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- Fälscher & Falschgeld: Teil 53
Geschichten, die Geschichte machten, Teil 8: Die „Andreas“-Angelegenheit und das „Unternehmen Bernhard“ Das SS-Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA) 1929 erhielt die SS ein Verwaltungsamt, dessen Leiter am 1. Februar 1934 Oswald Pohl wurde. Nach Übernahme auch der Zuständigkeit für die bewaffneten SS-Verbände erhielt er den Titel „Verwaltungschef der SS“ und war damit auch oberster Verwalter des Sicherheitsdienstes sowie des Rasse- und Siedlungs-Hauptamtes (RuSHA). Seit 1939 firmierte dieses Verwaltungsamt als „Hauptamt Verwaltung und Wirtschaft“, dem das Hauptamt „Haushalt und Bauten“ angegliedert war. Pohl schloss am 1. Februar 1942 beide Ämter zum Wirtschafts-Verwaltungshauptamt (WVHA) zusammen und verfügte in der damit entstandenen Großbehörde über eine Personalstärke von 1.500 Mann. Ursprünglich hatten die Konzentrationslager dem K.L.-Inspekteur Theodor Eicke unterstanden, der dem SS-Hauptamt angehörte. Eicke rückte in die Waffen-SS ein. Sein Nachfolger wurde Richard Glücks, der 1942 in seiner Eigenschaft als K.L.-Inspekteur in das WVHA eingegliedert wurde und dort die Amtsgruppe D bildete. Vom Amt D II aus würde im Juli 1942 ein Rundschreiben an die Kommandanten der K.L. Buchenwald, Ravensbrück und Sachsenhausen ergehen, in dem Häftlinge aus dem graphischen Gewerbe, Papierfachleute und sonstige geschickte Handwerker gesucht wurden und an das Amt D II zu melden waren. Der Sicherheitsdienst Der Sicherheitsdienst war innerhalb der SS zunächst die Parteipolizei und der Nachrichtendienst der NSDAP. Er hatte vorrangig die Aufgabe, die Gegner der NSDAP zu überwachen, Gefahren von der Partei abzuwenden sowie die Beschaffung politischer Nachrichten aus dem In- und Ausland. Das Kürzel „SD“ gehörte, wie „SS“ oder „Gestapo“, zu den gefürchtetsten Abkürzungen im Deutschen Reich des Adolf Hitler. Ab 1931 von Himmlers engstem Mitarbeiter, Reinhard Heydrich, aufgebaut, basierte der SD auf einem reichsweiten Spitzelsystem von bezahlten Agenten und V-Leuten und belieferte SS- und Parteiführung mit regelmäßigen Berichten über die Stimmungslage der Bevölkerung („Meldungen aus dem Reich“). Gegliedert in Abschnitte und Oberabschnitte gehörte zu den weiteren Aufgaben des SD, dessen Chef Heydrich im Juli 1932 offiziell wurde, die Ausforschung tatsächlicher oder angeblicher Regimegegner und oppositioneller Gruppen. Er gab auch Beurteilungen über die politische Zuverlässigkeit hoher Parteiführer, Offiziere und weiterer NS-Funktionäre ab, die in vielen Fällen Auswirkungen auf deren weitere Laufbahn hatten. Von vielen „Würdenträgern“ aus Partei und Staat heftig kritisiert, wurde die Anlage solcher Dossiers von Himmler zwar offiziell untersagt, intern und inoffiziell aber weiterhin praktiziert und geduldet. Das Wort „Kameradschaft“ wurde zwar gepflegt und hochgehalten, doch in den Führungspositionen misstraute man sich gegenseitig und beäugte sich stets mit Argwohn. Ab 1933 wurde der „Sicherheitsdienst des Reichsführers SS“ mit seinem Chef Heydrich als fünftes Hauptamt innerhalb der SS direkt Heinrich Himmler unterstellt, ab 9. Juni 1934 durch Befehl von Rudolf Hess zum alleinigen Nachrichtendienst der Partei erklärt. Alle anderen noch vorhandenen nachrichtendienstlichen Gruppierungen innerhalb der NSDAP wurden aufgelöst. Das SD-Hauptamt gliederte sich in das Amt I „Organisation“, das Amt II „Gegnerbekämpfung“ und das Amt III „Ausland“, welches wir später als Amt VI im neugeschaffenen Reichssicherheitshauptamt nebst seinem ersten Chef Heinz Jost wiederfinden und noch näher kennenlernen werden. Die Sicherheitspolizei (Gestapo und Kriminalpolizei) Im Juni 1936 wurde durch zwei Erlasse Himmlers das Polizeiwesen reformiert: Aus der uniformierten Polizei (Schutzpolizei sowie Gendarmerie) wurde die sogenannte Ordnungspolizei (Orpo). Kriminal-Polizei und Gestapo mit Grenzpolizei wurden unter dem Oberbegriff Sicherheitspolizei (Sipo) zusammengefasst. Chef des Hauptamtes Ordnungspolizei wurde Obergruppenführer Kurt Daluege. Zum Chef des Hauptamtes Sicherheitspolizei wurde in Personalunion SD-Hauptamtschef und Obergruppenführer Reinhard Heydrich ernannt. Das Sipo-Hauptamt gliederte sich in die Ämter „Verwaltung und Recht“ (Amtschef: Oberführer Dr. Werner Best), „Geheimes Staatspolizeiamt (Gestapa)“ mit den beiden Ämtern „Politische Polizei“ (Chef: Standartenführer Heinrich Müller, dieses Amt ist die eigentliche Gestapo) und „Abwehrpolizei“ (Chef: Dr. Werner Best, in Personalunion mit dem oben genannten Amt I) sowie als dritte Hauptamtsbehörde das „Reichskriminalpolizeiamt“ (Chef: Sturmbannführer Arthur Nebe). Das RKPA, die Kriminalpolizei, war das Nachfolgeamt des Preußischen Landeskriminalpolizeiamtes, dem Lenkungsorgan aller Kripostellen im Deutschen Reich. Das RKPA war damit oberste Reichsbehörde, der die gesamte deutsche Kripo verwaltungsmäßig unterstand. Es residierte, wie auch die Gestapo, in der Berliner Prinz-Albrecht-Straße Nr. 8, eine der unheimlichsten und unter der Berliner Bevölkerung nur im Flüsterton genannten Adresse. Die Gestapo unter ihrem berüchtigten Leiter Heinrich Müller („Gestapo-Müller“) war 1933 auf Betreiben des damaligen Chefs der Polizei Hermann Göring als Preußisches Geheimes Staatspolizeiamt gegründet worden, mit dem Ziel der Erforschung und Bekämpfung aller staatsgefährdenden Bestrebungen und Umtriebe. Ab 1934 wurde Heinrich Himmler auch in beinahe allen nichtpreußischen Ländern die Leitung der politischen Polizei übertragen, was nach dem Verzicht von Göring auf sein Weisungsrecht in der Formierung zum Geheimen Staatspolizeiamt (Gestapa) nunmehr für das gesamte Deutsche Reich mündete, zu dessen oberstem Leiter er Reinhard Heydrich ernannte. Von Beginn an mit weitreichenden Kompetenzen ausgestattet, operierte die Gestapo im rechtsfreien Raum. Sie durchsuchte und verhaftete ohne richterlichen Beschluss, schickte Menschen willkürlich in Konzentrationslager, intrigierte, folterte und mordete. Es waren ihr in der Wahl ihrer Mittel keinerlei Grenzen gesetzt. Die Gestapo charakterisierte auf eindrucksvolle Weise den sogenannten Doppelstaat. Einerseits war das NS-System bestrebt, den „Normenstaat“ zu erhalten, dessen Handeln sich an den Gesetzen und Verordnungen orientierte und der hierdurch vorhersehbar und zum Beispiel für Wirtschaft und Industrie absehbar, berechenbar blieb. Andererseits hielt sich dieses System in den Bereichen Gegnerbekämpfung und Herrschaftssicherung nirgends an Normen und Regeln, auch nicht an selbstgesetzte. Dieser „Maßnahmenstaat“ beugte je nach Zweckmäßigkeit und Bedürfnis das Recht oder setzte es gänzlich außer Kraft, handelte also vollkommen autonom im rechtsfreien Raum und legalisierte so Folter, Mord und Terror. Am 11. November 1938 bezeichnete ein Runderlass des Reichsinnenministers den SD als alleinige Nachrichtenorganisation für Staat und Partei mit der besonderen Aufgabe, die Geheime Staatspolizei zu unterstützen. Damit finden wir auch hier wieder zum einen in der Leitung von SD und Gestapo in ein und derselben Person (Reinhard Heydrich), zum anderen in dem durch den genannten Erlass verfügten Tätigwerden in staatlichem Auftrag eine Verquickung von reiner Parteiformation und Staatsbehörde. Die Zuständigkeit von Heydrich als Chef von SD und Sipo gewährleistete einen immer intensiver werdenden Kontakt von Sicherheitsdienst und Gestapo. Durch diese enge Kooperation zwischen beiden Stellen nahm jedoch der Partei-Nachrichtendienst immer mehr (staatliche) Polizeiaufgaben und auch immer mehr geheimdienstliche Tätigkeiten im Ausland wahr. Der fingierte Angriff auf den Reichssender Gleiwitz, der Adolf Hitler den gewünschten Vorwand für den Überfall auf Polen lieferte, wurde ebenfalls von Männern der SS respektive des SD ausgeführt. Davon erfahren wir später mehr. 1938 wurden durch das Hauptamt Sicherheitspolizei und das SD-Hauptamt Sondereinheiten zur Bekämpfung politischer Gegner aufgestellt, die berüchtigten Einsatzgruppen, die bereits im Polenfeldzug den vorrückenden Wehrmachtsverbänden folgten. Die Offiziere dieser Einsatzgruppen rekrutierten sich aus der Gestapo, der Kripo und dem SD, die Mannschaften aus Ordnungspolizei und Waffen-SS. Die Mitglieder der oftmals von promovierten Juristen kommandierten Einsatzgruppen waren wegen ihrer Brutalität und ihres grausamen Vorgehens weithin gefürchtet. 1939 ging die bisher stets eigenständige Grenzpolizei in der Gestapo auf, der SD wurde zusammen mit der Sicherheitspolizei in das neugeschaffene Reichssicherheitshauptamt eingegliedert, wo sich seine Aufgaben in den SD-Inland (Amt III des neuen RSHA, Inlandsnachrichtendienst) und in den SD-Ausland (das ehemalige Amt III des SD-Hauptamts, jetzt Amt VI des RSHA, Geheimer Auslandsnachrichtendienst, ab 1944: Politischer Auslandsgeheimdienst) aufbauorganisatorisch trennten. Sicherheitsdienst und Sicherheitspolizei bildeten damit den eigentlichen Kern des RSHA. Karlheinz Walz Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- 3. Geldscheinsammlertreffen in Unterfranken
Je nach Corona-Lage und G-Regeln: Das 3. Geldscheinsammlertreffen in Unterfranken findet am 20. November 2021 ab 10 Uhr wieder im Luftkurort Heigenbrücken statt. Am Veranstaltungsort, Gasthaus und Pension « Zur Frischen Quelle », Hauptstrasse 1, 63869 Heigenbrücken, steht wieder ein sehr großer Saal zur Verfügung, mit reichlich Platz und Licht für Tische im Zentrum und zum plaudern, entspannen, essen etc. Der Veranstalter bittet um Voranmeldungen zur Teilnahme. Curt Banspach Veranstalter : RBcurrency Germany GbR Tel.: +49 (0) 6021 3288 558 info@rbcurrency.com
- Aus privaten Sammlungen: 100 Rupien des Government of Pakistan o.D. (1.10.1948)
Als 1947 die Teilung Indiens erfolgte und somit Pakistan unabhängig wurde, besaß der junge Staat noch keine Zentralbank, um eigenes Papiergeld ausgeben zu können. Daher wurde beschlossen, der Reserve Bank of India solle bis zum 30. September 1948 diese Funktion übertragen werden. Aufgrund der sich verschlechternden Beziehungen zwischen Pakistan und Indien war man jedoch bestrebt, bereits vor dem Ablauf dieser Zeit die Abhängigkeit von der indischen Notenbank zu beenden. So nahm schon am 1. Juli 1948 die neu gegründete State Bank of Pakistan mit Sitz in der damaligen pakistanischen Hauptstadt Karatschi den Betrieb auf. Um die Zeit bis zur Ausgabe der ersten Noten der neuen Staatsbank zu überbrücken, gab die pakistanische Regierung am 1. Oktober 1948 Staatspapiergeld in den Werten zu 5, 10 und 100 Rupien in Umlauf, das bis 1955 bzw. 1956 zirkulierte. Seit Beginn der Notenemission der State Bank of Pakistan am 1. April 1949 führte das Government of Pakistan noch in den Jahren bis 2001 Staatspapiergeld ausschließlich von 1 Rupie ein – ein Nominal, das seit den 1990er Jahren durch Münzen abgedeckt wird. Aus der Sammlung Josef Gerber: Pakistan, Government of Pakistan: 100 Rupien o.D. (eingeführt am 1.10.1948) Vorderseite: Links Wertzahl im Medaillon, rechts Mondsichel und Stern im Medaillon, Bankname und Nominal auf Urdu; Ornamente. Rückseite: Bankname und Nominal in englischer Sprache; Ornamente. Wasserzeichen: ohne Format: 166 mm x 90 mm Druck: De La Rue, London Umlauf: bis 1.8.1956 Katalogreferenzen: PAK-7 (Standard Catalog of World Paper Mone – Vol. II: General Issues) Kana Totsuka Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Keine Numismata im Jahr 2022 in München!
Die NUMISMATA München muss 2022 erneut eine Pause machen. Die Corona Pandemie ist immer noch nicht unter Kontrolle und die Gesundheit unserer Besucher und Aussteller steht an oberster Stelle. Des Weiteren ist die NUMISMATA eine internationale Veranstaltung, die weit im Voraus geplant werden muss. Aufgrund der aktuellen Lage können sich jedoch Einreisebestimmungen und Sicherheitsauflagen für Veranstaltungen schnell ändern. Aus diesen Gründen ist die nächste NUMISMATA München erst für 2023 geplant. Der genaue Termin für 2023 wird noch rechtzeitig bekannt gegeben. Wir hoffen auf baldiges Wiedersehen auf der nächsten NUMISMATA. Bis dahin wünschen wir Ihnen alles Gute und bleiben Sie gesund. Die Numismata in Berlin und die in Frankfurt sollen 2022 stattfinden! Aufgrund der aktuellen Lage wird der genaue Termin für 2022 noch bekannt gegeben. MÜNZEN MODES Inh. Angela Modes E-Mail: info@numismata.de Web: www.numismata.de
- Lexikon: Dechend, Hermann von
Hermann von Dechend (geb. 2. April 1814 in Marienwerder/Westpreußen, ✝︎ 30. April 1890 in Berlin) studierte in Bonn und Berlin Jura und Kameralwissenschaft. 1848 übernahm er die Leitung der Darlehenskasse und ab 1851 war er Mitglied des Hauptbankdirektoriums der Preußischen Bank, deren Vizepräsident er 1863 wurde. Von 1864 bis 1875 war er Präsident der Preußischen Bank und von 1876 bis 1890 Präsident der Deutschen Reichsbank. Hermann von Dechend, Porträt aus dem Jahr 1892. Seiner Tätigkeit war es hauptsächlich zu verdanken, dass sich die Preußische Bank als einfache Notenbank aus äußerst bescheidenen Verhältnissen zu einer der mächtigsten und bestgeleiteten Zentralbanken Europas entwickelte. Gerade der innere Ausbau der Bank in seiner Vielgestaltigkeit war im Wesentlichen das Werk von Hermann von Dechend. Seine Unterschrift befindet sich auf den Noten der Preußischen Bank von 1867 bis 1874 und den deutschen Reichsbanknoten von 1876 bis 1884. Wegen seiner Verdienste war er 1865 in den preußischen Adelsstand erhoben worden. Von 1867 bis 1869 war er außerdem Mitglied im Preußischen Abgeordnetenhaus und von 1872 bis zu seinem Tod des Preußischen Herrenhauses (Preußischer Landtag). Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung) Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Verlag: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-183-3 Auflage: 22. Auflage 2020 Bebilderung: durchgehend farbig Hardcover: 928 Seiten Format: 14,8 x 21 cm Preis: 39,90 Euro Mehr lesen …
- Leserpost: Ein zeitgeschichtliches Dokument aus dem Jahr 1928
Lieber Herr Grabowski, beim Sortieren meiner Notgeldscheine habe ich einen Artikel gefunden, der vielleicht für Sie oder für den nächsten Geldschein-Newsletter von Interesse ist. Mit freundlichen Grüßen R. Kellerer DEU-168a: Deutsche Reichsbank, 20 Billionen Mark vom 5. Februar 1924, Vorderseite. MGG 2.29a: Deutsche Reichsbahn, Notausgabe des Reichsverkehrsministers über 20 Billionen Mark vom 5. November 1923, Vorderseite. Antwort der Redaktion Es handelt sich ganz offensichtlich um einen Beilagezettel, wie er für Erinnerungsalben an die Zeit der Inflation üblich war, die damals in den 1920er-Jahren von verschiedenen Händlern zusammengestellt wurden. Während viele Alben meist nur häufige Scheine (oft in einer bunten Mischung aus Reichsbanknoten und Notgeld) enthielten, so handelt es sich hier doch um eine exklusive Sammlung von allen damals schon seltenen Billionen-Scheinen der Reichsbank sowie von hohen Nominalen der Reichsbahn von 1 bis 20 Billionen Mark. Interessant ist, dass der Wert aller Billionen-Scheine der Reichsbank Ende der 1920er-Jahre schon mit mehr als 1000 Reichsmark angegeben wurde. Selbst in gebrauchter Erhaltung käme man heute auf ein Vielfaches in Euro. Die zitierte Geschichte aus der Berliner Zeitung vom 13. November 1928 berichtet von der Schwierigkeit für einen Hamburger Kirchenrat damals einen Billionen-Schein als Beigabe für den Kugelknauf einer Kirche zu bekommen, in dem wichtige Zeitdokumente für die Nachwelt aufbewahrt werden sollten. Der Händler preist auch sein Angebot an Billionen-Scheinen der Reichsbahn an, deren Wert er mit 20 RM angab. Auch diese Scheine wären heute deutlich mehr wert. Alles in allem handelt es sich zwar um eine typische Werbung rund um "Seltenheit", "Geschichte" und "Wertsteigerung", wie sie uns auch immer wieder und nicht unbedingt gerechtfertigt aus der Gegenwart bekannt ist, wer damals aber hier investiert hat, dessen Nachfahren besitzen heute einen wahren Schatz, vorausgesetzt der hat Weltwirtschaftskrise, Krieg, Wiederaufbau sowie Unwissen und Gleichgültigkeit nachfolgender Generationen überlebt. Hans-Ludwig Grabowski
- Fälschte die russische Wertpapierdruckerei Goznak libysche Banknoten?
Am 29. Mai 2020 meldete das US-Außenministerium in einer Presseerklärung, dass die maltesische Regierung „gefälschte“ libysche Dinar-Banknoten im Wert von 1,1 Milliarden US-Dollars beschlagnahmt habe, die für die international nicht anerkannte Central Bank of Libya in Bengasi bestimmt gewesen seien. Die Banknoten, die von der russischen Wertpapierdruckerei Goznak hergestellt wurden, waren verpackt in zwei 2000-Kubikfuß-Containern auf dem Seeweg nach Tobruk. Die Behauptung, dass es sich bei dem Papiergeld um Falschgeld handle, und die Vermutung, dass der Kreml damit die Lage in Nordafrika destabilisieren wolle, sorgte sofort für heftigen Widerspruch sowohl von Goznak als auch von der russischen Regierung. In der Tat ist der Vorwurf der Banknotenfälschung nur schwer aufrecht zu erhalten, zumal sich diese Drucke deutlich von den Noten der Central Bank of Libya in Tripolis unterscheiden. Aber dazu später mehr. Um die Geschichte verstehen zu können, ist ein Blick in die jüngste Vergangenheit des Landes notwendig. Im Zuge des „Arabischen Frühlings“ protestierten im Februar 2011 Teile der Bevölkerung gegen die Herrschaft Muammar al-Gaddafis. Das Gaddafi-Regime versuchte daraufhin, die Proteste gewaltsam niederzuschlagen. Als sich Teile der Streitkräfte und der bisherigen Regierung der Opposition anschlossen, eskalierte der politische Konflikt zu einer blutigen militärischen Auseinandersetzung. Im Osten des Landes etablierte sich ein nationaler Übergangsrat. Zum Schutz der Zivilbevölkerung autorisierte am 17. März 2011 der UN-Sicherheitsrat in der Resolution 1973 einen Internationalen Militäreinsatz in Libyen. Zwei Tage später verhängten die USA, Großbritannien und Frankreich eine Luft- und Seeblockade und begannen mit Luftangriffen auf Regierungstruppen und Militäreinrichtungen, sodass die Bodenstreitkräfte der Opposition im August Tripolis einnehmen konnten. Mit der Gefangennahme und der anschließenden Ermordung Gaddafis im Oktober 2011 endete der Erste libysche Bürgerkrieg. Karte: Bürgerkrieg in Libyen (2020) Auch nach seinem Ende blieb Libyen politisch zerrissen und es kam immer wieder zu punktuellen bewaffneten Zusammenstößen zwischen den verschiedenen Gruppierungen. 2014 entwickelten sich die Konflikte zu einem nationalen Machtkampf: auf der einen Seite der gewählte Abgeordnetenrat in Tripolis und auf der anderen der Neue Allgemeine Nationalkongress, der in Tobruk eine Gegenregierung bildete und von der Libysch-nationalen Armee gestützt wurde. Ihr Befehlshaber, Chalifa Belqasim Haftar Alferjani, ist eine der Schlüsselfiguren im Zweiten libyschen Bürgerkrieg. Unterstützt von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE), Ägypten, Jordanien und Saudi-Arabien sowie russischen Söldnern der „Gruppe Wagner“ baute der greise Warlord seine Machtstellung in Ostlibyen aus. Als legitime Regierung erkennt die UNO nur die Ende 2015 gebildete Einheitsregierung in Tripolis an, die insbesondere von Katar und der Türkei gestützt wird; der Westen zeigt sich wieder einmal uneinig. Zwar unterstützt Frankreich Haftar nicht aktiv, setzt aber insgeheim auf ihn, während sich die Vereinigten Staaten nicht klar positionieren, obwohl sie in Libyen einen Anti-Terrorkrieg gegen die Terrormiliz „Islamischer Staat“ führen. Und die Bundesregierung versucht derweil, zwischen den Konfliktparteien zu vermitteln.[1] Erst Haftars Offensive gegen Tripolis im April 2019 führte zu einer breiten bewaffneten Koalition gegen ihn. „Während dieser Zeit haben sowohl Haftars Streitkräfte als auch die ähnlich unzähligen Kräfte im Westen ihre Gehälter von der libyschen Zentralbank aus den Erlösen der libyschen Öleinnahmen bezahlt bekommen. Jede Seite hat auch weitere Einnahmen aus anderen Quellen generiert. Dazu gehören Schutzgelderpressungen, Missbrauch von Akkreditiven, Schmuggel von Treibstoff und Menschen und im Osten Gelder, die teilweise von Geschäftsbanken stammen, die von den örtlichen Behörden ausgegebene Staatsanleihen verkaufen.“[2] Die Central Bank of Libya in Tripolis gab am 17. Februar 2013, dem 2. Jahrestag der Revolution, Banknoten zu 1, 5, 10, 20 und 50 Dinars in Umlauf. Gedruckt wurden die Noten bei der englischen Druckerei De La Rue. Die Zentralbank unterhielt in verschiedenen Städten des Landes Filialen. In Bayda entstand daraus für Ost-Libyen eine zweite Central Bank of Libya. 2015 erteilte ihr Gouverneur Ali Al-Hibri mit Zustimmung des im Osten ansässigen Repräsentantenhauses der russischen Wertpapierdruckerei Goznak den Auftrag zum Druck von 20- und 50-Dinars-Banknoten. Am 1. Juni 2016 gelangten Noten im Wert von 4 Mrd. Dinars im Osten des Landes in Umlauf. Die 20-Dinars-Noten sind 148 x 74 mm groß. Ihre vorherrschende Farbe ist Braun/Orange. Auf der Vorderseite wird die Medresse in der Oase in Ghadames und auf der Rückseite die Al-Ateeq-Moschee in Audschila abgebildet. Die 50-Dinars-Scheine sind 156 x 76 mm groß und die vorherrschende Farbe ist Grün. Die Vorderseite bildet den 1922 von den Italienern errichteten Leuchtturm in Bengasi ab und auf der Rückseite den Felsbogen in Tadrart Acacus. Das Wasserzeichen beider Ausgaben – 2013 und 2016 – befindet sich auf der linken Scheinseite und ist fast identisch. Es zeigt den Kopf des nach rechts blickenden Koranlehrers und Freiheitskämpfers Omar Mukhtar. Die Goznak-Banknoten stimmen in Design und Größe – dies trifft auch auf die unter UV-Licht sichtbar werdenden Partien zu – weitgehend mit denen der von der international anerkannten Libyschen Zentralbank in Tripolis ausgegebenen Banknoten überein. Es gibt aber die folgenden signifikanten Unterschiede: Abb. 1: Central Bank of Libya (Tripolis), 2013, 20 Dinars, Vorder- und Rückseite. Abb. 2: Central Bank of Libya (Bayda), 2016, 20 Dinars, Vorder- und Rückseite. Abb. 3: Central Bank of Libya (Tripolis), 2013, 50 Dinars, Vorder- und Rückseite. Abb. 4: Central Bank of Libya (Bayda), 2016, 50 Dinars, Vorder- und Rückseite. Vom Frühjahr 2016 bis Ende 2018 gelangten „russische“ Dinar-Banknoten im Wert von insgesamt 9,7 Milliarden Dinars nach Libyen. Laut russischen Zolldaten, die am 29. Oktober 2019 von Reuters veröffentlicht wurden, erfolgten zwischen Februar und Juni 2019 vier weitere Lieferungen der in Russland gedruckten Banknoten im Wert von 4,5 Milliarden Dinars. Die akute Bargeldknappheit zwang 2016 die Regierung der Nationalen Einheit in Tripolis, ihre ursprüngliche Ablehnung gegenüber den Goznak-Banknoten aufzugeben und stattdessen ihren Umlauf parallel zu den vorhandenen, von der Bank in Tripolis ausgegebenen Banknoten desselben Nennwerts zu genehmigen. Beide Geldscheinarten liefen also gleichberechtigt nebeneinander um. Am 13. Oktober 2019 forderte jedoch der Präsidialrat in Tripolis in den sozialen Medien von der Zentralbank in Tripolis, die Dinar-Banknoten, die außerhalb der gesetzlichen Vorschriften produziert wurden, als Geldfälschung zu betrachten. Dies bedeutete nichts anderes, als die Goznak-Scheine auch als Fälschungen zu behandeln. Am 1. November 2019 erfolgte dann die Beschlagnahmung der Noten in Malta, die dann ein halbes Jahr später vom US-Außenministerium propagandistisch ausgeschlachtet wurde. Es erklärte, dass die „gefälschte“ Währung von dem staatlichen russischen Sicherheitsdruck- und Münzunternehmen Goznak gedruckt worden sei. Die Banknoten seien nicht von der libyschen Zentralbank in Tripolis in Auftrag gegeben worden, sondern von einer „illegitimen Parallelbank“. Die Central Bank of Libya in Tripolis sei die einzige rechtmäßige Zentralbank Libyens. Der Zustrom der gefälschten, in Russland gedruckten libyschen Banknoten hätten die wirtschaftlichen Probleme des Landes verschärft. Das russische Außenministerium mischte sich am 30. Mai 2020 in den Skandal ein und verteidigte Goznak. Es wies die Vorwürfe mit dem Hinweis zurück, dass Libyen zwei Zentralbanken habe und ordnungsgemäße Druckaufträge erteilt worden seien. Auch verstoße die Lieferung der Banknoten nicht gegen das von der UNO verhängte Embargo. Die Antwort gipfelte in dem Satz: „Nicht die Dinare sind gefälscht, sondern die Aussage der Amerikaner.“ Ende Mai 2021 war dann in der Presse zu lesen, dass die maltesische Regierung bereit sei, die Dinar-Noten an das libysche Volk auszuhändigen, was aber offensichtlich bis heute noch nicht geschehen ist. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Vgl. Dominik Peters, Drei Kriege in einem Land. https://www.spiegel.de/politik/ausland/libyen-wer-kaempft-gegen-wen-a-1303118.html (25.10.2021). [2] Übersetzung aus Jonathan M. Winer, Seized Russian-printed dinars highlight an opportunity to reform Libya’s civil war economy. https://en.minbarlibya.org/2019/11/10/seized-russian-printed-dinars-highlight-an-opportunity-to-reform-libyas-civil-war-economy/ (25.10.2021).
- Aserbaidschan: Gedenknote zum Sieg im Krieg um Arzach 2020
Am 4. November 2021 brachte die Zentralbank der Republik Aserbaidschan neue Gedenknoten zu 500 Manat in Umlauf: Anlass ist der Jahrestag des Sieges Aserbaidschans über die Republik Armenien im Kampf um die Region Bergkarabach nach 44-tägigen Kriegshandlungen. Innerhalb der Aserbaidschanischen Sozialistischen Sowjetrepublik war die überwiegend armenisch besiedelte Region Bergkarabach ein autonomer Oblast; im Zuge des Zerfalls der Sowjetunion erklärte sich 1991 die Republik Bergkarabach – seit 2017 Republik Arzach – für unabhängig, was zum Ersten Karabach-Krieg führte. Seit dem Waffenstillstand 1994 kontrollierten die Armenier die Republik Bergkarabach bzw. Arzach sowie weitere angrenzende Gebiete. Die Republik Arzach ist heute noch international nicht anerkannt und gehört völkerrechtlich zum aserbaidschanischen Staatsgebiet, wurde jedoch de facto armenisch verwaltet. Nach erneuten Kampfhandlungen brach 2020 ein Krieg aus, in dem Aserbaidschan mit Hilfe der Türkei und syrischer Söldner weite Teile von Arzach unter Kontrolle bringen konnte. Durch das Waffenstillstandsabkommen vom 9. November 2020, bei dem Russland als Vermittler fungierte, verlor die Republik Arzach etwa zwei Drittel des beanspruchten Territoriums an Aserbaidschan. Neben rund 4000 armenischen und rund 3000 aserbaidschanischen Soldaten kamen in diesem Krieg auch Zivilisten beider Seiten ums Leben; rund 100.000 Menschen flüchteten aus der Republik Arzach und rund 40.000 aus Aserbaidschan. Kritisiert wird Aserbaidschan unter anderem für den Einsatz von Drohnen und Söldnern; beide Seiten bedienten sich außerdem der Streumunition. Der Sieg wurde und wird im autoritären Aserbaidschan einer propagandistischen Aufarbeitung unterzogen: So entstand in Baku ein Freilichtmuseum, in dem Kriegstrophäen, wie beispielsweise die Stahlhelme getöteter armenischer Soldaten, ausgestellt sind. So verhält es sich auch mit der aktuellen Gedenkbanknote: Die Vorderseite der von Giesecke & Devrient gedruckten Note zeigt aserbaidschanische Soldaten mit der Landesflagge vor den mittelalterlichen Brücken von Choda Afarin – das nördliche Ufer liegt auf dem Teil der Republik Arzach, der durch diesen Krieg an Aserbaidschan ging –, rote Tulpen als Sinnbild für gefallene aserbaidschanische Soldaten sowie eine Kaukasus-Ragwurz als Siegessymbol. Auf der Rückseite im Hochformat ist das Mausoleum des Dichters Molla Pənah Vaqif in Şuşa abgebildet, das im Ersten Karabachkrieg 1992 zerstört wurde; nach der Rückeroberung der Stadt im vergangenen Jahr wurde das Gebäude restauriert und im Sommer dieses Jahres fertiggestellt. Im Hintergrund ist außerdem die Festung von Askeran aus dem 18. Jahrhundert sowie die Landkarte Aserbaidschans dargestellt. Auf beiden Seiten ist der Satz "QARABAĞ AZƏRBAYCANDIR (Karabach ist Aserbaidschan)" des aserbaidschanischen Präsidenten İlham Əliyev abgedruckt. Die Gedenknote wurde neben einer Reihe von Gedenkmünzen zum Sieg und zu den einzelnen rückeroberten Städten und Regionen in einer Auflage von 1.000.000 Exemplaren ausgegeben; auch sollen die aktuellen 20-Manat-Umlaufnoten mit dem Thema Karabach im Jahr 2022 in einer um die Siegesblume Kaukasus-Ragwurz erweiterten Version erscheinen. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Leserpost: Ergänzungen zu den deutschen Banknoten ab 1871
Dear, my name is Krunoslav Sokač and I am collecting German banknotes for 10 years . Living in Zagreb Croatia. In my collection I have few banknotes that are not listed in "Die deutschen Banknoten ab 1871" catalogue . So in this mail I would like to show you them in wishing to publish them in a new catalog . 1. In picture 1, 2 & 3 is "egg note" Ro-57a with unfamiliar "No". "No" stands upright and is larger, not bent and smaller as in the catalog. 2. In picture 4, 5 & 6 is Ro-87g but without company logo on the right 3. In pictures 7 & 8 is Ro-90 (probably 90b) without watermark. 4. In pictures 9, 10 & 11 is Ro-112a without pink color on right side. 5. In pictures 12 & 13 is Ro-115b with unknown company logo "H". Wishing you to look at and consider these my findings I cordially greet you. Best regards Krunoslav Antwort der Redaktion (Original in Englisch): Welche Auflage des Katalogs "Die deutschen Banknoten ab 1871" besitzen Sie? Aktuell ist die 22. Auflage 2020/21! Die verschiedenen "No" und "Nr" (sind beim Eierschein als Varianten a/b/c aufgeführt. Ihre Note (Firmendruck ohne Firmenzeichen) ist bislang nicht bekannt. Können Sie mir bitte noch ein Bild von der Rückseite schicken? Das Wasserzeichen ist manchmal nur sehr schwach zu sehen. Bei Ihrem Schein handelt es sich wahrscheinlich um die Nr. DEU-102b (90b). Diesen Schein gibt es mit (DEU-132) und ohne (DEU-133) violette Einfärbung am rechten Rand. Mit dem Wasserzeichen Eichenlaub sollte die Einfärbung aber vorhanden sein. Leider ist diese auch manchmal nur sehr schwach ausgeführt oder ausgeblichen. Mir selbst liegen auch solche Scheine vor. Bei genauer Betrachtung kann man aber meist einen schwachen Rest der Farbe erkennen. Bitte prüfen Sie das Firmenzeichen! Könnte eine erste Stelle des Firmenzeichens BH, HH oder WH nicht mit gedruckt worden sein? Das Firmenzeichen H (Edler & Krische, Hannover) wäre neu mit in den Katalog aufzunehmen. Bei den Punkten 2 und 5 scheint es sich tatsächlich um neue Varianten zu handeln. Vielen Dank für Ihr Interesse an deutschen Banknoten und die Informationen. Hans-Ludwig Grabowski
- Fälscher & Falschgeld: Teil 52
Geschichten, die Geschichte machten, Teil 8: Die „Andreas“-Angelegenheit und das „Unternehmen Bernhard“ Die SS, die Polizei- und Geheimdienststellen im Dritten Reich Will man beide Affären richtig beleuchten und will man sich in den komplizierten Machtstrukturen, in dem Wirrwarr von Ämtern, Dienststellen und Kompetenzen zurechtfinden, ist es unerlässlich, sich zunächst mit dem gesamten Umfeld etwas näher zu beschäftigen. Das heißt, sich die Institutionen und Personen genauer anzusehen, von denen die Befehle ausgingen, die mehr oder weniger von der Falschgeldaffäre tangiert waren, die involviert waren als Planer, als führende Köpfe, als Untergebene oder als Mitläufer, die für das Unternehmen direkt oder indirekt arbeiteten und diejenigen, die davon profitiert haben. Hierbei sind jedoch mehrere Dinge zu beachten. Zum einen gab es häufige Umorganisationen und Umbesetzungen von Stellen in den einzelnen Ämtern und Dienststellen, was die Übersicht über die jeweilige Organisationsform bzw. die Aufbauorganisation sehr erschwert. Zum anderen greift gerade hier ein für das Dritte Reich typisches Phänomen: Es gehörte zu den zahlreichen Ungereimtheiten des NS-Regimes, dass es neue Machtstrukturen schuf, die alten (zumindest deren Fassaden) aber bestehen ließ. So kam es nicht selten vor, dass eine neue Dienststelle geschaffen und mit Aufgaben betraut wurde, die seither zuständige aber parallel dazu weiterarbeitete, zumindest aber unter ihrem Namen und mit den seitherigen oder ähnlichen Kompetenzen weiter existierte. Es kam daher häufig zu Überschneidungen in den Aufgaben, zu Kompetenzgerangel und Eifersüchteleien unter den Leitern. Weiter wurde zum Problem, dass eine immer größere Vermischung staatlicher Behörden mit Parteidienststellen stattfand. Einerseits trachtete die SS als Parteiformation stets danach, staatliche Vollzugsbehörden unter ihre Kontrolle zu bringen, was ihr auch in größerem Umfang gelang. Bestes Beispiel: Der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, wurde am 17. Juni 1936 gleichzeitig zum Chef der deutschen Polizei ernannt und erreichte damit eine zentrale Machtposition. Die formelle Unterstellung als Staatssekretär unter den Reichsinnenminister Wilhelm Frick erwies sich in der Praxis als bedeutungslos, da er die Kontrolle über die gesamte Kriminalpolizei sowie die Ordnungs- und Schutzpolizei, die SS, die Gestapo und den SD in seiner Hand vereinigte. Andererseits wachte die NSDAP-Führung eifersüchtig darüber, dass es möglichst bei der Trennung von Parteistellen und Staatsdienststellen blieb und dass staatliche Stellen keinen Einfluss auf die Partei bekamen. Weiterhin verwendet die einschlägige Literatur bis heute für ein und dieselben Begriffe unterschiedliche Bezeichnungen. So werden zum Beispiel die den einzelnen Amtsgruppen des Reichssicherheitshauptamtes zugeordneten Referate häufig als Abteilungen oder Unterabteilungen bezeichnet, oder einzelne Amtsgruppen werden mit den Ämtern, denen sie unterstellt waren, verwechselt, was in vielen Fällen nicht eben zur Klarheit beiträgt. So ist es für den Nichteingeweihten nicht einfach, wenn nicht gar unmöglich, ohne zumindest einige wenige Grundkenntnisse über den Aufbau der Geheimdienste und verschiedener weiterer Dienststellen die Zuständigkeiten und Befehlsstrukturen zu durchschauen. Im Folgenden wird daher ein kurzer Überblick über die verschiedenen Stellen gegeben, die für die weiteren Ausführungen über die Fälschung der Pfundnoten von Bedeutung sind. Dies betrifft im Wesentlichen das Reichssicherheitshauptamt und die SS. Die Schutzstaffeln (SS) Die Schutzstaffeln der NSDAP waren ursprünglich eine Untereinheit der Sturmabteilung (SA). 1923 von Adolf Hitler als sogenannte Stabswachen zu seinem persönlichen Schutz gegründet, verstanden sich diese schon bald als Führerelite und nannten sich seit 1925 Schutzstaffeln, kurz SS. Der 1927 zum stellvertretenden Reichsführer, 1929 zum Reichsführer SS ernannte Heinrich Himmler baute die SS konsequent als Polizei der Partei aus. Mit der Niederschlagung der SA-Meuterei durch die SS im Jahre 1931 erkannte auch Hitler diese innerparteiliche Polizei und deren unbedingte Loyalität zu seiner Person an. Himmler war es zuvor schon gelungen, seine Schutzstaffeln als unabhängige Parteiorganisation aus der SA herauszulösen. Nun ließ er seine „rechte Hand“, Reinhard Heydrich, einen Sicherheitsdienst (SD) aufbauen, der als Geheimdienst der NSDAP fungieren sollte, und der damit ein engmaschiges Netz von Bewachung und Bespitzelung, von Verrat und Denunziation über Deutschland ausbreitete. 1934 hatte die SS bereits eine Stärke von 200.000 Mann und eine reichsweite Präsenz. Sie übernahm die Bewachung der Konzentrationslager durch spezielle Wachmannschaften, die sogenannten Totenkopfverbände (Anmerkung: die offizielle Abkürzung lautete stets K.L., das Kürzel KZ wurde erst gegen Kriegsende, ausschließlich inoffiziell und hauptsächlich in der Bevölkerung benutzt). Daneben gab es das „Wachbataillon Berlin“, das seit September 1933 SS-Leibstandarte „Adolf Hitler“ (LAH) hieß und unter ihrem Kommandeur Joseph („Sepp“) Dietrich als Repräsentationsgarde des Dritten Reiches für die Bewachung der Reichskanzlei und den persönlichen Schutz des „Führers“ zuständig war. Es erfolgte der Zusammenschluss mit den sogenannten Politischen Bereitschaften (von örtlichen SS-Führern nach der Machtergreifung gebildete Sonderkommandos mit hilfspolizeilichen Befugnissen, unter anderem die Träger der Mordaktionen in der Affäre um SA-Chef Ernst Röhm) in der so genannten SS-Verfügungstruppe, wobei aber die Leibstandarte unter ihrem Namen erhalten blieb. Schon im August 1938 wurden diese bewaffneten Verfügungstruppen der SS von Hitler gegen den Widerstand der Wehrmacht, die ihren Waffenmonopolanspruch ausgehebelt sah, ausdrücklich anerkannt. Diese SS-Eingreiftruppen wurden dann zwar formal der Wehrmacht zugeteilt, verblieben aber in der Unterstellung unter Himmler, der damit eine eigene bewaffnete Truppe besaß. Dies ist wieder ein Paradebeispiel für das oben genannte, im NS-Staat häufig auftretende Phänomen, das Eine zu tun, aber das Andere nicht zu lassen, sprich: zum Beispiel solche zweigeteilten Unterstellungsverhältnisse aufzubauen. Schon im Polenfeldzug wurde dann die Verfügungstruppe und damit auch die wegen ihrer Brutalität und überharten Kampfführung gefürchtete LAH in die Waffen-SS eingegliedert. Die SS entwickelte sich nach den Wünschen Himmlers zu dem mystischen Führungsorden unter dem Totenkopf, dessen Geheimnisse sorgsam gehütet wurden und in die Unbefugte niemals Einblick erhielten. Seine Mitglieder trugen eine schwarze Uniform (ab September 1939 die feldgraue der Waffen-SS, offensichtlich um die Solidarität mit der kämpfenden Truppe zu demonstrieren) und waren der Schrecken der ganzen Nation - und nur wenig später ganz Europas. Die SS kontrollierte die gesamte Polizei. Durch die Monopolstellung des SD Reinhard Heydrichs nicht nur als Nachrichtendienst der Partei, sondern als offizieller politischer Nachrichtendienst des Deutschen Reiches und die Zentralisierung der Gestapo, zu deren Inspekteur, also zum eigentlichen obersten Chef, Himmler schon 1934 durch Hermann Göring ernannt worden war, wuchs der SS eine ungeheure Machtfülle zu, wie sie keine andere NS-Organisation je erreicht hat. Besonders auch hier wieder zeigt sich die charakteristische Verquickung von staatlichen Stellen (Polizei) und parteieigenen Machtapparaten (SS) ganz deutlich. Die Mitglieder des schwarzen Geheimordens pflegten ganz bewusst den Schrecken, den sie überall verbreiteten, wollten ganz bewusst im Volk ihren unheimlichen Nimbus nähren. Sie hatten Gewalt über fast alles und jeden, ihre wichtigste Aufgabe war die Überwachung, die Verfolgung und Ausschaltung aller politischen Kräfte und Personen, die der Terrorstaat als seine Gegner betrachtete oder die der Ideologie von der „nordischen Herrenrasse“ nicht gerecht wurden. Die SS koordinierte die Verfolgung und Vernichtung der Juden, der Minderheiten, der gesellschaftlichen Randgruppen und der Regimegegner ebenso wie sie weit verzweigte Wirtschaftsunternehmen und -verflechtungen ihr eigen nannte. Sie war ein regelrechter Staat im Staate und daneben ein allumfassender Wirtschaftskonzern. Karlheinz Walz Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Aus privaten Sammlungen: Nicht ausgegebene Note zu 1000 Litu der Lietuvos Bankas von 1991
Am 11. März 1990 erklärte Litauen als erste Sowjetrepublik seine Unabhängigkeit, die jedoch von der Führung in Moskau bis September 1991 nicht anerkannt wurde. Am 21. Dezember 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst und die letzten ehemals sowjetischen und dann russischen Truppen verließen 1993 das Land. Die eigenständige Währungsgeschichte der zweiten litauischen Republik begann im August 1991 mit Talonas-Scheinen in Nennwerten von 0,10 bis 500 Talonas, die als Übergangs-währung parallel zum russischen Rubel kursierten. Ebenfalls mit Datum von 1991 bereitete die Lietuvos Bankas dann eine komplette Notenserie in der neuen Litu-Währung mit Nennwerten von 10 bis 1000 Litu vor, die bis auf die höchsten Werte zu 500 und 1000 Litu am 25. Juni 1993 in Umlauf kamen. Diese beiden Scheine wurden wegen unzureichender Sicherheitsmerkmale bei diesen hohen Nominalen nie ausgegeben. Auch ein mit Datum 1994 gedruckter Hunderter kam aus den gleichen Gründen nicht in Umlauf. Der Großteil der Auflage von 9,5 Millionen Tausendern wurde vernichtet, die Bank behielt einen Restbestand von 19.903 Scheinen. 2017 verkaufte die Bank dann insgesamt 5.000 Faltblätter mit den nicht ausgegeben Scheinen zu 100, 500 und 1000 Litu an Händler und Sammler. Aus der Sammlung Hans-Ludwig Grabowski: Litauen, Lietuvos Bankas: Nicht ausgegebene Banknote zu 1000 Litu von 1991 (1993) Vorderseite: Porträt des litauischen Komponisten und Kunstmalers Miklojus Konstantinas Čiurlionis (1875 – 1911) und Staatswappen (gepanzerter Ritter zu Pferd mit gezogenem Schwert und Wappenschild). Rückseite: Fragment seines Gemäldes „Königsgeschichte“. Wasserzeichen: Staatswappen. Format: 135 mm x 65 mm Katalogreferenzen: LIT-52a (SCWPM) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.
- Auktionsvorschau 141. Teutoburger Münzauktion (Banknoten) am 10. Dezember 2021
Auch zu Nikolaus kommen bei den Ostwestfalen gleich zwei Auktionen (zwei Kataloge) zur Versteigerung, auch diesmal coronabedingt wieder komplett LIVE ONLINE. Am Montag, 6.12., wird die 140. Auktion gestartet, beginnend mit einer wieder sehr umfangreichen Spezialserie China & Südostasien (300 Lose), hier enthalten u. a. der Antiquitäten-Nachlass des Japan-Pioniers Rudolf Lehmann (1842–1914), gefolgt von den Goldmünzen, Goldmedaillen, Uhren und Schmuck. Im Goldbereich finden sich zahlreiche große Raritäten, u. a. der sächsische Doppeldukat 1697, ein Sovereign Elisabeth I., ein dänischer Doppeldukat 1691, seltene US-Goldmünzen, 100 Lose Reichsgoldmünzen usw. Der Antiken-Bereich enthält einige Griechen, Römer und Byzantiner, aber vor allem viele gute Lots und Sammlungen, auch Literatur. Dem folgt eine kleine Serie karolingischer Münzen. Im Auslandsteil sind Münzen und Medaillen aus aller Welt vertreten, hier besonders hervorzuheben die Serien Frankreich, Großbritannien, Kirchenstaat/Vatikan, Rußland und vor allem USA. Es folgen die habsburgischen und österreichischen Münzen und Medaillen mit vielen Talern und Teilstücken, dann Salzburg, Schlick, ein seltener Taler von Lobkowitz usw. Die Abteilung Altdeutschland beinhaltet u. a. Taler und Gulden von Bayern, Brandenburg-Preußen, Braunschweig, Frankfurt am Main, einen äußerst seltenen Taler von Hessen, eine Sammlung Münster und westfälische Gebiete, Pommern, Sachsen mit Nebenlinien, usw. Nach wenigen Waagen und Gewichten kommen die thematischen Medaillen zur Versteigerung, bei denen mit Abstand am stärksten Drittes Reich und Karl Goetz vertreten sind. Die deutschen Münzen ab 1871 nach Jaeger vom Kaiserreich bis zur Bundesrepublik und zur DDR bilden eine riesige Auswahl. Besonders beim Reichssilber sind zahlreiche Stücke in besonders hübschen Erhaltungen dabei. Den Abschluss des Münzbereichs runden wie immer Lots, Posten und teils urbelassene Sammlungen, die zum Stöbern einladen, ab – hierzu bitte dringend Besichtigungszeit einplanen und frühzeitig Termine reservieren. Diesmal sind besonders viele große urbelassene Händler- und Sammlernachlässe enthalten, die geradezu nach „Schatzsuchern” schreien. Der letzte Abschnitt der 140. Auktion am 9.12. sind Orden und Ehrenzeichen, Militaria (mit zahlreichen Blankwaffen) und andere Antiquitäten von der Taschenuhr und historischen Wertpapieren über Silber bis zum Schmuckstück. Banknoten Die 141. Auktion am 9. und 10. Dezember ist wieder ein Sonderkatalog für Briefmarken und Banknoten (hier u. a. große Serie KZ- und Lagergeld mit vielen Seltenheiten, die 100 Dollars Umlaufnote 1914 von Kiautschou usw.). Nr. 4733: BANKNOTEN. FINNLAND. 100 Markkaa 1898. No 0070255 mit zwei Originalunterschriften. IV, minimaler Einriss und etwas fleckig. Äußerst selten. P. 7a. Taxe: 3.500,– Euro. Diese Variante mit Handunterschrift wurde nach unserem Wissen seit Jahren nicht mehr im Handel angeboten. Nr. 4749: Haiti. 1 Piastre Sept. 1875. Mit original Unterschrift des Präsidenten Domingue. Verm. Unikat. IV-, kl. Fehlstellen und restaurierte Einrisse, von größter Seltenheit. Pick 70 Unikat, Taxe: 1.500,– Euro. Nr. 4818: Mecklenburg-Strelitz, 25 Thaler 1.6.1869. Mecklenburgischer Rentei-Cassen-Schein. I/II, selten, Pick A182, Grabowski/Kranz 214, Taxe: 1.000,– Euro. Nr. 4823: Deutsches Reich, 1871-1945, 10 Tsd. Mark 3.2.1923. Serie S, FZ: E. Mit rotem Aufdruck „MUSTER“. I-, kl. Fehlstelle links, sehr selten, Rosenberg 83, Grabowski DEU-94, Taxe: 1.000,– Euro. Nr. 4884: Westliche Besatzungszonen und BRD, ab 1948, 5 Deutsche Mark 9.12.1948. Serie 1 mit Kreuzstern. III/IV, min. Fehlstellen am Oberrand. Bei dem vorliegenden Schein handelt es sich wohl um das 2. bekannte Ex. mit der 1 vor dem Kreuzstern. Rosenberg 252e, Grabowski BRD-1d, Taxe 1.000,– Euro. Nr. 4905: KIAUTSCHOU. Deutsch-Asiatische Bank 1907–1918. 100 Dollar 1.7.1914. Filiale Peking. Nicht ausgegebener Schein in exklusiver Erhaltung. I-, Prachtexemplar, von größter Seltenheit, besonders in dieser Erhaltung. Rosenberg 1038. Pick S. 277. Grabowski DAB-40. Taxe: 20.000,– Euro. Nr. 4926: (ohne Ortsangabe), Employment Board for Jewish Displaced Persons, 100 Unit o.D. (1947) II-, von größter Seltenheit, Schöne 6126, Pick SI 216, Taxe: 500,– Euro. Nr. 5090: Kaiserswerth (heute zu Düsseldorf gehörig), 20 Billionen Mark 1.12 1923 Papier, einseitig. Serie D No. 0019. II, Fleck am Rand, sehr selten, van Eck 756.11, Taxe: 300,– Euro. Nr. 5138: Mittelbau-Dora (Thüringen), Arbeitslager Mittelbau, 2 Reichsmark o.D. (1944). Serie M. III, sehr selten, Grabowski. Mi 7b, Taxe: 250,– Euro. Nr. 5139: Mittelbau-Dora (Thüringen), Arbeitslager Mittelbau, 10 Reichsmark o.D. (1944). Serie D. IV, äußerst selten, Grabowski. Mi 9, Taxe: 500,– Euro. Nr. 5159: Oranienburg (Brandenburg), Konzentrationslager, 10 Pfg. o.D. (06.1933). Mit Wz. Hausmann-Wellen. II, oben rechts gelocht, äußerst selten, Grabowski. Or. 2, Taxe: 350,– Euro. Zur Auktion: https://www.teutoburger-muenzauktion.de/de/












