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Leserpost: Überdruckprovisorium der Bayerischen Staatsbank zu 50 Billionen Mark?

Sehr geehrter Herr Grabowski,

in einem Posten alter Geldscheine fand ich den im Anhang abgebildeten Schein der Bayerischen Staatsbank.

Der Schein zeigt ein paar sehr "anrüchige" Eigenschaften:

  1. Die Überdruckschrift zeigt im Vergleich zu Milliardenscheinen deutliche Unterschiede.

  2. Der Basisschein zeigt deutliche Umlaufspuren (wahrscheinlich ohne Überdruck?).

  3. Den Basisschein kam man auch in kassenfrischer Erhaltung derzeit ohne Probleme kaufen, deshalb müssten bei einer modernen Fälschung schon mehrere Exemplare auf dem Markt aufgetaucht sein, was ja nicht des Fall ist.

Mit Interesse sehe ich Ihrer Bewertung entgegen und verbleibe

mit freundlichen Grüssen.

Dr. Richard Stanek



Antwort der Redaktion

Es handelt sich ganz offensichtlich um eine zeitgenössische Manipulation eines gelaufenen Scheins der Bayerischen Staatsbank in München über 100 Millionen Mark vom 20. September 1923. Im Herbst 1923, es war die Zeit der sog. "Hochinflation" in Deutschland, fiel der Wert der Mark rasant. Jetzt kamen auch immer mehr Überdruckprovisorien in Umlauf, und zwar nicht nur bei Banknoten, sondern sogar bei städtischen Notgeldscheinen, für die man durch die Inflation wertlos gewordene Scheine nutzte. Bei der wahren Papiergeldflut verloren die meisten Menschen schnell den Überblick. Das machten sich Fälscher zu Nutze, um eigene "Provisorien" herzustellen. Hierzu manipulierten sie Scheine aus dem Umlauf mit provisorischen Überdrucken oder Überstempelungen, um einen höheren Geldwert zu suggerieren. Beim vorliegenden Schein hat der Fälscher einen denkbar einfachen Weg gewählt. Er nutzte Tusche und Schreibfeder, um den höheren Nennwert zu 50 Billionen Mark mit der Hand hinzuzufügen. Man erkennt deutlich die Spuren der handschriftlichen Manipulation.

Bei dieser Gelegenheit fallen uns auch die handgezeichneten Fälschungen der Scheine der Bayerischen Staatsbank in Nürnberg aus der revolutionären Zeit der noch jungen "Weimarer Republik" ein.

Der Schein ist in dieser Form auf alle Fälle ein interessanter geld- und zeitgeschichtlicher Beleg, auch oder gerade weil es sich um eine Manipulation handelt.


Hans-Ludwig Grabowski

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