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Spanische Geldscheine 1931–1939, Teil 4 – Zum Geldwesen des Estado Español (1936–1939)

Am 18. Juli 1936 putschte eine Gruppe konservativer, republikfeindlicher Generäle gegen die gewählte Regierung. Obwohl sich die überwältigende Mehrheit der Armee und der Guardia Civil den Aufständischen anschloss, blieb der erwartete Erfolg des Staatsstreiches aus.

Es folgte ein fast drei Jahre dauernder Bürgerkrieg, in dem sich die Republik verzweifelt wehrte. „Viva la muerte“, der Wahlspruch der spanischen Fremdenlegion ist bezeichnend für den Blutrausch, in den Spanien während der drei Jahre des Bürgerkriegs verfiel. Bereits am 30. Juli 1936 installierten die Aufständischen in Burgos eine „nationale“ Gegenregierung, an deren Spitze am 20. September 1936 General Franco trat.


Die innerspanischen Auseinandersetzungen wurden schnell zu einem internationalen Konflikt. Mit der Legion Condor1) griff Hitler auf Seiten der Franquisten ein, das faschistische Italien Mussolini‘s entsandte 50.000 Mann, während Stalin aufseiten der „roten“ Republik direkt intervenierte, was alle drei Diktatoren allerdings nicht daran hinderte, sich verbal der von Frankreich angeregten und von Großbritannien streng gehüteten Nichteinmischungspolitik anzuschließen. Aus mehr als fünfzig Staaten eilten Freiwillige der Republik zur Hilfe und bildeten im Oktober 1936 die „Internationalen Brigaden". Die militärischen Aktionen des Spanischen Bürgerkrieges lassen sich schnell auf einen Nenner bringen: stetiger Vormarsch der „nationalen“ Verbände, denen es aber nicht gelingt, die Hauptstadt Madrid einzunehmen.


Bereits wenige Tage nach dem Putsch ordneten die aufständischen Machthaber an, „dass die den Banken zur Aufbewahrung anvertrauten Kapitalien oder Wertpapiere nicht ohne Erlaubnis des Ausschusses für die Nationale Verteidigung abgehoben werden dürfen.“2)

Eine am 27. Juli 1936 erlassene Verordnung bestimmte, dass Kontokorrentkonten-Inhaber monatlich über einen Betrag von bis zu 2000 Peseten frei verfügen konnten, wenn damit Löhne oder Material bezahlt wurden. Bei höheren Beträgen war die Zustimmung des örtlichen Militärgouverneurs nötig. Über Guthaben, die erst nach dem Tag der „Nationalen Erhebung“ bei den Banken und Sparkassen entstanden waren, konnte dagegen frei verfügt werden.

Weil viele Verkehrswege während der ersten Kriegstage unterbrochen waren, wurde auch die Verfallzeit bei Wechseln verlängert.


Schon im September 1936 zeichnete sich ab, dass sich Spanien auf dem Weg zu zwei getrennten Währungsgebieten befand. Neben der „republikanischen“ Banco de España in Madrid etablierte sich durch Dekret vom 8. September 1936 in Burgos, dem Sitz des Ausschusses für die Nationale Verteidigung, eine „nationale“ Banco de España.

Am 12. November ordnete die Regierung in Salamanca die Kennzeichnung der in ihrem Herrschaftsgebiet umlaufenden Banknoten mit einem Prägestempel an. Zur Stempelung waren aber nur Banknoten zu gelassen, die sich am 18. Juli 1936 bereits im Umlauf befunden hatten (s. Tabelle 1). Banknoten, die nach diesem Zeitpunkt in Verkehr gesetzt wurden, waren ungültig. Aus dieser Verordnung ging die „peseta nacional“ als Geldeinheit im Gegensatz zu der „peseta republicana“ oder „peseta roja“ hervor.

„Vor dieser Verordnung waren die von dem Republikanischen Spanien in Umlauf gesetzten Banknoten der spanischen Staatsbank auch im Nationalen Spanien im Gebrauch gewesen; und wenn von den nationalen Truppen Provinzen und Städte neu besetzt wurden, so genossen die in diesen Städten kursierenden Banknoten weiterhin freien Umlauf, auch selbst in allen anderen Städten des Nationalen Spaniens. So war es z. B. nach der Eroberung von Cáceres, San Sebastian, Toledo und anderen Provinzen und Städten. Nach November 1936 wurden dann aber, wenn ein Ort von der Nationalen Front besetzt worden war, nur diejenigen Banknoten der spanischen Staatsbank als gültig angesehen, die vor dem 18. Juli 1936 in Umlauf gewesen waren, weshalb sie auch zum Abstempeln vorgelegt werden mußten. Die übrigen Banknoten dagegen, die nach diesem Zeitpunkt von dem Feind in Umlauf gesetzt worden waren, wurden von den Behörden eingezogen und hatten weiterhin keinen Geldwert, und ihre Inhaber erhielten keinerlei Gegenleistung dafür.“3)

Abb. 1: Trockenstempel: „ESTADO ESPAÑA . BURGOS .“


Die Stempelung erfolgte im Inland innerhalb von 15 Arbeitstagen. Für Scheine, die aus dem Ausland vorgelegt wurden, galt eine Frist von 30 Tagen. Die Banco de España in Burgos stellte den 70 an der Aktion beteiligten Einrichtungen die notwendigen Prägestempel zur Verfügung. Der Trockenstempel hat einen Durchmesser von 30 mm.




Die Umschrift lautet „ESTADO ESPAÑA . BURGOS .“. Im inneren Kreis eine Mauerkrone.

Der Prägestempel wurde meistens mittig am oberen Rand angebracht.


Wie schon bei der Stempelung 1931 ist auch dieser Stempel, nur schwer auf dem Papier zu erkennen. Anzumerken ist, dass Scheine mit beiden Stempeln gleichzeitig – also auch mit dem von 1931 – vorkommen. Die von den Franquisten gestempelten Banknoten wurden nun auf dem Gebiet der Republik nicht mehr anerkannt.


Etwa 1993 tauchten auf den Märkten in Sevilla und Extremadura 25-Pesetas-Noten der Ausgaben von 1906, 1907 und 1927, 100er der Ausgaben 1906, 1907 und 1925, Noten zu 500 Pesetas der Emissionen vom Juli 1907 und 1927 sowie 1000er des Jahres 1925 mit einem roten Stempel-Aufdruck des offiziellen Wappens des spanischen Staates auf, wie er von 1938 bis 1976 benutzt wurde. Er hat die Maße 66 x 45 mm (Abstände zwischen Krone und Schwanz und Enden der Flügelspitzen). Diese Scheine wurden als Vorläufer-Noten der vorher beschriebenen Stempelaktion angepriesen. Dies kann jedoch nicht sein, da das abgewandelte Wappen von Carlos III. (Águila de San Juan) erst am 2. Februar 1938 offizielles Staatsemblem wurde. Bei den immer wieder angebotenen Stücken dürfte es sich daher um Sammlerfälschungen handeln.4)


Abb. 2: Vorderseite der 100 Pesetas-Note vom 19. Juli 1925 mit dem Wappen „Águila de San Juan“. Eine häufig angebotene Fantasiefälschung.


Natürlich konnten die gestempelten Noten nur eine vorübergehende Maßnahme sein. Deshalb bestellte die Banco de España in Burgos eigene Banknoten bei Giesecke & Devrient in Deutschland. Am 9. März 1937 kündigte eine Verordnung die Ausgabe der neuen Noten zu 25, 50, 100, 500 und 1000 Pesetas an, sodass die gestempelten Noten eingezogen werden konnten. Die ersten drei Werte gelangten am 15. März in Umlauf, die beiden anderen genau einen Monat später. Diese Scheine datieren vom 21. November 1936 und sind im typischen Stil der Leipziger Druckerei gestaltet. Die Vorderseite wird von einem einfachen Rahmen eingefasst. Am oberen Rand die Angabe des Emittenten, darunter rechts die große Wertangabe in Buchstaben und Ausgabeort und –datum sowie drei Unterschriften; auf der linken Seite eine Guilloche mit Wertzahl in Ziffern. Auf dem rechten Schaurand nochmals die Wertangabe in Ziffern in einer länglichen Guilloche. Die Rückseite zeigt in einem einfachen Rahmen bildliche Darstellungen und in den vier Ecken jeweils die Wertangabe in Ziffern.

Auf dem linken Schaurand die Wertzahl und jeweils gebogen PESETAS. Im Papier sind kleine Seidenpapierstreifen mit Mikroschrift „BANCO DE ESPAÑA“ eingelassen, zusätzlich enthält das Papier das Wasserzeichen „Kleine G&D-Stimmgabel“.


Während die Rückseite der 25-Pesetas-Banknote ein Medaillon mit der Seitenansicht eines Soldaten mit Stahlhelm abbildet, sehen wir beim Wert zu 50 Pesetas zwei Medaillons mit je einer Seitenansicht eines Frauenkopfes. Der Hunderter gibt die Kathedrale von Burgos wieder, der Wert zu 500 Pesetas die Kathedrale von Salamanca und der Tausender den Alcázar de Toledo.


Abb. 3.1: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 25 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 3.2: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 25 Pesetas, Rückseite.

Abb. 4.1: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 50 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 4.2: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 50 Pesetas, Rückseite.

Abb. 5.1: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 100 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 5.2: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 100 Pesetas, Rückseite.


Abb. 6.1: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 500 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 6.2: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 500 Pesetas, Rückseite.


Abb. 7.1: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 1000 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 7.2: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 1000 Pesetas, Rückseite.


Unter demselben Datum druckte M. Portabella, Zaragoza, Scheine zu 5 und 10 Pesetas.

Beide Nominale sind bildgleich. Sie zeigen auf der Vorderseite in der rechten oberen Ecke das gekrönte spanische Wappen. Auf der Rückseite wird in Ornamenten verziert der Wert in Buchstaben wiedergegeben. Beide Werte gelangten ab 14. Juni 1937 in Umlauf. Da keine großen Druckmaschinen vorhanden waren, wurden sie ausschließlich im Lithographie-Druck hergestellt. Die Druckfarben und das Wasserzeichen-Papier stammten aus Deutschland.

Beide Geldscheine kommen auch ohne Kontrollnummer im Handel vor. Gelaufene Stücke sind meist nur stark gebraucht zu bekommen und werden auch dann noch zu recht hohen Preisen gehandelt. Noch eine weitere Banknote, die 1937 in den Zahlungsverkehr kam, stammt aus diesem Haus. Die Vorderseite der Note zu 5 Pesetas (18. Juli 1937) schmückt eine Handel und Industrie symbolisierende Allegorie. Die reich verzierte Rückseite zeigt in einem ausgesparten Kreis das Wappen König Carlos I.


Abb. 8.1: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 5 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 8.2: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 5 Pesetas, Rückseite.


Abb. 9.1: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 10 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 9.2: Banco de España, Burgos, 21. November 1936, 10 Pesetas, Rückseite.


Abb. 10.1: Banco de España, Burgos, 18. Juli 1937, 5 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 10.2: Banco de España, Burgos, 18. Juli 1937, 5 Pesetas, Rückseite.


Mit Datum vom 12. Oktober 1937 folgten zwei Werte der Mailänder Druckerei Coen y Cartevalori. Auf der Vorderseite der Note zu einer Peseta wird ein Wappen und bei der zu

2 Pesetas das Arco (Tor) de Santa María und die Kathedrale in Burgos abbildet. Von dem gleichen Unternehmen folgten zwei Noten zu einer Peseta (28. Februar 1938 und 30. April 1938). Auf beiden Wertzeichen findet sich nun das offizielle Staatswappen (Águila de San Juan). Die 2-Pesetas-Note unter dem letzten Datum ist fast identisch mit der Note vom 12. Oktober 1937.


Abb. 11.1: Banco de España, Burgos, 12. Oktober 1937, 1 Peseta, Vorderseite.

Abb. 11.2: Banco de España, Burgos, 12. Oktober 1937, 1 Peseta, Rückseite.


Abb. 12.1: Banco de España, Burgos, 12. Oktober 1937, 2 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 12.2: Banco de España, Burgos, 12. Oktober 1937, 2 Pesetas, Rückseite.


Abb. 13.1: Banco de España, Burgos, 28. Februar 1938, 1 Peseta, Vorderseite.

Abb. 13.2: Banco de España, Burgos, 28. Februar 1938, 1 Peseta, Rückseite.


Abb. 14.1: Banco de España, Burgos, 30. April 1938, 1 Peseta, Vorderseite.

Abb. 14.2: Banco de España, Burgos, 30. April 1938, 1 Peseta, Rückseite.


Abb. 15.1: Banco de España, Burgos, 30. April 1938, 2 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 15.2: Banco de España, Burgos, 30. April 1938, 2 Pesetas, Rückseite.


Erst Anfang 1939 wurden die von Giesecke & Devrient (Ausgabedatum: 20. Mai 1938) produzierten Geldscheine ausgegeben. Im Unterdruck der reich verzierten Vorderseite befindet sich diesmal das Staatswappen. Im Zentrum der Rückseite der 25-Pesetas-Note steht die Giralda,5) während die Abbildung des Castillo de Olite fast die gesamte Rückseite des 50ers einnimmt.6) Die 100 Pesetas bilden das Casa del Cordón in Burgos ab.7) Der Wert zu 500 Pesetas zeigt die Kathedrale von Santiago de Compostela.8) Der Tausender weicht von den übrigen Scheinen ab, indem ein historisches Bild „Defensa del púlpito de San Agustín“ reproduziert wird.9) Bei allen Werten wurde auf einen Schaurand verzichtet. Im Papier sind wie bei den Wertzeichen aus dem Hause Giesecke & Devrient dieser Zeit üblich kleine Seidenpapierstreifen mit Mikroschrift „BANCO DE ESPAÑA“ eingelassen. Letzteres gilt auch für die 5-Pesetas-Banknote vom 10. August 1938, deren Gestaltung an die Emission vom

21. November 1936 erinnert.


Abb. 16.1: Banco de España, Burgos, 20. Mai 1938, 25 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 16.2: Banco de España, Burgos, 20. Mai 1938, 25 Pesetas, Rückseite.


Abb. 17.1: Banco de España, Burgos, 20. Mai 1938, 50 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 17.2: Banco de España, Burgos, 20. Mai 1938, 50 Pesetas, Rückseite.


Abb. 18.1: Banco de España, Burgos, 20. Mai 1938, 100 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 18.2: Banco de España, Burgos, 20. Mai 1938, 100 Pesetas, Rückseite.


Abb. 19.1: Banco de España, Burgos, 20. Mai 1938, 500 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 19.2: Banco de España, Burgos, 20. Mai 1938, 500 Pesetas, Rückseite.


Abb. 20.1: Banco de España, Burgos, 20. Mai 1938, 1000 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 20.2: Banco de España, Burgos, 20. Mai 1938, 1000 Pesetas, Rückseite.


Abb. 21.1: Banco de España, Burgos, 10. August 1938, 5 Pesetas, Vorderseite.

Abb. 21.2: Banco de España, Burgos, 10. August 1938, 5 Pesetas, Rückseite.


Alle Banknoten vom 30. April, 20. Mai und 10. August 1938 wurden nach einer Verordnung des Finanzministeriums vom 22. April 1939 für den Umlauf in Spanisch-Marokko mit einem jeweils unterschiedlich langem roten Aufdruck „AFRICA“ versehen, um das Schmuggeln von Waren aus Tanger zu erschweren. Beim Erwerb dieser Noten ist äußerste Vorsicht geboten, da der Aufdruck zum Schaden der Sammler gefälscht wird.


Auch auf dem Gebiet des nationalen Spaniens zirkulierten die alten Silber- und Kupfermünzen der Provisorischen Regierung und der Monarchen Amadeo I., Alfons XII. und Alfons XIII. weiter. Dem Beispiel der Republik folgend, ließ der „Nationale Verteidigungsrat“ 60 Millionen Kupfer-Nickel-Münzen zu 25 Céntimos in der staatlichen Münze in Wien prägen. Die Entwürfe hierzu stammen vom spanischen Kupferstecher José Luis Sánchez-Toda und dem Ingenieur Víctor Villanueva. Ihre Initialen „TS“ und „VV“ befinden sich auf der Rückseite der Münze.

Die Rohlinge lieferte die Berndorfer Metallwarenfabrik AG, Berndorf. Mit 25 mm Durchmesser und 7 g Gewicht entsprach diese Münze der republikanischen Prägung. Am 5. April 1938 setzte sie der "Nationale Verteidigungsrat" in Burgos in Umlauf. Vierzehn Jahre später, 1951, zwang der Anstieg des Nickelpreises den sofortigen Einzug der Nickelmünzen, da der Metallwert seinen Nennwert überstieg. Die Münze verlor am 1. Juli 1951 die Gültigkeit.11)


Abb. 22.1/2: España, 1937, 25 Céntimos, Vorder- und Rückseite.


Das Herrschaftsgebiet des „nationalen“ Spaniens vergrößerte sich ständig, bis es am 1. April 1939 das ganze spanische Staatsgebiet umfasste und Franco das Ende des Bürgerkriegs verkündete: „Am heutigen Tage wurde die rote Streitmacht gefangengesetzt und entwaffnet, und die nationalen Truppen haben ihre militärischen Endziele erreicht. Der Krieg ist beendet.“12) Was geschah mit den republikanischen Banknoten und Bankguthaben, wenn die nationalen Truppen Städte besetzten und als der Krieg zu Ende war? Mit der Emission vom

21. November 1936 führte die Banco de España in Burgos ein Zahlungsmittel ein, das mit dem Geldumlauf der Republik nichts mehr zu tun hatte.

„Sobald neue Städte durch das nationale Heer besetzt wurden, wurden die in diesen Städten noch kursierenden Banknoten von vor dem 18. Juli gegen die neuen von der Bank in Burgos emittierten Banknoten eingetauscht, wobei der Umtausch zum Parikurs erfolgte.“13)

Alle anderen Noten wurden ersatzlos eingezogen. Mit diesen Regelungen versuchte man einerseits die Inflation, die im republikanischen Gebiet spürbar höher war, einzudämmen und andererseits die dortige Wirtschaft zu untergraben, zu stören.


Obwohl die Bankguthaben auf dem Gebiet der Republik seit Kriegsbeginn in vielen Fällen stark zugenommen hatten (s. Tabelle 3), ließ man diese zunächst unangetastet. Seit der Eroberung Bilbaos im Juni 1937 wurden dann die Bankkonten gesperrt und auch die republikanischen Banknoten für ungültig erklärt. Durch Dekret vom 12. Oktober 1938 trat dahingehend eine Änderung ein, dass über Guthaben frei verfügt werden konnten, wenn sie bereits vor dem 18. Juli 1936 bestanden. Dies galt aber nicht, wenn das Guthaben in der Folgezeit aufgebraucht wurde und durch Einzahlungen in der Zeit vom 1. November 1938 bis zur Besetzung der Stadt durch nationale Verbände ersetzt wurde.15)


Obwohl die Kontensperrung nur eine vorübergehende Maßnahme sein sollte, wurde erst am 7. Dezember 1939 ein Gesetz erlassen, das die Kontenblockade aufhob und den Wert der Guthaben aus republikanischer Zeit festlegte. Es würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, wollte man auf ihre Berechnung eingehen. Je nach Entstehungszeitpunkt wurde das Verhältnis der republikanischen zur nationalen Peseta bestimmt (s. Tabelle 4).


„Diese Tabelle ist so zu verstehen, daß z. B. 100 Peseten, die in der Zeit vom 19. Juli 1936 bis zum 31. Oktober 1936 in den Banken des Republikanischen Spanien eingegangen waren, nach dem Gesetz mit 90 nationalen Peseten auf dem Konto anerkannt wurden, von denen die Interessenten freien Gebrauch machen konnten. In den Fällen, in denen Geschäfte erst im letzten Kriegsabschnitt zustande gekommen waren, wurden für 100 republikanische Peseten nur 5 nationale Peseten berechnet. … Durch diese Methode wurden die Einnahmen auf den Bankkonten während der republikanischen Regierung und in den Banken, die in dem feindlichen Gebiet gegründet worden waren, nach dem Realwert der Kaufkraft, d. h. im Verhältnis zur nationalen Peseta ermittelt.“17)

Ein Umtausch der abgelieferten Banknoten fand nicht mehr statt.


Abb. 23: Bescheinigung über die Ablieferung republikanischer Banknoten.

Mit Gesetz vom 20. Januar 1939 ordnete Generalissimus Franco den Einzug der Gold- und Silbermünzen an. Obwohl die Bevölkerung unter Androhung schwerer Strafen zur Ablieferung aufgefordert wurde, zeigen die veröffentlichten Daten der Banco de España von 1965, dass bis zu diesem Zeitpunkt nur 47 % der Münzen abgeliefert wurden. Dies waren 2.800 der 5.921 Tonnen Silbermünzen, die seit der Einführung der Peseta 1868, geprägt wurden.18)


Die Kupfermünzen zu 1, 2, 5 und 10 Céntimos, die seit der Einführung der Peseta als Währung 1868 geprägt wurden, wurden durch Dekret vom 29. Oktober 1941 in weniger als fünf Monaten eingezogen: 600 Millionen der mehr als eine Milliarde Münzen. Einige dieser Münzen hatten mehr als siebzig Jahre im Umlauf hinter sich; wegen der übermäßigen Abnutzung war oft nicht einmal mehr ihre Identifizierung möglich.19)


Die Bilanz der militärischen Auseinandersetzungen: etwa 110.000 Gefallene auf „nationaler“ und rund 175.000 auf republikanischer Seite, rund 16.000 bei Luftangriffen ums Leben gekommene Zivilpersonen und weitere 25.000 tote Zivilisten durch Krankheit und Hunger. Die Rache der Sieger war furchtbar. Rund zwei Millionen Spanier sollen bis 1942 in Gefängnisse und Lager gebracht worden sein. Schätzungen sprechen für die Zeit von 1939 bis 1944 von etwa zweihunderttausend Todesurteilen, hierbei sind noch nicht die von der Armee vorgenommenen Aburteilungen berücksichtigt. Hunderttausende verließen ihre Heimat, um Francos Rache zu entgehen. Zehntausende in Frankreich internierte ehemalige Republikaner starben später im Konzentrationslager Mauthausen. Bis heute sind die Wunden des Bürgerkriegs in der spanischen Gesellschaft nicht verheilt.


Uwe Bronnert


Anmerkungen

  1. Offiziell handelte es sich um deutsche Freiwillige. In Wirklichkeit waren es ausgesuchte Offiziere und Mannschaften der Luftwaffe (10.000 Mann), die zum Kampfeinsatz nach Spanien abkommandiert wurden. Das traurigste Kapitel der deutschen Intervention in Spanien ist die Zerstörung der baskischen Stadt Guernica. Der Welt wurde hier erstmals das Inferno des modernen Luftkriegs vorgeführt.

  2. Dr. Higinio Paris Eguilaz, Die Währungspolitik während des spanischen Befreiungskrieges und ihre Auswirkung auf die spanische Volkswirtschaft, in: Weltwirtschaftliches Archiv, Zeitschrift des Instituts für Weltwirtschaft an der Universität Kiel, 52. Band (1940 II), Jena 1940, S. 334.

  3. Ebenda, S. 336.

  4. Dieses Wappen findet sich offiziell erstmals auf der 1-Peseta-Note vom 28. Februar 1938.

  5. Die Giralda ist das ehemalige Minarett der Hauptmoschee von Sevilla (Andalusien), die nach der christlichen Rückeroberung („Reconquista“) der Stadt im Jahre 1248 zunächst als Kirche „Santa Maria la Mayor“ weitergenutzt wurde, bevor sie im 15. Jahrhundert niedergerissen und als spätgotische Kathedrale neu erbaut wurde.

  6. Der Palacio Real de Olite ist ein ehemaliger königlicher Palast in Olite, einer Stadt in der spanischen Comunidad Foral Navarra, der ursprünglich im 13. Jahrhundert begonnen wurde.

  7. In diesem gotischen Stadtpalais der Kronfeldherren empfingen 1497 die Katholischen Könige Isabella und Ferdinand den Entdecker Christoph Kolumbus nach dessen zweiter Amerikafahrt.

  8. Sie steht über einer Grabstätte, die dem Apostel Jakobus zugeschrieben wird, und ist Ziel des Jakobswegs.

  9. Das abgebildete Ölgemälde (488 x 378 cm) wurde von César Álvarez Dumont (1866 – 1945) im Jahre 1887 gemalt. Es stellt den heroischen Kampf auf der Kanzel der Kirche von San Agustín de Zaragoza 1809 dar.

  10. FILABO (Hrsg.), Enciclopedia de Billetes de España,Tomo II, Secunda Edición, Sant Joan Despí (Barcelona) 2006.

  11. Vgl. José María Aledón, La Peseta, Catálogo Básico, La Moneda Española desde 1868 y los Billetes desde 1783, Edición 1997, Valencia, S. 126 f.

  12. https://de.wikipedia.org/wiki/Franquismus, Stand: 06.04.2018, 13.30 Uhr.

  13. Dr. Higinio Paris Eguilaz, S. 336.

  14. Ebenda, S. 343.

  15. Ebenda, S. 341 f.

  16. Ebenda, S. 346.

  17. Ebenda, S. 347.

  18. Vgl. José María Aledón, S. 127 f.

  19. Vgl. ebenda, S. 130 f.

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