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- Münzen Gut-Lynt Online-Auktion 14 am 25./26. November 2023
Die sechste und letzte Gut-Lynt Auktion in diesem Jahr 2023 startet am Wochenende des 25. und 26. November, jeweils ab 10 Uhr, und wartet mit einer starken Auswahl an Banknoten aus aller Welt am ersten sowie mit Münzen und Medaillen von der Antike bis zur Gegenwart am zweiten Tag auf. Der vielseitigen Welt der Banknoten widmet sich die Gut-Lynt 14 am ersten Auktionstag: Einen Schwerpunkt bildet eine Partie Weltbanknoten mit über 500 Positionen. Der Sammler dieser Serie hat besonderen Wert auf die Erhaltungen gelegt. Nur wenn keine kassenfrischen Noten zu bekommen waren, findet man wenige geringer erhaltene. Durch vielseitige und gute Kontakte ist diese beeindruckende Sammlung zusammengetragen worden. Nach dem sehr erfolgreichen Verkauf der letzten Sammlung Bundesrepublik Deutschland kommt nun ein zweiter Teil dieses Gebiets zur Versteigerung. Nicht nur das Angebot, sondern auch die attraktiven Startpreise machen die Auktion zu einem festen Termin im Sammlerkalender. Hier eine kleine Auswahl aus der Auktion: Bahamas, 100 Dollars 1996, fast kassenfrisch, Taxe 300 Euro. Bahrain, 10 Dinars 1964, kassenfrisch, Taxe 500 Euro. Belize, 100 Dollars 1.11.1983, Taxe 600 Euro. Cayman Islands, 100 Dollars 1974, kassenfrisch, Taxe 500 Euro. China, Volksrepublik, 1 Jiao 1960, kassenfrisch, Taxe 350 Euro. Deutschland, 5 Deutsche Mark 1948, Serie G, Ersatznote, IV, Taxe 500 Euro. Deutschland, 10 Deutsche Mark 1948, 3x perforiert, fast kassenfrisch, Taxe 250 Euro. Deutschland, 50 Deutsche Mark 1948, fast kassenfrisch, Taxe 800 Euro. Deutschland, 100 Deutsche Mark 1948, "Roter Hunderter", II, Taxe 600 Euro. Deutschland, 50 Deutsche Mark 1948, kassenfrisch, Taxe 7.000 Euro. Deutschland, 1000 Deutsche Mark 1991, falsch eingelegter Bogen: Wasserzeichen kopfstehend und seitenverkehrt, II-III, Taxe 800 Euro. Färöer, 1000 Kronur 1994, kassenfrisch, Taxe 350 Euro. Französisch Indo-China, 20 Piasters 1907, Saigon, PMG 25, Taxe 700 Euro. Französisch Indo-China, 500 Piasters o.D. (1951), Perforation SPECIMEN, PMG 45, Taxe 500 Euro. Gambia, 5 Pounds o.D., Pick 3, kassenfrisch, Taxe 200 Euro. Guadeloupe, 50 Francs o.D., Pick 34, kassenfrisch, Taxe 200 Euro. Hongkong, 100 Dollars 1.1.1977, kassenfrisch, Taxe 200 Euro. Hongkong, Hong Kong & Shanghai Banking Corporation/Hong Kong, 500 Dollars 31.3.1981, kassenfrisch, Taxe 200 Euro. Irland, 50 Pounds 1991, kassenfrisch, Taxe 300 Euro. Indien, 1 Rupee, Persian Gulf Issue, Nadellöcher, kassenfrisch, Taxe 250 Euro. Indonesien, 2500 Rupien o.D. (1957), fast kassenfrisch, Taxe 250 Euro. Katar, 100 Riyals o.D., Pick 11, kassenfrisch, Taxe 150 Euro. Katar, 500 Riyals o.D., Pick 19, kassenfrisch, Taxe 400 Euro. Kongo, 10.000 Francs o.D., Pick 5a, kassenfrisch, Taxe 450 Euro. Malta, 5 Pounds 1967, kassenfrisch, Taxe 200 Euro. Polen, 500 Zlotych 1947, kassenfrisch, Taxe 300 Euro. Polen, 1000 Zlotych 1947, kassenfrisch, Taxe 250 Euro. Réunion, 20 Nouveaux Francs o.D. (1967), kassenfrisch, Taxe 400 Euro. Ruanda und Burundi, 5 Francs 1960, Pick 1, kassenfrisch, Taxe 250 Euro. Straits Settlements, 1 Dollar 1906, PMG 35, Taxe 1.000 Euro. Ungarn, 100 Pengö 1946, gebraucht bis leicht gebraucht, Taxe 250 Euro. Vietnam, 10.000 Dong o.D. (1975), PMG 64, Taxe 500 Euro. Zentralafrika, 5000 Francs 1980, kassenfrisch, Taxe 400 Euro. Der zweite Auktionstag gehört den Münzen und Medaillen von der Antike bis in die heutige Zeit mit rund 1.700 Losen. Der Online-Katalog der Gut-Lynt 14 wird ab Anfang November auf der Auktionsplattform www.auktionen.gut-lynt.de zur Verfügung stehen. Bitte vergessen Sie nicht, sich rechtzeitig zu registrieren, falls Sie zum ersten Mal mitbieten möchten. Auf Instagram "muenzen_gut_lynt" begleiten wir übrigens jede Auktion mit exklusiven Highlights. Auch unsere Website www.gut-lynt.de bietet Vor- und Rückschauen sowie jeweils aktuelle Informationen zu Auktionsterminen und Einlieferungsfristen. Bei Fragen rund um die Münzen Gut-Lynt Auktion 14 sind wir gerne für Sie da: Schreiben Sie einfach an info@gut-lynt.de oder rufen Sie uns an: (+49) 02156 4874819. Wir freuen uns auf Sie.
- Lexikon: Heimatsammlung
Die Anregung zu einer Heimatsammlung geben meist lokale Notgeldscheine, die zunächst mit allen Varianten gesammelt werden. In den Archiven lassen sich oft noch Unterlagen über die Herstellung und die Hintergründe der kommunalen und privaten Geldscheinausgaben entdecken. Nicht selten stößt man dabei auch auf bis dahin unbekannte Notgeldausgaben, vor allem aus der Inflationszeit von 1923. Beim forschenden Sammler können so geld- und finanzgeschichtliche sowie über die Motive auf den Scheinen auch heimatkundliche Interessen geweckt werden. Dießner 242.4f: Notgeld der Gemeinde Moosch (Elsass) über 10 Mark ohne Datum vom September 1914 (sog. 1914er Notgeld), Druck einseitig. Grabowski E22.2: Notgeld der Stadt Erfurt (Thüringen, vormals preußische Provinz Sachsen) über 50 Pfennig vom 20. Oktober 1918 (sog. Kleingeldscheine: Amtliche Verkehrsausgaben), Vorder- und Rückseite. Tieste 2765.450.01: Notgeld der Hamburger Zigarettenfabrik Sossidi Gebrüder über 20 Pfennig gültig bis 1. März 1922 (sog. Kleingeldscheine: Private Verkehrsausgaben), Vorder- und Rückseite. Geiger 121.04a: Notgeld der Stadt Eisenach (Thüringen, vormals Sachsen-Weimar-Eisenach) über 50 Mark vom 24. Oktober 1918 (sog. Großnotgeld, alle Notgeldscheine von 1 bis 100 Mark Nennwert), Vorder- und Rückseite. Müller 2410.4: Notgeld der Stadt Königsberg i. Pr. (preußische Provinz Ostpreußen, heute Kaliningrad in Russland) über 500 Mark vom 30. September 1922 (sog. Notgeld der deutschen Inflation, August 1922 bis Juni 1923), Vorder- und Rückseite. Grabowski BAY-266: Notgeld der Kreisgemeinde Pfalz zu Speyer (Rheinland-Pfalz, vormals Bayern) über 1 Billion Mark vom 1. Oktober 1923 (sog. Notgeld der Hochinflation ab Juli 1923), Druck einseitig. Grabowski 117.1c: Notgeld der Stadt Blankenhain in Thüringen über 1 Mark ohne Datum von 1921 (sog. Deutsche Serienscheine), Vorder- und Rückseite. Kodnar/Künstner 6f: Notgeld des Marktes Admont (Steiermark) über 60 Heller vom November 1920 (sog. Österreichische Serienscheine), Vorder- und Rückseite. Eine Heimatsammlung wird oft mit den Scheinen des Wohn- oder Geburtsortes begonnen, auf Nachbarorte oder eine ganze Region ausgedehnt und nicht selten zu einer Ländersammlung ausgebaut. Einen besonderen Stellenwert haben derartige Heimatsammlungen für Menschen eingenommen, die aus ihrer Heimat vertrieben wurden, so aus den deutschen Ostgebieten. In Heimatsammlungen werden oft alle Scheine aufgenommen, die in der Region gültig waren oder ausgegeben wurden. Dazu können auch Scheine von Länderbanken gehören oder sogar solche von Kriegsgefangenenlagern, die es während des Ersten Weltkriegs in der jeweiligen Region gab. Eine besonders reichhaltige Fundgrube für Heimatsammler bilden die sog. Serienscheine, die sich in einer großen Vielfalt an Motiven der Regional- und Kulturgeschichte widmen. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte Literaturempfehlung Grabowski/Mehl: Deutsches Notgeld, Band 1/2: Deutsche Serienscheine 1918-1922 ISBN: 978-3-86646-518-3 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: komplett in Farbe Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 960 Preis: 45,00 EUR Leseprobe Zur Reihe Deutsches Notgeld
- Serienscheine erinnern an die Nordische Woche vom September 1921 in Lübeck
Zum 100. Jahrestag der „Nordischen Woche“ wird am 1. September 2021 das Behnhaus, offizieller Name Museum Behnhaus Drägerhaus, Galerie des 19. Jahrhunderts und der Klassischen Moderne, in Lübeck eine Jubiläumsausstellung eröffnen, „die sich u. a. mit Lübecks Rolle innerhalb einer (nordischen) Moderne auseinandersetzen will.“[1] Die Nordische Woche war ein gesellschaftliches Großereignis. Nach dem Ersten Weltkrieg war man im Deutschen Reich bemüht, an die zerrissenen Auslandskontakte wieder anzuknüpfen. Dies galt im besonderen Maße für die alte Hansestadt Lübeck. Georg Rudolf Reinhold Kalkbrenner (* 20. Dezember 1875 in Dammer; † 18. Mai 1956 in Lübeck), Finanzsenator der Hansestadt, und Wilhelm Theodor Erich Wallroth (* 28. Januar 1876 in Berlin; † 6. Januar 1929 in Oslo), Mitglied der Lübecker Bürgerschaft und später als Diplomat im Reichsdienst tätig, gründeten mit anderen Vertretern der Lübecker Politik und Wirtschaft die „Nordische Gesellschaft“. Sie trat dafür ein, die wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zu den Staaten des europäischen Nordens neu zu beleben und zu fördern. Abb. 1: Titelseite des Programmheftes zur Nordischen Woche. Die Darstellung auf der Titelseite ist fast identisch mit der des Plakates zur Ausstellung. Beide stammen vom Gebrauchsgraphiker Alfred Mahlau (* 21. Juni 1894 in Berlin; † 22. Januar 1967 in Hamburg). Er hat plakativ eine Vielzahl von Fischkuttern mit roten und schwarzen Masten um einen roten Duckdalben (eingerammte Gruppe von Pfählen zum Festmachen von Schiffen im Hafen) vertäut dargestellt. Während in der Presse die Darstellung als „blutiges Stachelschwein“ bezeichnet wurde, sprach Reichskunstwart Edwin Redslob dagegen von einem der am besten gelösten Plakat, das er in der letzten Zeit gefunden habe. Bei der Umsetzung dieses Zieles griff man auf Ideen der Deutsch-Nordischen Handels- und Industrie-Ausstellung aus dem Jahre 1896 zurück. Auch Ende des 19. Jahrhunderts strebten Industrielle und Politiker eine Verbesserung der kulturellen und wirtschaftlichen Beziehungen zu Skandinavien an. So wurde die Nordische Woche ins Leben gerufen. Vom 1.–11. September 1921 fand eine Reihe von Veranstaltungen statt, die die alte Hansestadt Lübeck aus ihrer Randlage befreien sollte und ihre Stellung im Ostseeraum als ehemaliges Haupt der Hanse in Erinnerung brachte. Dies wird auch aus den einleitenden Worten im Programmheft deutlich: „Jahrhunderte verbanden Deutschland und die nordischen Länder. Ströme wirtschaftlichen und geistigen Lebens fluteten über Meere und Staatsgrenzen. Auf den Schiffahrtsstraßen der Ostsee steigerte sich von Jahr zu Jahr der Verkehr, Erzeugnisse des Bodens und des Gewerbefleißes hinüber und herüber tragend, das Wirtschaftsleben der angrenzenden Länder enger und enger verknüpfend. Die Reformation brachte religiöse Erneuerung Deutschland wie den nordischen Ländern. Nordisches Schauspiel, nordischer Roman befruchteten deutsches Schaffen, Meisterwerke deutscher Musik und Literatur fanden Heimstätte in nordischen Ländern. Häufige Reisen mehrten das Wissen vom Leben der anderen Völker. Politische Notwendigkeiten und wirtschaftliche Zerrüttungen der Kriegs- und Nachkriegszeit zerrissen viele Bande, schnitten ab vom Denken und Schaffen anderer Völker, an denen teilzunehmen Gewohnheit und Bedürfnis war. Umwälzungen der geistigen und politischen Struktur vollzogen sich, dem Fernstehenden kaum faßbar, entfremdend. Gemeinsamer Kampf in Finnland, tätige Nächstenliebe nordischer Völker an deutschen Kindern knüpften manches neue Band.[2] Hier weiterzuschaffen, einengende Kette nationaler Abschließung sprengend, ruft Lübeck zur ‚Nordischen Woche‘ auf. …“ Das Programm der Nordischen Woche war vielfältig. Vor und im alten Bahnhofsgebäude am Holstentor stellte sich das lokale Handwerk und die Lübecker Industrie in einer Messe vor. Die Katharinenkirche wurde zum Mekka historisch- und kunstinteressierter Besucher. Im Langschiff der Kirche wurden „Emil Noldes religiöse Bilder“ ausgestellt, im hohen Chor waren Urkunden, Siegel und Inkunabeln zur Lübecker Geschichte zu sehen, im Unterchor schließlich eine Ausstellung über deutsche und nordische Architektur. Skandinavische Kunst war in den Räumen der Overbeck-Gesellschaft im zweiten Stock des Schabbelhauses zu bewundern, und die sog. „Jahrhundert-Ausstellung“ im Behnhaus präsentierte Lübecker Kunst vom Anfang des 19. Jahrhunderts bis zur Gegenwart. In zahlreichen Vorträgen wurden Themen aus Politik, Wirtschaft und Kunst aufgegriffen; z. B. sprach Thomas Mann über „Goethe und Tolstoj“ und der Kunsthistoriker Johnny Roosval über „Beziehungen Lübecker Kunst zu Skandinavien“. Sportveranstaltungen, Liederabende, Kirchenmusik-, Sinfonie- und Kammerkonzerte sowie allabendliche Opern- und Theateraufführungen im Stadttheater waren wesentliche Bestandteile der Nordischen Woche. Abb. 2: 50 Pfennig, Nordische Woche 1.–11. September 1921, Gemeinsame Vorderseite. Abb.3: 50 Pfennig, Nordische Woche 1.–11. September 1921, Rs. A (Lübecker Wappen). Abb. 4: 50 Pfennig, Nordische Woche 1.–11. September 1921, Rs. B (schwedisches Wappen). Abb. 5: 50 Pfennig, Nordische Woche 1.–11. September 1921, Rs. C (dänisches Wappen). Abb. 6: 50 Pfennig, Nordische Woche 1.–11. September 1921, Rs. D (norwegisches Wappen). Abb. 7: 50 Pfennig, Nordische Woche 1. – 11. September 1921, Rs. E (finnisches Wappen). Anlässlich der Nordischen Woche wurden 100.000 Serien von jeweils fünf Geldscheinen zu 50 Pfennig ausgegeben.[3] Die Vorderseite aller Scheine ist identisch. In den oberen Ecken das Lübecker Wappen, im Zentrum in einem Oval die Ansicht der Marienkirche und die Umschrift „Musterschau . Lübeck“. Die Rückseiten der Scheine zeigen jeweils in einem Oval Wappen und Landesfarben von Lübeck, Schweden, Dänemark, Norwegen und Finnland. Gedruckt wurden die undatierten, 110 x 78 mm großen Scheine im Verlagshaus H. G. Rahtgens in Lübeck. Der Entwurf stammt vom Maler und Graphiker Walter Günteritz (*11. Juli 1888 in Neubrandenburg; † 23. September 1962 in Darmstadt). Nach seinem Studium an der Akademie der Bildenden Künste München wurde er zunächst 1914/15 Konservator am Großherzoglichen Schlossmuseum in Neustrelitz und Fachlehrer für Technisches Zeichnen am Technikum Strelitz. Aus dem Ersten Weltkrieg zurückgekehrt, wurde er 1918/19 Fachlehrer in Lübeck. Hier entwarf er 1921 nicht nur die erwähnte Serie, sondern auch das Notgeld des Lübecker Fischerdorfes Gothmund und der Lübecker Schiffergesellschaft. Von ihm stammt aber auch der Entwurf eines 3-Mark-Scheines der nicht existierenden Stadt Neukirch. Obwohl die Scheine der Musterschau nur in der Ausstellung gültig waren, meldete ein Polizeibericht vom 18. Oktober 1921: „Scheine Nordische Woche sind im Umlauf“. Diese Scheine war demnach zusammen mit dem „Eiergeld“ und der „Sprücheserie“ der Stadtkasse im Verkehr. Bei der „Eierserie“ handelt es sich um fünf 20-Pfennig-Scheine mit dem Datum vom 1. April 1921 und bei der „Sprücheserie“ um fünf 50-Pfennig-Scheine mit Datum vom 1. Mai 1921, die auch mit zwei zusätzlichen roten Aufdrucken „Nordische Woche“ vorkommen. Abb. 8: 50 Pfennig, Stadtkasse Lübeck, 1. Mai 1921, mit Stempel „Nordische Woche“, Gemeinsame Vorderseite. Abb. 9: 50 Pfennig, Stadtkasse Lübeck, 1. Mai 1921, mit Stempel „Nordische Woche“, Rückseite I: Lübecker Dom mit Stadtsilhouette. Abb. 10: 50 Pfennig, Stadtkasse Lübeck, 1. Mai 1921, mit Stempel „Nordische Woche“, Rückseite II: Rathaus. Abb. 11: 50 Pfennig, Stadtkasse Lübeck, 1. Mai 1921, mit Stempel „Nordische Woche“, Rückseite III: Heilig-Geist-Spital. Abb. 12: 50 Pfennig, Stadtkasse Lübeck, 1. Mai 1921, mit Stempel „Nordische Woche“, Rückseite IV: Burgtor. Abb. 13: 50 Pfennig, Stadtkasse Lübeck, 1. Mai 1921, mit Stempel „Nordische Woche“, Rückseite V: Holsten Tor. Die Scheine der „Sprücheserie“ entwarf der Maler und Grafiker Asmus Jessen (* 15. Mai 1890 in Havetoft; † 6. Februar 1977 in Lübeck). Sein Honorar betrug 2000 Mark. Den Auftrag für den dreifarbigen Druck erhielt die Firma Joh. Moll KG im Mai 1921 mit der Auflage, 250.000 Stück 50-Pfennig-Scheine bis zum 23. August 1921 zu liefern. Für jeden Tag Verzögerung drohte eine Konventionalstrafe in Höhe von 200 Mark. Für den Druck der 90 x 60 mm großen Scheine wurde Papier mit dem Wasserzeichen „Helle Kreuze“ verwendet.[4] Diese Scheine wurden auch mit einem runden, roten Aufdruck „Nordische Woche 1.–11. September“ versehen. In einem Bericht vom 11. Januar 1921 an die Reichsbankstelle wurde der Ausgabebetrag der beiden Sorten mit 360.000 Mark angegeben. Ende 2021 wurde die Laufzeit bis zum 15. März 1922 verlängert. Danach konnten die Scheine noch bis zum Ende des Monats bei der Stadtkasse eingelöst werden. Während die umgelaufenen Scheine im Laufe des Jahres vernichtet wurden, gelangten die noch vorhandenen druckfrischen Scheine der Stadtkasse in Verkauf. Am 9. Juni 1922 waren 280.000 Scheine der Sprücheserie ohne Aufdruck und 70.000 Scheine mit Aufdruck „Nordische Woche“ vorhanden.[5] Uwe Bronnert [1] (12.05.2021). [2] Anm. d. Verf.: Diese Zeile erinnert an die Hilfe, die das deutsche Militär der „Weißen Regierung“ im finnischen Bürgerkrieg leistete, sowie an die Hilfsgüterlieferungen aus Skandinavien nach dem Ersten Weltkrieg. [3] Vgl. Heinz Röhl und Jan Romanowski, Lübecks Papiergeld im 19. und 20. Jahrhundert, Lübeck 2011, S. 130. [4] Wasserzeichen Nr. 171, vgl. Arnold Keller, Deutsche Wertpapierwasserzeichen, Die Wasserzeichenpapiere des deutschen Reiches 1914 – 1948, Abbildungen gezeichnet von Kurt Lehrke, Berlin-Wittenau 1955, S. 49, Tafel 9. [5] S. Hein Röhl und Jan Romanowski, S. 56 ff.
- Wetzlar: Bei Buderus wurde 1923 aus Notgeld Gold-Notgeld
Ende Oktober 1923 forderten immer mehr Vertreter der Arbeitnehmerschaft in Industriebetrieben die Einführung wertbeständigen Notgelds bei der Lohnzahlung. Ende November 1923 schufen die Stahlwerke Buderus im rheinländischen Wetzlar deshalb eigenes Goldmark-Notgeld, das ausschließlich in der eigenen Lebensmittel-Verkaufsstelle akzeptiert wurde. Am 29. November 1923 gab die Lebensmittel-Verkaufsstelle des Stahlwerks Buderus-Röchling Aktien-Gesellschaft Gold-Gutscheine über 0,10 Goldmark aus, wenig später am 1. Dezember 1923 Gold-Gutscheine über 1, 2 und 5 Goldmark. Lebensmittel-Verkaufsstelle des Stahlwerks Buderus-Röchling Aktien-Gesellschaft, Gold-Gutschein über 1 Mark (1 Goldmark), ausgestellt in Wetzlar am 1. Dezember 1923. Diese wertbeständigen Notgeldscheine wurden jedoch nicht wie üblich neu gedruckt. Man verwendete in diesem Fall alte, archivierte 1-, 2- und 5-Mark-Notgeldscheine von Buderus-Haushalt-Wetzlar vom 15. August 1918 und überstempelte sie als „Gold-Gutscheine“. So wurde aus Mark-Notgeld Goldmark-Notgeld. Die Scheine waren dekorativ aufgemacht und umrandet vom bergmännischen Motto: "Es grüne die Tanne, es wachse das Erz, Gott schenke uns allen, ein fröhliches Herz". Lebensmittel-Verkaufsstelle des Stahlwerks Buderus-Röchling Aktien-Gesellschaft, Gold-Gutschein über 2 Mark (2 Goldmark), ausgestellt in Wetzlar am 1. Dezember 1923. Lebensmittel-Verkaufsstelle des Stahlwerks Buderus-Röchling Aktien-Gesellschaft, Gold-Gutschein über 5 Mark (2 Goldmark), ausgestellt in Wetzlar am 1. Dezember 1923. Hans-Georg Glasemann Bildquelle: Privat (6/2023) Literaturhinweis (Daten und Texte teilweise entnommen): Wilhelmy, Rudolf; Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro
- G+D erhält Auszeichnung für Sicherheitsstreifen in nachhaltiger Musternote Green LongLife
München, 23. November 2023 – Giesecke+Devrient (G+D) setzt mit dem neuen Substrat Green LongLife Maßstäbe in Sachen Umweltschutz und intelligenter Ressourcennutzung. Zentralbanken sind damit in der Lage, den Bargeldkreislauf nachhaltiger zu gestalten, ohne dabei Kompromisse bei der Sicherheit einzugehen. Nun wurde das optische Folien-Sicherheitselement auf der Green LongLife Musternote mit dem „Excellence in Holography Award“ der International Hologram Manufacturers Association (IHMA) ausgezeichnet. Das holografische Sicherheitselement auf der G+D Green LongLife Musternote wurde mit dem „Excellence in Holography Award“ ausgezeichnet. (Quelle: G+D) Um die Herstellung und den Lebenszyklus von Banknoten nachhaltiger zu gestalten, hat G+D gemeinsam mit seinem Tochterunternehmen Louisenthal 2022 die Green Banknote Initiative ins Leben gerufen. Während die offene Dialogplattform mit der Einführung der IACA-prämierten Green Banknote bereits einen wichtigen Meilenstein im Bereich grüner Produktlösungen für Banknoten erreicht hat, reduziert G+D mit der Green Longlife Musternote den Anteil an Kunststoff und mineralölbasierten Farben in Banknoten nun auf ein neues Minimum. Durch den verstärkten Einsatz von nachwachsenden Rohstoffen und alternativen Fasern wie zertifizierter Bio-Baumwolle wird nicht nur der CO2-Ausstoß reduziert, sondern auch die Lebensdauer der Banknoten im Vergleich zu einer Standardnote verdoppelt. Ausgezeichnete Sicherheit auf gleichbleibend hohem Niveau In puncto Sicherheit und Fälschungsschutz gibt es dabei keine Kompromisse: In dem Green LongLife Substrat können Sicherheitsmerkmale aller Stufen – L1, L2 und L3 – eingebettet werden. Der Sicherheitsstreifen besteht aus RollingStar-LEAD-Mix-Folien, die sich ideal in das Banknotendesign integrieren. Dank der eingebetteten Mikrospiegeleffekte entstehen Dynamik und Farbwechsel, die die Motive der Banknote besonders gut aufnehmen und zum Leben erwecken. Für diese Technologie wurde die Green LongLife Musternote nun von der IHMA mit dem „Excellence in Holography Award“ in der Kategorie „Bestes angewandtes Sicherheitsprodukt“ ausgezeichnet. Der Verband vergibt den Preis jährlich für herausragende Produkte oder Techniken, die auf den Markt gebracht wurden und in Bezug auf Innovation und Marktpotenzial zu den besten der Branche zählen. „Wir sind sehr stolz darauf, dass unsere Green LongLife Musternote bereits kurz nach ihrer Veröffentlichung von der Branche ausgezeichnet wird“, erklärt Christoph Gebauer, Senior Product Manager High Security Foil Products im Bereich Banknotenherstellung bei G+D. „Das zeigt uns, dass wir auf dem richtigen Weg sind in dem Bestreben, Nachhaltigkeit und höchste Sicherheit auf harmonische Weise in unseren Produkten zu vereinen. Durch die Kombination verschiedenster komplexer Technologien erschaffen wir einzigartige und ansprechende Banknoten mit besonders hohem Wiedererkennungswert.“ Repurposing anstatt Recycling für ausgemusterte Banknoten Einen nachhaltigeren Bargeldkreislauf erreicht man jedoch nicht allein mit der Herstellung grüner Banknoten. Daher entwickelt G+D kontinuierlich neue Ansätze für den Umgang mit nicht mehr umlauffähigen Banknoten. Die Repurposing-Strategie geht weit über das etablierte Recycling hinaus und trägt der Tatsache Rechnung, dass gerade für Banknoten aus Baumwollsubstrat zahlreiche Möglichkeiten zur nachhaltigen Wiederverwertung bestehen. G+D stellt mit dem Repurposing-Ansatz eine ganze Reihe von Technologien und Alternativen zur Auswahl – von der Kompostierung bis zum Einsatz der jüngst vorgestellten Technologie „Banknote Fiber Extraction“. Mit dieser Technologie können Banknoten im Zuge der Vernichtung anstelle von herkömmlich geschredderten Banknoten in Fasern aufgelöst werden. Die Fasern können brikettiert und anschließend in zahlreichen papierbasierten Produkten wiederverwertet werden, zum Beispiel in papierbasierten Verpackungen und Kartonagen. Weitere Informationen gibt es unter: Advanced Currency Management | G+D (gi-de.com) Über Giesecke+Devrient Giesecke+Devrient (G+D) ist ein weltweit tätiges Unternehmen für SecurityTech mit Hauptsitz in München. G+D macht das Leben von Milliarden von Menschen sicherer. Das Unternehmen schafft Vertrauen im digitalen Zeitalter, mit integrierten Sicherheitstechnologien in drei Geschäftsbereichen: Digital Security, Financial Platforms und Currency Technology. G+D wurde 1852 gegründet und beschäftigt heute mehr als 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 2,53 Milliarden Euro. G+D ist mit 123 Tochtergesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen in 40 Ländern vertreten. Weitere Informationen: www.gi-de.com. Presseinformation
- Leserpost: Unbekanntes Muster zu Weinheimer Notgeld von 1918
Sehr geehrter Herr Grabowski, falls der abgebildete Schein in dieser Form mit Stempel "ungültig MUSTER" noch nicht bekannt sein sollte, ist er vielleicht eine interessante Neuentdeckung. Bemerkenswert ist jedenfalls, dass die Druckereiangabe auf der Vs. unten mit "GRAHP. KUNSTANSTALT..." beginnt anstatt mit "GRAPH. KUNSTANSTALT..." Ob dieser Fehler auf allen verausgabten Scheinen zu finden ist? T. Neldner Antwort der Redaktion Weder Geiger führt solche Muster in seinem Großnotgeld-, noch Rupertus in seinem Baden-Katalog auf. Man sollte das Muster ohne Kontrollnummer und mit dem markanten Stempel deshalb der Öffentlichkeit vorstellen. Ob es sich tatsächlich bei der Angabe der Druckfirma „GRAHP“ um einen Druckfehler handelt, kann man in Frage stellen. Sämtliche Weinheimer Fünfer vom November 1918 tragen jedenfalls diesen Vermerk. Normal findet man die Buchstaben oft als Abkürzung „GRAPH“ für z. B. eine Graphische Anstalt. Es kann aber auch der eigentliche Firmenname sein, der sich aus „GRA" für Graphische Kunstanstalt und den beiden Initialen des Firmenbesitzers Hermann Pfaff zusammensetzt, woraus sich „GRAHP“ ergeben würde. Die Firma hatte ihren Sitz in Lahr in Baden. In der Ausgabe 22/1980 von "Geroldsecker Land" erschien ein Beitrag von Ernst Schlosser Zum Thema "100 Jahre planoffset Hermann Pfaff K.-G. Lahr". Die Druckerei wäre demnach also bereits um 1880 gegründet worden. Anlass genug, um einen Blick in das Reichsadressbuch zu werfen und hier nach der Druckerei in Lahr zu suchen. Evtl. wurde dort auch die Bezeichnung "GRAHP" angegeben. Das Reichsadressbuch von 1919[1] führt unter Lahr und hier unter Lithographische Anstalten und Steindruckereien an: Pfaff, Hermann, (Hermann, P. und Wilhelm Barbo), Lithogr. Anstalt. Man muss allerdings wissen, dass hier die meisten Firmen nicht mit ihrer kompletten Firmierung, sondern meist nur mit den Inhabern, Telefonnummern usw. aufgeführt werden. Hans-Ludwig Grabowski Anmerkung [1] Deutsches Reichs-Adressbuch für Industrie, Gewerbe, Handel und Landwirtschaft, Sonderband VIII: Baden, Elsass-Lothringen, Hohenzollern, Württemberg, Verlag Rudolf Mosse, Berlin, Berlin 1919. Literaturempfehlung: Anton Geiger: Deutsches Notgeld, Band 3 Das deutsche Großnotgeld 1918 – 1921 Katalog aller Notgeldscheine im Nennwert von 1 bis 100 Mark ISBN: 978-3-86646-533-6 Auflage: 3. Auflage 2010 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend schwarzweiß Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe!
- Die geplanten Goldfranken-Kassenscheine der "Rheinischen Republik" 1923
Am 21. Oktober 1923 stürmten bewaffnete Separatisten mit Rückendeckung der belgischen Besatzer unter Leitung des Industriellen Leo Deckers das Aachener Rathaus, hissten ihre grün-weiß-rote Fahne und riefen die unabhängige "Rheinische Republik" aus. Dies war der Startschuss für ähnliche Vorgänge im übrigen Rheinland und den ebenfalls französisch-belgisch besetzten Gebieten Hessens und der Pfalz. Die Abtrennung des Rheinlands vom Deutschen Reich und die Proklamation einer unabhängigen "Rheinischen Republik" kam den französischen Interessen sehr nahe. Konnte man den Anschluss an Frankreich schon nicht durchsetzen, so schwächte doch die Schaffung eines Pufferstaates den Erzfeind Deutschland. Bereits am 26. Oktober erkannte der Oberkommissar der Hohen Interalliierten Rheinlandkommission die Regierung der "Rheinischen Republik" und deren örtliche Vertreter als rechtmäßige Regierung an. Wichtiges Ziel der Aufständischen war die Einnahme der beiden politischen Machtzentren des Rheinlands: Düsseldorf, der Sitz des Provinziallandtags und des Landeshauptmanns und Koblenz, von hier leitete der Oberpräsident die Verwaltung der Provinz. Am 22. Oktober trafen bewaffnete Separatisten in von den Franzosen requirierten Eisenbahnzügen in Koblenz ein. Vom Bahnhof aus marschierten sie vor die Polizeidirektion am Kaiser-Wilhelm-Ring, dem heutigen Sitz der Kreisverwaltung, und vor das Rathaus, um die Übergabe der Stadt zu verlangen. Eine große Menschenmenge hinderte die Putschisten an dem Vorhaben. Als einer der Separatisten einen Schuss abfeuerte, kam es zu einer wüsten Keilerei, bei der wie durch ein Wunder niemand getötet wurde. Allerdings gab es 58 teils schwer Verletzte. Anders als in Düsseldorf, wo französischen Soldaten die Separatisten unterstützt hatten, hielten sie sich in Koblenz zunächst zurück. Nach diesem Misserfolg wurden weitere bewaffnete Sonderbündler nach Koblenz gebracht. Unter dem Schutz französischer Truppen marschierten sie schließlich zum Schloss und hissten hier ihre grün-weiß-rote Fahne. Der daraufhin erneute Massenaufmarsch unbewaffneter Bürger wurde von französischen Soldaten zerstreut, wieder gab es viele Verletzte. Oberbürgermeister Dr. Russell, der bei der Rheinlandkommission protestierte, wurde mit einer größeren Zahl von Beamten aus dem Rheinland ausgewiesen und die deutsche Polizei entwaffnet und der französischen Oberhoheit unterstellt. Das Verhängen des Belagerungszustands garantierte, dass die etwa 2000 bewaffneten Separatisten Rathaus, Schloss und Post besetzten konnte. Bezirks- (Orts-) Kommissar von Koblenz wurde der Weinhändler Theodor Oehmen. Bereits am 23. Oktober 1923 konstituierte sich in Koblenz die „provisorische Regierung der Rheinischen Republik“ als Zentralregierung der Separatisten. Aber auch danach war nicht immer klar, wer eigentlich für die "Rheinische Republik" spricht. Am 30. Oktober veröffentlichten dann verschiedene deutsche Zeitungen unter Berufung auf französische Zeitungen die Kabinettsliste der vorläufigen Regierung – vielleicht ergeben sich daraus die unterschiedlichen Schreibweisen der Personen. Beim "Aachener Anzeiger" war beispielsweise zu lesen: „‘Petit Parisien‘ gibt in einer Koblenzer Meldung eine […] Zusammensetzung der provisorischen Regierung. Matthes soll dem Korrespondenten des Blattes erklärt haben, die Regierung sei nunmehr konstituiert und er nehme für sich den Titel eines Kommissars des Vollzugsausschusses (?) in Anspruch. Herr von Metzen werde in Erwartung der Ankunft Dr. Dortens das ‚Ministerium des Äußeren‘ und das ‚Ministerium des Handels übernehmen. Die übrigen Portefeuilles werden folgendermaßen verteilt: Finanzen: Dr. Wolterhoff, Inneres: Liebing, Kultus und Unterricht: Dr. Cremer (auch Krämers), Eisenbahn: Dr. Müller, Justiz: Rechtsanwalt Kleber, Ackerbau und Versorgung: Simons. Dr. Dorten ist, so wird weiter geschildert, mit ‚wichtigen Verhandlungen hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage der neuen Republik‘ beschäftigt.“[1] Das "Honnefer Volksblatt" vom gleichen Tag schreibt, dass Dorten und Matthes bevollmächtigte Minister seien und Dr. Guthardt das Amt des Hauptkommissars (commissaire general) der belgischen Zone übernommen habe. Die Mitglieder der Regierung der "Rheinischen Republik" in Koblenz. Die Folgen des passiven Widerstands gegen die französisch-belgische Besatzung waren besonders im Rheinland zu spüren. Die französische Zollgrenze zum übrigen Reich behinderte den Warenaustausch, vielfach wurde er vollkommen unterbunden. Arbeitslosigkeit und Hunger waren die Folgen. Weite Teile der Bevölkerung waren auf die mageren Unterstützungszahlungen des Reichs angewiesen. Zudem behinderte die französische Besatzungsmacht auch die Geldzufuhr der Reichsbank, sodass hier besonders viele Notgeldausgaben zu verzeichnen waren. Auch die Devisenkurse an der Kölner Börse lagen deutlich über denen in Berlin.[2] Wollte man die Bevölkerung für sich gewinnen, musste man die aufgezeigten Probleme lösen. Eine der wichtigsten Aufgaben sah die provisorische Regierung in einer Währungskonsolidierung. Schon lange dachte man im Rheinland – nicht nur in separatistischen Kreisen – über die Schaffung eines eigenen, wertbeständigen Goldfranken nach. Bei einem Interview mit französischen Journalisten führte Finanzminister Wolterhoff aus, dass das weitere Bestehen der "Rheinischen Republik" vom Gelingen der Währungsreform abhinge. „Die Rheinische Republik wird im Rahmen der ‚lateinischen Union‘ eine Milliarde Rheinfranken ausgeben, der im Wert dem französischen Franken entspricht. Die Rheinische Republik wird zur Deckung dieser Milliarde Schatzscheine ausgeben, die von den Grundbesitzern als Hypothek auf den Grundbesitz garantiert werden. Der Rest der Summe wird durch Scheine garantiert, die von einem privaten Konsortium ausgegeben werden sollen. Dieses Konsortium erhält als Pfand für die Darlehen eine Hypothek auf das Eigentum der rheinischen Eisenbahnen, die augenblicklich (!) von der französisch-belgischen Regie ausgebeutet werden. Auf diesen Eisenbahnen ruht nach dem Versailler Vertrag bereits eine Hypothek der Alliierten. Die Rheinische Republik beabsichtigt deshalb, die Alliierten aufzufordern, diese Hypothek in eine zweite Hypothek in Höhe von 350 [Millionen, Anm. d. Verf.] Goldfranken umzuwandeln. Die von dem Konsortium abgelöst würde. In den Kreisen der provisorischen Regierung hofft man, daß diese Kombination von den Alliierten gerne gutgeheißen würde. Einer Pressemeldung zufolge sollen Verhandlungen über die Bildung dieses Eisenbahnkonsortiums bereits im Gange sein und von Dr. Dorten geleitet werden.“[3] Die Währung der Separatisten sollte wie die Rentenmark durch Hypotheken auf Grund und Boden abgesichert werden. Das Berliner Münzkabinett im Bode-Museum (Stiftung preußischer Kulturbesitz) verwahrt in seinen Beständen zehn Blätter mit Original-Entwürfen für Kassenscheine der "Rheinischen Republik" auf. Sie befanden sich ursprünglich in der Geldgeschichtlichen Sammlung der Reichsbank und enthalten insgesamt 14 Entwürfe, zwei Bleistift-Skizzen (Vorentwürfe) und zwölf kolorierte Ausführungsentwürfe. Als geplantes Ausgabedatum wird der 6. November 1923 genannt. Für Nominale der neuen Währung waren Kassenscheine zu ½, 1, 5, 10, 20 und 100 Goldfranken vorgesehen, eingeteilt in 100 Pfennige. Daher waren auch Geldscheine zu 5, 10 und 25 Pfennige geplant. Als Sitz der Ausgabebehörde, die auf den Entwürfen jedoch nicht genannt wird, war Coblenz vorgesehen. Auf allen Entwürfen werden drei Unterschriften angedeutet. Vermutlich sollten an dieser Stelle die Unterschriften der Vertreter der von den Separatisten geplanten Rheinischen Goldnotenbank stehen. Letztere darf aber nicht mit der Rheinisch-Westfälischen Goldnotenbank verwechselt werden, die etwa zur gleichen Zeit von Vertretern der rheinischen Industrie und des Handels gegründet werden sollte. Auf den Entwürfen zu 5, 10 und 20 Goldfranken befindet sich der Hinweis „1 kg FEIN = 3487,5“, d. h. 1000 g Feingold sollten den Wert von 3.487,5 Goldfranken haben oder anders ausgedrückt, ein Goldfranken entsprachen 0,2867 g Feingold. „Die Rentenmark erlangte durch ihre Gleichstellung mit der späteren Reichsmark einen Goldgehalt von 0,3592 g. Demgegenüber hatte der französische Franc einen solchen von 0,2903 g, d. h. er deckte sich praktisch mit dem Goldfranken der projektierten Rheinischen Republik.“ [4] Betrachtet man die Farbgestaltung der Entwürfe, so fällt auf, dass die Verwendung blasser Farben den späteren französischen Geldscheinen entsprechen. Dies könnte möglicherweise ein Hinweis auf den oder die unbekannten Gestalter sein. Die dekorativen Elemente der Entwürfe beziehen sich auf Landschaft und Persönlichkeiten des Rheinlands. Original-Entwürfe zu 5- und 10-Pfennig-Kassenscheinen der "Rheinischen Republik" mit Datum vom 6.11.1923, Blatt 8, Anmerkung "Görres" zum Porträt und Vermerk "Gut" , Handsignatur und Datierung vom 8.11.1923. Original-Entwürfe zu 25- und 50-Pfennig-Kassenscheinen der "Rheinischen Republik" mit Datum vom 6.11.1923, Blatt 9, Anmerkung "1/2 Franken" statt "50 Pfennige", Vermerk "Gut" und "Heinrich Heine" über dem Porträt, Handsignatur und Datierung vom 8.11.1923. Original-Entwurf zu 1 Goldfranken-Kassenschein der "Rheinischen Republik" mit Datum vom 6.11.1923, Blatt 1, Anmerkung "Besser!" und Handsignatur. Original-Entwurf zu 2 Goldfranken-Kassenschein der "Rheinischen Republik" mit Datum vom 6.11.1923, Blatt 2, Anmerkung "Gut", Handsignatur und Datierung vom 8.11.1923. Original-Bleistiftzeichnungen zu 1 und 2 Goldfranken-Kassenscheinen der "Rheinischen Republik" , Blatt 3, Anmerkung zu Motiven bei 2 Goldfranken (Kunst u. Handwerk / Frieden), "Neue Vorschläge", Handsignatur und Datierung vom 8.11.1923. Original-Entwurf zu 5 Goldfranken-Kassenscheinen der "Rheinischen Republik" mit Datum vom 6.11.1923 mit Porträt von Goethe, Blatt 4, Anmerkung "Gut", Handsignatur und Datierung vom 8.11.1923. Original-Entwurf zu 10 Goldfranken-Kassenscheinen der "Rheinischen Republik" mit Datum vom 6.11.1923 mit Porträt von Beethoven, Blatt 5, Anmerkung "Gut!", Handsignatur und Datierung vom 8.11.1923. Original-Entwurf zu 20 Goldfranken-Kassenscheinen der "Rheinischen Republik" mit Datum vom 6.11.1923, Blatt 6, Anmerkung "Gut!", Handsignatur ohne Datierung. Original-Entwürfe zu 100 Goldfranken-Kassenscheinen der "Rheinischen Republik" , Blatt 7, "Genehmigt", Handzeichen und Datum vom 8.11.1923. Schon in der Antike nutzten die Herrschenden Münzdarstellungen, um der Welt ihre Botschaften zu vermitteln. Auch die Ikonografie der Kassenscheine sollte dies tun. Mit der Auswahl der Darstellungen sollte eine Identifikation der Rheinländer mit der "Rheinischen Republik" erreicht sowie Aufbruchstimmung und Zuversicht vermittelt werden, indem man z. B. für den Wert zu 2 Goldfranken die Personifikation des Rheins (Rhenus Pater, Vater Rhein) wählte. Mit geschultertem Dreizack blickt er von der rechten Vorderseite den Betrachter an, vor ihm ein Füllhorn, aus dem er Weindolden schüttet, dem natürlichen Reichtum an Rhein und Mosel. Überhaupt zeigen einige Scheine Weinblätter und Weindolden als Rahmenschmuck. Auf der Rückseite seine drei Rheintöchter Wellgunde, Woglinde und Floßhilde, die in Richard Wagners „Ring der Nibelungen“ als Hüterinnen des im Rhein liegenden natürlichen Goldes auftreten. Das Bild wird durch die Andeutung des Sonnenaufgangs vervollständigt. Überhaupt spielt die aufgehende Sonne auch bei anderen Entwürfen eine dominierende Rolle, soll sie doch Neuanfang und Zuversicht auf eine bessere Zukunft symbolisieren. Der Entwurf zum Hunderter, der nur teilweise ausgeführt ist, bildet auf der linken Seite eine zartgewandete Frau ab. Sie hält in ihrer linken Hand einen Lorbeerkranz, den sie den beiden Männern, die auf der rechten Seite abgebildet sind, hinhält. Auch das an ihrer Seite stehende nackte Kind, mit einem Blütenkranz auf dem Kopf, reckt seine Arme den Männern entgegen. Zwischen den beiden Darstellungen vervollständigt eine Flusslandschaft mit aufgehender Sonne den Entwurf. Dem Betrachter des Scheins scheint es sagen zu wollen, wenn wir unser Ziel – die Schaffung des Rheinstaates – erreichen, siegen wir über unsere Gegner und uns winken Frieden und Wohlstand. Zahnrad, Spitzhacke und Schlägel weisen auf die Bedeutung von Industrie und Bergbau hin. Wer da den Männern den Lorbeerkranz über den Rhein reicht, kann man sich wahrscheinlich denken. Frankreich grüßt in Gestalt einer verführerisch schönen Frau die deutschen Männer mit Symbolen ihrer Arbeit. Wie der Hunderter, so zeigt auch der ½-Franken-Schein auf beiden Seiten die aufgehende Sonne. Der Palmzweig, den die sitzende Frau in ihrem Arm hält, steht seit dem Altertum für Sieg, Triumph, Frieden und ewiges Leben. Das nackte stehende Kind versstärkt beim Betrachter den Eindruck eines friedlichen Neuanfangs. Arbeit und Wohlstand thematisiert der Kassenschein zu einem Goldfranken. Gleichzeit wird der Bogen zu den Arbeitern geschlossen, die für den neuen Staat gewonnen werden sollen. Die Vorderseite zeigt einen Bergarbeiter mit Spitzhacke und Grubenlampe, während die Rückseite eine „blühende“ Industrielandschaft wiedergibt. Dieses Bild wird noch einmal beim Schein zu 25 Pfennigen aufgegriffen. Auch beim Schein zu 10 Goldfranken steht die Arbeit, symbolisiert durch Bergmann und Schmied im Vordergrund der Darstellung, während der Hermeskopf und das Füllhorn beim 20-Goldfranken-Schein Reichtum durch Handel versprechen. Die anmutige Frau auf der linken Seite pflegt eine Weinrebe und erinnert damit an Weinbau und Landwirtschaft. Mit der Abbildung des Kölner Doms auf dem Schein zu 5 Pfennigen wird wieder die Identifikation mit dem Rheinland ermöglicht. Auch die Abbildung berühmter Rheinländer soll das "Wirgefühl" stärken. Darüber hinaus wirbt man mit ihnen um die Gunst des Bürgertums. Die Rückseite des Scheins zu 10 Pfennigen bildet in der Mitte das Brustbild des Gymnasial- und Hochschullehrers Johann Joseph Görres [* 25. Januar 1776 in Koblenz; † 29. Januar 1848 in München] ab, der auch als katholischer Publizist und Naturphilosoph bekannt wurde. Den Dichter Heinrich Heine [* 13. Dezember 1797 in Düsseldorf; † 17. Februar 1856 in Paris] zeigt ein Medaillon auf der Rückseite des Scheins zu ½ Franken. Heine machte sich nicht nur als Vertreter der Romantik einen Namen, sondern war auch ein bedeutender Wegbereiter des "Vormärzes". Weil er im Deutschen Bund mit Publikationsverbot belegt war, ging er ins Exil nach Paris. Wegen seiner politischen Haltung und jüdischen Herkunft wurde er von Antisemiten und Nationalisten über den Tod hinaus angefeindet. Die Rückseite des Kassenscheins zu 10 Goldfranken bildet das Brustbild des Komponisten und Pianisten Ludwig van Beethoven [getauft am 17. Dezember 1770 in Bonn; † 26. März 1827 in Wien] ab. Er zählt zu den überragendsten Komponisten der Musikgeschichte. Der Fünfer schließlich ist dem Dichterfürsten, Politiker und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe [* 28. August 1749 in Frankfurt am Main; † 22. März 1832 in Weimar] gewidmet. Streng genommen war er zwar kein Rheinländer, aber sicherlich einer der bedeutendsten Schöpfer deutschsprachiger Dichtung. Auf den farbigen Entwürfen wurden handschriftliche Vermerke angebracht: „gut!“ oder „genehmigt!“ und „“8.11.23“. Schließlich findet sich noch Ausführungsvermerke „Propriétè de l’Imprimerie Strasbourgeoise“ (Eigentum der Straßburger Druckerei). Zum Druck der Kassenscheine in der vorgesehenen Druckerei im Elsass kam es aber nicht mehr. Die völlige Ablehnung der "Rheinischen Republik" durch die Bevölkerung, fehlende Finanzmittel und Streitigkeiten in der Regierung führten sehr schnell zu einem Auseinanderbrechen der Separatisten. Am 27. November 1923 informierte „Generalbevollmächtigter“ Mathes in einem Schreiben den Vorsitzenden der Rheinlandkommission, Tirard, darüber, dass sich die vorläufige Regierung der "Rheinischen Republik" aufgelöst habe, „daß in den letzten Tagen bereits drei Mitglieder des ‚Kabinetts‘ ausgeschieden seien, nachdem es sich schon vor etwa 14 Tagen in zwei Teile gespalten habe, von denen jeder für sich ‚Kabinettsbeschlüsse‘ faßte. Aus der sogenannten, inzwischen durch das ‚Kabinett‘ aufgelösten ‚Obersten Heeresleitung‘ habe sich eine ‚Militärdiktatur‘ herausgebildet, bei der ein entlassener Sekretär namens Rosenbaum die Hauptrolle spiele. Bezeichnend ist das offene Eingeständnis am Schlusse des Schreibens, daß für die Auflösung der Umstand mitbestimmend sei, daß die bisherige vorläufige Regierung zum Teil aus unfähigen oder unehrlichen Menschen zusammengesetzt ist‘.“[5] Auch die Tatsache, dass die USA und Großbritannien in der französischen Unterstützung der Separatisten einen Verstoß gegen den Versailler Vertrag sahen, beendete diese schließlich und führte zum Zusammenbruch der Abspaltungsbestrebungen. Im Rheinland war der Spuk Ende November beendet, lediglich in der Pfalz gab es noch Aktivitäten bis zum Frühjahr 1924. Uwe Bronnert Autor und Verlag danken dem Berliner Münzkabinett und Herrn Dr. Johannes Eberhardt für die Bereitstellung der Abbildungen und freundliche Genehmigung zur Abbildung der Entwürfe, die hier erstmals komplett und in Farbe gezeigt werden können. Anmerkungen [1] Wie sich die Separatisten das Finanzprogramm denken, in: Aachener Anzeiger, Politisches Tageblatt, Nr. 532 vom 30. Oktober 1923, Mittagsausgabe [2] Die Entwicklung der deutschen Währung hatte im besetzten Rheinland im November/Dezember 1923 eine von der Lage im Reich sehr abweichende Situation erreicht. So wurde der US-Dollar wie folgt notiert: Quelle: Heinz Fengler, Geldscheinentwürfe der Separatisten für die geplante Rheinische Republik 1923, in: Der Geldscheinsammler, Heft Nr. 6, Dezember 1989, S. 293. [3] Wie sich die Separatisten das Finanzprogramm denken, in: Aachener Anzeiger, Politisches Tageblatt, Nr. 532 vom 30. Oktober 1923, Mittagsausgabe. [4] Heinz Fengler, S. 299. [5] Palastrevolution in Koblenz, in: Sonderausgabe der "Aachener Vereinigten Zeitungen" vom 29. November 1923, Mittagsausgabe.
- Leserpost: Unbekannte Militärgeldscheine!
Hallo Herr Grabowski, können sie mir zu den im Anhang befindlichen Zahlungsmitteln etwas sagen? Sind Ihnen die vielleicht bekannt? Es handelt sich um zwei viereckige Kartonstücke über 5 und 10 Bani mit dem Zusatz "Dt. Soldatenheim Giurgiu" und den Nummern 140 und 418. Auf der Rückseite ist ein runder Stempel mit der Inschrift "Deutsches Soldatenheim Giurgiu Dresden". Weiter handelt es sich um 5 und 10 Bani der "Dt. Kommandantur" mit dem Zusatz "Alexandria". Auf der Rückseite Steht "Alexandria, den _____" und der Zusatz "Deutsche Feldpost 326". Freue mich auf Ihre Antwort. J. Peters Antwort der Redaktion Alle Scheine lauten auf Bani, wurden also in Rumänien genutzt. Es handelt sich also nicht um das berühmte Alexandria in Ägypten, sondern um eine rumänische Stadt gleichen Namens. Im Zweiten Weltkrieg hatte man für die deutsche Feldpost fünfstellige Nummern verwendet und nicht dreistellige (Deutsche Feldpost 326). Außerdem war Rumänien im Zweiten Weltkrieg mit Deutschland verbündet. Die Scheine stammen ganz offensichtlich aus dem Ersten Weltkrieg und wurden hier von der Armee Mackensen in Rumänien genutzt, die das Land besetzt hatte. Ich habe mich an die Arbeitsgemeinschaft Deutsche Feldpost 1914-1918 e.V. gewandt, ob der FPN 326 eine konkrete Einheit zugeordnet werden kann. Im Anhang zu seinem Kleingeldscheinkatalog führte Dr. Arnold Keller zwar auch Notgeldscheine von Ausgabestellen des Heeres und der Flotte auf, hier aber nicht Ihre Scheine der deutschen Besatzung in Rumänien. Ich habe nun nach einiger Zeit eine Antwort von der Arbeitsgemeinschaft zur deutschen Feldpost des Ersten Weltkriegs erhalten und gehe davon aus, dass die Scheine aus der Endzeit des Ersten Weltkriegs stammen, jedenfalls sind sie bislang wohl unbekannt gewesen. Ein schöner Fund, Gratulation! Hans-Ludwig Grabowski Antwort der Arbeitsgemeinschaft deutsche Feldpost 1914-1918 e.V. Sehr geehrter Herr Grabowski, ich bin von Herrn Schäfer gebeten worden ihre Frage zu beantworten. Leider fehlt das Datum der Belege. Die Heeresgruppe von Mackensen für den Rumänienfeldzug bestand vom 28.08.1916 – 01.07.1918. Vom 01.07.1918 – 11.11.1918 trug diese den Namen "Besatzungsheer in Rumänien". Es war eine reine Umbenennung, an den Strukturen änderte sich wenig, Mackensen musste nur Verbände an die Westfront, in den Kaukasus und die Ukraine abgeben. Die Deutsche Feldpost 326 hatte ihren Standort nach dem Rumänienfeldzug in Alexandria und in Risioro de Vede (nördlich von Alexandria). Es war damals üblich Zweigfeldposteinrichtungen einzurichten. Mit freundlichen Grüßen Horst Borlinghaus
- Lexikon: Havenstein, Dr. Rudolf
Dr. Rudolf Emil Albert Havenstein (geb. 10. März 1857 in Meseritz, Provinz Posen, gest. 20. November 1923, Berlin) war ein deutscher Jurist. Von 1900 bis 1908 war er Präsident der Königlichen Seehandlung in Berlin (Preußische Staatsbank) und von 1908 bis 1923 Präsident der Deutschen Reichsbank. Dr. Rudolf Havenstein. Abb. Wikimedia Commons, digitale Bearbeitung: Hans-Ludwig Grabowski. Havenstein führte zu Beginn des Ersten Weltkriegs die Darlehnskassenscheine ein und war auch an der Ausgabe von Kriegsanleihen beteiligt. In seine Amtszeit fällt die Inflation und Hyperinflation vom Ende des Ersten Weltkriegs bis Ende 1923. Während eines Erholungsurlaubs zog er sich im November 1923 eine Grippe zu und starb kurz darauf an einem Herzinfarkt. Seine Unterschrift findet sich auf den Reichsbanknoten von 1908 bis 1923. DEU-38: Deutsche Reichsbank, Reichsbanknote zu 50 Mark vom 21. April 1910, erste Unterschrift des Reichsbankdirektoriums links oben "Havenstein". Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)
- Ende 1923: Wertbeständiges Notgeld als Rentenmark?
Nach Erscheinen der Rentenmark am 16. November 1923 verstärkten sich die Ausgabe und der Umlauf des wertbeständigen Goldmark-Notgelds weiter, und zwar solange bis die neuen Rentenbanknoten in ausreichender Menge in der Bevölkerung verfügbar waren. Das Goldmark-Notgeld übte in dieser Zeit auch eine wichtige Kleingeldfunktion aus, da anfangs Rentenmarkscheine fast nur in größeren Nennwerten und Rentenpfennige erst mit Beginn des Jahres 1924 in den Verkehr kamen. Die neue Rentenmark: Rentenbankschein über 1 Rentenmark, Ausgabedatum 1. November 1923 in Berlin, Vorder- und Rückseite, Abb. Sammlung Grabowski. Zum Zeitpunkt der Emission der ersten Rentenmark-Scheine nach den inzwischen erfolgten Währungs-Stabilisierungsmaßnahmen kursierte die "Papiermark" ohne Kursverluste und wurde mittlerweile wieder allgemein angenommen (Währungsumstellung: 1 Rentenmark = 1 Goldmark = 1 Billion "Papier-" Mark). Auch die Mark wurde nach der Währungsreform noch gedruckt: Reichsbanknote über 100 Billionen Mark, ausgegeben in Berlin am 15. Februar 1924. Wert dieser nun währungsstabilen Banknote über 100 Billionen Mark = 100 Rentenmark = 100 Goldmark. Vorder- und Rückseite. Abb. Sammlung Gerber. Die neuen Rentenmark-Scheine waren am 25. November 1923 noch nicht in Bayern eingetroffen. Rund 4 Mio. Rentenmark wurden hier gegen Ende November erwartet. So wird erklärlich, dass nicht weniger als ein Drittel aller bayerischen Goldmark-Notgeldausgaben gerade in diesen Zeitraum, nämlich in die Woche vom 19. bis 26. November 1923, fällt. Am 16. November 1923, dem Tag der ersten Rentenmarkausgabe, bestanden rund 37 % aller umlaufenden Zahlungsmittel im Deutschen Reich aus wertbeständigem Notgeld. Das vorhandene und nach dem 16. November 1923 neu ausgegebene wertbeständige Notgeld leistete dann der jungen Rentenmark Hilfestellung. Mit wachsender Rentenmarkmenge betrug der Anteil der beiden wertbeständigen Zahlungsmittel am 23. November 1923 rund 53% und am 30. November rund 58% des Geldumlaufs. Wertbeständiges Notgeld als Rentenmark Die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld mit der Währungsbezeichnung „Rentenmark“ war aus Sicht des Reichsfinanzministeriums nicht zulässig. Dennoch erschienen illegaler Weise Ende 1923 elf Ausgaben von Rentenmark-Notgeld. Arnstadt (Thüringen) Die Firma E. Wagner Blaudruckfabrik in Arnstadt begab mit Datum vom 1. Dezember 1923 in Form von Schecks auf die Bank für Thüringen, vorm. B. M. Strupp, Aktien-Gesellschaft, Filiale Arnstadt, wertbeständige Notgeldscheine über 1, 2 und 5 Rentenmark. Die ohne Genehmigung des Reichsfinanzministeriums ausgegebenen Scheine lauteten unzulässiger Weise über Rentenmark. Berlin (Brandenburg) Am 15. November 1923 gaben die Siemens & Halske A. G. und Siemens-Schuckert Werke G.m.b.H. in Berlin gemeinsam „Konsum-Gutscheine“ mit den Werten 1, 2, 5, 10, 50 Rentenpfennig und 1 Rentenmark aus. Wie in verschiedenen anderen Orten übten diese kleinen Werte nur eine Wechselgeldfunktion aus, da von der Deutschen Rentenbank anfangs nur Noten zu 50 Rentenmark emittiert worden waren. Die Scheine liefen nicht in der Öffentlichkeit, sondern nur in den Siemens-Konsumanstalten um. Bethel bei Bielefeld (Westfalen) Rentenmarkscheine über 1, 2 und 5 Rentenpfennige sowie 1 und 2 Rentenmark wurden von den Vorständen der Anstalten Bethel, Sarepta und Nazareth am 1. Dezember 1923 in Bethel ausgegeben. Diese Scheine sind nicht als wertbeständiges Notgeld anzusehen, da diese Institution schon seit Jahrzehnten mit behördlicher Genehmigung eigenes Anstaltsgeld verwenden darf. Stadt Dinkelsbühl, Notgeldschein über 1 Rentenmark, ausgegeben in Dinkelsbühl am 16. November 1923. Dinkelsbühl (Bayern) Die bayerische unmittelbare Stadt Dinkelsbühl begab am 26. November 1923 mit Genehmigung des Reichsministers der Finanzen Notgeldscheine zu 10 und 50 Rentenpfennige sowie 1 Rentenmark. Die Scheine über 10 Rentenpfennige und 1 Rentenmark wurden 1924 überdruckt and als Quittungen für die städtische Hockersteuer weiterverwendet. Freistaat Sachsen, Sächsisches Finanzministerium in Dresden, Rentenmark-Schatzanweisung über 20 Rentenmark, Ausgabedatum: 13. Dezember 1923. Vorder- und Rückseite. Abb. Staatliche Kunstsammlungen Dresden, Münzkabinett. Freistaat Sachsen, Sächsisches Finanzministerium in Dresden, Rentenmark-Schatzanweisung über 20 Rentenmark, Ausgabedatum: 13. Dezember 1923. Dresden (Sachsen) Der Sächsische Staat gab kurz nach Erscheinen der Rentenmark Rentenmark-Schatzanweisungen aus. Emittent dieser unverzinslichen Stücke war das Sächsische Finanzministerium. Die Abgabe erfolgte „nach Maßgabe des auftretenden Kreditbedarfs im Verkehr“ durch die Landeshauptkasse und durch sämtliche Niederlassungen der Sächsischen Staatsbank. Die mit Datum 13. Dezember 1923 versehenen Stücke lauteten über 20, 50 und 100 Rentenmark. Die Laufzeit war auf den 31. Dezember 1924 begrenzt. Es ist bis heute nicht erwiesen, dass die in der Presse angekündigten Werte von 5 und 10 Rentenmark auch ausgegeben wurden. Sofort nach Erscheinen wurden die Scheine allseits heftig kritisiert. Dass sie über „Rentenmark“ lauteten, eine Bezeichnung, die nach dem Rentenbankgesetz nur den Noten der Rentenbank zustand, war der kleinste aller Vorwürfe. Zu diesem späten Zeitpunkt bestünde kein Bedürfnis mehr nach neuem wertbeständigen Notgeld, denn um ein solches handele es sich trotz der Tarnbezeichnung als Schatzanweisung bei diesen „kleinen“ Nennwerten offensichtlich. Es wurde von einer „sächsischen Inflationsgefahr“ gesprochen und, es wurden bei dieser Gelegenheit auch die etwa zur gleichen Zeit erschienenen Zwischenscheine einiger preußischer Provinzen und die noch kleiner gestückelten Schatzanweisungen des Landes Thüringen kritisiert. Wenige Tage später erschien in den Zeitungen eine Beruhigungsnotiz des Reichsfinanzministers, in der mitgeteilt wurde, dass die sächsischen Rentenmark-Schatzanweisungen innerhalb von zwei Monaten wieder eingezogen würden und dass bei der Auflage von nur 5 Mio. Rentenmark inflatorische Wirkungen nicht zu befürchten seien. Bis zum Einlösungstermin könnten die Scheine bei jeder Reichskasse in Zahlung gegeben werden. Diese Kassen hätten Anweisung, eingelieferte Stücke der Sächsischen Regierung in Anrechnung auf die Steuerüberweisungen zu übermitteln. Elberfeld (Rheinland) Zwei kleinformatige, im Vervielfältigungsverfahren hergestellte Stücke der Stadthauptkasse Elberfeld über 0,01, 0,02, 0,05, 0,10, 0,20 und 0,50 Rentenmark vom 19. November 1923 galten nur kurze Zeit als Kleingeld zu den höherwertigen Rentenmarkscheinen der Deutschen Rentenbank und nach ihrem Text nur im Gehalts-Verrechnungsverkehr mit den städtischen Beamten, Lehrern und Angestellten. Greifenberg (Pommern) Die von der Kreissparkasse Greifenberg in Pommern ab 1. Dezember 1923 ausgegebenen Notgeldwerte über ½, 1 und 5 Rentenmark waren vom Reichsfinanzministerium nicht genehmigt gewesen, da die Währungsbezeichnung „Rentenmark“ für wertbeständiges Notgeld nicht zulässig war. Insterburg (Ostpreußen) Die Insterburger Spinnerei und Weberei A. G. in Insterburg gab mit Datum vom 1. Dezember 1923 Gutscheine mit den Werten über 2, 5 und 10 Rentenpfennig sowie 5 Rentenmark aus. Die Gutscheine besaßen keine Genehmigung des Reichsfinanzministeriums. „Velima“ Handelsgesellschaft m.b.H. Carl Höpner in Mummendorf, Gutschein über 1/10 Rentenmark, ausgestellt im schleswig-holsteinischen Mummendorf am 1. Dezember 1923. Mummendorf (Schleswig-Holstein) Die „Velima“ Handelsgesellschaft m.b.H. Carl Höpner in Mummendorf gab am 1. Dezember 1923 Gutscheine für Waren, Getreide, Butter und Milch aus. Die seitens des Reichsfinanzministeriums ungenehmigten Scheine galten nur auf der Insel Fehmarn bis auf Widerruf und hatten einen Nennwert von 1/10 Rentenmark. Oderberg (Brandenburg) Der Magistrat der Stadt Oderberg gab illegaler Weise durch Scheck über die Vereinsbank in Oderberg mit Datum vom 28. Dezember 1923 Geldscheine über 1 Rentenmark aus. Oberpfalzwerke Aktiengesellschaft für Elektrizitätsversorgung, Notgeldschein in Scheckform, gedruckt in Regensburg Ende 1923, nummeriertes Blankostück. Regensburg (Bayern). Die Oberpfalzwerke Aktiengesellschaft für Elektrizitätsversorgung im bayerischen Regensburg begab Ende 1923 in Scheckform nicht gesetzeskonforme Notgeldscheine über 2 Rentenmark. Die Einlösung war möglich an den Werkkassen sowie durch die Bayerische Vereinsbank, Filiale Regensburg, die Handelsbank in Regensburg und durch das Bankhaus Karl Schmidt in Weiden. Die Stücke sind bisher nur blanko bekannt, so dass unklar ist, ob sie seinerzeit überhaupt in den Umlauf kamen. Hans-Georg Glasemann Bildquelle, wenn nicht anders angegeben: Privat und KENOM - Virtuelles Münzkabinett (8/2023) Literaturhinweise (Daten und Texte teilweise entnommen): Lindman, Kai: Das wertbeständige Notgeld von 1923/24, 2008; Müller, Manfred: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924, Deutsches Notgeld, Band 12, 2011; Wilhelmy, Rudolf: Geschichte des deutschen wertbeständigen Notgeldes von 1923/1924, Dissertation, Berlin, 1962. Literaturempfehlung: Manfred Müller: Deutsches Notgeld, Band 12: Das wertbeständige Notgeld der deutschen Inflation 1923/1924 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-519-0 Auflage: 1. Auflage 2011 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 608 Preis: 39,90 Euro Hans-Ludwig Grabowski: Deutsches Notgeld, Band 10: Das Papiergeld der deutschen Länder 1871 – 1948 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-86646-500-8 Auflage: 2. Auflage 2006 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche Schwarz-Weiß-Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 640 Preis: 39,80 Euro
- Aus privaten Sammlungen: Musternote über 1000 Francs von Belgisch-Kongo 1920
Zentralafrika verfügte zu Beginn des 18. Jahrhunderts über kein eigenes Staatswesen, was den ungestörten Sklavenhandel durch Europäer, Araber und einige afrikanische Stämme begünstigte. Zirka Ein Drittel aller aus Afrika entführten Sklaven (5 Millionen) wurden an den Küsten des Kongo und von Angola aus verschifft. Ganze Regionen wurden so entvölkert und wirtschaftlich ruiniert. In den 1850er Jahren wollte David Livingstone das Kongobecken erforschen und nach einer weiteren Expedition galt er 1866 als verschollen. 1867 machte sich Henry Morton Stanley auf die Suche nach Livingston. Er fand ihn schließlich 1871 und gemeinsam erforschten sie den Tanganjika-See. Stanley war der erste Europäer, der den Verlauf des Kongo-Flusses erforschte. Er setzte sich aber auch dafür ein, dass das Kongobecken dem britischen Kolonialreich einverleibt werden sollte. In Großbritannien war man zu dieser Zeit aber gegen weitere Kolonien und so trat schon bald der belgische König Leopold II. auf den Plan, der schon lange von einem belgischen Kolonialreich träumte. Der König umwarb Stanley regelrecht und konnte schließlich 1878 einen Vertrag mit ihm schließen. Ab 1879 kaufte der im großen Stil Land für Leopold auf. Schließlich schloss er 450 Kaufverträge mit Bantu-Häuptlingen und sicherte damit einen Großteil des Kongobeckens für Leopold. Es versteht sich von selbst, dass den meisten Häuptlingen, die weder lesen noch schreiben konnten, die Tragweite der Kaufverträge völlig unbekannt war. Doch auch in Belgien konnte sich die Allgemeinheit nicht für ein Kolonialreich erwärmen. Entlang des Kongo ließ Leopold durch Stanley Städte gründen, Dampfschiffe einsetzen und Stationen bauen. Alles unter dem Vorwand, den Sklavenhandel zu unterbinden. 1884 kam es schließlich zur internationalen Kongo-Konferenz in Berlin, an der auch Stanley teilnahm. Da es dem belgischen Staat selbst nicht nach Kolonien verlangte, wurde der Kongo dem belgischen König quasi als Privatbesitz mit dem Ziel angeboten, dass dieser die Verpflichtung übernahm, „die Erhaltung der eingeborenen Bevölkerung und die Verbesserung ihrer sittlichen und materiellen Lebenslage zu überwachen, an der Unterdrückung der Sklaverei und des Negerhandels mitzuwirken“ und „religiöse, wissenschaftliche und wohltätige Einrichtungen und Unternehmungen zum Besten der Eingeborenen zu schützen“ . Die weitere Geschichte ist bekannt. In Belgisch-Kongo spielten sich ungeheuere Unmenschlichkeiten ab, die durch die internationale Presse aufgedeckt wurden. Bald gingen Fotos von Erwachsenen und Kindern um die Welt, denen die Hände abgehackt wurden, weil sie die harten Arbeitsnormen in den Kautschuk-Plantagen nicht erfüllen konnten. In Leopolds Privat-Kolonie (Kongo-Freistaat) verbreite seine Force Publique Terror, Angst und Schrecken. Von den anfangs um die 20 Millionen Einwohnern des Kongo kamen über 10 Millionen durch koloniale Gewaltverbrechen, Hunger, Entkräftung, Zwangsarbeit und Krankheiten ums Leben. Ein Völkermord unglaublichen Ausmaßes, für den niemand zur Verantwortung gezogen wurde. Noch heute stehen in Brüssel prahlerische Bauten, die Leopold aus den Gewinnen finanzierte, die sein brutales Kolonial-Regime einbrachte. Im Gegenteil, nach dem Ersten Weltkrieg erhielt Belgien durch den "Völkerbund", dem die belgischen Verbrechen bekannt gewesen sein mussten, sogar noch Teile der ehemaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika (Ruanda und Burundi) zur "Verwaltung" zugesprochen. Die ersten Geldscheine waren Staatspapiergeld für den Freistaat Kongo mit Datierung von 1896. Ab 1914 übernahm die Banque du Congo Belge die Versorgung mit Zahlungsmitteln und ab 1952 die Banque Centrale du Congo Belge et du Ruanda-Urundi. Die Banknoten von Belgisch-Kongo sind wegen ihrer schönen Motive und ihrer Seltenheit bei Sammlern sehr begehrt. Aus der Sammlung Josef Gerber: Belgisch-Kongo, Banque du Congo Belge: 1000 Francs ohne Datum, Muster (SPECIMEN) zur Ausgabe von 1920 Vorderseite: Zwei Männer und ein Knabe mit Ceres-Kopf und Früchtekranz nebst Palmwedel. Orchideen im Unterdruck. Rückseite: Sitzende Frau am Ufer des Kongo mit Lyra nebst Papagei und Schmetterlin, umgeben von Früchtekränzen. Wasserzeichen: Elefantenkopf Format: 185 mm x 108 mm Druck: Banque National de Belgique Katalogreferenzen: BCO-12 (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) B207 (Linzmayer: The Banknote Book – Belgian Congo) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- G+D räumt mit Mythen rund um den digitalen Euro auf
München, 15. November 2023 – Mit der Entscheidung des EZB-Rats zum Start in die Vorbereitungsphase ist Europa dem digitalen Euro wieder einen Schritt nähergekommen. Doch um die Einführung, den Zuschnitt und die praktische Nutzung ranken sich nach wie vor eine Reihe von Missverständnissen und Fehlannahmen, die der Aufklärung bedürfen. Giesecke+Devrient (G+D) hat einige besonders häufig wiederkehrende Kritikpunkte aufgegriffen und mit den bekannten Fakten abgeglichen. Der digitale Euro steht bei den Institutionen der EU ganz oben auf der Prioritätenliste. Die Europäische Kommission hat Ende Juni eine entsprechende Gesetzesvorlage verabschiedet und die Europäische Zentralbank (EZB) Mitte Oktober bekanntgegeben, nach Abschluss einer zweijährigen Untersuchungsphase nun in die Vorbereitungsphase für das Projekt übergehen zu wollen. Das zeigt, wie wichtig eine digitale Zentralbankwährung – oder Central Bank Digital Currency (CBDC) – für Europa ist. Der digitale Euro wäre als das einzige öffentliche digitale Zahlungsmittel die Antwort auf die steigende Nachfrage nach sicheren und zuverlässigen digitalen Zahlungsmöglichkeiten. Mit ihm soll der Euro-Raum eine für alle Bürgerinnen und Bürger verfügbare Alternative zu privaten digitalen Zahlungsangeboten und hochvolatilen Krypto- oder Privatwährungen bekommen. Als Komplementärformat zum Bargeld wäre er sozusagen der digitale Zwilling der Euroscheine und Münzen. Damit hätte er das Potenzial, zu einem starken Treiber der Digitalökonomie und Stabilitätsanker für das Zahlungs- und Währungssystem zu werden. Darüber hinaus soll ein digitaler Euro die Effizienz im europäischen Zahlungsverkehr fördern und zudem die Wettbewerbsfähigkeit und geldpolitische Souveränität des Euro-Raums stärken. Doch obwohl die Konzeption eines digitalen Euro bereits weit gediehen ist, ranken sich noch immer hartnäckig falsche Annahmen um seine Einführung, seinen Zuschnitt, seine praktische Nutzung und die Konsequenzen dieser von staatlicher Seite herausgegebenen digitalen Währung. Es ist Zeit, damit aufzuräumen: Mythos 1: Das Bargeld wird sukzessive abgeschafft. Häufig wird angenommen oder unterstellt, der digitale Euro solle das Bargeld in Form von Scheinen und Münzen mittelfristig ersetzen. Das ist falsch – tatsächlich sollen sich beide ergänzen. Der digitale Euro wäre das elektronische Gegenstück und eine dringend benötigte Ergänzung zum Bargeld. Denn Bargeld hat als Zahlungsmittel viele Vorteile, ist aber eben in der digitalen Welt nicht einsetzbar. Beide Formen öffentlichen Geldes sollen aufeinander abgestimmt als analoge und digitale Zahlungsformate existieren. Mythos 2: Jeder Bürger muss ein Konto bei der EZB haben. Bargeld gelangt in den Umlauf, indem die jeweiligen Landesbanken der europäischen Staaten es über Geschäftsbanken ausgeben. An diesem Gleichgewicht zwischen öffentlichen und privaten Institutionen soll die Einführung eines digitalen Euro nichts ändern. Die Zentralbanken blieben wie bisher im Hintergrund und träten weder in direkten Kontakt zum Kunden, noch in Konkurrenz zu den traditionellen Banken. Die bewährte Rollen- und Aufgabenverteilung zwischen Zentral- und Geschäftsbanken sowie Finanzdienstleistern, bei der die Konsumenten dezentral betreut werden, würde weiter erhalten bleiben. Nutzer des digitalen Euro hätten dann nach wie vor die freie Wahl ihrer Geschäftsbank. Mythos 3: Durch den digitalen Euro sind die Bürger kontrollier- und überwachbar. Bei der Ausgestaltung des digitalen Euro haben Privatsphäre und Datenschutz oberste Priorität. Der digitale Euro wäre kein programmiertes Geld, bei dem sich Bezahlvorgänge über Datenflüsse nachvollziehen lassen. Technisch wären die Transaktionsdaten von den personenbezogenen Informationen getrennt. Bei der EZB sollen keine Daten liegen, zumal diese auch kein Interesse daran hat zu wissen, was die Bürger kaufen. Damit unterscheidet sich der digitale Euro fundamental von den Geschäftsmodellen privater Zahlungsanbieter, die die bei der Nutzung digitaler Zahlungsangebote anfallenden Daten in der Regel für kommerzielle Zwecke nutzen. Mythos 4: Den digitalen Euro gibt es doch schon. Wer online oder mit seinem Mobilgerät bezahlt, könnte auf den Gedanken kommen, dafür bereits so etwas wie einen digitalen Euro zu nutzen. Doch das ist falsch. Die elektronisch ausgelösten Aktionen erfolgen in der Regel über private Drittanbieter, wie etwa Kreditkartenfirmen, die kontogebunden sind, mit einer entsprechenden Klassifizierung des Nutzers und damit nicht jedem frei zugänglich. Bezahlungen mit einem digitalen Euro sollen ohne Konto, Altersgrenze, Kreditwürdigkeit und Transaktionsgebühr möglich sein – wie mit Bargeld in der physischen Welt. Nicht zuletzt ist geplant, dass der digitale Euro auch ohne Internetzugang, also offline, funktioniert. Dr. Wolfram Seidemann, CEO von G+D Currency Technology (Quelle: G+D). „Der digitale Euro würde die Vorteile von Bargeld mit der Bequemlichkeit digitaler Bezahloptionen verbinden ohne Abhängigkeiten, Sicherheitsrisiken oder Zusatzkosten für Bürgerinnen und Bürger“, erklärt Dr. Wolfram Seidemann, CEO von G+D Currency Technology. „Er wäre als perfekte Ergänzung zum Bargeld das inklusive digitale Zahlungsmittel der Zukunft, das allen zur Verfügung stünde.“ Über Giesecke+Devrient Giesecke+Devrient (G+D) ist ein weltweit tätiges Unternehmen für SecurityTech mit Hauptsitz in München. G+D macht das Leben von Milliarden von Menschen sicherer. Das Unternehmen schafft Vertrauen im digitalen Zeitalter, mit integrierten Sicherheitstechnologien in drei Geschäftsbereichen: Digital Security, Financial Platforms und Currency Technology. G+D wurde 1852 gegründet und beschäftigt heute mehr als 14.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Im Geschäftsjahr 2022 erwirtschaftete das Unternehmen einen Umsatz von 2,53 Milliarden Euro. G+D ist mit 123 Tochtergesellschaften und Gemeinschaftsunternehmen in 40 Ländern vertreten. Weitere Informationen: www.gi-de.com. Pressemitteilung G+D












