Geldscheine fachgerecht restaurieren
- Sven Gerhard

- vor 3 Stunden
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Jeder Sammler hat sich beim Anblick eines stark gebrauchten, verschmutzen und zerrissenen Geldscheins sicher schon einmal gefragt: Kann der Zustand des Scheins verbessert werden?
Selbermachen liegt im Trend, Deutschland ist das Land der Baumärkte. In der Sammlerliteratur werden diverse Methoden und Anwendungen genannt, wie verschmutze Geldscheine gereinigt oder zerrissene Scheine repariert werden können[1]. Um diese Hausmittel und ihre Wirksamkeit soll es vorliegend nicht gehen, sondern darum zu überlegen, ob eine fachgerechte Restaurierung des Scheines in Frage kommt. Fachgerecht bedeutet: Durch einen auf Papier- und Buchrestaurierung spezialisierten Fachbetrieb.
Was viele vermutlich nicht wissen: Konservierung und Papierrestaurierung ist ein Studiengang, der etwa an der Staatlichen Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart angeboten wird[2].
Bei einer fachgerechten Restaurierung geht es darum, den Erhaltungszustand nachhaltig
zu stabilisieren und zu verbessern, ohne die Authentizität des Scheines zu verändern.
Kurz gesagt: Den Schein zu erhalten, ohne ihn zu schönen oder zu verfremden.
Dieser Ansatz bestimmt den Umfang und die Grenzen einer fachgerechten Restaurierung, und sollte auch die Erwartungshaltung des Sammlers bestimmen, was er von einer solchen Restaurierung erwarten kann: Jedenfalls nicht, eine mehrfach eingerissene und verschmutzte Banknote in den Erhaltungszustand „leicht gebraucht“ zurückführen zu können.
Restaurierungen werden von Sammlern oft kritisch gesehen, was sicher auch damit zu tun hat, dass das Waschen und Bügeln von Geldscheinen lange Zeit in Sammlerkreisen üblich war (und in manchen Ländern leider heute noch ist), und derart behandelte Scheine nicht nur an Authentizität einbüßen, sondern möglicherweise auch noch Schaden nehmen. Fest steht aber auch, dass eine Restaurierung den weiteren Verfall eines Geldscheins aufhalten und den Zustand sammelwürdig konservieren kann.
Wer überlegt, einen Geldschein fachgerecht restaurieren zu lassen, sollte zunächst die folgenden Überlegungen anstellen:
Warum restaurieren? Eine fachgerechte Restaurierung kann einen weiteren Verfall des Papiers etwa infolge von Schmutz, fetthaltigen Flecken und unsachgemäßem Klebeband aufhalten. Sie kann auch den optischen Gesamteindruck des Scheins deutlich verbessern, so dass dieser sich in der Sammlung ansprechend präsentiert.
Lohnt es sich? Restaurierung ist aufwändige Handarbeit. Diese ist mit den üblichen Stundensätzen des qualifizierten Handwerks zu vergüten. Der Preis für die eingesetzten Materialien ist zu vernachlässigen. Je nach Restaurierungsbedarf sind mehrere Arbeitsstunden pro Schein anzusetzen. Im Ergebnis lohnt eine fachgerechte Restaurierung in der Regel nur bei seltenen oder teuren Scheinen.
Wer soll tätig werden? Expertise bei der Restaurierung ist erste Wahl. Durch eine fachgerechte Restaurierung werden keine irreversiblen Eingriffe in den Zustand des Geldscheins vorgenommen, und keine Ursachen für Folgeschäden gesetzt, etwa durch die Verwendung ungeeigneter Chemikalien. Die Spuren einer Restaurierung können ohne Schäden am Geldschein rückgängig gemacht werden.
Bei der Wahrheit bleiben! Eine restaurierte defekte Banknote bleibt eine Banknote mit - restaurierten – Defekten. Nach den IBNS Grading Standards for World Paper Money müssen Defekte bei der Beschreibung einer Banknote im Rahmen der Erhaltungsbestimmung beim Grading oder Verkauf immer angeben werden. Dieselben Anforderungen muss man an Katalogbeschreibungen von Auktionsshäusern stellen.
Bei seiner Arbeit wird ein Restaurator oder eine Restauratorin strukturiert, behutsam und schrittweise vorgehen. Die nachfolgenden Bilder geben hierfür ein anschauliches Beispiel[3]:






Überzeugt das Ergebnis? Wer mit der Erwartungshaltung gestartet ist, den „alten Lappen“
auf das Niveau „fast kassenfrisch“ zu bringen, wird sicher enttäuscht sein. Wer jedoch die Verbesserung des Gesamteindrucks und vor allem die nachhaltige Stabilisierung des Erhaltungszustands der Banknote als werterhaltend ansieht, wird die Kosten der Restaurierung in diesem Fall für gut angelegtes Geld halten.
Meinung und Kommentare sind willkommen!
Dr. Sven Gerhard
Anmerkungen
Etwa bei Pick, Papiergeld Lexikon, München 1978 Stichworte „Reinigen von Geldscheinen“ und „Reparieren“, oder bei Grabowski/Mehlhausen, Handbuch Geldscheinsammeln unter „Reinigung und Pflege von Geldscheinen“ S. 174 ff.
https://www.abk-stuttgart.de/studienangebot/papierrestaurierung/
Die Restaurierung wurde durch die Werkstatt für Buch- und Papierrestaurierung Matthias Raum in Römerstein durchgeführt.



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