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- Aus privaten Sammlungen: 1 Dollar des Dominion Kanada vom 3.1.1911
Seit dem Beginn des 17. Jahrhundert ließen sich französische und kurz darauf auch englische Siedler im heutigen Staatsgebiet Kanadas nieder; aus den Kämpfen um die Vorherrschaft ging Großbritannien als Sieger hervor, und mit dem Frieden von Paris vom 10. Februar 1763 musste Frankreich den Großteil der Gebiete in Nordamerika abtreten. Nach jahrelangen Verhandlungen der Vertreter der britischen Kolonien und der britischen Regierung auf Konferenzen in Charlottetown, Québec und London wurde am 1. Juli 1867 mit Zustimmung von Königin Victoria das Dominion Kanada aus dem Zusammenschluss der drei Provinzen Kanada, Nova Scotia und New Brunswick gegründet. Weitere Kolonien Britisch-Nordamerikas – Prince Edward Island, Neufundland sowie die Vereinigten Kolonien von Vancouver Island und British Columbia – traten Kanada im Jahr 1873, 1949 bzw. bereits wenige Wochen nach der Gründung der Konföderation bei. Ab 1870 gab das Dominion Noten in zahlreichen Auflagen aus, die das Staatspapiergeld der Provinz Kanada von 1866 ablösten. Aus der Sammlung Karl Köhler: Dominion Kanada: 1 Dollar vom 3. Januar 1911 Vorderseite: mittig in zwei Medallions Porträts des kanadischen Generalgouverneurs Albert Grey und seiner Ehefrau Countess Grey. Rückseite: Parlamentsgebäude in Ottawa. Format: 185 mm x 85 mm Druckerei: American Bank Note Company, Ottawa. Katalogreferenzen: CAN-27b (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) DC-18a (Canadian Government Paper Money, 33rd Edition 2022) PMG-Grading : 102 Stück zum 10.03.2025 gegradet, 66EPQ (TOP POP, 4 Stück), 65EPQ (1 Stück), 64 (1 Stück) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com
- Aus privaten Sammlungen: 50 Neue Francs der Französischen Antillen von 1961
Die Französischen Antillen bestehen aus den französischen Überseegebieten Guadeloupe, Martinique, Saint-Martin und Saint-Barthélemy, wobei die letzteren beiden Gebiete bis 2007 Teil von Guadeloupe waren; heute gehören sie der Eurozone an. Nach der Einführung des Neuen Francs (Nouveau Franc) in Frankreich am 1. Januar 1960 mit einem Währungsschnitt von 1:100 wurden auch für die Französischen Antillen auf Neue Francs lautende Noten ausgegeben: Zunächst wurden überdruckte Scheine den letzten beiden Serien der Caisse Centrale de la France d'Outre-Mer – 1956 umbenannt in Institut d'Émission des Départements d'Outre-Mer – in Umlauf gegeben. Ab 1963 hieß die Währung nur noch Franc und die reguläre Emission der neuen Währung setzte ein. Abgelöst wurde das eigene Papiergeld der Französischen Antillen jedoch bereits im Jahr 1975 durch die Noten der Banque de France. Aus der Sammlung Karl Köhler: Französische Antillen, Institut d'Émission des Départements d'Outre-Mer: 50 Neue Francs auf 5000 Francs (1956) ohne Datum, Überdruck-Provisorium von 1961 Vorderseite: Frau hält Schale mit Früchten; Überdruck "CONTRE-VALEUR DE / 50 / NOUVEAUX FRANCS" über Wasserzeichen. Rückseite: Arbeiter auf Zuckerrohrplantage. Wasserzeichen: Kopf eines karibischen Mannes. Format: 196 mm x 107 mm Druck: Banque de France Umlauf: bis 28.1.1964 Katalogreferenzen: FAN-3a (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. III - Modern Issues) PMG-Grading : 16 Stück zum 10.03.2025 gegradet, 58 (TOP POP, 1 Stück), 35EPQ (1 Stück), 35 (2 Stück) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Aus privaten Sammlungen: 50 Türkische Livres von 1926
Nach dem Zusammenbruch des Osmanischen Reichs nach dem Ersten Weltkrieg führte die türkischen Nationalbewegung unter Führung von Mustafa Kemal Pascha einen Befreiungskrieg gegen die Besetzung und Fremdbestimmung des Landes. Nach dem Sieg der Türken im September 1922 kam es zu ethnischen Vertreibungen von Griechen aus der Türkei und von Türken aus Griechenland. Mit dem Vertrag von Lausanne konnte die Türkei die Bestimmungen des Vertrags von Sèvres von 1920 revidieren, bei dem es sich ebenso wie beim Versailler Vertrag mit dem Deutschen Reich und bei den beiden Verträgen von Saint-Germain mit dem damaligen Deutschösterreich und von Trianon mit Ungarn um einen sog. Diktatfrieden handelte. 1923 gründete Mustafa Kemal Pascha die moderne Türkei als Republik. Kemal leitete Reformen nach dem Vorbild westlicher Nationalstaaten ein (u. a. 1926 Abschaffung der islamischen Zeitrechnung und Einführung des metrischen Systems sowie 1928 Abschaffung der arabischen Schrift und deren Ersetzung durch die lateinische). Die ersten eigenen Geldscheine der Türkischen Republik waren Noten des Finanzministeriums über 1, 5, 10, 50, 100, 500 und 1000 Türkischen Livres, die ab Anfang Dezember 1927 in Umlauf kamen. Objekttyp: Staatspapiergeld Sammlung: Sammlung Karl Köhler Authentizität: Original Land/Region/Ort: Türkei Emittent: Ministerium der Finanzen Nominal: 50 Livres Datierung: Gesetzliche Grundlage von AH 1341 (1926) Umlauf: 5. Dezember 1927 bis 31. März 1948 Vorderseite: Druck Braun auf Hellblau. Rechts Porträt von Mustafa Kemal Atatürk (bis 1934: Mustafa Kemal Pascha, ab 1935: Kamâl Atatürk). Text in Türkisch in arabischen Schriftzeichen und Französisch. Rückseite: Druck Braun auf Hellblau. Stadtansicht von Afyonkarahisar (Afyon) mit Burgberg. Text in Türkisch in arabischen Schriftzeichen und Französisch. Unterschrift: Mustafa Abdülhalik Renda Wasserzeichen: Porträt von Mustafa Kemal Atatürk Format: 185 mm x 108 mm Material: Papier Druck: Thomas De La Rue, London Nummerierung: Serie 3, 014932 Zitate: TUR-122a (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II, General Issues) B104 (Owen W. Linzmayer: The Banknote Book: Turkey) PMG-Grading : 26 Stück zum 10.03.2025 gegradet, 55 (TOP POP, 1 Stück), 50 (1 Stück), 40 (1 Stück) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .
- Aus privaten Sammlungen: 1000 Francs der Banque Centrale des États de l'Afrique Équatoriale von 1963
Mit der Auflösung der Kolonie Französisch Äquatorialafrika am 30. November 1958 entstanden die vier neuen Republiken Gabun, Kongo, Tschad und die Zentralafrikanische Republik innerhalb der Communauté française; ihre Unabhängigkeit erlangten diese Staaten endgültig im sog. "Afrikanischen Jahr" 1960. Gemeinsam mit dem assoziierten Kamerun gingen die vier neuen Republiken eine Währungsunion ein: Ab 1961 gab die Banque Centrale des États de l'Afrique Équatoriale et du Cameroun Noten im CFA-Franc (Franc de la C oopération F inancière en l' A frique Centrale) aus. 1963 erfolgte die erste Umbenennung in die Banque Centrale des États de l'Afrique Équatoriale, 1972 wurde der Bankname abermals geändert in die Banque des États de l'Afrique Centrale; seit 1984 ist auch Äquatorialguinea Teil der Währungsunion. Objekttyp: Banknote Sammlung: Sammlung Karl Köhler Authentizität: Original Land/Region/Ort: Äquatorialafrikanische Staaten, Zentralafrikanische Republik Emittent: Banque Centrale des États de l'Afrique Équatoriale Nominal: 1000 Francs Datierung: ohne Datum (1963) Vorderseite: Dorfmarkt mit Körben voller Rohbaumwolle. Rückseite: Männer beim Holzfällen und Holztransport. Format: 160 mm x 114 mm Material: Papier Wasserzeichen: weiblicher Kopf Druck: Banque de France Nummerierung: Serie V.2, Ländercode B, Nummer 22251 Zitate: EAS-5b (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – Modern Issues) B203b (Owen W. Linzmayer, The Banknote Book – Equatorial African States) PMG-Grading : 6 Stück zum 10.03.2025 gegradet, 67EPQ (TOP POP, 2 Stück), 66EPQ (2 Stück), 64EPQ (1 Stück) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .
- Aus privaten Sammlungen: 20 Shillings des West African Currency Board von 1954
Neben Deutschen und Franzosen waren die Briten eine der drei großen Kolonialmächte, die sich in Westafrika etabliert hatten. Die dortigen britischen Besitzungen unterlagen im 19. Jahrhundert als Britisch-Westafrika einer gemeinsamen Verwaltung mit Sitz in Freetown in Sierra Leone. Die Einheitswährung, das Westafrikanische Pfund, entstand offiziell jedoch erst nach dem Ende Britisch-Westafrikas als Zusammenschluss der Territorien Gambia, Goldküste (heutiges Ghana), Nigeria und Sierra Leone; ab 1916 schloss sich auch der im Zuge des Ersten Weltkriegs neu an Großbritannien übergegangene Teil der ehemaligen deutschen Kolonie Kamerun an die Gemeinschaftswährung an. 1912 wurde der West African Currency Board mit Sitz in London gegründet; seine Aufgabe war die Emission von Münz- wie auch Papiergeld für das bereits seit zweieinhalb Jahrzehnten aufgelöste Britisch-Westafrika. Nach der Erlangung der Unabhängigkeit in den 1960er Jahren wurde in den ehemaligen kolonialen Gebieten das Westafrikanische Pfund abgelöst durch die eigenen Währungen: Gambisches Pfund, Ghanaisches Pfund, Nigerianisches Pfund, Leone sowie CFA-Franc in Kamerun. Die Noten dieser Serie zeigen auf der Vorderseite die Flusslandschaft des Niger mit Palmen, während auf der Rückseite Bauern bei der Ernte verschiedener typischer landwirtschaftlicher Erzeugnisse dargestellt sind. Objekttyp: Banknote Sammlung: Sammlung Karl Köhler Authentizität: Original Land/Region/Ort: Britisch-Westafrika Emittent: West African Currency Board Nominal: 20 Shillings Datum: 1. März 1954 Vorderseite: Palmenlandschaft am Nigerufer Rückseite: Fünf Arbeiter bei Kakaoernte Wasserzeichen: Elefantenkopf Format: 153 mm x 83 mm Druck: Waterlaw & Sons Limited, London Material: Papier Nummerierung: D/N 579350 Zitate: BWA-10 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) B110b (Owen W. Linzmayer, The Banknote Book – British West Africa) PMG-Grading : 89 Stück zum 10.03.2025 gegradet, 67EPQ (TOP POP, 4 Stück), 66EPQ (13 Stück), 65EPQ (9 Stück) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .
- Aus privaten Sammlungen: 1 Balboa der Zentralbank Panamas von 1941
Durch die Conquista wurde das Staatsgebiet des heutigen Panama Anfang des 16. Jahrhunderts von Spanien erobert und kolonialisiert. 1821 konnte sich Panama ohne Blutvergießen von der spanischen Herrschaft lösen und war nun Teil Großkolumbiens. Im Jahr 1903 erlangte Panama seine Unabhängigkeit – mit Hilfe der USA, die sich sogleich die Hoheitsrechte über den späteren Panamakanal und somit großen Einfluss über den neu gegründeten Staat sicherten. Erst Ende 1999 übertrugen die USA die Rechte schlussendlich an Panama; der Kanal stellt bis heute die wichtigste Einnahmequelle von Panama dar, das mittlerweile als eines der reichsten Länder Lateinamerikas gilt. 1941 wurde unter dem Präsidenten Arnulfo Arias die Banco Central de Emisión de la República de Panamá gegründet und es kam zur ersten und zugleich letzten Ausgabe von Balboa-Banknoten in den Nominalen zu 1, 5, 10 und 20 Balboas. Der Gebrauch dieser Scheine anstelle der in Panama umlaufenden US-Dollars-Noten sollte die Abhängigkeit des Landes von den USA verringern. Als Motiv wurde der spanische Conquistador Vasco Núñez de Balboa gewählt, der als erster Europäer im Jahr 1513 den Pazifischen Ozean vom amerikanischen Kontinent aus erreichte; der Namensgeber für die seit der Unabhängigkeit Panamas gültige Landeswährung ziert bis heute auch alle panamaischen Münzen mit nur wenigen Ausnahmen. 6.000.000 Balboas war die Bank berechtigt auszugeben; davon kamen am 2. Oktober 1941 jedoch nur 2.700.000 in Umlauf. Nur eine Woche später, am 9. Oktober 1941, wurde Präsident Arias durch einen von den USA unterstützten Militärputsch gestürzt. Die Bank wurde aufgelöst, die Balboa-Noten wurden eingezogen und bis auf wenige Ausnahmen vernichtet. Aufgrund der äußerst kurzen Umlaufdauer werden diese seltenen Scheine auch als "Arias Seven Day"-Noten bezeichnet. Arias bekleidete später noch von 1949 bis 1951 sowie im Jahr 1968 das Amt des Staatspräsidenten; alle seiner drei Amtszeiten wurden durch einen Militärputsch beendet. Objekttyp: Banknote Sammlung: Sammlung Karl Köhler Authentizität: Original Land/Region/Ort: Republik Panama Emittent: Banco Central de Emisión de la República de Panamá Nominal: 1 Balboa Datierung: Serie 1941 Umlauf: 2. bis 9. Oktober 1941 Vorderseite: Mittig Büste des Vasco Núñez de Balboa im Medaillon, flankiert von zwei Wertzahlen; Legende in spanischer Sprache, Guillochen. Unterschriften: Arango / Linares Rückseite: Staatswappen; Guillochen. Format: 158 mm x 67 mm Material: Papier Wasserzeichen: ohne Druck: Hamilton Banknote, New York. Nummerierung: 022533 Zitate: PAN-22a (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. I – General Issues) B201a (Owen W. Linzmayer, The Banknote Book – Panama) PMG-Grading : 222 Stück zum 10.03.2025 gegradet, 66EPQ (TOP POP, 3 Stück), 64EPQ (1 Stück), 64 (4 Stück) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .
- Aus privaten Sammlungen: 5 Francs der Dänisch-Westindischen Nationalbank von 1905
Im 17. Jahrhundert entstanden die ersten dänischen Siedlungen in der Karibik. Bereits 1493 waren auf der zweiten Reise des Kolumbus der erste Kontakt wie auch die ersten gewaltsamen Auseinandersetzungen der Ureinwohner mit Europäern mit anschließenden Niederlassungsversuchen von spanischer, englischer, niederländischer und französischer Seite erfolgt. Zunächst waren die dänischen Siedler nur mäßig erfolgreich und wandten sich auch der Piraterie zu; 1754 wurden die Besitzungen der Dänischen Westindien-Guinea-Kompanie der dänischen Krone übergeben. Zwei Jahre später war die Kompanie durch finanzielle Schwierigkeiten zur Auflösung gezwungen. 1917 wurden die karibischen Kronkolonien Dänemarks für 25 Millionen Dollars an die Vereinigten Staaten verkauft. Dem gingen jahrelange Verhandlungen und – aufgrund heftiger Proteste der dänischen Nationalisten – die erste Volksabstimmung Dänemarks am 14. Dezember 1916 voraus, bei der die Mehrheit für den Verkauf stimmte. Objekttyp: Banknote Sammlung: Sammlung Karl Köhler Authentizität: Original Land/Region/Ort: Dänisch-Westindien Emittent: Den Dansk-Vestindiske Nationalbank Nominal: 5 Francs Datum: 1905 Vorderseite: Links im Medaillon Büste des Königs Christian IX., rechts Bananenstaude Rückseite: Küstenlandschaft mit Ansicht von Charlotte Amalie, der ehemaligen Hauptstadt Dänisch-Westindiens (benannt nach Charlotte Amalie von Hessen-Kassel, der Gemahlin von König Christian V. von Dänemark-Norwegen) und heutige Hauptstadt der Amerikanischen Jungferninseln auf Saint Thomas. Druck: Bradbury, Wilkinson & Co., London Nummerierung: No. 128,387 Zitate: • DWI-17 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) PMG-Grading : 29 Stück zum 13.10.2023 gegradet, 58 (TOP POP, 2 Stück), 50 (1 Stück), 35EPQ (1 Stück) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus einer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .
- Lexikon: Kurantgeld
Als Kurantgeld (lat. currere = [um]laufen) wurden im 19. Jahrhundert sog. Umlaufgeld und als solches gesetzliche Zahlungsmittel bezeichnet, die in jeder Höhe und von Jedermann in Zahlung genommen werden mussten. Preussen, Königreich Königreich Preussen, Hauptverwaltung der Staatsschulden: Königlich preussische Kassen-Anweisung über 1 Thaler Courant vom 2. November 1851, Vorderseite, Sammlung Beerenwinkel. Königreich Preussen, Hauptverwaltung der Staatsschulden: Königlich preussische Kassen-Anweisung über 1 Thaler Courant vom 2. November 1851, Rückseite, Sammlung Beerenwinkel. Reuss ältere Linie, Fürstentum Fürstenthum Reuss ältere Linie: Staaspapiergeld über 1 Thaler Courant laut Gesetz vom 22. April 1863, Vorderseite, Sammlung Beerenwinkel. Fürstenthum Reuss ältere Linie: Staaspapiergeld über 1 Thaler Courant laut Gesetz vom 22. April 1863, Rückseite, Sammlung Beerenwinkel. Auf sog. altdeutschen Banknoten und Kassenscheinen aus dem 19. Jahrhundert findet sich oft der Währungszusatz "Courant" bei Thaler-Scheinen der norddeutschen Staaten, um den Charakter des Geldscheins als öffentliches Zahlungsmittel zu unterstreichen. Beispiele: Anhalt-Bernburg: Anhalt-Bernburgische Staatsschulden-Tilgungs-Commission 1850-1852 Anhalt-Cöthen: Anhalt-Cöthensche Rentkammer 1829 Anhalt-Dessau: Anhalt-Dessauische Landesbank 1847 Braunschweig: Herzoglich Braunschweig-Lüneburgische Leihhaus-Commission 1813-1842 Hannover: Hannoversche Bank 1857 Mecklenburg-Strelitz: Großherzoglich Mecklenburgische Finanz-Commission 1866-1869 Preussen: Hauptverwaltung der Staats-Schulden 1824-1856 Sachsen-Meiningen: Mitteldeutsche Creditbank 1856 Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abbildungen: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte
- COINSTORE E-LIVE 9 zu Banknoten startet am 30. März 2025: Vorschau
Am 29. März 2025 startet die 9. E-Live-Auktion des jungen lettischen Münzhandels- und Auktionshauses COINSTORE mit Teil I zu Münzen. Medaillen und Token (Lose 1 bis 499). Am Tag darauf, Sonntag dem 30. März, beginnt um 10 Uhr mit insgesamt über 900 Losen der Banknotenteil (Lose 500 bis 1.407). Internet: www.coinstore.lv Zur Auktion: https://rcoinstore.com/auctions/5-1OPUGD/coinstore-e-live-9-auction-coins-medals-and-banknotes Zum Start des Banknoten-Teils: https://rcoinstore.com/auctions/5-1OPUGD/coinstore-e-live-9-auction-coins-medals-and-banknotes?page=14&limit=36 Neben dem Startpreis ist der aktuelle Stand der Gebote bei jedem Los sichtbar! Nachstehend eine kleine Auswahl zu den angebotenen Geldscheinen: Lot 522: Bermuda, Bermuda Governments, 5 Shillings, 1957, XF, Pick: 18b Up for sale is a Bermuda Government 5 Shillings banknote issued on May 1, 1957. This stunning vintage note features a portrait of Queen Elizabeth II in the center, intricate designs, and beautiful purple-brown tones. The note is marked with serial number A/2 492019 and is signed by the Colonial Treasurer and Assistant Colonial Treasurer. Starting Bid: € 93 Lot 635: Czechoslovakia / Republic, 50 Korun, 1948, Gem UNC 65 EPQ, Pick: 66a Up for sale is a Czechoslovakia 50 Korun banknote, issued in 1948, graded PMG 65 EPQ Gem Uncirculated. This exceptional note features a portrait of Milan Rastislav Štefánik, a Slovak politician, diplomat, and general, on the right side. The note is beautifully designed with green and beige tones, displaying intricate patterns and historical significance. Starting Bid: € 297 Lot 757: French Somaliland, Tresor Public, 100 Francs - Djibouti, 1952, Superb Gem UNC 68 EPQ, TOP POP, Pick: 26 Available for purchase is a rare French Somaliland (Djibouti) 100 Francs banknote, issued in 1952, graded PMG 68 EPQ Superb Gem Uncirculated. This stunning note features a beautifully intricate design with vibrant colors, showcasing a unique representation of French colonial-era currency. Starting Bid: € 595 Lot 771: Germany, Reichsbanknote, 1000 Reichsmark, 1936, Choice UNC 64, Pick: 184 This rare 1936 Germany 1000 Reichsmark banknote is graded PMG 64 Choice Uncirculated, ensuring its exceptional quality and preservation. The note remains crisp, with sharp details, vibrant colors, and no significant signs of wear. A valuable piece for collectors of historical German currency, this banknote represents a period of economic transition in pre-WWII Germany. Starting Bid: € 238 Lot 944: Latvia, Latvijas Banka, 500 Latu, 2008, Superb Gem UNC 67 EPQ, Pick: 58 This 2008 Latvia 500 Latu banknote is a rare and highly sought-after piece, graded PMG 67 Superb Gem Uncirculated, signifying nearly flawless condition. With exceptional paper quality, perfect centering, and sharp embossing, this note is a true collector’s gem. Starting Bid: € 2.210 Lot 1007: Malawi, Reserve Bank, 20 Kwacha, 1986, Choice UNC 64 EPQ, Pick: 22a Starting Bid: € 323 Lot 1023: Oman, Sultanate of Muscat & Oman, 5 Rials Saidi, 1970, Gem UNC 65 EPQ, Pick: 5a Starting Bid: € 595 Lot 1106: Russia, State Credit Note, 1 Ruble, 1898 (1898-1903), Gem UNC 66 EPQ, TOP POP, Pick: 1a Starting Bid: € 680 Lot 1188: Russia, State Currency Note, 3 Rubles, 1925, Gem UNC 66 EPQ, TOP POP, Pick: 189 Starting Bid: € 850 Lot 1405: Yugoslavia, 100 Lir, 1944, Gem UNC 65 EPQ, SPECIMEN, Pick: R22s Starting Bid: € 425 Zur Auktion: https://rcoinstore.com/auctions/5-1OPUGD/coinstore-e-live-9-auction-coins-medals-and-banknotes Zum Start des Banknoten-Teils: https://rcoinstore.com/auctions/5-1OPUGD/coinstore-e-live-9-auction-coins-medals-and-banknotes?page=14&limit=36 COINSTORE INFO: www.coinstore.lv auction.coinstore.lv service@coinstore.lv ☎ +371 25370706 SIA COINSTORE | Reg.Nr . 40203071934 Pils laukums 4 Centra rajons, Rīga, Latvia LV-1050
- Das erste Reichspapiergeld: Die Reichskassenscheine vom 11. Juli 1874
„Die Ausgabe einer ungedeckten Banknote ist anerkanntermaßen eine Münzfälschung...“ [1] Starke Worte, die der Abgeordnete Otto von Löe von der Zentrumspartei in der ersten Beratung im Reichstag zum Münzgesetz am 29. März 1873 fand. Nur Münzgeld ist echtes Geld. Papiergeld, das sich seit der napoleonischen Zeit langsam in Deutschland verbreitet hatte, wurde von vielen als Übel wahrgenommen. Papiergeld war schnell gedruckt und hatte keinen bedeutenden Eigenwert. Inflation und Geldentwertung ließen wenig Vertrauen in diese Form von Geld entstehen. Zwar veränderte sich die Situation nach 1848 und Papiergeld verbreitete sich stärker in Deutschland, doch wurden einige Gebiete regelrecht überschwemmt. Von vielen Politikern und Fachleuten wurde eingesehen, dass das Papiergeld reguliert werden musste, wenn nicht sogar ganz aufgegeben. Obwohl die Geldpolitik der Preußischen Bank im Vergleich zu vielen anderen Banken als solide angesehen werden kann, griff Otto von Löe in seiner Rede die Preußischen Bank auch als Stellvertreter Preußens an, wie es von einem Politiker der Zentrumspartei erwartet wurde: „Wir sehen nun in der Preußischen Bank einen Großfalschmünzer, ausgestattet mit einer unbeschränkten Kreditbegnadigungsbefugnis als allgütigste, allmächtigste Vorsehung über den kreditsuchenden Sterblichen walten. Der unversiegbare Gnadenstrom seiner Kreditbewilligung findet seine Quelle in jenem unerschöpflichen Papierballen, den die eine Hand vermöge der unbeschränkten Banknotenpresse ebenso rasch füllt, als ihn die andere behufs Kreditbewilligung leert. Diesen Großfalschmünzer in der Preußischen Bank, diesem Vater der Notleidenden, den huldigt in ewiger Anbetung eine täglich wiederkehrende Pilgerschar aus dem Stande der Großkapitalisten, der Großwucherer, der Großindustriellen und Großfabrikanten, während von diesem einträglichen Kultus das ganze kleine Gewerbe, der ganze große und kleine Grundbesitz und der ganze Arbeiterstand herzlos ausgeschlossen ist. Wenn dieses Bild der Wirklichkeit entspricht, dann werden Sie mir zugeben, daß die preußische Bankbehörde, mithin die preußische Regierung ein lebhaftes Interesse hat an der Aufrechthaltung dieser Münzfälschungsanstalt, da ihr diese Banknotenpresse die Mittel zu dem Kultus gewährt.“ Mit versöhnlicheren Worten brachte er seine Bedenken auf den Punkt. Die finanzstarken Unternehmen und Persönlichkeiten wurden nach seiner Sicht zu stark gefördert, während Mittel- und Arbeiterschicht, sowie die Grundbesitzer leer ausgingen. Die wirtschaftlichen Verhältnisse wurden zugunsten des Kapitals verschoben, Gleichheit und Gerechtigkeit vernachlässigt: „Ich gönne nun der preußischen Bankbehörde diesen Kultus, da ich für Kultusfreiheit bin; die Mittel jedoch, welche sich die preußische Regierung verschafft vermöge der Banknotenpresse, üben nicht nur an sich, wie bereits einer der Herren Vorredner richtig hervorgehoben hat, eine gewaltige und unberechenbare Störung auf dem Gebiete der wirtschaftlichen und münzlichen Verhältnisse aus, sondern die Art der Verwendung dieser Mittel ist ein Hohn auf die Grundsätze der Gleichheit und Gerechtigkeit. …“ Wir haben hier einen deutlichen Appell Otto von Löes, das Papiergeld mit dem Münzgesetz neu zu ordnen. Das Münzgesetz sollte die zweite Stufe der Münz- und damit Währungsreform, die mit Gesetz betreffend der Ausprägung von Reichsgoldmünzen vom 4. Dezember 1871 begonnen wurde, in die Wege leiten und die Reform abschließen. Im ersten Entwurf dieses Gesetzes wurden jedoch Banknoten und Papiergeld gar nicht erst erwähnt, obwohl der Abgeordnete Ludwig Bamberger noch ein Jahr zuvor die Bundesregierung darauf verwies, dass Münz- und Bankgesetz, wenn auch mit großen Schwierigkeiten, zusammengehören. Dies sei vom Präsidenten des Bundeskanzleramtes damals anerkannt worden. [2] So fordert er, dass das Münzgesetz auch die Ausgabe von Banknoten und Papiergeld regelt: „Dem Drängen nach Vorlage eines Banknoten-Gesetzes sind die Vertreter der Reichsregierung mit dem Einwände begegnet, daß der Zusammenhang zwischen der Münzreform, zwischen dem Münzgesetze und einem Banknotengesetze so innig sei, daß die Einbringung beider gleichzeitig erfolgen müsse. Leider hat uns die Reichsregierung nicht durch diese verheißene legislatorische Zwillingsgeburt erfreut. Ich ziehe daraus den Schluß, daß die Überzeugung von der Notwendigkeit dieser gleichzeitigen Einbringung bei der Reichsregierung schwächer geworden ist. Bei mir ist die Überzeugung von dieser Notwendigkeit im Gegenteil sehr viel stärker geworden, namentlich angesichts der preußischen Banknotenfabrik und deren Tätigkeit.“ Das Münzgesetz wurde als zweite Stufe der Einführung der Goldwährung mit der Mark als Währungseinheit vorgelegt, um so die Münzreform abzuschließen. So hatte der Entwurf den Zweck, „im Anschluß an das Gesetz, betreffend die Ausprägung von Reichsgoldmünzen, vom 4. Dezember 1871 (Reichsgesetzbl. S. 404) die Ausprägung der nicht in Golde herzustellenden Münzen des Marksystems anzuordnen und die gesamte künftige Münzverfassung Deutschlands auf der Grundlage der Reichsgoldwährung und Markrechnung definitiv zu regeln, auch den Übergang so zu ordnen, daß das neuere Münzsystem sobald als irgend möglich ins Leben treten kann“. [3] Karl Helfferich sah in seiner Habilitationsarbeit von 1898, „Die Reform des deutschen Geldwesens“, den Grund dafür, dass Teile der Geldreform wie die Regelung des Papiergelds fehlten, weil die Reform des gesamten deutschen Geldwesens ein so großer Komplex von gesetzgeberischen Aufgaben sei, dass an ihre gleichzeitige Lösung unmöglich zu denken war. So stark der innere Zusammenhang zwischen den wichtigsten Teilen dieser Aufgabe, der eigentlichen Münzreform, der Ordnung des Staatspapiergeldes und der Regelung der Notenfrage auch war, jeder dieser Teile sei eine große Aufgabe für sich und müsse für sich durch einen eigenen Akt der Gesetzgebung erledigt werden. Namentlich die Münzreform und die Notenbankfrage stellten an die Reichsregierung und den Reichstag die größte Anforderung an Zeit und Arbeitsleistung. [4] Es galt, einerseits die Gegner des Papiergeldes zu überzeugen, das Papiergeld wirtschaftlich notwendig war, anderseits die verschiedenen Ansichten, die es zu den Problemen und möglichen Lösungen gab, zusammenzufassen und in einem Gesetz einen akzeptablen Kompromiss zu finden. Der einfachere Teil betraf die kleinen Notenabschnitte. Hier waren sich die meisten, die das Papiergeld als Zahlungsmittel akzeptierten, aber eine Reform des Notenumlaufs unabdingbar sahen, einig. Ein großer Teil der Missstände des Papierumlaufs habe seine Ursache in den Mängeln der metallischen Zirkulation. Das Übermaß der kleinen Zettel wurde darauf zurückgeführt, dass zu wenig Gold zirkulierte. Man stimmte darin überein, dass die kleinen Noten, und zwar nicht nur die auch unter der Silberwährung entbehrlichen Eintalerscheine, zu beseitigen seien. Da aber, solange kein genügender Goldumlauf vorhanden war, das Bedürfnis des Verkehrs nach bequemen Zahlungsmitteln für Beträge von etwa fünf Talern aufwärts Papierscheine erforderte, konnten diese Zettel erst nach der Herstellung einer Goldzirkulation beseitigt werden. [5] Weitaus wichtiger als die Erwägungen zu den kleinen Noten sei jedoch der Umstand, dass innerhalb des Bundesrates über die Errichtung einer Reichsbank die Meinungen soweit auseinander gingen, dass eine rasche Einigung nicht erwartet werden konnte. Bambergers Vorschlag, dass das Münzgesetz auch die Ausgabe von Papiergeld und Banknoten regeln sollte, hätte die Münzreform ins Ungewisse verschoben. Dieser Grund veranlasste Delbrück, bereits vor der Reichsgründung beim Bundesrat darauf zu dringen, vor allen Dingen die Erledigung der Münzfrage vorzunehmen und die Reform des Papiergeldes und der Notenbanken vorläufig zurückzustellen. [6] Entsprechend fehlte im ersten Entwurf zum Münzgesetz von 1873 die Reform des Papiergeldes. Begründet wurde es damit, dass erst genügend Goldmünzen im Umlauf sein müssen, bevor die Papiergeldreform angegriffen werden könne. [7] So konnte gut argumentiert werden, solange nur ein kleiner Teil an Goldmünzen geprägt war. Im April 1873 waren es rund 600 Millionen Mark, die als Goldmünzen zu 10 und 20 Mark als Kronen- und Doppelkronenstücke bereit standen. Diese Menge wurde als ausreichend angesehen, um den zweiten gesetzgeberischen Schritt zu wagen, die neue gemeinsame Münzverfassung endgültig zu ordnen. Die Silberkurantmünzen wie die Taler- oder Guldenstücke der Landeswährungen sollten durch Scheidemünzen in der neuen Markwährung ersetzt werden. Die neuen, einheitlichen Scheidemünzen waren zu definieren. In einer festzulegenden Übergangszeit waren alte und neue Münzen gemeinsam im Verkehr. Hierfür waren die alten Münzen nach der neuen Währung zu bewerten und dieser Kurs festzuschreiben, damit es keinen Streit bei Zahlungen mit alten Münzen im neuen System gäbe. In der ersten Lesung wurde bemängelt, dass das Papiergeld im Entwurf nicht geregelt werde und das Gesetz so abzulehnen sei. [8] Da sich das Gremium dagegen entschied, das Münzgesetz und notwendige Änderungen in einem Ausschuss zu beraten, musste es in die zweite Lesung gehen. Um den Abgeordneten genügend Zeit zu geben, sich auf die Debatte vorzubereiten, wurde die zweite Lesung erst einen Monat später abgehalten. Vom 24. bis zum 26. April 1873 stand die dann auf der Tagesordnung. In der zweiten Lesung kam der Abgeordnete August Braun der Nationalliberalen direkt auf den Punkt: Der Entwurf des Münzgesetzes erwähne weder Banknoten noch Staatspapiergeld. Dabei lagen Beschlüsse des Reichstages für den Bundesrat vor, die Papiergeldfrage zu regeln. Hierbei bezog er sich auf das Banknotensperrgesetz für den Norddeutschen Bund vom 16. Juni 1870 und eine Resolution vom 13. November 1871 zum Münzgesetz vom 4. Dezember 1871. In der Resolution ging es darum, die einheitliche Reichswährung einzuführen. Der Abgeordnete forderte, dass der Reichstag den Herrn Reichskanzler ersuche , dem Reichstag bald tunlichst eine Gesetzesvorlage zu machen, welche die Ausgabe, beziehungsweise Einziehung von Staatskassenscheinen regelt. [9] Nach der zweiten Lesung des Gesetzes wurde eine neue Fassung vorgelegt, die mit dem Artikel 18 die Reform des Papiergeldes anging. „Artikel 18 (erste Fassung): Bis zu einem vom Reichskanzler mit Zustimmung des Bundesrates und zwar spätestens auf den 1. Januar 1875 festzustellenden Termine sind sämtliche nicht auf Reichswährung lautenden Noten der Banken einzuziehen. Von diesem Termine an dürfen nur solche Banknoten, welche auf Reichswährung in Beträgen von nicht weniger als 100 Mark lauten, in Umlauf bleiben oder ausgegeben werden. Dieselben Bestimmungen gelten für das Staatspapiergeld und für die bis jetzt von Korporationen ausgegebenen Scheine.“ [10] Am 8. Mai 1873 fand die dritte Lesung statt. Noch war nicht entschieden, ob man nicht auch ohne Papiergeld auskommt. Der preußische Finanzminister Otto Camphausen bezog Stellung zu Gunsten des Papiergeldes: „Meine Herren! Wir können Gesetze machen, wie wir wollen; die Sitten und Gewohnheiten ändern wir nicht mit einem Schlage. Deutschland hat sich an ein kleines Papiergeld mehr gewöhnt als billig; ich bin sehr dafür, daß es von dieser Gewohnheit mehr und mehr zurückgebracht werde, aber, meine Herren, es hat sich daran gewöhnt und es würde, glaube ich, keine richtige Politik sein, ihm das Opfer zuzumuten, dieser Gewährung vollständig zu entsagen, auf die Erleichterungen des Verkehrs, die durch den Gebrauch von kleinem Papiergeld zu erlangen sind, vollständig zu verzichten und dabei diese Verzichtleistung noch mit einem in der letzten Instanz doch die Steuerpflichtigen treffenden Opfer von 2 Millionen zu erkaufen. Ich bin daher auf das Lebhafteste davon durchdrungen, daß wir das Papiergeld nicht vollständig aufgeben sollten.“ [11] Ob er mit diesem Plädoyer die Weichen für das Staatspapiergeld gestellt hat, ist nicht bekannt. Anfang Mai 1873 wurde der erste Gesetzentwurf betreffend der Ausgabe von Reichskassenscheinen erstellt [12] und in der Sitzung des Bundesrates am 12. Juni 1873 zur Beratung vorgelegt. [13] Dem Direktor der königlich-preußischen Staatsdruckerei, Carl Busse, wurde am 31. Mai 1873 Bericht erstattet, worauf Entwürfe zu einem Reichskassenschein zu 5 Mark und einer Banknote zu 100 Mark angefertigt wurden. [14] Am 23. Juni 1873 wurde die dritte Lesung fortgesetzt und der Artikel 18 und die damit verbundene Ausgabe von Papiergeld intensiv beraten. Er fand sein endgültige Form und ebnete den Reichsbanknoten und Reichskassenscheinen den Weg: Artikel 18 Bis zum 1. Januar 1876 sind sämtliche nicht auf Reichswährung lautenden Noten der Banken einzuziehen. Von diesem Termine an dürfen nur solche Banknoten, welche auf Reichswährung in Beträgen von nicht weniger als 100 Mark lauten, in Umlauf bleiben oder ausgegeben werden. Dieselben Bestimmungen gelten für die bis jetzt von Korporationen ausgegebenen Scheine. Das von den einzelnen Bundesstaaten ausgegebene Papiergeld ist spätestens bis zum 1. Januar 1876 einzuziehen und spätestens sechs Monate vor diesem Termine öffentlich aufzurufen. Dagegen wird nach Maßgabe eines zu erlassenden Reichsgesetzes eine Ausgabe von Reichspapiergeld stattfinden. Das Reichsgesetz wird über die Ausgabe und den Umlauf des Reichspapiergeldes, sowie über die den einzelnen Bundesstaaten zum Zweck der Einziehung ihres Papiergeldes zu gewährenden Erleichterungen die näheren Bestimmungen treffen. [15] Mit dem Gesetz vom 30. April 1874, fast ein Jahr nach dem ersten Entwurf des Gesetzes, wurde die Maßgabe für die Reichskassenscheine geschaffen. [16] Im ersten Entwurf waren die Wertstufen zu 5, 25 und 50 Mark vorgesehen. Es war vorgegeben worden, dass der Nennwert des höchsten auszugebenden Reichskassenscheins genügend vom niedrigsten zulässigen Nennwert der Banknoten entfernt und keiner der Abschnitte auf dem gleichen Wert lautet wie die Hauptmünzen der neuen Währung. In der zweiten Lesung des Gesetzentwurfs am 18. April 1874 entschied sich der Reichstag gegen einen Reichskassenschein zu 25 Mark und für einen zu 20 Mark. Der 25-Mark-Schein wirke eher störend neben der Goldmünze zu 20 Mark. [17] Die ersten Entwürfe für den Reichskassenschein zu 5 Mark und der Reichsbanknote zu 100 Mark wurden zusammen mit einer Papierprobe für die Banknote zu 100 Mark am 3. Juli 1873 vom Direktor der königlich-preußischen Staatsdruckerei Carl Busse dem preußischen Finanzministerium zugesandt. [18] Der 5-Mark-Schein sollte in der Größe an die preußische Kassenanweisung zu 1 Taler angepasst werden und etwa 125 mm x 80 mm betragen. Für den Reichskassenschein zu 25 Mark war die gleiche Größe wie für die preußische Banknote zu 10 Taler (140 mm x 90 mm) vorgesehen, während man sich für den 50-Mark-Schein an der Banknote zu 25 Taler mit 150 mm x 100 mm orientierte. Für die Reichskassenscheine benötige man etwa vier Monate pro Sorte ab der Bestellung, um sie vorzubereiten. Innerhalb von zwölf Monaten könnten die drei Sorten in den Druck gehen. Für die Banknoten wären aufgrund der größeren Dimensionen sechs Monate Vorarbeit nötig. Bis zum 1. Januar 1876 könnten so in den vorgesehenen Abschnitten eine Milliarde Mark in 3,275 Millionen Scheinen angefertigt werden. Abb. 1: Blatt mit Entwurf eines 5 Mark RKS 1873, Quelle Bundesarchiv R1401/ 1268 Bl. 15. Abb. 2: Ausschnitt mit Signatur und Datum aus Blatt mit einem Entwurf eines 5 Mark Reichskassenscheins von 1873, Quelle Bundesarchiv R1401/ 1268 Bl. 15. Der Entwurf zur Vorder- und Rückseite des Reichskassenscheins zu 5 Mark ist in Abb. 1 bis 4 zu sehen. [19] Das Blatt trägt rechts unten die Signatur des Direktors der königlich-preußischen Staatsdruckerei Carl Busse mit dem Datum 6/73 (Juni 1873) und belegt ihn als führenden Autor dieses Entwurfs. Abb. 3: Entwurf 5 Mark RKS 1873 Vorderseite, Quelle Bundesarchiv R1401/1268 Bl. 15. Auf der Vorderseite ist im linken Drittel ein rechteckiges Feld abgeteilt, in dem der Reichsadler im Blätterkranz unter der Kaiserkrone zu sehen ist. Unter dem Reichsadler befinden sich zwei sitzende Knaben, die mit Insignien des Handels (Merkurhelm mit Flügeln und Merkurstab, rechts) und der Industrie und des Verkehrs (Hammer und Eisenbahn-Rad, links) ausgestattet sind. Im rechten Feld, das Zweidrittel der Vorderseite ausmacht, ist im Kopf in einem gesonderten Rahmen das Wort „Deutscher Reichskassenschein“ aufgeführt. Darunter befindet sich gleich der Platz für die Serie und die Kontrollnummer unter der sich die Wertangabe „Fünf Mark“ in Antiqua-Schrift anschließt. Darunter steht der Hinweis „vollgültig in allen Zahlungen“ und der Ort und das Datum, Berlin, den 11. August 1873. Es folgt die Unterschriftenliste der Hauptverwaltung der Staatsschulden, unter der Platz für den Strafsatz gelassen wurde. Auf der rechten Seite ist die Wertziffer „5“ in Zierschrift im Untergrund eingefügt. Die Felder sind mit einer guillochierten Leiste eingerahmt. Abb. 4: Entwurf 5 Mark RKS 1873 Rückseite, Quelle Bundesarchiv R1401/1268 Bl. 15. Die Rückseite stellt drei gemusterte Flächen dar. In der Mitte befindet sich ein Kreis mit der zweizeiligen Inschrift „Fünf Mark RKS“ und der Kaiserkrone im Hintergrund. Unter dem Kreis befindet sich Platz für die Unterschrift zur Ausfertigung durch einen Kassenbeamten. Links und rechts sind symmetrisch angeordnet drei Kreise mit einem größeren mittleren Kreis zu sehen, der die Wertzahl „5“ zeigt. Die linke Wertzahl ist hell, die rechte dunkel gezeichnet. Unter den Kreisen befindet sich in je einem Rechteck die Wertangabe „Fünf Mark“ wiederholt. Vergleicht man den Entwurf mit dem später ausgeführten Schein in den Abbildungen 5 und 6, erkennt man ihre Verwandtschaft. Die Vorderseite wurde anders strukturiert. Die Zweiteilung weicht einer Dreiteilung mit einem zentralen Feld für den Textteil und zwei Seitenfeldern, die ornamental mit je einem Kreis, in dem sich die Wertzahl „5“ befindet, symmetrisch ausgeführt sind. Die sitzenden Knaben und der Reichsadler mit der Kaiserkrone sind aus dem linken Seitenfeld in das zentrale Feld gerückt. Die Knaben haben die Attribute des Handels und Handwerks verloren. Der Blätterkranz ist einer Eichengirlande zwischen den beiden Knaben gewichen. Serie und Kontrollnummer sind auf die Rückseite gewechselt. Die Rückseite des ausgeführten Reichskassenscheins wurde vom ersten Entwurf übernommen. Die Ornamente und Beschriftung wurden modifiziert, ohne dass sich der Gesamteindruck wesentlich änderte. Abb. 5: 5 Mark RKS 11. Juli 1874 Vorderseite, Quelle KPM. Abb. 6: 5 Mark RKS 11. Juli 1874 Rückseite, Quelle KPM. Am 7. Mai 1874 wurden die Entwürfe der Reichskassenscheine zu 5, 20 und 50 Mark vom Direktor der königlich-preußischen Staatsdruckerei Carl Busse dem Reichskanzleramt vorgelegt und Entwürfe und Druckausführung erklärt. [20] An der Gestaltung der Entwürfe der Reichskassenscheine haben neben Carl Busse noch sechs Künstler gearbeitet. Darunter befanden sich die damals namhaften Maler Anton von Werner, Anton Burger und Wilhelm Peters, sowie die Architekten Julius Emmerich, Heinrich Schäffer und August Hermann Spielberg. [21] Anton von Werner und Wilhelm Peters waren als Historienmaler bekannt und hatten ein Band zum Haus Hohenzollern. Anton von Werner erlebte die Endphase des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71 im Hauptquartier der III. Armee, die vom damaligen Kronprinzen Friedrich Wilhelm und späteren deutschen Kaiser Friedrich dem III. befehligt wurde. Es entwickelte sich eine fast freundschaftliche Beziehung zwischen Anton von Werner und dem Kronprinzen. Der Kronprinz ließ von Werner nach Versailles reisen, damit er die Proklamation des Kaiserreichs für die Nachwelt festhalte. Daraus entstand das bekannteste Gemälde von ihm: Die Kaiserproklamation von 1871, von dem er gleich mehrere Fassungen schuf. Seit 1871 war Anton von Werner auch bevorzugter Berater Kaiser Wilhelms I. in Kunstfragen. [22] Abbildung 7: Die Proklamierung des deutschen Kaiserreichs im Schloss von Versailles von Anton von Werner, dritte Fassung von 1885, Quelle: Wikimedia Commons. [23] Wilhelm Peters gestaltete über mehrere Jahre die Fresken in der Burg Hohenzollern, dem Stammsitz des Kaiserhauses. Einem seiner Entwürfe für die Bibliothek könnte die Idee für die Vorderseite des Reichskassenscheins zu 50 Mark entstammen, auf der zwei geflügelte Figuren die Kaiserkrone halten, ja eher noch präsentieren. Im Entwurf für die Wandmalerei der Bibliothek der Burg Hohenzollern, der die Gründung der Kirche Maria Zell unter dem Zollernberg darstellt, tragen vier geflügelte Figuren in ähnlicher Weise die Kirche, gestützt jeweils nur auf einem Arm und begleitet durch das göttliche Licht. Auf dem Reichskassenschein bleibt der zweite Arm nicht frei, sondern die beiden geflügelten Figuren werden mit Attributen der Wehrhaftigkeit in Form eines Speeres und der Landwirtschaft mit einer Sichel und einer Getreidegarbe ausgestattet. Abb. 8: Entwurf für eine Wandmalerei in der Bibliothek der Burg Hohenzollern von Wilhelm Peters (1862). [24] Anton Burger war in der Gestaltung von Papiergeld kein unbeschriebenes Blatt. Erwähnt seien hier die Banknoten der Weimarer Bank von 1854, die von Gustav Seidel nach einer Zeichnung von Anton Burger im Stahlstich gestochen wurden [25] Was genau Anton Burger zu den Reichskassenscheinen beigetragen hat, ist ebenso wenig bekannt wie die Rolle der drei genannten Architekten. Wahrscheinlich ist, dass die Architekten die Ornamentik und die Rückseiten gestalteten. Während die Schein zu 5 und 50 Mark mit Abänderungen genehmigt wurden, fand der 20-Mark-Schein keinen Anklang und musste neu gestaltet werden. [26] Vom ursprünglichen Entwurf des Zwanzigers ist kein Bild überliefert. Vergleicht man die drei ausgegebenen Scheine, fällt der 20-Mark-Schein aus der Reihe. Zwar sind auf der Rückseite wie bei den anderen beiden Scheinen drei Kreise vorhanden, doch befinden sich die beiden kleinen Kreise links und rechts des zentralen Kreises nicht mittig, sondern in der unteren Hälfte. Während sich sowohl der 5-, als auch der 50-Mark-Schein durch eine reichhaltige Ornamentik auf der Rückseite auszeichnen, wirkt der Zwanziger weniger überladen und offener. Auch wird die Gestaltung aus der reinen Ornamentik durch den zentralen Reichsadler im mittleren, dominierenden Kreis aufgelockert. Die Vorderseite des Zwanzigers zeigt nicht die strenge Geometrie seiner beiden Begleiter. Die Schrift ist aus dem zentralen Feld herausgenommen und an den rechten Rand gebracht. Auf der linken Seite ist ein Zierrand mit einem kleinen Reichsadler über der Wertangabe „20 Mark“. Zentral befindet sich ein Schild mit einer 20, umrundet von einem Lorbeer- und Eichenkranz und links flankiert durch einen Herold, dessen Schürze ebenfalls der Reichsadler ziert. Die beiden anderen Scheine zeigen die Schrift in der Mitte, umgeben durch zwei ähnliche Figuren, ergänzt durch den Reichsadler. Abb. 9: 50 Mark Reichskassenschein 11. Juli 1874 - Vorderseite, Quelle KPM. Abb. 10: 50 Mark Reichskassenschein 11. Juli 1874 - Rückseite, Quelle KPM. Abb. 11: 20 Mark Reichskassenschein 11. Juli 1874 - Vorderseite, Quelle KPM. Abb. 12: 20 Mark Reichskassenschein 11. Juli 1874 - Rückseite, Quelle KPM. Nachdem die Reichskassenscheine zu 5 und 50 Mark genehmigt waren, musste kurzfristig ein neuer Entwurf gefunden werden. In der königlich preußischen Staatsdruckerei wurde an den Scheinen mit Hochdruck gearbeitet, da sie in kürzester Zeit ausgegeben werden sollten, doch der fehlende20-Mark-Schein drohte, die Arbeit deutlich zu verzögern. Unerwartet bot sich Carl Busse am 4. Juli 1874 eine Lösung. Der Architekten-Verein zu Berlin, dessen Mitglied der Direktor der preußischen Staatsdruckerei war, hatte am 6. Juni 1874 im Rahmen der monatlichen Konkurrenz die Aufgabe gestellt, die Vorderseite eines Reichskassenscheins zu fünfzig Mark zu fertigen, der in der Staatsdruckerei in Kupferstichmanier ausgeführt werden sollte. Der Schein musste die Bezeichnung „Reichs-Kassen-Schein“, die Angabe des Wertes „Fünfzig Mark“ in Buchstaben und mindestens einmal die Zahl „50“ deutlich hervorragend enthalten. An geeigneter Stelle war das Wappen des Deutschen Reichs mit dem Reichsadler sowie die Angabe des Emittenten „Reichs-Schulden-Verwaltung“ mit den Namenszügen ihrer vier Unterzeichner anzubringen. Sinnvoller figürlicher Schmuck und ähnliches war gestattet. [27] Es waren fünf Entwürfe eingereicht worden. In der Hauptversammlung des Architektenvereins am 4. Juli 1874 wurde das Ergebnis der Monatskonkurrenz durch Herrn Julius Emmerich vorgestellt. [28] Während zwei Arbeiten nur geringes Interesse erregten (Abbildungen 13 und 14), fanden die drei anderen einen gewissen Beifall. Abb. 13: Entwurf eines Reichskassenscheins zu 50 Mark aus der Monatskonkurrenz, Motto: „Wehrhaft und Nahrhaft“. [29] Abb. 14: Entwurf eines Reichskassenscheins zu 50 Mark aus der Monatskonkurrenz, Motto: „Gern sieht man einen Kassenschein, selbst wenn er sollte hässlich sein“. [30] Abb. 15: Entwurf eines Reichskassenscheins zu 50 Mark aus der Monatskonkurrenz, Motto: „Faust“. [31] Der Entwurf unter dem Motto „Faust“ (Abb. 15) zeigt eine schöne breite Einfassung, die jedoch durch den Reichsadler und die Schrift „unangenehm“ unterbrochen wird. Die beiden Figuren auf der Zeichnung sind nicht zu deuten. Abb. 16: Entwurf eines Reichskassenscheins zu 50 Mark von Hubert Stier aus der Monatskonkurrenz, Motto: „Camphausen“. [32] Der unter dem Motto „Camphausen“ eingereichte Entwurf ist unsymmetrisch komponiert (Abb. 16). In der Mitte ist ein Adlerschild angeordnet, um das sich ein Lorbeer- und Eichenkranz schlingt. Links lehnt sich ein Herold an den Schild, zu dessen Füßen aus einem Füllhorn reichhaltige Spenden quellen. Rechts ist die Schrift zum Teil im Rankenwerk angebracht. Dieser Entwurf wurde als höchst elegant und interessant gesehen. Allein der Rand erschien nicht bedeutend genug und das Wertzeichen sollte besser in die Mitte geschoben werden. Abb. 17: Entwurf eines Reichskassenscheins zu 50 Mark von Ferdinand Luthmer aus der Monatskonkurrenz, Motto: „Germania“. [33] Der letzte Entwurf unter dem Motto „Germania“ weicht von den übrigen ab (Abb. 17). Er zeigt mittelalterliche Motive, die den Schein dicht füllen. Unter der sehr deutlichen Schrift sind die Wappen der deutschen Staaten, als Figur eine Germania und die Personifikation des Handwerks und des Militärs. Auch hier wäre der Rand stärker zu betonen. Den beiden letzten Entwürfen wurde vom Preisgericht ein Andenken zugesprochen. Der Verfasser des Entwurfs mit dem Motto „Camphausen“ war der Architekt Hubert Stier, der seit 1868 Regierungsbaumeister in Berlin war und später durch seine Bauten im Hannoverschen wie dem Hauptbahnhof von Hannover oder den Süderelbbrücken zwischen Harburg und Wilhelmsburg bekannt wurde. [34] Der Cousin seines Vater, Gustav Stier, entwarf schon die preußischen Kassenanweisungen von 1856. Der mittelalterliche Entwurf wurde von Ferdinand Luthmer eingereicht, zu dieser Zeit Lehrer an der Unterrichtsanstalt des Gewerbemuseums Berlins. [35] Er sollte später zusammen mit Otto Knille die Reichsbanknote zu 1000 Mark von 1884 (Abb. 18) gestalten, die mit kleinen Veränderungen bis 1922 gedruckt wurde. Abb. 18: Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 2. Januar 1884, Entwurf Ferdinand Luthmer und Otto Knille, Stich Hans Meyer, Vorderseite. Quelle BGV. Abb. 19: Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 2. Januar 1884, Entwurf Ferdinand Luthmer und Otto Knille, Stich Hans Meyer, Rückseite. Quelle BGV. Nachdem die Ergebnisse der Monatskonkurrenz vorgestellt worden waren, hielt der Direktor der königlichen preußischen Staatsdruckerei, Carl Busse, einen Vortrag über die Herstellung von Papiergeld und die Anforderungen an Entwürfe für Papiergeld. Zum Ende des Vortrags kam er auf die Reichskassenscheine zu sprechen, die gerade zur Ausgabe vorbereitet wurden. Da zwar der Reichskassenschein zu 50 Mark schon genehmigt war, der 20-Mark-Schein jedoch nicht, fragte er, ob er die beiden prämierten Entwürfe der Monatskonkurrenz bei den Reichsbehörden als Alternativen zu dem Zwanziger vorlegen dürfe. Wenn man den später ausgegebenen20-Mark-Schein betrachtet wird klar, dass Hubert Stier der Urheber dieses Scheins ist. Wappenschild, Raumaufteilung, Herold, Eichen- und Lorbeerkranz, Füllhorn und Reichsinsignien sowie Ranken sind in beiden Entwürfen vorhanden. Sie weichen in kleineren Details ab. So findet sich im Wappenschild später die Wertzahl „20“ statt des Reichsadlers, der Herold ist zum Schild hin- und nicht mehr abgewandt und der Zierrand auf der linken Seite ist hinzugekommen. Ansonsten sind beide Entwürfe fast gleich. Auch wenn Ferdinand Luthmer leer ausging, bekam er doch 1880 eine zweite Chance und wurde zum Wettbewerb eingeladen [36] , aus dem die Reichsbanknoten zu 100 und 1000 Mark („Blaue Hunderter“ und „Braune Tausender“) hervorgingen, die über Jahrzehnte die Reichsbanknoten des Deutschen Reichs bis in die "Weimarer Republik" versinnbildlichten. Ferdinand Luthmer und Paul Thumann gingen als Sieger aus diesem Wettbewerb hervor. [37] Den Stich der Reichskassenscheine besorgte Gustav Eilers. Am 4. Juli 1874 wurde der Zeitplan für die Herstellung der Reichskassenscheine im Reichskanzleramt vorgestellt. Insgesamt 14,4 Millionen Reichskassenscheine zu 5 Mark im Wert von 72 Millionen Mark sollten gedruckt werden, 1,8 Millionen Reichskassenscheine zu 20 Mark im Wert von 36 Millionen Mark und 240.000 Reichskassenscheine zu 50 Mark im Wert von 12 Millionen Mark. Der Start des Druckes wurde auf den 1. Oktober 1874 angesetzt. Bis zum Jahresende sollten alle Reichskassenscheine zu 50 Mark und 2 Millionen Scheine zu 5 Mark hergestellt sein. Der 20-Mark-Schein war für die ersten drei Monate noch nicht vorgesehen. [38] Im ersten Halbjahr des Jahres 1875 sollten zwei Drittel der Zwanziger und noch einmal 4,5 Millionen Fünfer folgen. Die Druckaufträge sollten bis auf kleine Restmengen im März 1876 abgeschlossen sein, um rechtzeitig mit dem Druck der Reichsbanknoten zu 100 und 1000 Mark beginnen zu können. Die Menge wurde jedoch nach dem Beschluss des Bundesrats vom 7. Juli 1874 von 120 Millionen auf 174.742.110 Mark um rund ein Drittel erhöht. Der Zeitplan verschob sich entsprechend, sodass erwartet wurde, die Aufträge erst zum 11. Oktober 1876 erfüllen zu können. Da das Reichskanzleramt wünschte, die Abschnitte zu 50 und 20 Mark gleichzeitig zu liefern, verzögerte sich die Herstellung der Reichskassenscheine zu 50 Mark, sodass zum 1. Januar 1875 zwar etwa 100.000 Reichskassenscheine zu 20 Mark vorhanden wären, allerdings auch nur 100.000 zu 50 Mark. Im weiteren Verlauf des Jahres könnten täglich 30.000 Fünf-Markscheine und jeweils 4000 Zwanzig- und Fünfzig-Markscheine hergestellt werden. [39] Zum 31. Dezember 1874 waren 2.004.000 Reichskassenscheine zu 5 Mark, 16.000 zu 20 Mark und 4000 zu 50 Mark an die Reichsschuldenverwaltung ausgehändigt worden. [40] Ende März 1876 wurde vom Direktor der preußischen Staatsdruckerei, Carl Busse, dem Reichskanzleramt mitgeteilt, dass die erforderliche Menge an Reichskassenscheinen gefertigt und die Arbeiten bis auf Scheine zum Ersatz nicht mehr umlauffähiger Scheine abgeschlossen seien. [41] Aus dem Bericht der Reichsschuldenkommission für das Jahr 1875 ist zu ersehen, dass beim Druck der Reichskassenscheine bezogen auf den Wert der Scheine etwa 1,3 % Ausschuss produziert wurde. [42] Mit dem Datum vom 24. Dezember 1874 wurden die neuen Reichskassenscheine im Reichsanzeiger Nr. 304 vom 29. Dezember 1874 angekündigt [43] und im Laufe des Januars 1875 ausgegeben. Abbildung 20 zeigt die offizielle Beschreibung der Reichskassenscheine mit dem Datum vom 11. Juli 1874. Abb. 20: Beschreibung der Reichskassenscheine zu 5, 20 und 50 Mark mit dem Datum vom 11. Juli 1874. [44] Dr. Oliver Herzberg Anmerkungen [1] Abgeordneter Otto von Löe (Zentrum), Protokoll zur 11. Sitzung am 29. März 1873, Verhandlungen des Reichstages, Bd. 27.1873, 4. Jahrgang, S. 140-141 (S. 135-156). [2] Abgeordneter Hans Victor von Unruh (Nationalliberale), Protokoll zur 11. Sitzung am 29. März 1873, Verhandlungen des Reichstages, Bd. 27.1873, 4. Jahrgang, S. 146-148 (S. 135-156). Die Bezeichnungen Bundesregierung und Bundeskanzleramt wurden aus der Debatte übernommen, auch wenn diese aus heutiger Sicht nicht mehr ganz korrekt waren, da es ab 1871 das Deutsche Reich gab. Im Sprachgebrauch war das offensichtlich noch nicht ganz angekommen, weshalb hier noch Begriffe aus der Zeit des Deutschen und Norddeutschen Bundes verwendet wurden. [3] Aktenstück 15, Verhandlungen des Reichstages, Bd. 29.1873, 4. Jahrgang, S. 70-76. [4] Die Reform des deutschen Geldwesens, Band 1: Geschichte der deutschen Geldreform, Duncker und Humblot, Leipzig, 1898, S. 139. [5] Die Reform des deutschen Geldwesens Band 1: Geschichte der deutschen Geldreform, Duncker und Humblot, Leipzig, 1898, S. 140-141. [6] Die Reform des deutschen Geldwesens Band 1: Geschichte der deutschen Geldreform, Duncker und Humblot, Leipzig, 1898, S. 141. [7] Die Reform des deutschen Geldwesens Band 1: Geschichte der deutschen Geldreform, Duncker und Humblot, Leipzig, 1898, S. 238. [8] Abgeordneter Alexander Georg von Mosle (Nationalliberale), Protokoll zur 11. Sitzung am 29. März 1873, Verhandlungen des Reichstages, Bd. 27.1873, 4. Jahrgang, S. 143 (S. 135-156). [9] Antrag zur dritten Lesung des Gesetzes betreffend der Ausprägung von Reichsgoldmünzen, BArch R1401/ 1267 Bl. 70-71. [10] Aktenstück 64, Verhandlungen des Reichstages, Bd. 29.1873, 4. Jahrgang, S. 376. [11] Staatsminister Otto Camphausen, Protokoll zur 29. Sitzung am 8. Mai 1873, Verhandlungen des Reichstages, Bd. 27.1873, 4. Jahrgang, S. 564-565 (S. 537-570). [12] Protokoll der Sitzung des Staatsministeriums vom 13. Mai 1873, BArch R1401/1267 Bl. 87-88. [13] Anlage A zum Protokoll der Sitzung des Bundesrates am 12. Juni 1873, BArch R1401/1267 Bl. 96. [14] Brief vom Direktor der königlich-preußischen Staatsdruckerei an das königliche Finanzministerium vom 3. Juli 1873, BArch R1401/1268 Bl. 12-13. [15] Münzgesetz vom 9. Juli 1873, Reichsgesetzblatt Band 1873, Nr. 22, S. 233-240. [16] Gesetz vom 30. April 1874, Reichsgesetzblatt Band 1874, Nr. 30, S. 40-41. [17] Abgeordneter Dr. Karl Peter Klügmann (Nationalliberale), Protokoll zur 35. Sitzung am 18. April 1874, Verhandlungen des Reichstages, Bd. 32.1874, 4. Jahrgang, S. 924 (S. 917-949). [18] Brief vom Direktor der königlich-preußischen Staatsdruckerei an das königliche Finanzministerium vom 3. Juli 1873, BArch R1401/1268 Bl. 12-13. [19] Brief vom Direktor der königlich-preußischen Staatsdruckerei an das königliche Finanzministerium vom 3. Juli 1873, BArch R1401/1268 Bl. 15. [20] Brief vom Direktor der königlich-preußischen Staatsdruckerei an das Reichskanzleramt vom 7. Mai 1874, BArch R1401/1268 Bl. 30-31. [21] Mitteilungen aus den Vereinen in "Deutsche Bauzeitung", 1874, 8. Jahrgang, Nr. 55, 11. Juli 1874, S. 222-223. [22] Anton von Werner, wikipedia, abgerufen 19.3.2024, https://de.wikipedia.org/wiki/Anton_von_Werner . [23] Quelle: https://commons.wikimedia.org/wiki/File:A_v_Werner_-_Kaiserproklamation_am_18_Januar_1871_(3._Fassung_1885).jpg [24] Quelle: Wilhelm Peters - Entwurf für die Wandmalereien in der Bibliothek der Burg Hohenzollern "Gründung der Kirche Maria Zell unter dem Zollernberg" - BG-M-SG 5714-92 - Berlinische Galerie.jpg https://sammlung-online.berlinischegalerie.de:443/eMP/eMuseumPlus?service=ExternalInterface&module=collection&objectId=141880&viewType=detailView [25] Akademie der Künste [Hrsg.]: Verzeichnis der Werke lebender Künstler auf der Ausstellung der Königlichen Akademie der Künste zu Berlin im Landesausstellungsgebäude, XXXIX. Kunstausstellung, 1854, S. 77. [26] Brief vom Reichskanzleramt vom 11. Mai 1874 BArch R1401/ 1268 Bl. 32-50. [27] Konkurrenzen in "Deutsche Bauzeitung", 1874, 8. Jahrgang, Nr. 35, 2. Mai 1874, S. 144. [28] Mitteilungen aus den Vereinen in "Deutsche Bauzeitung", 1874, 8. Jahrgang, Nr. 55, 11. Juli 1874, S. 222-223. [29] Quelle: Technische Universität Berlin Architekturmuseum https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=79&POS=5 [30] Quelle: Technische Universität Berlin Architekturmuseum https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=79&POS=4 [31] Quelle: Technische Universität Berlin Architekturmuseum https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=79&POS=3 [32] Quelle: Technische Universität Berlin Architekturmuseum https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=79&POS=2 [33] Quelle: Technische Universität Berlin Architekturmuseum https://architekturmuseum.ub.tu-berlin.de/index.php?p=79&POS=1 [34] Hubert Stier, wikipedia, abgerufen 19.3.2024, https://de.wikipedia.org/wiki/Hubert_Stier [35] Ferdinand Luthmer, wikipedia, abgerufen 19.3.2024, https://de.wikipedia.org/wiki/Ferdinand_Luthmer [36] Konkurrenzen in "Deutsche Bauzeitung", 1880, 14. Jahrgang, Nr. 26, 31. März 1880, S. 140. [37] Konkurrenzen in "Deutsche Bauzeitung", 1880, 14. Jahrgang, Nr. 32, 21. April 1880, S. 170. [38] Brief des Direktors der preußischen Staatsdruckerei an das Reichskanzleramt vom 11. Juli 1874, BArch R1401 1268 Bl. 62-68. [39] Brief des Direktors der preußischen Staatsdruckerei an das Reichskanzleramt vom 2. Oktober 1874, BArch R1401/1268 Bl. 72-73. [40] Brief des Direktors der preußischen Staatsdruckerei an das Reichskanzleramt vom 31. Dezember 1874, BArch R1401/1268 Bl. 81. [41] Brief des Direktors der preußischen Staatsdruckerei an das Reichskanzleramt vom 8. April 1876, BArch R1401/1268 Bl. 110. [42] Neunter Bericht der Reichsschuldenkommission vom 11. November 1876, in Verhandlungen des Reichstages, Aktenstücke Bd. 43. 1876 4. Jahrgang, S.653 - 655. [43] Deutscher Reichsanzeiger vom 29. Dezember 1874, 1874, Nr. 304, S. 1. [44] Quelle: BArch 1401/1267 Bl. 216.
- Ein künstlerischer Neubeginn
Die Entwürfe und Noten der zweiten Serie der Bank deutscher Länder von Max Bittrof und Hermann Virl Im zweiten Gesetz zur Neuordnung des Geldwesens vom 20. Juni 1948 (Emissionsgesetz) wurde die Bank deutscher Länder verpflichtet, Noten, die nicht ihren Namen tragen, für eine Übergangszeit von höchstens zwei Jahren auszugeben. Nach diesem Artikel musste die Bank deutscher Länder, die erst im März 1948 gegründet worden war, die Noten der Erstausstattung ersetzen und Banknoten mit der Bezeichnung „Bank deutscher Länder“ ausgeben. Die Erstausstattung war knapp bemessen und der Bedarf hoch. Zudem musste möglichst bald Ersatz für die besonders fälschungsanfälligen Ausgaben beschafft werden. Der Zentralbankrat der Bank deutscher Länder nahm in der 19. Sitzung vom 6. Oktober 1948 unter dem Tagesordnungspunkt 11 das Thema Notendruck auf: „Die Bank deutscher Länder beabsichtigt, den Druck eigener Noten sofort in Angriff zu nehmen, um baldmöglichst die leicht zu fälschenden Bird-Dog-Noten aus dem Verkehr ziehen zu können. Der Zentralbankrat billigt daher die vom Direktorium vorgelegten Pläne und beschliesst: Die Vorbereitungen für die Anfertigung von DM-Noten in der Stückelung zu 100, 50, 20, 10, 5, 2 und 1 DM, die den Namen der Bank deutscher Länder tragen, sind mit größtmöglicher Beschleunigung voranzutreiben. Als erste Note, die den Namen der Bank deutscher Länder trägt, ist der Abschnitt zu 5 DM in einer Auflage von 150 Millionen Stück in Auftrag zu geben, wobei Voraussetzung ist, daß für die unbrauchbaren Bird-Dog-Noten zu 50 und zu 20 DM der Bank deutscher Länder sofort Ersatz geleistet wird. Wird dieser Ersatz nicht geleistet, so ist anstelle des Abschnittes zu 5 DM der Abschnitt zu 20 DM, ebenfalls in der Auflage von 150 Millionen Stück in Auftrag zu geben. Über die Auftragserteilung für den Druck von DM-Noten der anderen Abschnitte wird von Fall zu Fall besonders Beschluß gefaßt." [1] "Die Voraussetzungen für den fristgerechten Druck der dringlich benötigten hochwertigen Banknoten im Tiefdruckverfahren bestehen zurzeit in Deutschland nicht; die Herstellung solcher Banknoten muß daher, bis diese Voraussetzungen geschaffen sind, ausländischen Firmen von Ruf übertragen werden. Mit der Herstellung der 5 DM-Noten oder an deren Stelle der 20 DM-Noten ist vorbehaltlich des Einverständnisses der Alliierten Bankkommission und der Bereitstellung der notwendigen Devisen die Firma Thomas de la Rue und Co., London, zu beauftragen." [2] Da man den Noten wieder ein deutsches Gesicht geben wollte, wurde für die Entwürfe ein beschränkter Wettbewerb ausgeschrieben, zu dem folgende Grafiker herangezogen wurden: Max Bittrof, Frankfurt am Main Hermann Virl, München Albert Gänzle, Neu-Isenburg Hans Bohn, Frankfurt am Main Heinrich Jost, Frankfurt am Main Die ausgewählten Künstler waren schon seit den 1920er Jahren als Gebrauchsgrafiker sowie Schrift- und Buchkünstler etabliert. Hans Bohn und Max Bittrof waren seit März 1949 als Künstler Mitglieder des Prüfungsausschusses für Postwertzeichen des Bundesministeriums für Post- und Fernmeldewesen, Hermann Virl als Kunstsachverständiger. [3] Heinrich Jost war schon Ende September 1948 verstorben. [4] Aufgrund der Entwürfe der Vorderseite einer Note zu 20 DM wurden die Grafiker Max Bittrof und Hermann Virl beauftragt, Entwürfe für eine ganze Serie mit den Nennwerten von 5, 10, 20, 50 und 100 DM zu liefern. [5] Die Noten zu ein und zwei DM werden in dieser Quelle nicht weiter erwähnt. Während der Entwurf Max Bittrof zu diesem 20 DM-Schein aus Artikeln bekannt ist [6] , war der Entwurf Hermann Virls bislang nicht veröffentlicht. Die Abbildung 1 zeigt den Entwurf Max Bittrofs, Abbildung 2 den von Hermann Virls. Abb. 1: Entwurf einer Banknote der Bank deutscher Länder zu 20 DM von Max Bittrof. Abb. 2: Entwurf einer Banknote der Bank deutscher Länder zu 20 DM von Hermann Virl. Der Entwurf von Max Bittrof zeigt die Europa auf dem Stier, wie sie später auf dem 5 DM-Schein erscheinen wird. Sie ist ein Symbol für Europa, für den gemeinsamen Ursprung der Europäer und ihrer Kultur und für das Miteinander. Hermann Virl wählte den Bassenheimer Reiter, eine Martinsdarstellung des Naumburger Meisters um 1240, die ursprünglich am Westlettner des Mainzer Doms hing. Der Heilige Martin steht für christliche Kultur, Nächstenliebe, Bescheidenheit und soziales Denken. Bittrofs weitere Entwürfe zeigen Goethe, einen Hermeskopf und ein antikisierendes Frauenporträt neben der Europa auf dem Stier auf dem 20 DM-Schein. [7] Auch Hermann Virl griff auf Goethe für die Note zu 100 DM zurück. [8] Goethe ist auf der Vorderseite in einem Medaillon rechts abgebildet. Die linke Seite bildet mit einem leeren weißen Medaillon, das für ein Kopfwasserzeichen vorgesehen ist, das Gegengewicht. Für die Rückseite existiert ein Entwurf, der rechts kein Medaillon, sondern einen Schaurand aufweist. [9] Die Kontrollummern der Vorder- und der Rückseite weichen voneinander ab, sodass man vermuten darf, dass es sich um unabhängige Entwürfe handelt, auch wenn Rahmen und Wertziffern sehr ähnlich sind. Zentral steht auf dieser Rückseite eine deutsche Eiche, die wie ein sich selbst erneuernder Phönix aus den Flammen steigt und dabei ein Kind als Sinnbild für den Neubeginn und das Leben umfasst. Rechts neben der Eiche ist die Silhouette mit Ruinen einer zerbombten Stadt unter einem unwetterartig bewölkten Himmel abgebildet, links der Kölner Dom im Sonnenschein. Virl schafft in dieser Rückseite eine pazifistische, positive Zukunftsversion für ein neuerwachendes Deutschland. Es ist leider nicht bekannt, ob die Entwürfe von Hermann Virl auch in dieser Form eingereicht wurden. Abb. 3: Entwurf einer Banknote der Bank deutscher Länder zu 100 DM von Hermann Virl, Vorderseite. Abb. 4: Entwurf einer Banknote der Bank deutscher Länder zu 100 DM von Hermann Virl, Rückseite. Für die Note zu 50 DM, wie sie der Bank deutscher Länder vorgelegt wurde, bediente sich Hermann Virl des Kopfbildnisses des Kaufmanns Hans Imhof nach einem Gemälde von Albrecht Dürer für die Vorderseite, das schon für eine Reichsbanknote über 5000 Mark von 1922 (DEU-91) verwendet wurde. Der Kopf dominiert die ganze rechte Seite bis in die Mitte hinein. Daneben erscheint die Wertzahl „50“ in leicht versetzter Anordnung vor guillochiertem Hintergrund. Links befindet sich der unbedruckte Schaurand, der über das Wort „FUENFZIG“ in Großbuchstaben mit dem Druckfeld verbunden wird. In den vier Ecken des Druckfeldes erscheinen die Wertzahlen in gleicher Anordnung wie im zentralen Feld. Auf dem Schaurand wird im unteren Teil die Wertzahl wiederholt. Oben befindet sich die Kontrollnummer, die sich ein zweites Mal unter dem Kopfbildnis befindet. Abb. 5: Entwurf einer Banknote der Bank deutscher Länder zu 50 DM von Hermann Virl, Vorderseite. Der aufgeführte 10 DM-Schein ist nicht voll ausgestaltet. Er zeigt einen jungen Mann nach der Mode des 18. Jahrhunderts, wahrscheinlich einen Vertreter der Aufklärung wie Gottfried Wilhelm Leibniz oder Jean-Jacques Rousseau. Der Schein ist ähnlich aufgeteilt wie Virls Entwurf für die Note zu 50 DM und die 10 DM-Banknote vom 2. Januar 1960. Rechts das Kopfbildnis, das die ganze Höhe des Scheins einnimmt und nicht durch ein Medaillon eingeengt wird. Rechts daneben, mittig auf dem Schein die Wertzahl in Guillochen, abgetrennt durch den Wert in Buchstaben, der den Schaurand mit der Druckfläche verbindet. Der Rand der Druckfläche trägt die Inschrift Banknote über 10 Deutsche Mark. Die Ecken zeigen die Wertzahl. [10] Abb. 6: Entwurf einer Banknote der Bank deutscher Länder zu 10 DM von Hermann Virl, Vorderseite. An gleicher Stelle finden wir einen Entwurf zu einer Note von 2 DM. [11] Einem Protokoll des Zentralbankrats vom 5. Oktober 1948 ist zu entnehmen, dass die gesamte Notenserie der Erstausstattung mit den Nominalen von einer Deutschen Mark bis 100 Deutschen Mark ersetzt werden soll, auch wenn die Noten zu einer und zwei DM später nicht mehr ausgegeben worden sind. Dieser Entwurf passt in die ursprüngliche Anforderung der Bank deutscher Länder. Der Entwurf zeigt zentral die Wertzahl „2“, die links von einer Ährengarbe und rechts von einer Bienenwabe inklusive arbeitsamer Bienen flankiert wird. Das Ganze ist auf einem strahlenförmigen Unterdruckmuster aufgebracht. Der Rand trägt den Text „Zwei Deutsche Mark“ und „Deutsche Banknote“ mit der Wertzahl 2, einer Sichel und Getreidehalmen in den vier Ecken. Auf der rechten Seite befindet sich ein unbedruckter Schaurand. Hier wird Platz für ein Wasserzeichen sowie für die Kontrollummer und den Ausfertigungskontrollstempel gelassen. Eine zweite Kontrollnummer ist über der Bienenwabe angebracht. Vage erinnert diese Note an den Schein zu zwei Rentenmark vom 30. Januar 1937. Abb. 7: Entwurf einer Banknote der Bank deutscher Länder zu 2 DM von Hermann Virl. Im Juli 1949 entschied sich das Gremium für die Entwürfe von Max Bittrof. Ihm wurde aufgetragen, Noten zu 5, 50 und 100 DM bis zur Druckreife durchzugestalten. Das Ergebnis waren die Noten der Bank deutscher Länder mit dem Datum vom 9. Dezember 1948. Die Note zu 5 DM mit der barbusigen Europa auf dem Stier auf der Vorderseite wurde ab dem 22. März 1950 ausgegeben. Der 100-DM-Schein mit dem Bildnis des Ratsherrn Jakob Muffel nach einem Gemälde von Albrecht Dürer folgte ab dem 16. Mai 1951 und der Fünfziger mit dem Kopfbildnis des Kaufmanns Hans Imhof (die Person ist nicht sicher zugeordnet und es stehen noch der Patrizier Willibald Pirkheimer und der Rentmeister Lorenz Sterck zur Debatte; es taucht gelegentlich auch der Name des Jobst Planckfelt auf), ebenfalls nach einem Gemälde von Albrecht Dürer, schließlich ab dem 19. September 1951. Abb. 8: Ausgeführte Banknote der Bank deutscher Länder zu 5 DM vom 9. Dezember 1948, Vorderseite, Muster der Firma De La Rue. Abb. 9: Ausgeführte Banknote der Bank deutscher Länder zu 5 DM vom 9. Dezember 1948, Rückseite, Muster der Firma De La Rue. Abb. 10: Ausgeführte Banknote der Bank deutscher Länder zu 50 DM vom 9. Dezember 1948, Vorderseite, Quelle: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Abb. 11: Ausgeführte Banknote der Bank deutscher Länder zu 50 DM vom 9. Dezember 1948, Rückseite, Quelle: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Abb. 12: Ausgeführte Banknote der Bank deutscher Länder zu 100 DM vom 9. Dezember 1948, Vorderseite, Quelle: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Abb. 13: Ausgeführte Banknote der Bank deutscher Länder zu 100 DM vom 9. Dezember 1948, Rückseite, Quelle: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte. Beide Künstler wurden eingeladen, die erste Serie der Banknoten der neu errichteten Bundesbank zu gestalten. Hermann Virl verstarb am 2. August 1958 und konnte keine Entwürfe mehr einreichen. [12] Max Bittrofs Entwürfe konnten überzeugen und wurden dann schließlich für die Ersatzserie BBk II für Westdeutschland im "Kalten Krieg" verwendet. Kleine Anmerkung zum Abschluss: Hermann Virl gestaltete auch eine Schutzmarke, die noch heute den meisten an Banknoten Interessierten geläufig sein sollte [13] : Abb. 14: Schutzmarke/ Logo der deutschen Firma Giesecke und Devrient (traditionsreicher Hersteller von Banknoten sowie Wert- und Sicherheitsdrucken). Dr. Oliver Herzberg Anmerkungen [1] 19. Sitzung des Zentralbankrats der Bank deutschen Länder, 5. Oktober 1948, Tagesordnungspunkt 11, Absatz I. [2] 19. Sitzung des Zentralbankrats der Bank deutschen Länder, 5. Oktober 1948, Tagesordnungspunkt 11, Absatz V. [3] Bundesminister für Post- und Fernmeldewesen, Beschluß des Deutschen Bundestages in seiner 30. Sitzung am 25. Januar 1950 zum Antrag der Fraktion der Bayernpartei - Nr. 158 und 336 der Drucksachen - betr. Amtliche Graphik, Münzen, Siegel usw. des Bundes, Drucksache Nr. 597 der ersten Wahlperiode des deutschen Bundestages, 24. Februar 1950. [4] https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Jost , abgerufen am 1. April 2024. [5] Die Noten der Deutschen Bundesbank, Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main, 1964, S. 14-16. [6] Michael H. Schöne www.geldscheine-online.com/post/nicht-realisierte-geldschein-entwürfe . [7] Artikel Bundesbank. [8] Ulrich Rousseaux in Goethe. Auf. Geld, Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main, 2012, S. 24. [9] Wertpapiere und Banknoten in Hermann Virl, 1903-1958, Verlag Fritz Schmidberger, München, 1961, S. 61. [10] Wertpapiere und Banknoten in Hermann Virl, 1903-1958, Verlag Fritz Schmidberger, München, 1961, S. 62. [11] Wertpapiere und Banknoten in Hermann Virl, 1903-1958, Verlag Fritz Schmidberger, München, 1961, S. 62. [12] Friedel Virl-Gath in Hermann Virl – Jahresgabe für die Mitglieder der typographischen Gesellschaft, München, 1980, S. 10. [13] Schutzmarken in Hermann Virl, 1903-1958, Verlag Fritz Schmidberger, München, 1961, S. 27.
- Zwei Millionen täglich – Und das fünf Jahre!!
Wie sich eine "Österreicherin" langsam entwickelt Was sich wie das Versprechen eines Gewinnspiels anhört, ist hier mit der Entstehungsgeschichte der Reichsbanknote zu 20 Reichsmark von 1939 verbunden. Aber fangen wir fast von ganz vorne an. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich am 12./ 13. März 1938 wurde die Oesterreichische Nationalbank gemäß der Verordnungen des Führers und Reichskanzlers Adolf Hitler vom 17. März 1938 (Verordnung zur Übernahme der Oesterreichischen Nationalbank durch die Reichsbank und die Verordnung über die Einführung der Reichsmarkwährung im Lande Österreich) von der Deutschen Reichsbank übernommen und aufgelöst. Die Reichsmark wurde als Währung eingeführt und löste den österreichischen Schilling ab. Die Nationalbank wurde zu einer Reichsbankhauptstelle unter Leitung von Herrn Buzzi. Die Liquidation wurde von ihm zusammen mit Reichsbankdirektor Dr. Stephan Schott abgestimmt und durchgeführt. Gemäß der Ausführungsverordnung vom 19. März 1938 sollten österreichische Schillingnoten per direkt nicht mehr ausgegeben werden. An deren Stelle traten Reichsmark-Zahlungsmittel, die zur Verfügung gestellt wurden. [1] Die Reichsmark wurde zum offiziellen Zahlungsmittel in Österreich. Am 23. April 1938 wurde das deutsche Münz- und Bankgesetz eingeführt. Die Oesterreichische Nationalbank verlor ihr Notenprivileg, die Schillingnoten am 25. April 1938 ihre gesetzliche Zahlungskraft. Bei einem Geldumlauf von ungefähr 1,2 Milliarden Schilling erhöhte sich der gesamtdeutsche Geldumlauf um 13%. Es mussten zusätzliche Reichsbanknoten gedruckt werden, um die Schillingnoten zu ersetzen. Bei einem Kurs von 1,5 Schilling für eine Reichsmark, der auf der Kaufkraftparität beider Währung fußte, ergab sich ein Zusatzbedarf von über 600 Millionen Reichsmark, die 1938 aus der Reserve genommen und zusätzlich von der Reichsdruckerei hergestellt werden mussten. [2] Personell bedeutete das, dass Dr. Hjalmar Schacht als Reichsbankpräsident auch Präsident der Teile der Oesterreichischen Nationalbank wurde, die von der Reichsbank übernommen wurden. Dazu zählte die Druckerei für Wertpapiere in Wien, die die österreichischen Banknoten gedruckt hat. So kam die Reichsbank für die nächsten sechs Jahre zu einer eigenen Druckerei. Nachdem Hjalmar Schacht Kritik an der deutschen Rüstungs- und Finanzpolitik geäußert hatte, wurde er als Reichsbankpräsident entlassen. Ihm folgte Walther Funk. Das Reichsbankdirektorium wurde ebenfalls umgebaut und nur zwei Mitglieder blieben auf ihren Posten. Dennoch sah man sich bei den Banknoten nicht veranlasst, die Unterschriftenliste auf den Reichsbanknoten anzupassen. Hier stand allerdings auch eine größere Änderung bevor. Das Reichsbankgesetz vom 15. Juni 1939 Mit dem Reichsbankgesetz vom 15. Juni 1939 (RGBl. 107/ 1939, S. 1015 -1020) hatten sich die Voraussetzungen für die Ausgabe von Banknoten geändert. Die Reichsbank verlor ihre Autonomie und wurde direkt dem „Führer“ und Reichskanzler unterstellt. Nach Paragraph 3 Absatz 2 des Gesetzes entschied der Präsident der Reichsbank im Reichsbankdirektorium. Aus diesem Grund sollten neue Reichsbanknoten angefertigt werden, die einen entsprechenden Vermerk „Ausgegeben auf Grund des Gesetzes über die Deutsche Reichsbank vom 15. Juni 1939“ trugen. Statt der Unterschriften des Reichsbankdirektoriums reichte die alleinige Unterschrift des Reichsbankpräsidenten, zu dieser Zeit also die von Walther Funk, aus. Die erste Banknote und neben der Reichsbanknote zu 5 Reichsmark vom 1. August 1942 einzige Note, die diesen Vermerk hat, war die Reichsbanknote zu 20 Reichsmark mit dem Datum vom 16. Juni 1939, die als „Tirolerschein“, „Wiener“ oder „Österreicher“ bekannt geworden ist (Abb. 1 und 2). Sie wurde erst ab Februar 1945 ausgegeben. Abb. 1: Vorderseite der Reichsbanknote zu 20 Reichsmark mit dem Datum 16. Juni 1939, der sogenannte "Tirolerschein", "Wiener" oder auch "Österreicher"; rechts eine Wachauerin mit Edelweiß vor Alpenhintergrund, 160 x 80 mm. [3] Abb. 2: Rückseite der Reichsbanknote zu 20 Reichsmark mit dem Datum 16. Juni 1939 mit dem Bild des Gosausees und des Dachsteins, 160 x 80 mm. [4] Ein Ostpreuße in Wien Als Reichsbankpräsident war Walther Funk auch Verantwortlich für die Reichsbankhauptstelle in Wien und der ihr angeschlossenen Druckerei für Wertpapiere. In dieser Funktion konnte er vermutlich die Entwürfe zu der dritten Banknotenserie der Oesterreichischen Nationalbank begutachten, die zwar vorbereitet, aber aufgrund des Anschlusses Österreichs an das Deutsche Reich nicht mehr ausgegeben worden war. Besonders die Note zu 100 Schilling musste ihn beeindruckt haben, denn er veranlasste schon 1939, dass die Note umgestaltet wurde und als Grundlage für eine neue Reichsbanknote diente. Der Grund neue Noten auszugeben war nicht nur die veränderte Rechtslage durch das Bankgesetz von 1939 und der damit verkürzten Unterschriftenliste auf der Schauseite der Reichsbanknoten, auch ein hoher Bedarf an Banknoten, besonders zu 20 Reichsmark, war ein guter Anlass, neue Reichsbanknoten auszugeben, die in Gestaltung und Symbolik Visitenkarten des „neuen“ Deutschlands wären. Die Kritik an den dargestellten Köpfen, besonders den David Hansemanns (Abb. 4), bei dem man jüdische Wurzeln vermutete [5] , mag ein weiterer Grund gewesen sein, die umlaufenden Reichsbanknoten durch Noten zu ersetzen, die der neuen Zeit und dem neuen Menschenbild entsprachen und die Werte der Partei vermittelten. Die Reichsbanknote zu 20 Reichsmark war die erste Note der im Umlauf befindlichen zweiten Serie an Reichsmark-Scheinen (Abb. 3) und eines der Arbeitspferde im Umlauf. Sie trug noch die Handschrift der "Weimarer Republik" und war die erste, die man ersetzen wollte. Abb. 3: Reichsbanknote zu 20 Reichsmark mit dem Datum vom 22. Januar 1929 mit dem Bildnis Werner von Siemens, Vorderseite, 160 x 80 mm. [6] Abb. 4: Ausschnitt der Vorderseite der Reichsbanknote zu 50 Reichsmark mit dem Datum vom 30. März 1933 mit dem Kopfbildnis David Hansemanns; die arische Abstammung Hansemanns wurde angezweifelt und sorgte für Spott und Aufregung. [7] Walther Funk beabsichtigte, mit der neuen Banknote gleichzeitig den Anschluss Österreichs an da Deutsche Reich zu feiern. Es sollte eine Art von früher Gedenkbanknote werden. Für die Gestaltung wurde auf die Note zu 100 Schilling vom 2. Jänner (Januar) 1936 der Oesterreichischen Nationalbank (Abb. 5 und 6) zurückgegriffen, da sie mit der feschen Österreicherin auf der Vorderseite und der Alpenlandschaft auf der Rückseite besonders geeignet erschien, die neue Ostmark zu repräsentieren. Abb. 5: Vorderseite der Banknote der Oesterreichischen Nationalbank mit dem Datum vom 2. Jänner 1936, nicht ausgegeben, 175 x 88 mm. [8] Reichsbankpräsident und Wirtschaftsminister Walther Funk veranlasste den Druck einer „Gedenkbanknote“ zu 20 Reichsmark zum „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich basierend auf dieser Note, die in den Tresoren der ehemaligen Oesterreichischen Nationalbank und der Reichsbankhauptstelle Wien lagerten. Abb. 6: Rückseite der Banknote der Oesterreichischen Nationalbank mit dem Datum vom 2. Jänner 1936, nicht ausgegeben, 175 x 88 mm. [9] Die neue Frau Die Tirolerin auf der Vorderseite entsprach dem Typ nach der neuen deutschen Frau aus den südlichen, alpinen Landesteilen. Der ebenmäßige, edle Kopf im Halbprofil bedurfte keines großen Schmucks. Die Haare, zurückgebunden, doch nicht bedeckt, gaben einen anmutigen Charakter. Die einfache ländliche Kleidung und das Edelweiß, eingerahmt von einer mächtigen Alpenlandschaft, reichten aus, um das Porträt wirken zu lassen. Sie repräsentiert Österreich, aber auch die anderen alpinen Gebiete des neuen „Großdeutschen Reichs". Sie betonte Heimatnähe und in ihrer Einfachheit das Völkische. Der Blick nach rechts weist auf das Textfeld und hält die Note im Gleichgewicht. Die Rückseite zeigt mit dem Gosausee und dem Dachstein eine Alpen-Ideallandschaft, die Schönheit und Größe des Landes betonend. Bei späterer Gelegenheit wurde der positive Eindruck der Note erneut hervorgehoben. Am 1. Mai 1942 wurden Entwürfe zu den neuen Reichsbanknoten vom Reichsbeauftragten für künstlerische Formgebung, Professor Schweitzer, und dem Oberregierungsrat Stahl als Vertreter der Reichsdruckerei begutachtet. Darunter befand sich ebenfalls die Reichsbanknote zu 20 Reichsmark, deren Produktion schon fortgeschritten war. Die beiden Sachverständigen waren vom edlen Antlitz der Frau auf dieser Reichsbanknote beeindruckt. [10] Bei der Umsetzung der Note zu 100 Schilling musste berücksichtigt werden, dass das Format beider Noten sich unterschied. Die 100-Schillingnote war 175 x 88 mm, während die Reichsbanknote zu 20 Mark mit 160 x 80 mm das gleiche Format behalten sollte wie ihre Vorgängernoten. Zwar waren sie im Verhältnis der Höhe zur Breite mit 2: 1 gleich, doch wirkte die österreichische Note unharmonischer, da das Sichtfenster am linken Rand der Vorderseite in den Rahmen eingebunden wurde. Sie erhielt einen langgezogenen Charakter. Bei der Reichsbanknote hingegen wurde die bedruckte Bildfläche durch den 45 mm breiten Schaurand deutlich reduziert. Dadurch wurde das Verhältnis der Breite zur Höhe der bedruckten Fläche auf ein Verhältnis von 1,64 gebracht, was dem Verhältnis des Goldenen Schnitts sehr nahe kam. Auch auf der Rückseite der Reichsbanknote war die gesamte bedruckte Fläche im gleichen Verhältnis gehalten. Dazu wurde diese harmonisiert. Die Länge des Rahmens zur Länge des Bildteils mit der Alpenlandschaft wurde ebenfalls im Verhältnis des Goldenen Schnitts arrangiert. Das Bild war mittig in den Rahmen gesetzt und wurde an beiden Seiten jeweils von einem Arbeiter aus der Region drapiert. Links ein Älpler mit Axt als Sinnbild für die Forstwirtschaft und rechts ein Sämann, der die Landwirtschaft symbolisierte. Die freie Fläche wurde so mit mehr als nur Ornamenten gefüllt. Die Note wirkte trotz des breiten Schaurands ausgewogener. Die Ornamentik wurde angepasst und die moderner anmutende österreichische Verzierung durch ein fast modernes „Teppichmuster“ ersetzt. Der Vierfarbdruck im Orloff-Mehrfarbdruckverfahren, eine der neuen Errungenschaften der österreichischen Druckerei für Wertpapiere, wurde als Fälschungsschutz beibehalten. Diese Entscheidung hat sich später als ungünstig herausgestellt, da die Reichsdruckerei in Berlin nur über eine Maschine verfügte, der Druck dieser Banknote jedoch zwei benötigte. Die Reichsdruckerei konnte deshalb nicht einspringen, um diese Reichsbanknote schneller zu produzieren oder den Druck ganz zu übernehmen. [11] Während die österreichische Banknote auf der Vorderseite mit Fraktur-Schrift versehen war, wurde für die Rückseite eine Antiqua-Schrift gewählt. Für die Reichsbanknote wählte man auf beiden Seiten Fraktur-Schrift. Diese Schriftart passe besser zum Gesamtbild und wurde auch schon bei den letzten Reichsbanknoten verwendet, sodass die Beschriftung diese Tradition fortsetzte. Eine Reise beginnt Funk hatte den Druck in Wien 1939 initiiert. Adolf Hitler billigte im Januar 1940 den Druck der Note. Die ersten Druckproben waren 1940 fertig, wie man im Foto von 1940 erkennt, auf dem Reichsbankpräsident Walther Funk, die Vizepräsidenten Emil Puhl und Kurt Lange Druckproben betrachten. Zu diesem Zeitpunkt war der "Tirolerschein" noch ein Einzelprojekt und die Themenauswahl und Gestaltungsanforderung für weitere neue Reichsbanknoten weder definiert, noch unter den Verantwortlichen diskutiert worden. Abb. 7: Reichswirtschaftsminister und Präsident der Deutschen Reichsbank Walther Funk (sitzend) mit den neu ernannten Vizepräsidenten der Reichsbank Emil Puhl (links stehend) und Kurt Lange bei der Betrachtung der Entwürfe zu den neuen 20-Reichsmark-Scheinen (1940). [12] Brüder und Schwestern für eine Österreicherin Ende 1940 wurden die Frage neuer Reichsbanknoten erörtert und Vorschläge gemacht, wie man neue Entwürfe erlangen könne und welche Motive zu wählen seien. Dabei wurden Serien in Betracht gezogen, die den in Druck befindlichen "Tirolerschein" einbezogen, aber auch vernachlässigten. Man ging für die Vorbereitung bis zum Druck von 5 bis 10 Jahren aus. Das Dezernat Bayrhoffer legte dann dem Minister und Präsidenten der Reichsbank am 6. Dezember 1940 eine Notiz zur Vorbereitung zur Erlangung von Reichsbanknoten zu 10, 50, 100 und 1000 Reichsmark vor. Der Inhalt war in der Sitzung des Reichsbankdirektoriums vom 29. November 1940 besprochen und durch das Direktorium gebilligt worden. Das weitere Vorgehen wurde wie in der Notiz beschrieben am 11. Dezember 1940 genehmigt. [13] Erst aus weiteren Diskussionen ging hervor, dass man aufbauend auf dem "Tirolerschein" mit seiner Hochalpenlandschaft eine komplette Banknotenserie mit den bisher geläufigen Wertstufen ausgeben wolle. Als Thema wurde das Deutsche Volk in seiner Gesamtheit gewählt, die auf der Vorderseite durch Kopfbilder deutscher Typen und auf der Rückseite durch deutsche Baudenkmäler oder Landschaftsbilder repräsentiert würden. Elf Künstler wurden beauftragt, Entwürfe für Reichsbanknoten zu 10, 50, 100 und 1000 Reichsmark einzureichen. Sie kamen über den Status von Probedrucken nicht hinaus. Im Rahmen der Besprechung wurde eine Banknotenserie erwähnt, die von der Reichsdruckerei schon vorbereitet war. Auf den Entwürfen waren politische und militärische Repräsentanten des nationalsozialistischen Deutschlands auf der Vorderseite dargestellt, während für die Rückseiten nationalsozialistische Bauten gewählt wurden. Diese Entwürfe sind nicht mehr bekannt und haben den Krieg wahrscheinlich nicht überstanden. Darf man das noch? Am 22. Februar 1941 wurde die neue Reichsbanknote Thema beim Führer und Reichskanzler. Die Schrift auf der Note war, wie schon erwähnt, in Fraktur gehalten. Mit dem Erlass Rk. 237 B vom 13. Januar 1941 wurde die Antiqua-Schrift zur Normalschrift. Damit war die Beschriftung nicht mehr normgerecht. Deshalb beantragte man für die neue im Druck befindliche Reichsbanknote und die Serie, die vorbereitet wurde, eine Ausnahmegenehmigung zu erteilen. Am 18. März 1941 wurde mitgeteilt, das Adolf Hitler damit einverstanden sei, die Reichsbanknoten auch mit Fraktur-Schrift auszugeben. [14] Es geht weiter! Bis zum 5. August 1941 waren 340 Millionen Reichsmark von der neuen 20-Reichsmark-Note hergestellt. Da der Gesamtumlauf an Reichsbanknoten zu 20 Reichsmark am 15. Juli 1941 etwa 4,8 Milliarden Reichsmark betrug und im Bestand weitere 2,2 Milliarden Reichsmark lagerten, wurde es als verfrüht angesehen, den "Tirolerschein" auszugeben. Aufgrund der geringen Menge werde diese Banknote als Rarität angesehen und die Leute nur verwirren. Es wurde berechnet, dass bei einer Druckleistung von 2 Millionen Reichsmark pro Tag, wie sie die Druckerei für Wertpapiere in Wien lieferte, Ende 1941 600 Millionen Reichsmark der neuen Reichsbanknote gedruckt sein würden. Eine Ausgabe solle erst erfolgen, wenn mindestens ein Fünftel der umlaufenden Menge, rund eine Milliarde Reichsmark, fertig gestellt seien. Das werde für August 1942 erwartet. Eine frühere Ausgabe bringe keine wesentliche Entlastung im Geldumlauf, da 65 beziehungsweise 69 Millionen Reichsmark an Reichsbanknoten zu 20 Reichsmark im Juni und Juli vernichtet wurden. Die Druckleistung für die neue Reichsbanknote kompensiere gerade einmal die Verluste. Die Ausgabe werde mindestens noch bis Januar 1942 zurückgestellt. Es sei eher noch beabsichtigt, die neue Reichsbanknote zusammen mit den anderen Reichsbanknoten, die vorbereitet werden, auszugeben. Aus einem Aktenvermerk vom 8. Februar 1943 geht hervor, dass die Reichsdruckerei in Berlin 300.000 Stück Reichsbanknoten zu 50 Reichsmark, das mache 15 Millionen Reichsmark täglich oder 375 Millionen monatlich, 500.000 Stück Reichsbanknoten zu 20 Reichsmark, das mache 10 Millionen Reichsmark täglich oder 250 Millionen monatlich sowie 450.000 Stück Reichsbanknoten zu 10 Reichsmark, das mache 4,5 Millionen Reichsmark täglich oder 112,5 Millionen monatlich zur Zeit liefere. Die Druckleistung könne man beim Fünfziger auf 400.000 Stück und beim Zwanziger auf 600.000 erhöhen, wenn das zusätzlich bestellte Personal käme. Die Papierbeschaffung gestalte sich infolge des Rohstoffmangels immer schwieriger. Damit wurde hingewiesen, dass es durchaus geschehen könne, dass die angegebenen Druckleistungen nicht geschafft würden. Im Vergleich zu den Mengen, die die Reichsdruckerei produzierte, erscheint die Kapazität der Druckerei für Wertpapiere in Wien fast schon vernachlässigbar. Dennoch wurde daran festgehalten, die neuen Reichsbanknoten weiter zu drucken und gegebenenfalls die Ausgabe weiter nach hinten zu verschieben und auch erst nach dem Krieg auszugeben. Herr Hitler sagt "Ja" Anfang Mai 1943 wurde die neue Reichsbanknote zu 20 Reichsmark Adolf Hitler vorgelegt und von ihm genehmigt. Zu diesem Zeitpunkt waren rund 1,4 Milliarden Reichsmark gedruckt. Der Umlauf an alten Reichsbanknoten zu 20 Reichsmark hatte sich auf grob 6,5 Milliarden Reichsmark erhöht. Bis sie endlich ausgegeben wurde, vergingen noch einmal fast zwei Jahre. Wie ein Phönix aus der Asche Die Vorarbeiten zur neuen Banknotenserie, die den „Tirolerschein“ ergänzen sollte, wurden sicher bis August 1943 weitergeführt. Was dann passierte, ist nicht dokumentiert. Es ist anzunehmen, dass die Kriegslage neue Prioritäten geschaffen hatte. Die Ausgabe der neuen Serien war zudem erst für die Zeit nach dem Krieg vorgesehen, da der Tiefdruck, wie schon bei dem „Tirolerschein“ festzustellen war, viel Zeit in Anspruch nahm. Zwar wurde angestrebt, eine Ersatzserie zu schaffen, dafür wurden allerdings neue Entwürfe erstellt, die im schnelleren Offsetdruck hergestellt werden sollten, der Druck des „Tirolerscheins“ lief jedoch in Wien weiter. Die Versorgungslage wurde angespannter. Papier zu beschaffen wurde schon im Februar 1943 als schwierig bezeichnet. Aufgrund der ständigen Bombenangriffe wurde im Vorfeld geprüft, welche Alternativen für den Banknotendruck bestünden. Am 10. Juni reisten der Reichsbankdirektor Hans-Ulrich Möller und der Regierungsrat Willi Schröder nach Prag, um zu prüfen, wie und in welchem Umfang die Notendruckerei in Prag der Reichsdruckerei helfen könne, den steigenden Bedarf an Reichsbanknoten zu decken und für den Fall, dass die Reichsdruckerei getroffen würde, sicherzustellen. [15] Bis zum 20. Juni 1944 hielt die Reichsdruckerei die gewohnte Produktion aufrecht. Am 21. Juni 1944 näherten sich 2.500 Bomber der US-amerikanischen Luftwaffe (USAAF) –ein weiterer Angriff auf die Reichshauptstadt. Die Bomben fielen auf das Regierungs- und das Zeitungsviertel. Kreuzberg und Mitte wurden schwer getroffen. Auch die Reichsdruckerei war ein Ziel. Sämtliche Papiervorräte verbrannten. [16] Druckmaschinen, die für die Banknoten benötigt wurden, waren beschädigt. Der Betrieb kam fast vollständig zum Erliegen und erholte sich nur langsam von den Bombentreffern. [17] Druckaufträge konnten in Absprache mit dem Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion ausgelagert werden. [18] Die Aufträge, die an Drittfirmen gingen, betrafen vorerst nicht die Banknotenproduktion. Das änderte sich aber schon bald und Druckereien, die Banknoten herstellen konnten, wurden einbezogen. [19] Obwohl die Reichsdruckerei und besonders die Banknotenproduktion als kriegswichtig galten und höchste Priorität erhielten, störten Lieferengpässe wie zum Beispiel für Kohle zur Energieversorgung [20] den Betrieb der Reichsdruckerei in Berlin und den ausgelagerten Nebenstellen. Es gab Produktionsausfälle. Dann kam der 3. Februar 1945. 1945. Zwar war das nicht der größte Luftangriff auf die Stadt. Der erfolgte am 26. Februar, aber die Ereignisse dieses Luftangriffs haben sich tief in das Bewusstsein der damals noch in Berlin lebenden Bevölkerung, insbesondere bei den Kindern, eingegraben. Ganze Stadtviertel verschwanden in der Innenstadt, Brände loderten, ein Ausweichen aus dem betroffenen Gebiet war nur schwer möglich. [21] Fast 1000 Bomber der USAAF griffen um 11 Uhr an. Der Angriff galt besonders den zentralen Bereichen der Stadt. Eine Stunde später herrschte stockfinstere Nacht. Über 2000 t Bomben wurden abgeworfen. 2300 Bauten wurden total zerstört, 4500 teils schwer beschädigt. Wieder waren Kreuzberg und das Zeitungsviertel betroffen. [22] Die 240. Folge der "Berichte über die Luftangriffe auf die Reichshauptstadt Berlin", verfasst am 8. Februar 1945, hielt über den Bezirk Mitte fest: "Fast in seiner gesamten Ausdehnung schwer getroffen. Die durch besonders dichte Bombenteppiche betroffenen Gebiete erstrecken sich von der Südwest-Ecke des Bezirks (Gegend Potsdamer Platz - Leipziger Straße - Herrmann-Göring- Str.) in breiter Fläche nach Nordosten über die Gegend Bahnhof Alexanderplatz hinweg mit Ausläufern nach Nordwesten (Gegend Stettiner Bahnhof) und Südosten (Gegend Köpenicker Str., Melchiorstr.)." Auch die angrenzenden Bezirke wurden schwer getroffen, dieser Angriff galt insbesondere dem zentralen Bereich der Stadt. [23] Die Reichsdruckerei erlitt schwere Schäden. Die Hälfte der Produktionsanlagen wurde vernichtet. [24] Die Aufräumarbeiten um die Reichsdruckerei waren aussichtslos. Am wichtigsten für die Stadtverwaltung nach dem Luftangriff war die Herstellung der Benutzbarkeit der Verkehrswege. Dazu wurden die städtischen Behörden sowohl von der Wehrmacht gedrängt, aber auch für die Funktion der Stadt war es wichtig. Erstmals wurden Nebenstraßen für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Einerseits weil es keine Arbeitskräfte zur Räumung gab, andererseits aber auch, weil die Beschädigung des Pflasters nicht mehr zu beheben war. Die Spitzen der Behörden drängten mit aller Energie darauf, dass die wichtigsten Straßen für die Transporte der Wehrmacht wieder hergerichtet wurden. Es handelte sich in diesem Gebiet um Hauptverkehrsstraßen wie die Friedrichstraße, die Leipziger Straße, Oranienstraße, Wilhelmstraße, um nur einige zu nennen. [25] So war ein geregelter Betrieb nicht möglich. Die Druckleistung reduzierte sich. Der Transport von Rohmaterial, Ersatzteilen, aber auch der Produkte wie der Reichsbanknoten war eingeschränkt, ja kaum noch möglich. Der Angriff vom 26. Februar 1945, der als der schwerste Luftangriff auf Berlin gilt, verschärfte die Situation weiter, da Fortschritte bei den Aufräumarbeiten zunichte gemacht wurden. Die 250. Folge der "Berichte über die Luftangriffe auf die Reichshauptstadt Berlin" hielt in knappen Worten über den Bezirk Mitte fest: „Bezirk schwer getroffen. Im Süden liegt ein mit zahlreichen Brand- und Sprengbomben belegtes Schadensgebiet in der Gegend der Französischen Straße, Friedrichstraße, Jerusalemer Straße.“ Maßnahmen eines halbwegs geordneten Aufräumens der Nebenstraßen wurden aufgegeben, man beseitigte nur noch den Schutt in den Hauptstraßen. Das Wohn- und Industriegebiet Linden-, Kommandanten-, Alte Jakob-, Neue Jakobstraße, Schulze-Delitsch- Platz, Köpenicker-, Neander-, und Gitschinerstraße wurde für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Das Gebiet sollte ummauert werden, an einigen, genau gekennzeichneten Stellen sollten Durchlässe offen bleiben, die die Bewohner und die in den noch bestehenden Betrieben Arbeitenden benutzen konnten. Zu einer völligen Zumauerung kam es nicht, aber die Straßen wurden mit Mauern versehen. [26] Die Aufräumarbeiten um die Reichsdruckerei waren aussichtslos. Die Nebenstraßen wurden für den öffentlichen Verkehr gesperrt. Unter diesen Umständen war ein geregelter Betrieb nicht mehr möglich. Die Druckleistung reduzierte sich. Die Logistik war eingeschränkt. Abb. 8: Die Berliner Oranienstraße nach dem Angriff vom 3. Februar 1945. [27] Abb. 9: Zerstörungen nach dem Angriff vom 3. Februar 1945 auf Berlin. [28] Abb. 10: Die zerstörte Reichsdruckerei: Eingang Oranienstraße 90-91; Nachkriegsaufnahme. [29] Abb. 11: Die zerstörte Reichsdruckerei: Hauptgebäude Oranienstraße 90-91; Nachkriegsaufnahme [30] Abb. 12: Die zerstörte Reichsdruckerei: Aufnahme vom Innenhof; Nachkriegsaufnahme [31] Abb. 13: Zerstörter Generator der Reichsdruckerei. [32] Der Bedarf an Reichsbanknoten war trotzdem hoch und wurde nicht geringer. Nicht nur die hohen Kriegskosten steigerten den Notenumlauf, sondern auch Privatpersonen und Betriebe benötigten immer mehr Geld. Im Chaos des Zusammenbruchs war es vor allem Bargeld, das gefragt war. Auch die Wehrmacht, die sich auf dem Rückzug und immer mehr im Reichsgebiet befand, brauchte mehr deutsche Zahlungsmittel. Alles zusätzliche Faktoren, die den Bedarf an Reichsbanknoten weiter erhöhten. [33] Die Front näherte sich. Die Rote Armee stand Anfang des Jahres an der Weichsel und in Ungarn. Berlin und Wien befanden sich in ihrer Reichweite. Mit der Winteroffensive 1945 gelang es der Sowjetarmee, bis zur Oder vorzurücken. Es war nur noch eine Frage der Zeit, wann die beiden Druckereien in die Hände der Sowjets fielen. In den Tresoren lagerten noch Bargeldbestände. In Wien waren es die Noten zu 20 Reichsmark, die immer noch darauf warteten, emittiert zu werden. Gleichzeitig wurde es erlaubt, Notgeld auszugeben, um Engpässe bei den Zahlungsmitteln zu verhindern. Das galt besonders, wenn sich die Front näherte. Die umlaufenden Reichsbanknoten wurden seit Januar 1945 im vereinfachten Druck hergestellt, um externe Druckereien besser einbeziehen zu können und mehr Bargeld zu produzieren. Unter diesen Umständen ist zu verstehen, dass nicht länger gewartet wurde. Das, was für den „Tirolerschein“ geplant war, war nicht mehr wichtig. Die ganze Serie zusammen auszugeben, war utopisch geworden. Der Einwand, die Bevölkerung könne verwirrt werden, wenn verschiedene Geldscheine gleicher Wertstufe umliefen, war belanglos geworden. Es zählte allein noch, die Wirtschaft und Wehrmacht mit Zahlungsmitteln zu versorgen. Weshalb sollte man also die neue Reichsbanknote noch zurückhalten? Anfang 1945 war eine ausreichende Menge des „Tirolerscheins“ hergestellt. Es müssten bei gleichbleibender Produktion der Druckerei für Wertpapiere in Wien zwischen 2,2 und 2,8 Milliarden Reichsmark dieser Banknote gewesen sein. Da der Druck in 3 x 5 Nutzen geschah und die Kontrollnummern, die man bislang nachweisen konnte, bis an die 12200000 heranreichen, kann man davon ausgehen, dass insgesamt 183 Millionen Stück mit einer Gesamtsumme von 3,66 Milliarden Reichsmark gedruckt wurden. [34] Ob es wirklich so viele waren, mag dahingestellt sein. Die Druckleistung der Wiener Druckerei legt eher weniger als 150 Millionen Scheine mit einen Wert von unter 3 Milliarden nahe. Im Reichsanzeiger Nr. 27/ 1945 vom 19. Februar 1945 wurde angekündigt, dass in den nächsten Tagen eine neue Reichsbanknote zu 20 Reichsmark mit dem Datum vom 16. Juni 1939 in den Verkehr gegeben werde. [35] Die Bekanntmachung trug das Datum vom 15. Februar 1939, also keine zwei Wochen nach dem verheerenden Angriff auf Berlin, der die Reichsdruckerei so stark getroffen hatte. Der "Tirolerschein" blieb bis zum 20. Juni 1948 im Westen Deutschlands und mit Klebemarke bis zum 28. Juli 1948 in der Sowjetischen Besatzungszone im Umlauf. Ein nur kurzes Leben nach der langen Geburt. Dr. Oliver Herzberg Anmerkungen [1] Oliver Rathkolb, Theodor Venus, Die Reichsbankanstalten 1938-1945 am Beispiel der Reichsbankhauptstelle Wien, OeNB, Wien, 2013, S. 17-21 [2] OeNB, Österreichische Geldgeschichte, Vom Mittelalter zum Euro, OeNB, Wien, 2. Auflage 2020, S. 90-91 [3] https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/kunst-und-numismatik/muenz-und-geldscheinsammlung/bildarchiv/banknoten-der-deutschen-reichsbank-zwischen-1924-und-1945-607178 [4] https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/kunst-und-numismatik/muenz-und-geldscheinsammlung/bildarchiv/banknoten-der-deutschen-reichsbank-zwischen-1924-und-1945-607178 [5] Schreiben vom 19.Mai 1934 von Heinrich Eggert an den Verbindungsstab der Gauleitung Hamburg betreffend die Reichsbanknote vom 30. März 1933, BArch R2501/ 11747. Das Schreiben bezieht sich auf einen Artikel aus der Zeitschrift „Am heiligen Quell“, Band 3, 1934, S. 120, in dem darauf verwiesen werde, dass David Hansemann in S. Winigers jüdischen Nationalbiographie aufgeführt und entsprechend Jude sei. Die Reichsbank entkräftete zwar die Behauptung, doch gelang es ihr nicht, zweifelsfrei zu beweisen, dass David Hansemann kein Jude war. [6] https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/kunst-und-numismatik/muenz-und-geldscheinsammlung/bildarchiv/banknoten-der-deutschen-reichsbank-zwischen-1924-und-1945-607178 [7] https://www.bundesbank.de/de/bundesbank/kunst-und-numismatik/muenz-und-geldscheinsammlung/bildarchiv/banknoten-der-deutschen-reichsbank-zwischen-1924-und-1945-607178 [8] https://www.kenom.de/objekt/record_DE-MUS-106425_kenom_349613/1/ [9] https://www.kenom.de/objekt/record_DE-MUS-106425_kenom_349613/2/ [10] Aktenvorlage betreffend der Auswahl der Entwürfe der neuen Reichsbanknoten vom Mai 1942, Berlin, BArch R2501/ 11749, Bl. 11765 K, B [11] Aktenvermerk vom 8. Februar 1943 zu einer Besprechung vom 2. Februar 1943 mit der Reichsdruckerei zur täglichen Banknotenlieferung, BArch R2501/ 11749 [12] BArch Bild 183-H29132, auch wikipedia-Artikel zu Emil Puhl https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Emil_Puhl&oldid=210700181 , abgerufen am 24. November 2021 [13] Notiz zur Frage der Erlangung von Reichsbanknoten zu 10, 50, 100 und 1000 Reichsmark und Notiz an den Reichsminister betreffend der Vorbereitung der Herstellung neuer Reichsbanknoten zu 10, 50, 100 und 1000 Reichsmark vom 6. Dezember 1940 des Dezernats Bayrhoffer, BArch R2501/ 11749 [14] Schriftwechsel zwischen dem Reichsminister des Inneren, dem Reichsminister und Chef der Reichskanzlei, dem Reichsbeauftragten für künstlerische Formgebung vom Februar/ März 1941, BArch R2501/ 11749 [15] R4701/ 14181 Bl. 151 [16] Wikipedia-Artikel zur Bundesdruckerei https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesdruckerei , abgerufen am 29. Juni 2024 [17] Schreiben des Reichspostministeriums an die Druckmaschinenhersteller vom 21. bis 30. Juli 1944, BArch R4701/ 14181 Bl. 215 -218 [18] Besprechung des Reichsbeauftragten für Druck des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion mit Vertretern des Reichspostministeriums und der Reichsdruckerei vom 13. Juli 1944, BArch R4701/ 14181 Bl. 210-212 [19] Schriftwechsel zwischen dem Reichsbeauftragten für Druck des Reichsministers für Rüstung und Kriegsproduktion und dem Reichspostministerium vom 18. September bis 8. Oktober 1944, BArch R4701/ 14181 Bl. 220- 222 [20] Brief der Reichsdruckerei an den Reichsverteidigungskommissar für die Reichshauptstadt Berlin vom 29. Januar 1945 BArch R4701/ 14181 Bl. 246 [21] Laurenz Demps, Der Luftangriff vom 3. Februar 1945 in Berlinische Monatsschrift Heft 9/2000, S. 101-104 [22] Wikipedia-Artikel Luftangriffe der Alliierten auf Berlin https://de.wikipedia.org/wiki/Luftangriffe_der_Alliierten_auf_Berlin , abgerufen am 29. Juni 2024 [23] Laurenz Demps, Der Luftangriff vom 3. Februar 1945 in Berlinische Monatsschrift Heft 9/2000, S. 101-104 [24] Wikipedia-Artikel zur Bundesdruckerei https://de.wikipedia.org/wiki/Bundesdruckerei , abgerufen am 29. Juni 2024 [25] Laurenz Demps, Der Luftangriff vom 3. Februar 1945 in Berlinische Monatsschrift Heft 9/2000, S. 101-104 [26] Laurenz Demps, Der Luftangriff vom 3. Februar 1945 in Berlinische Monatsschrift Heft 9/2000, S. 101-104 [27] Wikipedia https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5364876 , abgerufen am 29. Juni 2024 [28] Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Datei:Bundesarchiv_Bild_183-J31345,_Berlin,_Zerst%C3%B6rung_nach_Luftangriff.jpg , abgerufen am 29. Juni 2024 [29] Archiv der Bundesdruckerei [30] Archiv der Bundesdruckerei [31] Archiv der Bundesdruckerei [32] Archiv der Bundesdruckerei [33] Entwurf eines Flugblattes für das Propagandaministeriums von der Reichsbank vom 23. März 1945 BArch R2501/ 6657 Bl. 267-268 [34] Michael H. Schöne, Die Reichsbanknote vom 16. Juni 1939 – ein „Wiener Zwanziger“? !, in "Der Geldscheinsammler", 2001, Heft 8, S. 9-12 [35] Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Nr. 27-1945, 19.02.1945












