Wie sieht die „Unum“-Währung aus?

Aktualisiert: März 26

Bei Durchsicht alter Dateien auf meinem PC fiel mir eine Datei auf, die trotz mehrerer Rechnerwechsel immer noch auf meiner Festplatte schlummerte. Erstmals hatte ich den Zeitungsartikel des Rheinischen Merkur vom 23. März 1956 im November 1998 gespeichert. Er war Teil einer Akte (Abt. 708 Nr. 514) des Landeshauptarchivs Koblenz. Trotz intensiver Recherchen hatte ich damals nichts weiter über die „Unum“-Währung in Erfahrung bringen können und bis heute habe ich keinen dieser Geldscheine zu Gesicht bekommen – aber vielleicht weiß ein Leser des Blogs mehr.


UN-Flagge; Quelle: Wikipedia.


Bezahlen Sie mit „Unum“!


Ein Zahlungsmittel für die ganze Welt – ohne Devisenschwierigkeiten zu kaufen.


Bonn, im März 1956


Zum ersten Male hielt der Berichterstatter ein „Unum“ in Händen. Es ist ein gelber Geldschein mit schwarz-rotem Aufdruck „international gültig“, Gegenwert von 5 US-Dollars. Dieses Geld hat Barwert in allen Ländern der Erde, die den Vereinten Nationen bzw. der UNESCO als Mitglied angeschlossen sind.
„Unum“ gilt nicht als Zahlungsmittel für alle Waren und Produktionsgüter, sondern vorerst nur für bestimmte Produkte. Etwa für Schallplatten, für Bücher, für Musikinstrumente, Radio, Television-Apparaturen, für sämtliche Photoapparate und andere optische Instrumente. Auch Bilder und Schreibmaschinen, ebenso sämtliche Unterrichts- und Bildungsmittel können mit dem „Unum“ gekauft werden. Deckung für dieses merkwürdigste aller heute gültigen Zahlungsmittel gewährt nicht ein einzelner Staat, sondern die Gesamtheit aller Staaten, die Mitglieder der UNESCO in der UNO sind, bürgt für „Unum“.
Man kann, ob Deutscher, Franzose oder Schweizer, „Una“, d. i. die Mehrzahl von „Unum“, ohne Devisenschwierigkeiten bei den Banken kaufen. Man kann die Banknote mit innerstaatlicher Gültigkeit sogar auf Raten erwerben. In 20-Pf-Teilbeträgen, für die man grüne Quittungswerte erhält und die man hernach eintauscht, wann man will, in die Original-Note. Kreislauf für die Note in öffentlichem Zahlungsverkehr besteht heute vorwiegend bei den Landesjugendringen, bei Schulen, Universitäten, bei den Gewerkschaften, aber auch bei jedem Bankinstitut. Wenn Sie zu Ihrer Sparkasse gehen, wird Ihnen diese die „Unum“-Währung besorgen. Mit den Geldscheinen können Sie Anschaffungen oder Einkäufe machen in Korea ebenso wie auf den Philippinen, auf Alaska gleichermaßen wie in den Niederlanden oder in Westdeutschland.
Als „Ergänzungsmittel“ für dieses erste international überall an Stelle der Landeswährung gültige Geld gibt die UNESCO in einer Liste genau an, was Sie für „Unum“ überall in der zivilisierten Welt kaufen können, und wer das, was Sie kaufen, benötigt oder bestellt. Elementar gilt hierbei, Not zu lindern. Was Sie für einen oder mehrere „Unum“-Scheine kaufen, soll dem unterentwickelten, den notleidenden Gebieten in der Welt, soll jenen Menschen zugute kommen, die fernab unserer Kultur und Zivilisation und ohne deren Segnungen leben, und jenen, die unverschuldet in Not sind. Ägypten, Syrien, der Libanon, Korea-Nord und –Süd sind dankbare Abnehmergebiete für mit „Unum“ gekaufte Erzeugnisse, seien es Schulunterrichtsmittel, Medikamente, ja ganze Büchereien oder Lehrfilmeinrichtungen.
Wenn man denkt, daß beispielsweise von der UNESCO allein im Nahen Osten an die zweihundert Notschulen eingerichtet sind und unterhalten werden. Notschulen, die oft genug nur aus einem geflickten Zelt bestehen oder deren Kinder von einem Missionspater unter der sengenden Wüstensonne ohne Bedachung unterwiesen werden, wird man erkennen, was hier geschenkt werden kann. Mit Hilfe des „Unum“, für das man Unterrichtsmittel, Tafeln, Hefte, Radios und was sonst einkaufen kann. Ich konnte in der Bestellliste blättern, die augenblicklich über vierzig Länder und Nationen der Erde umfaßt. Da wünschet sich Ecuador im Süden der Staaten Nähmaschinen mit Fußantrieb, Küchengeräte, Fertigsätze von Kochtöpfen. Sieben indische Schulen treten als Besteller von Radiogeräten und Schmalfilmkameras auf. Preis der Radios 16 „Unum“-Scheine, also 336 DM je Apparat. Etwa 2,4 Millionen beträgt die Zahl der Bücher, die mit Hilfe der „Unum“-Währung gekauft und für elf Länder geliefert werden soll.
E. W. E.

Uwe Bronnert

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