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  • Geldscheinporträts: Mary Somerville – „Queen of Science”

    Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. ​Geburtsname: Mary Fairfax Zur Person: Astronomin, Mathematikerin, Schriftstellerin ​Nationalität: Schottisch ​Lebensdaten: 26. Dezember 1780 – 29. November 1872 ​Geburtsort: Jedburgh (Schottland) ​Sterbeort: Neapel (Italien) Mary Fairfax, Mrs. William Somerville, 1780–1872. Writer on Science” (1834) von Thomas Phillips (1770–1845). Öl auf Leinwand. Scottish National Gallery. Es sei vielleicht schwierig, einen König der Wissenschaften des 19. Jahrhunderts zu benennen, die „Queen of Science“ sei allerdings eindeutig Mary Somerville, schrieb die Londoner Zeitung The Morning Post in einem Nachruf auf Mary Somerville. In ihrem fast 92 Jahre langen Leben wurde sie zu einer der berühmtesten weiblichen Wissenschaftsautorinnen ihrer Zeit, publizierte bis ins hohe Alter und wurde als erste Frau in die Königliche Astronomische Gesellschaft aufgenommen. Noch heute ist das bekannte Somerville College  der Universität Oxford nach ihr benannt. Zu Beginn ihres Lebens deutete jedoch wenig auf eine Karriere in der Wissenschaft hin. Wie in dieser Zeit üblich, war eine umfassende Schulbildung den Söhnen vorbehalten, die Mädchen sollten auf die Rolle als Ehefrau in ihrer Gesellschaftsschicht vorbereitet werden. Mary konnte dementsprechend bis in ihr zehntes Lebensjahr nicht schreiben, lesen oder rechnen. Den Aufenthalt an einem Internat, den ihr Vater ihr daraufhin ermöglichte, empfand sie als eintönig und wenig lehrreich. Stattdessen begann sie selbst Bücher zu lesen. Sie durchstöberte die gesamte Hausbibliothek, erlernte im Selbststudium Latein und die Grundlagen der Mathematik. Ihre Familie und ihr erster Ehemann Samuel Greig, den sie 1804 heiratete, zeigten wenig Verständnis für ihre wissenschaftliche Neugier und warfen ihr „unweibliches Verhalten“ vor. Ein beträchtliches Erbe durch den Tod ihres Ehemannes drei Jahre nach der Hochzeit verschaffte ihr die Gelegenheit, ihre Studien zu vertiefen. Unterstützt von den Mathematikern William Wallace und John Playfair, einem Professor in Edinburgh, gelang es ihr sogar, eigene mathematische Beweise zu finden und zu veröffentlichen. In dieser Zeit begann auch ihre Auseinandersetzung mit der Astronomie und den Schriften von Pierre-Simon Laplace. 1812 heiratete sie den Militärarzt William Somerville. Er unterstützte ihre Bestrebungen und machte Mary mit führenden Wissenschaftlern, Schriftstellern und Künstlern bekannt. Ermutigt durch diese Erfolge, widmete sich Mary Somerville vollständig der Wissenschaft. Sie führte eigene Experimente durch und verfasste eine Zusammenfassung der Laplace‘schen Mècanique Cèleste . Im resultierenden Buch The Mechanism of the Heavens  lieferte sie nicht nur eine Übersetzung, sondern versah das einflussreiche Werk mit zahlreichen Kommentaren, welche die von Laplace beschriebene Mathematik des Sonnensystems verständlich machten. Ihr Band erschien in zehn Auflagen und blieb für Jahrzehnte Standard-Lehrbuch in Cambridge. Ein ebenso großer Erfolg war ihr nächstes Werk On the Connexion of the Physical Sciences  (1834). Sie lieferte darin einen Überblick über den damaligen Stand der Forschungen in Physik, Astronomie, Chemie, Geografie und Meteorologie. Das Werk, das als eines der ersten populärwissenschaftlichen Bücher gilt, war eines der meistverkauften Wissenschaftsbücher des 19. Jahrhunderts. Sie argumentierte darin unter anderem dafür, dass sich aus den Bahnabweichungen des Uranus möglicherweise auf einen weiteren, unbekannten Planeten schließen lässt. Wenige Jahre später wurde sie bestätigt – der Planet Neptun wurde entdeckt. Mit Physical Geography schrieb sie 1848 ein weiteres Standardlehrbuch und spätestens mit ihrem Werk Molecular and Microscopic Science  (1869) war sie im Kreis der bekanntesten Wissenschaftlerinnen angekommen. Ihren Ruhm nutze sie, um sich für ein Frauenwahlrecht auszusprechen und Bildung für Frauen zu fördern. Die letzten Jahrzehnte ihres Lebens verbrachte sie in Italien. 1872 starb Mary Somerville im Alter von 91 Jahren in Neapel. Ihr wurden zahlreiche Denkmäler gesetzt, unter anderem wurden ein Mondkrater und ein Asteroid nach ihr benannt – und 2016 wurde sie in einer öffentlichen Abstimmung als Porträtmotiv für die neuen 10-Pfund-Noten der Royal Bank of Scotland ausgewählt. Royal Bank of Scotland, 10 Pfund Sterling vom 20. Dezember 2018. Vorderseite:  Porträt von Mary Somerville mit Lebensdaten, links davon Zitat aus ihrem Werk „The Connexion of the Physical Sciences“, im Hintergrund Ansicht des Strandes von Burntisland. Rückseite:  Zwei Otter, daneben Auszug aus dem Gedicht „Moorings“ von Norman MacCaig.   Elias Heindl Literatur/Quellen: https://en.wikipedia.org/wiki/Mary_Somerville Magdolna Hargittai (2023): Meeting the Challenge: Top Women in Science . Oxford University Press, Oxford. S. 9–12 Dorothy McMillan (1999): The Scotswoman at home and abroad. Non-fictional writing 1700–1900. Association for Scottish Literary Studies, Glasgow. S. 118–131 Heinz Klaus Strick (2023): Mary Fairfax Somerville war das Vorbild von Ada Lovelace. Der mathematische Monatskalender. Spektrum der Wissenschaft. (aufgerufen über www.spektrum.de/wissen/mary-fairfax-somerville-das-vorbild-von-ada-lovelace/2184357 , zul. am 01.01.2025) Abbildungen: Gemälde: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Thomas_Phillips_-_Mary_Fairfax,_Mrs_William_Somerville,_1780_-_1872._Writer_on_science_-_Google_Art_Project.jpg   Banknote: Archiv für Geld- und Zitgeschichte

  • Wahre Verbrechen: Geldtransport- und Banküberfälle in der DDR und im "Ostblock"

    Überfälle auf Banken und Geldtransporte dienen Film- und Fernsehproduzenten gerne als Vorlage für ihre Arbeiten. Meist sind es erfundene Taten, die vermeintlichen Kriminellen angedichtet werden. Echte Überfälle gab und gibt es aber - auch in der ehemaligen DDR. Viele Menschen glauben, dass es solche Gewalttaten in der DDR nicht gegeben hat. Falsch: In den letzten 15 Jahren ihres Bestehens zählten die Statistiker 32 Raubüberfälle auf Sparkassen - pro Jahr. Berichtenswert sind einige spektakuläre Fälle - einzuordnen zwischen „dümmlich“ und „abgebrüht“. Die Ost-CDU-Tageszeitung „Neue Zeit“ vom 9. Juli 1990 berichtete auf Seite 6: „ ... Die mit einem pistolenähnlichen Gegenstand bedrohte Kassiererin packt dem Bankräuber geistesgegenwärtig 2.000 Mark der DDR ein. Der etwa 35-jährige Täter glaubt D-Mark in der Tasche zu haben und flüchtet zu Fuß. Anderthalb Stunden später ist seine Beute wertlos. Denn die Geldinstitute schließen die Annahmestellen für DDR-Geld.“ Das war am 6. Juli 1990, einem Freitag-Nachmittag, und bis zu diesem Tag konnte DDR-Geld bei Banken und Sparkassen in D-Mark umgetauscht werden.* Abb. 1: 10 Mark der DDR 1971, Vs., die Scheine mit 7-stelligen, fälschlicherweise als „Computersatz-Ziffern“ bezeichneten Kontrollnummern ergänzten die 10-M-Banknoten mit 6-stelligen, breiten Kontrollnummern ab 5. März 1986. 10. Mai 1983 gegen 12.20 Uhr: Eckartsberga/Thür., Kreis Naumburg, Bezirk Halle. Zwei bis heute unbekannte Männer fuhren mit einem blauen Motorrad MZ ES 125 zur Eckartsbergaer Hauptstraße und hielten am Haus Nr. 94 vor der Geschäftsstelle der Kreissparkasse Naumburg. Beim Eintreten in die Sparkasse waren nur zwei Mitarbeiterinnen im Raum, Kunden waren nicht anwesend. Die Leiterin Ingetraut B. hatte ihren DDR-typischen sog. Haushaltstag, der werktätigen Frauen einmal im Monat zustand, und war daheim. Mit vorgehaltener Pistole forderte einer der Täter zur Herausgabe von Geld aus der Kasse und schrie zu seinem Kumpan „Komm, lass uns abhauen, das reicht, was wir haben“; der aber witterte mehr und zwang die andere Kassiererin, noch mehr Geld aus dem Panzerschrank zu übergeben. Abb. 2: Eingang der Sparkasse mit dem einfach vergitterten kleinen Fenster. Eine eintretende Kundin realisierte die Situation und rannte auf die Straße; auch die beiden Bankräuber machten sich schnell auf und davon und fuhren auf ihrem Leichtmotorrad in Richtung Marienthal. Ein großes Missgeschick in der Provinz damals: einen Alarmknopf gab es nicht, die Kassiererinnen wollten die Volkspolizei unter der 110 anrufen, aber dort hob niemand ab. Erfolg hatten sie jedoch 20 Minuten später beim Volkspolizei-Kreisamt in Naumburg. Die Telefonnummer des ABV (Abschnittsbevollmächtigten) war in der Sparkasse nicht bekannt, so lief eine Mitarbeiterin zu Fuß zu Helmut T., der hatte seinen ersten Urlaubstag, stand aber im Hausflur. Abb. 3: Plakate der Volkspolizei für alle staatlichen Einrichtungen von 1972. Dann lief die Maschinerie der Ermittlungen an – mit einer Einsatzzentrale im damaligen Pionierlager an der Eckartsburg. Die Beute der Täter bezifferte der Staatssicherheitsdienst anfangs mit etwa 300.000 DDR-Mark. Am 10. und am 24. Mai zählten Stasi-Leute 314.000 Mark, aber nach einer Revision der Kreissparkasse Naumburg waren es nur noch 293.890 Mark, z. T. Lohngelder – hat jemand die reichlich 20.000 DDR-Mark nachher entwendet? Das Kennzeichen des Motorrads hatte sich eine der Sparkassenfrauen gemerkt und man gab eine gute Täterbeschreibung zu Protokoll. Auf den Fahndungsplakaten waren die Verbrecher zwischen 18 und 25 Jahre alt, hatten einen blauen bzw. roten Sturzhelm und waren Bartträger. Die Helme der Täter wurden später von einem Großvater und seinem Enkel in einem Waldgebiet bei Marienthal gefunden. Weder die Ringfahndung am 10. Mai 1983, noch die Suche nach dem Motorrad brachten die Ermittler weiter – über 20.000 Motorräder und 1.220 Personen wurden nach 65 Hinweisen aus der Bevölkerung überprüft. Auch der Abgleich abgegebener Haarproben von etwa 3.500 Männern mit den sichergestellten DNA-Spuren brachten kein Ergebnis. Die Stasi-Akte „KD NMB/193“ (Kreisdirektion Naumburg Fall 193) wurde auf Anordnung der MfS-Zentrale Berlin bis zur Wende nicht geschlossen. Abb. 4: nach dem Geldraub wurden etwa 300.000 DDR-Mark für einen Vergleich von Stasi-Leuten gestapelt und vermessen. Von den erbeuteten Banknoten, die z. T. nummernmäßig registriert waren, wurden bis 1990 immer wieder einzelne Scheine gefunden – die beiden Täter aber nie. Abb. 5: 5 Mark der DDR 1975, Vs., Austauschschein; diese Banknoten mit breiten Kontrollnummern waren ab 18. September 1979 im Umlauf und wurden im März 1986 durch die Scheine mit schmalen Kontrollnummern ergänzt. Abb. 6: 20 Mark der DDR 1975, Vs., diese Banknoten mit breiten Kontrollnummern waren ab 15. Januar 1976 im Umlauf und wurden im Mai 1986 durch die Scheine mit 7-stelligen schmalen Kontrollnummern ergänzt. Fast auf den Tag genau sechs Jahre zuvor – Berlin, Stadtbezirk Mitte, Postamt 14 an der Wassergasse 1: der vorbestrafte Stephan H. trat am 12. Mai 1977 gegen dreiviertel Sechs morgens in die Räume des Postamts 14. Die Reinigungskraft Hildegard S. hatte kurz zuvor den Schlüssel im nahen Volkspolizei-Revier ausgehändigt bekommen und spürte im Eingang eine Person hinter sich. Der Mann hielt ihr eine Pistole entgegen, forderte die Tresorschlüssel und fesselte die Frau. Da die Reinigungskraft die Schlüssel für den Panzerschrank nicht hatte, musste der Täter auf den Leiter des Postamts warten. Als dieser eintraf wurde er sofort bedroht, sodass er dem Räuber aus dem Tresor sämtliches Bargeld aushändigte: 69.820 DDR-Mark und 72 Pfennige. Abb. 7: 100 Mark der Deutschen Notenbank 1964, Vs., diese in Moskau gedruckten Banknoten waren bis 31. Dezember 1983 im Umlauf und wurden ab 2. Oktober 1978 durch die Scheine der neuen Serie 1971/75 ersetzt. Die wenigen Spuren und der eingesetzte Fährtenhund brachten kein Ergebnis; trotz Fahndungsblättern wurde der Posträuber nicht gefasst. Die Ermittler der Kriminalpolizei mussten vorläufig aufgeben – bis zwei Jahre später ein „Bekannter“ des Täters sein Wissen zum Postraub der Polizei mitteilte. Gottfried B. war ein Zellengenosse, der zusammen mit Stephan H. 1975 im Gefängnis von Gera in U-Haft saß. Die Aussage des an Krebs erkrankten Informanten, den das Gewissen plagte, führte die Polizei auf den Räuber. Stephan H., der 1974 an der TU Dresden Physik studierte, wurde am 27. März 1979 verhaftet und am 12. September 1979 zu zwölf Jahren Gefängnis verurteilt, aber im Januar 1986 vorzeitig auf Bewährung aus der Haft entlassen. 15. Juni 1977, gegen halb 9 Uhr morgens, Dresdner Südvorstadt: zwei junge Männer machten an diesem Tag größere Beute: Lohngelder in Höhe von 400.000 DDR-Mark. Drei Kilometer vom Dresdner Hauptbahnhof entfernt überfielen sie am Eingang zum Heizkraftwerk Nossener Brücke einen haltenden Pkw „Wartburg 353 Limousine“. Sie nahmen den Geldkoffer und verschwanden; die zwei Frauen, der Fahrer und ein weiterer Begleiter waren machtlos. Die Täter flohen auf einem Motorrad. Sofort wurden von der Volkspolizei Straßensperren errichtet, Spürhunde eingesetzt und ein Hubschrauber angefordert. Eine Sonderkommission mit 200 Volkspolizisten wurde geschaffen und der Staatssicherheitsdienst griff natürlich ein. Der damalige VP-Hauptmann K.-H. Sobierajski fertigte nach nochmaligen ausführlich Befragungen der vier Pkw-Insassen gute Phantombilder an. Die Täter fuhren mit einem Pkw unbehelligt durch die Polizeisperren, da man nur auf Motorradfahrer geachtet hatte. Aufgrund der Fahndungsblätter kamen über 1.000 Hinweise aus der Bevölkerung und brachten die Ermittler auf einige Spuren: das Motorrad der Räuber wurde im Stadtteil Niedersedlitz gefunden und sichergestellt und Kinder fanden den Koffer, aufgeschnitten und leer. Abb. 8: im Wald bei Glashütte gefundener leerer Geldkoffer. Abb. 9: entplombter Geldbeutel der Staatsbank der DDR. Abb. 10: Banderolen für 100 × 10 Mark (oben) und 20 × 50 Mark (unten). Und Monate später beobachteten Männer in einem Waldgebiet des Kreises Pirna einen bis dahin Unbekannten, der im Waldboden grub, und meldeten den Vorfall der Polizei. Die fanden u. a. Münzen und Geldscheinbanderolen, aber keine Banknoten. Erneut ins Visier der Ermittler gerieten zwei Männer, die schon in früheren Vernehmungen ins Fadenkreuz geraten waren, aber damals ein Alibi vorweisen konnten. Unter der Beweislast gestanden beide ihre Tat und wurden später zu langen Haftstrafen verurteilt. Etwa 120.000 DDR-Mark blieben bis zum 1. Juli 1990 verschwunden. Gab es einen dritten Täter? Die Vernehmungsprotokolle lassen eine solche Vermutung zu. Abb. 11: 5 Mark der DNB 1964, Vs., diese Banknoten waren bis 31. Dezember 1983 gültige Zahlungsmittel (die 5-Mark-Scheine der DDR kamen erst ab 18. September 1979 in den Zahlungsverkehr). Abb. 12: 50 Mark der DDR 1971, Vs., diese Banknoten mit breiten Kontrollnummern kamen ab 1. Juni 1973 als erste Scheine der letzten DDR-Serie in Umlauf. Auch in den sog. Bruderländern gab es spektakuläre Überfälle, über die in der DDR jedoch nicht berichtet wurde: In Polen ereignete sich 1962 in Wołów (Wohlau), etwa 45 Kilometer nordwestlich von Breslau, der größte Banküberfall in der Geschichte der Volksrepublik Polen. Der Haupttäter Mieczysław F. und vier weitere Männer ließen sich am 19. August vor Mitternacht in die Kellerräume der Filiale der NBP am Plac Sobieskiego Nr. 6. einschließen. Durch Insider-Wissen erbeuteten sie 12.531.000 Zloty (≈ 2,5 Mio. DDR-Mark). Der Betrag war für die damalige Zeit unvorstellbar; der monatliche Durchschnittslohn betrug seinerzeit in Polen etwa 1.600 Zloty (≈ 320 DDR-Mark). Die Soko W-62 war anfangs nicht erfolgreich. Sämtliche Münzen ließen die Täter liegen und nahmen nur die neuen 500-Zloty- und gebrauchten 100-Zloty-Banknoten mit. Nach Monaten wurden landesweit Scheine aus dem Raubüberfall festgestellt. Die Frau des Haupttäters Stanisław J. wollte zwei Monate nach dem Geldraub im 150 Kilometer entfernten Kluczbork (Kreuzburg in Oberschlesien) mit einem nummernmäßig registrierten 500-er in einem Textilgeschäft bezahlen. Die Verkäuferin verglich die Nummer ... und informierte die Polizei. Die fand im Haus der Eheleute noch 11.572.000 Zloty der Beute; gerade mal 150.000 Zloty hatten sie bis dahin ausgegeben. Fünf Täter wurden sofort und später auch die zwei Komplizen verhaftet. Am 4. Dezember 1962 begann der Prozess gegen die Verbrecher; fünf Personen wurden zu lebenslanger und zwei zu 15 Jahren Haft verurteilt. Der Bankraub diente als Vorlage für den Spielfilm „Hazardzistów“ (Glücksspieler) von 1976. Abb. 13: 100 Złotych 1. Juli 1948, Vs., die Beute enthielt 35.310 Banknoten zu 100 Zloty in gebrauchtem Zustand. Abb. 14: 500 Złotych 1. Juli 1948, Vs., außerdem erbeuteten die Diebe 18.000 Banknoten zu 500 Zloty der Serien AP und AR in druckfrischem Zustand; die Räuber hatten einen Teil der Geldschein-Banderolen in einem Mülleimer geworfen. In der Tschechoslowakei wurde am 19. März 1976 ein Raubüberfall in Brünn (Brno) verübt. Am frühen Abend wurde ein Fahrzeug der Tschechoslowakischen Post auf der heutigen Zborovská-Straße von fünf Männern angehalten und ausgeraubt. Mit vorgehaltener Waffe erbeuteten sie einen Betrag von 1.664.700 ČS-Kronen (≈ 550.000 DDR-Mark) und flohen in einem roten Pkw „Škoda MB 1000.“ Der Pkw und die Kennzeichen waren gestohlen. Lange Zeit liefen die Ermittlungen zum Fall „Brněnský ranec“ (Brünner Ranch) ins Leere, doch die verwendeten Schrauben zum Anbringen des Kfz-Kennzeichens brachte die Polizei auf die Spur eines Mitarbeiters eines Metallbetriebes. J. B. arbeitete mitunter bei der Post; in seiner Wohnung fand man Aufzeichnungen und eine Karte mit ausführlichem Handlungsplan. Im Juni 1976 wurden die Verbrecher J. B., A. S., I.K., B. Š. und M. H. verhaftet. Vier der fünf Täter hatten die Tat gestanden – Milan Hulik jedoch nicht. Die Bande wurde zu hohen Haftstrafen zwischen 12 und 15 Jahren Gefängnis und zur Rückzahlung der Beute verurteilt, die bis heute nicht gefunden wurde. Abb. 15: 100 Korun 1961, Vs., die Scheine der 1. Ausgabe waren ab 1. Dezember 1962 bis 7. Februar 1993 in Umlauf. Abb. 16: 500 Korún 1973, Vs., slowakischer Text, im Umlauf seit 1. November 1973 – am 8. Februar 1993 waren sie ebenfalls kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr. Andere sog. Ostblockländer wurden von Banküberfällen ebenfalls nicht verschont. Kriminelle räumten in der armenischen Hauptstadt Jerewan (Eriwan) am 5. August 1977 in der Filiale der UdSSR-Staatsbank den Geldtresor aus. Obwohl es im ersten Stock des Bankgebäudes eine Polizeistation gab, riskierten die drei Männer um Feliks Kalatschjan den Einbruch in die Bank und erbeuteten in zwei Säcken etwa 1,5 Mio. Rubel damaliger Währung (≈ 6,0 Mio. DDR-Mark). Meist waren es Bündel zu 100 Rubel, die vorwiegend aus der Serie КИ (= KI) stammten. Im heutigen Gjumri führte in der Nacht zum 8. Juni 1978 ein Hinterhalt der Ermittler zur Verhaftung von Nikolai Kalatschjan und der anderen Täter. Die Brüder Kalatschjan wurden zum Tode verurteilt; ihre Begnadigungspapiere kamen zu spät im Gefängnis an: sie wurden nur einen Tag zuvor hingerichtet. Abb. 17: 800.000 Rubel in Bündeln fand man später in einem Ersatzrad des Kalatschjan-Autos; 100.000 Rubel hatten die Täter im Keller eines Hauses vergraben – 600.000 Rubel hatten sie schon ausgegeben. Und in Bukarest erbeuteten sechs Täter am 28. Juli 1959 bei einem Bankraub etwa 1.680.000 Lei (≈ 670.000 DDR-Mark). Zu der vom rumänischen Staatssicherheitsdienst Securitate bezeichneten „banda Ioanid“ (Loanidische Bande) gehörten die früheren und geschassten Staatsdiener Igo Sevianu (Polizist und Mitarbeiter des Innenministeriums), seine Frau Monica Sevianu (Lehrerin, Rundfunkmoderatorin), Alexandruş Ioanid (bis März 1959 Chef der Kriminalpolizei), sein Bruder Paul Ioanid (ehemaliger Leiter der Luftfahrtabteilung der nationalen Militärakademie), Abrașa Glenzstein (aka Sașa Mușat, Geschichtsprofessor und Parteisekretär an der Universität Bukarest) und Haralambie Obedeanu (Dekan der Fakultät für Journalismus). Alle einte der Hass auf das Regime des Kommunistenführers Gheorghe Gheorghiu-Dej. Sie überfielen einen gepanzerten Geldtransporter der Banca Națională a României; im Wagen lagen die Gelder mehrerer Filialen. Die in einem Taxi vorgefahrenen Räuber stiegen aus, bedrohten den Fahrer des Geldtransporters mit Waffen und fuhren davon. Auf einem Feld außerhalb packten sie das Geld um und da sie beobachtet wurden, ließen sie aus Eile einen Sack mit 138.000 Lei liegen und fuhren wieder in die Innenstadt. Dort wurde bald das Fluchtauto gefunden. Die Täter ließen nochmals rund 213.000 Lei zurück. Die ganze „afacerii Ioanid“ kann aber auch ganz anders gewesen sein: ein Racheakt hoher Funktionäre der KPR an den unliebsamen jüdischen Intellektuellen … Abb. 18: nach dem Umladen des Geldes aus dem Taxi, Typ „Moskwitsch“ ließen die Täter Banknoten auf einem Feld zurück, die von Kindern gefunden wurden; nachgestellte Szene aus dem Propagandafilm „28 iulie 1959 jaful – reconstituirea – un remember formidabil pentru Bucuresti“. Abb. 19: von der Securitate auf einem Hausboden gefundener Geldkoffer (Szene aus dem gleichen Film). Durch rücksichtslose Vernehmungen Tausender Personen, darunter viele Bankmitarbeiter – von denen einer zu Tode geprügelt wurde –, kam man auf die Spur der Verbrecher. Die fünf Männer wurden am 18. September 1959 verhaftet und am 22. November 1959 zum Tode verurteilt. Am 18. Februar 1960 wurden sie im Gefängnis von Jilava erschossen. Frau Sevianu erhielt eine lebenslange Haft, wurde 1964 begnadigt und wanderte später nach Israel aus. Michael H. Schöne Quellen: * Anlage I zu dem Vertrag über die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik; Art 5. Tag der Umstellung, Abwicklung über Konten bei Geldinstituten Boltze, Harald: „Wer hat am 10. Mai 1983 in Eckartsberga 300.000 Mark geraubt?“, „Naumburger Tageblatt“ 10. Mai 2023 Schurich, Frank-Rainer: „Der Postraub in der Wassergasse“, „Das Blättchen“ 28. März 2022 Weckbrodt, Heiko: „Größter Lohnraub der DDR“, oiger.de  15. Juni 2016 https://adevarul.ro https://ciekawostkihistoryczne.pl https://istotne.pl https://lenta.ru https://www.bundesarchiv.de https://www.nordkurier.de https://www-novinky-cz https://www.polskieradio.pl https://www.sparkassengeschichtsblog.de https://www.youtube.com  „Reconstituirea“ von 1960, Filmstudio Sahia https://taz.de

  • Lexikon: Kumulativnoten

    Kumulativnoten sind Scheine mit hohem Nominalwert, die nicht für die Zirkulation bestimmt, sondern für Ausgleichszahlungen zwischen Großbanken gedacht waren. Beispiele: Oesterreichisch-ungarische Bank 1918: 1 und 100 Millionen Kronen Großbritannien 1948: 1 Million Pfund USA 1934: 10.000 und 100.000 Dollars zur Nutzung innerhalb des Federal Reserve Systems Österreich-Ungarn: Muster einer Kumulativ-Note der Oesterreichisch-ungarischen Bank über 100 Millionen Kronen vom 3. Oktober 1918 ohne Kontrollnummer, mit vierfacher Perforation "MUSTER", Vorderseite in Deutsch, Rückseite in Ungarisch. Quelle: Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank. Österreich-Ungarn Rudolf Richter führt die Kumulativ-Noten der Oesterreichisch-ungarischen Bank in seinem Papiergeld-Spezialkatalog Österreich unter Wertpapieren auf, da die Scheine nicht für den öffentlichen Geldverkehr bestimmt waren, sondern nur für den Geldverkehr mit Großbanken genutzt werden sollten. Eine Einlösung war nur bei den Hauptanstalten der Bank in Wien und Budapest vorgesehen. Zur Ausgabe der österreichischen Kumulativ-Noten kam es aber nicht, die Scheine kommen deshalb nur als Muster vor. Katalogisiert sind folgende Werte: 1 Million Kronen vom 1. Oktober 1918 100 Millionen Kronen vom 3. Oktober 1918 300 Millionen Kronen vom 27. Dezember 1919 2085 Millionen Kronen vom 16. Dezember 1919 (vermutlich Druckmuster). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Eswatini: Banknoten mit neuem Ländernamen

    Am 19. April 2018 gab König Mswati III. von Swasiland bekannt, die englische Landesbezeichnung auf Eswatini umzuändern. Dieser neue Name ist nun zum ersten Mal auch auf den Banknoten zu sehen: Im April 2021 gab die Zentralbank von Eswatini Scheine zu 50 Emalangeni in Umlauf, die in der Gestaltung mit den alten Fünfzigern aus der 2010 eingeführten Banknotenserie weitgehend identisch sind, jedoch den Namen "Eswatini" an allen entsprechenden Stellen aufweisen. Abb. 1: Neue 50-Emalangeni-Note der Zentralbank von Eswatini. Abb. 2: Ersatznote zur neuen 50-Emalangeni-Note (Präfix AZ). Abb. 3: Ersatznote zur alten 50-Emalangeni-Note (Präfix AZ). Eine kleine Erneuerung erfuhr auch das Porträt des Königs, dessen Halsschmuck nun in voller Länge zu sehen ist; weitere Unterschiede liegen im neuen Datum (9.11.2018) sowie den Unterschriften (Finanzminister Neal Rijkenberg und Nationalbank-Gouverneur Majozi V. Sithole). Wie der Vorgänger ist auch der neue 50-Emalangeni-Schein auf Hybrid-Substrat gedruckt. Kana Totsuka Abb. Donald Ludwig ( www.polymernotes.org )

  • Autogramme auf Banknoten: Interessant und Mehrwert oder nicht?

    Unter Autogrammsammeln versteht man das Sammeln von Autogrammen/Autographen berühmter Personen. Zu den beliebtesten Kategorien gehören Autogramme von Filmstars, Musikern, Künstlern, Sportlern, Wissenschaftlern, Politikern, Astronauten und Schriftstellern. Autogramme können sich auf fast allem befinden, von einer Autogrammkarte oder einem einfachen Stück Papier bis hin zu einem Kleidungsstück oder einem Fußball. Es gibt sogar Autogramme auf Banknoten. Dabei kann es sich um Autogramme von jedermann oder von Personen handeln, die mit der Banknote in Verbindung stehen, was sie für Sammler besonders attraktiv macht. Hier zwei Beispiele von Autogrammen, beide aus der letzten Serie (BBk III) der Deutschen Bundesbank. Diese 10-DM-Banknote wurde von Ernst Welteke, Präsident der Deutschen Bundesbank vom 01.09.1999 bis 14.04.2004, persönlich signiert und datiert. 10-DM-Banknote 1999 von Ernst Welteke signiert und datiert. Ernst Welteke, gelernter Landmaschinenmechaniker, erwarb über den zweiten Bildungsweg das Abitur am Hessenkolleg in Wiesbaden und studierte anschließend Volkswirtschaftslehre in Marburg und an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Seine politische Laufbahn begann der Diplom-Volkswirt in der Kommunalpolitik (als Kreistagsabgeordneter und SPD-Kreisvorsitzender im Hochtaunuskreis) und ab 1972 als Mitarbeiter des Hessischen Ministerpräsidenten Albert Osswald. 1974 wurde er Mitglied des Hessischen Landtags, dem er bis 1995 angehörte. 1995 wurde Welteke auf Vorschlag seines langjährigen politischen Weggefährten Eichel zum Präsidenten der Landeszentralbank in Hessen ernannt. Am 1. September 1999 wurde Welteke - wiederum auf Vorschlag von Hans Eichel, der inzwischen Bundesfinanzminister geworden war - als Nachfolger von Hans Tietmeyer Präsident der Deutschen Bundesbank. Diese 10-DM-Banknote ist die einzige, die Weltekes gedruckte Faksimile-Unterschrift trägt. Der 1000-DM-Schein wurde von José Lopez persönlich signiert, der von 1955 bis zu seiner Pensionierung als Graveur bei Giesecke & Devrient arbeitete. Neben einer Reihe ausländischer Banknoten gravierte Lopez auch die 20-, 100- und 1000-DM-Scheine der D-Mark-Serien BBk I und BBk III. 1000-DM-Banknote 1993 von José Lopez signiert. Der Graveur José Lopez wurde am 7. April 1925 in Madrid geboren, wo sein Vater als Graveur und Bildhauer arbeitete. Nach seinem Schulabschluss im Jahr 1941 trat er als Lehrling in die Fábrica Nacional de Moneda y Timbre, Madrid, die staatliche Banknotendruckerei, ein, um Kupferstich, Stahlstich und andere Arbeiten im Bereich der Herstellung von Originalplatten zu erlernen. Sein Lehrmeister war Professor Sánchez-Toda, der sich besonders dem Stechen von Briefmarken widmete. Nach Abschluss seiner Lehre besuchte er von 1944 bis 1946 die Escuela de Artes y Oficios in Madrid, um seine künstlerische Ausbildung, insbesondere im Zeichnen, Malen und Kupferstechen, zu vervollkommnen. Bis 1953 arbeitete er in der staatlichen Banknotendruckerei und machte sich dann als Grafiker und Kupferstecher in Madrid selbstständig. Zwei Jahre später trat er als Kupferstecher in die Firma Giesecke & Devrient in München ein. Bis zu seiner Pensionierung um 1990 blieb er bei Giesecke & Devrient und verstarb am 6. August 2018 in München. Was sagen Sie dazu? Sammeln Sie auch Banknoten mit Autogrammen oder haben Sie welche in Ihrer Sammlung? Würden Sie eine Banknote mit Autogramm für Ihre Sammlung kaufen? Gerne stelle wir Ihre Geldscheine mit Autogramm hier im Blog vor! Donald Ludwig

  • Mauretanien: Das Geheimnis des bärtigen Mannes

    Das Gesicht eines bärtigen Mannes erschien als Wasserzeichen auf allen mauretanischen Banknoten von 1974 bis zu den Ausgaben von 2017. Er war auch auf der nicht ausgegebenen 1000-Ouguiya-Banknote vom 28. November 1981 abgebildet ( HIER im Blog vorgestellt). Die nicht ausgegebene 1000-Ouguiya-Banknote vom 28. November 1981. Das Bildnis hat eine interessante Geschichte und nur wenige wissen etwas über seinen Ursprung. Die Geschichte dieses ehrwürdigen alten Mannes geht auf das Jahr 1974 zurück, sozusagen durch eine Verkettung von Umständen während eines Besuchs des damaligen Gouverneurs der mauretanischen Zentralbank (BCM) Ahmed O. Daddah, eines jüngeren Bruders von Präsident Mokhtar O. Daddah. Während eines Zwischenstopps in Dakar, Senegal auf dem Weg nach Deutschland, wo die neue mauretanische Währung gedruckt werden sollte, beschloss Ahmed O. Daddah, die Insel Gorée in der Nähe zu besuchen, die früher der Ausgangspunkt des Sklavenhandels nach Amerika war. Die Aufmerksamkeit des Gouverneurs der BCM erregte ein Gemälde von Sidi Ethmane Ould Mohamed Mahmoud Essemlaly, einem Sharif der Smalils, hinter dem ein junger Mann in der Blüte seines Lebens stand. Ahmed O. Daddah erkannte auf dem Gemälde Gesichtszüge, die ihm vertraut waren, und beschloss, das Bild zu erwerben und nach Deutschland mitzubringen. Das Gemälde von der französischen Künstlerin, Mirto Deparde. Vor Ort in Deutschland, bei der Gestaltung der künftigen Banknoten, bat der Gouverneur der BCM darum, das Foto des alten Mannes auszuschneiden und als Wasserzeichen auf den Geldscheinen zu verwenden. Mokhtar O. Daddah hatte sich seinerzeit geweigert, sein Porträt auf der nationalen Währung zu zeigen, die allen Mauretaniern gehört, so dass die Abbildungen auf den Banknoten nur das darstellen sollten, was sie als Volk eint, und nicht das, was mit einer Region oder einem Teil des Landes identifiziert werden könnte. Das Wasserzeichen sollte einen weisen, alten Mauretanier darstellen, nicht einen bestimmten Stammesangehörigen. Wasserzeichen der Banknoten SCWPM 3D (links) und 3C (rechts). Das Gemälde ist das Werk einer französischen Künstlerin, Mirto Deparde, die Niger, Mauretanien und Mali besuchte und das Bild der Männer der Sahara oder der blauen Männer festhielt, deren Adel und Tradition sie schätzte. Sie hatte ihre Bilder in 50 Ausstellungen in Nouakchott, Dakar, Bamako, Abidjan und Paris ausgestellt. Außerdem stellte sie ihre Bilder jedes Jahr auf der Insel Gorée aus, wo sie 1973 zum ersten Mal den Gouverneur der BCM traf. Donald Ludwig

  • Dobrý den! Guten Tag! – Eine notaphile Hommage an eine alte Stadt

    Es gibt nur wenige europäische Städte, die den Besucher sofort so sehr in ihren Bann zieht wie die tschechische Metropole Prag. Prag, die Goldene Stadt – Prag, die hunderttürmige Stadt – Prag, die Barockstadt – Prag, die Stadt des Jugendstils (Art nouveau), kaum eine andere europäische Stadt darf sich mit so vielen Attributen schmücken. Tradition und Moderne – pulsierendes Leben und verträumte einsame stille Winkeln liegen dicht beieinander. Weltoffen und charmant geben sich die Prager. Das Miteinander der verschiedenen Völker, die Jahrhunderte neben- und miteinander gelebt haben, hat sie ebenso geprägt wie die Jahre der k. und k. Monarchie und die Schicksalsschläge der neueren Geschichte.   Unzählige kleine Lädchen und Boutiquen laden in den hübschen engen Gässchen der Altstadt zum Shoppen ein. Cafés und Restaurants locken mit kulinarischen Highlights zum Verweilen – und immer wieder begegnen dem Besucher beeindruckende, geschichtsträchtige Sehenswürdigkeiten. Es wundert nicht, dass die Banknoten-Designer bei der Gestaltung der tschechoslowakischen und tschechischen Geldscheine auf ihre Abbildungen zurückgriffen und auch -greifen. Sie ermöglichen dem Betrachter, sich quasi auf einen virtuellen Stadtrundgang zu begeben.   Die bekannteste touristische Route durch die Prager Innenstadt ist der etwa 3,9 km lange Königsweg. Einst zogen die böhmischen Könige in einer feierlichen Krönungsprozession vom Königshof – an dessen Stelle das schönste Jugendstilgebäude Prags, das Gemeindehaus (Obecní dům) errichtet wurde – vom heutigen Platz der Republik (Náměstí Republiky) zu ihrer Krönung auf den Hradschin, die Prager Burg. Der Weg führte unter dem Pulverturm über die Straße Celetná zum Zentrum der Altstadt, dem Altstädter Ring (Staroměstské náměstí), dann vorbei am Altstädter Rathaus mit der weltberühmten Rathausuhr zum Kleinen Ring (Malé náměstí), einem kleinen dreieckigen Platz, der zu den ältesten in Prag zählt. Weiter ging es durch die enge Karlsgasse (Karlova ulice) am ehemaligen Jesuitenkolleg Clementinum vorbei, über den Kreuzherrenplatz (Křižovnické náměstí), durch den Altstädter Brückenturm über die Karlsbrücke und dem Kleinseiter Brückenturm. Auf der Straße Mostecká erreicht man den Kleinseitner Ring (Malostranské náměstí). Vorbei an der Kirche des hl. Nikolaus, die durch ihre mächtige Kuppel den Platz dominiert wird, führt der Weg auf der Nerudagasse (Nerudova ulice) bergan. Bis zum 17. Jahrhundert ging man weiter hinauf durch die Straßen Úvoz und Pohořelec und in der Nähe des Klosters Strahov bog die Route scharf nach rechts ab und führte weiter über den Loretoplatz (Loretánské náměstí) und durch die Loretostraße (Loretánská ulice) bis zur Prager Burg. Erst im 17. Jahrhundert wurde von der Nerudagasse durch den Felsen der direkte Aufstieg zur Prager Burg, die Straße Ke Hradu (Zur Burg), gehauen.   Der Königsweg endete im Veitsdom, in den die Prozession durch die sogenannte Goldene Pforte eintrat. In dem dann folgenden feierlichen Gottesdienst fand die Krönungszeremonie statt. Der König wurde mit dem geweihten Öl gesalbt und empfing aus der Hand des Prager Erzbischofs die Wenzelskrone und die weiteren Krönungsinsignien. Gleichzeitig mit dem König oder auch einige Tage später, wurde auch dessen Ehefrau zur böhmischen Königin gekrönt.   Die wohl wichtigste touristische Stationen auf dem Weg zur Burg ist die Karlsbrücke. Ihre Grundsteinlegung erfolgte 1357 durch Kaiser Karl IV. 16 Bögen überspannen die Moldau auf einer Länge von 516 Metern, ihre Breite beträgt rund 10 Meter. Als Vorbild diente die Steinerne Brücke in Regensburg. Als Baumaterial dienten alte Mühlsteine, Granit aus dem Flussbett sowie Sandstein aus den Steinbrüchen der Kreuzherren mit dem Roten Stern bei Hloubětín.   Abb. 1.1: Republika Československá, 14. Januar 1920, 100 Kronen, Vorderseite. Abb. 1.2: Republika Československá, 14. Januar 1920, 100 Kronen, Rückseite. Abb. 2.1: Republika Československá, 6. Juli 1920, 5000 Kronen, Vorderseite. Abb. 2.2: Republika Československá, 6. Juli 1920, 5000 Kronen, Rückseite.   Die Silhouette der Karlsbrücke mit der Prager Burg im Hintergrund findet sich auf zahlreichen Geldscheinen. Erstmals wurde sie mit der Kleinseite und dem Hradschin auf der Rückseite des 100-Kronen-Scheins des Bankamtes vom 14. Januar 1920 abgebildet, flankiert von jeweils einem Bildnis einer jungen Frau in Tracht aus Kyjou (links) und aus Piešt’any (rechts). Die Vorderseite wird dominiert von dem Staatswappen und auf der rechten Seite der Wiedergabe des Gemäldes „Slowakische Priesterinnen“. Josephine Crane, die Tochter von Alfons Muchas Mäzen Ch. R. Crane stand dem Meister des Jugendstils Modell. Ursprünglich diente das Gemälde als Werbeplakat der Prager Versicherungsgesellschaft "Slávie". Gedruckt wurde der Geldschein von der American Banknote Company (A. B. N. Co.), die auch die 5000-Kronen-Note mit dem Datum vom 6. Juli 1920 druckte. Die Rückseite des Scheins zeigt hinter einer allegorischen Frauengestalt das Ufer der Prager Kleinseite. Deutlich ist das Altstädter Brückentor zu erkennen und der Hradschin. Auf der Vorderseite rechts in einem Medaillon das Bildnis einer jungen Frau in der Tracht aus Tabor und in einem Zierelement eine Elbansicht mit dem Berg Říp. Der Schein zu 100 Kronen war vom 10. November 1920 bis zum 30. Juni 1939, die Note zu 5000 Kronen vom 10. Februar 1921 bis 31. August 1944 bzw. 31. Oktober 1945 gesetzliches Zahlungsmittel.   Abb. 3.1: Protektorat Böhmen und Mähren, 20. August 1940, 100 Kronen, II. Auflage, Vorderseite. Abb. 3.2: Protektorat Böhmen und Mähren, 20. August 1940, 100 Kronen, II. Auflage, Rückseite.   Der sicherlich schönste Geldschein des Protektorats ist die vom Grafiker und Lithographen Bedřich Fojtášek entworfene und von Jindřich (Heinrich) Schmidt gestochene 100-Kronen-Staatsnote mit dem Ausgabedatum vom 20. August 1940. Fast die gesamte Vorderseite des Scheins wird von der Abbildung des Hradschins, der Karlsbrücke, der Moldau und der Statue des Ritters Bruncvik eingenommen. Um den Ritter ranken sich einige Legenden. Vor seinem Tod ließ er sein magisches Schwert in der Karlsbrücke einmauern. Dort würde es so lange bleiben, bis er zurückkäme. Wenn Böhmen von Feinden bedroht würde, würde er mit dem heiligen Wenzel über die Karlsbrücke reiten. Wenn dabei Wenzels Pferd stolpere, würde das Zauberschwert aus dem Mauerwerk springen, und Bruncvik würde damit die Feinde vertreiben. Eigentlich ist die Statue des Ritters ein „Grenzstein“, der den Teil der Moldau kennzeichnet, der den Bürgern der Altstadt gehört.   Vier weitere Scheine zeigen das bekannte Ensemble auf ihren Rückseiten. Im November 1945 gab die Tschechoslowakische Republik einen Geldschein zu 100 Kronen in Umlauf, der auf der Vorderseite den ersten Staatspräsidenten abbildet. Gedruckt wurde das Papiergeld bei Bradbury, Wilkinson & Co. in New Malden, Surrey, Großbritannien. Unterschrieben sind sie vom Finanzminister der Exilregierung Dr. L. K. Feierabend, der später in den Westen flüchtete. Im Zuge der Währungsreform wurden dann ab 1. Juni 1953 die Bankovka Státní Banky Československé, die in Moskau bei Gosznak gedruckt wurden, ausgegeben. Am 1. Dezember 1962 gab dann die Notenbank eine neue 100-Kronen-Banknote (1961) in Umlauf. Die in der staatlichen Wertpapierdruckerei in Prag gedruckte Note wurde bis zur Auflösung der Tschechoslowakei immer wieder nachgedruckt.   Abb. 4.1: Republika Českosolovenská, o. D. (1945), 100 Kronen, Vorderseite. Abb. 4.2: Republika Českosolovenská, o. D. (1945), 100 Kronen, Rückseite. Abb. 5.1: Státní Banka Československá, 1953, 100 Kronen, Vorderseite. Abb. 5.2: Státní Banka Československá, 1953, 100 Kronen, Rückseite. Abb. 6.1: Státní Banka Československá, 1961, 100 Kronen, Vorderseite. Abb. 6.2: Státní Banka Československá, 1961, 100 Kronen, Rückseite.   Kurz vor dem Sturz des kommunistischen Systems in der Tschechoslowakei erschien am 1. Oktober 1989 eine Note zu 100 Kronen mit dem Brustbild des beim Volk verhassten Diktators Klement Gottwald. Große Teile der Bevölkerung weigerten sich, diesen Geldschein zu benutzen, sodass er bereits am 31. Dezember 1990 eingezogen wurde. Die Rückseitenabbildung weicht von den bisherigen Darstellungen dahingehend ab, dass nicht die komplette Brücke abgebildet wird, sondern im Vordergrund nur das Kleinseiter Brückentor und dahinter die mächtige Kuppel der Kirche des hl. Nikolaus am Kleinseiter Ring. Auf der rechten Scheinseite dann die Prager Burg.   Abb. 7.1: Státní Banka Československá, 1989, 100 Kronen, Vorderseite. Abb. 7.2: Státní Banka Československá, 1989, 100 Kronen, Rückseite.   Die Prager Burg (tschechisch Pražský hrad) gilt mit einer Grundfläche von rund sieben Hektar (nach der Marienburg des Deutschen Ordens im heutigen Polen) als das zweitgrößte geschlossene Burgareal der Welt. Die Anfänge der Burganlage liegen im 9. Jahrhundert. Generationen waren daran beteiligt, der heutigen Anlage ihr Aussehen zu geben. Die Burg war Residenz der Könige von Böhmen, zweier Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation, der Präsidenten der Tschechoslowakei und heute Sitz der Präsidenten der Tschechischen Republik.   In die Geschichtsbücher ging der zweite Prager Fenstersturz ein. Am 23. Mai 1618 warfen Vertreter der protestantischen Stände den königlichen Statthalter Jaroslaw Borsita Graf von Martinitz und Wilhelm Slavata von Chlum und Koschumberg sowie dem Kanzleisekretär Philipp Fabricius aus einem Fenster der Prager Burg. Dieses Ereignis markiert den Beginn des Dreißigjährigen Krieges. Die böhmischen Stände warfen Kaiser Matthias, ihrem katholischen Landesherrn, und dem zum Nachfolger gewählten böhmischen König Ferdinand von Steiermark vor, die von Kaiser Rudolf II. im Majestätsbrief von 1609 zugestandene Religionsfreiheit der Protestanten gebrochen zu haben.   Inmitten der Prager Burg steht der Veitsdom. Der Dom wurde anstelle einer 925 unter dem heiligen Wenzel errichteten Rotunde und der unter Spytihněv II. begonnenen dreischiffigen romanischen Basilika errichtet. Mit dem Bau des Gebäudes nach dem Vorbild gotischer französischer Königskathedralen wurde am 21. November 1344 auf Anweisung Karls IV. begonnen. Zuvor war Prag durch die Bulle vom 30. April 1344 von Papst Clemens VI. zum Erzbistum erhoben worden. Zu Beginn leitete der französische Baumeister Matthias von Arras die Arbeiten. Nach seinem Tod 1352 führte Peter Parler (* 1330 oder 1333 in Schwäbisch Gmünd; † 13. Juli 1399 in Prag) die Arbeiten fort. Teile der Rotunde mit den Gräbern der Heiligen wurden in den Neubau integriert, so etwa die Südapsis mit dem Wenzelsgrab. Der Dom enthält neben den Grablegen der böhmischen Herrscher auch eine Kammer, in denen die Krönungsinsignien aufbewahrt werden.   Die 5000-Kronen-Banknote der Česká Narodní Banka, die erste Ausgabe trägt die Jahreszahl 1993, bildet auf der Rückseite eine Gruppierung bedeutender gotischer und barocker Prager Gebäude ab. In der Mitte ist der Turm des Veitsdoms. Die rechte Vorderseite zeigt das Brustbild von Tomáš Garrigue Masaryk (*  7. März   1850   in  Hodonín ,  Kaisertum Österreich ; † 14. September 1938 in Lány), dem ersten Staatspräsident der Tschechoslowakei.   Abb. 8.1: Česká Narodní Banka, 2009, 5000 Kronen, Vorderseite. Abb. 8.2: Česká Narodní Banka, 2009, 5000 Kronen, Rückseite. Abb. 9.1: Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag, 24. Oktober 1942, 1000 Kronen, II. Auflage, Vorderseite.  Abb. 9.2: Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag, 24. Oktober 1942, 1000 Kronen, II. Auflage, Rückseite.   Die 1000-Kronen-Banknote der Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag vom 24. Oktober 1942 bildet auf der rechten Vorderseite das Brustbild des Baumeisters Peter Parler ab. Als Vorlage wählte man eine Statue der Triforium-Galerie des Veits-Doms: das Selbstbildnis des Dombaumeisters. Auch diese Note wurde im Offset-Verfahren von der Notendruckerei der Nationalbank für Böhmen und Mähren gedruckt. Wieder besorgte Jindřich Schmidt die Gravur der Druckplatten.   Verlässt man die Burg, gelangt man auf den Hradschiner Platz (Hradcanské Námestí). Im Zentrum die Marien- oder auch Pestsäule von Ferdinand Maximilian Brokoff aus dem 18. Jahrhundert. Der Platz wird von eleganten Palais umrahmt, darunter das Erzbischöfliche Palais, dahinter erhebt sich das hochbarocke Palais Sternberg. Die reich verzierte Fassade des Martinicpalais zeigt Szenen aus dem Alten Testament. Ihm gegenüber steht das Palais Schwarzenberg. Über die Loretostraße (Loretánská) mit dem monumentalen Palais Czernín gelangt man zur Wallfahrtskirche Maria Loreto. Es ist das bedeutendste Marienheiligtum Böhmens. Nicht weit entfernt steht auf einer Anhöhe am Rand der Kleinseite das Kloster Strahov. Für einen Besuch der Bibliothek mit ihren kostbaren Büchern sollte man sich unbedingt Zeit nehmen. Von hier geht es bequem zu Fuß zur Sternwarte Petrin und dem berühmten Aussichtsturm. Mit der Standseilbahn (Lanová dráha na Petřín) geht es innerhalb von fünf Minuten hinab zum Ufer der Moldau.   Auf der anderen Flußseite leuchtet bei Sonnenschein das Dach des Nationaltheaters (Národní divadlo). Das Gebäude wurde mit Hilfe von Spenden im Stil der Neorenaissance errichtet und 1881 eröffnet. Die Idee zum Aufbau eines Nationaltheaters entstand bereits Mitte des 19. Jahrhunderts, bis zur Fertigstellung sollten jedoch noch einige Jahrzehnte vergehen. Am 16. Mai 1868 wurde der Baubeginn in Anwesenheit von 100.000 – 150.000 Zuschauern gefeiert, dessen Höhepunkt war die Uraufführung der Oper Dalibor von Bedřich Smetana im Novoměstské divadlo (Neustädter Theater).   Abb. 10.1: Národní Banka Československá, 1. November 1945, 5000 Kronen, Vorderseite. Abb. 10.2: Národní Banka Československá, 1. November 1945, 5000 Kronen, Rückseite.   Die 5000-Kronen-Banknote der Národní Banka Československá vom 1. November 1945 bildet auf der Rückseite das Nationaltheater ab. Die rechte Vorderseite zeigt das Brustbild des Komponisten Bedřich Smetana (* 2. März 1824 als Friedrich Smetana in Litomyšl [Leitomischl]; † 12. Mai 1884 in Prag). Sein bekanntestes Werk ist „Die Moldau“ (Vltava) aus dem sinfonischen Zyklus „Mein Vaterland“ (Má vlast).   Spätestens jetzt sollte man in einen der vielen Biergärten einkehren, um sich zu erholen und die Eindrücke noch einmal auf sich einwirken zu lassen, schließlich gibt es noch andere Tage, um Entdeckungen zu machen.   Heute starten wir auf dem Wenzelsplatz am Denkmal des hl. Wenzel. Der Platz hat eine Länge von etwa 750 Meter und eine Breite von ca. 60 Meter. Damit gehört er zu den größten innerstädtischen Plätze Europas.   König Karl IV. ließ ihn 1348 bei Gründung der Prager Neustadt entlang eines bestehenden Weges anlegen. Da auf ihm der Pferdehandel betrieben wurde, nannte man ihn Roßmarkt. 1848 benannte man den Platz nach dem Heiligen Wenzel um. Direkt vor dem Nationalmuseum thront das Wenzelsdenkmal, dass der tschechische Künstler Josef V. Myslbek 1912 schuf. Es zeigt den Heiligen Wenzel als Landespatron in Rüstung mit Harnisch und Lanze sowie zu seinen Füßen die vier Schutzheiligen Ludmilla, Prokop, Anežka (Agnes) und Vojtěch (Adalbert).   Denkmal und Platz waren in der Vergangenheit immer wieder Schauplatz politischer Demonstrationen. Am 28. Oktober 1918 feierte hier die Prager Bevölkerung die neu geschaffene Tschechoslowakei mit einer Kundgebung. Am 16. Januar 1969 verbrannte sich der tschechoslowakische Student Jan Palach selbst und lief in Flammen vom Nationalmuseum auf den Wenzelsplatz, um so gegen den Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts in die Tschechoslowakei im Jahr 1968 und der daraus resultierenden Niederschlagung des "Prager Frühlings" zu protestieren. Auf einer Massenkundgebung am 24. November 1989 forderten Václav Havel und Alexander Dubček die politische Umgestaltung des Landes. Wenige Wochen später war die "Samtene Revolution" vollzogen und der Kommunismus in der Tschechoslowakei Geschichte.   Abb. 11.1: Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag, 24. Februar 1944, 5000 Kronen, Vorderseite. Abb. 11.2: Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag, 24. Februar 1944, 5000 Kronen, Rückseite.   Die 5000-Kronen-Note der Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag vom 24. Februar 1944 zeigt auf der Vorderseite das Brustbild Herzog Wenzels (tschechisch Svatý Václav; * um 908; † 28. September 929 oder 935 in Stará Boleslav (dt. Altbunzlau)). Er war ein böhmischer Fürst aus der Dynastie der Přemysliden. Sein Herrschaftsgebiet umfasste eine kleine Region um Prag, gleichzeitig war er Oberhaupt des böhmischen Stammesverbands.   Um wieder in die Altstadt zu gelangen, muss man den Platz der Länge nach durchschreiten. Auf dem Weg geht es an zahlreichen Hotels, Geschäften und Einkaufsmöglichkeiten vorbei. Schon bald erreicht man das Zentrum der Altstadt, den Altstädter Ring (Staroměstské náměstí). Von hier geht es in nördlicher Richtung in die Josefstadt (Josefov). Die von der Altstadt umgebene historische Prager Judenstadt (Židovské Město pražské) wurde 1850 eingemeindet. Sie entstand im 13. Jahrhundert als Ghetto und entwickelte sich zu einem Zentrum jüdischen Lebens in Europa. Mit der Verleihung der Bürgerrechte an die Juden im Jahr 1848 konnten sie Juden auch in anderen Stadtteilen niederlassen, sodass Ende des 19. Jahrhunderts das alte Viertel größtenteils abgerissen wurde. An ihre Stelle ließ die Prager Stadtverwaltung Boulevards nach Pariser Vorbild mit prachtvollen Jugendstil-Gebäuden errichten. Sechs Synagogen, der alte Jüdische Friedhof, die Zeremonienhalle und das alte Jüdische Rathaus blieben erhalten und sind heute wichtige touristische Ziele.   Bis zur Errichtung des Protektorats Böhmen und Mähren hatte Prag eine blühende jüdische Gemeinde. Im Jahr 1939 begann die Verfolgung der Prager Juden. Jüdische Institutionen wurden geschlossen und deren Eigentum beschlagnahmt. 1941 begann dann die systematische Deportation der Prager Juden ins Ghetto Theresienstadt und von dort ins Vernichtungslager Auschwitz. Von den knapp 49.500 Juden, die bei Kriegsbeginn in Prag lebten, überlebten nur etwa 7.500 die Schoah.   An diese schreckliche Zeit erinnern auch die mit „Quittung“ überschriebenen Geldscheine des Ghettos Theresienstadt aus dem Jahr 1943. Die Gravur der Druckplatten besorgte ebenfalls Jindrich Schmidt und der Druck erfolgte bei der Notendruckerei der Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag. Die Rückseite der Scheine bildet Moses mit der Tafel der zehn Gebote ab.   Abb. 12.1: Theresienstadt, Der Älteste der Juden, 1. Januar 1943, 100 Kronen, Vorderseite. Abb. 12.2: Theresienstadt, Der Älteste der Juden, 1. Januar 1943, 100 Kronen, Rückseite.   Durchquert man die Josefstadt gelangt man an die Moldau und zum Kloster der hl. Agnes. Das Doppelkloster der Klarissen und Minoriten wurde wahrscheinlich 1231 von Agnes von Böhmen (* 20. Januar 1211 (?) in Prag; † 6. März 1282 (?) in Prag) gegründet. Sie war wahrscheinlich die jüngste Tochter von König Přemysl Otakar I. von Böhmen und Königin Konstanz von Ungarn. Sie war eine der wichtigsten Vertreterinnen der Přemysliden-Dynastie. Sie arbeitete als Nonne – Äbtissin des Klosters Na Františku – und war eine prominente Persönlichkeit im politischen, kulturellen und gesellschaftlichen Leben. Das Kloster beherbergt heute Teile der Nationalgalerie.   Die Banknote der Tschechischen Nationalbank (Česká Národní Banka) zu 50 Kronen (erste Ausgabe 1993) bildet die Heilige auf der Vorderseite ab, während die Rückseite ein gotisches „A“ für Agnes auf dem Gewölbe der St. Salvatorkirche im St. Agnes-Kloster zeigt.   Abb. 13.1: Česká Národní Banka, 1993, 50 Kronen, Vorderseite. Abb. 13.2: Česká Národní Banka, 1993, 50 Kronen, Rückseite.   Die 20-Kronen-Banknote mit dem Kopfbildnis König Otokar I. Přemysl (* um 1160/1165, † 15. Dezember 1230) auf der Vorderseite bildet den Vater der heiligen Agnes ab. Der römisch-deutsche König Friedrich II. aus dem Geschlecht der Staufer stellte am 26. September 1212 in Basel die Goldene Bulle von Sizilien (lat. Bulla Aurea Siciliæ) aus. Der heutige Name der Urkunde leitet sich von der goldenen Bulle (Metallsiegel) des sizilianischen Königs ab, die dem Dokument beigefügt ist. Friedrich gewährte Otokar damit drei Privilegen: Der Titel des Königs von Böhmen war erblich, eine Königswahl konnte nur in Böhmen erfolgen und der römische König bestätigte nur noch die Wahl. Damit bedankte sich Friedrich bei Ottokar für die Unterstützung bei seiner Wahl zum römischen König. Vorder- und Rückseite der Banknote bilden das Siegel der Bulle ab, die Rückseite zeigt zusätzlich die Königskrone. Das Originaldokument wird heut im  Nationalarchiv  in  Prag aufbewahrt.   Abb. 14.1: Česká Národní Banka, 1994, 20 Kronen, Vorderseite. Abb. 14.2: Česká Národní Banka, 1994, 20 Kronen, Rückseite.   Auf dem Rückweg schauen wir noch bei der Karls-Universität (tschechisch Univerzita Karlova, lateinisch Universitas Carolina) vorbei. Am 7. April 1348 wurde durch einen Stiftungsbrief des römisch-deutschen und böhmischen Königs Karls IV., die Karls-Universität nach dem Vorbild der Pariser Universitas magistrorum et scholarium als „Studium generale“ gegründet. Sie war die erste Universität in Mitteleuropa.     Die Banknote der Nationalbank zu 100 Kronen (erste Ausgabe 1993) bildet auf der Vorderseite Karl IV. (*  14. Mai   1316  in  Prag ; †  29. November   1378  ebenda) aus dem Geschlecht der Luxemburger ab. Er war ab 1346 römisch-deutscher König , ab 1347 König von  Böhmen , ab 1355 König von  Italien , ab 1365 König von Burgund und ab 1355  römisch-deutscher Kaiser , der Prag zum Kaisersitz des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation machte. Er zählt zu den bedeutendsten Kaisern des  Spätmittelalters  und war einer der einflussreichsten europäischen Herrscher seiner Zeit. Die Rückseite zeigt das Siegel der Karls-Universität.   Abb. 15.1: Česká Národní Banka, 1997, 100 Kronen, Vorderseite. Abb. 15.2: Česká Národní Banka, 1997, 100 Kronen, Rückseite.   Unseren virtuellen Rundgang durch Prag endet in Vyšehrad ( Prager Hochburg) , das wir nach nur zwei Metrostationen mit der U-Bahnlinie C erreichen. Von der Haltestation Vyšehrad erreicht man nach einem kleinen Fußmarsch die Festung. Sie liegt südlich der Prager Neustadt auf einem Hügel, der sich steil über dem rechten Ufer der Moldau erhebt. Von hier aus hat man einen spektakulären Ausblick, der bis zur Prager Burg reicht.   Neben der Kathedrale St. Paul und St. Peter (errichtet vor 950 Jahren), den Kasematten und Galerie (Überbleibsel der Festung) ist der Slavin Friedhof die hervorzuhebende Sehenswürdigkeit. Der Friedhof wurde 1869 auf dem Gelände der Festung errichtet. Rund 600 bedeutende tschechische Persönlichkeiten fanden hier ihre letzte Ruhestätte. Unter ihnen die Komponisten Antonín Dvořák (1841–1904) und Bedřich Smetana (1824–1884), der Meister des Jugendstils Alfons Mucha (1860–1939), der Nobelpreisträger für Chemie Jaroslav Heyrovský (1890–1967), der Schriftsteller Karel Čapek (1890–1938), die Opernsängerin Ema Destinová (1878–1930) und die Dichterin Božena Němcová (1820–1862). Sie ist die bekannteste Vertreterin der klassischen tschechischen Literatur. In der Mitte des Friedhofs steht das Monument Slavín, ein Mausoleum und die letzte Ruhestätte für besonders verdiente Persönlichkeiten des tschechischen Volkes.   Abb. 16.1: Státní banka Československá, 1985, 1000 Kronen, Vorderseite. Abb. 16.2: Státní banka Československá, 1985, 1000 Kronen, Rückseite.   Die 1000-Kronen-Banknote der Tschechoslowakischen Staatsbank (Státní Banky Československé) von 1985 bildet rechts auf der Vorderseite den Komponisten Bedřich Smetana ab und auf der Rückseite die auf dem Felsen thronende Festung und die steile zur Moldau abfallenden Klippen. Bleibt noch anzumerken, dass das Kopfbildnis der Dichterin den 500-Kronen-Schein der Česká Národní Banka (ab Ausgabe 1993) schmückt.   Nun heißt es Abschiednehmen von Prag – auf Wiedersehen bis zum nächsten Mal.   Uwe Bronnert

  • COINSTORE E-LIVE 8 zu Banknoten startet am 26. Januar 2025: Vorschau

    Am 25. Januar 2025 startet die 8. E-Live-Auktion des jungen lettischen Münzhandels- und Auktionshauses COINSTORE mit Teil I zu Münzen. Medaillen und Token (Lose 1 bis 407). Am Tag darauf, Sonntag dem 26. Januar, beginnt um 10 Uhr mit insgesamt über 650 Losen der Banknotenteil (Lose 500 bis 1.153). Internet: www.coinstore.lv Zur Auktion: https://rcoinstore.com/auctions/5-1MAKDU/coinstore-e-live-8-auction-coins-medals-and-banknotes Zum Start des Geldschein-Teils: https://rcoinstore.com/auctions/5-1MAKDU/coinstore-e-live-8-auction-coins-medals-and-banknotes?page=12&limit=36 Neben dem Startpreis (oft sogar 1 Euro) ist der aktuelle Stand der Gebote bei jedem Los sichtbar! Nachstehend eine kleine Auswahl zu den angebotenen Geldscheinen: Lot 852: A rare 100 Litu banknote from Lithuania, issued in 1991 with a unique printing error. Graded About UNC 55, this note stands out for its rarity and historical importance, offering collectors a piece of Lithuanian monetary history with a fascinating flaw. Starting Bid:  € 2.250 Lot 816: This pristine 1927 10 Litu note from Lithuania is in Gem UNC 66 EPQ condition, graded by PMG. As a SPECIMEN note, it is a highly collectible piece that showcases the exceptional quality and design of Lithuania's early 20th-century banknotes. Starting Bid:  € 3.400 Lot 782: An outstanding 500 Latu banknote from Latvia, issued in 2008, graded Superb Gem UNC 67 EPQ. This note is in near-perfect condition and represents the pinnacle of modern Latvian currency. A must-have for collectors of contemporary European banknotes. Starting Bid:  € 2.250 Lot 773: A beautifully preserved 100 Latu banknote from Latvia, issued in 1992, graded Gem UNC 66 EPQ. This note is in exceptional condition and is an ideal choice for collectors of modern Latvian currency, featuring intricate design elements that highlight the nation’s rich heritage. Current Bid:  € 350 Lot 672: A rare and highly sought-after 10 Rubel banknote from Posen, Germany, issued in 1916. Graded Gem UNC 66 EPQ, this note is in pristine condition and is an excellent addition to any collection of World War I-era currency. Its rarity and historical significance make it a standout piece. Starting Bid:  € 408 Weitere Lose: Los 617: Finland, Finlands Bank, 500 Markkaa, 1909 (1918), About UNC 55 Starting Bid:  € 357 Los 639: French Somaliland, Tresor Public, 50 Francs - Djibouti, 1952, Superb Gem UNC 68 EPQ, Pick: 25 Starting Bid:  € 340 Los 640: French Somaliland, Tresor Public, 100 Francs, 1952, Superb Gem UNC 68 EPQ, Pick: 26 TOP POP Starting Bid:  € 595 Los 654: Germany, Reichsbanknote, 1000 Reichsmark, 1936, Choice UNC 64, Pick: 184 Starting Bid:  € 230 Los 655: Germany, Third Reich, 5 Reichsmark, 1933, Gem UNC 65 EPQ, Pick: 199 Starting Bid:  € 34 Los 851: Lithuania, Bank of Lithuania, 500 Litu - Printer: G&D, 2000, Choice UNC 64 EPQ, Pick: 64 Starting Bid: € 383 Hans-Ludwig Grabowski Zur Auktion: https://rcoinstore.com/auctions/5-1MAKDU/coinstore-e-live-8-auction-coins-medals-and-banknotes Zum Start des Geldschein-Teils: https://rcoinstore.com/auctions/5-1MAKDU/coinstore-e-live-8-auction-coins-medals-and-banknotes?page=12&limit=36 COINSTORE INFO: www.coinstore.lv auction.coinstore.lv   service@coinstore.lv ☎ +371 25370706 SIA COINSTORE | Reg.Nr . 40203071934 Pils laukums 4 Centra rajons, Rīga, Latvia LV-1050

  • Geldschein-Puzzle: 20 Kronen der Tschechoslowakei 1949

    Unser 3D-Geldschein-Puzzle! Bestimmen Sie selbst die Anzahl der Puzzleteile und vieles mehr. Abb. Sammlung Jürgen Schilde, Berlin. Staatspapiergeld der Tschechoslowakei über 20 Korun vom 1. Mai 1949 Czechoslovakia 70b (SCWPM) Vorderseite mit Porträt einer jungen Frau in Tracht. In Umlauf vom 21. Dezember 1949 bis 31. Mai 1953. Klicken Sie auf die Abbildung, um direkt zum Puzzle zu gelangen! Viel Spaß! Zu allen bisher erschienenen virtuellen Geldschein-Puzzles

  • Stack's Bowers: 2024 Top Drei der Weltbanknoten

    Die Abteilung für Weltbanknoten bei Stack's Bowers Galleries hatte ein fantastisches Verkaufsjahr, in dem die folgenden drei Lose aus aller Welt (außer USA) die höchsten Preise erzielten: 1. Ein Satz Probedrucke mit Vorder- und Rückseite aus Russland/Nordrussland, Los 20738 , wurde für 300.000 USD verkauft. Dieser unglaublich seltene Satz von neun einseitigen Probedrucken (für eine vollständige Sammlung fehlte nur der rückseitige Probedruck für den 10-Rubel-Schein) dieser nicht ausgegebenen Banknotenserie wurde für die Regierung von Olonez gedruckt und sollte vom Rat der Volkskommissare ausgegeben werden. Die Region liegt im äußersten Nordwesten Russlands, nahe der finnischen Grenze, und ist als Karelien bekannt. Olonez ist das Verwaltungszentrum der Region und sollte als Hauptstadt dieses kurzlebigen und nicht anerkannten Staates dienen, der am 25. Mai 1918 gegründet wurde, nur sechs Monate nachdem Finnland seine Unabhängigkeit von Russland erklärt hatte und bevor die endgültigen Grenzen festgelegt worden waren (und bevor der politische Status Finnlands geklärt werden konnte). Die Region Karelien war kulturell mit den Menschen im benachbarten Finnland verbunden. Infolgedessen wurde die Region 1919 während der Aunus-Expedition (Aunus ist der finnische Name für Olonez) für kurze Zeit von finnischen Truppen besetzt, bevor die Kontrolle über die Region an die Regierung von Olonez zurückgegeben wurde. Im Jahr 1920 wurde es Teil der Vereinigten Karelischen Regierung, die 1923 aufgelöst wurde, als Karelien Teil der Sowjetunion wurde. Die Geldscheinserie wurde von der Druckerei der Murmansker Eisenbahn gedruckt. Die Scheine sollten ausgegeben werden, um einen akuten Mangel an umlaufendem Geld bei der örtlichen Filiale der Staatsbank in Petrosawodsk zu beheben (Petrosawodsk war die größte Stadt der Region und wirtschaftlich wichtiger als Olonez), und sie sollten in gleicher Weise wie die Emissionen der Staatsbank akzeptiert werden. 2. Eine 25-Dollars-Banknote der Deutsch-Asiatischen Bank aus dem Jahr 1907, Los 30250 , wurde für 144.000 USD verkauft. Zweigstelle Tsingtau. Eine außergewöhnliche, ausgegebene Note der selten gesehenen 25-Dollars-Nominale aus Tsingtau, auch bekannt als Qingdao. Dieses und ein weiteres Exemplar sind alle, die für diese Stückelung von dieser Filiale der Deutsch-Asiatischen Bank gegradet wurden. Zum Zeitpunkt der Ausgabe dieser Banknote war Tsingtau eine strategische Hafenstadt unter deutscher Kontrolle, was erhebliche Auswirkungen auf den regionalen Handel und die militärische Präsenz hatte. Das Gebiet Kiautschou, das 1898 an Deutschland verpachtet worden war, befand sich in einem umfassenden Entwicklungsprozess, der den Bau einer modernen Infrastruktur und den Ausbau der Hafenanlagen einschloss. Ausgegebene Scheine dieser Serie sind extrem rar und weisen in der Regel Schnittspuren, Reparaturen, Risse oder andere Spuren auf. Keines dieser Probleme beeinträchtigt dieses Exemplar. Die kürzlich von Stack's Bowers angebotenen Banknoten der Deutsch-Asiatischen Bank stammen alle aus der Sammlung von Al Kugel, die das umfangreichste Sortiment dieser Ausgaben enthält, das je auf den Markt gekommen ist. 3. Eine 10-Yüan-Banknote der Volksrepublik China aus dem Jahr 1953, Los 32292 , wurde für 78.000 USD verkauft. Ausgegeben von der chinesischen Volksbank (Peoples Bank of China). Schwarz auf blassem Orange, ein Bauernpaar in der Mitte, Rückseite in ähnlichen Farben, Staatswappen in der Mitte, Titel der Bank und Nennwert in vier Schriftzeichen. Von den 798 Scheinen, die im PMG-Bericht aufgeführt sind, haben nur 39 Scheine, also weniger als 5 %, den EPQ-Status erhalten. Donald Ludwig

  • Ein gelungener Jahresauftakt – das zweite Rabenauer Banknotensammlertreffen

    Am 11. Januar 2025 fand in Rabenau bei Dresden das zweite Banknotensammlertreffen statt. Was vor einigen Jahren als geselliges Jahresabschlusstreffen einiger Sammler aus dem sächsischen Raum gegründet wurde, hat sich inzwischen zu einem festen Ereignis für Banknotensammler aus Mitteldeutschland etabliert. Die mit ca. 25 Teilnehmern sehr gut besuchte Veranstaltung bildete einen rundum gelungenen Jahresauftakt. Wer Notgeldscheine, Reichsbanknoten oder DDR-Belege suchte wurde sicher fündig, auch Weltbanknoten waren vertreten. Zwischen 11:00 und 16:00 Uhr wurde fleißig getauscht, gekauft und gefachsimpelt. An den zufriedenen Gesichtern erkannte man, dass viele Teilnehmer mit Neuerwerbungen den Heimweg antreten konnten. Vorsicht vor den "Stempelschnitzern" - in Rabenau konnte man diverse Stempel begutachten, die für Manipulationen zum Schaden der Sammler benutzt wurden. Pavel Hejzlar gab dazu fachkundige Erläuterungen. Besonders spannend: Pavel Hejzlar vom Auktionshaus Aurea aus Prag brachte zahlreiche Falschstempel zur Manipulation von KZ- und Ghettogeld mit, und erklärte den Teilnehmern Details und Hintergründe dieser „Stempelschnitzereien“. An den falschen Stempeln konnte man anschaulich lernen, worauf man achten sollte, um Stempelfälschungen und Manipulationen von Geldscheinen durch angeblich seltene Stempel besser zu erkennen. Um 16:30 Uhr stand ein Vortrag von Dr. Sven Gerhard über die Tuzex-Kupons der Tschechoslowakei auf dem Programm, der zu einem regen Austausch unter den Teilnehmern führte. Danach stellte Uwe Lehmann ein Projekt zur Identifizierung der Grafiker von Brandenburger Notgeldscheinen vor. Hierzu werden noch weitere Mitwirkende gesucht, die Erkenntnisse über Künstler teilen können, die Brandenburger Notgeldscheine gestaltet haben. Auf die Ergebnisse dieses Projektes darf man gespannt sein. Rainer Geike vom Numismatischen Club Berlin-Pankow e.V. verteilte eine Gedenkbanknote zum 20jährigen Jubiläum des Vereins. Das nächste Banknotensammlertreffen in Rabenau findet voraussichtlich im Januar 2026 statt, der Termin soll nach den Sommerferien bekanntgegeben werden. Interessenten können sich an Marcel Fränzel (banknoten-fan@gmx.de) wenden Dr. Sven Gerhard

  • Ein „Geldscheinkatalog“ mit Vorwort von Dr. Arnold Keller

    Der "Jaeger-Katalog" ist den meisten Sammlern deutscher Münzen ein Begriff, ebenso wie der "Rosenberg-Katalog", die beide einst „Büchlein“ waren. Wenn wir heute das Buch „Die deutschen Banknoten ab 1871“ von Hans-Ludwig Grabowski (23. Auflage 2023/2024) betrachten, so ist dieses Werk auf 845 Seiten angewachsen. Mit tollem Layout und feinsten Farbabbildungen ist dort alles zu finden, was ein Sammler deutscher Banknoten begehrt. Aber alles hatte mal seinen Anfang. Durch reinen Zufall gelangte ein Heftchen „Die deutsche Mark 1914 – 1924“ mit ganzen zehn Seiten in die Hände des Verfassers dieser Zeilen. Leider ist nur zu schätzen, dass dieses in den 1920er Jahre entstand, denn in den 1930er Jahren gab es schon besseres Papier, auch ein gefälligeres Layout, aber auch das ist nur eine Annahme. Es kostete einst 30 Pfennig und enthält die deutschen Geldscheine von 1914 bis 1924. Allein die Einleitung des Verfassers ist interessant und trifft vom Inhalt tendenziell her zu. Er erklärt dem Leser, dass jeder die Chance hat, mit Geldscheinen Objekte zu erwerben, die im Wert steigen werden, so wie bei den Briefmarken, wenn es sich um klassisches Material in perfekter Erhaltung handelt. Wer damals rare Scheine für die angegebenen Preise kaufen und sie über die Weltkriegszeit bringen konnte, würde seinen Enkeln heute eine wertvolle Erbschaft überlassen können. Einige Geldscheine kosteten übrigens auch damals sehr viel. Auf der letzten Seite sind dies die 50- und 100-Mark-Scheine, die in ungebraucht mit 60 und 150 Mark bewertet sind. Ein Arbeiter verdiente damals oft nur 50 Mark in der Woche und hätte das Geld kaum für einen Geldschein ausgeben können. Der umfassende Beitrag von Dr. Keller ist lesenswert. Interessant sind auch die Bewertungen in Relation zu heutigen Katalogpreisen anzusehen. Bei einigen Münzen- und Geldscheinsammlern gehören ältere, klassische Werke und Kataloge mit zum Sammelgebiet, für die man auch bereit ist, etwas zu investieren, was durch hohe Zuschläge auf Auktionen bewiesen ist. Alte Preislisten und Auktionskataloge werden ebenfalls gesammelt, auch wenn sie keinen hohen materiellen Wert haben. Wolfgang J. Mehlhausen

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