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Leserpost: Zum Beitrag "Showdown" in Zürich – An- und Verkaufskurse osteuropäischer Banknoten

Der Beitrag „‚Showdown’ in Zürich – An- und Verkaufskurse osteuropäischer Banknoten im Frühjahr 1987 und im Herbst 1989” von Sven Gerhard hat mich zu einem Leserbrief angeregt. Der Beitrag ist zweifelsfrei sehr interessant. Aber das Problem besteht, wie in ganz vielen Veröffentlichungen auch, in der Verwechslung von Kursen für die Währungen im internationalen Handel und der Kaufkraft. Die Kaufkraft hat nur wenig mit den Kursen zu tun. Für sie ist entscheidend, was sich der Bürger des betreffenden Landes von seinem Geld kaufen kann, wie gut oder schlecht er davon seinen Lebensunterhalt bezahlen kann.

Und in den genannten Jahren konnte man (oder frau) in der DDR mit 1000 Mark sicher nicht schlechter, wahrscheinlich sogar besser leben als eine Vergleichsperson in der Bundesrepublik mit 1000 DM. Die genannten osteuropäischen Währungen waren ganz offiziell Binnenwährungen, auf der Börse hatten sie also eher nichts zu suchen. Ein ähnliches Problem ist bekannt aus der Zeit der Hochinflation Anfang der 1920er Jahre.

Die Mehrzahl der Bürger hatte Probleme, den Lebensunterhalt zu bezahlen, weil die Preise schneller stiegen als die Löhne. Binnenwert der Mark und Dollarkurs differierten aber teilweise sehr stark. Sonst hätten Reisende beispielsweise aus den USA nicht für wenige Dollar Luxus pur genießen können – für Summen, die bei ihnen zu Hause zu äußerst sparsamem Verhalten gezwungen hätten. Mit freundlichen Grüßen Rainer Geike


Abb. 8a/b: DDR, 100 Mark der DDR der Ausgabe 1975 (Pick 31a). Quelle: Sammlung Grabowski.


Antwort des Autors

Sie haben natürlich recht – Wechselkurse haben nichts mit Kaufkraft zu tun. Diese Parallele soll mein Beitrag auch nicht ziehen. Für die dargestellten Währungen der RGW-Staaten und die Abweichungen zwischen den offiziellen, und den von Schweizer Banken (nicht der Börse) gestellten An- und Verkaufskursen am Schalter gibt es jedoch sicherlich folgendes zu bedenken: Die Kaufkraft der entsprechenden Landeswährungen war – was die Grundversorgung der Bevölkerung angeht – grundsätzlich sicher hoch. Allerdings war das Sortiment der Grundversorgung beschränkt, am stärksten zu dieser Zeit wohl in Rumänien. Für Waren, die über die Grundversorgung in den entsprechenden Ländern hinausgingen (und die vielleicht in den EWG-Staaten schon zum Warenkorb der Grundversorgung gerechnet wurden), mussten in Landeswährung im Verhältnis zum Einkommen sehr hohe Preise gezahlt werden, wenn sie in Landeswährung überhaupt erhältlich waren. Die Kaufkraft der Landeswährung war insofern gering. Das kommt in den Abweichungen der von der SKA gestellten An- und Verkaufskurse zu den offiziellen Wechselkursen recht gut zum Ausdruck.


Exemplarisch ist für mich insofern die Entwicklung in der DDR, wo in den 1980er-Jahren immer mehr Waren aus der Grundversorgung bei HO und im Konsum zu subventionierten Preisen verschwanden, und zu deutlich höheren Preisen in den Delikat- und Exquisit-Geschäften wieder auftauchten. Diese Entwicklung unterscheidet sich auch von dem von Ihnen zitierten Beispiel aus Deutschland Anfang der 1920er-Jahre, wo es keine staatlich gesteuerten Preissysteme, und keine staatlich festgelegten Wechselkurse gab.


Das alles ist Geschichte – wie die SKA (heute: Credit Suisse) ja bald auch.


Mit freundlichen Grüßen

Dr. Sven Gerhard

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