Not macht erfinderisch – Frühes europäisches Papiergeld

Aktualisiert: Juni 10

In Europa gab es das erste Papiergeld im 15. Jahrhundert. Es entstand aus einer Notlage heraus. Immer wieder wurden Kriege geführt, Festungen belagert und oft wurden Kirchenglocken oder Messgeschirr eingeschmolzen und dann vermünzt, weil es an Geld fehlte. Sogenannte Belagerungsmünzen sind ein eigenständiges Sammelgebiet bei den Numismatikern.

1483 gaben die Spanier in Alhambra in Ermangelung von Metall das erste euro­päische Papiergeld aus, als die Stadt von den Mauren belagert wurde. Um den Sold der spanischen Truppen bezahlen zu können, wurden im Namen des Königs Scheine in Umlauf gebracht, zu deren Annahme er die Bürger der Stadt unter Garantie der späteren Einlösung in Gold und Silber nach Ende der Belagerung verpflichtete. Leider ist heute kein einziger dieser Scheine mehr erhalten und so können wir uns nur auf die Überlieferungen aus jener Zeit verlassen.


Europas ältestes erhaltenes Geld aus Papier: Pappmünze der Stadt Leyden über 20 Stuiver aus dem Jahr 1574 mit einer Einfassung als Anhänger getragen.


Das älteste Papiergeld auf ehemals deutschem Reichsgebiet und zugleich das älteste erhaltene Papiergeld Europas sind die Pappmünzen der niederländischen Städte Leyden und Middelburg aus den Jahren 1573/1574. Auch sie waren Notgeld. Sie entstanden während der spanischen Belagerung der Städte, als kein Silber mehr für Münzprägungen zur Verfügung stand, aus Buchdeckeln katholischer Kirchenbücher.

Mehr dazu in unserem Beitrag "Notausgaben im Spanisch- Niederländischen Krieg 1568 – 1648".

Der Dreißigjährige Krieg 1618 – 1648 brachte eine Vielfalt von handgeschriebenen und gedruckten Notgeldscheinen, welche meist als Truppen- oder Heeresgutscheine bzw. als Belagerungsgeld genutzt wurden. Mehr dazu finden Sie in unserem Beitrag "Schwedische Truppengutscheine aus dem Dreißigjährigen Krieg".

Mit der Gründung von Giro-Banken in ganz Europa im 16. und 17. Jahrhundert kam es zur wesentlichen Förderung des bargeldlosen Zahlungsverkehrs. Für deponierte Edelmetalle gewährten die Banken Guthaben, über die mittels Anweisungen verfügt werden konnte.


Hans-Ludwig Grabowski

Handbuch Geldscheinsammeln

Abb. HVB Stiftung Geldscheinsammlung, München

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