Albert Pick – Ein Nachruf

Aktualisiert: 25. Juni 2018



Am Sonntag, den 22. November 2015 ist Albert Pick im Alter von 93 Jahren in Garmisch-Partenkirchen verstorben. Mit ihm verliert die Welt der Geldscheinsammler einen großen Freund und Berater und das numismatische Fach „Geldscheinkunde“ ihren Begründer und größten Förderer.

Albert Pick wurde am 15. Mai 1922 in Köln als Kind des Druckereibesitzers Balduin Pick und seiner Ehefrau Auguste, geb. Sievers, geboren. Aus dieser Ehe stammte noch eine ältere Schwester Elisabeth. Bereits als Schuljunge begann er im Alter von acht Jahren mit dem Sammeln deutschen Notgelds. Was zunächst das Hobby eines Kindes war, wurde bald zu einer Passion. Albert Pick sammelte seit seiner Kindheit unermüdlich weiter und vertiefte im Lauf der Jahre seine Kenntnisse über die Zahlungsmittel aller Länder und aus allen Zeiten.

Nach Volksschule und Gymnasium, das er 1939 mit dem Abitur abschloss, studierte er an der Philosophischen Fakultät der Universität Köln die Fächer Germanistik und Geschichte. Nach vier Semestern wurde er 1941 zum Kriegsdienst eingezogen und kam zur Luftwaffe, wo er die Offizierslaufbahn einschlug. Als Fähnrich der Luftwaffe geriet er 1944 in den Ardennen in Kriegsgefangenschaft und wurde als POW (prisoner of war) in die Vereinigten Staaten verbracht. Nur Offiziere landeten damals in US-Camps, einfache Dienstgrade der Wehrmacht blieben als Kriegsgefangene in Europa. In den Vereinigten Staaten gelangte er zunächst in ein Camp in der Nähe von Dallas, Texas, dann folgten noch mehrere Stationen, bis er schließlich ins Fort Monmouth verbracht wurde. Insgesamt dreizehn Monate lebte er in den USA, dann noch weitere sechs Monate als Kriegsgefangener in einem Camp in Guilford in England, bis er 1946 repatriiert wurde. Aus dieser Zeit als Kriegsgefangener in den USA und England stammten seine guten Englischkenntnisse.

Zurück in Köln trat er in den väterlichen Druckereibetrieb ein. Bereits der Vater hatte angefangen, verlegerisch tätig zu werden. Der Sohn gründete mit Hilfe seiner guten Kontakte zur Universität den Kölner Universitätsverlag. Wirtschaftlich etabliert, konnte er 1949 an die Gründung einer Familie denken. Er schloss die Ehe mit Annelie, geb. Fleischer. Der Ehe entstammen die Töchter Monika und Doris. Neben seiner beruflichen verlegerischen Tätigkeit führte er sein Hobby, das Geldscheinsammeln, unermüdlich weiter. Er erwarb sich in den 1950er und 1960er Jahren einen hervorragenden Ruf in Sammlerkreisen als Spezialist in allen Fragen dieses damals noch recht neuen Spezialgebiets der Numismatik.

1964 verkaufte er seinen Kölner Universitätsverlag samt technischem Betrieb. Zu dieser Zeit war seine Sammlung historischer Geldscheine mit rund 180.000 Exemplaren bereits so umfangreich geworden, dass er sie privat im Nebenberuf nicht mehr adäquat betreuen konnte. Er bekam Angebote von mehreren Interessenten, von Banken aber auch von Privaten, die seine Sammlung übernehmen wollten. Die Bekanntschaft mit dem damaligen Chefsyndikus der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in München, Dr. Lippisch, führte für Albert Pick zu der für ihn überzeugendsten Lösung.

Er übergab seine Sammlung 1965 der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank in München und wurde im Gegenzug von der Bank als Kurator der Sammlung angestellt. Aus dem Hobby wurde eine professionelle Beschäftigung. Die Bank stellte Albert Pick Räume zunächst in der Theatinerstraße, dann in der Salvatorstraße im 3. Stock zur Verfügung und, was noch wichtiger war, er bekam einen jährlichen Etat, mit dem er die Sammlung weiter ausbauen konnte. Die Salvatorstraße blieb ab diesem Zeitpunkt die Anlaufstelle für viele Besucher, die sich bei allen Fragen rund um das Sammeln von Banknoten bei Albert Pick Rat Hilfe holen wollten. Von der Münchner Industrie- und Handelskammer wurde er als vereidigter Sachverständiger im deutschsprachigen Raum benannt.



1985 ging Albert Pick dann in den wohlverdienten Ruhestand und lebte seither in Garmisch-Partenkirchen. In der Salvatorstraße in München blieb die Sammlung bis 1998, bis der Neubau der „Fünf Höfe“ in Angriff genommen wurde. 2003 wurde sie von der HypoVereinsbank, dem Nachfolgeinstitut der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank, unter dem Namen „HVB Stiftung Geldscheinsammlung“ in eine Stiftung öffentlichen Rechts eingebracht. Von den Nachfolgern Picks wurde die Geldscheinsammlung weiter ausgebaut und ist heute die wohl weltweit bedeutendste Generalsammlung überhaupt.

Als Kurator der Sammlung in München entfaltete Albert Pick eine rege Tätigkeit. Mit dem ihm gewährten Etat konnte er zahlreiche spektakuläre Ankäufe tätigen. Daneben begann er, Bücher und Kataloge über sein Sammelgebiet zu schreiben. Seine literarische Tätigkeit begann 1964 mit einem bis heute gültigen Standardwerk mit dem Titel „Papiergeld“, das erstmals einen historischen Überblick über dieses Fachgebiet bot. Sein 1970 erschienener „Papiergeld Katalog, Europa seit 1900“ war bahnbrechend und erschien 1971 bereits in englischer Übersetzung. Damit gab es erstmals den Versuch einer Übersicht, welche Zahlungsmittel aus Papier überhaupt emittiert worden waren und welchen Marktwert sie als Sammelgegenstände hatten. Es folgte 1973 der „Paper Money Catalogue of the Americas“.

Das Werk aber, das immer mit dem Namen Pick verbunden sein wird, ist der 1975 erstmals und seitdem in vielen Auflagen erschienene „Standard Catalog of World Paper Money“.

In diesem Katalog erhielt jeder jemals edierte Geldschein eine sog. „Pick-Nummer“, d.h. für jedes Land wurden die emittierten Geldscheine nach der Reihenfolge ihrer Ausgabe durchnummeriert. Mit der Kombination „Land/P-Nr.“ hat jeder weltweit erschienene Geldschein eine gültige Signatur. Was das Köchel-Verzeichnis für den Musikliebhaber, das ist die Pick-Nummer für den Geldscheinsammler!

Seit der ersten Auflage dieses Standardwerks hat sich das Wissen um die Zahlungsmittel aus Papier ungeheuer vermehrt. Nach einigen Jahren konnte die Editionsarbeit von Albert Pick allein nicht mehr bewältigt werden. Er verkaufte die Rechte an seinem Katalog an den Verlag Krause Publications in Iola, USA. Ein Redaktionsteam übernahm die Aufgabe, den Katalog weiter zu entwickeln. Bis zur vierten Auflage 1984 waren so viele in der Vergangenheit emittierte Geldscheine neu bekannt geworden, dass der Katalog bereits geteilt werden mussste in zwei Bände „Specialized Issues“ und „General Issues“. Und 1995 erschien erstmals der Band „General Issues“ in zwei Teilbänden „General 1368 – 1960“ und „Modern 1961 – Present“.

Albert Pick hat in seiner Zeit als Kurator der Sammlung eine ganze Reihe weiterer Bücher zum Thema Geldscheinkunde vorgelegt. Unentbehrlich für den Geldscheinsammler ist das „Papiergeld Lexikon“, erschienen 1978 und der Band „Papiergeld-Spezialkatalog Deutschland 1874 – 1980“, den er zusammen mit Uwe Rixen 1982 herausbrachte und der 1998 in dritter Auflage erschien. Dem Sammler sind auch seine Werke über „Briefmarkengeld“ (1970), „Handbuch für Sammler und Liebhaber“ (1967) und „Papiergeld sammeln“ (1971) bekannt. Auch mit Walter Grasser hat Albert Pick bald nach seiner Übersiedlung nach München zusammengearbeitet. Bereits 1972 erschien der Band „Walter Grasser/Albert Pick: Das Bielefelder Stoffgeld 1917 – 1923“. Insgesamt umfasst Picks Bibliografie 23 selbstständige Publikationen, von denen einige sogar mehrere Auflagen erlebten. Dazu kommen 37 Fachartikel in Zeitungen und Zeitschriften, fünf Beiträge in fremden Publikationen, darunter der Aufsatz „Mit alten Banknoten Geld verdienen“ in dem von Walter Grasser herausgegebenen Band „Antiquitäten als Kapitalanlage“ (im Süddeutschen Verlag 1974 und im Heyne Verlag 1975). Im Band „Die Münzen der Sächsischen Herzogtümer“ von Kurt Jaeger und Walter Grasser, Basel 1970, erarbeitete Albert Pick die Angaben bzw. die Katalogisierung der Banknoten.

Für die Bayerische Hypotheken- und Wechsel-Bank gestaltete er eine ganze Reihe von Wanderausstellungen für deren Filialen. Diese machten die Geldscheinsammlung einem breiten Kundenkreis der Bank bekannt und wurden in den örtlichen Medien gewürdigt. Albert Pick nutze auch die neuen Medien, um die Sammlung der Bayerischen Hypotheken- und Wechsel-Bank bekannt zu machen. In seiner zwanzigjährigen Tätigkeit als Kurator konnte er in drei Fernsehsendungen dieses Medium nutzen, um die Sammlung einem breiten Publikum vorzustellen.

Darüber hinaus ging Albert Pick mit Ausstellungen von Exponaten aus der Sammlung auch ins Ausland. 1976 zeigte er ausgewählte Exemplare auf der ANA Convention in Los Angeles, Kalifornien. In Mexiko City wurde eine von ihm kuratierte Ausstellung von der dortigen Industrie- und Handelskammer gezeigt. Die Schweizerische Volksbank übernahm eine von Pick zusammengestellte Ausstellung und zeigte sie in verschiedenen Städten der Schweiz. Ebenso konnte er in Österreich, in Wien und Salzburg, eine Ausstellung präsentieren.

Albert Pick hat zahlreiche Preise und Auszeichnungen erhalten, speziell in den USA, der Hochburg der Banknotensammler. Er bekam 1972 den „Special Award of Merit“ der Society of Paper Money Collectors, 1975 den „Nathan Gold Award“ und im gleichen Jahr auch den „Special Award“ der Society for International Numismatics. Die International Banknote Society IBNS hat ihn in die „Hall of Fame“ aufgenommen.

Albert Pick war ein Pionier auf dem Gebiet des Geldscheinsammelns in einer Zeit, als die klassische Numismatik das Papiergeld noch nicht als sammlungswürdig erkannt hat.

Er galt schon früh als die größte Koryphäe weltweit auf dem Gebiet der Geldscheinkunde. Die Sammlergemeinde hat durch seinen Tod einen großen Verlust erlitten. Das Geldscheinsammeln wird immer mit seinem Namen verbunden bleiben.


Franziska Jungmann-Stadler

Münzen & Sammeln, Ausgabe 2016/01

Abbildungen: HVB Stiftung Geldscheinsammlung, www.geldscheinsammlung.de

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