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Leserpost: 100-Reichsmark-Fälschung

Passend zur aktuellen Serie über Papiergeld-Fälschungen möchte ich Ihnen ein Kuriosum zusenden, welches ich vor vielen Jahren bei einem bekannten Händler in München gekauft habe. Die Note war eigentlich in einer Schachtel mit Massenware und als ich diese bezahlt hatte, habe ich den Händler auf das Besondere des Scheines hingewiesen. Er gab unumwunden zu, dies nicht gesehen zu haben und beglückwünschte mich zu dem Schnäppchen.

Fälschung zu 100 Reichsmark vom 24. Juni 1935, Vorder- und Rückseite.

Anbei eine auf den ersten Blick unauffällige 100-Reichsmark-Note aus dem Jahr 1935 in stark gebrauchter Erhaltung. Diese Note war demnach wohl auch im Umlauf. Auch sehr wahrscheinlich wurde sie aus eingezogenen gebrauchten Noten, welche vernichtet worden waren, zusammengebastelt.

Die Note ist mit zwei "Wertlos-Stempeln" unbrauchbar für den Umlauf gemacht worden.

Auf den ersten Blick, nein auf den zweiten Blick, fällt aber auf, dass sie zwei verschiedene Kontrollnummern trägt: D 7935129 im Schaurand und C 6391497 rechts unten. Dies wäre ja ein aussergewöhnlicher Fehldruck.



Detailansichten im Gegenlicht.


Der Blick gegen das Licht löst aber das Rätsel. Der Schein wurde aus Teilen von mind. zwei Noten zusammengestellt und dies in einer solchen Perfektion, dass die „Handarbeit“, liegt der Schein vor einem, nicht auffällt.


Jens Dobokay


Antwort der Redaktion

Tatsächlich handelt es sich um einen ganz besonderen Schein, der aus Teilen zwei verschiedener Banknoten gebildet wurde. Sicher wollte der "Hersteller" damit nicht Sammlern einen seltenen Fehldruck vorgaukeln. Wir müssen uns also fragen, warum man zwei fast exakt gleich große Teile verschiedener 100-RM-Scheine zusammenfügte. Eine Manipulation macht eigentlich kaum Sinn, denn so kann man keine sog. "Systemnote" erzeugen, um "Gewinn" zu erzielen. Sinn macht es aber, wenn man bedenkt, dass der Besitzer vielleicht zwei Hälften unterschiedlicher Noten besessen hatte, die er jede für sich nicht mehr einlösen konnte, weil sie nicht mehr als 50% der Originalscheine ausmachten. Das wäre immerhin eine Voraussetzung für deren Einlösung bei der Reichsbank gewesen. Fügt er sie aber geschickt zusammen, kann er sie wieder in den Umlauf bringen ohne, dass es den meisten Menschen auffallen würde. Wahrscheinlich hatte er dabei auch kaum ein schlechtes Gewissen, denn immerhin handelte es sich um zwei Hälften von Originalscheinen. Irgendwann wurde der Schein dann aber doch angehalten, nachdem er lange zirkuliert ist und schon stark verschlissen war. Da jede Hälfte für sich nicht einlösbar gewesen wäre, war es dann natürlich auch die fast perfekt zusammengefügte Manipulation nicht. Beide Teile des "Machwerks" wurden deshalb mit den Stempeln "Wertlos" versehen.

Leider ist der handschriftliche Vermerk im linken Schaurand der Vorderseite nur schwer zu lesen, er muss aber auch nichts mit der Entwertung zu tun haben. Eine Zusammensetzung aus mehr als zwei Teilen schließe ich anhand der Abbildungen aus (ich sehe eigentlich nur den Riss durch die Mitte des Scheins), obwohl diese natürlich mehr Sinn machen würde, will man aus kleineren Teilen von Banknoten wieder eine ganze basteln, während man die größeren Teile (über 50%) einfach bei der Bank einlöst.

Es gäbe natürlich auch noch eine andere Erklärung. Die zwei Teile, aus denen man die Manipulation bastelte, waren bereits gebraucht und eingelöst worden. Beide entsprachen über 50% vom Originalschein. Es wäre nicht das erste Mal, dass Scheine einer vorgesehenen Vernichtung durch Diebstahl entgangen sind. Geschickt zusammengesetzt, wobei mehr als 50% durchaus hilfreich waren, hätte man nun versuchen können, sie wieder in Umlauf zu bringen. Sie erneut bei der Bank einzutauschen hätte natürlich nicht funktioniert, weil die Kontrollnummern bereits registriert worden waren. Bleibt nur die Frage nach den Wertlos-Stempeln. Waren die vor der Vernichtung bereits vorhanden, macht das natürlich auch keinen Sinn. Sie müssen also erst aufgebracht worden sein, nachdem die Manipulation im Zahlungsverkehr aufgefallen und angehalten worden war.


Hans-Ludwig Grabowski

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