Leserpost: Anmerkungen zur 22. Auflage des Werkes "Die deutschen Banknoten ab 1871"

Sehr geehrte Damen und Herren, werter Herr Grabowski, seit über 15 Jahren bin ich begeisterter Sammler deutscher Banknoten. Speziell derer der Deutschen Bundesbank aus der sogenannten Gemäldeserie, oder anders ausgedrückt, der Ausgaben der BBk I und IA. Ich habe mich über viele Jahre hinweg immer und immer wieder mit diesem Sammelgebiet beschäftigt, dabei auch reichlich Literatur zu Rate gezogen und daneben auch anderweitig Recherche betrieben. Nicht zuletzt besitze ich selbst eine Vielzahl von Varianten dieser Emissionen in meiner Sammlung.

Seit der 14. Auflage des Kataloges "Die deutschen Banknoten ab 1871", damals noch von Holger Rosenberg herausgegeben, begleitet und unterstützt mich dieses Standardwerk bei meinem Hobby. Dafür an dieser Stelle erst einmal ein großes Dankeschön! Vieles hat sich seither an diesem oftmals noch immer als Rosenberg-Katalog betitelten Werk verändert. Mit nahezu jeder Folgeauflage gab es interessante Ergänzungen sowie auch Erweiterungen, die nicht immer nur das eigene Sammelgebiet betrafen, aber darüber hinaus stets begeistert in Gänze studiert wurden. Seit je her bin auch ich ein treuer Begleiter dieser Entwicklungen und sobald die neue Auflage zu haben ist, dauert es nicht lange, bis sie in meinem Bücherregal zu finden ist.

So ging es auch dieses mal mit der 22. Auflage einher. Sehr gut gefällt mir daran der Einband als Hardcover! Das sollte bitte so beibehalten werden. Der Katalog liegt dadurch besser in den Händen und es unterstreicht außerdem die Würde seiner Bedeutung als Standardwerk des Sammlers deutscher Banknoten. Worüber ich mich allerdings noch mehr freuen würde, wäre mal wieder die Abbildung einer DM-Banknote auf dem Titel. Am liebsten eines 50-DM-Scheines der Gemäldeserie. Dazu stehe ich selbst gern als Quelle für das Bildmaterial zur Verfügung, da ich zu diesem Nominal jede Variante, außer der Muster, besitze.

Diese oben stehenden Anmerkungen allein sind aber nicht der Grund, weswegen ich mich an Sie wende. Vielmehr möchte ich Ihnen im Folgenden einige Anmerkungen zum Sammelgebiet der Deutschen Bundesbank, Serien BBk I und IA geben, da mir hier doch einige Ungereimtheiten in der 22. Auflage aufgefallen sind. Damit Sie leichter zuordnen können, verwende ich die im Katalog genutzte Nummerierung.


1. ) BRD-6 - 5 DM 1960: Unter e) müssen die Preise nach rechts formatiert werden.


Das ist kein inhaltlicher Fehler und kann schnell angepasst werden.


2.) BRD-9 - 50 DM 1960: Unter d) die Serie Y/B zuzuordnen, halte ich für äußerst fragwürdig. Sicherlich passt es von den Eigenschaften bezüglich der UV-Aktivität bei den bekanntgewordenen Stücken, aber rechnerisch gehört der Nummernkreis eher zu Standardnoten des Druckauftrages, die ebenfalls keine merkliche Nummernfluoreszenz aufweisen, obwohl sie das tun müssten. Daher wird sicherlich die Druckfarbe der Kontrollnummern zu mager oder gar nicht mit UV-aktiven Zusätzen ausgestattet gewesen sein. Das ist hier eher als Grund anzunehmen, was auch keine Seltenheit darstellt, da die KN der 60er Noten sehr unterschiedlich stark oder schwach, teilweise gefühlt gar nicht, fluoreszieren. Eine neue Variante halte ich für höchst unwahrscheinlich.


In der Katalogisierung geht es nicht um rechnerische Nummernkreise, sondern um vorliegende Varianten. Fest steht, dass es Austauschnoten mit Y/B ohne UV-aktive KN gibt, weshalb sie an dieser Stelle auch im Katalog aufgeführt werden. Als Sammler und Katalogautor wird man immer das Problem haben, Varianten gegeneinander abgrenzen zu müssen. Oft sind genau diese Grenzen aber auch fließend. Das trifft ganz besonders bei Farbvarianten zu, aber auch bei UV-Aktivität. Letzteres kennen auch Briefmarkensammler nur zu gut.

Da solche Stücke eindeutig belegbar sind, gehören sie auch in den Katalog. Man kann nicht in einem Katalog schreiben, dass die Kontrollnummern eigentlich UV-aktiv sein sollten, aber nicht sind, trotzdem aber als UV-aktiv angesehen werden sollten, weil nur so wegen des Nummernkreises katalogisiert. Das versteht dann zu Recht keiner mehr. Katalogisiert wird, was unterscheidet. Mann kann evtl. eine Anmerkung aufnehmen, die allerdings auch viele Sammler verwirren wird. Wir haben so etwas schon bei den schwarzen Unterdruckbuchstaben und braunen KN von Reichsbanknoten gehabt. Hier gibt es auch eine Bandbreite von Hellgrau über Grau und Schwarzgrau bis Schwarz bzw. von Rot über Rotbraun bis Braunrot.


3.) BRD-14 - 10 DM 1970: Unter c) sollten die Angaben zur Auflagenhöhe der Austauschnoten nicht mehr aufgeführt werden. Und zwar solange, bis geklärt ist, wie hoch diese tatsächlich waren. Danach spricht nichts dagegen, die korrekten Angaben aufzunehmen. Gesichert, so man denn dieses Wort nutzen möchte, ist das momentan allerdings nur bei der Ausgabe 1960. Der Rest ist zu spekulativ und lässt sich auch nicht permanent nachhalten, wenn ein höherer Wert der Kontrollnummer gesichtet wurde. So wie auch unter d). Die dortige Angabe ist falsch, es sind höhere Varianten belegt worden.


Die Kontrollnummern-Kreise sind eben aufgeführt, damit man belegbar höhere Nummern melden kann. Nur allein zu sagen, dass man sie doch besser weglassen solle, weil es höhere Nummern gibt, reicht nicht aus. So entsteht keine Weiterentwicklung des jeweiligen Wissensstandes, der mit einem Katalog publiziert wird.

Wie bei den Serienbuchstaben der DDR, zu denen es keine vollständigen Übersichten gibt, die die Staatsbank hätte hinterlassen können, so müssen wir uns auch hier Meldung für Meldung an einen vollkommeneren Wissensstand herantasten. Das ist im Interesse aller Sammler. Wenn Sie Scheine mit höheren KN belegen können, dann senden Sie mir bitte Kopien. Ich werden die Angaben im Katalog dann korrigieren.


4.) BRD-21 - 50 DM 1977: Unter a) die Anmerkung zur Serie KG/U ist überholt. Es gibt auf jeden Fall Exemplare bis KG 9084353 U von 1977. Das belegt auch das angehangene Bild des Exemplares aus meiner Sammlung. Bitte anpassen.



Vielen Dank für die Abbildung. Das ist ein klarer Beleg, also kann ich die Angabe im Katalog auch ändern. Der alte Nummernkreis wurde angegeben mit bis mindestens KG 8790982 U, mit dem Bildnachweis wird diese Angabe nun also bis mindestens KG 9084353 U lauten.


5.) BRD-24 - 1000 DM 1977: Unter b) die Angabe bei Z/B ist falsch. Am besten die Auflagenhöhe weglassen, bis wirklich gesicherte Daten vorliegen. Serie Z/B ist definitiv weitaus höher belegt. Fakt ist aber auch, dass eine Austauschnotenauflage mit einer Null innerhalb der laufenden Nummerierung der Serie endet und damit abschließt, was die Angabe bei Z/A betrifft.

Eine 7 ist unwahrscheinlich.


Auch hier gilt das bereits zuvor Gesagte. Es zählen nur Belege! Solange die nicht vorliegen bleibt es bei der Angabe im Katalog, die natürlich auch auf einschlägigen Recherchen und nicht auf Vermutungen basiert. Ist ein anderer Nummernkreis nachweisbar, ändere ich die Angabe natürlich gern ab.


6.) BRD-27 - 50 DM 1980 ohne c: Die Serie KG/U sollte unter a) einzeln bewertet werden. Es können auf jeden Fall, wenn nicht sogar noch weniger, nur knapp über 900.000 Stück sein, siehe auch 4.).


Die Serie KG/U ist seltener, deswegen auch der Hinweis im Katalog. Eine andere Variante ist das dadurch natürlich nicht, aber ich kann den Hinweis um eine Angabe zur Bewertung ergänzen. Machen Sie einen Vorschlag!


7.) BRD-30 - 10 DM 1980 mit c: Unter a) sollte die Serie CS/P separat bewertet werden, wie man das beim 20er GR/P und 5er R/F, sowie 50er KM/Y und 100er NP von 1980 mit c ja auch vornimmt.


Wir sollten aufpassen, dass wir am Ende nicht jede Serie einzeln bewerten müssen, so wie dies etwa bei den Reichsbanknoten von 1924 geschehen ist. Das ist nicht nur kompliziert für den Handel, sondern auch kaum nachvollziehbar für den normalen Sammler. Dabei ist Ihr Spezialgebiet "nur" die "Gemäldeserie". Wie viele gesonderte Bewertungen wären dann erst bei Serien der Reichsbank oder der DDR nötig? Ganz zu schweige von den vielen im Katalog garnicht aufgeführten Abweichungen der Firmendrucke innerhalb der katalogisierten Varianten aus der Inflationszeit! Auch hier gibt es natürlich Firmen, die viel und andere, die weniger gedruckt haben, somit also häufigere und seltenere Ausführungen. Hier wäre eine weitere Unterteilung deutlich sinnvoller, als eine Bewertung einzelner Serien bei Bundesbanknoten aufgrund von Auflagehöhen, aber ohne unterschiedliche Ausführung.

Auch hier können Sie mir aber trotzdem gern einen Vorschlag unterbreiten, den ich mit anderen Sammlern und dem Handel abstimmen kann.


Wer bis hierhin aufmerksam gelesen hat, wird leicht nachvollziehen können, warum ein Katalog ausgehend von Forderungen einzelner Spezialsammler immer umfangreicher werden kann. Trotzdem waren angeblich so viele Sammler mehr mit einem Katalog von vor zwanzig Jahren zufrieden, der nur ein Bruchteil der heutigen Informationen enthielt. Da beißt sich die Katze in den berühmten Schwanz! Ich habe als Autor natürlich auch eine Verantwortung und muss das Gesamte im Auge behalten.


8.) BRD-34 - 500 DM 1980 mit c: Die Serie V/X sollte unter a), aufgrund der sehr geringen Stückzahl, eine separate Bewertung erhalten.

Siehe meine Anmerkungen zuvor!


Das waren im Groben meine Anmerkungen zur BBk I/IA. Bezüglich der Austauschnoten und der Angabe ihrer Auflagenhöhe sollte lieber gewartet werden, bis die konkreten Zahlen vorliegen. Dann kann man das einheitlich und korrekt aufnehmen. Ich führe nebenher schon Buch und habe eine recht gute Aufstellung der Auflagenhöhen, unter anderem ein Ergebnis der Recherchen. Einige sind gar nicht so selten, wie vermutet, sodass in Zukunft hier sicherlich noch eine Anpassung bei dem ein oder anderen Stück eintreten wird, da die Auflagenhöhe doch teils höher als erwartet ist. Auch die Auflistung der Noten der Ausgabe 01.02.1960 könnte man anhand des Papieres (Hersteller) nochmals detailierter aufteilen und darstellen, anders als das jetzt der Fall ist, wo auscchließlich die Kriterien zur UV-Aktivität herangezogen werden. Sollten Sie daran Interesse haben, so geben Sie mir bescheid, weil das hier sonst den Rahmen entgültig sprengt.


Von wem kommen die konkreten Zahlen? Auch solange diese nicht bekannt sind, sollte man zumindest den jeweiligen Wissensstand dokumentieren. Das ist meine Meinung als Autor. Autoren anderer Bücher können sich natürlich anders entscheiden, das steht ihnen frei.


Abschließend möchte ich noch einige Bemerkungen zu den beiden Eratzserien BBk II 1960 und 1963, mit der Bitte um Aufnahme in den Katalog, anbringen.


BRD-57 bis BRD-60 - Ersatzserie für Westdeutschland: Bitte bei den einzelnen Einträgen, Einheitlichkeit, was die Angabe der Serien angeht, wahren. Es gab zu allen vier Nominalen Standard- und Austauschnoten, angegeben ist es so momentan nur beim 10er. Auch die Standardnoten sollten serienmäßig genauer betrachtet werden. Anhand der Anzahl der gedruckten Stücke lässt sich das genau angeben und betiteln. Der erste Buchstabe bildet den Kennbuchstaben des Nominals, dann folgt die laufende Nummer und darauf der Serienbuchstabe. Es ist das gleiche Grundprinzip wie bei der BBk I hinterlegt. Es existierte nicht nur R/D für den Zehner, sondern R/A, B, C, D, E, F, G, H, J, K, L, M, N, P, Q, R, S, T, U (bis R 6480000 U); Austauschnote Z/A. Der Zwanziger reicht von S/A bis S 9980000 V (Austauschnote Y/A), der Fünfziger von T/A bis T 9040000 T (Austauschnote Z/A) und der Hunderter von U/A bis U 4580000 L (Austauschnote Y/A). Bitte verbessern und einarbeiten. Zumindest gehört bei allen 4 Nominalen die Teilung in Standard- und Austauschnoten umgesetzt. Ob zukünftig lediglich der Kennbuchstabe genannt wird oder alle gedruckten Serien, sei Ihnen überlassen. Die jetzige Angabe ist jedenfalls so nicht korrekt, da ungenau in der Bedeutung von unvollständig.


Woher haben Sie Ihre Informationen? Was es gegeben haben muss, ist die eine Seite, ich kann aber nur verbindlich aufführen, was es heute noch gibt und was belegbar ist. Die vernichteten Serien kann ich höchstens in Rot und damit als nicht nachgewiesen angeben, so wie dies auch an anderer Stelle im Katalog geschehen ist. Ich würde sonst permanent Post von Sammlern erhalten, die mir auch nach langer Suche vorwerfen würden, dass es die im Katalog angegebenen Serien überhaupt nicht gibt.

Ich werde mir das in Ruhe überlegen und ggf. die Variante mit den Rot gedruckten Serien in Betracht ziehen.


BRD-61 bis BRD-65 - Ersatzserie für Westberlin: Hier gilt im Grunde genommen das Gleiche, wie bei der Serie für Westdeutschland. Bitte setzen Sie auch hier eine einheitliche Angabe im Katalog um. Es gab zu jedem der 5 Nominale nicht nur Standardnoten, sondern auch Austauschnoten der Serie Y/A (da alle bei der Bundesdruckerei gedruckt). Bei den Standardnoten besteht die Kontrollnummer aus einer Kennziffer, die das Nominal beschreibt (1 beim 5er, 2 beim 10er, usw.), der laufenden Nummerierung innerhalb der Serie und einem zugehörigen Serienbuchstaben am Ende. Die in der aktuellen 22. Auflage verwendeten Angaben sind falsch (BRD-61a) oder unvollständig und bitte durch folgende zu ersetzen: BRD-61 a) Standardnote, Serien 1/A, B, C BRD-62 a) Standardnote, Serien 2/A, B, C BRD-63 a) Standardnote, Serien 3/A, B, C BRD-64 a) Standardnote, Serien 4/A, B, C BRD-65 a) Standardnote, Serien 5/A, B

Den Einträgen BRD-62 bis 65 möge man bitte noch das b) für die Austauschnote zukommen lassen, wie bei BRD-61 bereits vorhanden.


Anmerkungen wie zuvor! Austauschnoten stehen im Katalog, wenn diese belegt sind!

Bei Interesse, kann ich auch hier die genauen Auflagenhöhen der Standard- und Austauschnoten bekanntgeben. Sie beruhen auf einer sicheren Quelle der Deutschen Bundesbank und wurden durch diese in der Publikation "Vorträge zur Geldgeschichte 2010" veröffentlicht, daher sollten sie auch in die 23. Auflage einfließen und das Thema der BBk II ein Stück erweitern und real darstellen.


Sie können gern einen Artikel für den Geldschein-Blog und/oder "Der Geldscheinsammler" schreiben. Ich würde meinen, dass die Auflagezahlen zu den Ersatznoten auch noch andere Sammler interessieren. Wenn die Angaben auf der Bundesbank als Quelle beruhen, besteht kaum Zweifel an ihnen.


Gut, nun bin ich aber wirklich am Ende angelangt. Das waren die Themen, die mir schon länger unter den Nägeln brannten. Ich hoffe, Sie können mit meinen Anregungen arbeiten und, dass diese in die Folgeauflage einfließen werden. Ich würde mich ganz sehr über eine Rückmeldung Ihrerseits freuen! Bis dahin verbleibe ich mich mit freundlichen Grüßen aus dem schönen MV und wünsche Ihnen alles Gute! T. Stroschein


Anmerkung der Redaktion

Der Einfachheit halber, sind die Anmerkungen der Redaktion direkt bei den aufgeführten Punkten farbig und kursiv eingefügt worden. Das erspart ein ständiges Hin und Her beim Lesen. Alles in allem ist es wohl sinnvoller eine noch viel größere Hinwendung zu Details und abweichenden Bewertungen innerhalb gleicher Varianten Spezialkatalogen zu überlassen.

Das trifft auch auf die verschiedenen Ausführungen von Firmendrucken bei Reichsbanknoten in der Inflationszeit, wie auch auf die Ausdehnung der Aufnahme von Muster-Scheinen zu.


Hans-Ludwig Grabowski


Literatur



Hans-Ludwig Grabowski

Die deutschen Banknoten ab 1871


Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine


22. Auflage 2020/21

ISBN: 978-3-86646-183-3

Format: 14,8 x 21 cm, Hardcover

928 Seiten, durchgehend farbig

Preis: 39,90 EUR


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