000. Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der Dichter des Deutschland-Liedes, und Heinrich Heine gehörten zu den prominentesten Verehrern Helgolands. Immer mehr Gäste der besseren Gesellschaftskreise ließen sich auf die Insel locken; 1882 zählt man bereits 5000.

Die Insulaner lernten während der britischen Zeit, statt mit Talern und Louisdors in Pfund Sterling zu rechnen, aber auch hamburgische Schillinge und später die Mark des neu gegründeten Deutschen Reichs waren allgemein im Umlauf.

Bereits im Jahre 1796, als Helgoland noch dänischer Besitz war, errichtete Hamburg eine Postagentur, die bis zum Übergang an die britische Regierung am 1. Juli 1866 dem Hamburger Postamt unterstand. Die in Hamburg ab 1859 eingeführten Freimarken, die auf hamburgische Schillinge lauten, wurden ab Sommer 1862 auch an die Helgoländer Postagentur abgegeben und mit dem Hamburger Stadtpostamt verrechnet.

Das nunmehr englische Postamt wurde offiziell am 1. Januar 1867 eröffnet.

Der bisherige deutsche Postbeamte vor Ort wurde zum englischen Postmaster.

Die neuen Briefmarken, die die Preußische Staatsdruckerei lieferte, zeigen den Kopf der Königin Victoria in Prägedruck und nennen die Währungsangabe in hamburgischen Schillingen. Die ab 1875 gelieferten Briefmarken weisen nun zwei Währungsbezeichnungen auf: für die deutsche Währung in Pfennig und für die englische in Pence und Farthing.


Die Wertangaben auf den Briefmarken lauteten:

1 Pfennig = 1 Farthing

2 Pfennig = 2 Farthings

3 Pfennig = 2 Farthings

5 Pfennig = 3 Farthings

10 Pfennig = 1 ½ Pence

25 Pfennig = 3 Pence

50 Pfennig = 6 Pence

Bei Zugrundelegung der englischen Währung fällt auf, dass einige Umrechnungen nur Näherungswerte sind:

1 Pound Sterling – 20 Shillings – 240 Pence – 960 Farthings

1 Shilling – 12 Pence – 48 Farthings

1 Penny – 4 Farthings

Vielleicht wurde daher bei der folgenden Ausgabe das Umrechnungsverhältnis geändert:

3 Pfennig = 2 ½ Farthings

20 Pfennig = 2 ½ Pence

1 Mark = 1 Shilling

5 Mark = 5 Shillings


Bild 1: Postwertzeichen, 3 Pfennig = 2 Farthings

Bild 2: Postwertzeichen, 10 Pfennig = 1 ½ Pence

Hatten die Briten nach der Kontinentalsperre kurzfristig die Rückgabe Helgolands an die Herzöge von Schleswig-Gottorp erwogen und später einen Verkauf an Hamburg, so tat sich Queen Victoria schwer, die Insel ihrem Enkel Wilhelm zu überlassen. Anfang 1890 kam Bewegung in die Angelegenheit. Am 1. Juli wurde der sog. „Helgoland-Sansibar-Vertrag“ unterzeichnet, in dem es um einen Interessenausgleich zwischen den beiden europäischen Großmächten ging. Während das Deutsche Reich Helgoland erhielt und Großbritannien auf Gebietsansprüche an der Küstenzone Deutsch-Ostafrikas verzichtete, die zum Herrschaftsgebiet des Sultans von Sansibar gehörten, verzichtete das Reich im Gegenzug auf Ansprüche auf Sansibar und an Wituland.

Am 10. August 1890 nahm Kaiser Wilhelm II. das 4,2 qkm große Eiland für das Deutsche Reich in Besitz. Bei prachtvollem Wetter hielt der Kaiser um 11 Uhr unter kolossaler Pracht- und Machtentfaltung seinen Einzug. Nahezu 100 große Schiffe, meist deutsche Kriegsschiffe, ankerten vor der Insel. Unter Kanonendonner sämtlicher Kriegsschiffe wurden die Kaiserstandarte und die Reichsflagge gehisst. Ein Feldgottesdienst und eine große Parade, an der ca. 3500 Mann teilnahmen, begleiteten das Ereignis.

Ein Reichsgesetz vom 15. Dezember 1891 schlug die Insel dem preußischen Staat zu.

Die „Verordnung, betreffend die Einführung von Reichsgesetzen in Helgoland“ vom

22. März 1891 führte auch die Gesetze über das Münzwesen und die Reichskassenscheine des Reichs ein. Ein besonderer Umtausch des englischen Gelds erfolgte wohl nicht. Die Helgoland-Briefmarken mit der Doppelwährung waren bereits am 9. August 1890 ungültig geworden.




Passend zum Thema stellte uns die SINCONA AG aus Zürich noch die Abbildungen einer Postanweisung des Royal Post Office Heligoland aus den 1870er Jahren zur Verfügung. Versteigert wurde das Stück in der Sincona-Auktion 36 als Los 7198.


Text und Briefmarken Uwe Bronnert

Abb. Postanweisung: Sincona AG, www.sincona.com

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