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  • Aus privaten Sammlungen: Behelfsausgabe zu 1000 Francs unter deutscher Besatzung in Tunesien

    Frankreich hatte sich ab Ende des 19. Jahrhunderts den Großteil Nordwestafrikas als Kolonien einverleibt. Französisch-Westafrika umfasste schließlich die heutigen Länder Marokko, Algerien, Mauretanien, Mali, Niger, Tschad, die Zentralafrikanische Republik, die Republik Kongo, Gabun, Benin, Togo (bis 1918 deutsche Kolonie), die Elfenbeinküste, Ghana, Burkina-Faso, Guinea und den Senegal. 1881 wurde auch das nordafrikanische Tunesien französisches "Schutzgebiet". Im Zusammenhang mit dem Kampf der Italiener und des zu ihrer Unterstützung entsandten deutschen Afrikakorps unter Führung des späteren Generalfeldmarschalls Rommel um die italienische Kolonie Libyen gegen die Briten, rückten deutsche und italienische Truppen am 9. November 1942 in Tunesien ein, um einer Landung der Alliierten zuvorzukommen. Nach der Aufgabe von Libyen zogen sich Ende Januar 1943 die Reste der deutschen und italienischen Truppen völlig nach Tunesien zurück. Trotz großer Anstrengungen, der hier am 23. Februar 1943 gebildeten Heeresgruppe Afrika Verstärkungen und Nachschub zuzuführen, wurde die Lage der verbündeten Truppen immer schwieriger. Der „Brückenkopf Tunesien“ konnte nur von Sizilien und vom italienischen Festland aus mit dort stationierten deutschen Transportflugzeugen versorgt werden, die größtenteils von der Ostfront abgezogen werden mussten. Die alliierte Lufthoheit war aber bereits so erdrückend, dass trotz Begleitschutz nur noch wenig Nachschub Tunesien erreichte. Nach Stalingrad wurde Tunesien zur verlustreichsten Versorgungsaktion eingekesselter Truppen der Achsenmächte. Viele Transportmaschinen wurden über dem Mittelmeer abgeschossen oder am Boden zerstört. Bereits am 7. März 1943 hatte Generaloberst von Arnim die Führung der Heeresgruppe Afrika übernommen, da Rommel erkrankt war und nach Deutschland zurückkehren musste. Im März und April 1943 verschlechterte sich die Lage in Tunesien weiter. Ende April starteten die Alliierten ihre letzte Offensive gegen die deutsch-italienischen Stellungen. Als am 1. Mai 1943 die Amerikaner nördlich von Tunis vorrückten, verfügte die Heeresgruppe Afrika nur noch über 86 Panzerkampfwagen. Der deutsche „Brückenkopf Tunesien“, den die Alliierten als „Sprungbrett“ für ihre Invasion in Italien nutzen wollten, schrumpfte immer weiter zusammen. Am 7. Mai fuhren die Vorausabteilungen der Briten in Tunis ein, und Hitler forderte von den stark dezimierten, völlig erschöpften und kaum noch kampffähigen Truppen, Widerstand bis zum letzten Mann zu leisten. Am 13. Mai 1943 kapitulierten die Reste der Heeresgruppe Afrika bei Tunis vor den Alliierten. 130.000 deutsche und 120.000 italienische Soldaten gingen in Gefangenschaft. Die deutsch-italienischen Verluste im „Afrikafeldzug“ betrugen am Ende 975.000 Mann, 7.600 Flugzeuge, 6.200 Geschütze, 2.550 Panzer, 624 Schiffe und 70.000 Lastkraftwagen. Nach der Eroberung Nordafrikas bereiteten die Alliierten ihre Landung auf Sizilien vor. Hierzu wurden im Vorfeld massive Bombenangriffe auf die Insel und Süditalien geflogen. Mit der Landung der Alliierten auf Sizilien im Sommer 1943 war auch das Schicksal des Duce und der Achse „Rom-Berlin“ besiegelt. Seit der französischen Herrschaft erfolgte die Bereitstellung von Zahlungsmitteln für Tunesien durch die Banque de l’Algérie. Um der Zahlungsmittelknappheit während der deutsch/italienischen Besatzung zu begegnen, gaben die Deutschen in der Zeit vom Dezember 1942 bis zum Mai 1943 mit Überdruck versehene 100-Francs-Noten der „Banque de France“ aus dem Jahr 1892, die in Banktresoren der Hauptstadt Tunis gefunden worden waren, als 1000-Francs-Noten der „Banque de l’ Algerie“ aus. Objekttyp: Banknote (Behelfsausgabe) Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Authentizität: Original (Abbildungsvorlage für Katalog) Land/Region/Ort: Tunesien Emittent: Banque de l’ Algerie, Tunis Nominal: 1000 Francs Datierung: 11. Juli 1892 (alte Daten von Mai bis August 1892) Vorderseite: Allegorische Figuren, schwarzer Überdruck mit neuem Banknamen und neuem Nennwert Rückseite: Allegorische Figuren Material: Papier mit zwei antiken Kopfbildnissen als Wasserzeichen Format: 180 mm x 112 mm Druck: Banque de France Nummerierung: 048/R.50 – 1241048 Gültigkeit: Dezember 1942 bis Mai 1943 Zitate: ZWK-12 (Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) Ro/Gra 668 (Rosenberg/Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871) SCWPM 31 (Standard Catalog of World Paper Money: Tunisia) B221 (Linzmayer: The Banknote Book – Tunisia) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com . Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine 23. Auflage 2023/2024 ISBN: 978-3-86646-224-3 864 Seiten, durchgehend farbig Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe   Bestellung über den Verlags-Shop

  • Wo die D-Mark nach der Währungsreform von 1948 noch eingeführt wurde

    Im Mai 1945 kapitulierte die deutsche Wehrmacht bedingungslos vor den alliierten Streitkräften der USA, der Sowjetunion, Großbritanniens und Frankreichs. Sie legten auch die künftigen Grenzen nach außen und innen fest: Nach Abtrennung der deutschen Gebiete östlich von Oder und Neiße wurde der Rest Deutschlands in vier Besatzungszonen und Berlin in vier Besatzungssektoren aufgeteilt. Im Potsdamer Abkommen wurde eine künftige neue deutsche Währung vereinbart – durch unterschiedliche Interessen der Westalliierten und der Sowjetunion kam es bekanntermaßen nicht dazu. Nach zähen Verhandlungen verkündeten die USA, Großbritannien und Frankreich am 18. Juni 1948 den Geldumtausch der Reichsmark in eine neue Währung. Die „Deutsche Mark“ kam ab dem 21. Juli 1948 in den westlichen Besatzungszonen in Umlauf. Die schon ab 1947 in den USA gedruckten neuen Banknoten wurden kurz vor den Umtauschaktionen in die jeweiligen Verteilungszentren geliefert. Abb. 1: Ladeliste über 53 Kisten vom 14. Juni 1948, mit einem zweiten Lkw nach Bremen gelieferte BdL-Noten im Wert von 23,26 Mio. DM (7 Kisten ½ D-Mark Code 1-40; 8 Kisten 1 D-Mark 2-40; 10 Kisten 2 D-Mark 3-40; 6 Kisten 5 D-Mark 4-40 BdL I; 15 Kisten 20 D-Mark 5-32 BdL I und 7 Kisten 50 D-Mark 3-32 BdL I für Bremen und Bremerhaven, US-Zone) – das sind die Banknoten, die als „Kopfgeld“ ausgegeben wurden; alle anderen Scheine wurden später ausgegeben: 10 D-Mark BdL I, 20, D-Mark BdL II, 50 D-Mark BdL II/Liberty und 100 D-Mark BdL I. Abb. 2: 20 D-Mark 1948, Vs., die Erstlieferungen wurden nur in den inzwischen gegründeten Ländern der westlichen Besatzungszonen ausgegeben: Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg, Nordrhein-Westfalen (brit.), Bremen/Bremerhaven, Hessen, Württemberg-Baden, Bayern (US-amerik.) und Rheinland-Pfalz, Württemberg-Hohenzollern, Baden (franz. Zone). Nicht in allen Regionen, Städten und Gemeinden in der heutigen Bundesrepublik kamen am 21. Juni 1948 die neuen D-Mark-Banknoten in Umlauf. Der Grund dafür waren die Verträge, Vereinbarungen oder zweiseitigen Abkommen der Siegermächte. Nicht immer wurden sie eingehalten und die abweichenden Beschlüsse wurden von den jeweils anderen Militärregierungen akzeptiert und hingenommen. Folgende Gebiete in Deutschland kamen in der Folgezeit zum Währungsgebiet der D-Mark: Westberlin, DM ab 25. Juni 1948 (mehr als 2,0 Mio. Bewohner) Die Sowjetunion beabsichtigte in ihrem SMAD-Befehl Nr. 111/48 vom 23. Juni 1948 eine eigene Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone und Gesamtberlin. Obwohl die westalliierten Gesetze [1] die Westsektoren Berlins in den Geltungsbereich nicht mit einbezog, kam es zu den historischen Ereignissen, wie den Währungsstreit und die Berliner Blockade zu Land und Wasser („Luftbrücke). Resultat der ergebnislosen Verhandlungen zwischen Ost und West war die Einführung der D-Mark/West ab dem 25. Juni 1948 auch in den Berliner Westsektoren. Zum Zweck der Währungskontrolle wurden die in Westberlin umlaufenden Banknoten zunächst mit dem Großbuchstaben B abgestempelt, später mit einem B perforiert, so dass Zwitterkennzeichnungen mit Stempel und Perforation vorkommen. Ab Dezember 1953 verzichteten die Behörden auf diese Markierungen. Abb. 3: 20 Reichsmark 16. Juni 1939, Vs., Reichsbanknote der Deutschen Reichsbank; der damalige Wert war 10,00 D-Mark (später wurde die Umtauschquote von ursprünglich 10:1 auf 10:0,65 heruntergesetzt (man erhielt ab dem 4. Oktober 1948 nur noch 6,50 DM für 100 RM auf Konten gutgeschrieben). Abb. 4: 20 D-Mark 1948, Vs., Austauschschein (G...G) mit B-Stempel für Westberlin; der damalige Wert war 40,00 RM (ab 20. März 1949 war die D-Mark alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel in Westberlin). Insel Helgoland, D-Mark seit Sommer 1952 (unter 1.000 Bewohner) Im „Vertrag über Kolonien und Helgoland“ (Helgoland-Sansibar-Vertrag) von 1890 übergab Großbritannien die Insel im Austausch für Gebiete in Ost- und Südwestafrika an das Deutsche Reich. Während des Zweiten Weltkriegs wurden etwa 2.500 Helgoländer ab 20. April 1945 von der Insel evakuiert. Am 11. Mai 1945 besetzten britische Truppen das Trümmerfeld. Helgoland war ab 1946 Zielpunkt britischer und US-amerikanischer Bombenabwürfe, wie die sog. „Operation Big Bang“ am 18. April 1947. Danach gab es eine britische Besatzung auf der Insel, die aber verwaltungsmäßig weiterhin zur britischen Besatzungszone gehörte. Vier Tage vor Weihnachten 1950 „besetzten“ die Heidelberger Studenten Georg v. Hatzfeld und René Leudesdorff mit 14 Gleichgesinnten Helgoland und wollten so für die Rückgabe demonstrieren. Eine Woche später räumte deutsche Polizei die Leute aus Luftschutzbunkern, am 9. Januar 1951 kam britisches Militär, um weitere 19 Demonstranten zu vertreiben. Damit war in der deutschen und britischen Öffentlichkeit die Forderung nach Rückgabe der Insel gewachsen. Drei Tage später schickte die deutsche Regierung eine formelle Anfrage an die britische Regierung mit der Bitte um Rückgabe Helgolands. Am 7. März 1951 stimmte die britische Regierung zu, die Insel innerhalb eines Jahres an Deutschland abzutreten. Am 1. März 1952 erfolgte tatsächlich die Rückgabe, seitdem gehört Helgoland zum Bundesland Schleswig-Holstein. Abb. 5: 1 Pound o. D. (1948), Vs., britischer Militärgeldschein, 2. Serie der British Armed Forces; der damalige Wert war 11,72 D-Mark. Abb. 6: 100 D-Mark 9. Dezember 1948, Vs., Banknote der Bank deutscher Länder; Helgoland war von den Briten zwischen 1945 und 1952 mit stationierten Militäreinheiten besetzt, aber unbewohnt; dort galt theoretisch das Pfund Sterling. 100 D-Mark hatten den Wert von 8 £ 10 Sh. 6 p. Stadt Kehl, D-Mark ab 29. Juli 1949 bis 9. April 1953 (über 8.400 Bewohner) Die Bevölkerung der badische Stadt am Rhein wurde in den ersten Tagen des Zweiten Weltkriegs durch die deutschen Wehrmacht evakuiert. Die Stadt lag in der „Roten Zone“ am Westwall. Erst nach dem siegreichen Westfeldzug konnte die Bevölkerung, die in den Schwarzwald gebracht wurde, am 22. Juni 1940 nach Kehl zurückkehren. Die Stadt wurde nach Straßburg eingemeindet, die nunmehr die Hauptstadt des Gaues Baden-Elsaß wurde. Alliierte Truppen besetzten am 23. November 1944 Straßburg, einen Tag später musste die zivile Bevölkerung abermals Kehl verlassen; am 15. April 1945 rückten französischen Truppen in die Stadt ein. Kehl blieb ein Vorort von Straßburg (Strasbourg) und wurde kein Teil der französischen Besatzungszone. Straßen und Plätze wurden umbenannt; man sprach Französisch statt Deutsch (elsässischer Dialekt) in der Stadt. Auf der Außenministerkonferenz 1949 wurde im Washingtoner Abkommen der Austausch der französischen durch die deutsche Bevölkerung der Stadt Kehl beschlossen. Ab dem 29. Juli 1949 bis zum 8. April 1953 wurde die Stadt in 43 Stufen an die Bundesrepublik übergeben; Hauptursache der dreijährigen Dauer war der fehlende Wohnraum für die französische Bevölkerung Kehls. Auch stellten die französischen Militärbehörden nur zwei Lastwagen für den Transport der Personen nach Straßburg zur Verfügung; etwa 30 deutsche Arbeiter halfen bei der Beförderung. Der französische Hochkommissar François-Poncet bestätigte am 28. August 1951 nochmals, dass das „Territoire de Kehl“ übergeben werde. Auch der Streit über den Kehler Hafen wurde am 1. Januar 1952 beigelegt. Eine lokale Zeitung titelte nach der Rückgabe der Stadt „Die Rue de Stalingrad heißt wieder Bismarckstraße“ – eine andere „Kehl kehrt aus der Gefangenschaft heim“. Abb. 7: 5.000 Francs 2. Januar 1953, Vs., Banknote der Banque de France; der damalige Wert war 60,05 D-Mark. Abb. 8: 100 D-Mark 1948, Vs., Banknote der Bank deutscher Länder; der damalige Wert war 8.326,00 französische Francs. Gemeinde Losheim u. a, D-Mark ab 24. September 1958 (etwa 1.000 Bewohner) Entgegen der geschaffenen Grenzen der jeweiligen Besatzungszonen, beanspruchten einige Nachbarländer deutsche Gebietsteile. So besetzte Belgien noch vor Gründung der Bundesrepublik kleinere Orte und Fluren: Hemmeres, Losheim, Siedlung Bildchen (Aachen), Siedlung Losheimergraben (Hellenthal), Teile von Leykoul – vom 23. April 1949 bis 28. August 1958 belgisch. [2] Belgische Pläne, weitere Gemeinden zu annektieren, wurden 1949 fallen gelassen: Mützenich, Lammersdorf, Roetgen, Ruitzhof. Die Bundesregierung zahlte Belgien 1,3 Mio. D-Mark als "Entschädigung". Abb. 9: 100 belgische Francs 20. Oktober 1948, Vs., Banknote der Banque Nationale de Belgique/Nationale Bank van België; der damalige Wert war 8,34 D-Mark. Abb. 10: 20 D-Mark 22. August 1949, Vs., Banknote der Bank deutscher Länder; der damalige Wert war 240,00 belgische Francs. Saarland, D-Mark ab 6. Juli 1959 (knapp 1,0 Mio. Bewohner) US-amerikanische Truppen besetzten ab dem 21. März 1945 das Saargebiet und übergaben es am 7. Juli 1945 an die Franzosen, wodurch es sechs Wochen später Bestandteil der französischen Besatzungszone wurde. Am 11. Juli 1946 beschloss die Regierung in Paris die Lostrennung der Saar aus ihrer Besatzungszone; die USA und Großbritannien akzeptierten die Entscheidung. Die Verfassungsgebende Versammlung in Saarbrücken verabschiedete am 8. November 1947 die erste Landesverfassung für das Saarland. Der französische Franc wurde am 20. November 1947 gesetzliches Zahlungsmittel, nachdem die Saar-Mark ab dem 16. Juni 1947 die Reichsmark ersetzt hatte. Entsprechend des Luxemburger Vertrags [3] erklärte am 14. Dezember 1956 der saarländische Landtag nach einer zuvor erfolgten Volksabstimmung den Beitritt zum Geltungsbereich des westdeutschen Grundgesetzes und verabschiedete am 23. Dezember 1956 das Gesetz über die Eingliederung des Saarlandes zum 1. Januar 1957. Der Währungsaustausch erfolgte jedoch erst ab dem 6. Juli 1959. Abb. 11: 10.000 Francs 7. Juni 1956, Vs., Banknote der Banque de France; der damalige Wert war 85,07 D-Mark. Abb. 12: 50 D-Mark 9. Dezember 1948, Vs., Banknote der Deutschen Bundesbank; der damalige Wert war 5.875,00 französische Francs. Gemeinde Elten u. a., D-Mark ab 1. August 1963 (knapp 10.000 Bewohner) Auch die Niederlanden hegten nach 1945 Annexionspläne bzw. Gebietsforderungen gegenüber Deutschland. Wie im Fall belgischer Ansprüche legte die Britische Militärregierung keinerlei Widerspruch ein. So kam es in Verhandlungen zur Rückgabe bewohnter Gebiete: Stadt Elten, Gemeinden Heilder, Kerkrade, Mindergangelt, Selfkant mit Tüddern, Flur Siebengewald, Siedlung bei Arcen, Siedlung Suderwick, Teile von Sittard, Gebiete bei Eygelshoven und bei Losser – vom 23. April 1949 bis 31. Juli 1963 niederländisch. [4] Schon am 25. August 1945 gründete sich ein Nederlandsch Comité voor Gebiedsuitbreiding (= Niederländisches Komitee für Gebietserweiterungen). Die Alliierte Hohe Kommission für Deutschland lehnte die Pläne A, B und C der NCG ab, nach denen große Landesteile mit großen Städten nach den Niederlanden eingegliedert werden sollten; Ortsumbenennungen waren geplant, z. B.: Aken (Aachen), Keulen (Köln), Monniken-Glaadbeek (München-Gladbach), Kleef (Kleve), Noordhoorn (Nordhorn), Osnabrugge (Osnabrück). Die Bundesregierung zahlte 280,0 Mio. D-Mark als "Entschädigung" an die Niederlande. Am 26. März 1949 beschlossen die USA, Großbritannien, Frankreich und die Beneluxländer auf der Londoner Deutschland-Konferenz, die Grenzziehung zwischen den Beneluxländern, Frankreich und Deutschland anzupassen. Wie die Beispiele zeigen, liefen D-Mark-Banknoten bis zu den Besetzungen durch Belgien und den Niederlanden von Juni 1948 bis April 1949 in den genannten Gebieten erstmals um. Abb. 13: 10 Gulden 23. März 1953, Vs., Banknote der Nederlandsche Bank; der damalige Wert war 11,06 D-Mark. Abb. 14: 50 D-Mark 2. Januar 1960, Vs., Banknote der Deutscher Bundesbank; der damalige Wert war 45,23 Gulden. DDR, D-Mark ab 1. Juli 1990 (etwa 16,4 Mio. Bewohner) Als Folge der Massendemonstrationen in der DDR ab September 1989 trat die Regierung am 7. November 1989 geschlossen zurück – das Politbüro der SED am folgenden Tag. Das Ergebnis der ersten freien Wahlen am 18. März 1990 in Mitteldeutschland war letztlich der Beitritt der DDR am 3. Oktober 1990 zur Bundesrepublik. Zuvor trat am 1. Juli 1990 der Staatsvertrag zwischen der BRD und der DDR in Kraft. [5] Im Punkt 5. des Artikels 10 wurde kein wirklicher Geldumtausch vereinbart, sondern die Konten im Verhältnis 2 DDR-Mark zu 1 D-Mark umgestellt. Der „freie“ Wechselkurs lag im Oktober 1989 bei etwa 9:1. Kleinmünzen der DDR waren bis zum 30. Juni 1991 nur im Gebiet der ehemaligen DDR im Verhältnis 1:1 umlauffähig. Guthaben, die nach dem 31. Dezember 1989 auf angelegten Konten gebildet wurden, unterlagen dem Kurs von 3:1. Abb. 15: 100 Mark der DDR 1975, Vs., Banknote der Staatsbank; der damalige Wert war 50,00 D-Mark nach dem vereinbarten Umtauschkurs 2:1; Kontoinhaber erhielten je nach Alter Freibeträge in Höhe von 2.000, 4.000 oder 6.000 DDR-Mark im Verhältnis 1:1. Abb. 16: 100 D-Mark 2. Januar 1989, Vs., Banknote der Deutscher Bundesbank; der damalige Wert war 200,00 Mark der DDR; Geldscheine im Wert von 27,5 Mrd. D-Mark wurden für den Geldumtausch in die DDR gebracht. Unklar ist der Umlauf des luxemburgischen Francs in der Gemeinde Roth (a. d. Our) vom 23. April 1949 bis zum 7. August 1960 für etwa 250 Bewohner. In Teilen der luxemburgischen Bevölkerung gab es nach 1945 den Wunsch eines „Großluxemburgs“ mit einer Erweiterung des Großherzogtums – im Nordosten die Gebiete um Prüm und Bitburg und im Südosten bis an die Saar. Die meisten Luxemburger lehnten solche Forderungen der Lëtzebuerger Nationalunioun aus Furcht vor einer "Überfremdung" mit mehreren Zehntausend Deutschen jedoch ab. So forderte die großherzogliche Regierung in ihrem Memorandum vom 27. November 1946 nur eine Grenzverschiebungen von max. 10 Kilometer ins deutsche Gebiet. In der Verordnung Nr. 212 der französische Militärregierung genehmigte man nur die Eingliederung der Gemeinde Roth und des Kammerwalds ins luxemburgische Staatsgebiet. [6] Angeblich wurde Roth von Luxemburg nicht verwaltet. Die Bundesrepublik zahlte als Gegenleistung 58,3 Millionen DM an das Großherzogtum Luxemburg. Anmerkungen Einige Ereignisse und Gebietsaustausche zwischen 1945 und 1990 sind für den Umtausch/Rücktausch der D-Mark nicht von Bedeutung, da er an solchen Orten nicht stattfand. Jedoch wurden im Mai 1945 die etwa 5.000 deutschen Bewohner der Stadt Haren/Ems auf Anordnung der britischen Militärverwaltung ins Umland ausgesiedelt. Polnisches Militär verwaltete den zuerst in Lwów und später in Maczków umbenannten Ort. In die Häuser zogen etwa 4.000 Soldaten und Offiziere der Polnischen Exilarmee und ihre Familien sowie polnische DPs. Auch Straßen wurden umbenannt. Im August 1948 verließen die letzten Polen die Stadt, die am 10. September 1948 wieder ihren alten Namen erhielt. Über polnische Zahlungsmittel aus dieser Zeit lässt sich in geschichtlichen Quellen nichts finden. [7] Die Besetzung der Westberliner Exklave Steinstücken am 18. Oktober 1951 durch DDR-Polizei dauerte drei Tage. In den 1960er Jahren kam es zum Austausch von Gebieten der Schweiz und Deutschland; dabei handelte es sich um größere und kleinere Fluren im Grenzgebiet, für die die Bundesrepublik Ausgleichszahlung in Höhe von 20.000 Franken leistete. [8] In der deutschen Exklave Büsingen zahlt(e) man de facto mit Schweizer Franken und bis 2002 mit der D-Mark und danach mit dem Euro. Die Waren in Büsingen unterliegen der Schweizer Mehrwertsteuer mit 8,1 Prozent. Auch beim Gebietsaustausch zwischen der DDR und Westberlin in den Jahren 1971 und 1988 handelte es sich nur um unbewohnte Flächen. Bis Ende 2001 war die D-Mark auch gültiges Zahlungsmittel im österreichischen Kleinwalsertal. In Montenegro wurde am 12. November 2000 die D-Mark per Gesetz eingeführt – mit Duldung der Deutschen Bundesbank; im August 1999 wurde im Kosovo der jug. Dinar nach und nach aus dem Verkehr gezogen und die UN-Verwaltung erklärte die D-Mark zum offiziellen Zahlungsmittel im Kosovo. Als Zweitwährung gilt der Dinar in serbischen Enklaven. Beide Länder nutzen heute den Euro als Landeswährung. Michael H. Schöne Quellen [1] Gesetz Nr. 61 der Militärgouverneure und Oberste Befehlshaber der US-amerikanischen und britischen Zone und Gesetz Nr. 158 des Militärgouverneurs und Obersten Befehlshaber der französischen Zone [2] Vertrag zwischen Belgien und der Bundesrepublik vom 6. August 1958/Gesetz zum Vertrag vom 24. September 1958 [3] Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Französischen Republik zur Regelung der Saarfrage vom 27. Oktober 1956 [4] Vertrag vom 8. April 1960 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Königreich der Niederlande/Gesetz zum Vertrag vom 10. Juni 1963 [5] Vertrag über die Schaffung einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik (Staatsvertrag) vom 18. Mai 1990 [6] Vertrag vom 11. Juli 1959 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Großherzogtum Luxemburg/Gesetz zum Vertrag vom 8. August 1960 [7] siehe: https://banknotesworld.com vom 5. Dezember 2012/„Ro. 445 mit 2 Stempeln“ [8] Vertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Schweizerischen Eidgenossenschaft über die Bereinigung der Grenze im Abschnitt Konstanz-Neuhausen am Rheinfall vom 23.11.1964

  • Aus privaten Sammlungen: 100 Jahre Republik Türkei – 500 Türkische Lira 1930, Ausgabe 1959

    „Die Freiheit und Unabhängigkeit bilden meinen Charakter“ ( Kemal Atatürk ). Am 29. Oktober 1923 wurde die Republik Türkei gegründet. Vorausgegangen waren gravierende geopolitische Veränderungen infolge des Ersten Weltkriegs, bei dem das Osmanische Reich aufseiten der Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn stand. Große Gebiete im Nahen Osten gingen verloren, das Staatsgebiet der heutigen Türkei wurde teilweise von alliierten und griechischen Truppen besetzt. Der von der türkischen Regierung am 10. August 1920 unterschriebene Friedensvertrag von Sèvres sah eine weitgehende Kontrolle der Alliierten über einen osmanischen Reststaat vor. Hiergegen erhob sich massiver innenpolitischer Widerstand. Prägender Charakter dieses Widerstands und des Strebens nach einem unabhängigen Staat war der türkische Offizier Mustafa Kemal Pascha (1881-1938), seit 1934 genannt "Atatürk" (Vater der Türken). Sein Ziel war es, die alliierte Besatzung zu beenden und den Osmanischen Reststaat als modernen, unabhängigen und nicht religiös geprägten Staat neu auszurichten. Mit dem am 24. Juli 1923 zwischen der Türkei, Griechenland, den Alliierten, Japan, Rumänien sowie dem SHS-Königreich (Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen, das spätere Jugoslawien) abgeschlossenen Vertrag von Lausanne konnten die Auseinandersetzungen zwischen türkischen und griechischen Truppen beendet werden. Der Vertrag garantierte zudem die Souveränität des türkischen Staates. Am 29. Oktober 1923 erfolgte daraufhin die Gründung der Republik Türkei, "Atatürk" wurde erster Staatspräsident. In der Folgezeit wurden unter seiner politischen Führung zahlreiche gesellschaftliche Veränderungen mit teils gravierenden Auswirkungen beschlossen – neben der Einführung des westlichen Kalenders und Übernahme westlicher Rechtssysteme (Grundlage des türkischen Zivilrechts etwa sind das Schweizer Zivil- und Obligationenrecht, das türkische Handelsgesetzbuch beruht auf dem deutschen) und der Abschaffung osmanischen Kalifats 1924 war ein politisches Ziel die Gleichstellung von Mann und Frau. Bei der Umsetzung seiner Pläne ging Kemal Atatürk mit sehr großem persönlichem Einsatz, jedoch oft autokratisch vor, worüber zahlreiche Berichte überliefert sind. Er verstarb am 10. November 1938 in Istanbul an den Folgen einer Leberzirrhose. Zu den Maßnahmen zur Modernisierung des Staates gehörte auch die Gründung der Türkischen Zentralbank, die auf Grundlage des Gesetzes Nr. 1715 vom 11. Juni 1930 (welches auf der abgebildeten Banknote als Rechtsgrundlage für deren Ausgabe genannt ist) im Oktober 1931 erfolgte. Die Bank nahm im Januar 1932 ihre Geschäfte auf, zu denen auch das Recht zur Ausgabe von Banknoten gehört. Die Banknoten der Türkei zeigen seit 1927 – bis auf wenige Ausnahme – auf der Vorderseite ein Porträtbild von Kemal Atatürk. Es gibt diverse Varianten. Auf dem vorliegenden Schein ist Atatürk im Frack mit weißer Fliege zu sehen. Dieses Bild entspricht den offiziellen Porträtfotografien der Zeit. Die Abbildung auf der Rückseite zeigt die Sultan-Ahmed-Moschee, den Obelisken und das Hypodrom in der Altstadt von Istanbul, ohne umgebende Bebauung. Die Gegend ist heute dicht bebaut, sie liegt nahe dem großen Basar und ist gerade an Feiertagen oft von Menschenmassen überlaufen. Mit der Wiedereinführung der Straßenbahn versucht man seit 1992 dem Verkehrschaos Herr zu werden. Objekttyp: Banknote Sammlung: Sammlung Dr. Sven Gerhard Authentizität: Original Land/Region/Ort: Republik Türkei Emittent: Türkiye Cumhuriyet Merkez Bankası (Türkische Zentralbank) Nominal: 500 Lirasi (Pfund) Datierung: Gesetz Nr. 1715 vom 11. Juni 1930 (Türkisches Zentralbankgesetz) Vorderseite: Guillochenrahmen, Wertangabe, Unterschriften, Porträt von Mustafa Kemal Pascha, später "Atatürk" (Vater der Türken) Rückseite: Sultan-Ahmed-Moschee, Obelisk und (antikes) Hypodrom in Istanbul Material: Papier mit Wasserzeichen Porträt Atatürk nach rechts Unterschriften: Mustafa Nail Gidel, Fikri Diker und Ekrem Sungar Druck: Bradbury, Wilkinson & Co., New Malden, Surrey, England Format: 170 mm x 80 mm Umlauf: 16. Februar 1959 bis in die 1970er-Jahre Nummerierung: N17 / 06911 Zitate: 171 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) B255 (Owen W. Linzmayer: The Banknote Book : Turkey) Dr. Sven Gerhard Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .

  • Nigeria: Gestaltung der erneuerten Noten präsentiert

    Am 26. Oktober 2022 hatte die Zentralbank von Nigeria bekanntgegeben, die 200-, 500- und 1000-Naira-Banknoten zu erneuern, um Fälschungen entgegenzuwirken (wir berichteten ). Nun präsentierte der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari am 23. November die Gestaltung der neuen, von der Nigerian Security Printing and Minting Company gedruckten Scheine: Diese ist mit den Vorgängernoten quasi identisch, nur die Farbgebung unterscheidet sich von den alten Scheinen. Auch sollen die Sicherheitsmerkmale aktualisiert worden sein, jedoch sind diesbezüglich noch keine offiziellen Informationen verfügbar, was die jeweiligen Neuerungen sein sollten. Diese Umstände führten dazu, dass viele Nigerianer über die sozialen Netzwerke ihren Unmut kundtaten – die vor einem Monat groß angekündigte Neugestaltung entsprach offenbar nicht den Erwartungen. Auch wird kritisiert, so minimale Änderungen an der Gestaltung würden für Geldfälscher keine ausreichend hohe Hürde zur Anpassung schaffen und somit stelle die Einführung der aktualisierten Scheine nur eine unnötige Belastung der Steuerzahler dar. Der nigerianische Präsident Muhammadu Buhari mit dem Muster der neuen 1000-Naira-Note [Bildquelle: Twitterseite der Zentralbank von Nigeria (@cenbank)] Am 15. Dezember 2022 sollen die Noten in Umlauf gegeben werden. Die alten Scheine der drei betroffenen Nominale behalten nur noch bis zum 31. Januar 2023 ihre Gültigkeit. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer ( www.banknotebook.com )

  • Nigeria: Neue Unterschrift auf 20 und 500 Naira

    Nie Werte zu 20 und 500 Naira der Central Bank of Nigeria (vgl. NGA-34/30, Linzmayer B232/228) gibt es mit neuer Unterschrift von Priscilla Ekwueme Eleje als "Director of Currency and Branch Operations". Für den neuen Zwanziger wurde die Serie EW und für den Fünfhunderter die Serie AA/98 verwendet. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Owen W. Linzmayer, www.banknotebook.com #Nachrichten #Weltbanknoten #Afrika #Nigeria #Naira #Grabowski

  • Lexikon: Krone

    Der Kronentaler wurde als Münze ab 1755 in den österreichischen Niederlanden (Burgundisches Kreuz mit drei Kronen) und später in anderer Form in vielen anderen Ländern geprägt. Durch den Wiener Münzvertrag vom 24. Januar 1857 wurde die Krone als deutsche Vereinsgoldmünze eingeführt; von 1872 bis 1914 war sie auch Bezeichnung für das 10-Mark-Stück der deutschen Reichswährung. Österreichische Währungseinheit war die Krone von 1892 bis 1924 (1 Krone = 100 Heller). Österreich-Ungarn Österreich-Ungarn, Oesterreichisch-ungarische Bank: 1000 Kronen vom 2. Januar 1902. Donaustaat Geplanter Donaustaat: Später als Lotterielos genutzter Andruck einer Note zu 20 Kronen von 1921. Deutschösterreich Deutschösterreich, Oesterreichisch-ungarische Bank: Überdruck auf 100 Kronen vom 2. Januar 1912. Österreich (Erste Republik) Republik Österreich, Oesterreichisch-ungarische Bank: Kleingeldersatz zu 2 Kronen vom 2. Januar 1922. Republik Österreich, Oesterreichisch-ungarische Bank: Banknote der österreichischen Inflation zu 100.000 Kronen vom 2. Januar 1922. Die Kronenwährung gab es in Estland von 1928 bis 1940, der Tschechoslowakei, der Slowakei und vor Einführung einer eigenständigen Pengö-Währung 1927 in Ungarn. Noch heute ist die Krone Währungseinheit in den drei skandinavischen Ländern Dänemark, Norwegen und Schweden sowie in Island und der Tschechischen Republik. Estland (Erste Republik) Estland, Eesti Pank: 20 Krooni von 1932. Tschechoslowakei Tschechoslowakei, Republik: 1 Korunu (Krone) vom 15. April 1919. Tschechoslowakei, Nationalbank: 100 Korun vom 10. Januar 1931. Tschechoslowakei, Sowjetische Besatzung: 100 Kronen von 1944. Tschechoslowakei, Staatsbank: 100 Kronen von 1961. Tschechische Republik Tschechische Republik, Nationalbank: 100 Korun Gedenkbanknote "100 Jahre Kronen-Währung" 2019. Slowakei (Erste Republik) Slowakei, Erste Republik, Nationalbank: 500 Korun vom 12. Juli 1941. Slowakei (Zweite Republik) Slowakei, Zweite Republik, Nationalbank: 20 Korun vom 2. Januar 2006. Dänemark Dänemark, Danmarks Nationalbank: 100 Kroner 1972 (1991). Norwegen Norwegen, Norges Bank: 50 Kroner von 2008. Schweden Schweden, Sveriges Riksbank: 10 Kronor von 1939. Schweden, Sveriges Riksbank: 50 Kronor von 2004. Island Island, Sedlabanki Islands: 5000 Kroner vom 22. Mai 2001. Ungarn Ungarn, Oesterreichisch-ungarische Bank: 25 Kronen vom 27. Oktober 1918. Ungarn, Ungarischer Staat: Note der Oesterreichisch-ungarischen Bank zu 100 Kronen vom 2. Januar 1912 mit Überdruck des ungarischen Staatssiegels von 1920. Ungarn, Postbank: 5 Korona vom 19. Mai 1919. Ungarn, Finanzministerium: 10 Koron vom 1. Januar 1920. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Przyschetz – Lichtenwalde – Przysiecz

    Das Straßendorf Przyschetz  (deutsch: Lichtung) liegt zwei Kilometer südwestlich vom Gemeindesitz Proskau und 13 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Oppeln. Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten 403 Wahlberechtigte für einen Verbleib bei Deutschland und 44 für die Zugehörigkeit zu Polen. 1931 wurde der Ort in Lichtenwalde  umbenannt. 1945 kam der deutsche Ort unter polnische Verwaltung und wurde in Przysiecz umbenannt und der Woiwodschaft Schlesien angeschlossen. 1950 wurde der Ort Teil der Woiwodschaft Oppeln. Wie viele oberschlesische Gemeinden, gab auch die Gemeinde Przyschetz 1921/22 Notgeld aus, das die damalige örtliche Situation widerspiegelt. Die Scheine der ersten Auflage erinnern an die Volksabstimmung am 20. März 1921. Die bei R. Zacharias in Magdeburg gedruckten 25- und 50-Pfennig-Gutscheine zeigen auf der Vorderseite ein Foto eines Bauernhauses bzw. die Dorfstraße und auf der Rückseite ein Gruppenfoto von Kindern und Jugendlichen. Diese Scheine waren bis zum 1. Oktober 1921 gültig. Abb. 1.1: 25 Pfennig, gültig bis 1. Oktober 1921, Vorderseite. Abb. 1.2: 25 Pfennig, gültig bis 1. Oktober 1921, Rückseite. Abb. 2.1: 50 Pfennig, gültig bis 1. Oktober 1921, Vorderseite. Abb. 2.2: 50 Pfennig, gültig bis 1. Oktober 1921, Rückseite. Die zweite Auflage besteht aus zwei Gutscheinen zu 50 und 75 Pfennig. Sie waren bis zum 1. April 1922 gültig. Die Entwürfe hierzu stammen von Heinz Schiestl und wurden bei Flemming & Wiskott im schlesischen Glogau gedruckt. Auf ihre Beschreibung kann hier verzichtet werden, da die Gemeinde mit den Scheinen ein Blatt mit entsprechenden Angaben abgab. Abb. 3: Beiblatt „Notgeld der Gemeinde Przyschetz. Abb. 4.1: 50 Pfennig, gültig bis 1. April 1922, Vorderseite. Abb. 4.2: 50 Pfennig, gültig bis 1. April 1922, Rückseite. Abb. 5.1: 75 Pfennig, gültig bis 1. April 1922, Vorderseite. Abb. 5.2: 75 Pfennig, gültig bis 1. April 1922, Rückseite. Uwe Bronnert

  • Geldscheinporträts: Pedro Álvares Cabral – Durch Zufall nach Brasilien

    Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. ​Geburtsname: Pedro Álvares de Gouveia Zur Person: Adliger, Seefahrer, Diplomat ​Nationalität: Portugiesisch ​Lebensdaten: 1467/68 – 1520 ​Geburtsort: Belmonte (Portugal) ​Sterbeort: Santarém (Portugal) Porträt von Pedro Álvares Cabral Links: Ausschnitt aus einem Gemälde von Francisco Aurélio de Figueiredo e Melo (1854–1916), 1900; Rechts: Stahlstich der American Bank Note Company für den Druck der 1962 herausgegebenen 1000-Cruzeiros-Banknote. September 1499: Vasco da Gama kehrte nach Lissabon zurück. Fast zwei Jahre zuvor war seine Flotte aufgebrochen. Sie umsegelte das Kap der guten Hoffnung und legte schließlich in Kalikut (heute Kozhikode ) an der südwestlichen Küste Indiens an. Der Seeweg nach Indien war entdeckt. Der Schlüssel zum lukrativen Gewürzhandel lag damit in den Händen der Portugiesen. Vasco da Gama wurde als „Admiral der Meere“ gefeiert und mit Ordenstiteln überhäuft. Doch die Lage war heikel. Die Reise forderte hohe Tribute, nur 60 der fast 200 Männer überlebten die Fahrt. Da Gama kam zudem mit leeren Händen zurück. Es gelang ihm nicht, feste Handelsbeziehungen zum Zamorin, dem König von Kalikut, aufzubauen. Der Zamorin wollte die arabischen Händler nicht verprellen, die die Portugiesen als Konkurrenten sahen. Der portugiesische König Manuel I. war damit nicht zufrieden. Er wollte die Vorherrschaft der Portugiesen auf den Meeren und ließ eine neue Flotte ausrüsten. Zum Anführer wählte er Pedro Álvares Cabral (Vasco da Gama verzichtete). Cabral entstammte einem alten portugiesischem Adelsgeschlecht, sein Vater Ferñao Cabral war Gouverneur. Was genau ihn zu seinem neuen Posten qualifizierte, ist bis heute unklar. Erfahrungen bei größeren Expeditionen hatte er nicht. Er konnte sich jedoch auf die Berichte Vasco da Gamas stützen und es wurden ihm berühmte Seeleute wie Bartolomeu Dias an die Seite gestellt, der als erster das Südkap Afrikas umsegelte. Am 9. März 1500 brach die Flotte auf. Von „Entdeckungsreise“ oder „Abenteuerfahrt“ kann man hier lange nicht mehr sprechen. Die Kriegsflotte war bis an die Zähne bewaffnet. Cabrals Expeditionen markierten den Übergang von der Erkundung zum Handel und danach zur Eroberung. Cabral war kein Seefahrer, sondern Diplomat, der Handelsbeziehung aufbauen und Feinde und Konkurrenten bekämpfen sollte. Doch nicht alles lief nach Plan. Schon nach wenigen Tagen verloren sie ein Schiff, das sie trotz mehrtägiger Suche nicht wiederfinden konnten. Als sie die Kapverdischen Inseln passierten, wurden sie vom Wind und von der Strömung weit nach Westen abgetrieben. So weit, dass sie am 21. April Land sichteten. Völlig unverhofft waren sie in Südamerika gelandet. Brasilien war entdeckt. Cabral nannte das neue Land Terra da Vera Cruz, das „Land des wahren Kreuzes“ und schickte ein Schiff nach Portugal zurück, um König Manuel I. von der Entdeckung zu berichten. Mit den verbleibenden Schiffen setzt er seine Reise fort. Am Kap der guten Hoffnung traf die Flotte ein schwerer Sturm. Vier Schiffe sanken, unter den Toten war auch Bartolomeu Dias, der das Kap zwölf Jahre zuvor als Erster umsegelt hatte. Mit den verbliebenen sechs Schiffen schaffte es Cabral nach Kalikut. Er versuchte abermals, Handelsbeziehungen zum Zamorin zu etablieren und ließ auftragsgemäß eine Faktorei errichten. Es kam sofort zur Konfrontation mit den arabischen Händlern. Nach mehreren Auseinandersetzungen wurde der portugiesische Handelsstützpunkt von den Arabern gestürmt. 50 Portugiesen starben. Pedro Álvares Cabral befahl, aus Rache zehn arabische Schiffe zu kapern und ließ hunderte Araber ermorden. KaliKut ließ er beschießen. Seine Flotte segelte weiter nach Cochin (Kochi), füllte ihre Schiffe mit Gewürzen und kehrte mit den wenigen verbliebenen Schiffen nach Portugal zurück. Trotz der Verluste war die Expedition für die portugiesische Krone ein großer wirtschaftlicher Erfolg. Für die nächste Expedition wählte Manuel I. wieder Vasco da Gama aus, der in den Folgejahren die portugiesische Schreckensherrschaft und den Terror in Indien fortsetzte. Pedro Álvares Cabral setze sich zur Ruhe und starb 1520 in Santarém. Brasilianische Zentralbank,   Gedenkbanknote „500 Jahre Entdeckung Brasiliens“ zu 10 Reais, April 2000, Polymer-Kunststoff Vorderseite: Porträt von Pedro Álvares Cabral, frühe Kartendarstellung „Terra Brasilis“, Portugiesische Windrose aus dem 16. Jahrhundert, rechts Schiffe von Cabrals Expedition, links Abschnitt aus dem Schreiben von Pero Vaz de Caminha an König Manuel I. Rückseite: Umrisskarte von Brasilien mit Fotografien zur ethnischen Vielfalt der brasilianischen Bevölkerung.   Elias Heindl Literatur/Quellen: Horst Gründer (2003): Eine Geschichte der europäischen Expansion. Von Entdeckern und Eroberern zum Kolonialismus. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart Roger Crowley (2016): Die Eroberer. Portugals Kampf um ein Weltreich. Konrad Theiss Verlag, Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt Frédéric Mauro (1984): Die europäische Expansion . Steiner, Wiesbaden Dieter Lohmann, Nadja Podbregar (2012): Im Fokus: Entdecker. Die Erkundung der Welt. Springer, Heidelberg, S. 26ff https://de.wikipedia.org/wiki/Brasilianischer_Real

  • Gut-Lynt: Nachbericht zur Auktion 19, Teil 2 – Banknoten vom 30. November 2024

    Der Banknotenteil der Jahresabschlussauktion der Münzen Gut-Lynt GmbH beinhaltete fast 600 Lose zahlreicher Gebiete. Darunter die Auflösung der vermutlich größten Sammlung an Mecklenburg-Geldscheinen inkl. dem sogenannten „Roggengeld“ mit vielen Raritäten ersten Ranges. Zahlreiche Sammler sorgten für ein regelrechtes Feuerwerk an Geboten und ließen die Preise hierfür in die Höhe schnellen. Ebenso vielfach beboten waren Geldscheine der Bundesrepublik, wobei die Austauschnoten/Ersatznoten und andere Seltenheiten wie der 50-DM-Schein "Liberty" stark gefragt waren. Ausländische Geldscheine rundeten diese Auktionsabteilung ab, die ausnahmslos von Internationalen Käufern abgenommen wurden. Ergebnisse sind in unserem Onlinekatalog  https://auktionen.gut-lynt.de/de-de/auctions/current  einsehbar. Der Nachverkauf läuft noch bis Freitag, den 6. Dezember 2024! Die Gut-Lynt Auktion 20 ist für März 2025 geplant. Bei Interesse einer Einlieferung steht das Team von Münzen Gut-Lynt gerne beratend zur Seite. Eine kleine Auswahl zu den Auktionsergebnissen: Los 645 Deutsche Länderbanknoten Mecklenburg-Strelitzsches Staatsministerium Mecklenburg-Strelitzsches Staatsministerium. 5 Millionen Mark 14.09.1923 Ohne Überdruck, ohne KN. Müller 6A. Von großer Seltenheit / Of highest rarity. I / Uncirculated. Dieser Schein wurde ohne Überdruck (200 Millionen Mark) NICHT ausgegeben! Schätzpreis: 2.000 EUR / Zuschlag: 2.000 EUR Los 668 Westliche Besatzungszonen und Bundesrepublik Deutschland ab 1948 Bank Deutscher Länder & Ausgaben Westberlin Bank Deutscher Länder & Ausgaben Westberlin. 50 Deutsche Mark o. D. Liberty. D20383458A. Aus dem bekannten Bündel. Grabowski WBZ-10a.Rosenberg 248. Sehr selten / Very rare. I / Uncirculated. Schätzpreis: 7.500 EUR / Zuschlag: 10.000 EUR Los 696 Westliche Besatzungszonen und Bundesrepublik Deutschland ab 1948 Deutsche Bundesbank Deutsche Bundesbank. 20 Deutsche Mark 2.1.1970. Austauschnoten / Ersatznoten: ZE0879606A. Grabowski BRD-15d. Selten / Rare. I / Uncirculated. Schätzpreis: 100 EUR / Zuschlag: 350 EUR Los 717 Westliche Besatzungszonen und Bundesrepublik Deutschland ab 1948 Deutsche Bundesbank Deutsche Bundesbank. 500 Deutsche Mark 1.10.1993. Austauschnote / Ersatznote. YA9774805A6. Herstellungsbedingte Papierstauchung am unteren Bereich. Grabowski BRD-51b. I- / About Uncirculated. Schätzpreis: 350 EUR / Zuschlag: 1.050 EUR Los 897 Roggengeld Neubrandenburg Neubrandenburg. 100 Zentner 24.11.1923. Serie N, KN 63. Unterschrift Braun. Müller 27b. Nur 1 Exemplar in privater Hand / Only 1 piece in the market. I / Uncirculated. Schätzpreis: 150 EUR / Zuschlag: 320 EUR Los 934 Staatsgeld des Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz 1918-1924 Goldanleihe Goldanleihe. 50 Goldpfennig Dazu 1, 2, 3, 5, 10, 20 und 50 Goldmark. 2.01.1924. KN 034729, 037200, 009480, 000700, 011678, 009255, 001782, 000004. Müller 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31. Sehr selten / Very rare. I / Uncirculated. (8x) Schätzpreis: 1.500 EUR / Zuschlag: 2.600 EUR Los 1050 Oman Central Bank of Oman Central Bank of Oman. 50 Rials N. D. (1977) Pick 21a. Selten in dieser Erhaltung / Rare in this condition. I- / About Uncirculated. Schätzpreis: 200 EUR / Zuschlag: 300 EUR Alexander Udwari

  • Die Inselgruppe der Dodekanes und das Papiergeld während des Zweiten Weltkriegs

    Die europäischen Mächte lieferten sich in den 1880er Jahren ein Wettlauf um den Erwerb afrikanischer Kolonien. Am 10. März 1882 übernahm die italienische Regierung von der Schiffsgesellschaft Rubattino die Bucht von Assab. In einem Kolonialfeldzug wurde Eritrea unterworfen und 1890 die Colonia Eritrea gebildet. Von Eritrea aus startete Italien nach den Schlachten von Coatit und Senafe 1895 seinen Eroberungsfeldzug gegen das seit Jahrhunderten selbstständige christliche Kaiserreich Abessinien (heute Äthiopien), der für Italien mit einer demütigenden Niederlage in der Schlacht von Adua endete.   Nach dieser Niederlage richtete sich Italiens Blick auf das benachbarte Libyen, das seit 1551 als Provinz Tripolitanien unter osmanischer Herrschaft stand. Italienische Banken, Handelsunternehmen, Schulen und Zeitungen, die sich hier niederließen, bereiteten den Weg für den späteren kolonialen Anspruch vor. Mit Verweis auf die frühere Herrschaft des Römischen Reichs über diese Region forderte das Königreich Italien unter Ministerpräsident Giovanni Giolitti am 28. September 1911 ultimativ vom Osmanischen Reich freie Hand bei der Besetzung der Provinz. Sultan Mehmed V. wies diese Forderung zurück. Tags darauf erklärte Italien der Hohen Pforte den Krieg. In den nächsten Monaten konnte das italienische Militär wegen der feindlichen Haltung der Bevölkerung nur einige Enklaven entlang der Mittelmeerküste besetzen.   Um den Druck auf die Osmanischen Regierung zu erhöhen, besetzte italienisches Militär die Inselgruppe der Dodekanes. Am 26. April 1912 wurde Astypalea eingenommen, am 12. Mai Karpathos, Kaso, Piscopi, Nisyros, Kalino, Leros, Patmos, Kos, Symi und Chalki, am 4. Mai landeten Truppen auch auf Rhodos, das am 16. Mai vollständig besetzt war.   Der Krieg offenbarte die Schwäche des Osmanischen Reichs. Die Staaten des Balkanbundes nutzten die Gelegenheit und serbische, bulgarische, montenegrinische und griechische Truppen griffen im Oktober 1912 das Osmanische Reich an (Erster Balkankrieg) . Die Bedrohung der Nordgrenze stellte für die Regierung in Istanbul eine größere und massivere Bedrohung dar als der italienische Kolonialismus in der entlegenen Provinz, sodass man im Herbst zu Friedensverhandlungen bereit war. Am 18. Oktober 1912 vereinbarte man in Lausanne: Die Hohe Pforte erkennt die italienische Zivilverwaltung über Tripolitanien und die Cyrenaika an und im Gegenzug zieht Italien seine Truppen aus dem Dodekanes ab.   Das unklare und mehrdeutige Abkommen ließ viel Raum für Interpretationen. Zwar führte es zum Abzug der osmanischen Truppen aus Libyen, aber der Sultan verzichtete darin nicht vollständig auf seine Souveränitätsrechte. Nach den Bedingungen des Vertrags sollten alle Feindseligkeiten gegen die italienische Verwaltung eingestellt werden. Da die Osmanen jedoch den Abwehrkampf der Senussi-Bruderschaft in Libyen weiter unterstützten, blieb es bei der italienischen Besetzung der zwölf Inseln.   Im Friedensvertrag von Sèvres vom 10. August 1920 erkannte das Osmanische Reich den italienischen Besitz des gesamten Dodekanes unter Einbeziehung der Insel Castelrosso an. Als die Vertragsinhalte dieses Vertrags 1919 konkreter wurden, formierte sich in Anatolien eine türkische Nationalbewegung. General Mustafa Kemal, der als späterer türkischer Staatsgründer den Namen Atatürk erhielt, organisierte den als Türkischen Befreiungskrieg bekannt gewordenen Unabhängigkeitskrieg. Sein Ziel war es, alle anatolischen Gebiete unter türkische Kontrolle zu bringen und einen muslimisch-türkischen Nationalstaat zu gründen. Mustafa Kemals Unterstützer trafen sich im April 1920 in Ankara zur „Großen Nationalversammlung der Türkei“, dem Vorläufer des heutigen Parlaments. Am 1. November 1922 erklärte sie alle seit 1920 von der osmanischen Regierung in Istanbul unterzeichneten Verträge für ungültig und das Sultanat für beendet. Die alliierten Sieger des Ersten Weltkriegs und die Türkei unterzeichneten in Lausanne am 24. Juli 1923 einen neuen Friedensvertrag. In Artikel 15 verzichtete die Türkei zugunsten Italiens auf alle Rechte und Titel an den Dodekanes.   Abb. 1: Karte der "italienischen" Inseln in der Ägäis (Dodekanes).   Damit war das geheime Abkommen vom 29. Juli 1919 vom Tisch, das der italienische Außenminister Tommaso Tittoni und der griechische Minister Eleutherios Venizelos vereinbart hatten, wonach Italien die Inseln mit Ausnahme von Rhodos an Griechenland abtreten wollte, wenn dieses im Gegenzug den italienischen Anspruch auf Albanien unterstütze. Vom späteren italienischen Außenminister Carlo Sforza wurde das Abkommen jedoch bereits im Juni 1920 wieder gekündigt.   Die 14 Inseln hatten eine Gesamtfläche von 2.721 km². Bei der Volkszählung vom 21. April 1936 betrug die Gesamtbevölkerung des Dodekanes 129.135 Einwohner, davon stammten nur 7.015 aus Italien (5,4 %) und 4.333 waren Ausländer verschiedener Nationalitäten. Die Inseln wurden 1926 integraler Bestandteil des Königreichs Italien. Die italienische Notenbank, die Banca d’Italia, unterhielt auf Rhodos eine Zweigniederlassung und auf den Inseln zirkulierten dieselben Münzen und Banknoten wie auf der italienischen Halbinsel.   Abb. 2.1: Banca d'italia, 19. Dezember 1940, 100 Lire, Vorderseite. Abb. 2.2: Banca d'italia, 19. Dezember 1940, 100 Lire, Rückseite.   In den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs war der Dodekanes ein wichtiger italienischer Marine- und Luftwaffenstützpunkt. Etwa 40.000 italienische Soldaten waren auf den Inseln stationiert. Nach dem missglückten italienisch-deutschen Abenteuer in Nordafrika nahm die strategische Bedeutung der Dodekanes weiter zu.   Abb. 3: Das 281. Geschwader an der Basis von Gadurrà (Italienische Ägäische Inseln), Juni 1941. < https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/21/281_squadriglia_nella_base_di_Gadurr%C3%A0_Egeo_italiano_giugno_1941.jpg > (26.07.2024)   Die Landung der Alliierten auf Sizilien und in Süditalien führte dazu, dass Marschall Badoglio am 8. September 1943 die Fronten wechselte und das Bündnis mit dem Deutschen Reich kündigte. Daraufhin nahmen Verbände der Wehrmacht italienische Militärangehörige in Norditalien, in Griechenland, auf dem Balkan, in Frankreich und an der Ostfront gefangen.   Die Sturmdivision Rhodos unter dem Kommando von General Ulrich Kleemann besetzte zunächst die Inseln Kos, Calino, Piscopi, Levita, Simi, Astypalea und Leros mit dem wichtigsten italienischen Marinestützpunkt in der Ägäis. Kos wurde am 3. Oktober von den Deutschen angegriffen und am 6. Oktober eingenommen. Calino wurde am 7. Oktober besetzt. Piscopi und Levita wurde Mitte Oktober besetzt, Astypalea am 22. Oktober, nachdem ein erster Versuch einen Monat zuvor gescheitert war. Simi wurde am 2. November besetzt, nachdem ein erster deutscher Angriff im Oktober noch von italienischen und britischen Truppen zurückgeschlagen worden war. Leros blieb bis Mitte November 1943 in italienischer Hand und wurde von italienischen Garnisonstruppen unter dem Kommando von Konteradmiral Luigi Mascherpa und von den Alliierten entsandten Verstärkungen verteidigt. Die letzten Inseln, die von italienischen Truppen evakuiert wurden, waren Lisso und Patmos, nachdem die Nachricht vom Fall von Leros eingetroffen war. Die meisten italienischen Soldaten, die von den Inseln flohen, suchten Zuflucht in der Türkei, wo sie interniert wurden. Diejenigen, die bleiben wollten, wurden gefangen genommen und in Deutschland interniert. Durch die Einnahme der Dodekanes durch die Wehrmacht wurde den Alliierten die Möglichkeit entzogen, die Inseln als Operationsbasis für einen möglichen Angriff auf das griechische Festland zu nutzen.   Am 12. September 1943 befreiten deutsche Fallschirmjäger unter SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny den gestürzten italienischen Diktator Benito Mussolini aus der Gefangenschaft am Gran Sasso d’Italia in den Abruzzen. Im von den Alliierten noch nicht besetzten Norditalien wurde er am 23. September 1943 Ministerpräsident der Repubblica Sociale Italiana (RSI), einem Marionettenstaat von Hitlers Gnaden. Regierungssitz wurde Salò am Gardasee.   Zum Territorium der Repubblica Sociale Italiana gehörte auch der von der Wehrmacht besetzte Dodekanes-Archipel. Der bisherige Vizegouverneur Iginio Ugo Faralli, der sich zur RSI bekannte, übernahm das Amt des Gouverneurs, während der bisherige Gouverneur Admiral Inigo Campioni Marschall Badoglio unterstützte. Er wurde am 18. September verhaftet und nach Deutschland deportiert. Die italienische Lokalverwaltung auf den Ägäis-Inseln blieb bestehen, die eigentliche Macht lag jedoch beim deutschen General Ulrich Kleemann (1943–1944) und später beim General Otto Wagener (1944–1945).   Abb. 4: General Ulrich Kleemann (links). General Otto Wagener unterzeichnet die Kapitulation vor den Briten – 8. Mai 1945 (rechts) < https://www.warhistoryonline.com/guest-bloggers/steamship-oria-forgotten-tomb-4200-italian-soldiers.html > (26.07.2024).   Bis zum Kriegsende blieb Rhodos unter deutscher Kontrolle, wurde jedoch von britischen Seestreitkräften vollständig blockiert und konnte nur unzureichend aus der Luft versorgt werden. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht gingen die deutschen Truppen am 9. Mai 1945 in britische Kriegsgefangenschaft.   Anstelle der Deutschen besetzten die Briten den Archipel. Neuer Gouverneur wurde Peter Bevil Edward Acland. Wie zuvor blieb die italienische Zivilverwaltung bis zur Übergabe der Souveränität an Griechenland im Amt. Mit dem Pariser Friedensvertrag vom 10. Februar 1947 gingen die Inseln gemäß Artikel 14 des Vertrags an Griechenland über. Auf Rhodos wurde am 15. September 1947 in einer Zeremonie die Macht an den griechischen Gouverneur Periklis Ioannidis übergeben. Mit der Umwandlung in die Präfektur Dodekanes am 7. März 1948 wurden die Inseln offiziell Teil Griechenlands.   Im Verlauf des Krieges wurde die Versorgung der Inseln mit Zahlungsmitteln immer schwieriger, sodass am 19. August 1942 der italienische Finanzminister 100 Millionen Drachmen in „Buoni della Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia“ nach Rhodos bringen ließ. Die Scheine waren zuvor in der italienischen Besatzungszone Griechenlands als Zahlungsmittel ausgegeben. Sie waren dort bis zum 22. April 1942 im Umlauf. Die zweisprachigen (Italienisch und Griechisch) Geldscheine wurden in den Werten 5, 10, 50, 100, 500, 1.000, 5.000, 10.000 und 20.000 Drachmen vom Istituto Poligrafico dello Stato di Roma gedruckt. Bei ihrer Ausgabe wurde eine Lire mit acht Drachmen gerechnet. Ob dieser Wechselkurs auch auf Rhodos galt, ist mir leider nicht bekannt.   Abb. 5.1: Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia, o. D., 100 Drachmen, Vorderseite. Abb. 5.2: Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia, o. D., 100 Drachmen, Rückseite.   War die finanzielle Situation auf Rhodos durch die Ereignisse des Krieges schwierig genug, so verschlechterte sie sich nach dem 8. September 1943 weiter. König Viktor Emanuel III. hatte am 21. September 1943 Banken ermächtigt, Schecks mit festem Nennwert als Zahlungsmittel in Umlauf zu geben.   Abb. 6.1: Scheck der Banco di Roma über 50 Lire, ausgestellt in Torino, Vorderseite. Abb. 6.2: Scheck der Banco di Roma über 50 Lire, ausgestellt in Torino, Rückseite.   Faralli übernahm diese Regelung für die Inseln der Ägais und genehmigte am 14. Oktober 1943 der Banca d’Italia, der Banco di Roma und der Banco di Sicilia die Ausgabe von Schecks mit festem Nennwert. Sie lauteten auf 100 und 500 Lire. Bei der Bevölkerung waren sie nicht beliebt, da eine Verwendung in der neutralen Türkei fast unmöglich war. Im Katalog von Crapanzano/Giulianini werden zahlreiche Schecks mit festem Nennwert abgebildet. [1]   Abb. 7.1: Scheck der Banco di Roma über 100 Lire, ausgestellt in Rhodos am 20. März 1944, Vorderseite. Abb. 7.2: Scheck der Banco di Roma über 100 Lire, ausgestellt in Rhodos am 20. März 1944, Rückseite. https://www.cronacanumismatica.com/il-dodecaneso-italiano-la-cartamoneta-a-rodi/ (21.07.2024).   Am 21. April 1944 erließ Faralli ein Dekret, das den Druck von Staatsnoten im Wert von 10 Millionen Lire genehmigte. Die Scheine wurden von der Officine Grafiche di Rodi auf Papier gedruckt, das ursprünglich für den Druck von Briefmarken vorgesehen war. Es wurden zwei Werte hergestellt:  6.000.000 Lire in Stückelungen von 100 Lire, drei Serien (A, B, C) mit jeweils 20.000 Einheiten; 4.000.000 Lire in Stückelungen von 50, vier Serien (I, II, III, IV) mit jeweils 20.000 Einheiten. Die Banknoten zirkulierten für kurzen Zeit ab Mai 1944.   Die 50-Lire-Note zeigt auf der Vorderseite in der Mitte die Kapitolinische Wölfin mit Romulus und Remus, den mythischen Gründer der Stadt Rom, auf einem Kapitell darunter das Wappen des Johanniterordens, im Hintergrund die Festung des Heiligen Nikolaus auf Rhodos. Die Rückseite bildet im linken Kreis die stilisierte Rose von Rhodos ab und in den vier kleinen Rondellen den Hirsch von Rhodos, sowie das Wappen des Johanniterordens.   Abb. 8.1: Governo delle Isole Italiane dell’Egeo, 21.4.1944, 50 Lire, Vorderseite. Abb. 8.2: Governo delle Isole Italiane dell’Egeo, 21.4.1944, 50 Lire, Rückseite. < https://en.numista.com/catalogue/note354390.html > (19.07.2024). Auch die 100-Lire-Note zeigt auf der Vorderseite in der Mitte die Kapitolinische Wölfin, darunter ein segelndes römisches Schiff. Links und rechts davon die Abbildung der Vorder- und Rückseite einer Didrachme-Münze. Die linke Münze bildet den Kopf des Sonnengotts Helios und die rechte Münze die Rose von Rhodos ab. Die Rückseite zeigt links den Hirsch auf einem Kapitell, wie er noch heute auf einer der beiden Säulen an der Einfahrt zum Hafen von Rhodos steht. Beide Nominale tragen die faksimilierten Unterschriften des Gouverneurs Faralli sowie einer weiteren Person (Lambertini).   Abb. 9.1: Governo delle Isole Italiane dell’Egeo, 21.4.1944, 100 Lire, Vorderseite. Abb. 9.2: Governo delle Isole Italiane dell’Egeo, 21.4.1944, 100 Lire, Rückseite. https://www.cronacanumismatica.com/il-dodecaneso-italiano-la-cartamoneta-a-rodi/ (21.07.2024).   Der Geldbedarf der deutschen Truppen betrug monatlich etwa 26 Mio. Lire. Seit Ende September 1943 entsprach dies 2,6 Mio. Reichsmark [10 Lire = 1 RM]. In den ersten Monaten der deutschen Besatzung wurde der Lire-Bedarf in erster Linie aus Beutebeständen (Bargeld, Barschecks, Bankguthaben) gedeckt. Am 17. Dezember 1943 forderte die deutsche Militärverwaltung Rhodos in einem Fernschreiben an den Chefintendanten b. O.B. Südwest in Verona 15 Mio. Lire an. Die Antwort aus Italien war ernüchternd. Die Noten-Druckerei in Aquila (Officine carte e valori) war am 8. Dezember 1943 bei einem US-amerikanischen Bomberangriff stark beschädigt worden. Der Chefintendant empfahl auf Reichskreditkassenscheine zurückzugreifen, die in Athen wohl noch in größeren Mengen vorhanden waren. [2] Zwar hatte der Chefintendant später den Transport veranlasst, dennoch müssen Reichskreditkassenscheine auf Rhodos wieder in Umlauf gelangt sein. In der „Zahlungsregelung für die Wehrmacht in außerdeutschen Ländern“ (Wehrmachtdevisenbestimmungen – W.Dev.Best . – ) vom 13. Oktober 1944 heißt es unter „(11) Reichskreditkassenscheine sind gesetzliche Zahlungsmittel in den besetzten und eingegliederten Gebieten, in denen das O.K.W. bzw. der zuständige Chef der Zivilverwaltung ihre Einführung angeordnet hat. Zur Zeit sind sie im Zahlungsverkehr jedoch nur zugelassen im Reichskommissariat Ostland und neben der Landeswährung im Operationsgebiet des Heers in den UdSSR, in Rumänien auf den besetzten englischen Kanalinseln, in Montenegro und im Dodekanes. In allen anderen Gebieten dürfen sie weder angenommen noch ausgegeben noch umgewechselt werden.“   Abb. 10.1: Reichskreditkassen, o. D., 50 Reichsmark (=500 Lire), Vorderseite. Abb. 10.2: Reichskreditkassen, o. D., 50 Reichsmark, Rückseite.   Im Oktober 1944 landete die britische Armee auf dem griechischen Festland und setzte Noten der British Military Authority in sechs Stückelungen – 6 Pence, 1 Shilling, 2 Shilling, 6 Pence, 5 Shilling, 10 Shilling und 1 Pfund – in Umlauf. Auch auf Rhodos wurden sie nach der Kapitulation der deutschen Truppen ausgegeben. Nach van Elmpt waren dies zunächst Scheine mit dem aufgedruckten Buchstaben „R“. [3] Die Briten übernahmen den Wechselkurs, der in Süditalien durch Proklamation des italienischen Königs vom 24. September 1943 festgelegt worden war: 1 Pfund entsprachen 400 Lire.   Abb. 11.1: British Military Authority, o. D., 1 Shilling (= 20 Lire), Vorderseite. Abb. 11.2: British Military Authority, o. D., 1 Shilling, Rückseite.   Die Bankniederlassung in Rhodos zog nach und nach die Noten vom April 1944 und die Schecks der drei ausstellenden Institutionen ein. Nach der Übergabe der Dodekanes an Griechenland am 31. März 1947 wurden die Rhodos-Banknoten, sowie das italienische und englische Papiergeld vom 7. bis 12. April umgetauscht. Uwe Bronnert   Anmerkungen [1] Guido Crapanzano u. Ermelindo Giulianini, La Cartamoneta Italiana, Corpus Notarum Pecuniariarum Italiae, Volume primero, Milano 2003, S. 293 – 298, Kat.-Nr. OI 117 A – OI 125. [2] BA Berlin, R 29/196 [3] T.F.A, van Elmpt, British Military Authority Occupation Currency 1942 – 1956, Europe and North Africa, Uithoorn, The Netherlands, 2003, S. 320 ff.

  • Bulgarische Banknoten im Spiegel politischer Umbrüche

    Am Ende der osmanischen Herrschaft in der Region des heutigen Bulgarien nannte man dieses Gebiet „Tuna vilâyeti“ (Türkisch) bzw. Дунавска област (Bulgarisch = Oblast Dunavska) oder im Deutschen „Danubien“. Die Verwaltungseinheit war von 1864 bis 1878 in sieben Sandschaks gegliedert. Während der Regentschaft von Sultan Abdülaziz kam es am 2. Mai 1876 zum sog. April-Aufstand orthodoxer christlicher Bulgaren. Nach fast 500-jähriger osmanischer Fremdherrschaft erreichte das moderne Bulgarien durch den Berliner Vertrag eine erste Unabhängigkeit: Das Fürstentum Bulgarien (Княжество България = Knjaschestwo Balgaria). Abb. 1: Grenzen Bulgariens nach 1878; die Konferenz von Konstantinopel, an der alle damaligen europäischen Großmächte teilnahmen, war auf Initiative Großbritanniens einberufen worden – Ziel war es u. a., Bulgarien innerhalb des Osmanischen Reichs mehr Autonomie zu sichern und die Spannungen zwischen dem russischen Zarenreich und dem Osmanischen Reich zu entschärfen. Das Fürstentum wurde vom 3. März 1878 bis 13. Juli 1878 unter Alexander I. (dem österreichischen Alexander Graf von Hartenau, geb. Prinz Alexander Josef von Battenberg) regiert. Nach dessen Abdankung folgte Ferdinand I. aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha vom 7. Juli 1887 bis 5. Oktober 1908. In der Verordnung vom 25. Januar 1879 wurde die Satzung der Bulgarischen Nationalbank (BNB) vom zaristisch-russischen Kommissar Fürst Alexander Dondukow-Korsakow genehmigt. Der erste Bank-Gouverneur kam am 4. April 1879 ins Amt, die Eröffnung der Bank folgte am 23. Mai 1879, ohne dass sie bis dahin ein Münzregal und das Recht des Banknotendrucks innehatte. Mit Ukas Nr. 229 vom 27. Mai 1880 wurde durch die Zweite Ordentliche Nationalversammlung des Fürstentums das Münzgesetz verabschiedet und die Landeswährung Lev („лъв” = Löwe) am 4. Juni 1880 eingeführt. Die ersten Kupfer-Münzen zu 2, 5 und 10 Stotinki – in Birmingham/England geprägt – kamen 1881 in Umlauf und entsprachen den Vorschriften der Lateinischen Münzunion. Die Geschäftstätigkeit der BNB begann am 27. Januar 1885. Die neue Satzung (Ukas Nr. 19/1885) gestattete die Umstrukturierung der Bank, garantierte ihre Unabhängigkeit und das Recht zum Druck von Banknoten. Die ersten Goldnoten datieren vom 1. August 1885 und wurden in St. Petersburg/Russland bei der „Экспедиции заготовления государственных бумаг“ (zaristischer Betrieb für die Herstellung von Regierungspapieren und Vorgängerfirma von Goznak) gedruckt: 20 und 50 Leva Zlato (Goldleva) – ausgegeben ab 1. September 1885. Als Emissionsbank unterstand die BNB dem Finanzministerium in Sofia. Auch die folgende Ausgabe zu 100 Leva Zlato von 1887 wurden in St. Petersburg gedruckt – alle hatten das Wasserzeichen „БНБ“ (BNB). Die Banknoten wurden von der misstrauischen Bevölkerung ungern angenommen; aber nicht aus diesem Grund waren sie nur bis zum 30. Juni 1907 umlauffähig. Sie kommen auch mit der Abstempelung „сребро“ (= Silber) und der Streichung „злато“ (= Gold) vor. Abb. 2: 50 Leva Gold, 1. August 1885, 150 mm × 97 mm, Vs., Banknote der BNB, Goldnote mit „srebro“ (= Silber) überstempelt, Unterschriften: Karadjov/Tropchiev; Gestaltung: Kirkov. Die folgenden Banknoten der 1890er und 1899er Emissionen zu 5 und 10 Leva Zlato wurden ohne Wasserzeichen bei Bradbury, Wilkinson & Co. in New Malden in England gedruckt; sie waren bis 30. November 1908 in Umlauf. Die 50-Leva-Banknote von 1899 war dann eine Silbernote, die wiederum in St. Petersburg hergestellt wurde. Auf dem historischen Zarewetz-Hügel in Tirnowo verkündete Fürst Ferdinand I. am 5. Oktober 1908 die staatliche Unabhängigkeit des einstigen Vasallenstaats – Ausrufung zum Zarentums Bulgarien (Царство България = Zarstwo Balgarija) und völlige Loslösung vom Osmanischen Reich. Er nahm die Zarenkrone an, die ihm seine Minister zuvor angeboten hatten. In der Übergangszeit vom Fürsten- zum Zarentum (Königreich) Bulgarien wurden zwischen 1903 bis 1910 die sog. Orlov-Noten zu 5, 10, 50, 100 und 500 Silber-Leva im Hochformat bei der „ЭЗГБ“ gedruckt. Die zweite 1903er Emission umfasste die Banknoten zu 20, 50, 100 und 500 Gold-Leva wieder im Querformat. Aufgrund der Niederlage im Ersten Weltkrieg dankte Ferdinand I. am 3. Oktober 1918 ab und ging ins bayerische Exil; am selben Tag noch trat sein ältester Sohn, der Prinz von Tarnowo, als Zar Boris III. seine Regentschaft an. Mit den Friedensverträgen von 1918 fielen die Süd- und Norddobrudscha im März an Bulgarien, im Folgejahr aber wieder an Rumänien. Es begann die „Europäisierung“ Bulgariens. Durch die Balkankriege 1912/13 und schließlich den Ersten Weltkrieg hatte sich der Bargeldumlauf in Bulgarien stark aufgebläht. 1916 ließ die BNB weitere Banknoten in der Berliner Reichsdruckerei drucken: die Wertstufen zu 1, 2, 5 und 10 Leva Sebro und 20, 50 und 100 Leva Zlato. Wie die Banknoten von 1917 zu 5 Leva Sebro sowie 10, 20, 50 und 100 Leva Zlato, die in Leipzig von Giesecke & Devrient gedruckt wurden, galten alle Scheine nur bis zum 5. Mai 1924 – ebenso der G&D-Zehner von 1919. Es folgten die Ausgaben zu 1 Lev und 2 Leva Srebro von 1921 (Druck: Waterlow & Sons Ltd., London) sowie die Banknoten-Serie von 1922: 5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Leva (Druck: American Bank Note Co., New York). Abb. 3: 100 Leva Gold der Bulgarischen Nationalbank ohne Datum (1916), Vorderseite. Abb. 4: 500 Leva 1922, Musterschein 167 mm × 85 mm, Vs.,Unterschriften: Damjanov/Popov; Gestaltung: Gjudshenov/Koshucharov; im Umlauf ab Dezember 1923, Druck: ABNCo.; neben diesen gelochten Scheinen mit Nullnummerierung und Überdruck SPECIMEN gibt es auch mit 4-fach CANCELLED senkrecht perforierte Muster. Der 5000-Leva-Schein von 1924 war die früheste Banknote mit dem Bildnis von Zar Boris III. und wurde in minderer Qualität von der bulgarischen Staatsdruckerei Sofia (Държавна печатница) in einer Auflage von nur 160.000 Stück gedruckt. Ausgegeben wurden die Banknoten im Oktober 1924 und schon im Mai 1925 wieder aus dem Umlauf genommen. Abb. 5: 5000 Leva 1924, 195 mm × 92 mm, Vs., Unterschriften: Bojadjiev/Venkov; Gestaltung: Losev; es sind Vorlagenscheine mit Perforation БНБ aus der Serie Ж bekannt, die gleiche Perforation kommt auf Druckproben deutscher 1924-er Reichsbanknoten vor. In den Dekreten vom 13. November 1926 (Ukas Nr. 33/1926) und dessen Abänderung vom 27. September 1928 (Ukas Nr. 21/1928) wurde bestimmt, dass die BNB keine Banknoten unter 200 Leva mehr ausgeben darf. Im Ukas Nr. 24/1928 vom 28. November 1928 über die Währungsstabilität und den Geldumlauf wurde die unbeschränkte gesetzliche Zahlungskraft bulgarischer Banknoten festgeschrieben, jedoch der Einzug aller Noten zu 5, 10, 20, 50 und 100 Leva bestimmt – bspw. dieser im typischen Bradbury-Wilkinson-Stil gedruckte 50-Leva-Schein: Abb. 6: 50 Leva 1925, 146 mm × 80 mm, Vs., Unterschriften: Bojadjiev/Venkov; Gestaltung: Boshinov/Denev/Tscharkelov. Die bis dahin umlaufenden Noten von 5 bis 100 Leva waren bis zum 31. Dezember 1933 umlauffähig und wurden durch wertgleiche Münzen ersetzt. Das änderte sich aber wieder mit der Ausgabe der 1929er Serie. Dafür wurde eine weitere ausländische Firma für den Banknotendruck verpflichtet: die Londoner Druckerei Thomas De La Rue & Co. Ltd. zur Herstellung von Banknoten zu 200, 250, 500, 1000 und 5000 Leva. Abb. 7: 1000 Leva 1929, 184 mm × 92 mm, Vs., Unterschriften: Ivanov/Nachev; Gestaltung: Sachariev/Boshinov. Schon während des Balkan-Kriegs wurde am 23. Oktober 1912 die Konvertierbarkeit von Leva-Banknoten in Gold abgeschafft, die der Lev erst Ende der 1920er Jahre wiedererlangte; der Goldstandard bestand dann bis 1931. Am 3. Dezember 1928 legte man den Goldwert des Lev auf 0,01087 Gramm fest. Der US-Dollar wurde im Januar 1934 mit 81,75 Leva gerechnet – sank bis August 1939 dann aber unter 139,00 Leva. Die letzten Banknoten mit dem Abbild von Zar Boris III. wurden mit der Serie 1942 bei Diesecke & Devrient gedruckt und 1943 ausgegeben. Zu diesem Zeitpunkt waren schon die neuen Banknoten mit dem Porträt von Zar Simeon II. entworfen und gedruckt; die Scheine zu 200, 250 und 500 Leva der Serie 1943 kamen im Mai bzw. Juni 1944 in Umlauf. Der erst 6-jährige Sohn folgte seinem Vater Boris III. nach dessen Tod am 28. August 1943 in Sofia auf den Thron. Abb. 8: 250 Leva 1943, 145 mm × 78 mm, Vs., Unterschriften: Gunev/Ivanov; Druck: Reichsdruckerei Berlin. In den letzten Monaten des Jahres 1944 hatten die späteren Siegermächte des Zweiten Weltkriegs versucht, ihre geopolitische Vorteile bei der Neuordnung Europas entsprechend ihrer Interessen durchzusetzen. Großbritannien hoffte auf seine Einflusssphäre in Griechenland und Bulgarien. Die Sowjetunion kam dem zuvor, indem die Rote Armee in Bulgarien einmarschierte, ohne dass das Land dem Sowjetreich den Krieg erklärt hatte und nie bulgarische Truppen in der UdSSR gekämpft hatten. Die sowjetische Staatsdruckerei hatte angeblich auch schon Besatzungsgeld für Bulgarien gedruckt – wie für andere Länder (z.B. die Tschechoslowakei und Ungarn) auch. Bildbelege dazu sind aber bis heute nicht bekannt. Abb. 9: „Die Druckereien von Goznak (Moskau und Krasnokamsk) fertigten Papiergeld für die von sowjetischen Truppen befreiten Länder Ungarn, Bulgarien und Rumänien sowie für die sowjetische Besatzungszone in Deutschland.“ ( www.goznak.ru ) Großbritannien hingegen druckte sein Besatzungsgeld mit dem Aufdruck „British Military Authority“ für Nordafrika und fertigte Musternoten zu 1 Pfund für den Einmarsch in Frankreich, Griechenland und Bulgarien mit entsprechenden Überdrucken an. Für Bulgarien wurden 25 Exemplare mit dem Aufdruck „BULGARIA“ hergestellt (39 Z 000001 bis 39 Z 000025). Ebenfalls 25 gekennzeichnete Scheine mit dem Aufdruck „GREECE“ sind nachweisbar (39 Z 000026 bis 39 Z 000050) und weitere 25 1-£-Noten mit dem Aufdruck „FRANCE“ (39 Z 000051 bis 39 Z 000075 – andere Quellen sprechen von 49 bzw. 50 Expl.). Abb. 10: One Pound o. D, 138 mm × 77 mm, Vs., (der Schein 39 Z 000021 wurde 2017 in den USA für 11.000 US-Dollar versteigert). Abb. 11: 3 × 1 Pound o. D. mit Überdruck (der Schein mit der bislang belegten höchsten Kontrollnummer 39 Z 000075 stammt aus der Sammlung von Ruth Hill). Am 15. September 1939 hatte Bulgarien seine Neutralität verkündet. Obwohl Boris III. und die Mehrheit der bulgarischen Bevölkerung mit Deutschland sympathisierten, trat das Land vorerst nicht dem sog. Dreimächtepakt Berlin-Rom-Tokio bei. Die Sowjetunion übergab am 5. September 1944 dem bulgarischen Botschafter in Moskau die Kriegserklärung und besetzte ab 8. September das Land. Mitglieder der Offiziersgruppe „Zweno“ und der „Vaterländischen Front“ setzten die demokratische Regierung ab. Kommunistische Parteiaktivisten sahen sich dadurch ermutigt, über 30.000 Bulgaren als „Volksfeinde“ zu erklären, die verschwanden und umgebracht wurden. Das Zarentum bestand bis September 1946 ... ein Jahr lang unter sowjetischer Besatzung (!). In der Volksbefragung vom 8. September 1946 entschieden sich die Wähler unter sowjetische Besatzung mit (angeblich) 92,72 Prozent für die Abschaffung der Monarchie (Wahlbeteiligung 91,6 %). Am 15. September 1946 wurde schließlich die Volksrepublik Bulgarien ausgerufen. Die Ausgabe 1944 hatte nur das Nominal zu 20 Leva, gedruckt in der Staatsdruckerei Sofia und gelangte ab 9. Mai 1945 in den Umlauf. Der Schein wurde ab März 1947 ausgegeben. Die neue Serie, schon bei Goznak in Moskau gedruckt, bestand aus den Wertstufen 200, 250, 500, 1000 und 5000 Leva und wurde nach der Währungsreform zum 12. Mai 1952 ungültig. Abb. 12: 5000 Leva 1945, 196 mm × 105 mm, Vs., Unterschriften: Stefanov/Ivanov; Gestaltung: Dubasow (Goznak). Die Besetzung des Landes durch die Rote Armee seit September 1944 führte zu einer unkontrollierten Inflation. Die BNB war gezwungen, alle Banknoten ohne jegliche Deckung auszugeben. Nach der Besetzung durch sowjetische Truppen wurde die bulgarische Währung immer wertloser: 1 US-Dollar = 284,72 Leva (Januar 1946) und verfiel mit 1 US-Dollar = 1.148,00 Leva im März 1947 nochmals. Erst nach Jahren mit sehr hoher Inflation wurde durch Erlass des Ministerrats und des ZK der Bulgarischen Kommunistischen Partei (BKP) vom 10. Mai 1952 eine Währungsreform zum 12. Mai 1952 durchgeführt: getauscht wurden 100 alte Leva für 1 neuen Lev. (Artikel I, Pkt. 1.a: Ausgabe neuer Banknoten: 10, 25, 50, 100, 200 und 500 Leva). Alle Gehälter, Renten, Stipendien, Mieten usw. wurden im Verhältnis 100:4 neu berechnet; Lebensmittelkarten für Grundnahrungsmittel wurden abgeschafft und Bankguthaben wurden zwischen 33:1 bis 200:1 gutgeschrieben. Die Umtauschaktion endete am 15. Mai 1952 . Abb. 13: 10 Leva 1951, 196 mm × 105 mm, Vs., Musterschein mit Nullnummerierung, ohne Unterschriften; Druck: Goznak Moskau. Diese 1951er Banknoten galten bis 31. März 1962 und wurden durch eine neue Serie von 1962 und die spätere von 1974 ersetzt, die wiederum bis zum 31. Dezember 1996 in Umlauf waren. Sämtliche Scheine wurden bei Goznak in Moskau gedruckt. Die Abkehr vom staatssozialistischen System begann am 10. November 1989 mit der Absetzung des Parteiführers Todor Schivkov, der der sowjetischen Staatsführung 1963 eine Eingliederung Bulgariens in die UdSSR angeboten hatte. Ihm folgte der ehemalige Außenminister als Staatsratsvorsitzender bis April 1990; bei den freien Wahlen zur VII. Großen Nationalversammlung am 10. und 17. Juni 1990 entschied sich die Bevölkerung für eine demokratische Republik. Neue Banknoten der Serien 1991 – 1993, die in der Wertpapierdruckerei Leipzig gedruckt wurden, kamen ab 1. November 1992 in Umlauf. Bis dahin war die Inflationsrate auf 5891 Prozent gestiegen und Banknoten hoher Wertstufen mussten entsprechend nachgedruckt werden – ab 1994 bei Giesecke & Devrient in München. Das höchste Nominal war der 50.000-Leva-Schein von 1997. Alle Banknoten der Ausgaben von 1991 bis 1997 waren bis zum 31. Dezember 1999 gesetzliches Zahlungsmittel. Abb. 14: 50.000 Leva 1997, 120 mm × 66 mm, Vs., Unterschriften: Filipov/Ivanov; Gestaltung: Gogov; Druck: Giesecke & Devrient München. Am 5. Juli 1999 wurde schließlich ein Währungsschnitt im Kurs von 1.000:1 durchgeführt. Seit November 1999 koppelte man einseitig den Lev an die Deutsche Mark an. Seit dem 1. Januar 2002 rechnet man demnach 1,95583 Lew für einen Euro. Neue Banknoten aus der Druckerei der Bulgarischen Nationalbank wurden ausgegeben und sind bis heute alleinige Geldzeichen im Balkanland: 1, 2, 5, 10, 20, 50 und 100 Leva (die 1- und 2-Leva-Noten galten bis 31. Dezember 2015 bzw. bis 31. Dezember 2020). Die Druckerei (Печатница на БНБ АД) wurde durch Beschluss des Vorstands der BNB Nr. 248 am 11. August 1994 gegründet. Bulgarien wurde am 1. Januar 2007 in die Europäische Union aufgenommen, hat aber den Euro bisher nicht eingeführt, obwohl die Abkürzung ЕЦБ in der protokollarischen Reihenfolge der Mitgliedstaaten auf den derzeitigen Euro-Banknoten an dritter Stelle steht. Abb. 15: 50 Leva 2006, 136 mm × 76 mm, Vs., Unterschriften: Iskrov/Zvetkov; Druck: Druckerei der BNB; Nachfolge-Banknote von 1999 (Unterschriftskombination Gavrijski/Ivanov); am 1. November 2019 kam die dritte und mit besserem Fälschungsschutz in Umlauf (Unterschriftskombination Radev/Zvetkov). 242,4 Mio. 50-Leva-Banknoten waren im Oktober 2023 im Umlauf und hatten den höchsten Anteil an der Gesamtmenge von 583,7 Mio. Banknoten; 340 gefälschte Banknoten wurden im dritten Quartal 2023 registriert: 278 × 50-, 46 × 20-, 12 × 10- sowie je 2 × 5- und 100-Leva-Banknoten Anmerkung: Die politischen Umbrüche in Bulgarien machten es nach 1990 möglich, dass der frühere Zar Simeon II. (abgebildet auf den ausgegebenen 200-, 250- und 500-Leva-Banknoten und auf den nicht ausgegebenen 1000- und 5000 Leva) im Jahre 1996 aus dem Exil in sein Geburtsland zurückkehren konnte und als Simeon B. Sakskoburggotski von 2001 bis 2005 als Ministerpräsident im Amt war. Michael H. Schöne Quellen Borisov S. M./u. a.: „Валюты стран мира“ (= Währungen der Länder der Welt), Moskau 1987 Bulgarian National Bank: „Catalogue Banknotes“, Sofia 2022 https://bulgaria1944-1989.eu https://crownchange.com/en https://de.wikipedia.org https://en.numista.com https://en.wikipedia.org https://histrf.ru https://www.bnb.bg https://www.bta.bg https://www.dw.com/de https://www.pmgnotes.com

  • Leserpost: Gutschein der Stadtgemeinde Tragttuts von 1917

    Hallo Herr Grabowski, ich bin noch ein recht neuer Notgeldsammler und hätte eine Frage zu einem Schein. Es ist eine halbe Mark aus dem Ort Tragttuts, Etikettenfabrik Augsburg. Da ich keine Dokumentation über diese Banknote finde, vermute ich, dass es historisches „Spielgeld“ ist. Seltsamerweise ist bei eBay USA auch ein solcher, sehr  gebrauchter Schein, zu finden, so dass ich mir jetzt nicht mehr sicher bin. Können Sie mir vielleicht etwas über den Schein sagen? Mit freundlichen Grüßen J. Riemer Antwort der Redaktion Da haben Sie ein interessantes Stück. Es handelt sich um eine nicht amtliche "Druckprobe" der Etikettenfabrik Augusburg. Diese Druckerei ist auch durch ihre "Druckprobe" für den Fantasieort „Grubsgau“ über eine halbe Mark vom 1. Juni 1917 bekannt. Liest man Grubsgau von hinten nach vorn, so ergibt sich Augsburg. Bei Ihrem Schein wird so aus „Tragttuts“ = Stuttgart. In der vorliegenden Erhaltung kann man ihn etwa mit 40 Euro bewerten. Beide Proben der Druckerei (Grubsgau und Tragttuts) sind ähnlich gestaltet und tragen die Kontrollnummer 12345. Sie wurden von der Druckerei für Werbezwecke hergestellt und verwendet. Es handelt sich also nicht um historisches Spielgeld. Es ist auch keine Banknote, weil sich so nur Noten einer konzessionierten Notenbank nennen dürfen. Es handelt sich um ein Werbemuster eines Fantasie-Notgeldscheins (Kleingeldersatz) aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Beide "Muster" wurden auf wasserliniertem Papier gedruckt. Die Unterschrift bei „Grubsgau“ (Augsburg) lautet „Regrub“ (Burger) und bei „Tragttuts“ (Stuttgart) "Ilfäsch" (vermutlich Schäfli). Diese Namen haben aber nichts mit den tatsächlichen damaligen Bürgermeistern dieser Städte zu tun (Augsburg: Georg Ritter von Wolfram von 1900 bis 1919 und Stuttgart:  Karl Lautenschlager  von 1911 bis 1933). Ob die Namen Burger und Schäfli einen Bezug zur Etikettenfabrik Augsburg hatten, ist mir nicht bekannt. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Deutsches Notgeld, Band 5+6: Deutsche Kleingeldscheine: Amtliche Verkehrsausgaben 1916 – 1922 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-924861-85-8 Auflage: 1. Auflage 2004 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche farbige Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 976 Preis: 59,80 Euro Zum Shop

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