Stellungnahmen zur Embargo-Praxis von PayPal

Aktualisiert: März 11



Unser Blog-Beitrag zu Sperrung von Zahlungen für Waren aus US-Embargoländern durch PayPal stieß auf großes Interesse und es gingen bereits eine Reihe von Anmerkungen und Stellungnahmen dazu ein.


Unseren erwähnten Beitrag finden Sie hier:

https://www.geldscheine-online.com/post/vorsicht-bei-bestellungen-von-geldscheinen-im-internet


Stellungnahme des PayPal-Kundenservice

"Vielen Dank für Ihre Anfrage an PayPal. PayPal erfüllt eine Reihe behördlicher Vorschriften. Die PayPal-Nutzungsbedingungen erlauben es PayPal, eine Transaktion zu überprüfen und die Verarbeitung von Transaktionen zu verweigern, die gesetzlich verboten sind oder die möglicherweise gegen die Nutzungsrichtlinien verstoßen. Falls Sie noch andere Fragen haben, helfen wir Ihnen jederzeit gerne weiter. Viele Grüße PayPal-Kundenservice"


Stellungnahme eines erfahrenen Münzhändlers

"Hallo Herr Grabowski, solche Sperren und Löschungen sind schon länger bei Paypal und Ebay üblich. Noch grotesker wird es, wenn man sich mal den genauen Wortlaut der Embargoverordnung anschaut. Ausgenommen sind Münzen und Zahlungsmittel, aber auch Waren, die vor dem Embargo produziert wurden. Aber das interessiert Ebay und PayPal leider nicht, lässt sich wahrscheinlich nicht automatisch programmieren. Gruss Marinus Lass coins.de GmbH"


Stellungnahme des Berufsverbands des Deutschen Münzenfachhandels:

"Herr Becker hat mir Ihre Nachricht mit dem Link zu Ihrem Online-Artikel weitergeleitet, da wir die Mitgliederinformationen und Warnmeldungen hier in der Geschäftsstelle des Berufsverbandes bearbeiten. So berechtigt Ihre Kritik und Empörung über das Verhalten von PayPal ist, besteht das von Ihnen in Bezug auf kubanische Geldscheine angesprochene Problem schon seit Jahren. PayPal ist US-amerikanischer Konzern mit Sitz in den Vereinigten Staaten. Deshalb muss PayPal die Wirtschaftssanktionen, welche die USA über Länder wie Kuba, Nordkorea und den Iran verhängt hat, zwingend beachten und umsetzen. Dies setzt der Konzern auch bei der in Luxemburg ansässigen Europa-Tochter durch, obwohl diese EU-Recht unterliegt und Europa keine Sanktionen z.B. gegen Kuba verhängt hat. Deshalb können Artikel, welche ihren Ursprung in sanktionierten Ländern haben, nicht mittels PayPal bezahlt werden. Das ist nicht neu und nicht nur auf Geldscheine und Münzen beschränkt. Wenn Sie bei Google „PayPal Kuba“ als Suchbegriff eingeben, finden Sie seitenweise Berichte über mehrere Jahre zurück zu dieser Problematik. Auch haben Deutsche Gerichte schon zu Gunsten von PayPal-Nutzern entschieden, dass die Sperrung ihrer Konten durch PayPal nicht auf US-Sanktionen begründet werden darf – diese Deutschen Urteile lassen sich aber offenbar nicht durchsetzen. Jedenfalls ist das Thema keine neue Praxis von PayPal, wie von Ihnen dargestellt. Bei meinem früheren Arbeitgeber, dem Schaubek-Verlag hatten wir regelmäßig das Problem, wenn ein Sammler Vordruckblätter Kuba-Briefmarken bestellt und mit PayPal bezahlt hat. Der Prüfalgorithmus bei PayPal hat „Kuba“ erkannt und den Vorgang ausgefiltert. Nach wenigen Tagen wurde die Zahlung nach manueller Prüfung bei PayPal aber freigegeben, da der Artikel nicht kubanischen Ursprungs ist, sondern sächsischen. Diesen Unterschied hat man sogar bei PayPal inzwischen erkannt… Kurzum, ob Rum, Zigarren oder eben Geldscheine und Münzen, alles was in Kuba produziert wurde kann man nicht via PayPal bezahlen. Wir werden unsere Mitgliedsunternehmen im nächsten Rundschreiben hierauf explizit hinweisen und sensibilisieren. Leider können wir nicht mehr tun, als allen Händlern dringend zu empfehlen, für die Zahlung von Artikeln mit Herkunft / Ursprung aus US-Embargoländern die Zahlungsart PayPal zu deaktivieren. Mit freundlichen Grüßen Stefan Lutter, Geschäftsführer"


Anwort an den PayPal-Kundenservice

"Liebe Frau Rücker,

vielen Dank für Ihre Mail. Gestern habe ich in dem redaktionell von mir geleiteten Online-Magazin für Geldscheinsammler www.geldscheine-online.com einen Beitrag zum Verhalten von PayPal bezüglich Embargo-Ländern verfasst, der inzwischen mit einer Stellungnahme des Berufsverbands des Deutschen Münzenfachhandels ergänzt wurde. In unserer nächsten Ausgabe der Zeitschrift Münzen & Sammeln folgt ein entsprechendes Vorwort zur Information für unsere Leser.

Als Eine von vielen Reaktionen auf den Blog-Beitrag erhielt ich heute entsprechende Anmerkungen eines erfahrenen Fachhändlers, die ich Ihnen nicht vorenthalten möchte. Danach sind solche Sperrungen und Löschungen bei PayPal und Ebay schon länger üblich. Er schreibt: Noch grotesker wird es, wenn man sich mal den genauen Wortlaut der Embargoverordnung anschaut. Ausgenommen sind Münzen und Zahlungsmittel, aber auch Waren, die vor dem Embargo produziert worden.

Aber das interessiert EBay und PayPal leider nicht, weil es sich wohl nicht automatisch programmieren lässt.

Wenn sich PayPal also sogar im Rest der Welt an US- Embargos halten will, dann sollten auch die davon ausgenommenen Gelder und Waren ausgenommen bleiben. Vorauseilender Gehorsam hat schon manch Unheil in der Geschichte angerichtet!

Es wäre sinnvoll, wenn sich PayPal zu diesem Sachverhalt äußern würde. Unsere Empfehlung für Sammler und den Handel lautet derweil ganz klar, PayPal für Zahlungen zu meiden.

Danke und m.f.G."


PayPal und verbotene Staaten

Das läuft schon ewig bei PayPal, hat auch nichts mit Trump zu tun. Es gab schon vorher diese Probleme. Ich verkaufe Artikel aus diesen Ländern nur noch ausdrücklich innerhalb der EU unter generellem Ausschluss von PayPal. Das Problem ist, dass Kunden trotzdem diese Zahlungsmöglichkeit wählen und dadurch ungewollt die Händler in Schwierigkeiten bringen. Die Konten werden eingeschränkt und es werden reihenweise Unterlagen verlangt. Man kann das Verfahren nicht mal beenden indem man die von PayPal suspendierte Zahlung zurückweist. Das macht PayPal nach einigen Wochen. Bei MA haben wir eine Opt-Out-Möglichkeit für PayPal Zahlungen für Münzen aus bestimmen Ländern erreicht. Funktioniert sehr gut. Innerhalb der USA wird dieses Thema auch gerade unter Händlern diskutiert. Betrifft auch die Grading-Firmen.

Bei Versand in die USA kann man Münzen und Banknoten aus diesen Ländern nicht mitschicken. Betrifft übrigens auch Kongo bis zurück zu Belgisch Kongo. PayPal hat übrigens auch den Verkäufer- und Käufer-Schutz bei Anlage- und Goldmünzen abgeschafft. Bitte auch darauf hinweisen. Paypal ist dadurch eh innerhalb Deutschlands vollkommen überflüssig geworden. Wäre auch mal ein Artikel.

Mit freundlichen Grüßen

Thomas Pollandt

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