Zur Geschichte des Geldes: Von der Kaurimuschel über Münzen zum Handwechsel

Aktualisiert: 23. Juli 2018


Kauri-Schnecken zählen zu den bekanntesten vormünzlichen Zahlungsmitteln.

Tauschhandel und Geld

In grauer Vorzeit begann die Arbeitsteilung bei den Menschen, man jagte oder sammelte mehr als man brauchte und tauschte Ware gegen Ware oder Leistung.

Lange kamen die Menschen ohne Geld, einem allgemeinen Tauschäquivalent aus.

Das Geld wurde nicht „erfunden“ wie die Dampfmaschine, die Briefmarke oder das

Fahrrad, es entstand in einem gesellschaftlichen Entwicklungsprozess in verschiedenen Teilen der Erde.


Halber Elektron- Stater um 625 v. Chr. aus Lydien mit einem Löwenkopf als Symbol der Lyder- Könige

Es wird angenommen, dass die ersten Münzen im 7. Jahrhundert v. Chr. in Lydien

(Kleinansien) aus Klümpchen von Elektron, einer natürlich vorkommenden Silber-Gold-Legierung, mit einer Prägung des Königs Kroisos entstanden. Die alten Griechen hatten schon ein hervorragendes Geldwesen.

Die Ausdehnung des Handels brachte auch die Verbreitung des Münzgeldes als Tauschobjekt, und so schufen die Römer nicht nur ein Weltreich, sondern verfügten auch über ein ausgezeichnetes Währungssystem.


Geld, Gold und Münzen

Als man gelernt hatte, Metalle zu gewinnen und zu schmelzen, entstanden bald Barren und Stäbchen, von denen man zum Bezahlen gewisse Stücken abschneiden oder besser „abhacken" konnte. So ist der Währungsname Rubel auf das russische Wort „rubic"(schlagen, hacken) zurückzuführen. Im alten Griechenland wurden Braten-Spieße als Geld verwendet, sie nannte man Obole. Eine Handvoll dieser Spieße wurden als Drachmai bezeichnet. Die „Drachme“ blieb als Währungsname bis in die heutige Zeit erhalten.

Ziel der Münzprägung war es, genormte Metallmengen in den Verkehr zu geben.

Es sollte nicht mehr dem Zufall überlassen bleiben, wieviel Metall man von einer Stange „abhackte", auch ein aufwendiges Wiegen des Metalls war nicht mehr notwendig, wenn man an die Redlichkeit des Münzherren glaubte. Eine Münze verkörperte einen bestimmten Wert, bedingt durch ihren Materialwert. Schließlich wurden Gold und Silber zum Geld an sich und das blieb über viele Jahrhunderte so. Das Herstellen von Geld, das Prägen von Münzen wurde bald Staatsangelegenheit. Die Münzhoheit, also das Recht, Münzen zu prägen, war ein Ausdruck souveräner Machtvollkommenheit eines Herrschers oder eines Staates. Der „Münzherr" legte fest, welche Metallart, welchen Metallgehalt und welches Gewicht die Münzen haben mussten. Die Ausprägung der Münzen hatte nach einem bestimmten „Münzfuß.“ zu erfolgen. Dieser schreibt vor, wie viele Münzen aus einer festgelegten Menge Edelmetall gefertigt werden dürfen.

Die Einhaltung der erlassenen Münzgesetze wurde streng kontrolliert und Falschmünzer, die es wahrscheinlich schon so lange gibt wie das Geld selbst, erwarteten drastische Strafen. Schon bald wurden Gold und Silber Wertmaßstab für das Geld selbst.

Belassen wir es bei diesem kleinen Ausflug in die „Frühgeschichte des Geldwesens“, viel gäbe es noch zu berichten über vormünzliche Geldformen, über Münzfuß., Schrot und Korn, über das Gold als „Weltgeld“ aber auch über private und staatliche Falschmünzer.

An dieser Stelle gleich ein Literaturtip, in dem Sie mehr über die Geschichte der Münze erfahren können:


Mehlhausen: Handbuch Münzensammeln – ein Leitfaden für Münzensammler und solche, die es werden wollen


Bargeldlose Zahlung – keine Erfindung der Neuzeit

Mit dem Geld als anerkanntes Tauschobjekt in Form von Münzen wuchs auch der weltweite Handel. Als im Laufe der Jahrhunderte der Transport der schweren

Münzen, welche die Händler auf ihren teils sehr weiten und nicht ungefährlichen

Wegen durch verschiedene Länder mit sich führten, immer schwieriger wurde, entstanden die ersten Frühformen des Papiergelds.

Reiche Kaufleute, denen ihr Geld auf Reisen zu schwer wurde und die es nicht an Räuberbanden und Wegelagerer abgeben wollten, ersannen schon früh eine Art bargeldlosen Zahlungsverkehr. Man führte statt barer Münze Wachs- und Tontafeln, aber auch Pergament- oder Papierdokumente bei sich, die Zahlungsversprechen auf den Inhaber waren. Mit solchen Dingen konnte ein Räuber nichts anfangen. Das „echte

Geld“ lag unterdessen wohl verwahrt in den Kellergewölben eines Kaufmanns oder einer Bank.

Aus ersten unscheinbaren Zetteln, die hingekritzelte Informationen aufwiesen, wurden bald stattliche Dokumente, die mit Siegeln und Unterschriften versehen waren und auf bestimmte Geldsummen lauteten. Eine wichtige Rolle spielten dabei die Banken. Schon

1587 entstanden in Venedig sogenannte „Girobanken“, weitere folgten 1609 in Amsterdam und 1619 in Hamburg. Binnen kurzer Zeit gab es überall derartige Institutionen, von Nürnberg über Rotterdam bis nach Stockholm, Leipzig und Wien.

Die von diesen Banken ausgegebenen Überweisungszettel liefen schon bald wie Geld um. Giro ist ein lateinisches Wort und bedeutet wörtlich „Kreislauf“. Das Geld wanderte

im Kreis von einem Kaufmann zum anderen, nur durch die Bücher, ohne z. B. selbst von Amsterdam nach Leipzig und dann nach Wien gebracht zu werden. Sogenannte „Handelswechsel“ kursierten wie Geld selbst. Derartige Zahlungsversprechen konnten

bei Bedarf „vor Ort“, also fast in ganz Europa in Bargeld umgetauscht werden. Dies ist zugleich die Geburtsstunde des Vorläufers der Banknote, wie wir sie bis heute benutzen.


Wolfgang J. Mehlhausen/Hans-Ludwig Grabowski

Handbuch Geldscheinsammeln

Abbildungen: Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv


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