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  • Was wäre Weihnachten ohne Weihnachtsbaum?

    Lauscha und die Welt der Glaskugeln Für die meisten Deutschen symbolisiert die geschmückte Tanne den Mittelpunkt des Weihnachtsfestes. Traditionell wird in den meisten Familien jedes Jahr vor Heiligabend ein Nadelbaum aufgestellt und festlich mit Kerzen, Kugeln, Engeln, Lametta, einem Stern als Spitze und manchmal auch mit Lebkuchen, Nüssen und Süßigkeiten dekoriert. Am Weihnachtsabend versammelt sich die Familie dann um den Christbaum. Die Kerzen brennen und tauchen das sonst dunkle Wohnzimmer in ein warmes Licht; Kinderaugen strahlen erwartungsvoll, bis endlich die Bescherung erfolgt und die unter dem Baum gelegten Geschenke ausgepackt werden dürfen. Wo liegt der Ursprung dieses Brauches, eine Tanne aufzustellen? Schon in heidnischer Zeit holte man sich um die Wintersonnenwende sogenannte Wintermaien, grüne Zweige, ins Haus. Diese waren in der dunklen Jahreszeit ein Zeichen des Lebens und versprachen Schutz vor den bösen Geistern. Zusätzlich dienten sie als Symbol der Fruchtbarkeit und Gesundheit. Im ausgehenden Mittelalter vermischte sich diese heidnische Sitte mit dem Christlichem. 1419 soll die Zunft der Bäcker in Freiburg im Breisgau einen Weihnachtsbaum mit Lebkuchen, Äpfeln und Nüssen geschmückt haben. Martin Luther und andere Reformatoren erklärten den Christbaum zum Weihnachtssymbol. Zunächst wurden sie noch ohne Kerzen in den Stuben aufgehängt und erst ab 1730 durch Kerzen erleuchtet. Diese Lichterbäume standen zunächst nur in Häusern evangelischer Familien. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts, in der Zeit der Freiheitskriege gegen Napoleon, begann der Tannenbaum als Sinnbild des Deutschtums seinen Siegeszug in den Stuben – unabhängig von der Glaubensrichtung. Mit Säkularisierung der deutschen Gesellschaft wurde der Weihnachtsbaum zum Ersatz religiöser Inhalte. Von Deutschland aus trat der Weihnachtsbaum seinen weltweiten Siegeszug an. 1832 stellte ein deutschstämmiger Harvard-Professor einen Weihnachtsbaum in seinem Wohnhaus auf und brachte damit den Brauch nach Nordamerika. 1891 stand erstmals ein „Christmas Tree“ vor dem Weißen Haus in Washington und im Jahr 1982 ließ Papst Johannes Paul II. den ersten Weihnachtsbaum auf dem Petersplatz in Rom aufstellen. Dekorierte man die Weihnachtsbäume zunächst mit Lebkuchen, Äpfeln und Nüssen, so vollzog sich im Laufe des 18. Und 19. Jahrhunderts ein Wechsel. Statt der Lebensmittel wurden Nachbildungen und andere Alltagsgegenstände wie Tiere, Spielzeug, Instrumente und Engel angebracht. Für diese Anhänger entwickelte sich eine eigene Fertigungsindustrie. In der Gemeinde Lauscha im Thüringer Wald wurden 1848 die ersten Christbaumkugeln aus Glas hergestellt, sechs Dutzend in verschiedenen Größen. Es sollten noch einige Jahre ins Land gehen, bis Kaufhausgründer Frank Winfield Woolworth die Glaskugeln entdeckte und in die USA importierte. Das Produkt war so beliebt, dass sich ein bedeutender Wirtschaftszweig entwickelte. Bis zum Ersten Weltkrieg wurden die beliebten Weihnachtskugeln ausschließlich in Lauscha gefertigt. Die Glaskugeln werden auch heute noch in traditioneller Handarbeit in verschiedenen Größen, Farben und Mustern hergestellt. Abb. 1.1: Lauscha, Gemeinde, April 1921, 50 Pfennig, mit roter Kennziffer, Vorderseite. Abb. 1.2: Lauscha, Gemeinde, April 1921, 50 Pfennig, mit roter Kennziffer, Rückseite. Zeichenlehrer Karl Eckstein entwarf für die Gemeinde Lauscha einen 50-Pfennig-Schein. Auf der Vorderseite befindet sich die 1905 niedergelegte alte Glashütte, die Wiege der Lauschaer Industrie mit Angabe der Jahreszahl 1597 – 1905; rechts und links von Christbäumen flankiert, darunter der Sinnspruch „In aller Welt Lauschaer Christbaumschmuck gefällt“. „Die Rückseite zeigt einen Glasbläser, der in seiner vereinfachten, beinahe stilisierten Wiedergabe darauf gerichtet ist, den Hergang bei der Arbeit möglichst klar vor Augen zu führen. Die umrahmende Girlande ist in Tannenzweigen mit Glaskugeln ausgeführt, wie auch der Grund von diesem Motiv beherrscht wird.“ (Auszug aus einer Zeitungsmeldung). Neben der Girlande die Abkürzung des Künstlers „K“ und „E“. Darunter steht zweimal der Wert des Scheins „50 Pfennig“ und die Kontrollnummer, entweder in roter oder schwarzer Farbe. Über der Wertangabe „Gemeinde Lauscha S-M / April 1921“. Der Schein wurde in vier Farbendruck auf Papier mit Wasserzeichen „Kreuz im Quadrat“ hergestellte. Der Ortszusatz "S-M" steht für das Gebiet des ehemaligen Herzogtums Sachsen-Meiningen. Abb. 2.1: Lauscha, Gemeinde, April 1921, 50 Pfennig, mit schwarzer Kennziffer, Vorderseite. Abb. 2.1: Lauscha, Gemeinde, April 1921, 50 Pfennig, mit schwarzer Kennziffer, Vorderseite. Dieser Ausgabe, die den Serienscheinen zugerechnet wird, ging eine Verkehrsschein-Ausgabe zu 50 Pfennig voraus, die ebenfalls das wichtigste Erzeugnis der Gemeinde zeigt. Der Schein datiert vom Februar 1920. Auf der Vorderseite findet sich rechts und links der Wertzahl ein Tannenzweig mit Christbaumschmuck. Auch von diesem Schein gibt es zwei deutlich unterscheidbare Varianten. Die erste wurde auf Papier mit dem Wasserzeichen „helle Kreuze“ gedruckt, ist im Unterdruck hellgraugrün oder dunkelgrün und hat eine schwarze Kontrollnummer; die zweite ist im Unterdruck hellgrün und weist das Wasserzeichen „Tropfen“ auf. Sie kommt sowohl mit schwarzer wie auch roter Kontrollnummer vor. Abb. 3.1: Lauscha, Gemeinde, Februar 1920, 50 Pfennig, mit schwarzer Kennziffer, Vorderseite. Abb. 3.2: Lauscha, Gemeinde, Februar 1920, 50 Pfennig, mit schwarzer Kennziffer, Rückseite. Abb. 4.1: Lauscha, Gemeinde, Februar 1920, 50 Pfennig, mit roter Kennziffer, Vorderseite. Abb. 4.2: Lauscha, Gemeinde, Februar 1920, 50 Pfennig, mit roter Kennziffer, Rückseite. Vollständigkeitshalber sei auch auf die Ausgabe mit der Jahreszahl 1919 hingewiesen. Auch von dieser Ausgabe gibt es zwei Varianten. Einmal auf Papier mit dem Wasserzeichen „Stern-Sechseckmuster“ gedruckt; eine zweite Variante mit dem Wasserzeichen „Sechseckflechtwerk“. Auf der Rückseite der Scheine werden verschiedenen Produkte der heimischen Glasindustrie vorgestellt. Abb. 5.1: Lauscha, Gemeinde, 1919, 50 Pfennig, Vorderseite. Abb. 5.1: Lauscha, Gemeinde, 1919, 50 Pfennig, Vorderseite. Uwe Bronnert

  • Noten des Währungsinstituts Slowenien 1944/45

    Noten des Währungsinstituts Slowenien („Denarni Zavod Slovenije“) 1944/45 Jugoslawien war nach dem Ersten Weltkrieg als von Serbien dominierter Vielvölkerstaat entstanden, zu dem auch vormals österreichische und ungarische Gebiete gehörten. Anfang 1941 versuchte Deutschland im Konflikt auf dem Balkan zu vermitteln und schlug dem Königreich Jugoslawien den Beitritt zum Dreimächtepakt (Deutschland, Italien und Japan) vor. Am 25. März 1941 wurde der Beitritt des Landes zum Pakt der Achsenmächte erklärt. Daraufhin putschten mit sowjetischer Unterstützung in Belgrad Offiziere und stürzten die Regierung Cvetkovi. Die neue Regierung unter General Dušan Simović und der junge König Peter II. schlugen sich auf die Seite der Alliierten. Am 6. April marschierten deshalb deutsche, italienische, ungarische und bulgarische Truppen in Jugoslawien ein. An ihrer Seite kämpften die Kroaten gegen ihren alten Feind Serbien. Am 10. April wurde Zagreb besetzt und noch am gleichen Tag der faschistische Unabhängige Staat Kroatien ausgerufen. Belgrad wurde am 13. April von deutschen Truppen besetzt und am 17. April 1941 kapitulierte die jugoslawischen Armee. Slowenien wurde unter Deutschland, Italien und Ungarn aufgeteilt. Schon bald regte sich Widerstand. In Slowenien schlossen sich am 27. April 1941 in Ljubljana (Laibach) in der Wohnung des Schriftstellers Josip Vidmar verschiedene Gruppierungen – die Kommunistische Partei Sloweniens, die Slowenischen Christlichen Sozialisten, der slowenische Sokol (Falke) und eine Gruppe Kulturschaffender – zur Antiimperialistischen Front (slowenisch: Protiimperialistična fronta; abgekürzt: PIF) zusammen. Nach dem Einmarsch deutscher Truppen in die Sowjetunion am 22. Juni 1941 erfolgte die Namensänderung in Befreiungsfront (slowenisch: Osvobodilna Fronta; abgekürzt: OF). Im September 1941 erklärte sich die OF zum Slowenischen nationalen Befreiungskomitee, dem höchsten politischen Gremium Sloweniens. Ihre Partisanen-Armee führte in den folgen Jahren einen erbitterten Guerilla-Krieg gegen die Achsenmächte. Nach der Kapitulation Italiens am 3. September 1943 fanden Wahlen zur Volksvertreterversammlung statt, die das 120-köpfige oberstes Plenum und ein zehnköpfiges Exekutivkomitee wählten. Letzteres diente nun als Slowenisches nationales Befreiungskomitee. In den befreiten Gebieten organisierte das Befreiungskomitees u.a. das Schulwesen, die Gesundheitsversorgung sowie die Versorgung der Partisanen. Im Februar 1944 trat in Črnomelj der Slowenische Nationale Befreiungsrat (SNOS), das Legislativorgan des Untergrundstaates, zur ersten Sitzung zusammen. Bald nach dieser Sitzung wurden der akademische Maler Božidar Jakac und die Architekten Saša Sedlar und Branko Sim beauftragt, das neue slowenische Papiergeld zu entwerfen. Die im Februar/März 1944 entstandenen Entwürfe zu 1 Lira, 5, 100 Lir wurden jedoch nicht ausgeführt.(1) Am 12. März 1944 gründete der SNOS durch Dekret das Währungsinstitut für Slowenien („Denarni Zavod Slovenije“). Die Slowenen weisen nicht ohne Stolz daraufhin, dass dies die erste freie Emissionsbank in einem von der Wehrmacht besetzten Land gewesen sei. Die Bank wurde ermächtigt gesetzliche Zahlungsmittel im Gesamtbetrag von insgesamt 20 Millionen Lir (Lire) zu emittieren, und zwar 10 Millionen Zahlungsanweisungen zu 1 Lira, 1 Million Stück zu 5 Lir sowie 500.000 Scheine zu 10 Lir. Der Entwurfsauftrag ging an das Grafische Atelier der zentralen Druckerei der Kommunistischen Partei Sloweniens in Črmošnjice, in dem die Maler und Bildhauer Milena Dolgan, Alenka Gerlovi, Vito Globonik, France Miheli, Dušan Petri, Nikolay Pirnat, Ive Šubic und der Architekt Banko Simi arbeiteten. Letzterer legte bereits im April erste Entwürfe für 1 Lira- sowie 5- und 10-Lir-Noten vor. Für die Herstellung der Druckplatten mussten jedoch vergrößerte Reinzeichnungen angefertigt werden, die von Banko Simčič zusammen mit Saša Sedlar im selben Monat in Črmošnjice ausgeführt wurden.(2) Da der vorgesehene Zinkographiedruck auf dem befreiten Gebiet nicht möglich war, schnitzte Diplom-Ingenieur Vlado Jordan Holzdruckstöcke. Die Herstellung der Zahlungsanweisungen übernahm die Partisanendruckerei Triglav, 11 A, (ehemals Druckerei Nr. 1, der Name wurde im August 1944 geändert) an den Hängen des Goteniški Snežnik. Bereits Ende Juli lagen die 10-Lir-Scheine vor und im September folgte der 5-Lir-Wert. Der 1-Lira-Schein wurde Anfang November fertig. Die Nummerierung der Scheine erfolgte in der Partisanendruckerei in Koevski Rog (ehemals Druckerei 13 A, umbenannt im August). Die drei Werte sind ähnlich gestaltet. Beide Seiten zeigen geometrische Ornamente in verschiedenen Schattierungen. Der Text der Vorderseite lautet übersetzt: „Das Währungsinstitut Sloweniens zahlt dem Inhaber dieser Banknote bei Ausgabe der einheitlichen Landeswährung den Gegenwert dieser auf Lira lautenden Note.“ Es folgt die Wertangabe und darunter links die faksimilierte Unterschrift des Schatzmeisters Alojz Štular und rechts die des Präsidenten Lavoslav Dolinšek. Auf der Rückseite finden sich angaben zur Rechtsgrundlage der Notenausgabe: „Der Erlass des Präsidiums des slowenischen nationalen Befreiungsrates (SNOS) vom 12. März 1944 in Verbindung mit dem Erlass des slowenischen nationalen Befreiungsrates (SNOS) vom 20. Februar 1944 ermächtigt das Währungsinstitut Sloweniens zur Ausgabe von Zahlungsanweisungen.“ Bei der Note zu 10 Lir befindet sich dieser Text auf der Vorderseite. Abb. 1.1: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, Vorderseite. Abb. 1.2: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, Rückseite. Im August erhöhte das Präsidium des Befreiungsrates (SNOS) das Notenkontingent des Währungsinstitutes um 80 Millionen Lire, um die Ausgabe höherer Nominale zu ermöglichen. Wieder wurde Banko Simčič mit dem Entwurf der Noten beauftrag. Bereits Ende August präsentierte er in Črmošnjice die Skizzen zu den Nominalen zu 50, 100, 500 und 1000 Lir. Diese sollten noch durch Porträts bekannter slowenischer Dichter ergänzt werden.(3) Ferner wünschte man bei den Nominalen zu 500 und 1000 Lire die Abbildung des Herzogsstuhls(4) und des Fürst-Steins.(5) Somit beanspruchte Slowenien auch Kärnten. Schließlich wählte man bei der 1000-Lir-Note ein Bild mit dem Panorama von Triest. Die Ergänzungen erfolgten durch den akademischen Maler France Miheli. Allerdings blieb es bei diesen Geldscheinen bei der Planungsphase. Am 16. Oktober 1944 beschloss das Präsidium des Befreiungsrates neue Lir-Noten herstellen zu lassen, die die alten Lir-Noten ersetzten sollten. Ihr Nominalwert sollte 10 Prozent über dem der italienischen Lire und den im Umlauf befindlichen Lir-Noten liegen. Die Kriegsentwicklung – in einer großen Operation vom 10. – 20. Oktober 1944 war Belgrad befreit worden – erlaubten im Frühjahr 1945 den Druck der neuen Geldscheine zu 1, 5, 10 und 100 Lire auf modernen Maschinen in Belgrad.(6) Auch wenn diese zweite Noten-Serie der ersten sehr ähnlich ist, fällt aufgrund der verbesserten technischen Möglichkeiten ihre Ausführung deutlich besser aus. Abb. 2.1: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, 2. Serie, Vorderseite. Abb. 2.2: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, 2. Serie, Rückseite. Wegen des Mangels an höheren Lir-Banknoten gab das slowenische Währungsinstitut im Oktober 1944 handschriftlich zu vervollständigende Quittungen aus. Die auf Lir lautenden Papiere liefen wie Banknoten im befreiten Gebiet um. Am 25. Oktober 1944 ermächtigte das Präsidium des Befreiungsrates das Währungsinstitut Schatzwechsel in Höhe von 20 Millionen Lir auszugeben. Die von den Zweigstellen der Bank ebenfalls handschriftlich zu ergänzenden Papiere konnten auch als Zahlungsmittel verwendet werden. Der Entwurf stammt wieder von Branko Simič und zeigt im Unterdruck den Kopf eines Partisanen. Sie waren das letzte Zahlungsmittel, das auf dem Gebiet Sloweniens während des Befreiungskrieges gedruckt wurde. Die Rückseite blieb unbedruckt. Abb. 3: Denarni Zavod Slovenije, handschriftlich: 23. April 1945, 10.000 Lir, Vorderseite. In Block 18 und 19 des Konzentrationslagers Sachsenhausen wurden nicht nur Pfundnote der Bank of England gefälscht, sondern auch andere Geldzeichen, Briefmarken, Pässe und Dokumente. Der Häftling Adolf Burger erinnerte sich: „Innerhalb von Hitlers ‚Festung Europa‘ wie die NS-Verbrecher und andere deutsche Chauvinisten das besetzte Europa nannten, bestand seit 1941 ständig ein freies Partisanengebiet. Im Laufe der Jahre 1942, 1943 und 1944 waren die befreiten Teile Jugoslawiens flächenmäßig größer als manche der kleineren europäischen Staaten.“ Zur Finanzierung ihres Kampfes, gaben die Partisanen sog. Volksanleihen und Geldscheine aus. „Um die Zeichnung dieser Anleihen der jugoslawischen Volksbefreiungsbewegungen [die auch als Zahlungsmittel verwendet wurden (Anm. d. Verf.)] so stark wie möglich zu hintertreiben, wurden in Sachsenhausen ‚dreifarbige‘ Tito-Banknoten und Schuldscheine dieser Anleihe originalgetreu nachgedruckt. Die Nachahmung entsprach in Druck und Papierart vollständig dem Original, so daß es kaum möglich war, einen Unterschied festzustellen. Das Geld, das an der mir zugewiesenen Maschine hergestellt wurde, war in dem durch die jugoslawischen Volksbefreiungsarmee befreiten Teil Jugoslawiens im Umlauf. … 1944 wurde dieses Geld im befreiten Territorium Jugoslawiens in Umlauf gebracht.“(7) Zu den gefälschten Scheinen gehörte auch die 10-Lir-Note des slowenischen Währungsinstitutes. Diese 10-Lir-Note wurde für Propagandazwecke missbraucht. Während die Vorderseite dem Original entspricht, wobei die rote-braune Farbgebung etwas dunkler ausfällt, enthält die Rückseite einen vierzeiligen großen Aufdruck: „Ta denar je prav / taka nila, kakor / obljube iz Moskve / in Londona“, was übersetzt „Dieses Geld ist genauso wertlos, wie die Versprechen aus Moskau und London“ lautet. Die Scheine sollen in Ljubljana gedruckt worden sein. Abb. 4.1: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, deutsche Propagandanote, Vorderseite. Abb. 4.2: Denarni Zavod Slovenije, o. D., 10 Lir, deutsche Propagandanote, Rückseite. * Standard Catalog of World Paper Money, Specialized Issues, 12th Edition, Iola, WI 2013, S. 1290 f. Der unter Kat.-Nr. S116 aufgeführte Wert zu 50 Lir wird bei Peter Kos nicht genannt! (In Klammern): Peter Kos, Slovenska Partizanska Plailna Sredstva – The Slovene Partisan Means of Payment – Les Moyens de Paiements des Partisans Slovènes, Narodna Banka Slovenije, Ljubljana 1977. Uwe Bronnert Anmerkungen: (1) S. Peter Kos, Slovenska Partizanska Plailna Sredstva – The Slovene Partisan Means of Payment – Les Moyens de Paiements des Partisans Slovènes, Narodna Banka Slovenije, Ljubljana 1977, S. 154 – 165, Kat.-Nr. 39 – 44. (2) Ebenda, S. 166 – 167, Kat.-Nr. 45 – 47. (3) Der Schein zu 50 Lire bildet Primož Trubar, der zu 100 Lire Fran Levstik, Ivan Cankar finden wir auf dem 500er und France Prešeren auf dem 1000er. (4) Ebenda, S. 176 – 179, Kat.-Nr. 50 und 51. Er wurde vermutlich in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts errichtet und befindet sich auf dem Zollfeld. Der Herzogstuhl wurde als sedes Karinthani ducatus anlässlich der Herzogseinsetzung von Hermann von Spanheim im Jahr 1161 zum ersten Mal urkundlich erwähnt. (5) Ebenda, S. 180 f., Kat.-Nr. 52. Der Fürstenstein (slowenisch: Knežji kamen) gilt als das älteste Rechtsdenkmal Kärntens. Er diente nach verbreitetem Glauben dazu, die nach der slawischen Besiedlung von Kärnten in Karnburg am Zollfeld residierenden Fürsten von Karantanien rituell einzusetzen. Heute wird der Stein im Landhaus Klagenfurt ausgestellt. (6) Ebenda, S. 115 – 129, Kat.-Nr. 24 – 27. (7) Adolf Burger, Unternehmen Bernhard, Die Geldfälscherwerkstatt im KZ Sachsenhausen, Berlin 1992, S. 120 ff.

  • Gutscheine des Bataillons "Generalfeldmarschall von Hindenburg"

    Am 11. November 1918, dem Tag, an dem der Waffenstillstand im Wald von Compiègne unterzeichnet wurde, umfasste das deutsche Heer noch mehr als sechs Millionen Soldaten. Etwa 3,2 Millionen davon befanden sich in Belgien und Ostfrankreich, die nun nach den Waffenstillstandsbedingungen umgehend ins rechtsrheinische Reichsgebiet zurückgezogen und demobilisiert werden mussten. „Die meisten von ihnen hatten vom Krieg mehr als genug – aber nicht alle. Vielleicht jeder fünfte, vielleicht auch nur jeder zehnte war bereit, für seine jeweiligen politischen Vorstellungen weiter zu kämpfen.“[1] Viele von ihnen fanden eine neue militärische Heimat in den östlichen Provinzen des Reichs, nach denen das wiedererstandene Polen seine Hand ausstreckte. Auch im Baltikum standen deutsche Truppen weiterhin im Abwehrkampf gegen die bolschewistische Rote Armee. Also warben deutsche Regierungsstellen unter den Demobilisierten Kämpfer für Freiwilligen-Verbände an, die man als Freikorps bezeichnete. Für viele der arbeitslosen und aus dem Militär entlassenen Soldaten waren die Verdienstmöglichkeiten verlockend, denn sie erhielten den Sold eines regulären Soldaten, zuzüglich fünf Mark pro Tag. Ein Mannschaftsdienstgrad kam so monatlich auf 180 Mark und ein junger Leutnant z.B. auf 300 Mark. Hinzu kamen weitere Zulagen für Verheiratete, für Kinder sowie besondere Qualifikationen und das Ganze bei freier Kost und Logie. Beim Einsatz in Polen oder im Baltikum gab es sogar noch einen „Gefahrenzuschlag“ von weiteren vier Mark pro Tag. Lohnsteuern und Sozialabgaben wurden hingegen nicht erhoben. Zum Vergleich, der durchschnittliche Monatsverdienst im Reich lag damals bei 167,50 Mark. Das „Bataillon Generalfeldmarschall von Hindenburg“ gehörte zu den Freikorps, die sich damals bildeten. Wohl als einziger Freikorps-Verband stellte er eigenes Geld her. Zwar werden in verschiedenen Katalogen 1- und 2-Mark-Gutscheine erwähnt, aber bisher nirgends abgebildet.[2] Diese undatierten Gutscheine sind von größter Seltenheit. Der vorliegende Gutschein zu einer Mark hat die Maße 94 mm x 70 mm. In der Mitte der Vorderseite befindet sich die Abbildung des Abzeichens des Selbstschutzes Oberschlesien, das von allen Selbstschutz-Formationen teils am Arm, teils an der linken Brustseite getragen wurde. Daneben links „S.S. / O.S.“ und rechts „Eine / Mark“. Über dem Wappenschild im Halbkreis „Batl. Gen. Feldm. von Hindenburg“. Darunter zweizeilig „Dieser Schein wird eingelöst durch / die Kasse der III. Hundertschaft“. Die beiden Unterschriften sind leider nur bedingt lesbar und daher zur weiteren Bestimmung wenig hilfreich. In der Mitte der unbedruckten Rückseite ein Stempelabdruck (Ø 33 mm) mit dem schlesischen Adler in der Mitte und der Umschrift „III. Hundertschaft Batl. von Hindenburg . S.S. O/S. .“. Die Gutscheine wurden im Hektographie-Verfahren hergestellt. Hierbei werden Schriftstücke ohne Anwendung einer Presse mittels einer abfärbenden Vorlage, der Matrize, vervielfältigt. Handzeichnung wie auch Schreibmaschinenschrift werden von einem Farbblatt auf eine mit besonderer Gelantine-Mischung beschichtete Unterlage übertragen, von der dann mittels einer Spirituslösung im Umdruck Abzüge auf saugfähigem Papier hergestellt werden. Hektographien zeichnen sich durch ein ausgesprochen minderwertiges Druckbild aus, das zudem oft nicht rein schwarz, sondern wie bei einem Tintenstift violett ist. Wie das Wort Hektographie (von altgriechisch ἑκατόν hekatón, deutsch ‚hundert‘ und -graphie, wörtlich „Hundertschreibung“, etwa „Verhundertfachung“) bereits andeutetet, ist die Anzahl der Abzüge auf ca. 100 beschränkt. Legt man eine Matrize in DIN-A4-Größe zugrunde, so hätte man bei entsprechender Anordnung der Beschriftung/Zeichnung in einem Arbeitsgang neun Scheine gleichzeitig herstellen können – mit einer Matrize also kaum mehr als 900 Exemplare, wobei zu berücksichtigen ist, dass mit zunehmender Zahl der Abzüge, die Vervielfältigungen immer schwächer werden. Abb. 1: Batl. Gen. Feldm. von Hindenburg, III. Hundertschaft, o. D. (Mai/Juni 1921), 1 Mark, Vorderseite. Abb. 2: Batl. Gen. Feldm. von Hindenburg, III. Hundertschaft, o. D. (Mai/Juni 1921), 1 Mark, Rückseite. Zum Bataillon "Generalfeldmarschall von Hindenburg“ ist wenig bekannt. Nach von Schmidt-Pauli ging ein Freikorps mit diesem Namen aus der Bewachungskompanie der Obersten Heeresleitung hervor. Es wurde am 8. März 1919 in Kolberg gegründet und bereits am 21. Oktober 1919 aufgelöst und in das Reichswehr-Inf.-Regt. 110, Celle, bzw. das Reichswehr-Kavallerie-Regt. 101 überführt.[3] Unser Geldschein stammt jedoch aus einer späteren Zeit und hängt mit dem dritten schlesischen Aufstand zusammen. Nach der oberschlesischen Volksabstimmung am 20. März 1921, bei der 59,6 % (707.000 Stimmen) der Wähler für den Verbleib bei Deutschland und 40,4% (479.000 Stimmen) für eine Abtretung an Polen votierten, setzte in der Interalliierten Kommission eine Diskussion über eine mögliche Teilung des Abstimmungsgebiets ein. Die Polen wollten deren Entscheidung nicht abwarten und vollendete Tatsachen schaffen. In der Nacht vom 2. auf den 3. Mai 1921 begann der sog. 3. Insurgenten-Aufstand. Die interalliierten Truppen sahen dem Treiben weitgehend tatenlos zu und die deutschen Selbstschutzverbände waren zu schwach, um sich gegen die polnische Übermacht behaupten zu können. Erst die Unterstützung durch Freikorps-Verbände aus dem Reich veränderte das Kräfteverhältnis. Das (zweite) Freikorps-Bataillon "Generalfeldmarschall von Hindenburg“, das im Mai 1921 von Major a. D. von Waldow aus Freiwilligen gegründet wurde, kam an der Nordfront zum Einsatz. Dort nahm es Sicherungsaufgaben im Abschnitt Reinersdorf bis Simmenau wahr. Auch wenn Dr. Keller etwas anderes behauptet, wurde das Ersatzgeld nicht während der Schlacht um den Annaberg ausgegeben. Die Freikorps-Mitglieder kamen vorwiegend aus Braunschweig, Hannover und Clausthal oder waren Angehörige des Stahlhelmbunds aus Niedersachsen. Die Formation bestand aus drei Kompanien, deren anfängliche Stärke 35 Offiziere und ca. 560 Soldaten betrug. Später sollen es fast 1000 Mann gewesen sein. Teile des Freikorps nahmen im Juni an den verlustreichen Kämpfen um Zembowitz und Pruskau teil. Mit der Vereinbarung von Blottniz vom 25. Juni 1921 hörten die Kämpfe auf und wenige Tage später zogen beide Seiten ihre Kämpfer aus Oberschlesien ab. Ende Juni 1921 löste sich das Freikorps "Generalfeldmarschall von Hindenburg" auf und die Mehrheit seiner Mitglieder kehrten nach Niedersachsen zurück.[4] Die Teilung Oberschlesiens durch den Beschluss der Pariser Botschafterkonferenz vom 20. Oktober 1921 markierte das vorläufige Ende des Oberschlesien-Konflikts. Uwe Bronnert Literatur: Günther Körner; Selbstschutz in Oberschlesien 1921, Bilddokumentation, Dülmen 2014. Ernst von Salomon, Das Buch von deutschen Freikorpskämpfer, Nachdruck der Ausgabe von 1938, Struckum 1988. Edgar v. Schmidt-Pauli, Geschichte der Freikorps 1918 –1924, Stuttgart 1935. Dominique Venner, Söldner ohne Sold, Die deutschen Freikorps 1918 – 1923, Bergisch-Gladbach 1978. Anmerkungen: [1] Sven Felix Kellerhoff, Wie es zu der Söldnerschwemme in der Weimarer Republik kam. < https://www.welt.de/geschichte/article206960769/Freikorps-1919-20-Wer-bezahlte-die-ganzen-Soeldner.html> (09.06.2020) [2] Vgl. Das Deutsche Notgeld, Katalog Kleingeldscheine 1916 – 1922, I.-III. Teil: Verkehrsausgaben, Zusammengestellt von Dr. Arnold Keller, Neu bearbeitet von Albert Pick und Carl Siemsen, München 1979, S. 684, Kat.-Nr. 2962. Rolf Ritter, Notgeld aus der Abstimmungszeit 1920/22 in Oberschlesien, Kamen 1981, S. 65. Wieslaw M. Pawlowski, Piendiadz Zastepczy na Górnym Slasku w Okresie Plebiscytu I III Postania Slaskiego, Lublin 2020, S. 120, Kat.-Nr. 36.2-1/2. Ein Hinweis auf diese Ausgabe fehlt komplett bei Kai Lindman, Deutsches Militärgeld 1914 – 1945, Heer – Luftwaffe -Marine – Versorgungseinheiten, Gifhorn 2017. [3] Edgar v. Schmidt-Pauli, Geschichte der Freikorps 1918 -1924, Stuttgart 1935, S. 358. [4] Angaben nach < https://www.ehrenzeichen-orden.de/weimarer republik/hindenburg-bewahrungsabzeichen.html> (05.06.2020)

  • Die Goldmark-Scheine zur Westfälischen Goldanleihe

    Die Goldmarkscheine zur Westfälischen Goldanleihe, Reihe I, der Landesbank der Provinz Westfalen 1923 Im Herbst 1923 drehte sich das Inflations-Karussell immer schneller. Von einem auf den anderen Tag halbierte sich der Wert der Mark. Weite Bevölkerungsschichten waren nicht mehr in der Lage, sich das Nötigste zu kaufen, da die Lohnerhöhungen mit den Preissteigerungen bei weitem nicht Schritt hielten. Fast im gesamten Reich kam es zu Lebensmittelunruhen und Demonstrationen, zu Plünderungen und Raubzügen, die an vielen Orten zu blutigen Zusammenstößen mit der Polizei führten. Der Ruf nach wertbeständigem Geld wurde in der Bevölkerung immer lauter. Das Gesetz vom 14. August 1923 ermächtigte die Reichsregierung zur Emission einer wertbeständigen Anleihe in Höhe von 500 Millionen Goldmark, deren Tilgung in den folgenden 12 Jahren erfolgen sollte. Die Anleihestücke vom 25. August 1923, die mit „Schatzanweisung des Deutschen Reiches“ überschrieben sind, lauten sowohl auf Mark Gold als auch auf Dollar. Ausgegeben wurden Stücke über 1 bis 1000 Dollars gleich 4,20 bis 4.200 Mark Gold. Ihre Zeichnung erfolgte entweder in Papiermark zum jeweiligen Dollarkurs oder in Devisen. In diesem Fall mussten nur 95 % des Zeichnungspreises entrichtet werden. Die kleinen Werte zu 1, 2 und 5 Dollars, die ohne Zinsscheine ausgegeben wurden, sollten planmäßig mit 70 % Aufgeld am 2. September 1935 eingelöst werden. Sie wurden schon bald im Zahlungsverkehr verwendet, ohne gesetzliches Zahlungsmittel zu sein. Durch Erlass vom 23. Oktober 1923 gestattete die Reichsregierung Unternehmen und Kommunen die Ausgabe von wertbeständigem Notgeld, wenn es auf Teile der Goldanleihe lautete und durch solche gedeckt war. Die Bestimmungen des Finanzministers vom 24. Oktober und eine am 26. Oktober 1923 erlassene Verordnung der Reichsregierung zur Änderung des Gesetzes über die Ausgabe und Einlösung von Notgeld vom 17. Juli 1922 regelten die Ausgabe und Einlösung des Gold-Notgelds. Danach mussten die Scheine neben der Bezeichnung „Notgeldschein“ den Vermerk „Ausgegeben mit Genehmigung des Reichsministers der Finanzen“ tragen; auch sollten sie nicht über einen höheren Betrag als 2 Dollars gleich 8,40 Mark Gold lauten. Die Landesbank der Provinz Westfalen, „die es von jeher als eine ihrer Hauptaufgaben betrachtet hat, den Westfälischen Gemeinden nicht nur kurzfristigen, sondern in erster Linie langfristigen Kredit zur Verfügung zu stellen,“[1] suchte nach einem Weg, dies auch in Zeiten der galoppierenden Inflation in und der damit verbundenen „Flucht in die Sachwerte“ zu ermöglichen. Um die notwendigen Mittel für langfristige Kommunalkredite aufbringen zu können, emittierte sie auf Grund des Beschlusses des Provinzialausschusses vom 17. September 1923 die 6%ige Goldanleihe, die von der Provinz Westfalen garantiert wurde. Ab 1. Oktober 1923 konnte die Anleihe gezeichnet werden. Die großen Anleihestücke zu 10, 25 und 100 Dollars der Reihe II der Westfälische Goldanleihe waren mit 6 % verzinslich und wurden mit Zinsbögen versehen. Die Tilgung sollte jährlich mit 3 ½ % erfolgen und spätestens 1940 zurückgezahlt sein. „Von … [ihr] wurden bis zum 3. März 1924 insgesamt 1.236.212 Dollar = 5.395.490 Rentenmark abgesetzt. Die entsprechenden 6%igen Goldanleihe-Darlehen wurden in 157 Posten nur solchen Darlehnsnehmern [vorwiegend Kommunen, kommunale Versorgungsbetriebe und sonstige öffentlich-rechtliche Stellen] gegeben, die mit dem Darlehnskapital Sachwerte schufen, deren Erträgnisse sich dem wechselnden Dollarkurs anpassen konnten.“[2] Die Auszahlung der Darlehen erfolgte in entsprechenden Anleihestücken, die der Darlehensnehmer entweder durch die Landesbank verkaufen ließ oder zur eigenen Verwendung übernahm. Die Stücke der Reihe I waren dagegen unverzinslich und bestanden ausschließlich aus solchen zu 1 Dollar.[3] Sie sollten am 31. Dezember 1929 eingelöst werden. 25 Anleihestücke der Reihe I konnten in Anleihestücke der Reihe II umgetauscht werden. Auch diese sollten also der langfristigen Finanzierung der Kommunalkredite dienen. Die Stücke haben das Format 125 mm x 180 mm. Gedruckt wurden sie auf Papier ohne Wasserzeichen. In einem braunen Zierrahmen und auf einem braunen Unterdruck nennt der schwarze Text der Vorderseite den Wert, die Laufzeit, Einlösungsbedingungen und das Ausgabedatum vom 15. Oktober 1923. Unter „Die Direktion der Landesbank der Prov. Westfalen“ finden sich die gedruckten Unterschriften des Generaldirektors Reusch sowie der Landesbankdirektoren Greve und von Bruchhausen. In der oberen linken Ecke der rote Steuerstempel mit den Reichsadler und Umschrift: „WERTPAPIERSTEUER . STEUER… 22“. Dieser Stempelaufdruck hat einen Durchmesser von 30 mm. In der unteren linken Ecke befindet sich das Siegel der Landesbank als Trockenstempel mit einem Durchmesser von 35 mm. Am unteren Scheinrand die grüne Kennnummer mit vorgesetztem „No“. Auf der Rückseite der Anleihe werden die Bedingungen der Einlösung ausführlich erläutert. Abb. 1.1/2: Westfälische Goldanleihe, 15. Oktober 1923, 1 Dollar (= 4,20 Goldmark), Vorder- und Rückseite. Abb. 1.3: Gedrucktes Siegel der Landesbank. Ausschnitt aus dem Notgeldschein zu einer Billion Mark vom 7. November 1923. Eine zweite Art der Westfälischen Goldanleihe Reihe I wurde mit den unverzinslichen „Westfälischen Goldmarkscheinen“ zu einem Dollar geschaffen. Ihre Laufzeit betrug nur bis zur zweiten Hälfte des Februars 1924. Sie sollten dann entweder in gesetzliche Währung zum Durchschnittskurs der Berliner Börse für Auszahlungen New York eingelöst oder gegen Lieferung von 6 % Westfälische Goldanleihe Reihe II umgetauscht werden. Zur Emission der Goldmarkscheine war die Landesbank von führenden Wirtschaftskreisen der Provinz gedrängt worden, weil die Bauern nur noch bereit waren, ihre Erzeugnisse gegen wertbeständiges Geld abzugeben. Da die Landesbank nicht in der Lage war, die Bedingungen des Finanzministeriums zu erfüllen, ging man einen anderen Weg und gab die Goldmarkscheine als Anleihen aus. Von vornherein dachte man daran, diese kleinen handlichen Papierscheine als Geld umlaufen zu lassen. „Entsprechend den Roggenscheinen der Provinz Hannover wurden die Goldmarkscheine nicht ‚ausgegeben‘, sondern solchen Gemeinden und Sparkassen, die darum nachsuchten, zur Ausgabe leihweise überlassen. Die Gemeinden und Sparkassen mußten sich der Landesbank gegenüber verpflichten, die von ihnen geliehenen Scheine oder deren Gegenwert zum Einlösungstermin zurückzuliefern.“[4] Aus dieser Regelung sollten sich schon bald einige Probleme ergeben. Durch die Herstellung in verschiedenen Druckereien sind bei den Goldmarkscheinen diverse Unterschiede festzustellen. Sie wurden auf Papier mit und ohne Wasserzeichen gedruckt. Die Kontrollnummern kommen mit und ohne vorgesetzten Buchstaben und „No.“ vor, sowie mit und ohne nachfolgendem, sechsstrahligem Stern (Plunger), zudem variiert ihre Größe. Grundsätzlich sind zwei Emissionen zu unterscheiden: Ausgabedaten 10. November 1923 sowie 19. November 1923. Der Entwurf zu den Scheinen stammt wohl von Heinrich Benkler. Sein Signum „HB“ findet sich auf der Vorderseite der Scheine rechts unten am Rand. Abb. 2.1/2: Westfälische Goldanleihe, sog. Goldmarkschein, 10. November 1923, 1 Dollar (= 4,20 Goldmark), ohne Angabe der Druckfirma, Vorder- und Rückseite. Abb. 3.1/2: Westfälische Goldanleihe, sog. Goldmarkschein, 19. November 1923, 1 Dollar (= 4,20 Goldmark), Druckfirma: OFFSETDRUCK THOMAS, KONTO STADTSPARKASSE, Vorder- und Rückseite. Abb. 4.1/2: Westfälische Goldanleihe, sog. Goldmarkschein, 19. November 1923, 1 Dollar (= 4,20 Goldmark), Druckfirma: OFFSETDRUCK E. GUNDLACH A.-G. * KONTO STADTSPARKASSE * BIELEFELD, mit Entwertungslochung, Vorder- und Rückseite. Abb. 5.1/2: Leinenschein, Westfälische Goldanleihe, sog. Goldmarkschein, 19. November 1923, 1 Dollar (= 4,20 Goldmark), Druckfirma: OFFSETDRUCK E. GUNDLACH A.-G. * KONTO STADTSPARKASSE * BIELEFELD, Vorder- und Rückseite. Auf einigen Scheinen wird auf der Vorderseite am unteren Rand die Druckerei genannt: „G. A. HÜLSWITT, MÜNSTER i. W., SCHILLERSTR“, „OFFSETDRUCK THOMAS, KONTO STADTSPARKASSE, BIELEFELD“ bzw. „OFFSETDRUCK E. GUNDLACH A.-G. * KONTO STADTSPARKASSE * BIELEFELD“. Die Scheine mit dem Ausgabedatum 19. November 1923 warten mit einigen Botschaften auf. Im Unterdruck der Vorderseite steht am oberen Rand links kaum lesbar „SIRACH31“ und rechts „VERS 23“. Bei dieser Angabe handelt es sich um den folgenden Bibelvers: „Und wenn der Magen mäßig gehalten wird, so schläft man sanft; so kann einer des Morgens früh aufstehen, und ist fein bei sich selbst.“ Rund um die Wertbezeichnung ein Schriftband in Microschrift: „Jeder schau der Nachbarin / In die Augensterne, / Daß er den geheimen Sinn / Dieses Lebens lerne.“ Der Text ist Teil des Gedichtes „Schlußchor“. Wilhelm Busch veröffentlichte es 1874 in dem Sammelband „Dideldum!“ im Heidelberger Bassermann Verlag. Auf der Rückseite der zweiten Ausgabe findet sich ebenfalls ein Hinweis auf ein Bibelzitat. In den nach oben gerichteten Verlängerungen der Buchstaben „D“, „E“ und „h“ klein „JESAIA 5“, „VERS“ und „11“: „Wehe denen, die des Morgens früh auf sind, des Saufens sich zu fleißigen, und sitzen bis in die Nacht, daß sie der Wein erhitzt.“ Abb. 6.1: Angabe der Druckfirma (Offsetdruck Thomas …) auf der Vorderseite am unteren Rand. Abb. 6.2: Angabe der Druckfirma (Offsetdruck E. Gundlach …) auf der Vorderseite am unteren Rand. Abb. 6.3: Angabe zu den Bibelzitaten auf der Vorderseite am oberen Rand. Abb. 6.4: Hinweis auf das Bibelzitat auf der Rückseite. Der Text auf der Rückseite nennt die Einlösungsbedingungen: „Die Einlieferung hat, falls nicht Fristverlängerung oder Fristverkürzung eintritt vom 16. bis 28. Febr. 1924 [bei Scheinen mit dem Ausgabedatum 19. November 1923: 16. bis 31. März 1924] zu erfolgen. Die Einlösung geschieht nach Wahl der Landesbank zum Durchschnittsbriefkurse der Berliner Börse für Auszahlung New York an den drei dem Beginn der Einlösungsfrist vorangehenden Börsentagen in gesetzlicher Währung oder gegen Lieferung von 6%iger Westfälischer Goldanleihe Reihe II. Mit Ablauf der Einlösungsfrist verliert dieser Schein seine Gültigkeit.“ Obwohl die 112 mm x 61 mm großen Goldmarkscheine mit „Westfälischer Goldanleihe“ überschrieben sind, nutzten sie die Gemeinden und Sparkassen als wertbeständiges Notgeld bei ihren Zahlungen. Auch vom Publikum wurden sie als solches wahrgenommen. Am 4. Dezember 1923 unterrichtete Generaldirektor Reusch in einem Schreiben die westfälischen Kommunen und Sparkassen darüber, dass man die Gewährung von Kommunalkrediten eingestellt habe, da sich die Geldverhältnisse vollständig verändert hätten. „Während noch bis vor kurzem die Landesbank durch ihren Depositenverkehr, durch den Absatz ihrer wertbeständigen Anlagen und in erheblichen Umfange durch die Ausgabe von Notgeld über genügende Mittel verfügte, ist sie jetzt zum ersten Male seit Beendigung des Krieges in die Zwangslage versetzt, keine weiteren Kredite irgendwelcher Art mehr gewähren zu können. Seitdem die Papiermark nicht mehr fällt, sind unsere wertbeständigen Anleihen unverkäuflich geworden. Die geringen uns aus anderen Quellen zur Verfügung stehenden Mittel haben wir nötig, um dringende Verpflichtungen der Landesbank zu erfüllen. Wie lange dieser Zustand dauert, lässt sich nicht überblicken. Für den Rest des laufenden Jahres rechnen wir aber bestimmt mit keiner Besserung.“ Sehr schwierig wurde die Lage auch dadurch, dass das das Publikum nicht mehr bereit war, die westfälischen Goldmarkscheine bei Zahlungen anzunehmen. „Im Gegenteil, man bietet der Landesbank solche Scheine zum Rückkauf an. Die Landesbank ist dazu aber nicht in der Lage, da die Gemeinden pp. welche seinerzeit die Goldmarkscheine leihweise abgenommen haben, den Gegenwert erst Mitte Februar zur Verfügung stellen. Die Ausgabe von Goldmarkscheinen muss deshalb eingestellt werden.“[6] Auch im Schreiben vom 14. Januar 1924 betonte Reusch nochmals, „dass die Landesbank die Goldmarkscheine nicht selbst ausgegeben hat. Die Landesbank hat vielmehr im Auftrage des westfälischen Provinzialausschusses diese Scheine lediglich herstellen lassen und alsdann an die westfälischen Kommunen ausgeliehen, damit diese in die Lage kämen, die Lebensmittelversorgung vorzunehmen. … Es muss unbedingt erreicht werden, dass die Goldmarkscheine bis zum Einlösungstermin im Umlauf bleiben.“[7] Im selben Schreiben informierte der Generaldirektor darüber, dass man damit rechnete, dass die Goldmarkscheine in Kürze von allen Reichs- und Staatskassen, insbesondere auch von den Kassen der Eisenbahn und der Post in Zahlung genommen würden. Von der Möglichkeit, die Goldanleihestücke Reihe I gegen Goldanleihe Reihe II umzutauschen, wurde kaum Gebrauch gemacht. Daher entschloss sich die Landesbank im Januar 1924 sowohl die Goldmarkscheine als auch die Goldanleihe Reihe I, die ebenfalls als Geld genutzt wurden, aus dem Verkehr zu ziehen und zum Kurs von 4,20 Goldmark einzulösen. Zur Ausgabe waren insgesamt 1.101.283 Goldmarkscheine zu einem Dollar und 139.000 Goldanleihestücke Reihe I gelangt. Bis zum 31. März 1924 waren die Goldmarkscheine bis auf 38.571 Dollar in die Landesbank zurückgeflossen. Zur Zeichnung auf die 6%ige Westfälische Roggenanleihe wurden 61.853 Dollar Westfälische Goldmarkscheine und 26.286 Dollar Westfälische Goldanleihe Reihe I eingeliefert.[8] Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Jahresbericht der Landesbank der Provinz Westfalen zu Münster i. Westf. 1922/23 und 1923/24, S. 13. [2] Landesbank für Westfalen-Girozentrale Münster (Hrsg.), 125 Jahre Landesbank für Westfalen Girozentrale 1832 – 1957, Münster 1957, S. 37. [3] Bei Bedarf hätten man auch unverzinsliche Anleihen zu 2 bis 5 Dollar ausgegeben dürfen. [4] Jahresbericht der Landesbank der Provinz Westfalen zu Münster i. Westf. 1922/23 u. 1923/24, S. 13 f. [5]Varianten, insbesondere bei den Kennziffern, siehe: Hans-Ludwig Grabowski, Deutsches Notgeld, Band 10: Das Papiergeld der deutschen Länder 1871 – 1948, Die Banknoten und Notgeldscheine der deutschen Länder, Provinzen und Bezirke, 2. Auflage, Regenstauf 2006, S. 507 ff., Kat.-Nr. WFA 40 – WFA 44. [6] Staatsarchiv Münster, Kreis Siegen, Kreisausschuss Nr. 787, Bl. 220. [7] Ebenda, Bl. 253. [8] S. Landesbank für Westfalen-Girozentrale Münster (Hrsg.), S. 37.

  • Kantinengeld der niederländischen Streitkräfte in Deutschland

    Bald nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs traten die politischen Gegensätze zwischen den ehemaligen Mächten der Anti-Hitler-Koalition zutage. Auf der einen Seite die UdSSR und auf der anderen Großbritannien, Frankreich und die USA. Der Februarumsturz in der Tschechoslowakei und die Berlin-Blockade bewirkten, dass sich die westeuropäischen Staaten zunehmend von der Sowjetunion und dem kommunistischen Ostblock bedroht fühlten und enger zusammenrückten. Am 4. April 1949 gründeten Belgien, Dänemark (mit Grönland), Frankreich (mit den französischen Gebieten in Algerien), Großbritannien (mit Malta), Island, Italien, Kanada, Luxemburg, die Niederlande, Norwegen, Portugal und die USA die NATO (North Atlantic Treaty Organization).[1] Das Verteidigungsbündnis trat am 24. August 1949 in Kraft. In ihm verpflichtete sich die niederländische Regierung, ihre Truppen an gemeinsamen Manövern der Bündnispartner im Ausland teilnehmen zu lassen. Da die damaligen Devisenbestimmungen die Ausfuhr der niederländischen Währung verboten, musste für die teilnehmenden Soldaten eine andere Lösung gefunden werden. Oberstleutnant J. B. Ludwig hatte die zündende Idee, besondere Münzen herstellen zu lassen, die ausschließlich für Kantinenzwecke außerhalb der Niederlande verwendet werden sollten. Bei der Wahl des Materials erinnerte er sich an eine Plastik-Medaille des Utrechter Studentenkorps. Dieses Material sollte nun auch bei den sechs Nominalen des Ministeriums van Oorlog (Kriegsministerium) verwendet werden. Die Produktion fand in zwei Fabriken statt. Den Auftrag für die Ein-Gulden-Münze erhielt der günstigste Anbieter, die N. V. Luxor Plastics in Amsterdam. Da das Unternehmen nur Münzen in einer Größe fertigen konnte, wurden die anderen Werte in der Hollandse Knopenfabriek in Spakenburg (Holländische Knopffabrik) produziert. Im September 1951 nahmen 4.400 niederländische Soldaten zum ersten Mal an einer Übung in Deutschland teil. Das Kriegsministerium zahlte jedem Soldaten fünf Gulden in Plastikgeld aus. Bei der Übung stellte sich heraus, dass die zuerst gelieferten Ein-Gulden-Münzen zu dünn waren und sehr schnell zerbrachen. Daher forderte die Militärverwaltung die etwa 300 ausgegebenen Münzen zurück, sodass von ihnen nur wenige Exemplare erhalten blieben. Abb. 1 Vorder- und Rückseite der sechs Münzen (Quelle:) Ausgegeben wurden undatierte Münzen zu 1, 5, 10, 25, 100 und 500 Cent in unterschiedlichen Farben. Sie wurden im Spritzverfahren hergestellt. Die Münzen zu 1 bis 25 Cent sowie 500 Cent sind einheitlich gestaltet. Auf der Vorderseite der Wert ohne Währungsbezeichnung und auf der Rückseite im Perlkreis dreizeilig waagerecht „MIN. / VAN / OORLOG“ jeweils in einem Perlkreis. Die Gestaltung der 100-Cent-Münze ist ähnlich, statt eines Perlkreises wurde hier ein breiter Randstab gewählt. Der Text auf der Rückseite ist hier waagerecht zweizeilig „MIN: / VAN OORLOG“. Obwohl einige dieser Münzen dicker, sogar doppelt so dick, sind wie normale, handelt es sich hier um keine Varianten. Die Abweichungen sind wohl produktionsbedingt. Nach ihrer ersten Verwendung 1951 kamen sie auch 1952, 1953 und 1954 zum Einsatz. Wegen der großen Zahl von Soldaten, die diese Münzen mitnahmen, war eine zweite Auflage notwendig. Dabei wurden die Münzen zu ein und fünf Gulden durch undatierte Geldscheine gleichen Wertes ersetzt und um einen zu 25 Gulden ergänzt. Diese Wertzeichen wurden von Joh. Enschede und Zonen in Haarlem gedruckt. Alle Nominale sind 113 mm x 60 mm groß und einheitlich gestaltet. Sie weichen nur in der Farbe voneinander ab. Am oberen Rand der Vorderseite wird der Emittent genannt: „MINISTERIE VAN OORLOG“. Im mittleren Teil die Wertangabe und fünfzeilig: „Uitslutend geldig / bij oefeningen buiten Nederland / voor betaling van aankopen bij de / Nederlands Militaire / Cantinedienst“. Übersetzung: Ausschließlich gültig / für Übungen außerhalb der Niederlande / für die Bezahlung von Einkäufen aus dem / niederländischen Militär- / Kantinendienst. Sie waren also nur in den niederländischen Militärkantinen im Ausland gültig. Damit erinnern sie an das Behelfsgeld der deutschen Wehrmacht aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Rückseite nennt nochmals den Emittenten, den Wert und weist am unteren Rand ein zweites Mal auf die Verwendung hin: „Militair Cantine Geld“. Abb. 2.1: 1 Gulden, Ministerie van Oorlog, o.D., Vorderseite. Abb. 2.2: 1 Gulden, Ministerie van Oorlog, o.D., Rückseite. Die Scheine zu 1 und 5 Gulden wurden in zwei Auflagen gedruckt. Dies ist jedoch nur an der schwarzen sechsstelligen Kontrollnummer abzulesen: 1 Gulden > B070000 und 5 Gulden > A070000. Von allen Werten gibt es Scheine mit dem roten Aufdruck „SPECIMEN“, der Kontrollnummer „000000“ und dem vorgesetzten Serienbuchstaben. Spätestens Ende 1958 wurden die Münzen und Geldscheine des niederländischen Kriegsministeriums entbehrlich, da fast alle OECD-Staaten, darunter auch die Niederlande und die Bundesrepublik, ihre Devisenbewirtschaftung aufhoben und die Währungen wieder frei konvertierbar waren. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] Seit 1955 ist die Bundesrepublik Deutschland Mitglied der NATO.

  • Mystische Botschaften

    Einige Anmerkungen zu den „geheimen Symbolen“ des US-Ein-Dollar-Scheins Im März 2003 erschien Dan Browns Thriller „Illuminati“ auf Deutsch. In einem Schweizer Labor wird ein Forscher ermordet aufgefunden. Auf seiner Brust finden sich merkwürdige Symbole eingeritzt, die nur der Symbolloge Robert Langdon, Professor an der Harvard-Universität, deuten kann. Nur er kann den finsteren Plan der legendären Geheimgesellschaft Illuminati verhindern. Dan Brown löste mit seinem Buch eine Welle von Verschwörungstheorien aus. Selbst die Notaphilie rückte dabei in den Fokus der Betrachtungen. David Ovason veröffentlichte 2004 sein Buch „The Scret Symbols of the Dollar Bill – A Closer Look At The Hidden Magic And Meaning Of The Money You Use Every Day“, das ein Jahr später in Deutsch unter dem Titel „Der Dollar“ erschien.[1] David Ovason, Der Dollar, Die Enthüllung seiner geheimen Symbole und deren verborgener Magie, Rottenburg 2005. Der Autor verspricht dem Leser, die „geheimen Symbole [des Dollars] und deren verborgene Magie“ zu enthüllen. Auch heute findet man zum Ein-Dollar-Schein im Internet auf den einschlägigen Seiten der Suchmaschinen erstaunliche „mystische Botschaften“. Abb. 1.1: Federal Reserve Bank, 2003, 1 Dollar, Vorderseite. Abb. 1.2: Federal Reserve Bank, 2003, 1 Dollar, Rückseite. Die beim Bureau of Engraving und Printing von Edward M. Weeks entworfene Ein-Dollar-Note existiert fast unverändert seit 1935. US-Präsident Franklin D. Roosevelt (*30.1.1882, †12.4.1945) soll persönlich auf die Gestaltung der Note Einfluss genommen und darauf bestanden haben, dass die beiden Seiten des Großen Siegels der USA auf dem Schein abgebildet werden. Hat ein Siegel denn zwei „Bild“-Seiten? Das eigentliche Siegel wie wir es heute kennen, wird seit 1904 benutzt. Es geht aber auf das Jahr 1782 zurück und zeigt einen Adler. Die andere Seite, der Stempelgriff, bildet eine Pyramide mit dem Auge ab, eine Darstellung, die bis dahin nie zuvor im Geschäftsbetrieb verwendet worden war. Gerade diese Abbildung rief Esoteriker[2] und Verschwörungstheoretiker auf den Plan, da es sich bei Pyramide und Auge um Zeichen der Freimaurer[3]und/oder des Illuminaten-Ordens[4] handelt. Sie belegen, dass seit der amerikanischen Revolution wesentliche Teile der Weltgeschichte durch Geheimorden und Geheimlogen gesteuert werden, so die Meinung dieser Leute. Dabei weisen sie darauf hin, dass Roosevelt ein aktives Mitglied der „Holland Lodge Nr. 8“ in New York gewesen sei und der Freimaurer Robert Scot, Philadelphia, das Große Siegel angefertigt habe. Das Große Siegel enthält gleich eine Anzahl von Symbolen, die sich aus der magischen Tradition ableiten lassen und zudem verschiedene Deutungen zulassen. Der Weißkopfseeadler, das Wappentier der USA, ist ein altes Symbol für spirituelle Macht. Bei den Römern war er der Vogel Jupiters, des höchsten aller römischen Götter. Die ersten Skizzen des Staatssiegels sahen aber an seiner Stelle ein Fabelwesen vor, den Phönix (griechisch Φοίνιξ Phoínix, von altägyptisch Benu: ‚Der Wiedergeborene/Der neugeborene Sohn‘; lateinisch Phoenix). Er ist ein mythischer Vogel, der am Ende seines Lebenszyklus verbrennt oder stirbt, um aus seiner Asche wieder neu zu erstehen. In der Spätantike galt er als Symbol der Unsterblichkeit. Sollte er etwa ein Hinweis auf die wiedergeborene Macht der Freimaurer werden? Abb. 2.1: Das Große Siegel. Die 13 fünfzackigen Sterne über dem Haupt des Adlers stehen natürlich erst einmal für die Anzahl der Kolonien, die sich gegen die Briten erhoben. Mit der Spitze nach oben aufrecht stehend bilden sie durch ihre Anordnung zwei ineinandergreifende gleichschenklige Dreiecke, sodass ein vierzehnter, sechszackiger Stern entsteht. „Dies ist das Siegel Salomons, auch als Davidstern bekannt – ein Symbol, das in magischen Werken oft benutzt wird. … Der Stern hat eine .. tiefere symbolische Bedeutung, als man vielleicht zunächst annimmt. Der Stern ist sechszackig. Das Wort Dollar hat sechs Buchstaben. Das Wort One erscheint auf dieser Seite des Dollarscheins sechsmal. Das Siegel Salomons hat sieben Innenflächen. Dies ist dieselbe Anzahl wie die der Wörter THE GREAT SEAL OF THE UNITED STATES unter den beiden Roundels. Es ist auch dieselbe Anzahl wie die der Buchstaben im Wort AMERICA. Ebenso ist es dieselbe Anzahl von Wörtern wie die in den beiden Roundels, wenn man das lateinische Datum als ein Wort mit dazu zählt. Und nicht zuletzt ist es dieselbe Anzahl wie die der Wörter oben und unten auf der Rückseite des Scheins: THE UNITED STATES OF AMERIKA und ONE DOLLAR.“[6] Abb. 2.2: Die 13 fünfzackigen Sterne ergeben zusammen ein Hexagramm. Für die Nationalsozialisten war das Hexagramm ein Indiz dafür, dass die US-amerikanische Regierung Teil einer internationalen jüdischen Weltverschwörung ist. Dabei übersah man jedoch, dass das Hexagramm nicht den Davidstern offenbart, denn der hat keinen Mittelpunkt wie der Stern auf dem Geldschein. „Der sechszackige Stern stellt das alchimistische ‚Sigillum‘ dar, ein mystisch okkultes Zeichen höchster Rangordnung. Das alchimistische Sigillum symbolisiert die Vereinigung des Zeichens für Feuer (aufsteigendes Dreieck) mit dem Zeichen des Wassers (absteigendes Dreieck) zum Mittel. Dieses Mittel oder besser ausgedrückt, der Mittelpunkt (13. Einzelstern) symbolisiert das ‚magische Gleichgewicht‘, also den Zustand, wenn sich die Kraft des Feuers und die Kraft des Wassers genau aufheben.“[7] Die fünfzackigen Sterne, die das Hexagramm bilden, werden Pentagramm genannt. Dieses Zeichen gehört zu den mächtigsten und gleichzeitig zu den beliebtesten magischen Symbolen. Es steht für die Magie als solche und für ihre energetische Verbindung zu allen Seiten. Zudem ist der „Hexenstern“ eines der wichtigsten Schutzsymbole. Von den frühchristlichen Numerologen[8] wurde die Macht anerkannt, da der Name „Jesus“ ebenfalls fünf Buchstaben hat. In der Renaissance waren Amulette, die Jesus vor einem Pentagramm stehend zeigen besonders beliebt, versprachen sie doch seinem Träger Gesundheit. Es symbolisierte aber auch mit seinen Spitzen die Harmonie der vier Elemente Erde, Feuer, Wasser und Luft mit dem Geist, auch Äther genannt, der es krönt. Mit der Spitze nach oben gezeichnet, symbolisierte es die menschlichen und spirituellen Bestrebungen. Geist, Seele und Wille beherrschen den Körper. Auch in der schwarzen Magie oder auch Satanismus findet sich das Pentagramm. Hier herrscht der Körper über den Geist, der der Untertan unserer animalischen Bedürfnisse ist. Jedoch zeigt in diesem Fall die Spitze nach unten. Der Adler hält ein Band mit der Aufschrift „E PLURIBUS“ und „UNUM“ im Schnabel. Sie kann mit „aus Vielem wird Eins“ übersetzt werden und beschreibt das US-amerikanische Herrschaftssystem, in der die Macht beim Präsidenten gebündelt wird. Abb. 2.3: Schriftband. Die 13 Olivenblätter und 13 Oliven in der rechten Kralle des Adlers stehen für die Friedfertigkeit der USA, wogegen die 13 Pfeile in der rechten Kralle auf die Bereitschaft verweisen, für seine Überzeugungen einzutreten. Oder steckt hinter dem Pfeilbündel das persönliche Symbol des Illuminati-Gründers Adam Weishaupt? Abb. 2.4: 13 Olivenblätter und Oliven sowie 13 Pfeile. Die Rückseite des Siegels geht auf einen Entwurf von William Barton zurück. Die unvollständige Pyramide, über der sich das „allsehende Auge“ befindet, hat 13 Stufen. Die Stufen stehen für die 13 Gründerkolonien. Die unfertige Pyramide symbolisiert, dass der Staatenbund erst im Aufbau begriffen ist und weiter wachsen soll. Die dunkle Seite der Pyramide zeigt nach Westen, zu den bisher unerforschten Teilen des Kontinents. In der untersten Steinreihe ist die römische Zahl „MDCCLXXVI“ eingemeißelt, also 1776, das Gründungsjahr des Illuminaten-Ordens. Oder steht sie doch nur für das Jahr der Unabhängigkeitserklärung der 13 Kolonien von Großbritannien? Abb. 3.1: Die Rückseite des Großen Siegels. Abb. 3.2: Jahreszahl. Das „allsehende Auge“ (auch Auge der Vorsehung oder Auge Gottes genannt) wird als ein von einem Strahlenkranz umgebenes Auge dargestellt. Meist wird es von einem Dreieck umschlossen. Früheste Darstellungen finden sich bereits in der altägyptischen Mythologie. Das Dreieck steht in der christlichen Theologie für die unlösbare Einheit von Gott Vater, Jesus Christus (Gottes Sohn) und dem Heiligem Geist: die Dreieinigkeit, Trinität. Das Auge der Vorsehung ist seit dem 17. Jahrhundert auch Teil der Freimaurer-Symbolik. Heutige Verschwörungstheoretiker bringen es mit der Geheimgesellschaft der Illuminati in Verbindung. Abb. 3.3: Das „allsehende Auge“. Die lateinischen Worte „ANNUIT OCEPTIS“ über der Pyramide setzen sich aus 13 Buchstaben zusammen und bedeuten so viel wie „Er (Gott) war unserem Anfang gnädig“. Unter der Pyramide dann die lateinischen Worte „NOVUS ORDO SECLORUM“. Hierbei handelt es sich um ein Zitat des römischen Philosophen Vergil. Er beschreibt die utopische Hoffnung auf eine goldene Ära. Mancher deutet ihn als einen Hinweis auf das kommende Reich der Freimaurer und das doppelzüngige Ende des Schriftbandes als Warnung vor den Kräften, die die neue Weltordnung durch Lügen verhindern wollen? Abb. 3.4: Die neue Weltordnung. Abb. 3.5: Doppelzüngig. Legt man das Hexagramm auf die Pyramide, so weisen die Ecken auf fünf Buchstaben: „A, N, O, M, S“. Durch Umstellung der Buchstaben erhält man das Wort „MASON“ – Freimaurer. Es ist also ein Anagramm. Anagramme sind geheimnisumwittert, da sich mit ihnen Text verschlüsseln lassen. „Ein sehr populäres Beispiel für die Verschlüsselung durch Anagrammisierung stammt vom italienischen Philosophen, Mathematiker, Physiker und Astronomen Galileo Galilei. Als Galilei Erkenntnisse über den Planeten Saturn und dessen Ringe erlangte, tat er dies kurzerhand mit dem nachfolgenden Anagramm kund: SMAISMRMILMEPOETALEVMIBVNENVGTTAVIRAS. Seine Zeitgenossen konnten den Sinn, der dahinter steckt, allerdings nicht entschlüsseln, bis Galileo Galilei den lateinischen Klartext nannte: Altissimvm planetam tergeminvm observavi (dt: „Ich beobachtete den höchsten Planeten in dreigestaltiger Form“).“[9] Abb. 3.6: Aus den angezeigten Buchstaben ergibt sich ein Anagramm: MASON. Charles Thomson, der vom US-Kongress den Auftrag erhalten hatte, den Entwurf des Siegels vorzulegen, erläuterte dagegen die Darstellung wenig spektakulär: „Die Pyramide verkörpert Stärke und Ausdauer. Das Auge und das Motto darüber weisen auf die vielfachen zeichenhaften Eingriffe der Vorsehung zugunsten der amerikanischen Sache ihn.“[10] Ein drittes Siegel ist auf der Vorderseite der Note zu erkennen: Das grüne des Department of the Treasury (Schatzamt). Es zeigt neben Waage und Schlüssel einen Zimmermanns-Winkel, also wiederum ein Freimaurer-Symbol. Auf ihm sind, wen wundert es, 13 Sterne. Für manchen Betrachter deuten viele der abstrakten Symbole auf die Verwendung von Zahlenmagie hin.[11] Die Zahl „13“ kommt elfmal auf der Note vor: Abb. 4: Das Winkelmaß im Siegel des Department of the Treasury. Die Primzahl gilt in vielen Kulturen als Unglückszahl oder Glückszahl. „Der Dreizehnte“ ist ein Synonym für den Teufel. Eine Anzahl von 13 Teilen wird auch als Teufelsdutzend bezeichnet. Wir sprechen von Freitag, den 13., und hoffen, dass nichts Schlimmes an diesem Tag passiert. Im Tarot ist die 13 dem Tod (französisch La Mort) zugeordnet. Die irrationale, abergläubische Furcht vor der Zahl 13 geht manchmal so weit, dass in Gebäuden das 13. Stockwerk „fehlt“ oder in Hotels auf die Zimmernummer 13 verzichtet wird. Die Dreizehn begegnet uns auch in religiösen Texten. Z.B. werden im 2. Buch Mose die 13 Eigenschaften Gottes angeführt. Bei den Maya gab es in ihrer klassischen Periode dreizehn Himmel, in mehreren Kalendersystemen des präkolumbianischen Mesoamerika existierten dreizehntägige Zeiteinheiten. Der eigentliche Blickfang der Vorderseite ist jedoch das Porträt Georg Washingtons. Es ist in einem Oval eingeschlossen, das durch eine waagerechte Verlängerung links und rechts die Form des griechischen Buchstabens Omega bekommt. Der Buchstabe Ω ist der letzte im griechischen Alphabet und wurde von den frühen Christen als Symbol für das Ende aller Dinge verstanden. Ovason sieht hierin ein Symbol „für die zukünftigen Verhältnisse, die die amerikanische Nation anstrebt. Es ist so, als ob sein vom Buchstaben Omega umgebenes Porträt den Eindruck erwecken soll, dass Washingtons Geist immer noch das Schicksal der amerikanischen Nation leitet.“[12] Abb. 5: Georg Washington im „Omega“. Aber befindet sich Washingtons Porträt überhaupt auf der Note? Verschwörungstheoretiker meinen in ihm den Illuminati-Gründer Adam Weishaupt zu erkennen. Und in der Tat – die Ähnlichkeit des jungen Washington mit dem Antlitz des jungen Weishaupts ist verblüffend. Ferner meinen sie, dass ihre Ansichten durch ein kleines Detail bestätigt wird. Am Rand der rechten oberen Einfassung der „1“, ist eine winzige Eule zu sehen. Beim Illuminaten-Orden war die Eule das Symbol der Weisheit. Dabei bezog man sich auf die griechische Mythologie. Die Eule – genau genommen der Steinkauz – war der griechischen Göttin Athene, der Göttin der Weisheit und der Stadtgöttin Athens, heilig. Abb. 6: Die Eule. Sie sollten meine Ausführungen nicht allzu ernst nehmen, auch habe ich keineswegs die „geheimen Botschaften“ der Ein-Dollar-Note erschöpfend behandelt. Vielmehr war es meine Absicht zu zeigen, wie mit etwas Fantasie und Kreativität eine „schöne, geheimnisvolle“ Geschichte entsteht, die hoffentlich unterhaltsam und lehrreich war. Uwe Bronnert Anmerkungen: [1] David Ovason, Der Dollar, Die Enthüllung seiner geheimen Symbole und deren verborgener Magie, Rottenburg 2005. [2] „Esoterik (von altgriechisch ἐσωτερικός esōterikós ‚innerlich‘, dem inneren Bereich zugehörig‘) ist in der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs eine philosophische Lehre, die nur für einen begrenzten „inneren“ Personenkreis zugänglich ist, im Gegensatz zu Exoterik als allgemein zugänglichem Wissen. Andere traditionelle Wortbedeutungen beziehen sich auf einen inneren, spirituellen Erkenntnisweg, etwa synonym mit Mystik, oder auf ein „höheres“, „absolutes“ Wissen.“ < https://de.wikipedia.org/wiki/Esoterik> (16.06.2020) [3] „Die Freimaurerei, auch Königliche Kunst genannt, versteht sich als ein ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Sie sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden. Die Freimaurer organisieren sich in sogenannten Logen. … Nach ihrem Selbstverständnis vereint die Freimaurerei Menschen aller sozialen Schichten, Bildungsgrade und Glaubensvorstellungen. Die Konstitution (Alte Pflichten) der ersten Großloge wurde am 28. Februar 1723 im britischen Postboy öffentlich beworben und bildet die Grundlage der heutigen Freimaurerei. Gemeinsam mit den Salons, den Lesegesellschaften und anderen Zusammenschlüssen der frühen Aufklärung bildeten die Logen in ganz Europa eine neue Form von Öffentlichkeit und trugen zur Verbreitung aufklärerischer Ideen bei.Freimaurer haben sich der Verschwiegenheit und insbesondere dem Grundsatz verpflichtet, freimaurerische Bräuche und Logenangelegenheiten nicht nach außen zu tragen (Arkanprinzip, Verschwiegenheitspflicht).“ (16.06.2020) [4] „Die Freimaurerei, auch Königliche Kunst genannt, versteht sich als ein ethischer Bund freier Menschen mit der Überzeugung, dass die ständige Arbeit an sich selbst zu einem menschlicheren Verhalten führt. Die fünf Grundideale der Freimaurerei sind Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Sie sollen durch die praktische Einübung im Alltag gelebt werden. Die Freimaurer organisieren sich in sogenannten Logen. … Nach ihrem Selbstverständnis vereint die Freimaurerei Menschen aller sozialen Schichten, Bildungsgrade und Glaubensvorstellungen. Die Konstitution (Alte Pflichten) der ersten Großloge wurde am 28. Februar 1723 im britischen Postboy öffentlich beworben und bildet die Grundlage der heutigen Freimaurerei. Gemeinsam mit den Salons, den Lesegesellschaften und anderen Zusammenschlüssen der frühen Aufklärung bildeten die Logen in ganz Europa eine neue Form von Öffentlichkeit und trugen zur Verbreitung aufklärerischer Ideen bei.Freimaurer haben sich der Verschwiegenheit und insbesondere dem Grundsatz verpflichtet, freimaurerische Bräuche und Logenangelegenheiten nicht nach außen zu tragen (Arkanprinzip, Verschwiegenheitspflicht).“ (16.06.2020) [5] „Der Illuminatenorden wurde am 1. Mai 1776 vom Ingolstädter Professor Adam Weishaupt gegründet und verfolgte das Ziel, die Menschheit mittels der Aufklärung aus der Herrschaft durch Thron und Altar zu befreien.Mit der Zerschlagung des Ordens in Bayern entstanden viele Spekulationen über den Orden: man sagte ihm nach, er existiere im Verborgenen weiter und habe den Samen für die Französische Revolution gelegt. Mit der Zeit wandelten sich die Theorien um den Orden, sodass der Begriff Illuminaten bald nicht mehr für einen Bund von radikalen Aufklärern stand, sondern für eine elitäre Gruppe die hinter den Kulissen die Fäden zieht und deren Ziel eine Neue Weltordnung ist.“https://verschwoerungstheorien.fandom.com/ de/wiki/ Illuminatenorden> (17.06.2020) [6] David Ovason, S. 40. [7]Die wahre Bedeutung der US Ein-Dollar-Note und ihre Symbolik. (10.3.2020) [8] Die Numerologie ist eine der ältesten „Geheimwissenschaften“, die sich mit der Zahlendeutung beschäftigt. [9] Anagramm. (21.06.2020) [10] Michael Blume, Was bedeuten Pyramide und Schrift auf der US-Dollarnote? (15.02.2020) [11] S. Die wahre Bedeutung der US Ein-Dollar-Note und ihre Symbolik [12] David Ovason, S. 72. Quelle für die Abbildungen 2.2 – 2.4, 3.2 – 3.6, 4, 6: (10.06.2020)

  • Kein Notgeld, sondern Kunstblätter!

    Die beiden Notgeldserien der Stadt Münster vom 1. August 1921 Mit Datum vom 1. August 1921 gab die Stadt Münster in Westfalen zwei verschiedene Serien von Notgeldscheinen aus. Entworfen wurden die Scheine vom Paderborner Maler und Grafiker Josef Domenicus (1885 – 1973), der auch für andere Emittenten arbeitete. 1) Seine Arbeiten sind meist an der Signatur "JD" erkennbar. Die erste Serie mit Stadtbildern bestand aus fünf 50-Pfennig-Scheinen, während die zweite der Geschichte der Wiedertäufer gewidmet ist und die gleiche Anzahl von Scheinen umfasste, allerdings zu 2 Mark. Die Münsteraner Scheine wurden in Hannover bei Gebrüder Jänecke gedruckt. Die Vorderseite der Stadtbilder-Serie ist einheitlich gestaltet und zeigt die Ansicht Münsters im Jahre 1570 sowie das Stadtwappen. Neben dem Wappen, links die Unterschrift des Oberbürgermeisters Dr. Sperlich und rechts des 2. Beigeordneten Berenberg. Der Druck der Vorder- und Rückseite auf dem wasserzeichenlosen, weißen Papier ist schwarz und der Unterdruck olivfarben. Die Rückseiten der 100 x 85 mm großen Scheine zeigen bekannte Bauwerke Münsters. Während des Zweiten Weltkriegs wurden alle Gebäude durch Bomben stark beschädigt oder zerstört und in den 1950er Jahren wieder aufgebaut. Abb. 1: 50 Pfennig, 1. August 1921, gemeinsame Vorderseite. Abb. 2: 50 Pfennig, 1. August 1921, Rückseite: Rathaus. Abb. 3: 50 Pfennig, 1. August 1921, Rückseite: Westwerk des Doms. Abb. 2: 50 Pfennig, 1. August 1921, Rückseite: Rathaus. Abb. 3: 50 Pfennig, 1. August 1921, Rückseite: Westwerk des Doms. Abb. 6: 50 Pfennig, 1. August 1921, Rückseite: Schmisinger Hof. Die 112 x 86 mm großen Scheine der Wiedertäufer-Serie wurden auf gelbbraunem Papier mit Wasserzeichen „Rautensternmuster“ gedruckt, und zwar der Hauptdruck schwarz und der Unterdruck blau und rot. Unterschrieben wurden die Scheine vom Oberbürgermeister Dr. Sperlich und dem Stadtsyndikus Darius. Der Text stammt von Karl Wagenfeld (1869–1939), einem westfälischen Mundart-Dichter, und ist im "Mönsterlänner Platt" verfasst. Die Gestaltung der fünf Notgeldscheine ist ähnlich; auf der Vorderseite eine bildliche Darstellung und links und rechts davon die Wertangabe: „2 Mark“. Über der Abbildung ein Text und am unteren Rand zweizeilig: „NOTGELD DER STADT / MÜNSTER I./W.“. Die Rückseite erinnert an Begebenheiten in Münster währen der Herrschaft der Wiedertäufer. Über und unter dem Bild ein Text. Am unteren Rand klein zweizeilig „EINLÖSUNGSTERMIN 1 MONAT NACH ÖFFENTL. AUFRUF / MÜNSTER, DEN 1. AUGUST 1921 . DER MAGISTRAT:“ Es folgen die Unterschriften des Oberbürgermeisters und des Stadtsyndikus. Neben diesem Block die Wertangabe. In der rechten unteren Ecke auf dem Scheinrand „DRUCK: GEBRÜDER JÄNECKE, HANNOVER“. Verkauft wurden die Scheine in einer braunen Falttasche, die auf der Vorderseite den Titel der Notgeld-Serie nennt und auf der Rückseite für die Stadt wirbt. Die beiden Innenseiten schildern die Geschichte der Wiedertäufer in Münster. Abb. 7.1: Vorderseite der Falttasche. Abb. 7.2: Rückseite der Falttasche. Abb. 7.3: Linke Innenseiten der Falttasche. Abb. 7.4: Rechte Innenseiten der Falttasche. Die "Westdeutsche Sammler-Rundschau" 2) schrieb über die Wiedertäufer-Serie: „Um es gleich vorweg zu sagen. Es ist einer ehrwürdigen Stadt mit großer Geschichte würdig. … Als am Ausgang des Mittelalters die Wiedertäufer in Holland, Oesterreich, Ungarn, Spanien usw. und in Deutschland Fuß faßten, war hier einer der hervorragendsten Brandherde Münster. Diese Episode behandelt das Geld in ungeahnt hoher Kunst. Künstler und Dichter von hohem Ansehen (Josef Domenikus und Karl Wagenfeld) bringen hier ein Meisterwerk von seltenem kulturhistorischem Wert. Von Effekthascherei oder fader Originalität keine Spur, wohl aber echte herrliche Notgeldkunst. – Jan Bockelsohn, der ‚gesalbte König von Sion‘, sein nimmermüder Scharfrichter Knipperdollnick, die vom ‚hl. Geiste erleuchteten‘ Minister Krechting und Rottlmann geben den ersten Scheinen die besondere Note. Es folgt dann die Ausrufung des ‚Neuen Reiches Gottes auf Erden‘ und das Wüten der Sektierer gegen die Ehe, die in der Erschießung von 36 Bürgern im Dom zu Münster zum Ausdruck kommt: dann das großartige Wappen und der stolze Wahlspruch König Jans:‚Ein Künink uprecht over all, Ein Godt, ein Geloeve, ein Doepe‘ und nun ein Bild köstlichen Humors: Jan hoch auf seinem Throne vor dem Rathause, die Huldigung seiner Untertanen entgegennehmend. Jan mit Krone, Zepter und Purpur in unnachahmlich ‚graziöser‘, dünkelhafter Aufgeblasenheit und dazu Karl Wagenfeld:‚Dat m’ut’n Snider all’s maken kann, Dat süht m‘ den Jan äs Künink an. ‘Nun ist’s mit der Herrlichkeit aber auch schon vorbei. Durch Verrat fällt die Stadt nach 17monatiger Belagerung in die Hände des Bischofs von Münster. Die nächsten Bilder zeigen die Marterung des Königs, seines Scharfrichters und des Ministers Krechting im Schnee des Januars 1536. Wie die Leichen zum warnenden Exempel hoch oben am Lambertikirchturm in dort jetzt noch vorhandenen Eisenkäfigen aufgehangen wurden, zeigt das letzte Bild als Schlußakt des blutigen Wiedertäuferdramas in Münster.“ Abb. 8.1: 2 Mark, 1. August 1921. Vorderseite: Wappen des Wiedertäuferkönigs, ein von zwei Schwertern durchbohrten gekrönten Globus, zum Teil verdeckt von einem Spruchband des Alphabets. Abb. 8.2: 2 Mark, 1. August 1921. Rückseite: König Jan van Leyden sitzt mit dem Zepter im Arm auf seinem Thron, der zwischen zwei Bögen des Prinzipalmarktes steht. Abb. 9.1: 2 Mark, 1. August 1921. Vorderseite: Brustbild des Wiedertäuferkönigs Jan van Leyden mit Zepter. Abb. 9.2: 2 Mark, 1. August 1921. Rückseite: Prediger Rottmann liest zwei Männern aus einem Buch vor. Abb. 10.1: 2 Mark, 1. August 1921. Vorderseite: Bernt Knipperdollink mit blankem Schwert in der rechten Hand. Abb. 10.2: 2 Mark, 1. August 1921. Rückseite: Zwei begeisterte Männer laufen schreiend durch die Straßen der Stadt. Abb. 11.1: 2 Mark, 1. August 1921. Vorderseite: Berntken Krechting hält die Bibel unter dem rechten Arm. Abb. 11.2: 2 Mark, 1. August 1921. Rückseite: Eine Frau wird durch zwei bewaffnet Männer erschossen. Abb. 12.1: 2 Mark, 1. August 1921. Vorderseite: Die drei Eisenkäfige mit den Leichen am Turm der Lamberti-Kirche. Abb. 12.2: 2 Mark, 1. August 1921. Rückseite: König Jan, Scharfrichter Knipperdollnick und Minister Berntken Krechting werden mit glühenden Zangen zu Tode gequält. Dr. Arnold Keller teilte nicht das überschwängliche Lob des Autors der „Westdeutschen Sammler-Rundschau“. Als Schriftleiter der Zeitschrift „Das Notgeld“, „die für Reinhaltung des Notgeldwesens von allen Mißbräuchen kämpft“, wandte er sich in einem Brief vom 14. Dezember 1921 an die Provinzialregierung von Westfalen. Die Beschwerde richtete sich gegen die Geldschneiderei der Stadt Münster, „die soeben eine ‚Notgeld‘-Reihe von je 5 verschiedenen 50 Pfg. und 2 Mark Scheinen zur Ausgabe bringen will. Diese Reihe mit 12,50 M Nennwert wird an Sammler zudem noch mit 1,50 M Aufschlag verkauft. Wir sehen in der Ausgabe der 2 Mark Werte eine glatte Verhöhnung aller Reichsverordnungen, die nur Werte bis 50 Pfg. duldet und ersuchen darum, auch damit das schlechte Beispiel keine Nachahmung findet, die gesamte Auflage der Münsterer Scheine zu beschlagnahmen und zu vernichten.“ 3) Der Regierungspräsident reagiert hierauf umgehend. Unter Bezugnahme auf die Verfügung 2689 I 2 vom 22. Oktober 1921 forderte er am 2. Januar 1922 den Oberbürgermeister auf, zu Kellers Vorwürfen und einer Zeitungsmeldung bis zum 10. Januar Stellung zu nehmen. 4) In seiner spitzfindigen Antwort vom 9. Januar bestritt der Oberbürgermeister die Notgeldausgabe. Er führte aus, dass „durch den Verkauf der ursprünglich zur Ausgabe als Notgeld bestimmten Kunstblätter nicht [gegen die Verfügung] verstossen worden [sei, da] die Verfügung .. lediglich die Verlängerung der Umlauffrist und die Neuausgabe von Ersatzwertzeichen [betreffe]. Die Ausgabe als Ersatzwertzeichen würde voraussetzten, dass auf übereinstimmenden Beschluss beider städt. Körperschaften und mit nachgesuchter Genehmigung der Aufsichtsbehörde die Kunstblätter einzeln als Zahlungsmittel in den Verkehr gegeben worden wären. Das ist nicht geschehen und auch nicht beabsichtigt. … Die Mitteilung des Münster. Anzeigers, wonach ‚die Einzelscheine im Geldverkehr in der Stadt zugelassen sind‘ ist unzutreffend.“ 5) Wie es scheint hatten die Notgeldscheine, die als Kunstblätter bezeichnet wurden, keine weiteren Folgen für den Oberbürgermeister und die Stadt Münster. Beide Notgeldserien sollten keinen akuten Zahlungsmittelmangel abhelfen, sondern dienten ausschließlich dazu, das Stadtsäckel zu füllen. Den Alleinvertrieb der beiden Serien übernahm kommissionsweise die Büro-Bedarfs-Großhandlung Jos. Mich. Brockmann, Paderborn. Der Verkauf erstreckte sich über einen Zeitraum von 1 ½ Jahren. „Dabei ging der Absatz der ‚Stadtbilder‘ siebenmal schneller vonstatten als derjenige der ‚Wiedertäufer‘.“ 6) Bleibt an dieser Stelle noch anzumerken, dass Josef Domenicus bei der Wiedertäufer-Serie Anleihen beim bedeutenden Soester Renaissance-Künstler Heinrich Aldegrever, eigentlich Hinrik Trippenmäker (* 1502 in Paderborn; † zwischen 1555 und 1561 in Soest), machte. „Nach der Eroberung Münsters in der Johannisnacht 1535 erhielt Aldegrever die Möglichkeit oder den Auftrag, die gefangenen Wiedertäufer zu portraitieren“ 7) Die anschließend erstellten Kupferstiche inspirierten Domenicus. Ein Selbstbildnis Aldegrevers im Alter von 28 Jahren finden wir auf der Rückseite eines 50-Pfennig-Notgeldscheins des Hansa-Kaffes, Soest. Abb. 13.1: Soest, Hansa-Kaffe, o. D., 50 Pfennig, Vorderseite. Abb. 13.2: Soest, Hansa-Kaffe, o. D., 50 Pfennig, Rückseite. Uwe Bronnert Anmerkungen 1) Von ihm stammen z. B. auch Entwürfe für das Notgeld der Städte Lippspringe, Paderborn und Sternberg i. Mecklenburg (Ausgabe vom 23. Januar 1922). 2) Leider fehlen mir hier nähere Angaben. 3) Abgedruckt bei Wilhelm Döll, Notgeldscheine aus der Stadt und von der Landesbank Münster i/W. 1918 – 1947, Ein Beitrag zur Heimatgeschichte, Eigenverlag 1988, S. 7. 4) S. ebenda, S. 8. 5) Ebenda. 6) Ebenda, S. 6. 7) Stadtmuseum Münster (Hrsg.), Die Wiedertäufer in Münster, Ausstellung 1. Oktober 1982 bis 30. Januar 1983, 2., verbesserte Auflage, Münster 1982, S. 174 f.

  • Die Ausgabe der Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ) vom 1. Januar 1939

    Die Bank von Griechenland begann ihre Tätigkeit am 14. Mai 1928. Zunächst nutzte sie die Geldzeichen ihrer Vorgängerin, der Nationalbank von Griechenland. Diese Banknoten erhielten einen roten Aufdruck mit dem neuen Banknamen. Zwischen 1933 und 1936 folgte dann die erste eigene Banknotenserie und mit Ausgabedatum vom 1. Januar 1939 eine zweite, eine aus vier Nominalen bestehende Reihe.1) Als Italien am 28. Oktober 1940 Griechenland den Krieg erklärte, befand sich erst die 50-Drachmen-Note im Umlauf. Der in London bei Thomas De La Rue gedruckte Schein gelangte ab 1. Juni 1940 in den Verkehr. Die Vorderseite zeigt in einem Medaillon das Brustbild Hesiods 2) und am unteren Rand eine kleine Darstellung des Weißen Turms in Thessaloniki, während auf der Rückseite Poseidon 3), Apollon 4) und Artemis 5) sitzend abgebildet werdend. Die Drei sind Teil der panathenischen Prozession auf dem Parthenon-Fries. 6) Das Wasserzeichen gibt das Kopfbild der Göttin Athene 7) im ausgesparten runden Feld wieder. Abb. 1.1: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 50 Drachmen, Vorderseite. Abb. 1.2: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 50 Drachmen, Rückseite. Die drei anderen Nominale wurden ebenfalls in London gedruckt, diesmal jedoch von Bradbury, Wilkinson & Co. Ltd. Die Note zu 1000 Drachmen gelangte ab 16. November 1940 in Umlauf. Auch bei diesem Schein ist die vorherrschende Farbe Grün. Die rechte Seite ziert das Brustbild eines griechischen Mädchens, während die Mitte der Rückseite von der Akropolis und dem Parthenon beherrscht wird, links davon der Kopf der Athene und rechts im ausgesparten Rund ein archaischer Kopf als Wasserzeichen. Abb. 2.1: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 1000 Drachmen, Vorderseite. Abb. 2.2: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 1000 Drachmen, Rückseite. Im gleichen Stil ist auch der Werte zu 500 Drachmen gestaltet, von dem ab 23. Dezember 1940 zwei Millionen Stück ausgegeben wurden. Auf der linken Seite in einem Medaillon das Brustbild einer jungen griechischen Frau und auf der Rückseite eine Ansicht der kleinen Insel Poros im Saronischen Golf nordöstlich der Peloponnes; in der oberen rechten Ecke die Göttin Demeter 8). Ihr Kopf wird auch im ausgesparten Feld auf der linken Seite als Wasserzeichen dargestellt. Auf den Vorderseiten der Banknoten befindet sich unter der Wertangabe in Buchstaben der Text „ΠΛΗΡΩΕΑΙ ΕΠΙ ΤΗ.ΕΜΦΑΝΙΣΕΙ“ (versprechen wir, an den Überbringer zu zahlen). Bei der 500-Drachmen-Note sind auch Geldscheine mit einem Schreibfehler bekannt, bei denen statt „ΕΠΙ“ „ΕΝΙ“ gedruckt wurde. Abb. 3.1: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 500 Drachmen, Vorderseite. Abb. 3.2: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 500 Drachmen, Rückseite. Abb. 4.1: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 500 Drachmen, mit Schreibfehler, Vorderseite. Abb. 4.2: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 500 Drachmen, mit Schreibfehler, Rückseite. Die Note zu 100 Drachmen wurde nicht ausgegeben. Auf der Vorderseite trägt eine Bäuerin auf der Schulter einen Tonkrug, während eine zweite eine Ährengarbe im Arm hält. Die Rückseite bildet den Löwen von Chaironeia vor einer Landschaftsdarstellung ab sowie in der unbedruckten Fläche das Wasserzeichen, den Kopf des sog. Kasseler Apollo im Palazzo Vecchio in Florenz. „Während der Banknotenumlauf sich in den Jahren 1936 – 38 zwischen 6 und 8 Milliarden Drachmen bewegte, wurden schon Ende 1939 nach einem Höchststand von 10,6 Milliarden Drachen ein Umlauf von 9,4 Milliarden Drachen ausgewiesen. Der griechisch-italienische Krieg im Jahre 1940 brachte eine Zunahme von 63,6 % infolge gesteigerten Staatsbedarfs, Preiserhöhung und gewisser Hortungserscheinungen in ländlichen Bezirken. Im letzten veröffentlichen Ausweis der Bank von Griechenland vom 31.3.1941 erreichte der Zahlungsmittelumlauf den Stand von 19 Milliarden Drachen. Somit war bereits bei Beginn der deutsch-italienischen Besetzung Griechenlands eine Erhöhung des Banknotenumlaufs von mehr als 100 % gegenüber dem Vorkriegsstand zu verzeichnen.“ 9) Auf diesem Hintergrund wird verständlich, dass die Bank von Griechenland höhere Nominale für den Zahlungsverkehr benötigte. Die noch nicht ausgegebenen 100-Drachmen-Noten wurden mit einem starken Aufdruck des neuen, höheren Wertes und zusätzlichem „ΑΘΗΝΑΙ 1939“ (Athen 1939) versehen und ab 9. April 1941 in Umlauf gegeben. Abb. 5.1: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 100 Drachmen, nicht ausgegeben, Vorderseite. Abb. 5.2: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 100 Drachmen, nicht ausgegeben, Rückseite. Wegen des Kriegsverlaufs verließ die griechische Regierung und die Leitung der Bank von Griechenland auf dem Dampfer "Zakynthos", begleitet vom Torpedoboot "Kydoniae" Athen Richtung Kreta. Im Hafen von Monemvasia, im Südosten der Peloponnes-Halbinsel, wurden die Schiffe durch die deutsche Luftwaffe bombardiert. Hierbei sank das Torpedoboot, auf dem Wertsachen der Bank von Griechenland vor dem deutschen Zugriff in Sicherheit gebracht werden sollten, darunter befanden sich auch noch nicht überdruckte 100-Drachmen-Banknoten. Eine Anzahl dieser Scheine gelangte dabei in unbefugte Hände. Die Bank von Griechenland warnte in ihrem Rundschreiben 74 vom 24. Juli 1941 vor 100-Drachmen-Noten, die mehr oder weniger geschickt zu 1000-Drachmen-Noten verfälscht wurden. Nach Angaben der griechischen Notenbank waren die folgenden Serien von den Fälschungen betroffen: Λ091 – Λ100; M081 – M090; Ν071 – Ν080; Ξ061 – Ξ070; Ο051 – Ο060; Π041 – Π050; Ρ031 – Ρ040; Σ021 – Σ030 und T011 – T020. Die Reichskreditkassenverwaltung wies im September 1941 ihrerseits die Kassen und die Truppenkassen zusätzlich darauf hin, dass die 100-Drachmen-Banknoten nicht umlauffähig seien und dass diese daher auch nicht in Zahlung genommen werden dürften. 10) Im März 1942 folgte auch ein Hinweis auf die verfälschten 1000-Drachmen-Noten. Hierbei wies die Reichskreditkassenverwaltung darauf hin, dass die den Kennziffern vorangestellten Buchstaben ebenfalls verfälscht würden, so die Buchstaben Λ in A, P in B, O in Θ, Σ in Z, Ξ in E und die Ziffern 0 in 1. 11) Abb. 6.1: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 1000 Drachmen, Überdruck auf 100 Drachmen, Vorderseite. Abb. 6.2: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 1000 Drachmen, Überdruck auf 100 Drachmen, Rückseite. Abb. 7.1: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 1000 Drachmen, Verfälschung, Vorderseite. Abb. 7.2: Bank von Griechenland (ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ), 1. Januar 1939, 1000 Drachmen, Verfälschung, Rückseite. Möglicherweise wurden wegen der vorkommenden Fälschungen die aufgewerteten 1000-Drachmen-Noten bereits am 11. März 1943 außer Kurs gesetzt, während die anderen Scheine erst am 11. August 1944 eingezogen wurden. Allerdings waren sie zu diesem Zeitpunkt wegen der galoppierenden griechischen Inflation bereits wertlos. Uwe Bronnert Anmerkungen 1) S. hierzu: National Bank of Greece – Welfare Foundation for Social and Cultural Affairs, Greek Banknotes, A Journey, 1822 – 2002, Athens 2005, S. 293 – 298. 2) Hesiod (altgriechisch Ἡσίοδος Hēsíodos; * vor 700 v. Chr. vermutlich in Askra in Böotien) war ein griechischer Dichter, der als Ackerbauer und Viehhalter lebte. Hesiods Werke sind, neben der Ilias und Odyssee von Homer, die Hauptquellen für unser heutiges Wissen über die griechische Mythologie und Mythographie sowie das Alltagsleben seiner Zeit. (https://de.wikipedia.org/wiki/Hesiod) 3) Poseidon (griechisch Ποσειδῶν Poseidṓn) ist in der griechischen Mythologie der Gott des Meeres, Bruder des Zeus und eine der zwölf olympischen Gottheiten, den Olympioi. (https://de.wikipedia.org/wiki/Poseidon) 4) Apollon (altgriechisch Ἀπόλλων, lateinisch Apollo, deutsch auch Apoll) ist in der griechischen und römischen Mythologie der Gott des Lichts, der Heilung, des Frühlings, der sittlichen Reinheit und Mäßigung sowie der Weissagung und der Künste, insbesondere der Musik, der Dichtkunst und des Gesangs; außerdem ist er Gott der Heilkunst und der Bogenschützen. Als im kleinasiatischen Didyma gezeugter Sohn des Göttervaters Zeus und der Göttin Leto (lateinisch Latona) gehörte er wie seine erstgeborene Zwillingsschwester Artemis (lateinisch Diana) zu den Olympischen Göttern, den zwölf Hauptgöttern des griechischen Pantheons. (https://de.wikipedia.org/wiki/Apollon) 5) Artemis (altgriechisch Ἄρτεμις) ist in der griechischen Mythologie die Göttin der Jagd, des Waldes, der Geburt und des Mondes sowie die Hüterin der Frauen und Kinder. (https://de.wikipedia.org/wiki/Artemis) 6) Der Parthenon (griechisch παρθενών „Jungfrauengemach“) ist der Tempel für die Stadtgöttin Pallas Athena Parthenos auf der Athener Akropolis. Die Außenwand der Cella wurde von einem Fries bekrönt, der die große Prozession während der Panathenäen, des größten jährlich stattfindenden Fests zu Ehren der Athena, zeigte. Heute befinden sich die meisten dieser Reliefs und Skulpturen als Elgin Marbles im Britischen Museum. (https://de.wikipedia.org/wiki/Parthenon) 7) Athene oder Athena (Ehrentitel: Pallas Athene) ist eine Göttin der griechischen Mythologie. Sie ist die Göttin der Weisheit, der Strategie und des Kampfes, der Kunst, des Handwerks und der Handarbeit sowie Schutzgöttin und Namensgeberin der griechischen Hauptstadt Athen. Sie gehört zu den zwölf olympischen Gottheiten, den Olympioi. (https://de.wikipedia.org/wiki/Athene) 8) Demeter (griechisch Δημήτηρ, Δήμητρα, Δηώ) ist in der griechischen Mythologie eine Muttergöttin aus dem griechisch-kleinasiatischen Raum. Sie gehört zu den zwölf olympischen Gottheiten, den Olympioi, und ist zuständig für die Fruchtbarkeit der Erde, des Getreides, der Saat und die Jahreszeiten. (https://de.wikipedia.org/wiki/Demeter) 9) Paul Hahn, Die griechische Währung und währungspolitische Maßnahmen unter der Besetzung 1941 – 1944, Studien des Instituts für Besatzungsfragen in Tübingen zu den deutschen Besetzungen im 2. Weltkrieg, Nr. 10, Tübingen 1957, S. 11. 10)Bundesarchiv Berlin (BA), R29/233, TAO 110/41 vom 17., 18. oder 19.9.1941 (Datum unleserlich). 11) BA Berlin, R29/425, TAO 41/42 vom 4.3.1942.

  • Die Affäre Grünenthal (1898)

    Die Affäre Grünenthal hat alles, was ein guter Krimi braucht. Begonnen hatte die Geschichte am 11. März 1898 mit einem mysteriösen Fund auf einem Friedhof in Berlin-Kreuzberg. An diesem Freitag besuchte die Ehefrau des Oskar Kunschmann den Friedrich-Werderschen Kirchhof in der Bergmannstraße. Ihr Ziel war das Grab der ersten Frau ihres Ehemannes, der als Korrektor in der Reichsdruckerei tätig war. Sie bemerkte, dass sich die auf dem Grab liegende Gedenktafel verschoben hatte. Beim Versuch, diese wieder in die richtige Lage zu bringen, entdeckte sie eine große Tüte, die sie zunächst achtlos bei Seite legte. Sie staunte nicht schlecht, als sie diese später untersuchte und darin 44.000 Mark verpackt in Zeitungspapier fand, und zwar 40.000 Mark in Tausendmarkscheinen und 4.000 Mark in Hundertmarkscheinen. Die Reste der Zeitung sollten später noch eine Rolle spielten. Die ehrliche Finderin lieferte den „Schatz“ bei der Polizei ab. Alle Tausender waren vom 10. April 1896 und die Hunderter vom 1. Mai 1891. Sofort kam der Verdacht auf, dass es sich um Falschgeld handeln müsse, da einige Noten dieselbe Nummer trugen. Andererseits konnten die Experten der Reichsbank keinen Unterschied zu anderen Noten dieser Ausgaben entdecken. Woher stammte also das Geld? Schon bald zog man einen Diebstahl bei der Reichsdruckerei in Betracht. DEU-8: Deutsche Reichsbank, Reichsbanknote zu 100 Mark vom 1. Mai 1891, Vorder- und Rückseite. Aufgrund der Anzeige eines ehemaligen Angestellten der Reichsdruckerei geriet der 44-jährige, ehemalige Oberfaktor der Reichsbank, Paul Hugo Grünenthal, ins Visier der Ermittlungsbehörden. Grünenthal wurde zu Schlaben bei Neuzelle in der preußischen Provinz Brandenburg geboren. Er erlernte den Beruf des Druckers und war zuerst in der Druckerei von Priemen u. Sohn in Lübben beschäftigt. 1875 trat er in die v. Deckersche Oberhofdruckerei, der späteren Reichsdruckerei, ein und war dort bis zum Jahr 1883 als Schriftsetzer tätig. Dann wechselte er ins Betriebsbüro und brachte es vom Bürogehilfen bis zum Oberfaktor mit einem Jahresgehalt von 3.300 Mark und 540 Mark Wohnungsgeldzuschuss. Wegen einer mehrmonatigen Erkrankung kam es dann 1897 zu einer Auseinandersetzung mit der Leitung der Reichsdruckerei, sodass er im Oktober von sich aus den Staatsdienst quittierte, ohne Anspruch auf die gesetzliche Pension zu erheben. Im gleichen Jahr zog er von der Camphausenstraße 2 in die Blücherstraße. Hier mietete er sich in der ersten Etage ein luxuriös ausgestattetes Zimmer nebst Kabinett. DEU-12: Deutsche Reichsbank, Reichsbanknote zu 1000 Mark vom 10. April 1896, Vorder- und Rückseite. „Bei einer in seiner Wohnung vorgenommenen Haussuchung wurden 63.239 Mark in baarem Gelde und in Werthpapieren aufgefunden, darunter einen Tausendmarkschein, der gleichfalls das Datum des 1. April 1896 [sic!] trug und neun Hundertmarkscheine mit dem Datum vom 1. Mai 1891. Außer diesem Gelde hatte Grünenthal noch verborgen in Werthpapieren unter anderem: a) 23.000 Mark zum Nominalbetrag von 16.000 Mark auf dem Grabe des Rentiers Liebert auf dem Friedrich-Werderschen Kirchhof: b) 28.000 Mark zum Nominalbetrage von 15.100 Mark auf dem Jerusalemer Kirchhofe; c) 81.800 Mark zum Nominalwerth von 41.200 Mark auf dem alten Jakobi-Kirchhof zu Nixdorf. – Ferner wurden bei der jetzt angeklagten Witwe Eichler 30.000 Mark zum Nominalbetrag von 30.800 Mark in Werthpapieren gefunden, die ebenfalls Grünenthal gehören und zum Theil vorher auf dem Friedrich-Werderschen Kirchhof versteckt waren. Endlich hatte Grünenthal auf einem Hause in Thale eine Hypothek von 21.000 Mark und an hiesigen Banken ein Bankguthaben von 21.581 Mark beziehungsweise 25.118 Mark, so daß sich – außer den auf dem Grabe aufgefundenen Banknoten – der gesamte Vermögensstand Grünenthals auf 293.729 Mark berechnen ließ.“[1] Er selbst erklärte die Herkunft seines Vermögens folgendermaßen. „Bis zum Jahr 1889 habe er nur ganz geringe Ersparnisse besessen; in diesem Jahr aber habe er in der Schlößfreiheitslotterie 20.000 Mk. gewonnen und mit diesem Gelde an der Börse zu spekuliren angefangen. Er habe nur kurssteigerungsfähige Papiere per Kasse gekauft, so Aktien der Großen Berliner Pferdebahn, Auerglühlicht- und Elektrizitätswerke-Aktien etc. Damit habe er in den letzten neun Jahren nicht weniger als 150.000 Mark verdient und nachweislich bei F. W. Krause in den letzten Jahren allein einen Reingewinn von 70.000 Mk. erzielt. G. weist die Annahme, daß er die Reichsdruckerei bestohlen habe, mit Entrüstung von sich und behauptet, daß bei dem vorzüglichen Kontrolsystem dort ein Diebstahl ganz unmöglich sei.“[2] Der Fall schlug in der Presse so hohe Wellen, dass sich der Reichstag in seiner 66. Sitzung am 21. März 1898 damit befasste.[3] Der Abgeordnete Graf von Arnim eröffnete die Diskussion mit dem folgenden Beitrag: „Meine Herren, ein Vorgang in der Reichsdruckerei, der auch die Reichsbank berührt, hat in den letzten Tagen die öffentliche Meinung beschäftigt. Die Blätter meldeten die Verhaftung des Oberfaktors der Reichsdruckerei, der, soweit die Untersuchungen ergeben, nicht unerhebliche Beträge von Tausendmarkscheinen entwendet habe …“ Er führte weiter aus, dass der Vorgang weite Kreise der Bevölkerung beunruhige, denn nach Gerüchten seien kolossale Mengen an Banknoten abhanden gekommen. Diese irrige Annahme beruhe darauf, dass über die Kontrollen bei der Herstellung von Banknoten nichts bekannt sei. So würde vielfach angenommen, dass für jede Banknote eine zweite hergestellt würde und dann nur die bessere von ihnen in Umlauf käme. „Dies ist irrig; vielmehr werden etwa 10 Prozent von denjenigen Noten, die in Arbeit sind, kassirt und gelangen nicht zur Ausgabe. Zu bemerken ist aber, daß selbst diese nicht vollwerthigen, nicht normal hergestellten Banknoten oft einen so geringen Unterschied gegenüber den zur Ausgabe gelangenden aufweisen, daß selbst die Reichsbank – und natürlich das Publikum erst recht –, wenn diese Noten eingelöst werden, nicht erkennen kann, ob diese Noten vollwerthige und normale sind oder zu denjenigen 10 Prozent gehören, welche bei der Herstellung kassirt worden sind.“ Da das Reichspostamt für die Reichsdruckerei zuständig war, äußerte sich der Staatssekretär Generalleutnant von Podbielski zu dem gesagten. Er räumte ein, dass er sich nicht über sämtliche Details äußern könne und dürfe, da es sich hier um einen schwebenden Fall handele und auch noch nicht alles völlig aufgeklärt sei. Er führte aus, dass man die auf dem Friedhof gefundenen Banknoten der Reichsdruckerei vorgelegt habe. Die Prüfung ergab, dass die Noten aus einer Anfertigung stammen würden, die am 14. Januar 1897 endete. Durch eine Verkettung von unglücklichen Umständen sei es dem Oberfaktor Grünenthal gelungen, sich aus dem sogenannten Ausschuss einige Scheine anzueignen. Über die genaue Zahl mochte der Staatssekretär nichts sagen, meinte aber, dass sie nach den Erhebungen nicht in die Millionen gehen würden. Grünenthal habe die Scheine, bei denen die roten Kontrollnummern und Siegel fehlten, nachträglich mit einem Handstempel, zum Teil wohl auch mit einer Handpresse, vervollständigt. Der Staatssekretär erklärte dann den Abgeordneten, wie es zu dem Diebstahl kommen konnte. „Was nun die Manipulation anlangt, so ist ja die Fabrikation in verschiedene Betriebe getrennt, nämlich in die sogenannte Appretur und in die verschiedenen Druckstationen. Dabei ist es immer nothwendig, daß über den Betrag der fertiggestellten Stücke hinaus, wie Herr Graf von Arnim bereits erwähnte, ungefähr 10 Prozent mehr einzelne Papierstücke zugezählt werden, weil bei der Herstellung durch weniger gut ausgeführte Scheine ein Verlust eintritt. Dieser Ueberschuß wird am Schluß der Fabrikation als Ausschußwaare nach den Bestimmungen durchlocht, aber anscheinend sind [sie] damals im letzten Moment … ungelocht in das Tresor eingeschlossen worden. Die zweite Verkettung ist, daß der Beamte, der den zweiten Schlüssel zum Tresor gehabt hat, an dem Tage Nachmittags krank geworden ist und dieser Oberfaktor gesagt hat: morgen früh müssen wir die Arbeit weiter machen, gieb mir doch den Schlüssel! … auf diese Weise hat der Beamte an dem Tage den Zutritt zum Tresor gehabt. Nun kommt eine weitere Manipulation. Diese Scheine werden vor der Vernichtung wieder gezählt, und dabei muß nun dieser betreffende Oberfaktor sich wahrscheinlich diejenigen Packete, aus denen er einzelne Scheine herausgezogen hat, zur Zählung auf seinen Platz herübergeschoben haben. … Anscheinend sind bei dem Verbrennen nicht so viele Scheine verbrannt worden, wie die Verwaltung selbst geglaubt hat. Diese Scheine sind nachher von ihm genommen und mit Nummern versehen [worden]. Diese Scheine, die dort aufgedruckt sind, entstammen vergangenen Jahren, wie wir sehen können, den Jahren 1892 und 1893.“ Diese Darstellung hat jedoch einige Unstimmigkeiten: Zum Öffnen des Tresors benötigte man einen zweiten Schlüssel, der jedoch von einem weiteren Beamten verwahrt wurde. Wie sollte Grünenthal an diesen Schlüssel gekommen sein? Auch bestritt der erkrankte Beamte, den Schlüssel dem Oberfaktor ausgehändigt zu haben. Von Podbielski fügt noch hinzu, dass sich der Dieb, wie so oft bei solchen Fällen, selber denunzierte. So habe man aus den Überresten der Zeitung, die zum Einschlagen der Banknoten und Wertpapiere benutzt worden sei, die Ausgabe ermitteln können. Es handele sich um eine Beilag zur „Staatsbürgerzeitung vom 9. Dezember 1897 „und diese Nummer fand sich nicht unter den von ihm sorgsam aufgehobenen Zeitungen: sämmtliche Nummern waren in seiner Stube zu finden, nur diejenigen Nummern, zu denen die Zeitungsüberreste, die dort auf dem Kirchhof bei den Werthpapieren gewesen sind, gehören, haben gefehlt, und das ist für ihn als Verdachtsmoment mit geltend gemacht worden.“ Der Staatssekretär schloss seinen Vortrag mit dem Hinweis, dass der Beschuldigte bereits im Herbst vorigen Jahres pensioniert worden und seit dem 1. Januar d. J. überhaupt nicht mehr in der Reichsdruckerei anwesend gewesen sei. Er vergaß allerdings dabei zu erwähnen, dass Grünenthal selbst um den Abschied aus dem Staatsdienst gebeten hatte. In der 74. Reichstag-Sitzung am 31. März 1898 äußerte sich der Staatssekretär nochmals zu den Vorkommnissen in der Reichsdruckerei. Er stellte zunächst heraus, dass seit 1880 in der Reichsdruckerei nahezu 38 Milliarden Banknoten hergestellt wurden und in den 18 Jahren nur dieser eine Vorfall vorgekommen sei. Weiter führte er aus: „Ich habe schon voriges Mal Veranlassung gehabt, darauf hinzuweisen, um wie wenig es sich voraussichtlich handelt, daß es sich nach unseren Erhebungen um höchstens ¼ Millionen Mark handeln könnte; dies hat sich auch bestätigt, und wenn die Herren sich die Zahlen vorhalten, daß wir heute über eine Milliarde Mark Werthzeichen im Umlauf haben, daß wir zirka 500.000 Stück Tausendmarkscheine haben und 5 Millionen Stück Hundertmarkscheine, – und rechnen Sie: demgegenüber stehen dies 160 Scheine zu 1000 Mark und 160 Scheine zu 100 Mark, die voraussichtlich nach der ganzen Zusammenstellung uns fehlen.“[4] Über das Ausmaß der entwendeten Banknoten irrte von Podbielski gewaltig. So bemerkte die Reichsbank: „Bei Einziehung der Reichsbanknoten II. Emission[5] zu M 1000 hat sich ergeben, daß gegenüber einem Emissionsbetrag von 935.000 Stück (= M 935.000.000) bis zum Rechnungsabschluß 935.740 Stück (M 935.740.000) zur Einlösung gelangt sind. Diese Tatsache ist auf die von Grünenthal verübten, in den Verwaltungsberichten von 1898–1903 (Seite 12) erwähnten Fälschungen zurückzuführen. … Durch einen Zufall wurde im März 1898 sein verbrecherisches Treiben entdeckt. … Vor der Entdeckung war es für die Beamten der Reichsbank tatsächlich unmöglich, die Unechtheit der Stücke zu erkennen. Erst nach der Entdeckung gelang dies durch sorgfältige Prüfung des Stempel- und Nummernaufdrucks mit Hilfe einer von der Reichsdruckerei zu diesem Zweck hergestellten, die genaue Lage der Stempel und der Ziffern auf der Druckplatte ersichtlich machenden Glastafel. Seit dem März 1898 wurden auf diese Weise in den damaligen Beständen der Reichsbank und den späteren Eingängen aus dem Verkehr insgesamt M 527.600 in Grünenthalschen Falsifikaten – darunter 147.000 in gefälschten Tausendmarknoten der zweiten, bis zum März 1895 von der Reichsdruckerei gelieferten Emission – nachgewiesen. Für diesen Betrag erhielt die Reichsbank Deckung teils durch Verwertung des beschlagnahmten Vermögens Grünenthals, teils – mit Rücksicht auf die der Reichsdruckerei zufallende Verantwortlichkeit – durch Ersatzleistung von Seiten des Reichs. Offenbar sind jedoch bis zum März 1898 von Grünenthal gefälschte Noten II. Emission zu M 1000 in viel größerer Zahl als nachgewiesen werden konnten, in den Verkehr gebracht, von der Reichsbank trotz sorgfältigster Prüfung unerkannt als echt eingelöst und demnächst verbrannt worden, so daß der Umlauf von echten Noten durch die Verbrennungen sich tatsächlich nicht in dem buchmäßig ausgewiesenen Maße vermindert hat.“[6] Auch in den folgenden zwei Jahrzehnten fand die Reichsbank weitere Grünenthalsche Fälschungen. Die Verwaltungsberichte weisen für nachträglich entdeckte Fälschungen insgesamt 2.551.000 Mark aus. Im Einzelnen: für das Jahr 1907 M 344.000 = 344 Noten für das Jahr 1908 M 316.000 = 316 Noten für das Jahr 1909 M 258.000 = 258 Noten für das Jahr 1910 M 222.000 = 222 Noten für das Jahr 1911 M 177.000 = 177 Noten für das Jahr 1912 M 105.000 = 105 Noten für das Jahr 1913 M 117.000 = 117 Noten für das Jahr 1914 M 73.000 = 73 Noten für das Jahr 1915 M 36.000 = 36 Noten für das Jahr 1916 M 48.000 = 48 Noten für das Jahr 1917 M 40.000 = 40 Noten für das Jahr 1918 M 15.000 = 15 Noten für das Jahr 1919 M 25.000 = 25 Noten für das Jahr 1920 M 8.000 = 8 Noten für das Jahr 1921 M 12.000 = 12 Noten für das Jahr 1922 M 15.000 = 15 Noten Der Verwaltungsbericht für das Jahr 1923 enthält kein Ausweis mehr. Die Staatsanwaltschaft erhob schließlich im Juni 1898 Anklage gegen Grünenthal. Sie beschuldigte ihn, am 14. Januar 1897 aus einem Paket von 500 ungelochten Tausendmarknoten, bei denen Kennnummern und Siegel fehlten und die zur Verbrennung bestimmt waren, 230 Stück entwendet zu haben. Zuhause in der Kamphausenstraße 9 habe er dann mithilfe einer gekauften Boston-Tiegeldruckpresse die Geldscheine vervollständigt. Den vollständigen Stempel und den Ziffernsatz von 0 bis 9 habe er sich aus der Reichsdruckerei auf ca. eine halbe Woche „ausgeliehen“. Ferner wurde er beschuldigt, sich 200 Hundertmark-Banknoten mit dem Datum vom 1. Mai 1891, angeeignet zu haben. Die Noten, bei denen der rote Stempel und die Kennziffern fehlten, seien seit etwa Anfang 1896 in einem kleinen Tresor aufbewahrt worden. Wegen technischer Fragen waren sie der Betriebsleitung I übergeben worden. Hatte Grünenthal zunächst alle Vorwürfe bestritten, so muss er bei den Verhören später doch einiges zugegeben haben. Den die Zeitung berichteten: „Die Fälschungen will Grünenthal erst nach dem 14. Januar 1897 begonnen haben, die Untersuchung hat jedoch ergeben, daß sein verbrecherisches Treiben zum Theil schon weit vor dieser Zeit zurückgreift. Es sind nämlich an verschiedenen Stellen noch sechs in ganz gleicher Weise gefälschte Tausendmarkscheine zum Vorschein gekommen, die zu einem Posten von 1600 Stück Blankets gehören, welche am 25. September 1895 unter Grünenthals Mitwirkung verbrannt werden sollten.“[7] Auf Station I des Untersuchungsgefängnisses Moabit wartete er auf seine Verhandlung vor dem Schwurgericht. Am Montagvormittag, dem 17. Oktober 1898, besuchte er den Gottesdienst in der Anstaltskirche, die im obersten Stockwerk lag. Gegen 9 Uhr war er wieder auf dem Rückweg zu seiner Zelle im Erdgeschoss. „Kaum hatte er das Treppenhaus wieder betreten, als er sich über die Treppenbrüstung schwang und in die Tiefe hinabstürzte. Er blieb unten auf dem Boden liegen, und es konnte sofort festgestellt werden, daß er seine Leiche war. Der Hinterkopf zeigte eine klaffende Wunde, aus welcher Gehirnmasse herausgetreten war. … Der Untersuchungsrichter Landgerichtsrath Brandt und Oberstaatsanwalt Drescher wurden sofort von dem Vorfall benachrichtigt und erschienen in kürzester Frist am Thatorte. Grünenthal, der im Dezember erst 45 Jahre alt geworden wäre, befand sich seit dem 16. März d. J. in Untersuchungshaft.“[8] Trotz des Todes des Hauptbeschuldigten sollte der Prozess gegen die ebenfalls angeklagten Ella Glotz und die Hebamme Margarethe Eichler am folgenden Freitag stattfinden. Ihnen wurde vorgeworfen, wissentlich Beistand geleistet zu haben. Da die Verhandlung keine neuen Erkenntnisse brachte, kann auf eine Darstellung hier verzichtet werden. Anzumerken ist, dass die Geschworenen die beide Frauen von dem erhobenen Vorwurf freisprachen. Insgesamt stellte die Reichsbank 2.551 Grünenthalsche Tausendmark-Fälschungen sicher! Wie konnte der Beschuldigte diese große Anzahl von Noten nicht nur unbemerkt entwenden, sondern auch aus der Reichsdruckerei schaffen. Immerhin würden die Fälschungen aufeinander gelegt eine Höhe von fast 30 cm erreichen, also die Länge eines gebräuchlichen Lineals. Hatte er Komplizen? Waren die Sicherheitsvorkehrungen in der Reichsdruckerei so mangelhaft? War er überhaupt der Täter oder nur der Sündenbock? Fragen, die sich heute nur schwer beantworten lassen. Uwe Bronnert Abb. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv Anmerkungen: Zusammengestellt anhand von Zeitungsberichten der Königlich Privilegirte Berlinische Zeitung, Nr. 121 vom 13. März 1898 (Morgenausgabe) – Nr. 173 vom 14. April 1898 (Morgenausgabe) sowie des Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Nr. 528 vom 17. Oktober 1998 (Abendausgabe) – Nr. 537 vom 22. Oktober 1898 (Morgenausgabe). [1] Der Banknotendiebstahl in der Reichsdruckerei, in: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Nr. 536 vom 21. Oktober 1898, Abendausgabe. [2] Königlich Privilegirte Berlinische Zeitung, Nr. 142 vom 25. März 1898, Abendausgabe [3] http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k9_bsb00002773_00043.html bis http://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k9_bsb00002773_00046.html [4] https://www.reichstagsprotokolle.de/Blatt_k9_bsb00002773_00326.html [5] Anm. d. Verf.: Als II. Emission bezeichnete die Reichsbank die 100-Mark-Noten vom 10. Januar 1883 und vom 5. Mai 1891 sowie die 1000-Mark-Noten vom 2. Januar 1884 und 1. Januar 1891. Die 1000-Mark-Noten wurden stillschweigend, ohne öffentliche Bekanntmachung aus dem Verkehr gezogen. [6] Verwaltungsbericht der Reichsbank für das Jahr 1906, vorgelegt in der Generalversammlung am 4. März 1907, S. 12. [7] Der Banknotendiebstahl in der Reichsdruckerei, in: Berliner Tageblatt und Handelszeitung, Nr. 536 vom 21. Oktober 1898, Abendausgabe. [8] Selbstmord des Oberfaktors Grünenthal, in: Berliner Tageblatt und Handels-Zeitung, Nr. 528 vom 17. Oktober 1898, Abendausgabe.

  • Geldzeichen des Bankhauses Aramburu Hermanos in Cádiz

    Am Ende der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurden auch in Spanien die meisten Zahlungen noch in barer Münze getätigt. Besonders die Finanztransaktionen mit auswärtigen Geschäftspartnern waren daher oft beschwerlich. Hilfe boten hierbei Privatbankiers. Häufig hatte sich ihre Tätigkeit aus dem Warenhandel entwickelt. Dank ihrer Kontakte vermittelten sie auch Zahlungen für Dritte. Dabei bediente man sich der „Tengos“ oder „Quédanes“, die nach und nach in Schuldscheine mit festem Wert umgewandelt wurden, d.h. sie gaben schließlich „echte“ Banknoten aus, ohne dass sie das staatliche Emissionsrecht besaßen. Diese Konkurrenz rief natürlich die Notenbanken auf den Plan, die vom Staat mit dem Emissionsprivileg ausgestattet waren, damals im Wesentlichen die Banco de San Fernando, aus der später die Banco de España hervorging, die Banco de Barcelona und die Banco de Cádiz. Die Banca Aramburu Hermanos in Cádiz war eine der privaten Banken, die mit den konzessionierten Notenbanken konkurrierten. Der Geschäftsmann Don Juan Aramburu y Echezarreta, Ritter des Santiago-Ordens und Oberst der Miliz in Lateinamerika, hatte in Peru ein Vermögen gemacht. Auf einer seiner Geschäftsreisen traf er Josefa Inda Moreno aus Cádiz, in die er sich unsterblich verliebte und die er schließlich heiratete. Aus der Ehe gingen drei Jungen und zwei Mädchen hervor. Der ursprünglich aus dem Baskenland stammende Don Aramburu war in Cádiz als Händler und Steuereinnehmer tätig. 1851 erwarb er das herrschaftliche Haus an der Plaza de San Antonio in Cádiz. Nach dem Tod des Ehepaars gründeten zwei der Kinder die Bank Aramburu Hermanos und bezogen Geschäftsräume im Erdgeschoss des Familienhauses. Das Datum der Unternehmensgründung ist nicht bekannt. In der Literatur werden hierzu verschiedene Jahresangaben gemacht, die von 1840 bis 1870 reichen. In Cádiz wurde Aramburu Hermanos als Bankhaus zwischen 1872 und 1947 geführt, in diesem Jahr wurde die Bank von der Banco de Bilbao übernommen. Bild 1: Banca Aramburu Hermanos an der Plaza de San Antonio in Cádiz, 1920. Quelle: https://calleancha-ars.blogspot.com/2019/10/aramburu-hnos-banqueros-casa-fundada-en.html. Ohne das Emissionsrecht zu besitzen, emittierte das Bankhaus Schuldscheine über 500 und 4000 Reales de Vellon. Diese Inhaberschuldverschreibungen waren ohne feste Fälligkeit und bei Vorlage bar einlösbar, wie der Text auf ihnen verspricht: „Tenemos á disposicion del portador / QUINIENTOS REALES DE VELLÓN / en efectivo, Cádiz, ………….. 18..“. Da diese Dokumente wie Banknoten in der Provinz Cádiz zirkulierten, beschwerte sich die Banco de España am 15. Januar 1875 beim Finanzministerium und man ordnete ihren Einzug an, was ab dem 13. Februar geschah. Im Bankhaus dachte man jedoch nicht daran, dass Feld ohne Weiteres zu räumen, denn am 24. Februar erreichte das Finanzministerium eine neuerliche Beschwerde. Nun gab die Bank Scheine als „Vale a la orden“ aus, die zugunsten von Manuel Barrera, einem Angestellten des Hauses, ausgestellt waren: „Vales por QUINIENTOS reales de vellón que pagaremos á / presentacion á la orden de Dn. ……………….. / …………….. de quien los hemos recibido para / actos de comercio. / CADIZ …. de ………………. 18..“. Zu diesem Zweck wurde der Bankmitarbeiter eigens ins Handelsregister eingetragen. Damit meinte man die Rechtmäßigkeit der „Geldscheine“ zu rechtfertigen, da sie als „Eigenwechsel“ zu gelten hätten. Natürlich verlangte das Finanzministerium auch diesmal ihren Einzug, da auch sie von Hand zu Hand gingen und weder Zahlungsdatum noch Stempel trugen. Bei beiden Ausgaben gelangten „Banknoten“ zu 500 und 4000 Reales de Vellón zur Ausgabe. Die erste Ausgabe wurde von der Druckerei Bradbury, Wilkinson and Company, London, in Tiefdruck und Lithographie ausgeführt. Das Papier zeigt als Wasserzeichen in einer Legende „ARAMBURU HERMANOS CADIZ“. Die Größe des Drucks auf der Vorderseite beträgt ohne die Schnittkante der Matrize 195 mm x 122 mm. Abb. 2.1: Aramburu Hermanos, Cádiz, 18.., 1. Ausgabe, 500 Reales de Vellón, Vorderseite. Abb. 2.2: Aramburu Hermanos, Cádiz, 18.., 1. Ausgabe, 500 Reales de Vellón, Rückseite. Die zweite Ausgabe besteht ebenfalls aus den Werten zu 500 und 4000 Reales de Vellón. Der einfarbige schwarze Druck und die Gestaltung der Vorderseite ist einfacher als bei der vorherigen Ausgabe. Auf der Rückseite verwendete man nochmals den Tiefdruck der Druckerei Bradburg, Wilkinson and Company. Das Papier zeigt in Matrize das Wasserzeichen „FONTANET“. Die Maße des Drucks auf der Vorderseite betragen ohne die Schnittkante der Matrize 170 mm x 116 mm. Abb. 3.1: Aramburu Hermanos, Cádiz, 18.., 2. Ausgabe, 500 Reales de Vellón, Vorderseite. Abb. 3.2: Aramburu Hermanos, Cádiz, 18.., 2. Ausgabe, 500 Reales de Vellón, Rückseite. Heute werden im Münzhandel nur Blanketten dieser Scheine angeboten. Der Preis für wenig gebrauchte Stücke liegt in Spanien bei ca. 80 Euro. Uwe Bronnert

  • ANA Collector Currency – was ist denn das?

    Der Schein, den ich unlängst bekam, hat die Maße einer US-Dollarnote (160 x 70 mm) und sieht auch sonst wie eine Banknote aus. Der Wert wird mit „ONE ANA COLLECTOR CURRENCY“ angegeben. Er hat eine sechsstellige, schwarze Kontrollnummer, die auf der Vorderseite zweimal wiedergegeben wird, den Hinweis „Series 1988“, die Unterschrift des Präsidenten Stephen R. Taylor, eine Siegelabbildung mit der Umschrift „AMERICAN . NUMISMATIC . ASSOCIATION . ORGANIZED 1891 .“ und in deren Mitte die Abbildung einer antiken Öllampe, die auf einer Platte steht und unter der der lateinische Text „DE PROFUNDIS“ vermerkt ist. Es sind die Anfangsworte des Psalm 130: „AUS DER TIEFE rufe ich, Herr, zu Dir.“ In der katholischen Kirche ist es das traditionelle Totengebet bei Begräbnissen. Dass dieser Schein kein allgemeines Zahlungsmittel ist, ist aus dem vierzeiligen Aufdruck „NO CASH VALUE / LEGAL TENDER ONLY AT / AMERICAN NUMISMATIC ASSOCIATION“ ersichtlich. Die Rückseite nennt in der Mitte fünfzeilig, groß nochmals den Emittenten: „AMERICAN / NUMISMATIC / ASSOCIATION / COLLECTOR CURRENCY / ANA“. In den Ecken „1“ bzw. „ONE“. Der Unterdruck besteht aus einer Guilloche. Der gesamte Schein ist in brauner Farbe gehalten. Abb. 1.1: American Numismatic Association, Series 1988, 1 ANA (Dollar), Vorderseite. Abb. 1.2: American Numismatic Association, Series 1988, 1 ANA (Dollar), Rückseite. Die American Numismatic Association (ANA), nicht zu verwechseln mit der bereits 1858 gegründeten American Numismatic Society (ANS), wurde 1891 von Dr. George F. Heath (1850 – 1908) gegründet, um das Wissen über die Numismatik in pädagogischer, historischer und wissenschaftlicher Hinsicht zu erweitern sowie das Interesse am Hobby zu steigern. Der Sitz der Organisation befindet sich in Colorado Springs, Colorado mit Verwaltungsbüros, Bibliothek und Geldmuseum. Die ANA hat heute mehr als 28.000 Einzelmitglieder. Die Mitglieder haben Zugang zu verschiedenen Website-Funktionen, erhalten Rabatte bei Einkäufen numismatischer Artikel sowie die monatliche Zeitschrift „The Numismatist“. Bereits 1888 verteilte Heath eine vierseitige Broschüre, in der er seinen Münzbedarf auflistete, Duplikate zum Kauf anbot und numismatische Themen diskutierte. Seit 1891 veranstaltet die ANA jährlich landesweite Kongresse, seit 1978 sogar zwei pro Jahr. An verdiente Mitglieder verleiht die Organisation den Farran Zerbe[1] Memorial Award, ferner unterhält sie eine numismatische „Hall of Fame“. Kurz vor dem 100-jährigen Bestehen der ANA hatte der damalige Präsident Stephen R. Taylor die Idee einen besonderen Geldschein drucken zulassen. In der Zeitschrift „The Numismatist“ vom Juni 1988 ist nachzulesen, dass die American Bank Note Company (ABNCo) exklusiv für die American Numismatic Association Geldscheine entwarf und druckte. Jeder Schein ist mit einer unverwechselbaren, mehrfarbigen Vignette versehen, die sowohl im Stichtiefdruck als auch im lithografischen Druck auf hochwertigem Sicherheits-Papier gedruckt ist. Die Scheine haben kein Wasserzeichen. Dafür sind als „Fälschungsschutz“ kleine bunte Farbplättchen in den Notendruck eingestreut, wie wir sie auch von den 10-, 20-, 50- und 100-DM Noten der deutschen Währungsreform kennen. Die Collector-Currency-Scheine waren sicherlich in erster Linie als Souvenir-Noten gedacht. Mit ihnen konnten aber auch alle Dienstleistungen und Produkte der ANA, einschließlich des ANA-Zertifizierungsdienstes, der Mitgliedsbeiträge und Käufe im Museumsshop bezahlt werden. Zur Ausgabe gelangten Werte zu 1, 2 (?) und 5 (US-Dollars). Der Wert zu 1 (Dollar) sogar in zwei Farben: Braun und Grün. Abb. 2.1: American Numismatic Association, Series 1988, 1 ANA (Dollar), Vorderseite. Abb. 2.2: American Numismatic Association, Series 1988, 1 ANA (Dollar), Rückseite. Abb. 3.1: American Numismatic Association, Series 1988, 5 ANA (Dollar), Vorderseite. Abb. 3.2: American Numismatic Association, Series 1988, 5 ANA (Dollar), Rückseite. Anlässlich der 100-Jahr-Feier versah man die Scheine auf der Vorderseite mit zusätzlichen roten Aufdrucken. Über der Unterschrift von Taylor wurde eine weitere Unterschrift angebracht: „Kenneth L. Hallenbeck (Jr.) sowie darunter „ANA President 1989 – 1991“. Auf der linken Seite erhielt der Schein in einem Kreis den Aufdruck „CELEBRATING / 100 / YEARS / 1891 – 1991“ und zusätzlich „Non-negotiable“ (nicht einlösbar). Abb. 4: American Numismatic Association, Series 1988, 1 ANA (Dollar), mit Aufdruck „CELEBRATING …“, Vorderseite. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Joseph Farran Zerbe (1871 – 1949) war von 1908 – 1910 Präsident der ANA.

  • Reichskreditkassenscheine als Ersatz für fehlende Reichsbanknoten in Kärnten und Tirol im April 1945

    Trotz schwerer Bombenschäden lief in Berlin die Banknotenproduktion in der Reichsdruckerei, wenn auch eingeschränkt, bis in die letzten Kriegstage weiter. Druckaufträge mussten jedoch auch an private Druckereien erteilt werden. Am 5. März 1945 beauftrage sie Giesecke & Devrient (Leipzig) 500 Millionen Reichsbanknoten zu 5 RM zu drucken und am 27. März folgte ein Auftrag über 5 Millionen Reichsbanknoten zu 1000 RM. Da die Druckplatten bei einem Luftangriff beschädigt wurden, dürften beide Bestellungen nicht mehr zur Ausführung gelangt sein. Auch weitere Druckereien beschäftigte die Reichsdruckerei. Nach einem Schreiben vom 5. März 1945 an das Reichsbankdirektorium waren dies: Albert Frisch (Berlin W 35), Ernst Steininger (Berlin SW 68), Erich Zander (Berlin SW 29), Werner (Reichenbach/Vogtland), Förster & Borries (Zwickau) und Pustet (Regensburg).[1] Noch im April reisten im „arg zusammengeschrumpften unbesetzten Reichsgebiet .. zwei Beamte der Reichsdruckerei umher, um die Tätigkeit der erwähnten Hilfsdruckereien zu überprüfen bzw. um weitere Möglichkeiten zur Verlagerung von Banknoten-Druckaufträgen zu erkunden. Doch die meisten der von ihnen besuchten Privatdruckereien – sie lagen hauptsächlich in Süddeutschland – waren durch Luftangriffe bereits völlig zerstört worden oder es mangelte ihnen an geeignetem Personal. Vielfach war ihnen auch die Front schon so nahe gerückt, daß ihnen schon deswegen keine Aufträge mehr übertragen werden konnten.“ [2] Karte: Das unbesetzte Reichsgebiet am 1. Mai 1945 Quelle: https://en.wikisource.org/wiki/File:1945-05-01GerWW2BattlefrontAtlas.jpg Aber nicht nur deswegen machte sich in den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs in dem noch nicht besetzten Reichsgebiet ein erheblicher Mangel an Zahlungsmitteln bemerkbar. Geldtransporte der Reichsbankzentrale erreichten die Reichsbankfilialen nur noch unregelmäßig oder gar nicht mehr. Viele Verkehrsverbindungen waren wegen der ständigen Luftangriffe unterbrochen. Zudem flutete eine Flüchtlingswelle aus den vom Feind bedrohten Landstrichen in das noch nicht besetzte Gebiet, gefolgt von der auf dem Rückzug befindlichen Wehrmacht. Die zuströmenden Zivilisten und Soldaten verstärkten noch den Zahlungsmittelbedarf, der bereits durch die wegen des Bombenterrors der Alliierten aus den Großstädten evakuierten Frauen und Kindern gestiegen war. In einem Rundschreiben des Reichsbankdirektoriums vom 14. September 1944 erhielten die Reichsbankstellen Instruktionen für den Fall der Feindbesetzung. Unter II. Punkt 5 wurde auch die Ausgabe von Notgeld geregelt. Die Kommunal-verwaltungen sollten bei Bedarf mit Genehmigung bzw. auf Anordnung der Reichsverteidigungskommissare und in Zusammenarbeit mit den örtlichen Reichsbankstellen Notgeld herstellen lassen, das dann durch die Reichsbankfilialen in Umlauf gesetzt werden sollte. Der Gegenwert des Notgelds sollte auf einem Speerkonto gutgeschrieben werden. In Berlin dachte man zu diesem Zeitpunkt vor allem an Wertzeichen zu 10 und 50 Reichspfennig sowie zu einer, fünf und 10 Reichsmark. Das Aushilfsgeld sollte möglichst auf Wasserzeichenpapier gedruckt werden. Um eine ausreichende Reserve zu haben, sollte die zu druckende Geldmenge so bemessen sein, dass sie um 50 Prozent über dem Zwei-Wochen-Bedarf der betreffenden Reichsbankanstalt lag.[3] Es ist anzunehmen, dass nach dieser Anweisung auch vielerorts in den nicht besetzten Gebieten verfahren wurde, wenn die Geldversorgung unterbrochen war und dadurch eine anhaltende Zahlungsmittelknappheit eintrat. Die Reichsgauselbstverwaltung Kärnten emittierte auf Anordnung des Reichsstatthalters in Kärnten, Friedrich Rainer, eigenes Notgeld. Mit Ausgabedatum vom 15. April 1945 gelangten wahrscheinlich durch die Reichsbankstelle in Klagenfurt Notgeldscheine zu 50 Reichsmark in Umlauf. Der genaue Zeitpunkt der Inkurssetzung ist nicht bekannt. In einer Zeitungsnotiz vom 31. Mai 1945 wurde jedoch die Verordnung Nr. 1 der britischen Militärregierung abgedruckt. Hiernach konnten in Kärnten wohnende österreichische Zivilpersonen und Körperschaften des öffentlichen und bürgerlichen Rechts mit Sitz in Kärnten zwischen dem 4. und 8. Juni 1945 die 50-RM-Notgeldscheine bei allen Bankanstalten in Kärnten gegen Reichsbanknoten tauschen. Schöne schätzt die Höhe der gesamten Auflage auf 320.000 Geldscheine. Ursprünglich waren wohl auch Geldzeichen zu 5, 10 und 100 RM geplant.[4] Warum in Klagenfurt eine eigene Notausgabe emittiert wurde, ist nicht bekannt, unterstand doch die Reichsbanknebenstelle Klagenfurt der Reichsbankstelle Graz, die zusammen mit den Reichsbankstellen Salzburg, Innsbruck und Linz am fotomechanischen Nachdruck der Reichsbanknoten zu 10, 50 und 100 RM beteiligt waren. Abb. 1: Reichsgau Kärnten, 15. April 1945, 50 RM, Vorderseite. Einseitiger Druck auf stärkerem Papier ohne Wasserzeichen, Größe: 155 mm x 84 mm. Abb. 2.1/2: Fotomechanischer Nachdruck der Reichsbanknote durch die Reichsbankstellen Graz, Linz, Innsbruck und Salzburg, (24.6.1935), 100 RM, Vorderseite und Rückseite. Trotz der Notgeldausgabe wurden die Zahlungsmittel in Klagenfurt knapp. Da kamen die zurückgezogenen Reichskassenscheine gerade recht, die auch im Tresor der Reichsbanknebenstelle Klagenfurt asserviert waren. So tätigte man hier vorübergehend Auszahlungen mit diesen Reichskreditkassenscheinen. Anders als in Schleswig-Holstein, wo sie mit einem Stempel der Reichsbankstelle/Reichsbanknebenstelle versehen wurden, verzichtete man in Österreich auf eine entsprechende Kennzeichnung. Abb. 3.1: Reichskreditkassen, o. D., 20 RM, Vorderseite. Abb. 3.2: Reichskreditkassen, o. D., 20 RM, Rückseite mit Stempel der Reichsbanknebenstelle Neumünster. Abb. 3.3: Stempel der Reichsbanknebenstelle Neumünster. Abb. 4.1/2: Reichskreditkassen, o. D., 50 RM, Vorderseite und Rückseite. Reichskreditkassenscheine waren Geldscheine, die die Reichskreditkassen als Hilfsnotenbank in den von der deutschen Wehrmacht besetzten Ländern meist nur vorübergehend als gesetzliche Zahlungsmittel ausgegeben hat. Sie lauten zwar auf Reichsmark, waren jedoch auf dem Gebiet des Deutschen Reichs selbst nicht umlauffähig. Als am 1. Januar 1945 die „Zahlungsregelung für die Wehrmacht in außerdeutschen Ländern“ (Wehrmachtsdevisenbestimmungen – W.Dev.Best –) vom 13. Oktober 1944 in Kraft traten und gleichzeitig die „Verrechnungsscheine für die deutsche Wehrmacht“ in Umlauf gesetzt wurden, wurden die Reichskassenscheine fast vollständig aus dem Verkehr gezogen, da sie nur noch auf den Kanalinseln, den Dodekanes und in Kurland gesetzliche Zahlungsmittel blieben. An die Stelle der Reichskreditkassenscheine, die der Wehrmacht auch als Reisezahlungsmittel gedient hatten, traten die neugeschaffenen Verrechnungsscheine, gleichzeitig übernahmen sie die Funktion des bisherigen „Behelfsgeldes der deutschen Wehrmacht“. Da den Verrechnungsscheinen die Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel fehlte, konnten alle Beschränkungen, die bisher bei Erwerb, Mitnahme und Umtausch der Reichskreditkassenscheine erforderlich waren, entfallen. Lediglich für den Umtausch in ausländische Zahlungsmittel waren Höchstsätze vorgesehen. Am 27. April 1945 erschien in der „Kärntner Zeitung“ die folgende Meldung:[5] „Wegen kriegsbedingter Transportschwierigkeiten hat sich ein vorübergehender Mangel an Reichsbanknoten ergeben. Die Deutsche Reichsbank in Klagenfurt gibt deshalb die schon früher in Verkehr gewesenen Reichskreditkassenscheine aus, die von jedermann als gesetzliche Zahlungsmittel anzunehmen sind. In Kürze werden wieder Reichsbanknoten ausgegeben werden können, worauf die Reichskreditkassenscheine zur Rücklösung gelangen werden.“ Diese Verlautbarung wurde angeblich nachträglich durch den Präsidenten der Deutschen Reichsbank, Dr. Funk, genehmigt. Die Reichsbanknebenstelle bediente sich der Reichskreditkassenscheine bei Zahlungen bis zum Eintreffen der britischen Besatzungstruppen und der Schließung der Bank am 8. Mai 1945. Bereits am folgenden Tag erkannte die britische Militärregierung in Art II des Erlasses No. 2, nur die Reichsmark-Zahlungsmittel als gesetzliche Zahlungsmittel an, welche in Österreich am Tage der Besetzung gesetzliche Zahlungsmittel und zu diesem Zeitpunkt im Umlauf waren, sowie die alliierten Schilling-Noten. Somit wurden Reichskreditkassenscheine nach dem 8. Mai 1945 in Klagenfurt nicht mehr eingelöst. Während in Klagenfurt ein Umtausch der Reichskreditkassenscheine in Reichsmarknoten abgelehnt wurde, war man in Innsbruck, das zur französischen Besatzungszone gehörte, zunächst großzügiger. Auch hier war Ende April 1945 die Versorgung mit Reichsbanknoten unmöglich geworden. „Da eine starke Verknappung der RM-Noten eintrat, wurden um ein vollkommenes Stocken des Zahlungsverkehrs zu vermeiden, von der Reichsbankstelle Innsbruck … Reichskreditkassenscheine als Ersatz für Reichsbanknoten ausgegeben und zwar zuerst an verschiedene Dienststellen und später auch an Banken und Sparkassen. Eine Einlösung dieser RKK–Scheine erfolgte seitens der Reichsbankstelle Innsbruck bis zum 10. Dez. 1945.“ In den Jahren 1946 und 1947 forderten verschiedene Besitzer von Reichskreditkassenscheinen von der Oesterreichischen Nationalbank deren Einlösung. Dieses Ansinnen wurde jedoch mit der Begründung abgelehnt, dass „die Reichskreditkassenscheine … für das Gebiet der Republik Oesterreich niemals durch gesetzliche Vorschriften zu gesetzlichen Zahlungsmitteln erklärt worden [seien] und eine solche Eigenschaft .. ihnen auch nicht durch eine bloße Bekanntmachung der Reichsbank verliehen werden [konnte]. Sie wurden daher im Sinne des Erlasses der Militärregierung nicht als gesetzliche Zahlungsmittel anerkannt.“ Ferner seien „diese Scheine .. auch bei der im Dezember 1945 durchgeführten Währungsmaßnahme von einem Umtausch auf Grund des Schillinggesetzes vom 30. November 45 ausgeschlossen.“ Und an anderer Stelle vertröstete man die Antragsteller und verwies diese an die Deutsche Reichsbank in Liquidation: „Inwieweit die Geltendmachung von Ansprüchen auf Rücklösung der in Rede stehenden Reichskreditkassenscheine noch … möglich sein wird, wird erst im Zuge der Gesamtbereinigung der österreichischen Forderungen an das Deutsche Reich klargestellt werden können.“ Ich danke an dieser Stelle Frau Köpf vom Bankhistorischen Archiv der Oesterreichischen Nationalbank für die freundliche Unterstützung. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Nach Gerd Gnewuch, 100 Jahre Bundesdruckerei, Hrsg. Bundesdruckerei, Berlin 1979, S. 100 ff. [2] Ebenda, S. 101. [3] Richtlinie (Nr. 2378/44) des Reichsbankdirektoriums vom 14. September 1944 als Geheime Reichssache an die Ersten Vorstandsbeamten der Reichsbankanstalten und die Leiter der Reichsbanknebenstellen gerichtet. Abgedruckt bei Michael H. Schöne, Zwischen den Fronten, Papiernotgeld 1945 in Deutschland, Spezialkatalog 2015 (alle Scheine: besprochen, geplant, entworfen, gedruckt, ausgegeben, eingezogen oder vernichtet), Eigenverlag, Pirna 1914, S. 4 ff. [4] Ebenda, S. 31. [5] Die folgenden Ausführungen beruhen auf Akten des Bankhistorischen Archivs der Oesterreichischen Nationalbank (BHA). Akt. 163/1947 (Einlösung von R.K.K.-Scheinen).

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