Fürst Awalow-Bermondt und die Kassenscheine der Freiwilligen Westarmee

Abenteurer, russischer Monarchist, Nationalist und Offizier und vielleicht auch Hochstapler, so beschreiben Biographen Oberst Fürst Pawel Michailowitsch Awalow-Bermondt [Russisch: Павел Михайлович Авалов-Бермондт].


Bild 1: Oberst Fürst Pawel Michailowitsch Awalow-Bermondt, Quelle: "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff, Oberbefehlshaber der Deutsch-Russischen Westarmee im Baltikum", Glückstadt und Hamburg 1925.


Wer war dieser geheimnisumwitterte, stets in großer Tscherkessen-Uniform Auftretende, „stets gefolgt von einer ganzen Suite ordenübersäter Offiziere und einer berittenen Leibwache in tscherkessischen Uniformen.“1


Herkunft, Adelstitel und militärischer Werdegang liegen weitgehend im Dunkel und beruhen auf seinen eigenen Angaben. Danach wurde er am 4. März 1877 in Tiflis als Sohn des georgischen Fürsten Michail Antonowitsch Awalischwili geboren, mit dem seine Mutter in erster Ehe verheiratet war. Sein Vater habe ihn 1919 aufgefordert, den Fürstentitel und den russifizierten Namen Awalow anzunehmen. Der Name Bermondt stamme vom Stiefvater, dem zweiten Ehemann seiner Mutter.2 1905 nahm er am Russisch-Japanischen Krieg teil und wurde 1918 zum Oberst befördert. In Südrussland und der Ukraine beteiligte er sich an antibolschewistischen Aktionen, die zu seiner Gefangennahme in Kiew führten. Hier wurde er von deutschen Truppen befreit und gelangte nach Salzwedel, wo er im Kriegsgefangenenlager mit deutscher Unterstützung eine russische Freiwilligen-Truppe für den Kampf gegen die Bolschewisten aufstellte. Die weißrussische Exilregierung in Berlin betraute ihn als Nachfolger des Fürsten Anatol Pawlowitsch Lieven mit der Führung der weißrussischen Befreiungsarmee. Anfang Juni 1919 gelangten er und etwa 300 Mann, die zunächst nach dem ermordeten Führer der weißen Bewegung Fjodor Arturowitsch Keller „Korps Graf Keller“ genannt wurde, nach Kurland.3 In Mitau schlug er am 12. Juni 1919 sein Hauptquartier auf. Da der russischen Truppe die notwendige Schlagkraft fehlte, nahm der Fürst Kontakt zu den „herrenlos“ gewordenen Freikorps auf. Denn die deutsche Reichsregierung hatte auf Anordnung der Entente-Kommission ihre Rückkehr ins Reich befohlen.


Gemäß Artikel XII des Waffenstillstandsvertrags von Compiègne vom 11. November 1918 hatte die deutsche Armee zuvor bis auf Weiteres in den baltischen, ehemals russischen Randprovinzen bleiben müssen, da weder Briten noch Franzosen gewillt waren, eigene Soldaten zu entsenden, um den Vormarsch der Roten Armee nach Westen zu stoppen. Zu diesem Zeitpunkt verfügten in diesem Gebiet nur das deutsche Heer und die Baltendeutschen4 mit der „Baltischen Landeswehr“ über militärische Machtmittel. Allerdings existierte die 8. deutsche Armee nur noch auf dem Papier. Soldatenräte hatten das Kommando übernommen und die Offiziere vertrieben sowie die Demobilisierung und sofortige Heimkehr nach Deutschland angeordnet. In wenigen Tagen lösten sich ganze Regimenter in Luft auf. Den zurückweichenden deutschen Truppen folgte die Rote Armee auf dem Fuß. Anfang Dezember 1918 war bereits der größte Teil Estlands von den Bolschewisten besetzt und Ende Dezember auch weite Teile Lettlands, sodass die deutsche Regierung Ostpreußen bedroht sah. Die Letten baten Deutschland um militärische Hilfe.5 Durch Vermittlung der Briten kam es am 29. Dezember 1918 zu jenem Abkommen zwischen August Winning, dem „Generalbevollmächtigten des Reichs für die Baltischen Lande“ und der provisorischen, lettischen Regierung unter Ulmanis, in dem der Einsatz deutscher Freiwilliger geregelt wurde. Darin erklärten sich die Letten bereit, allen ausländischen Freiwilligen, die mindestens vier Wochen für die Befreiung des lettischen Staats vom Bolschewismus kämpften, auf Wunsch die lettische Staatsbürgerschaft zu gewähren. Schon bald wurde aus der Zusage der Einbürgerung die „Aussicht auf Zuteilung von Siedlungsland“.6 Diese Parole löste ein „baltisches Fieber“ aus. Tausende zog es als Söldner nach Osten.


Generalmajor Rüdiger von der Goltz übernahm von der deutschen Heeresleitung den Auftrag, die neue Streitmacht im Baltikum zu führen. Zunächst bestand sie nur aus wenigen Tausend Soldaten, neben der "Baltischen Landeswehr" aus einem lettischen Bataillon, einer weißrussischen Abteilung und der "Eisernen Brigade" unter dem Befehl von Major Joseph Bischoff. Zu ihnen stieß in den nächsten Wochen die neu aufgestellte I. Garde-Reserve-Division sowie diverse Freikorps-Verbände. Sie wurden

„zwar … in größeren Einheiten zusammengefasst, normalerweise scherten sie sich aber wenig um militärische Strukturen. Meistens fühlten sie sich nur ihrem Führer verpflichtet und operierten weitgehend selbständig. Die enge Bindung zwischen Offizieren und Mannschaften war charakteristisch für die Freikorps. Ein Teilnehmer vergleicht sie mit einem ‚Clan‘, in dem nur die gegenseitige Loyalität zählte. Gleichzeitig pflegten viele ein gewisses Räuberimage, ließen sich Haare und Bärte wachsen und grüßten Offiziere nur, wenn sie ihnen genehm waren.“7

Mit 14.000 Mann, davon etwa 10.000 Freikorps-Soldaten, startete von der Goltz im März 1919 die Gegenoffensive.8 Bereits Ende März 1919 hatten die Freikorps-Truppen den größten Teil Kurlands wieder befreit und rückten nun auf Riga vor, das nach nur eintägigem, erbitterten und blutigem Kampf am 22. Mai 1919 eingenommen wurde.

Die bolschewistischen Einheiten wurden zum Teil völlig aufgerieben und zogen sich stark dezimiert nach Norden zurück.


In den folgenden Wochen änderten sich die politischen Verhältnisse, sodass die deutsche Reichsregierung den Freikorps die Rückkehr ins Reich befahl. Der größte Teil der Freikorps-Soldaten wollte jedoch dem Befehl nicht folgen. Am 26. September 1919 übergab der bisherige Befehlshaber der deutschen Truppen im Baltikum, General Graf von der Golz, das Kommando an Fürsten Awalow-Bermondt.9 Auf diese Weise waren die Deutschen im Freikorps nicht mehr verpflichtet, ins Reich zurückzukehren, wie es der Friedensvertrag von Versailles verlangt hatte. Auch mögliche Repressalien der Alliierten gegenüber dem Deutschen Reich wurden dadurch abgewendet.10

Die Freiwillige Westarmee wuchs durch den Übertritt der Freikorps (z.B. „Eiserne Division“ unter Major Bischoff mit etwa 15.000 Soldaten, „Deutsche Legion“ unter Kapitän zur See Sievert mit 9.000 Soldaten, „Freikorps Plehwe“ unter Hauptmann von Plehwe mit etwa 3.000 Soldaten) sowie der "Baltischen Landeswehr" auf insgesamt etwa 50.000 Mann, davon rund 40.000 Deutsche und Deutschbalten sowie 10.000 Russen.


Das Aufbringen der notwendigen finanziellen Mittel für die Freiwillige Westarmee gestaltete sich durch das in Lettland herrschende Währungs-Chaos schwierig, zumal das Deutsche Reich am 11. Oktober 1919 die Sold-Zahlungen an die Freikorps-Soldaten einstellte.11 Während des Ersten Weltkriegs war der Russische Rubel durch Verordnung der deutschen Militärverwaltung vom 20. Juli 1918 als gesetzliches Zahlungsmittel außer Kraft gesetzt worden. An seine Stelle trat die Oberost-Mark der Darlehnskasse Ost, wobei der Rubel mit einer Mark gerechnet wurde. Der Oberost-Rubel der Ostbank für Handel und Gewerbe (Darlehenskasse Ost) blieb zum Wert von zwei Oberost-Mark im Umlauf. Ende 1918 waren im eben gegründeten lettischen Staat Währungen mit unterschiedlicher Kaufkraft im Geldverkehr: Ostmark, Ostrubel, deutsche Mark sowie städtisches Notgeld (Mitau, Libau und Windau). Infolge der Eroberung des größten Teils Lettlands durch die Rote Armee strömten Zaren- und Kerenski-Rubel ins Land.

Im Frühjahr 1919 gab der Sowjet der Arbeiterdeputierten der Stadt Riga 1-, 3-, 5- und 10-Rubel-Scheine aus, die als gesetzliches Zahlungsmittel auf dem Gebiet von ganz Sowjet-Lettland im Umlauf waren. Der Sowjet der Arbeiterdeputierten des Kreises Cesis (Wenden) gab ebenfalls eigenes Geld zu 5 und 10 Rubel, das Anleihekupon genannt wurde, aus. Am 22. März 1919 ermächtigte die provisorische Regierung der Republik Lettland in Libau das Finanzministerium durch Gesetz Kassenscheine über 1, 5, 10, 25, 100 und 500 Lettischen Rubel auszugeben. Am 18. März 1920 erklärte sie die Regierung zu alleinigen Zahlungsmitteln auf dem Territorium Lettlands.12


Die Heeresleitung der Freiwilligen Westarmee war gezwungen, Kassenscheine im Wert von 10 Millionen Mark zu emittieren. Gerüchteweise sollen allerdings in Berlin allein vom 50-Mark-Nominal Scheine im Wert von 25 Millionen Mark hergestellt worden sein.13 Auch kommen Kassenscheine mit gleicher Kontrollnummer vor, z.B. zwei 1-Mark-Scheine mit „Б 352545“.

Die Kassenscheine nennen als Ausgabedatum den 10. Oktober 1919. Sie wurden auf Papier ohne Wasserzeichen gedruckt. Die eine Seite in deutscher Sprache, während die andere Russisch beschriftet ist. Hier findet sich auch die schwarze, sechsstellige Kontrollnummer mit dem vorgedruckten kyrillischen Serienbuchstaben sowie die gedruckten Unterschiften des Fürsten Awalow-Bermondt, Oberbefehlshaber der Armee, und Eugen Freiherr von Engelhardt, Leiter der staatlichen Wirtschaftsabteilung der Armee. Im Tagesbefehl des Oberbefehlshabers vom 24. Oktober 1919 wird die Ausgabe von Scheinen zu 1, 5, 10 und 50 Mark bekannt gegeben. Sie galten ab dem folgenden Tag als allgemeine Zahlungsmittel im dem von der Freiwilligen Westarmee besetzten Gebiet und sollten ab 10. April 1920 gegen Mark oder gleichwertige russische Valuta eingelöst werden. Die 1-, 5- und 10-Mark-Scheine, „deren Wert durch das Heeresgut der ‚Freiwilligen Westarmee‘ gesichert ist“, wurden in Mitau von der Druckerei J. Stefenhagen gedruckt. Der Schein zu 50 Mark weicht in seiner Gestaltung und im Text von den übrigen Werten ab und soll bei der Druckerei Schulz oder Schwarz in Berlin hergestellt worden sein.14 Als Vorlage diente die russische 50-Rubel-Note von 1899.

Im sechszeiligen Text heißt es:

„Diese Kassenscheine deren Wert durch den / Staatsbesitz des von der freiwilligen Westarmee besetzten / Gebietes gewährleistet ist, gelten in diesem als gesetzliches / Zahlungsmittel und werden ab 10. Okt. 1920 von den staatlichen / Banken und den amtlichen Zahlungsstellen gegen deutsche / Reichsmark oder gleichwertige russische Währung eingelöst.“

Awalow schreibt in seinen Erinnerungen:

„Die 50 Mark-Scheine, die angeblich durch das Gesamtvermögen des von meiner Armee besetzten Gebietes sichergestellt wurden, sind tatsächlich niemals herausgegeben worden. Ich habe niemals Wertzeichen mit einer fiktiven Garantie emittiert.“15

Dies steht im Widerspruch zum genannten Tagesbefehl. Neben den erwähnten Werten sollen auch Kassenscheine zu 2 Mark gedruckt worden sein, die jedoch durch einen Brand vollständig vernichtet wurden.16 Dieser Brand soll auch die Ursache dafür sein, dass es Scheine mit und ohne Trockenstempel gibt, da bei dem Brand auch die Prägemaschine zerstört wurde, mit der der Trockenstempel auf den Kassenscheinen angebracht wurde.17 Der Stempel hat einen Durchmesser von ca. 15 mm. Bei den meisten Scheinen ist die Darstellung (zaristischer Adler mit Umschrift) des Abdrucks kaum zu erkennen.


Marcilger vertritt die Meinung, dass es sich bei den Geldzeichen ohne Trockenstempel um unfertige Exemplare handelt.18 Die lettische Post brauchte 1920 das Papier von unfertigen 10-Mark-Scheinen, bei denen nur die deutschsprachige Seite bedruckt war, zur Herstellung von Briefmarken auf. Hierbei handelt es sich um Marken zu 1 bzw. 10 Rubel. Anzumerken ist noch, dass es Scheine mit Abstempelungen deutscher Freikorps gibt, deren Echtheit jedoch fraglich ist.


Abb. 2.1: MIL-1f, 1 Mark, 10. Oct. 1919, Vorderseite.
Abb. 2.2: MIL-1f, 1 Mark, 10. Oct. 1919, Rückseite.
Abb. 3.1: MIL-2a, 5 Mark, 10. Oct. 1919, Vorderseite.
Abb. 3.2: MIL-2a, 5 Mark, 10. Oct. 1919, Rückseite.
Abb. 4.1: MIL-3d, 10 Mark, 10. Oct. 1919, Vorderseite.
Abb. 4.1: MIL-3d, 10 Mark, 10. Oct. 1919, Rückseite.
Abb. 5.1: MIL-4b, 50 Mark, 1919, Vorderseite.
Abb. 5.1: MIL-4b, 50 Mark, 1919, Rückseite.
Abb. 6.1: 50 Rubel, Russische Staatsbank, 1899, Vorderseite.
Abb. 6.1: 50 Rubel, Russische Staatsbank, 1899, Rückseite.
Abb. 7: MIL-1e, 1 Rubel mit der selben Kontrollnummer.
Abb. 8: MIL-2a, Trockenstempel.

Abb. 9.1/2: Briefmarke zu 1 Rubel der Lettischen Post, gedruckt auf 10-Mark-Schein, Vorderseite und Rückseite.


Abb. 10.1/2: Briefmarke zu 10 Rubel der Lettischen Post, gedruckt auf 10-Mark-Schein, Vorderseite und Rückseite.


Laut Tagesbefehl des Oberbefehlshabers der Freiwilligen Westarmee vom 24. Oktober wird Geld der Freiwilligen Westarmee im Betrag von 10 Millionen Mark in Umlauf gesetzt, und zwar in Scheinen zu 1, 5, 10 und 50 Mark. Vom 25. Oktober ab haben diese Geldwertzeichen im ganzen von der Freiwilligen Westarmee besetzten Gebiet gleichberechtigt mit dem Ostgeld Verwendung zu folgendem obligatorischen Kurse: 2 Mark im Geld der Freiwilligen Westarmee gleich 1 Ostrubel oder 2 Zarenrubel. Die ausgegebenen Scheine müssen ab 10. April 1920 gegen Mark oder gleichwertige russische Valuta eingelöst werden und sind durch das gesamte Heeresgut der Freiwilligen Westarmee wie auch durch das gesamte in dem von der Freiwilligen Westarmee besetzten Gebiet gelegene Kroneigentum garantiert. Die Kassenscheine der Freiwilligen Westarmee werden im Westkreditkontor in Mitau in Ostgeld umgewechselt: an alle Militärchargen der Freiwilligen Westarmee, welche sich auf Urlaub in die Heimat begeben oder welche durch Vermittlung des Westkreditkontors ihren Familien Geld überweisen; an alle Personen, welche die Genehmigung für eine Auslandsreise besitzen; an alle Kaufleute, welche ausländische Waren beziehen, und zwar in Beträgen, welche eine böswillige Spekulation mit der Valuta ausschließen. Mitau, den 24. Oktober 1919.“19

Die Währung der Freiwilligen Westarmee wurde an der Berliner Börse nicht notiert. Somit hätten die deutschen Söldner keine Möglichkeit gehabt, die Familien in der Heimat zu unterstützen. Aus diesem Grund sollte im Bedarfsfall ein Umtausch im Westkreditkontor in Mitau möglich sein. Awalow führt in seinen Erinnerungen aus, dass das Geld der Freiwilligen Westarmee bei der Bevölkerung so beliebt gewesen sei, dass man 1 Mark und 20 Pfennig in Ostmark für 1 Mark der Freiwilligen Armee hätte zahlen müssen.20 Und dies, obwohl nach dem Tagesbefehl beide Währungen pari standen.


Die Deutschen, die an dem angeblich gegen die Sowjets geführten Krieg teilnahmen, taten dies im Glauben an das falsche Versprechen, dass ihnen Land für die Besiedlung zusicherte. Nun, nachdem sich die Rote Armee aus dem Baltikum zurückgezogen hatte, war die deutsche „Mission“ eigentlich erfüllt und man hoffte nun die Früchte des Siegs ernten zu können. Awalow dagegen betrachtete die ehemaligen Provinzen als integralen Bestandteil Russlands, die es galt zurückzugewinnen und den Kampf gegen die Sowjets im Inneren Russlands fortzuführen. Was nun folgte war ein politisches und militärisches Abenteuer. Awalow hätte damit rechnen müssen, dass sein Angriff auf die nationale lettische Armee zu einer Intervention der westlichen Alliierten führen würde.

Am 8. Oktober 1919 startete seine Armee von Mitau ausgehend ihre Offensive gegen Riga. Die an der Mündung der Düna stationierte britische Flotte beschoss daraufhin ab 15. Oktober die Stellungen der Westarmee, während nationale lettische Truppen am 3. November die linke Flanke angriffen, sodass sich die Truppe nach Mitau zurückziehen musste und schließlich Ende November in Richtung Ostpreußen evakuiert wurde.


Die Reichsregierung erklärte sich bereit,

„die am 11.10.19 eingestellte Soldzahlung an die deutschstämmigen Baltikumsoldaten rückwirkend wiederaufzunehmen. Auch an die seit dem 14.11.19 [Generalleutnant] Eberhardts Befehl unterstehenden westruss. Truppen des Oberst Awaloff-Bermondt sollten bis zum 20.12.19 Gebührnisse gezahlt werden.“21

Die Freikorps-Soldaten sollten bis spätestens 15. März 1920 entlassen werden. Bereits Ende November 1919 hatte sich das Reichsfinanzministerium bereit erklärt, dem einzelnen Soldaten maximal 300 Mark des „Bermondtgeldes“ „mit Rücksicht auf [die] Bedürfnisse des Rücktransportes“ in deutsches Geld umzuwechseln.



Und was wurde aus Oberst Awalow-Bermondt? Er setzte sich nach der Niederlage seiner Streitmacht zunächst nach Dänemark ab und lebte später in Deutschland. Als im August 1939 der Deutsch-Russische-Nichtangriffspakt geschlossen wurde, war seine russisch nationalsozialistische Bewegung bei den Nationalsozialisten nicht mehr erwünscht. Er wurde verhaftet und später aus Deutschland ausgewiesen. Über Belgrad gelangte er 1941 in die Vereinigten Staaten, wo er am 27. Januar 1974 in New York starb.


Uwe Bronnert


Anmerkung der Redaktion:

Es kommen verschiedene Schreibweisen des Namens von Oberst Awalow vor. In Wikipedia findet man ihn unter Pawel Michailowitsch Bermondt-Awaloff.

Die Transkription aus dem Russischen lautet aber Awalow und nicht Awaloff. Diese eingedeutschte Schreibweise geht auf seine 1925 in Deutschland erschienene Publikation "Im Kampf gegen den Bolschewismus" zurück. Auf den hier behandelten Scheinen der Freiwilligen Westarmee unterschrieb er mit "Awalow-Bermondt", weshalb wir im Artikel auch diese Schreibweise nutzen.


Anmerkungen:

  1. Edgar v. Schmidt-Pauli, Geschichte der Freikorps 1918 – 1924, Stuttgart 1936, S. 132.

  2. Nach einer anderen Quelle war er der Sohn des Karäers Rafail Bermondt, mütterlicherseits stamme er aus dem georgischen Fürstengeschlecht Awalischwili bzw. der Titel und der Namen stamme vom Bruder seiner Mutter, der ihn adoptiert habe.

  3. Das Dokument Nr. 52, Besprechung beim Reichspräsidenten über die Räumung des Baltikums. Weimar, 20. August 1919, spricht von 7.000 Mann als antibolschewistische Kampfeinheit im Baltikum. https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/0000/bau/bau1p/kap1_2/para2_53.html?highlight=true&search=Awaloff&stemming=true&pnd=&start=&end=&field=all#highlightedTerm.

  4. Sie machten nur etwa 8 % der Gesamtbevölkerung aus. Zwischen ihnen und den Letten, Esten und Litauern bestand seit jeher eine tiefe Kluft. Die Baltendeutschen stellten die Oberschicht aus Gutsbesitzern und Adligen dar, Nachkommen der Anfang des 13. Jahrhunderts eingewanderten Ordensritter.

  5. Die nachrückenden lettischen Eliteregimenter der Roten Armee eroberten Anfang Januar 1919 bereits Riga, Mitau und Schaulen.

  6. Die Offiziere in den Anwerbebüros im Reich verbreiteten bewusst das Märchen, dass die Freiwilligen Siedlungsland erhalten würden.

  7. Frank Westenfelder, Die Freikorps. http.//www.kriegsreisende.de/relikte/freikorps.htm.

  8. Mitte April standen ca. 40.000 Soldaten unter dem Kommando des Generalmajors von der Goltz.

  9. Am 4. Oktober 1919 befahl das deutsche Oberkommando unter dem Druck der Westalliierten General von der Golz, nach Deutschland zurückzukehren.

  10. Die USA hatten der Reichsregierung damit gedroht, Lebensmittellieferungen einzustellen, wenn die deutschen Truppen nicht aus dem Baltikum abgezogen würden.

  11. So erhielt der Gemeine täglich 11 Mark, der Offizier ohne Posten 18 Mark, der Subaltern-Offizier 24 Mark, der Kompanieführer 30 Mark, der Bataillons-Kommandeur 36 Mark, der Regiments-Kommandeur 42 Mark, der Brigade-Kommandeur 48 Mark, der Divisions-Chef 54 Mark, der Chef des Armeestabs 75 Mark und der Armee-Befehlshabers 100 Mark. Für Unterhalt und Uniformierung eines Soldaten waren monatlich ca. 1.000 Mark zu veranschlagen. S. "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff, Oberbefehlshaber der Deutsch-Russischen Westarmee im Baltikum", Glückstadt und Hamburg 1925, S. 220.

  12. Vgl. O. Lehnich, "Währung und Wirtschaft in Polen, Litauen, Lettland und Estland", Berlin 1923, S. 221 ff. und Kristīne Ducmane u. Ēvalds Vēciņš, Nauda Latvijā, Latvijas Banka 1995, S. 251 f.

  13. A. Platbārzdis, Latvijas Naudas, Stockholm 1960, S. 65.

  14. S. A. Platbārzdis, Coins and Notes of Estonia, Latvia, Lithuania, Stockholm 1968, S. 48.

  15. "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff …", S. 220.

  16. N. Kardakoff, "Katalog der Geldscheine von Russland und der Baltischen Staaten 1769 – 1950", Berlin 1953, S. 52.

  17. Ebenda.

  18. Vgl. V. Marcilger, "The Monetary History oft he Baltic States with a detailed Catalogue of Currency Notes", München 1999, S. 200.

  19. O. Lehnich, S. 345 f.

  20. "Im Kampf gegen den Bolschewismus – Erinnerungen von General Fürst Awaloff …", S. 220.

  21. Nr. 156 Kabinettssitzung vom 28. Januar 1920 [16 Uhr], 1. Geldzahlungen an die nationaldeutschen Baltikumkämpfer und an die nationalrussischen Truppen. https://www.bundesarchiv.de/aktenreichskanzlei/1919-1933/011/bau/bau1p/kap1_2/kap2_158/index.html.

  22. Hans-Ludwig Grabowski, "Die deutschen Banknoten ab 1871, Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapier und Gutscheine", 21. vollständig neu erstellte Auflage 2018, S. 458 f.

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