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Banknoten zu 5 Reichsmark der Sächsischen Staatsbank von 1945 aus den Beständen der Deutschen Notenbank


1964 erfasste die Deutsche Notenbank in Berlin bei ihr vorhandene Bestände an deutschen Militär- und Besatzungsgeldscheinen aus der Zeit des Zweiten Weltkriegs. Diese Erfassung stand zunächst im Zusammenhang mit Überlegungen, solche Scheine Museen für Ausstellungen zur Verfügung zu stellen.


Die erfassten Zahlen sind durchaus interessant[1] – so verzeichnete man einen erheblichen Bestand an Reichskreditkassenscheinen der Wertstufen zu 5 (10.564 Stücke) und 20 Reichsmark (8.438 Stücke), während von den übrigen Stückelungen deutlicher weniger Exemplare vorhanden waren (50 RM – 32 Stück, 2 RM – 224 Stück, 1 RM – 259 Stück und

50 Reichspfennig – 11 Stück). Daneben waren 35 Stück Kassenscheine über 20 Reichsmark vom 28. April 1945 für das Sudetenland und Niederschlesien (Grabowski DEU-262) im Bestand, ferner einzelne Exemplare der Noten der Zentralnotenbank Ukraine, an Scheinen aus dem Protektorat Böhmen und Mähren sowie des Gettos Theresienstadt. Auch eine Ausgabe des Lagergelds Westerbork/Niederlande zu 25 Cents ist verzeichnet.


Interessant ist zudem, dass die Notenbank auch einen Bestand an Banknoten der Sächsischen Staatsbank Dresden vom 26. April 1945 auswies – 92 Stück der Wertstufe

zu 20 Reichsmark und 20 Stück der Wertstufe zu 5 Reichsmark, jedoch kein Exemplar der Wertstufe zu 50 Reichsmark. Leider ist nicht vermerkt, ob es sich um entwertete oder nicht entwertete Stücke gehandelt hat. Auch sind die Kontrollnummern der Scheine nicht vermerkt worden. Gerade für die Wertstufe zu 5 Reichsmark wäre das sehr aufschlussreich gewesen.

Von den Noten der Sächsischen Staatsbank ist lediglich die Wertstufe zu 20 Reichsmark (Grabowski DEU-260) in den Zahlungsverkehr gekommen und, nach neueren Erkenntnissen[2], in Sachsen sogar bis zur Währungsreform in der SBZ am 24. Juni 1948 im Umlauf geblieben.


DEU-259 - Sächsische Staatsbank - 5 Reichsmark vom 26.4.1945, Vorderseite.
DEU-259 - Sächsische Staatsbank - 5 Reichsmark vom 26.4.1945, Vorderseite.

Die Banknote der Wertstufe zu 5 Reichsmark (DEU-259) dagegen wurde nicht ausgegeben. Der Schein wirft Fragen auf: Bekannt sind Scheine mit verschiedenen Serien und stets derselben Kontrollnummer 02550*, die jeweils eine abgeschnittene Ecke aufweisen (also entwertet wurden), sowie Scheine mit verschiedenen Serien und ebenfalls stets derselben Nummer 06428*, die nie eine abgeschnittene Ecke aufweisen. Andere Kontrollnummern sind nicht bekannt geworden. Die Nummerierung der bekannten Scheine in Serien von A bis AD deutet darauf hin, dass die Scheine in Halbbögen nummeriert wurden, und dass nur zwei Halbbögen erhalten geblieben sind, die später geschnitten wurden. Der Bestand in Sammlungen dürfte danach bei jeweils höchstens 30 Exemplaren je Kontrollnummer liegen.

Belegt ist, dass bei der Anstalt für Kunstdruck in Dresden-Niedersedlitz Anfang Juli 1945 3048 1/2 fertige, ungeschnittene Bogen zu 60 nummerierten Scheinen der Wertstufe zu

5 Reichsmark der Sächsischen Staatsbank lagerten, und dass ferner in der Druckerei Paul Welzel in Dresden-Lockwitz im August 1945 2000 ungeschnittene Halbbogen zu je 30 Scheinen zu 5 Reichsmark vorhanden waren, davon 611 nummeriert[3].


Im Zusammenhang mit den Aufzeichnungen der Deutschen Notenbank Berlin stellen sich zwei Fragen: Woher kamen die dort verzeichneten Scheine der Sächsischen Staatsbank, und wohin gingen sie?


Die Sächsische Staatsbank wurde aufgrund des Befehls Nr. 10 der SMAD im August 1945 abgewickelt und in die Sächsische Landesbank überführt. Diese wiederum firmierte im Sommer 1947 in Sächsische Landeskreditbank um und ging zusammen mit der Emissions- und Girobank Sachsen am 1. Januar 1950 in der Deutschen Notenbank auf. Es steht zu vermuten, dass die im Jahr 1964 in Berlin erfassten Bestände von Banknoten der Sächsischen Staatsbank ursprünglich von dieser kamen, und nach 1950 von der Filiale Dresden der Deutschen Notenbank an die Zentrale in Berlin abgegeben wurden.


In denselben Unterlagen der Deutschen Notenbank findet sich in einem internen Vermerk vom 6. November 1964 an den Präsidenten der Notenbank über die Abgabe von Banknoten an Sammler der Hinweis, dass das Sammeln von Banknoten „… in kapitalistischen Ländern ein lukrativer Geschäftszweig sein [dürfte]…“. Dieser Vermerk könnte einen Hinweis darauf geben, was mit dem Bestand der Deutschen Notenbank an Banknoten der Sächsischen Staatsbank zu 5 Reichsmark geschah, zumal die Existenz dieser Wertstufe in Sammlerkreisen erst Mitte der 1970er-Jahre bekannt wurde. Da die Scheine in den 1980er-Jahren gelegentlich auf Auktionen in der Bundesrepublik auftauchten (als entwerte Exemplare mit abgeschnittener Ecke) steht zu vermuten – sie wurden gegen Devisen an Händler in Westdeutschland veräußert. Scheine mit der Kontrollnummer 02550* und abgeschnittener Ecke könnten demnach solche aus dem 1964 bei der Deutschen Notenbank erfassten Bestand sein.


Dr. Sven Gerhard

 

Anmerkungen

[1] Archivsignatur DN 10/402

[2]  Michael H. Schöne: Der 20-RM-Schein 1945 der Sächsischen Staatsbank mit 6-stelliger Kontrollnummer: Neue Erkenntnisse - https://www.geldscheine-online.com/post/der-20-rm-schein-1945-der-s%C3%A4chsischen-staatsbank-mit-6-stelliger-kontrollnummer-neue-erkenntnisse  

[3] Schöne, a.a.O.

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