top of page

Das Papiergeld des Jørgen Thor Møhlen

Aktualisiert: 16. Feb. 2023

Nach dem Vorbild schwedischer Kreditscheine der Stockholmer Bank von Johan Palmstruch aus den Jahren 1661 bis 1666 gab man auch in Norwegen am Ende des 17. Jahrhunderts ähnliche Geldscheine aus.

Abb. 1: 5 Daler kopparmynt vom 6. Dezember 1662.


Als Herausgeber der ersten norwegischen Geldscheine von 1695 gilt unbestritten der Kaufmann Jørgen Thor Møhlen in der damals größten norwegischen Hafenstadt Bergen. Geboren wurde er aber um 1640 im Herzogtum Holstein (damals Erbbesitz des Königs von Dänemark und Herzogs von Holstein-Glückstadt). Sein Vater Jürgen Thormöhlen (eigentl.: Jorgen ter Maulen, geb. 1615) führte eine Weinhandlung in Hamburg. Nach dem frühen Tod seines Vaters erhielt der älteste Sohn Jürgen Thormöhlen jr. seine kaufmännische Ausbildung in den Niederlanden, Frankreich und England.


1664 kam er nach Bergen, nahm dort sein Bürgerrecht am 10. Oktober desselben Jahres als Kaufmann an, und galt in den folgenden Jahren als reichster Bürger der Stadt. In dieser Zeit benannte er sich in Jørgen Thor Møhlen um und baute ein umfangreiches industrielles Imperium auf.


Durch Ex- und Importgeschäfte konnte er eine wachsende Schiffsflotte aufbauen – das machte ihn zum größten Reeder Norwegens. Er handelte mit Hering, Holz und landwirtschaftlichen Gütern in Westnorwegen und in der Finnmark. In Kvinnherad kaufte er die dortige Kupferhütte Lilledal. Als Chef der „Grønlandske Rederi“ schickte er seine Schiffe zum lohnenden Walfang. Seit 1679 gehörte er zur wirtschaftlichen Elite in Bergen.


Abb. 2: Jørgen Thor Møhlen (Maler unbekannt).


Als Anerkennung für seine umfangreichen wirtschaftliche Aktivitäten sandte ihm König Christian V. von Dänemark- Norwegen einen Brief nach Vestre Sydnes, in dem er ihn am 29. Oktober 1681 zum kaufmännischen Direktor ernannte.

Damit wurde Thor Møhlen gewissermaßen Norwegens Handelsminister und somit Vermittler zwischen norwegischen Unternehmern und der Regierung in Kopenhagen.




Abb. 3: Unterschrift von Jørgen Thor Møhlen (1695).


Abb. 4: das von 1685 bis 1693 von Jørgen Thor Møhlen bewohnte Herrenhaus „Kronstad Hovedgård“ (der Gebäudekomplex gehört heute der Gedenkstiftung der norwegischen Kriegsveteranen, Foto von 2007).


1689 erhielt er das königliche Privileg, ein Industriegebiet in Vestre Sydnes zu gründen (1877 eingemeindet: das spätere sog. Møhlen-Priis). Es entstanden unter seiner Regie: Bäckerei, Gerberei, Nagelfabrik, Kippwerkstätten, Packschuppen, Kaianlagen, Öl- und Schießpulvermühlen, Wollweberei, Seilerei, Salzraffinerie und Seifenfabrik sowie Wohnstätten für seine Beschäftigten und deren Familien. Zoll- und Steuerbüros in ganz Norwegen wurden von ihm seit 1690 gepachtet. Thor Møhlen betrieb eine bewusste Heiratspolitik und ließ seine sieben Töchter mit wohlhabenden Kaufleuten vorzugsweise deutscher Herkunft verheiraten.


Dänemark hatte 1670 die Insel St. Thomas von England gekauft und noch im selben Jahr die Westindische und Guinea-Gesellschaft gegründet. Die dänischen Behörden wollten St. Thomas kolonisieren – vor allem Zuchthäusler wurden mit Thor Møhlens Schiff „Færø“ im Januar 1672 über den Atlantik gebracht. Aber innerhalb von sechs Monaten waren die meisten Kolonisten gestorben. Seine Schiffe brachten allerlei Waren und vor allem Waffen von Europa nach Afrika, dort kaufte man u. a. Sklaven, brachte sie nach Amerika und lud für ihre Rückreise nach Europa Zucker, Baumwolle, Edelhölzer und Tabak. Thor Møhlen war Haupteigner der „Cornelia“, die 1673 als erstes Schiff unter dänischer Flagge 103 Sklaven nach Amerika brachte.


Die sog. Dreiecksfahrten waren durch eine große Auslastung der Schiffe sehr vorteilhaft, da sie so fuhren, dass Wind und Strömung maximal ausgenutzt werden konnten.

Seit dem 13. Februar 1690 wurden ihm von der Dansk Vestindien og Guinea-selskab die dänisch-norwegischen Kolonien St. Thomas, St. Jan und einige kleinere Inseln in der Karibik verpachtet. Diese waren als Sklavenkolonien gedacht. Der Pachtvertrag übertrug ihm den gesamten westindischen Handel für zehn Jahre gegen eine jährliche Pachtgebühr von 4.630 Reichstalern. Seine Schiffe fuhren 1689 von Nordeuropa zu den dänischen Forts Christiansborg, Fredensborg und Augustaborg in Westafrika und in die Karibik.

Der Pachtvertrag verpflichtete ihn, Ureinwohner aus Guinea als Sklaven von der Westindischen Gesellschaft gegen Bezahlung zu übernehmen. Er verpflichtete sich außerdem, „dass das Land jährlich mit jungen, gesunden Menschen versorgt und bevölkert wird und dadurch das Land aufgebaut werden kann“. Über 120.000 Sklaven wurden aus den dänisch-norwegischen Niederlassungen in Guinea in die Karibik gebracht und St. Thomas entwickelte sich daher zu einem Zentrum des Sklavenhandels in weiten Teilen der Karibik.


Um 1690 war Thor Møhlen auf dem Höhepunkt seiner Macht. Zunächst brachte ihm der Handel mit Westindien große Gewinne. Aber die politische Entwicklung zwischen Dänemark und Brandenburg führte dazu, dass brandenburgische Kaufleute als Entschädigung für angebliches Unrecht große Warenvorräte auf St. Thomas übernehmen durften. Es waren die gleichen Waren, die Thor Møhlen mit Schiffen geschickt hatte. Nun mussten sie ohne Ladung zurückkehren. Das kostete Thor Møhlen fast 100.000 Reichstaler. Nach Verhandlungen erklärte sich König Christian V. bereit, ihm eine Entschädigung in Form eines persönlichen und zinslosen Darlehens zu zahlen. Die Berater des Königs wollten eine Idee, die schon 30 Jahre zuvor im benachbarten Schweden verwirklicht wurde, auch in Norwegen realisieren: die Ausgabe von Kreditscheinen.


Jørgen Thor Møhlen sollte Papiergeld im Wert von vorerst 50.000 Reichstalern erhalten, als Kreditscheine in Münzen tauschen und zum Aufkauf von Waren für den Export verwenden. Danach sollten die Scheine wieder gegen Münzen zurückgetauscht und den Investoren ausgezahlt werden: Norwegens erste Banknoten wurden gedruckt.


Abb. 5: Verordnung vom 22. Juni 1685 aus Hafniæ (= Kopenhagen).


Nach der „Verordnung über bestimmte Banknoten, die in mehreren Werten als Bargeld in Nordenfields in Norwegen gelten“ vom 22. Juni 1695 durften die Scheine in einer Auflage von 100.000 Reichstaler (= Rixdaler) gedruckt und in West- und Nordnorwegen zwischen Bergen, Røros, Ålesund und Trondheim in Umlauf gebracht werden (von der Südspitze von „Sønnafjelske Norge“ in Åna-Sira nach Norden die ganze Küste entlang). Møhlen hoffte, Geldscheine in Höhe von 200.000 Reichstalern drucken zu dürfen.



Abb. 6: alte Karte von 1665 mit dem Titel „Norvegia Regnvm, Vulgo Nor-ryke“ im „Atlas Maior“ von Dr. Joan Blaeu abgedruckt (im roten Linienfeld das ungefähre Umlaufgebiet der Kreditscheine.


Die Verordnung wie auch die Kreditscheine wurden von Johan Philip Bockenhoffer in Kopenhagen gedruckt, ein aus dem Elsass stammender Buchdrucker; seine Werkstatt war die königliche Hof- und Universitätsdruckerei.

Tatsächlich wurden damals fünf Werte in Doppelnutzen gedruckt: 10 Rixdaler/Croner (1000 Stück), 20 Rixdaler (500 Stück), 25 Rixdaler (1000 Stück), 50 Rixdaler (500 Stück) und schließlich 100 Rixdaler (300 Stück). Aber nicht alle wurden auch ausgegeben – von den

25-Rixdaler-Scheinen gab man bspw. nur 400 Stück aus.


Der Aufdruck der Kreditscheine lautete in Dänisch „Som hans kongl. majest. den 22 junii indeværende Aar 1665 / sin allernaadigste Forordning haver ladet udgaae / angaaende visse Seddeler / som i steden for bare menge Norden-fields udi hans kongelige majestets Rige Norge skal gielde / Saa er denne seddel ester samme Forordnings indhold vorden authorisered, for Værdie af ... Rixdaler/Croner.“ und kann in etwa übersetzen werden mit: „Seine Königl. Hoheit hat am 22. Juni dieses Jahres 1695 seine allergnädigste Verordnung erlassen – betreffs bestimmter Geldscheine, welche statt baren Geldes im nördlichen Teil Norwegens, im Reich Seiner Königl. Hoheit gelten sollen. So ist dieser Schein laut Inhalt der genannten Verordnung als gültig erklärt worden für einen Wert von ... Reichstaler/Kronen.“


Die 3.300 Einzelscheine waren etwa 22 cm × 17 cm groß, einseitig bedruckt und zeigten das Amsterdamer Wappen als Wasserzeichen auf dem in den Niederlanden handgeschöpften Büttenpapier.


Abb. 7: Vorderseite eines unausgefüllten Blankoscheins, die Ortsangabe „Kiøbenhafn“ und das „No.“ sind noch nicht eingedruckt; bei einem Ausruf von 1.700 dän. Kronen (≈ 230 Euro) erreichte dieser sog. Remainder 15.500 dKr (≈ 2.100 Euro), Online-Auktion Bruun Rasmussen, August 2020.


Abb. 8: Wasserzeichen mit dem Wappen von Amsterdam.

Abb. 9: Siegel von König Christian V. mit der Umschrift „CHRISTIANUS V · DG · DAN · NOR · VAN · GOT · REX“.


Die einheitlichen Vordrucke wurden handschriftlich mit den jeweiligen Werten ausgefüllt, vor der Ausgabe mit dem Lacksiegel des dänischen Königs versehen und durch die drei unterschiedlich großen Siegel von Thor Møhlen und den zwei Beamten der Rentenkasse – Jacob Sörensen und Lauritz Mouritzen – ergänzt. Diese unterschrieben zusammen die Scheine unterhalb des gedruckten Textes und nochmals auf der rechten Seite, die später durch Zerreissen abgetrennt wurde. Handschriftlich wurden das Datum, die beiden Kontrollnummern und die Wertbezeichnung hinzugefügt.


Abb. 10: komplette Ausfertigung des Kreditscheins über 50 Rixdaler/Croner mit der handschriftlichen Kontrollnummer Nro 284/a.


Abb. 11: Wappen von Thor Møhlen „IIRGEN TORMØL“ (zeitgenössisch) .

Abb. 12: die drei Siegel in unterschiedlicher Größe der Unterzeichner aller Kreditscheine, von links: Møhlen / Sörensen / Mouritzen.


Unterschiede in der Ausführung gab es bei der Ortsangabe: einmal gedruckt (10 und 20 Rixdaler) und einmal handschriftlich (25, 50 und 100 Rixdaler). Auch die Kontrollnummern kommen gedruckt (10 und 20 Rixdaler) sowie handschriftlich (25, 50 und 100 Rixdaler) vor.


Abb. 13: oben gedruckt „Kiøbenhafn den“ (10 Rd.), unten handschriftlich „Kiøbenhaffn d.“ (25 Rd.) für Kopenhagen.


Erstmals beim Geldschein-Druck wurden verschiedene Serienbuchstaben verwendet:

nur Punkt = 100 Rd., a = 50 Rd., b = 25 Rd., c = 20 Rd. und d = 10 Rd., die 100er wurden evtl. als erste ausgefertigt.


Abb. 15: nachgewiesene Kontrollnummern aller Scheine.


Abb. 16: linker Teil des Kreditscheins über 10 Rixdaler/Croner mit der Kontrollnummer No. (gedruckt) 4/d (handschriftlich).


Abb. 17: linker Teil des Kreditscheins über 20 Rixdaler/Croner mit der Kontrollnummer No. (gedruckt) 85/c (handschriftlich).


Bekanntermaßen wurden die fertigten Scheine vor der Ausgabe durch Zertrennen geteilt; der linke Teil wurde als eigentlicher Kreditschein dem Einlieferer von Silbergeld, meist aber für Löhne ausgezahlt – der rechte Teil, der sog. Talon(g), verblieb in der Rentenkammer als Gegenstück bei dem nötigen Vergleich eines Rücktauschs.

Auf den Rückseiten wurde der entsprechende Wertbetrag und die Kontrollnummer nochmals handschriftlich vermerkt. Auch die Rückseiten der einbehaltenen Teilscheine wurden so gekennzeichnet.


Abb. 18: linker Teil des Kreditscheins über 25 Rixdaler/Croner mit der handschriftlichen Kontrollnummer Nro 898/b.


Abb. 19: dazugehörige Rückseite des Kreditscheins über 25 Rixdaler/Croner, handschriftlich „Nro 898 Croner = 25 = Rdr.“.


Abb. 20: komplette, jedoch zerrissene Ausfertigung des Kreditscheins über 50 Rixdaler/Croner mit der handschriftlichen Kontrollnummer Nro 248/a.


Die Scheine wurden im Juli/August 1695 in Dänemarks Hauptstadt gedruckt.

Die Währungsbezeichnung lautete auf Rixdaler/Croner; somit galt bspw. ein Schein zu 100 Rd./Cr. 400 Mark in Silber – eine sehr hohe Wertstufe. Die Hälfte der Kreditscheine in Höhe von etwa 50.000 Rd. verblieb in Dänemark als hinterlegtes Bürgschaftsgeld und wurde nie ausgegeben – Thor Møhlen reiste somit nur mit den 10- und 20ern und den restlichen 30.000 Rd. nach Norwegen. Für Lohnzahlungen und Einkäufe dort waren die niedrigen Werte praktischer als die höheren.


Abb. 21: komplette, jedoch zerrissene Ausfertigung des Kreditscheins

über 100 Rixdaler/Croner mit der handschriftlichen Kontrollnummer Nro 243.


Abb. 22: Vorder- und Rückseite des Kreditscheins über 25 Rixdaler/Croner mit der handschriftlichen Kontrollnummer Nro 429/b.


Abb. 23: 1 Krone 1694 mit Münzzeichen Herz (für Kopenhagen);1 Krone galt 4 Mark Silber.


Im Jahr 1723 wurden fertige 25-, 50- und 100-Rd.-Scheine in mehreren versiegelten Paketen im heutigen Rigsarkivet (Reichsarchiv) entdeckt. Anfangs hat sie damals niemand als Møhlen-Scheine erkannt. Es waren die Einlagen der vier Bürgen. Diese Geldscheinbündel sind heute noch mehr oder weniger gut erhalten. Der Großteil dieser Scheine, die heute in Sammlungen liegen oder auf dem Sammlermarkt angeboten werden, stammen aus den Beständen des Reichsarchivs in Kopenhagen.


Abb. 24: ungeöffnete Päckchen mit 25-Rixdaler-Scheinen im Reichsarchiv Kopenhagen.


Abb. 25: Kreditschein über 25 Rixdaler/Croner mit unterschiedlichen Nummerierungen –

links Nro 342/b, rechts Nro 249/b.


Das erklärt auch das seltene Vorkommen der Scheine zu 10 und 20 Rixdaler. Guterhaltene Exemplare erreichen heute Preise von 2.000 bis 3.000 Euro; die Talons bis 1.000 Euro.

Von allen Ausgaben kommen die 25-Rd.-Scheine am häufigsten vor.


Abb. 26: Monogram Christian V., gekröntes CV im Perlrand (1670 bis 1699 König von Dänemark und Norwegen – in Personalunion).


Auffallend ist bei heute angebotenen Scheinen, dass Nummerierungen auf den Talons von den ausgegebenen Noten abweichen. Oft sind auch Teilstücke zwei verschiedener Kreditscheine nachweisbar. Deshalb passen Trennstellen und das königliche Wappen mit verschlungenen Buchstaben (CV normal und CV gekontert) nie zusammen. Wahrscheinlich sind diese Zusammenfügungen mehr oder weniger moderne "Manipulationen". Teilstücke werden vielfach einzeln angeboten.


Abb. 27: für 22.000 dän. Kronen (≈ knapp 3.000 Euro) ersteigerter zweiteiliger Møhlen-Schein, links 50 Rd., Nro 297 a/rechts 10 Rd. No. 761; im Originaltext Rasmussen-Auktion Nov. 2022 wird der Fehler nicht bemerkt und mit 20 Rd. statt richtig 10 Rd. Ausgewiesen: „50 rigsdaler/kroner 1695, No. 297/a, Sieg 4, Pick A4, Rø S2, med talon til 20 rigsdaler, Sieg 2, Pick A2, Rø S4 - fint bevarede laksegl, Dobbeltmonarkiet Danmark/Norges ældste seddeltype fremstillet af købmanden Jørgen thor Møhlen i Bergen“.


Das Finanzprojekt Møhlens war aber nicht erfolgreich. Die Scheine fanden in der Bevölkerung kein Vertrauen. Menschen, die mit diesen Scheinen entlohnt oder bezahlt wurden, blieben auf ihrem Papiergeld sitzen (eine Parallele zu den schwedischen Creditif-Zetels von Johan Palmstruch Stockholms Banco ist unverkennbar). Møhlens Kreditscheine waren keine Schuldscheine, die auf Namen ausgestellt waren – sie konnten frei getauscht werden.

Sie stießen bei Händlern, Handwerkern und Landwirten auf keine Begeisterung, obwohl sich größerer Beträge in Mappen oder Umschlägen mitführen ließen, anstatt sie in Geldkisten verladen zu müssen. Jedoch konnten die Rixdaler-Besitzer ihre Scheine kaum in Münzgeld tauschen, das kam selten in Umlauf. Handelsrat und Handelsdirektor Jørgen Thor Møhlen war nicht mehr in der Lage, das Versprechen zur Einlösung seiner privaten Geldscheine einzuhalten. Er verschuldete sich enorm und fand bei seinem Gönner, König Christian V., keinerlei Unterstützung. Møhlens naives Vertrauen in das Wort eines absoluten Königs war der Hauptgrund seiner Zahlungsunfähigkeit. Gleichzeitig weigerten sich die Beamten des Königs, die Scheine als Zahlung für Steuern und Abgaben zu akzeptieren. Die Regierung forderte nun die Einlösung aller Noten, wozu Thor Møhlen keinesfalls in der Lage war. Deshalb erließ man die Verordnung über die Aufhebung der genehmigten Nordenfields-Banknoten vom 21. August 1696, obwohl die Scheine bis 1700 gelten sollten:

„Da die autorisierten Scheine nicht planmäßig von Jørgen thor Möhlen eingelöst wurden, wird die Verordnung vom 22. Juni 1695 aufgehoben und die umlaufenden autorisierten Scheine werden innerhalb von 6 Wochen bei den Bezirksämtern in Bergen und Trondheim zur Einlösung aufgerufen“.


Nach der Insolvenz musste Møhlen seine umfangreichen Geschäfte aufgebenen. Niemand hatte das Kapital oder den Mut, das Industriegebiet Møhlen-Pris zu übernehmen; bis ins 18. Jahrhundert hinein lagen die Einrichtungen dort brach und verfielen.


Jørgen Thor Møhlen verstarb verarmt am 1. Weihnachtsfeiertag 1708 während eines Aufenthalts in Kopenhagen. Sein Vermögen wurde auf 29 Reichstaler geschätzt und sein einziger Diener wurde seit 1703 nicht mehr bezahlt. Seine umfangreichen Immobilien kamen am 30. Juni 1710 in einer Auktion unter den Hammer und wurden in alle Winde zerstreut.

Es war der größte Bankrott, den Norwegen bis zu diesem Zeitpunkt erlebt hatte.

Schätzungen gehen davon aus, dass König Christians Staatskasse durch den Bankrott bis 22.000 Rixdaler verloren hat, während der Verlust im privaten Sektor bei etwa 20.000 Rixdaler lag. Für diese Summe hätte man damals etwa 1.300 Bauernhöfe in Westnorwegen kaufen können.


Abb. 28: Bilderrahmen mit Faksimile-Druck der ersten norwegischen Banknote zum 300-jährigen Jubiläum der Ausgabe der Thor-Møhlen-Kreditscheine.


1995 wurden die Jubiläums-Mappen „Møhlen-Sedlene/Norges første pengesedler“ mit einem Faksimile-Druck des 100-Rixdaler-Scheins Nro 200 hergestellt; auch gerahmte Nachdrucke durch die Norges Banks Seddeltrykkeri in limitierter Auflage sind noch heute für 400 norw. Kronen (≈ 40 Euro) lieferbar.

Auf Internet-Auktionsforen werden sehr einfache Kopien der Møhlen-Scheine angeboten, die natürlich keinen Sammlerwert haben.


Abb. 29: Møhlenpris-Viertel, 1877 in die Stadt Bergen eingemeindet (Foto um 1920).


Während der Proteste aufgrund des Todes von George Floyd durch US-Polizisten gab es 2020 auch in Bergen Aufrufe zum Protest, die den Sklavenhandel von Thor Møhlen thematisierten. Ein Wohn- und Geschäftsviertel der Stadt, Møhlenpris, das nach Thor Møhlen benannt wurde, sollte einen anderen Namen erhalten. Die „Bergens Tidende“ titelte am 9. Juni 2020: „Nå går Møhlenpris-striden til bystyret – Arven fra Jørgen Thor Møhlen står dårlig til nabolaget“ ( „Nun geht der Møhlenpris-Streit an den Stadtrat – Das Erbe von Jørgen Thor Møhlen wirft kein gutes Licht auf die Nachbarschaft“).


Michael H. Schöne


Quellen:

https://ekonomiskamuseet.se (Kungliga Myntkabinettet)

Rønning, Bjørn Ragnolf: „Penger av papir i Norge før etableringen av Norges Bank (1695-1816)“, 2011.

Comments


bottom of page