Neuentdeckung bei Deutsch-Kamerun?

Unmittelbar nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde die deutsche Kolonie Kamerun durch eine britische Seeblockade von der Warenzufuhr aus dem Mutterland abgeschnitten. Außerdem war eine militärische Annexion durch britische Truppen zu erwarten, weshalb der damalige Kaiserliche Gouverneur von Kamerun Karl Ebermaier kurzfristig Schatzscheine mit Datum vom 12. August 1914 herstellen und ausgeben ließ, um den zu erwartenden Schwierigkeiten bei der Bereitstellung von Zahlungsmitteln zu entgegnen. Es sollten Werte zu 5 Mark (Serie A), 10 Mark (Serie B), 20 Mark (Serie C), 50 Mark (Serie D) und 100 Mark (Serie E) im Gesamtbetrag von 2 Millionen Mark ausgegeben werden. Trotz entsprechender Hinweise, sind bis heute keine Belege für die 10- und 20-Mark-Scheine aufgetaucht. Mir liegt jetzt aber ein 100-Mark-Schein vor, der sich deutlich von den bisher bekannten und in der Literatur aufgeführten Hundertern aus Deutsch-Kamerun unterscheidet.


Deutsch-Kamerun: KAM-3, 100 Mark vom 12. August 1914 auf hellgrauem Karton ohne Fasereinlagen, Vorderseite.

Deutsch-Kamerun: KAM-3, 100 Mark vom 12. August 1914 auf hellgrauem Karton ohne Fasereinlagen, Rückseite.

Der Druck erfolgte auf festem hellgrauen Karton und scheinbar ohne Fasereinlagen, während die bekannten Scheine alle auf gleichfarbigem Karton mit deutlich sichtbaren Fasereinlagen gedruckt wurden. Handelt es sich also vielleicht um eine Fälschung? Nein! Es handelt sich um einen echten Schatzschein mit den üblichen Faksimile-Unterschriften des stellvertretenden Gouverneurs Full (links) und des Gouvernements-Kassierers Kräuter (rechts), der aber gleich auf den ersten Blick anders erscheint.


Deutsch-Kamerun: KAM-3a, 100 Mark vom 12. August 1914 auf hellgrauem Karton mit Fasereinlagen, Vorderseite.

Deutsch-Kamerun: KAM-3a, 100 Mark vom 12. August 1914 auf hellgrauem Karton mit Fasereinlagen, Rückseite.

Ausgehend von der niedrigen Kontrollnummer (00009) könnte es sich um einen Schein der ersten Charge handeln, die offensichtlich auf einfachem Karton gedruckt wurde. Später verwendete man dann vielleicht den bekannten Karton mit blauen und schwarzen Fasereinlagen, wohl um den Fälschungsschutz zu erhöhen.

Wohlgemerkt könnte! Fest steht, dass der Schein wahrscheinlich gewässert und gepresst wurde, weshalb die Unterschriften auch so blass sind. Allerdings kann man die direkt in das Papier eingelagerten Fasern wohl nicht ausspülen. 

Nach Rücksprache mit dem bekannten Kolonial-Experten Jörg Zborowska habe ich mir den Schein noch einmal sehr genau "unter die Lupe" – besser gesagt, den Fadenzähler – genommen. Tatsächlich sind wohl Reste von Fasern zu erkennen. Den Fadenzähler hatte ich auf der Börse letztes Wochenende in Frankfurt natürlich nicht dabei, wo ich den Schein gekauft habe. Ich kann deshalb auch eine chemische Behandlung nicht ausschließen. Schade, es handelt sich also wahrscheinlich doch um keine neue Variante, die sogar hätte Eingang in den Katalog finden können! Um ein Original handelt es sich dennoch, wenn es auch einige Rätsel aufgibt.


Hans-Ludwig Grabowski

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