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  • Lexikon: B-Stempel und B-Lochung

    Die durch die unterschiedlichen Währungsreformen in den drei westlichen Besatzungszonen und in der sowjetischen Besatzungszone herbeigeführte Währungstrennung Deutschlands im Juni 1948 brachte für Berlin, das von allen vier Siegermächten besetzt war, erhebliche Schwierigkeiten. Da die Einigung über die in Berlin durchzuführende Währungsreform in der Alliierten Kommandantur nicht möglich war, verfügten die Kommandanten der US-amerikanischen, britischen und französischen Sektoren am 24. Juni 1948 die Einführung der von der Bank deutscher Länder ausgegebenen DM-Scheine im Rahmen einer Währungsreform, die in den wesentlichen Punkten der in den Westzonen glich. WZB-13a: Westberlin, 1/2 Deutsche Mark 1948 mit B-Stempel, Vorderseite. WZB-13b: Westberlin, 1/2 Deutsche Mark 1948 mit B-Lochung, Vorderseite. Um ein Abwandern des in Westberlin ausgegebenen neuen Geldes zu verhindern, war es verboten, mehr als 300 DM pro Person aus den westlichen Sektoren der Stadt hinauszubringen. Eine Kontrolle war nur möglich, wenn die Westberliner DM-Scheine gekennzeichnet wurden. Daher versah man diese Noten mit einem B-Stempel (B = Berlin) oder einer B-Lochung (Perforation). Stempel und Lochung wurden zum Teil auch gleichzeitig verwendet (seltener). WZB-13c: Westberlin, 1/2 Deutsche Mark 1948 mit B-Stempel und B-Lochung, Vorderseite. Schon bald entdeckte man, dass diese Beschränkung und Kontrolle überflüssig war und stellte die Kennzeichnung am 23. Dezember 1953 ein. Es kommen alle von der Bank deutscher Länder ausgegebenen Scheine mit dieser Kennzeichnung vor. Da die Stempelung von verschiedenen Stellen vorgenommen wurde und eine genaue Farbanalyse nicht mehr möglich ist, ist die Echtheit der vorkommenden Stempel nicht feststellbar. Scheine mit Stempel sollten daher von den Sammlern eigentlich kaum höher bewertet werden als normale Scheine. Bekannt sind auch spätere Gefälligkeitsabstempelungen durch die Deutsche Bundesbank und falsche B-Stempel. Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski

  • Oesterreichische Nationalbank (Hrsg.): Funny Money. Geld in der Karikatur

    Oesterreichische Nationalbank (Hrsg.): Funny Money. Geld in der Karikatur, Wien 2020, 92 Seiten, durchgängig Abbildungen, Format: 19,5 x 24,5 cm. Dieser Karikaturenband basiert auf der bis 2. Juli 2021 in Wien gezeigten Ausstellung der Oesterreichischen Nationalbank. Geld, Währung, Wirtschaft sind zentrale gesellschaftliche Themen und betreffen auf die eine oder andere Weise so gut wie alle Menschen. Deshalb fanden gerade auch Karikaturisten schon immer geeignete Motive innerhalb dieser Themenfelder. Kaum ein anderes Medium bietet – aus unterschiedlichen Blickwinkeln – derartig vielfältige Zugänge und Sichtweisen wie die Karikatur. Die satirische, kritische und humorvolle Annäherung an die Themen laden zum Nachdenken und Hinterfragen ebenso ein wie zum Schmunzeln ein. Karikaturen bieten eine Möglichkeit, Geld- und Wirtschaftsgeschichte einmal von einer ungewohnt unterhaltsamen Seite zu erleben. Richard Pilz

  • Aus privaten Sammlungen: Bogenteil mit vier Notausgaben der Staatlichen Kreditanstalt Oldenburg 1923

    1868 war die Oldenburgische Landesbank gegründet worden, die von Anfang an als Notenbank für das damalige Großherzogtum fungieren sollte. Um die Währungsumstellung im Land nach der Reichsgründung von 1871 sicherstellen zu können, gab die Oldenburgische Landesbank 1875 Banknoten zu 100 Mark in Umlauf, die Anfangs auch im ganzen Reich, aber ab 1876 nur noch im Großherzogtum gültig waren. Bereits im Dezember 1876 verzichtete die Oldenburgische Landesbank auf ihr Notenrecht. Mit Beginn der Hochinflation wuchs auch im Land Oldenburg der Bedarf an Zahlungsmitteln mit hohen Nennwerten. Mit Datum vom 16. August 1923 gab deshalb die Staatsbankdirektion im Namen der Staatlichen Kreditanstalt Oldenburg Gutscheine über 1 und 2 Millionen Mark aus. Von den 2-Millionen-Mark-Scheinen hatte bereits Keller auch solche ohne Kontrollnummer erwähnt. Bei der Teutoburger Münzauktion sind nun im September 2021 Bogenteile mit je vier unfertigen Scheinen ohne Kontrollnummern zu 1 Million Mark angeboten worden. In einer für den Herbst 2022 geplanten Neuauflage meines Katalogs zum Papiergeld der deutschen Länder, sind diese Besonderheiten natürlich zu berücksichtigen. Aus der Sammlung Hans-Ludwig Grabowski: Deutsches Reich, Land Oldenburg, Staatliche Kreditanstalt Oldenburg, Staatsbankdirektorium: Bogenteil mit vier unfertigen staatlichen Notgeldscheinen zu je 1 Million Mark vom 16. August 1923 ohne Kontrollnummern Vorderseite: Rahmen, Text und Wappen in Braun auf Ornamentunterdruck mit Wertzahlen in Grüngrau. Rückseite: Druck einseitig. Wasserzeichen: Hakenmäander. Format: 280 mm x 200 mm Druck: Gerhard Stalling, Oldenburg i. O. Katalogreferenzen: OLD-2 (Hans-Ludwig Grabowski: Deutsches Notgeld, Band 10: Das Papiergeld der deutschen Länder 1871–1948) Hans-Ludwig Grabowski Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com.

  • Leserpost: Ergänzung zu den Schatzanweisungen des Deutschen Reichs von 1923

    Unser Autor und Leser Uwe Bronnert schickte unlängst Scans eines Teilstücks der Schatzanweisungen des Deutschen Reichs über 1,05 Mark Gold = 1/4 Dollar vom 26. Oktober 1923 in einer Ausführung mit bisher nicht in meinem Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871" verzeichneten Firmenzeichen. Im Katalog ist unter WBN-13a (Ro./Gra. 143a) das Firmenzeichen AX zu ergänzen. Vielen Dank für den Hinweis! Wer ebenfalls Ergänzungen zu diesem oder anderen Katalogen melden kann, schickt einfach eine E-Mail unter Beifügung von entsprechenden Abbildungen. Vielen Dank! Hans-Ludwig Grabowski

  • Fälscher & Falschgeld: Teil 46

    Geschichten, die Geschichte machten, Teil 3: Die Dollarfälscher von Philadelphia oder: Die Blütenwerkstatt in der Gefängniszelle Am 9. Oktober 1899 begann im Moyamensing-Gefängnis von Philadelphia der Prozess gegen vier illustre Herren, denen der US Secret Service nach zweijähriger Ermittlungsarbeit das Handwerk gelegt hatte: William M. Jacobs, William L. Kendig, Baldwin S. Bredell und Arthur Taylor. Sie hatten nicht nur Tabaksteuerbanderolen fast perfekt gefälscht, sondern auch 100-Dollar-Noten derart gut nachgeahmt, dass sie selbst von Falschgeldspezialisten nur nach eingehender Untersuchung als falsch erkannt werden konnten. Diese Falsifikate waren bis weit in das 20. Jahrhundert hinein die gefährlichsten, die Amerika gesehen hatte. Die vier bescherten dem Secret Service den bis dahin spektakulärsten Fall von Falschmünzerei. Alles hatte im Sommer des Jahres 1896 begonnen. „Ich brauche dringend zwei tüchtige Männer“, erklärte William M. Jacobs seinem Freund Alan Smith in Philadelphia. Mr. Smith versprach, sich umzusehen. Jacobs und sein Kompagnon William L. Kendig betrieben etwa 75 Meilen westlich von Philadelphia, in der Stadt Lancaster, eine Zigarrenfabrik. Die beiden hatten sich gesucht und gefunden. Auch Kendig war früher schon selbständig gewesen, hatte aber mit seinem Betrieb pleite gemacht. Beide waren im Auslegen der Gesetze recht großzügig und die Fabriken beider Herren waren mehrere Male abgebrannt. Merkwürdige Brände übrigens, und was die Nachbarn hinter vorgehaltener Hand tuschelten, stand für die Polizei fest: Brandstiftung und Versicherungsbetrug. Aber man konnte ihnen nichts nachweisen. Hinzu kam, dass die beiden elegante und anspruchsvolle Frauen geheiratet hatten, Schönheit und Repräsentation aber kosteten Geld. Die beiden Gentlemen wollten reich werden, wenn nicht legal, dann eben auf anderem Wege. Die genialen Fälscher von Philadelphia ahmten die Silver Certificates der Ausgabe 1891 so gut nach, dass die komplette Serie im Gesamtnennwert von 26 Millionen Dollar eingezogen werden musste. Wenige Wochen nach der Unterredung von Jacobs mit seinem Freund Smith in Philadelphia hatte jener zwei junge Männer aufgespürt, die zu dem Duo Jacobs / Kendig passten: den 23-jährigen Baldwin S. Bredell sowie einen gewissen Arthur Taylor, ebenfalls Mitte zwanzig. Bredell galt als kleines Genie und Organisationstalent; er konnte improvisieren, verstand etwas von Physik und Chemie und war geübt im Herstellen von Druckstöcken aller Art. Taylor beherrschte ebenfalls perfekt die Kunst des Gravierens. Die beiden arbeiteten bei der E.A. Wright Company, einem großen Unternehmensverbund, zu dem Druckereien und Papierfabriken gehörten. Die Klischees, die Taylor herstellte, waren die besten im ganzen Betrieb. Jacobs und Kendig redeten nicht lange um den heißen Brei herum und erklärten den beiden jungen Leuten ohne Umschweife ihre Pläne. Unter den Tabak-Verarbeitern und Zigarrenherstellern in den USA herrschte ausgangs des vorigen Jahrhunderts ein gnadenloser Konkurrenzkampf. Es gab über 14.000 Zigarrenfabriken, die über fünfzehntausend verschiedene Sorten, Mischungen und Farben anboten. Die fixen Kosten wie Einkaufspreise für die Rohware oder die Arbeitslöhne ließen nur wenig Spielraum, und auch der Erlös beim Verkauf der fertigen Zigarren an den Großhandel stand mit rund sieben Dollar für 1.000 Stück fest. Trotz schärfster Kalkulation blieben da nur noch 3,20 Dollar für die sonstigen Herstellungskosten, die Verteilung und letztendlich für die Gewinnspanne. Denn: Die Differenz zu den sieben Dollar Verkaufserlös waren die Steuern. Wenn man diese 3,80 Dollar sparen könnte....?! Von der Idee zum fertigen Plan, in den die beiden neuen Mitarbeiter eingeweiht wurden, war es nur ein kleiner Schritt. Man würde die blauen Steuerbanderolen mit dem Porträt des amerikanischen Staatsmannes Henry Clay selbst herstellen. Das Risiko hierbei war relativ gering, denn die Behörden wurden vom in dieser Zeit umlaufenden Falschgeld in Atem gehalten und kümmerten sich nicht großartig um andere Wertzeichenfälschungen, der Großhändler achtete nicht auf die Banderole, auch dem Verkäufer war sie ziemlich egal und dem Verbraucher sowieso, der sie beim Öffnen der Packung achtlos zerriss. Ein Problem gab es allerdings, und das war der Steuerprüfer, der den Verkauf der Banderolen überwachte und die Tabak verarbeitenden Betriebe regelmäßig prüfte. Der für das Unternehmen von Jacobs und Kendig zuständige Mann hieß Samuel B. Downey, ein unterbezahlter kleiner Beamter. Er war leichter zu kaufen gewesen, als es unsere vier Freunde erwartet hatten. Für 500 Dollar im Monat hielt er es mit den berühmten drei Affen: nichts sehen, nichts hören, nichts reden. Damit die mehr als 300 Arbeiter und Angestellten der Cigar Postal Company – so nannten Jacobs und Kendig ihre Firma – nichts merkten, errichteten die beiden in Philadelphia ein kleines Zweigunternehmen. In dessen Kellerräumen sollten Bredell und Taylor ihr Werk beginnen. Nachdem die notwenigen Maschinen, Farben und weiteren Utensilien diskret beschafft worden waren, standen die vier vor dem größten Problem: das Papier. Kendig selbst versuchte, an Mitarbeiter der Firma Crane in Dalton, Massachusetts heranzukommen, merkte aber bald, dass hier Bestechungsversuche zu gefährlich waren und zog sich zurück. Die Crane Company stellte neben dem Papier für die US-Dollarnoten auch dasjenige für die Steuerbanderolen und für weitere Wertdrucke der US-Regierung her. Doch Kendig wusste Rat. Er gründete eine Firma, die medizinische Präparate herstellte, das heißt, eigentlich ließ er nur Briefbogen dieser fingierten Firma drucken. Sie nannte sich bombastisch „Indian Rheumatic Ulmer Syrup Company“. Kendig wandte sich an ein kleines Unternehmen für Spezialpapiere aller Art, auch feines Deckpapier für Zigarren hatte er schon von dessen Inhaber, einem gebürtigen Deutschen, bezogen. Unter dem Vorwand, seine Medizin vor Nachahmungen schützen zu wollen, bestellte Kendig 250 kg Papier, aus dem er Etiketten mit Wasserzeichen schneiden wollte. Das Wasserzeichen sollte als besonderes Sicherungsmerkmal in das Papier eingebracht werden und aus den Anfangsbuchstaben von Kendigs Briefkastenfirma in endloser Folge bestehen: I.R.U.S. Eine geniale Idee, ein raffinierter Gedanke, denn das Wasserzeichen der Steuerbanderolen bestand aus den Buchstaben U.S.I.R. (United States Internal Revenue, US-Steuerbehörde), ebenfalls endlos aufeinander folgend. Bei flüchtigem Hinsehen waren die Buchstaben des Kendig-Papiers nicht von dem Original-Wasserzeichen zu unterscheiden! Inzwischen waren auch die beiden Helfer Bredell und Taylor nicht untätig gewesen und hatten bereits die Druckstöcke zur Herstellung der Steuerbanderolen fertig gestellt, und zwar in exzellenter Qualität. Der Druck und das Schneiden des Wasserzeichenpapiers auf die richtige Größe waren weiter kein Problem. Die Jahresproduktion der Cigar Postal Company von bisher 23 Millionen Zigarren schnellte sprunghaft auf 45 Millionen. Die Zuwachsrate von 22 Millionen wurde ausschließlich mit den Steuermarken aus eigener Produktion beklebt. Die Gewinne waren nun entsprechend hoch und die beiden fleißigen Angestellten Bredell und Taylor bezogen fürstliche Gehälter. Auch Steuerprüfer Downey war zufrieden und attestierte der Cigar Postal Company pflichtgemäß eine einwandfreie Betriebsführung und ein überaus korrektes Steuerverhalten. Die hervorragende Qualität der Banderolen und das nun florierende Geschäft ließen Jacobs und Kendig bald über einen weiteren Schritt nachdenken. Warum sollte man sich nicht an etwas Größeres heranwagen? Warum sollte man den „Umweg“ über die Zigarrenproduktion nehmen, um an Geld zu kommen und nicht gleich gute Dollars drucken?? Mit Bredell und Taylor als hervorragendem Fachpersonal konnte eigentlich nichts schiefgehen. Mit der Herstellung der Druckunterlagen für die Steuerbanderolen hatten sie bewiesen, was sie imstande waren, zu leisten. Am nächsten Tag fuhren die Firmeninhaber nach Philadelphia, um mit den beiden zu reden. Diese waren sofort Feuer und Flamme, versprach ihnen doch dieses Unternehmen einen Gewinn, an den sie in ihren kühnsten Träumen nicht zu denken gewagt hatten. Jeder sollte nach erfolgreichem Abschluss des Unternehmens sage und schreibe 1.500.000 Dollar bekommen! Eineinhalb Millionen, und das zu einer Zeit, in der man für den Dollar ungefähr das 20-fache dessen kaufen konnte, was es heute dafür gibt. Die Arbeit war genau aufgeteilt: Jacobs gab den großen Manager, Kendig war verantwortlich für die Beschaffung des Papiers, Bredell beschaffte alle notwendigen Maschinen, Farben und Geräte, Taylor schließlich sollte die Druckplatten herstellen. Letzterer wollte die Platten mittels der besten Kameraausrüstung, die es auf dem Markt gab, herstellen. Die beiden jungen Helfer von Jacobs und Kendig waren fleißige Leute und hatten ihren Teil der Vorbereitungen bald abgeschlossen. Es fehlte nur noch das Papier. Da sich eine solch große Menge – es sollten 200.000 Stück 100-Dollar-Noten gedruckt werden – nicht auf einmal beschaffen ließ, hatte Kendig im Keller des Zigarren-Zweigbetriebes in Philadelphia eine kleine Papierfabrik eingerichtet. Aber die Herstellung bereitete unerwartete Schwierigkeiten, noch dazu in der benötigten großen Menge. Noch konnte auf absehbare Zeit nicht gedruckt werden. Bredell und Taylor wurden ungeduldig, sie hatten mit ihrem Anteil an dem Erlös des Planes schon fest gerechnet und mittlerweile hübsche junge Mädchen aus den besten Kreisen Philadelphias geheiratet. Der gesellschaftliche Aufstieg verpflichtete und kostete Geld. Und Kendig würde auf absehbare Zeit nicht in der Lage sein, Papier anzufertigen. So beschlossen die beiden ohne Wissen ihrer Chefs auf eigene Faust eine kleine Produktion zu beginnen. Das Papierproblem löste der findige Bredell auf seine Weise. Nach längeren Experimenten hatte er ein Verfahren entwickelt, Ein-Dollar-Noten in einem chemischen Bad so zu behandeln, dass die Druckfarbe verschwand. Was übrig blieb, war echtes, makelloses Notenpapier, das nun entsprechend „aufgewertet“ werden konnte, ein Verfahren, das in den kommenden Jahrzehnten noch von vielen Fälschern angewendet werden würde. Als Muster hatten sie ein Silver Certificate der Serie 1891 mit dem Bildnis des Präsidenten James Monroe gewählt. Mittels seiner ganz ausgezeichnet gelungenen Druckplatten fertigten er und sein Kumpan zunächst 97 Stück 100-Dollar-Noten an. Sie konnten ihre Blüten mühelos absetzen, niemand schöpfte Verdacht. Bei ihren Chefs, die keine Ahnung von dem Treiben der beiden hatten, meldeten sie sich zu einem dringend benötigten Urlaub nach Florida ab. Die falschen Silber-Hunderter waren von so guter Qualität, dass sie und ihre Ehefrauen auch im Sunshine State damit keinerlei Aufsehen erregten. Erst im Dezember 1897 kamen einem erfahrenen Bankangestellten in Philadelphia Zweifel, als er einen Monroe-Hunderter in der Hand hielt und ihn näher begutachtete. Der Druck, insbesondere der des roten Schatzamtssiegels, war etwas flau ausgefallen. Doch das kam ab und an vor. Und das Papier war echt. Um ganz sicher zu gehen, informierte er den Secret Service und ließ das verdächtige Silberzertifikat durch William M. Horan prüfen. Horan war Assistent des Secret Service-Chefs und galt als einer der besten Falschgeld-Experten des Landes. Horan verglich den Schein mit einer anderen Note und förderte dabei einige Merkmale zutage, in denen die Note aus Philadelphia abwich. Nach einigen weiteren Untersuchungen war sich Horan sicher: falsch, aber eine ausgezeichnete Arbeit. Hier mussten geniale Fälscher am Werk sein! Alle Banken wurden gewarnt und siehe da, in den folgenden Wochen landeten über 50 Bredell-Taylor-Blüten auf dem Schreibtisch des Geheimdienstmannes. Auch die Presse wurde jetzt verständigt und das Publikum gewarnt. Angesichts der Perfektion, mit der die 100er hergestellt waren, zeigten sich die Behörden aufs äußerste schockiert. Sie überschätzten jedoch die umlaufende Anzahl der falschen Noten bei weitem, und in dieser Panik verfügte das Schatzamt, alle Silberzertifikate des Monroe-Typs sofort einzuziehen. Es dauerte viele Wochen, bis alle Noten im Gesamtwert von 26 Millionen Dollar abgeliefert und umgetauscht waren. Als Jacobs und Kendig von dieser Affäre erfuhren, ahnten sie sofort, dass nur ihre beiden Angestellten Bredell und Taylor dahinterstecken konnten. Jacobs fuhr nach Philadelphia, ließ sich die Druckplatten aushändigen und wusch den beiden gehörig den Kopf. Bredell und Taylor versprachen hoch und heilig, nie wieder irgendwelche Extratouren zu drehen. Nachdem nun die Hunderter des Monroe-Typs eingezogen waren, beschlossen die vier, die umlaufende 100-Dollar-Note des United States-Typs mit dem Bild Abraham Lincolns zu fälschen. Im Anschluss daran sollten dann auch sämtliche anderen Nominale von 5 bis 50 Dollar folgen. 1898 wurde John E. Wilkie Chef des Geheimdienstes. Er machte sich umgehend daran, die Falschgeldhersteller zu ermitteln, die den Monroe-Hunderter so perfekt kopiert hatten. Wo waren die meisten falschen Scheine aufgetaucht? In Philadelphia. Also kam dort ein kleines Heer von Agenten unter der Führung seines Assistenten Horan zum Einsatz. Wilkies Geheimdienstler gaben in allen größeren Zeitungen Philadelphias großformatige Anzeigen auf, in denen „Experten der Fototechnik, des Gravierens und des Drucks gegen höchste Bezahlung“ gesucht wurden. Alle erscheinenden Bewerber wurden aber von den Agenten in ihren als Stellenvermittlungen getarnten Büros gründlich ausgehorcht und überprüft. Auch Bredell und Taylor meldeten sich, sie wollten schließlich wissen, was in der Branche vor sich ging. Und insgeheim rechneten sie wohl damit, dass dies ein Manöver des Secret Service sein könnte; sich trotzdem zu melden – ihre beiden Chefs hatten dazu ausdrücklich ihre Genehmigung erteilt – hielten sie für besonders schlau, sie wollten damit nach außen hin ihr reines Gewissen dokumentieren. Aber auch die Geheimdienstleute waren nicht von gestern. Als sie erfuhren, dass die Cigar Postal Company mit ihren beiden Inhabern Jacobs und Kendig mit im Spiel ist, wurden sie hellhörig. Waren nicht die Betriebe dieser beiden Herren vor einigen Jahren unter merkwürdigen Umständen abgebrannt? Man würde den beiden Herren einmal auf die Finger sehen müssen. War auch mit der Steuer alles in Ordnung? Steuerprüfer Downey stellt der Firma ein ausgezeichnetes Zeugnis aus, fast ein zu gutes. Das Misstrauen der Secret Service-Agenten verstärkte sich. Zufälligerweise betrieb ein guter Freund des neuen Geheimdienstchefs Wilkie einen Zigarrenladen in Philadelphia. Wilkie kaufte bei ihm einige Kistchen der besten Sorten des Hauses Cigar Postal und ließ Horan die Steuermarken untersuchen. Sein Urteil nach nur kurzer Prüfung: „Gefälscht – und zwar beängstigend gut!“ Nach gründlicherem Untersuchen stellte Horan fest, dass die falschen Monroe-Hunderter aus exakt der gleichen Werkstatt wie die Banderolen stammen mussten. Als Bredell und Taylor am nächsten Morgen in ihrer Fabrik erschienen, wurden sie festgenommen. Die Secret Service-Beamten hatten in der Nacht bereits das ganze Gebäude durchsucht und im Keller die Fälscherutensilien beschlagnahmt. Dabei wurden auch die bereits fertigen Druckplatten für den Hunderter des Lincoln-Typs sowie für die 50-Dollar-Note gefunden. Wenige Stunden später wurden in Lancaster die Herren Jacobs und Kendig verhaftet. Bredell und Taylor sagten bereitwillig aus, was sie wussten. Kendigs „Papierfabrik“ wurde ausgehoben, Steuerprüfer Downey wurde einem strengen Verhör unterzogen und gestand, bestochen worden zu sein. Weitere Helfer und Helfershelfer, mit dem Geld von Jacobs und Kendig gekauft, flogen auf. Der eingangs erwähnte Prozess gegen die vier Gauner begann mit einem Eklat. Durch Mittelsmänner war es den Angeklagten gelungen, einige Geschworene zu bestechen. Als die Sache entdeckt wurde, setzte sich die Jury neu zusammen und verurteilte Jacobs und Kendig zu je zwölf Jahren Gefängnis, Bredell und Taylor kamen mit je sieben Jahren davon; ihre Bereitwilligkeit zur Aussage machte sich bezahlt. Die beiden hatten Glück: Sie bezogen eine gemeinsame Zelle und durften den Besuch ihrer Frauen empfangen. Die beiden Häftlinge benahmen sich ausgezeichnet, hatten gute Manieren, waren willig und fleißig und erfreuten sich so der besonderen Gunst ihrer Aufseher. So konnte auch Taylors Bruder Harry die beiden viel häufiger besuchen, als es die Gefängnisordnung normalerweise zuließ. Von ihm erfuhren die beiden, dass kürzlich ein anderer „Kollege“ aus der Fälscherzunft vorzeitig aus der Haft entlassen worden war, weil er im Nachhinein dem Gericht das Versteck seiner Druckplatten verraten hatte, die die Polizei trotz intensiver Suche nicht gefunden hatte. Bredell und Taylor hatten zwar nichts mehr zu verraten, aber vielleicht ließ sich ja etwas zaubern…! Wenn die beiden Besuch bekamen, waren sie meist unbewacht und niemand hörte, was sie miteinander besprachen. Harry nutzte seine Besuchserlaubnis weidlich aus, auch die beiden Ehefrauen kamen recht oft. Und immer brachten sie etwas mit. Zuerst drei Kupferplatten, dann folgten Chemikalien, Farben, ein Vergrößerungsglas, Stichel und Schaber, Federn und Tinte und schließlich ein kleines, fünf Pfund schweres Bügeleisen nebst einer Petroleum-Lampe und einem schwarzen Tuch, das die Werkstatt abschirmen sollte. Nach knapp drei Monaten hatten die zwei alles in ihrer Zelle, was man zum Fälschen unbedingt braucht. Sie versteckten es unter den Matratzen, in ihren Anzügen, hinter dem Spind. Und Harry Taylor schleuste auch noch das Wichtigste ins Gefängnis, nämlich 150 Ein-Dollar-Noten. Bredell und Taylor arbeiteten nur nachts. Einer hantierte getarnt unter dem schwarzen Tuch, der andere passte auf und leistete Handlangerdienste. Nach einigen Wochen hatten sie das Unglaubliche geschafft. Nach bewährter Methode hatten sie die Einernoten gebleicht und aus ihnen 150 Zwanzig-Dollar-Scheine gezaubert. Noch einmal vergingen mehrere Wochen, bis Bruder Harry das gesamte Handwerkszeug wieder hinausgeschafft und die Blüten nebst den Druckplatten auf dem Grab des Vaters versteckt hatte. Jetzt hatten Bredell und Taylor ihr großes Geheimnis, das sie noch verraten konnten. Anfang des Jahres 1901 baten sie den Gefängnisdirektor um ein Gespräch und verlangten nach Geheimdienstchef Wilkie. Nachdem sie diesem ihr „Geheimnis“ anvertraut hatten, blieb Wilkie zwar skeptisch, versprach aber, sobald die Gegenstände in seinem Besitz seien, mit dem Richter zu reden, um eine vorzeitige Entlassung zu erwirken. Erregt und erwartungsvoll verbrachten unsere Freunde die nächsten Tage. Und tatsächlich kreuzte Horan, der Assistent Wilkies, im Gefängnis auf. Das Gespräch verlief aber ganz anders, als es sich die zwei Gefangenen vorgestellt hatten. „Die drei Platten und die falschen Scheine haben wir gefunden“, sagte Horan, „aber die können unmöglich aus der Zeit vor eurer Verhaftung stammen. Sie tragen einen Seriennummernkreis, der erst seit kurzem verwendet wird!“ Bredell und Taylor waren wie vom Donner gerührt, daran hatten sie nicht gedacht, als sie einfach die Seriennummern der von Bruder Harry eingeschleusten Einer für ihre Gefängnisfälschungen übernommen hatten. Zögernd erst und dann mit einem gewissen Stolz berichteten sie Horan, was sie angerichtet hatten. Der schüttelte ungläubig den Kopf. Erst als sie ihm im Detail vorführten, wie sie gearbeitet hatten und dass ein Bügeleisen bei geschicktem Manipulieren als Druckerpresse dienen konnte, ließ er sich überzeugen, dass die Platten und die Zwanziger in der Zelle fabriziert worden waren. So etwas hatte er noch nicht erlebt, das war ein in der amerikanischen Justizgeschichte einmaliger Fall. In den Akten des Secret Service ist genau beschrieben, wie Bredell und Taylor unter schwierigsten Umständen und mit primitivsten Mitteln, aber mit viel Geschick und mit noch mehr Improvisationstalent in einer kleinen Gefängniszelle ihr Meisterwerk vollbracht und Blüten hergestellt hatten. Die zwei wurden noch einmal zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt, aber bereits im April 1905 aufgrund besonders guter Führung und durch die Intervention Wilkies vorzeitig entlassen; offenbar hatten die beiden mit ihrer Aktion Eindruck auf den Geheimdienstchef gemacht. Taylors Bruder Harry musste wegen Beihilfe eineinhalb Jahre absitzen. Sie gründeten nach ihrer Entlassung mit der Unterstützung Wilkies, der den beiden auf diesem Weg wieder in die Gesellschaft zurückhelfen wollte, eine kleine Druckerei und hatten sich geschworen, auf keinen Fall rückfällig zu werden. Doch immer dann, wenn in den USA wieder einmal besonders gute Fälschungen von Dollars auftauchten, erhielten sie Besuch von den Beamten des Secret Service. Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser…. Ihre beiden ehemaligen Chefs Jacobs und Kendig waren im Sommer 1905 aufgrund einer durch den Präsidenten verfügten Begnadigung ebenfalls vorzeitig aus der Haft entlassen worden, da ihr Anwalt erreicht hatte, dass das Strafmaß im Nachhinein als übertrieben hoch eingestuft worden war. Bredell und Taylor hatten danach nie wieder etwas von den beiden gehört. Der letzte Überlebende dieser Geschichte, Baldwin S. Bredell, ist erst im Juli 1956 gestorben. Und wo einst die Zigarrenfabrik der Cigar Postal Company in Lancaster stand, steht heute ein Wolkenkratzer. Karlheinz Walz Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Die Noten der British Military Authority (BMA)

    1941 gelangte die britische Regierung zu der Überzeugung, dass in naher Zukunft eine alliierte Landung im französischen Nordafrika und dem italienischen Libyen bevorstehe. Da man damit rechnete, dass der Feind die Bargeldbestände vernichten würde, plante man die Ausgabe eigenen Geldes. Hierzu wurde eine besondere Sterling-Währung der „British Military Authority“ (BMA) geschaffen. Ihr Druck begann im Januar 1942. Die Serie umfasste die Wertstufen 1 Pfund, 10 Shillings, 5 Shillings, 2 Shillings 6 Pence und 1 Shilling und wurde in der Folgezeit mit den Serienangaben A, B, … Z gedruckt. Die Geldscheine haben eine weitgehend einheitliche Gestaltung, unterscheiden sich aber in Farbgebung und teilweise auch in der Größe. Die Vorderseiten nennen in der Mitte den jeweiligen Wert in Buchstaben und in den vier Ecken jeweils in Ziffern. Überschrieben sind die Scheine zweizeilig mit „ISSUED BY THE / BRITISH MILITARY AUTHORITY“. Auf der Rückseite wird der Wert groß in Ziffern wiederholt. Alle Scheine sind undatiert. Auf der Vorderseite findet sich bei den Werten von 1 bis 5 Shilling die Serienbezeichnung in Form eines Großbuchstabens. Erst ab dem 10-Shilling-Nominal ist der Serienbuchstabe mit einer Kennnummer kombiniert. Abb. 1: 6 Pence, ohne Serie, Vorder- und Rückseite. Größe: 114 x 59 mm. Abb. 2: 1 Shilling, hier: Serie K, Vorder- und Rückseite. Größe: 114 x 73 mm. Abb. 3: 2 Shillings 5 Pence, hier: Serie S, Vorder- und Rückseite. Größe: 114 x 73 mm. Abb. 4: 5 Shillings, hier: Serie B, Vorder- und Rückseite. Größe: 114 x 73 mm. Abb. 5: 10 Shillings, hier: Serie S, Vorder- und Rückseite. Größe: 138 x 78 mm. Obwohl die Geldzeichen für den Umlauf in Nordafrika vorgesehen waren, wurde ein Teil der Serie A zunächst in Madagaskar ausgegeben, das ab November 1941 von britischen Truppen besetzt wurde, um eine japanische Landung unmöglich zu machen. Ab 23. Januar 1943 wurde dann das BMA-Pound in Tripolitanien (Libyen) in Umlauf gesetzt. Benutzt wurden hier die Serien A bis F und möglicherweise auch die Serie L. Nach der Landung der alliierten Truppen in Französisch-Nordafrika (Marokko, Algerien und Tunesien) verwandten ab November 1942 die Briten die Serie K für kurze Zeit; allerdings kollidierte man hier mit Interessen des Verbündeten, da die US-amerikanischen Truppen ihr eigenes Besatzungsgeld, die Dollar-Noten mit gelbem Siegel, ausgaben. Die Scheine der Serie P waren für Albanien bestimmt, wurden jedoch nicht ausgegeben. In Griechenland und auf den bis 1947 italienischen Dodekanes (Rhodos) gelangte ab 15. Oktober 1944 die Serie R zur Ausgabe. Die Nominal-Reihe ergänzte man hier um einen 6-Pence-Schein, der aber keine Serienbezeichnung aufweist. Die Serie S gelangte ab 10. Juli 1943 auf Sizilien zur Ausgabe und ab 3. September auch in Italien. Nur wenige BMA-Scheine der Serie X wurden in Jugoslawien ausgegeben. Von der Serie Z schließlich versah man probeweise jeweils 25 1-Pound-Scheine mit einem schwarzen Aufdruck – BULGARIA, GREECE und FRANCE. Die Scheine der Serien G, H, M, Q, U und W wurden nicht in Umlauf gesetzt und vernichtet. Der Umrechnungskurs betrug: in Madagaskar 1 £ = 176 5/8 Francs, in Tripolitanien 1 £ = 480 Lire, in Italien 1 £ = 400 Lire, in Nordafrika (Marokko, Algerien, Tunesien) 1 £ = 300 Francs und in Griechenland 1 £ = 600 Neue Drachmen. Von den meisten Serien gibt es zwei verschiedene Specimen-Sätze: einmal solche für das War Office, das Finanzministerium (Treasury) und das Command Paymaster; diese haben neben der Serienbezeichnung sechs Nullen und einen horizontalen Aufdruck „SPECIMEN“. Die Musterscheine für die Zentralbanken der besetzten Gebiete weisen zweimal die Perforation „SPECIMEN“ auf. Als Serie T gab man ab 1943 in Libyen auf Lire lautende Scheine der „Military Authority in Tripolitania“ aus. Hierbei handelte es sich um Werte über 1 Lira, 5, 10, 50, 100, 500 und 1000 Lire. Sie blieben bis zum 24. Dezember 1951 im Umlauf. Der Umrechnungskurs betrug nun 1 £ = 400 Tripolitania-Lire. Zwischen Großbritannien und dem Iran kam es 1951 zur sog. Abadan-Krise um die Anglo-Persian Oil Company. Für einen möglichen militärischen Einsatz wurden Scheine der BMA vorbereitet, bei denen nur noch der entsprechende Wertaufdruck fehlte. Da der Konflikt beigelegt werden konnte, erübrigte sich ihre Ausgabe. Als es 1952 zum Konflikt um den Suez-Kanal kam, versah man die vorbereiteten Scheine mit den entsprechenden Wertaufdrucken – 2 ½, 5, 10, 25, 50 und 100 Piaster – in englischer und arabischer Sprache. Allerdings konnte auch bei der „Operation Rodeo“ auf eine Ausgabe verzichtet werden und die Bestände wurden vernichtet. Bei der nächsten Suez-Krise landeten 1956 britische und französische Truppen in Port Said. Wieder wurde eine neue Serie gedruckt. Man griff dabei auf Klischees von 1951 und die bekannten Nominale zurück. Der Aufdruck lautete nun „Allied Military Authority“ und in französisch „Autorités Militaires Alliées“. Auch diesmal setzte man die Scheine nicht im Umlauf und die Bestände wurden vernichtet. Uwe Bronnert Literatur: T. F. A. van Elmpt, British Military Authority, Occupation Currency 1942 – 1956, Europe and North Africa. Uithoorn (NL) 2003.

  • Lexikon: Broken Bank Bills

    Als Broken Bank Bills, Broken Bank Notes oder auch Wildcat Notes werden Noten bezeichnet, die in der sog. Free Banking Era (1836 bis 1865) von schlecht kapitalisierten aber staatlich anerkannten, zusammengebrochenen Privatbanken ohne ausreichend Deckungskapital (Wildcat Banks) auf dem Gebiet der heutigen USA ausgegeben wurden, als es noch keine nationale Landeswährung in Form allein gültiger einheitlicher Zahlungsmittel gab. New Orleans Banking Company: 10 Dollars aus den 1830er Jahren. Erie and Kalamazoo Rail Road Bank: 5 Dollars von 1853. Die US-Bundesstaaten vergaben leichtfertig Banklizenzen und verfügten nur über unzureichende Vorschriften. Es kam regelmäßig zu Bankschließungen und zu Betrug mit wertlosem Geld. Die Scheine sind wegen ihres Motivreichtums und der relativ günstigen Preise bei Sammlern in den USA beliebt. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski

  • Nachbericht zur 139. Teutoburger Münzauktion – Banknoten

    Die Teutoburger konnten vergangenen Freitag, 17.9.2021, in der Versteigerung des Banknoten-Sonderkatalogs Auktion 139 enorme Gebotssteigerungen verzeichnen. Die Auktion erzielte eine Zuschlagsquote von über 140 % der ursprünglichen Gesamttaxe, was man wohl als vollen Erfolg bezeichnen darf. Zum Nachverkauf Hier einige Beispiele von Zuschlägen: Los 4875: Taxe 500 Euro, Zuschlag 1.750 Euro Litauen, Probeandruck-Bogen des 5, 10, 20 und 50 Centu Scheins 16.11.1922. Jeweils Vorderseiten in schwarz/weiß mit div. Passern und handschr. Vermerk "Skala:" mit entsprechenden Farbhinweisen. Interessantes Zeitdokument und verm. Unikat. I-II, von größter Seltenheit Los 4876: Taxe 100 Euro, Zuschlag 700 Euro Litauen, 5 Litai 24.6.1929. I-II, selten Los 4895: Taxe 200 Euro, Zuschlag 7.500 Euro Russland, Spasskoje, Lagergeld, 4 Scheine zu 1, 5, 10 u. 15 Kopeken o.D. (1917). II, selten Los 4951: Taxe 2.500 Euro, Zuschlag 3.500 Euro Freie Stadt Danzig, 500 Gulden Danziger Banknote 10.2.1924. Zeughaus und Danziger Wappen/Brunnenfigur Neptun. KN 6-stellig rot, Wz. Maske. I, selten Los 4952: Taxe 2.500 Euro, Zuschlag 4.100 Euro Freie Stadt Danzig, 1000 Gulden Danziger Banknote 10.2.1924. Langer Markt, Rathaus und Danziger Wappen/Brunnenfigur Neptun. KN 6-stellig rot, Wz. Maske. I, selten Los 4985: Taxe 500 Euro, Zuschlag 2.200 Euro Deutschland unter alliierter Besatzung, 1945-1948, 100 Mark Serie 1944. KN 8-stellig, davor Kleinbuchstabe p. UdSSR-Druck. III, sehr selten Los 5033: Taxe 500 Euro, Zuschlag 1.300 Euro Bundesrepublik Deutschland, 20 Deutsche Mark Austauschnote 2.1.1970. Serie ZE/A. I, sehr selten Los 5050: Taxe 750 Euro, Zuschlag 2.400 Euro Bundesrepublik Deutschland, 1000 Deutsche Mark 1.6.1977. Ersatznote Serie Z/B. II-, selten Los 5108: Taxe 15.000 Euro, Zuschlag 22.000 Euro Deutsche Auslandsbanken, Kiautschou, Zehn Dollar 1.3.1907. Original kursierter Schein mit 2 Originalunterschriften und Wz. GD-Kreuzsternmuster (laut PMG fälschlicherweise 8 Cornered Crossflower). PMG Grading: Very Fine 25. äußerst selten Los 5216: Taxe 75 Euro, Zuschlag 1.600 Euro Konzentrationslager Dachau, Prämienschein, 1 RM. 11.1943. 2. Auflage. RRR III, Rs. Graffiti, sehr selten Los 5239: Taxe 50 Euro, Zuschlag 700 Euro Jewish D.P. Camp Feldafing (Bayern), 1 Dollar für die jüdische Gemeinschaft 1946. III-, Ecke rechts unten beschädigt, sehr selten Los 5324: Taxe 1.000 Euro, Zuschlag 1.250 Euro Kaiserswerth (heute zu Düsseldorf gehörig), 2 Billionen Mark 1.12.1923 Leinen. Serie A No. 013. I-, von größter Seltenheit Los 5348: Taxe 100 Euro, Zuschlag 1.650 Euro Ghetto Litzmannstadt, der Älteste der Juden, 50 Mark 15.5.1940. Rs. Stempel "Entwertet", niedrige u. orangene KN. 000121, Wz. Wellenbänder. III-IV, Büroklammerabdruck u. fleckig, sehr selten Los 5351: Taxe 175 Euro, Zuschlag 775 Euro Landbund Mecklenburg-Schwerin, Kreislandbund Ludwiglust, 10 Pfund Roggen 5.1.1924. Serie D, o. Wz. Dieser Schein ist bei Lindman abgebildet. I-, äußerst selten Los 5372: Taxe 150 Euro, Zuschlag 975 Euro Société Coopérative de Moosch (Elsass), 19 Scheine o.D. Vordrucke in franz. Sprache, handschr. ausgefüllt. Druck schwarz auf weißem Papier. unterschiedlich erhalten meist III, selten Los 5402: Taxe 150 Euro, Zuschlag 950 Euro Arbeitslager Mittelbau, Wertmarke zu 5 RM o.D. III, sehr selten Los 5410: Taxe 400 Euro, Zuschlag 3.400 Euro Konzentrationslager Oranienburg, Lagergeld, 4 Scheine zu 5, 10, 50 Pfg. u. 1 Mark. o.D. (06.1933). Mit Wz. Hausmann-Wellen. Augenscheinlich sind die Scheine ok, jedoch ohne Obligo. Besichtigen. II, teils leicht stockfleckig, von größter Seltenheit Los 5439: Taxe 50 Euro, Zuschlag 1.400 Euro Konzentrationslager Ravensbrück, Prämienschein, 1 RM. o.D. (1944). Rs. blanko, ohne Stempel. IV, selten Los 5470: Taxe 50 Euro, Zuschlag 850 Euro Schiermonnikoog (Niederlande), Militärgeld, 1 Gulden 10.1.1941. Deutsche Wehrmacht, der Inselkommandant. IV, sehr selten Los 5513: Taxe 100 Euro, Zuschlag 1.150 Euro Lager Westerbork (Niederlande), Gutschein, 10 Cent 15.2.1944. Druckprobe dunkelblau auf orangebraun. Links Klebereste, vermutlich aus einem Musterheft. Serie BB, Rs. blanko, o. Wz. I-II, sehr selten Zum Nachverkauf

  • Leserpost: Anmerkungen zu Entwürfen der Bank Deutscher Länder

    In dem Beitrag "Unbekannter Entwurfssatz einer Noten-Serie der Bank Deutscher Länder entdeckt!" berichteten die Autoren am 29. Juli 2020 über seltene Entwurfszeichnungen mit einem Vermerk aus dem Jahr 1946. Diese Jahresangabe war allerdings anzuzweifeln, da die Bank Deutscher Länder erst 1948 gegründet wurde. Hierzu hat ein Leser nun äußerst interessante Anmerkungen gemacht, die wir als Leserpost veröffentlichen möchten. Zwei der insgesamt fünf Entwürfe von Alfred Goldammer. Sehr geehrte Herren Dobokay und Stelzl, Ihre Einordnung der Entwürfe in das Jahr 1949 aufgrund der Notenbankbezeichnung "Bank Deutscher Länder" kann in Frage gestellt werden, da mit der Währungsreform von 1948 und der Schaffung der beiden parallelen deutschen Währungen und des Sonderstatus Berlins Berlin als Ausgabeort für die Westdeutsche Währung keine Option darstellte. Die Kennzeichnung der westdeutschen DM-Scheine mittels eines "B" für den Umlauf in Berlin ist ein Hinweis in diese Richtung. Dass es sich um Proben der Sowjetadministration zur Einführung einer gesamtdeutschen Währung handelt, ist ebenso unwahrscheinlich. Die Entscheidung eines westdeutschen Alleinganges bei der Währungsreform wurde nach dem Scheitern der Verhandlungen einer gesamtdeutschen Option Mitte 1947 von den Amerikanern getroffen, wobei die Gestaltung der Noten möglichst neutral gehalten wurde, um sich alle Optionen offen zu halten. Das Jahr 1946, das auf dem Karton angegeben wird, passt in diesen Zusammenhang, auch da eine gesamtdeutsche Währungsreform im Rahmen des CDG-Plans, der im April 1946 veröffentlicht wurde, vorgeschlagen und von den Besatzungsmächten diskutiert wurde. Ein Komitee zur Evaluierung der Möglichkeiten der Geldproduktion in Deutschland wurde sogar schon im Oktober 1945 eingesetzt. Der Druck bei der ehemaligen Reichsdruckerei wurde zur Produktion der deutschen Währung durchaus erwogen. Der Name Bank deutscher Länder oder German Union Bank mag im Rahmen des Dodge-Plans vom Dezember 1945 und der Schaffung von Landeszentralbanken ohne Notenausgaberecht schon früher als März 1948 gefallen sein und sollte als Zeitindikator kritischer betrachtet werden. Mit freundlichen Grüßen O. Herzberg Doch Herr Herzberg legte nach: Ich vergaß zu erwähnen, dass die Länder schon 1945 und 1946 (wieder) gegründet wurden und damit eine Bank deutscher Länder (namentlich) als Zentralbank sinnvoller war als eine Zentralbank Deutschlands. Eine Frage stellt sich, inwieweit diese Entwürfe eventuell die Farb- und Formgebung der ABNC-Noten, die ja erst 1947 beauftragt wurden und in den Druck gingen, beeinflusst haben. Meinung der Redaktion: Die Anmerkungen zu den Entwürfen sind sehr hilfreich und machen sie sogar noch interessanter, weil man nun mit einigem Recht davon ausgehen kann, dass sie wirklich aus dem Jahr 1946 stammen und praktisch für eine deutsche Nachkriegs-Gemeinschaftswährung entstanden waren, zu der es dann nicht kam. Tatsächlich fallen einige Ähnlichkeiten mit den Scheinen der Bank deutscher Länder von 1948/1949 auf, die in den USA gedruckt worden waren. Verwendet wurden hier aber dann doch andere Motive aus dem Fundus der ABNC. Hans-Ludwig Grabowski

  • DGW-Information für Papiergeld- & Wertpapiersammler 2021-2

    DGW (verschiedene Autoren): Information für Papiergeld- & Wertpapiersammler, Heft 2021-2 44 Seiten, durchgehend farbige Abbildungen, Format 21 cm x 29,7 cm, Rückstichbroschur, Berlin 2021. Preis: 9,80 Euro (für Vereinsmitglieder kostenlos). Jährlich gibt der Verein Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler (DGW) zwei Informationshefte heraus. Diese sind für Vereinsmitglieder kostenlos, können aber darüber hinaus auch von Sammlern und Interessenten bezogen werden. Das aktuelle Heft enthält wieder eine Reihe vielfältiger Beiträge. Schwerpunktthema ist: Die Einführung der D-Mark in der DDR war "alternativlos" – Interview von Ralf Keuper, Betreiber des Blogs "Bankstil", mit Dr. Lothar Weniger, ehem. Referent im Wirtschaftsministerium zur deutschen Währungsunion Weitere interessante Themen sind: Klaus Mann: Serienscheine der neuen Generation Hans-Georg Glasemann: Sachwertanleihen und wertbeständiges Notgeld 1923, Teil 2 Rainer Geike: Druck von Geldscheinen am laufenden Band Thomas Krause: Besonderheiten zum Notgeld von Prenzlau Hans-Volkmar Gaitzsch: Ergänzungen zum Scheckverkehr in der DDR Eckhard Titz: Notgeld der Gutsverwaltung Cecilienhof im Landkreis Bunzlau/ Niederschlesien DGW-Mitglieder haben das neue Heft sofort nach Erscheinen kostenfrei erhalten. Alle Nichtmitglieder können es über folgenden Kontakt bestellen: Deutsche Geldschein- und Wertpapiersammler e.V., c/o Jürgen Morgenstern, 12685 Berlin, Pöhlbergstraße 30, Tel. 0173/2332393, Internet: www.dgwev.de, E-Mail: info@dgwev.de. Hans-Ludwig Grabowski

  • Fälscher & Falschgeld: Teil 45

    Geschichten, die Geschichte machten, Teil 2: Emanuel Ninger„Jim the Penman“ – ein talentierter Künstler Emanuel Ninger, der unter dem Namen „Jim the Penman“ bekannt wurde. Der Deutsche Emanuel Ninger kam am 5. Dezember 1882 mit seiner Frau Adele als Einwanderer über Rotterdam mit dem Dampfer „Leerdam“ in das Land der angeblich unbegrenzten Möglichkeiten und war damals 37 Jahre alt, seine Frau war 30. Eine kleine Erbschaft seiner Ehefrau hatte dem Kunstmaler die Auswanderung ermöglicht, sie belief sich auf umgerechnet knapp 2.000 Dollar und stellte das ganze Vermögen des Paares dar. Die beiden ließen sich zunächst in Hoboken, New Jersey nieder, mit dem Kauf eines kleinen Hauses waren die Mittel der beiden fast aufgebraucht. Ninger hoffte, mit seiner Tätigkeit den Unterhalt für sich und seine Frau verdienen zu können, hatte aber als Neuankömmling keinerlei Beziehungen, so dass kaum jemand die Bilder des Künstlers kaufte. Zunächst konnte sich das Paar gerade so eben über Wasser halten, doch die finanzielle Situation der beiden verschlechterte sich von Woche zu Woche. Und Adele erwartete ihr erstes Baby. Der Gedanke, noch nicht einmal die notwendigste Erstausstattung für sein Kind anschaffen zu können, war Ninger unerträglich. So beschloss er, seine künstlerischen Fähigkeiten anderweitig einzusetzen und sich sein „Geld“ selbst herzustellen. Und er hatte auch schon eine Idee, wie er dies bewerkstelligen wollte. Wozu war er schließlich Kunstmaler…. Pinsel und weitere Zeichengeräte besaß er ja bereits, so musste er sich nur noch die notwendigen Farben beschaffen. Als das nach seinem Dafürhalten am besten geeignete Papier wählte er handgeschöpfte Blätter der Marke „Crane“, die auch das Papier für die echten Dollarnoten lieferte. Mit Ausnahme der blauen und roten Seidenfasern entsprach dieses von Ninger favorisierte Papier im Hinblick auf Festigkeit und Klangeigenschaften am ehesten dem echten Dollarpapier. Dann vergrub er sich in seinem Atelier und kopierte einen der letzten Dollar-Scheine, die er sein eigen nannte, eine 20-Dollar-United States Note der Serie 1880 mit dem Bildnis Alexander Hamiltons. Unerwarteterweise gelang ihm dies so gut, dass er in den Wochen darauf zwei weitere herstellte. An einem Freitag im Juni des Jahres 1883 bestieg Ninger den Zug nach New York. Dort konnte er zu seiner eigenen Überraschung alle Fälschungen problemlos einwechseln, wenngleich ihn die ersten Verausgabungen jede Menge Nerven und ein durchgeschwitztes Hemd kosteten, wie er später bei seiner Vernehmung berichtete. Doch niemand merkte etwas. Beinahe jeden Tag saß er nun in seinem Atelier, einem kleinen Raum im Obergeschoss des Ninger’schen Hauses, und fabrizierte 20-Dollar-Noten. Und an jedem letzten Freitag im Monat fuhr er nach New York. Dort kaufte er in verschiedenen Geschäften billige Kleinigkeiten oder Lebensmittel und erhielt echtes Wechselgeld zurück. Die Familie konnte zwar keine Reichtümer anhäufen, lebte aber durch die illegale Tätigkeit des Vaters in bescheidenem Wohlstand. Den Nachbarn hatte er erzählt, er beziehe als ehemaliger preußischer Soldat eine kleine Pension, die, neben dem zusätzlichen Verkauf eines Bildes ab und an, zum Leben ausreichen würde; damit konnte er deren Neugier nach seiner beruflichen Tätigkeit zunächst befriedigen. Die Jahre gingen ins Land, doch das schlechte Gewissen des ansonsten ehrlichen Mannes blieb. Die Ningers waren allseits beliebt, Vater Emanuel engagierte sich sonntags in den sozialen Einrichtungen der Gemeinde, die Kinder waren stets ordentlich gekleidet und wohl erzogen. Ansonsten aber hatte die Familie nur wenige Kontakte und blieb gerne unter sich. Die echte Banknote zu 50 Dollar der Serie 1880 trägt das Porträt von Benjamin Franklin. Die Ninger-Fälschung des Fünfzigers ist für eine Handzeichnung nahezu perfekt ausgefallen. Lediglich der etwas veränderte Gesichtsausdruck des Franklin-Porträts fällt auf. Abbildung mit freundlicher Genehmigung des United States Secret Service. Mit diesen 20 Dollar United-States-Notes begann Ninger seine Fälscherkarriere. Hier ein echtes Exemplar. Zwischenzeitlich hatte er bei einer Bank echte Noten gegen einen 50- und einen 100-Dollar-Schein eingewechselt, um die Vorlagen für die Herstellung dieser höheren Wertabschnitte zu bekommen. Jetzt fälschte er auch diese Scheine, seine Erzeugnisse waren bis ins Detail handgearbeitete Einzelstücke von exzellenter Qualität. Ninger hatte dafür eine besondere Technik entwickelt: Zuerst färbte er das Papier etwa eine Stunde lang in dünnem, schwarzem Kaffee. Danach hatte es zum einen die schwach-gelbliche Färbung des echten Dollarpapiers, zum anderen sah der Schein nun gebraucht aus, das heißt, als wäre er schon einige Zeit im Umlauf von Hand zu Hand gegangen. Dann legte er das Blatt in der Größe des späteren Dollarscheines nass, wie es war, auf den echten Schein, den er kopieren wollte und beides zusammen auf eine von unten beleuchtete Glasplatte. Zunächst übertrug er die feinen Guillochierungen mittels einer Bürste aus Kamelhaar. Anschließend zeichnete er, quasi durchpausend, mit einem harten Bleistift alle Einzelheiten des gesamten Notenbildes nach. Schließlich colorierte er sein Werk mit feinsten Dachshaarpinseln, wobei dies nicht allzu schwer war, denn der Dollar war zu dieser Zeit auf der einen Seite einfarbig Schwarz, auf der anderen Seite traditionell Grün. Lediglich die Nummerierung und das auf jede Dollarnote aufgedruckte große Schatzamtssiegel erschienen in dunkelblauer bzw. roter Farbe. Auf Letzteres verwendete Ninger besondere Sorgfalt. Denn die in den Zeitungen häufig beschriebenen umlaufenden Durchschnittsfälschungen anderer Blütenfabrikanten waren meist an dem mangelhaft ausgeführten Siegel zu erkennen. Der Fälscher imitierte mittels seiner speziellen kleinen Bürste die zarten Guillochen und Schattierungen des Druckbilds derart gut, dass später selbst die Spezialisten des Secret Service Mühe hatten, sie von den echten, gedruckten Guillochen zu unterscheiden. Auch die dünnen blauen und roten Seidenfasern im Papier malte er mittels eines winzigen Pinsels auf. Pro Schein benötigte er knapp eine Woche Zeit, da dieses Kopieren winziger Details sehr anstrengend und entsprechend ermüdend war. Jahrelang verfolgte Emanuel Ninger die Zeitungen, aber nirgendwo erschien ein Hinweis auf seine Erzeugnisse. Erst am 5. April des Jahres 1891 brachte die New York Times eine Meldung über einen falschen 100-Dollar-Schein der Serie 1890, eine soeben erst ausgegebene, so genannte Treasury Note mit dem Porträt des ersten Admirals der US-Navy, David G. Farragut, dessen Qualität alles bisher Dagewesene übertraf. „Pen and Ink Counterfeiter“ stand da in fetten Lettern als Überschrift. Zu Tode erschrocken und die Angst im Nacken schloss er zunächst einmal seine private Geldfabrik. Im Mai 1892 erschien ein weiterer Zeitungsartikel, der nochmals auf diese exzellenten Fälschungen in Form von Handzeichnungen eines begnadeten Künstlers hinwies. „Jim the Penman“ tauften die Gazetten den Unbekannten. Im Oktober 1892, die Familie Ninger hatte nun vier Kinder, drei Töchter und einen Sohn, wurde das kleine Haus zu eng. Ein Umzug nach Westfield erfolgte. Aber dort glaubte er sich nicht sicher und von den neuen Nachbarn misstrauisch beäugt. War der Lebensstil der Ningers – die Familie beschäftigte nun sogar eine Haushaltshilfe – wirklich durch eine kleine Rente und den Verkauf von Bildern zu finanzieren, wie es der Hausherr behauptete? Zudem hatte Ninger den Fehler begangen, eine Lieferung Kohlen mit einer falschen 50-Dollar-Note zu bezahlen, obwohl es eigentlich zu seinen Prinzipien gehörte, seine falschen Scheine nicht in unmittelbarer Umgebung seines Wohnortes auszugeben. Die Bank des Kohlenhändlers hatte den Schein prompt als falsch erkannt, als dieser ihn auf sein Konto einzahlen wollte. Mit Mühe und Not hatte sich Ninger herausreden können, indem er behauptete, den Schein von einem New Yorker Ladeninhaber als Wechselgeld erhalten zu haben, er aber nicht mehr wisse, von welchem. Bereits 1893 erwarb Ninger daher in Flagtown, ebenfalls im Staat New Jersey, etwa 25 Meilen südwestlich von Westfield gelegen, eine abgelegene Farm, die er allerdings nicht zu bewirtschaften gedachte. Die Familie lebte zunächst weiter in bescheidenem Wohlstand, doch das Familienoberhaupt musste, da kein anderes Einkommen verfügbar war, seine illegale Produktion notgedrungen wieder aufnehmen. Wiederum hatte er sich ein Atelier eingerichtet und fabrizierte jetzt pro Monat vier oder fünf Scheine im Gesamtnennwert von etwa 250 Dollar. Nicht schlecht, wenn man bedenkt, dass der Durchschnittslohn eines Arbeiters im Amerika des ausgehenden 19. Jahrhunderts etwa 15 Dollar die Woche betragen hatte. Seine Familie ahnte nichts von der Blütenproduktion des Hausherrn, seine Frau glaubte, er verkaufe auf seinen regelmäßigen Fahrten nach New York seine Bilder und spekuliere nebenbei in bescheidenem Rahmen an der Börse. Das Atelier des Künstlers war ein stets abgeschlossener und für die übrigen Familienmitglieder streng verbotener Raum. Eine Demaskierung, eine Bloßstellung vor seiner Familie wäre für Ninger eine Katastrophe gewesen, die er nicht hätte ertragen können. Er malte nun vorwiegend 20er und 50er, da er glaubte, mit den im Zahlungsverkehr eher seltenen Hunderternoten mehr aufzufallen. Aus diesem Grund achtete er auch immer auf sein Äußeres, das heißt, auf gute, gepflegte Kleidung und gute Manieren. Denn einem einfachen Farmer in schmutzigen Kleidern hätte man 50- oder 100-Dollar-Scheine nicht zugetraut und wäre sicherlich misstrauisch geworden. Auch von dem neuen Wohnort aus war die Großstadt New York mit der Bahn einfach zu erreichen, und nach wie vor ging der Umtausch von 20- und 50-Dollar-Falsifikaten stets glatt über die Bühne. Ninger bevorzugte Drugstores und Lebensmittelläden, um die Dinge des täglichen Bedarfs sowie Bourbon-Whiskey einzukaufen, von dem er ab und zu ganz gerne ein Glas trank. Immer wieder andere Geschäfte in anderen Stadtteilen aufzusuchen war eine seiner Vorsichtsmaßnahmen, in der Millionenstadt New York fiel ihm das auch nicht besonders schwer. An manchen Tagen suchte er drei, vier oder mehr Läden auf. Und dann kam der 27. März 1896. Ninger hatte in Manhattan seine üblichen Einkäufe getätigt und für seine falschen Noten echtes Wechselgeld eingestrichen. Bereits in Weyman’s Grocery Store, einem Laden in der Third Avenue, wäre er an diesem Tag um ein Haar aufgeflogen. Ninger hatte dort eine Flasche Whiskey mit einer 20-Dollar-Note aus eigener Produktion bezahlt. Dem Inhaber fiel das Falsifikat anhand der verschwommen wirkenden Notennummern jedoch erst auf, als er am Abend die Kasse abrechnete. Er konnte sich aber an Ninger erinnern und trat nach dessen Verhaftung sogar als Zeuge gegen ihn auf. Im Anschluss an diesen Einkauf beschloss der Fälscher, sich vor der Rückfahrt einen Drink zu gönnen. Doch diesmal sollte er Pech haben. In Duesing’s Saloon in der Cortlandt Street, den ein ebenfalls gebürtiger Deutscher betrieb, bestellte er in Erinnerung an sein Land, aus dem er einst gekommen war, ein Glas guten Rheinwein und eine Zigarre, die er mit Münzgeld bezahlte. Dann jedoch machte er den berühmten Fehler, den alle Ganoven einmal machen und der ihm jetzt zum Verhängnis werden sollte. Bereits im Hinausgehen begriffen, drehte er sich noch einmal um, als hätte er etwas vergessen und bat den Barkeeper, er möge ihm doch einen 50-Dollar-Schein wechseln. Ninger übersah jedoch, dass die Theke, auf die er seinen Schein gelegt hatte, von übergeschwapptem Wasser etwas feucht war. Als der Barkeeper den Schein aufnahm, hatte sich die hauchdünn aufgetragene grüne Farbe der Rückseite zum Teil aufgelöst und den ganzen Schein verfärbt. Ninger floh in Panik aus dem Lokal. Ein Kollege des Barkeepers reagierte blitzschnell und nahm die Verfolgung auf. Der Zufall wollte es, dass in diesem Moment der Streifenpolizist James Lorrigan des Wegs daherkam und sich ebenfalls sofort an der Verfolgung beteiligte. Kurz vor der Fähre in Richtung New Jersey stellten die beiden Verfolger den Fälscher. Dieser protestierte gegen seine Festnahme, behauptete, Joseph Gilbert zu heißen, aus Pennsylvania zu kommen und den Schein von einer Bank erhalten zu haben. Er sei nur aus Angst vor einer ungerechtfertigten Beschuldigung geflohen, nicht weil er etwas Unrechtes getan habe. Lorrigan nahm Ninger mit auf das Revier in der Church Street, einen erneuten Fluchtversuch auf dem Weg dorthin konnte Lorrigan vereiteln. Ninger blieb zunächst bei seiner Geschichte, bot sogar an, den Schein zurückzunehmen und dem Barkeeper für den Ärger fünf Dollar Entschädigung zu zahlen. Doch weder der Revierleiter, Captain Dennis J. Brennan, noch die mittlerweile hinzugezogenen Beamten des Secret Service, der in den USA zuständigen Behörde für Geld- und Wertzeichenfälschungen, ließen sich darauf ein. Ningers angeschlagene Nerven hielten dem anschließenden Verhör nicht sehr lange stand. Schließlich kapitulierte er, nannte seinen richtigen Namen und gestand, aus seiner persönlichen Notlage heraus seit Jahren Geld gefälscht zu haben. Der Fälscher wanderte in Untersuchungshaft. Am 30. März reisten die beiden Secret Service Agenten nach Flagtown und durchsuchten Ningers Farm. Sie fanden neben den Fälscherutensilien 975 Dollar in echtem Geld sowie 1000 Dollar in Schatzanweisungen, die Ninger aus den Erlösen seines Falschgelds gekauft und als eiserne Reserve zurückgelegt hatte. Es wurde Haftbefehl erlassen. Seine Familie fiel aus allen Wolken. Den Antrag von Ningers Verteidiger John B. Mayo, ihn bis zum Prozess auf freien Fuß zu setzen, lehnte Staatsanwalt John A. Shields ab. Seine Begründung: „Bei normalen Fälschern kann man die Druckmaschine und –platten beschlagnahmen. Dieser Mann aber ist der genialste Fälscher in meiner bisherigen Laufbahn, er hat sein gesamtes Know-how, falsches Geld herzustellen, in seinem Kopf. Dieses Wissen kann man nicht beschlagnahmen, es ist daher zu gefährlich, den Angeklagten freizulassen.“ Die Strafakte Emanuel Ningers. Abbildung mit freundlicher Genehmigung des United States Secret Service. Emanuel Ninger wurde vom New York Supreme Court am 29. Mai 1896 schuldig gesprochen und zu sechs Jahren Haft verurteilt, die er im Gefängnis Erie County des Staates New York absitzen sollte. Ein recht mildes Urteil angesichts der drakonischen Strafen für Geldfälscher im Amerika der damaligen Zeit, der Staatsanwalt hatte 15 Jahre gefordert. Dazu beigetragen hatten neben der Taktik seines erfolgreichen Verteidigers die Würdigung seiner persönlichen Notlage nach der Einwanderung sowie die Tatsache, dass seine Augen unter der anstrengenden Arbeit im Atelier sehr gelitten hatten, so dass er jetzt schwer sehbehindert war. Auch hatte er die uneingeschränkte Sympathie der Bevölkerung und eine wohlwollende Berichterstattung in der Presse. Seine Familie wurde nun sogar mit Spenden aus der Bevölkerung unterstützt. In 14 Jahren hatte Ninger für insgesamt rund 40.000 Dollar Falschgeld hergestellt und unter die Leute gebracht, in Relation zur damaligen Kaufkraft des Dollars sind dies nach heutigem Geldwert rund eine Million Euro. Nach seiner frühzeitigen Entlassung im Oktober 1900 verlor sich Ningers Spur und die seiner Familie. Der Fälscher selbst soll angeblich 1924 verstorben sein. Einige Quellen behaupten, dass Ninger nach seiner Freilassung als Falschgeldexperte in der staatlichen Notendruckerei, dem Bureau of Engraving and Printing in Washington, D.C., gearbeitet habe, um dort bessere Sicherungen gegen Fälschungen zu entwickeln. Dies kann allerdings nicht nachgewiesen werden und scheint auf bloßen Gerüchten zu beruhen. Auch nach Auskunft des United States Secret Service finden sich keinerlei Hinweise auf eine Tätigkeit Ningers in der Washingtoner Staatsdruckerei. Möglicherweise verzogen Ninger und seine Frau in einen anderen Bundesstaat, auch ist denkbar, dass sie nach Deutschland zurückkehrten. Ningers Falschgeld war mit Abstand das Beste, das seinerzeit in den USA in Umlauf war. Die Fälschungen wurden nach der Entdeckung ihres Herstellers und der Veröffentlichung seiner Lebensgeschichte im Verlauf des Prozesses zu begehrten Sammelstücken. Einen kleinen Unterschied zu echten Dollars wiesen die Ninger-Noten aber auf: Es fehlte ihnen der auf der Rückseite am unteren Rand angebrachte Druckvermerk „Bureau of Engraving and Printing, Washington, D.C.“. Von Richter Addison Brown darauf angesprochen, warum er diesen Satz nicht reproduziert habe, erwiderte Ninger: „They didn’t make them… – Die haben die Scheine ja nicht hergestellt, das war ja ich. Fälschen ist eine Sache, aber Lügen eine andere!“ Karlheinz Walz Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!

  • Leserpost: Unbekanntes Muster?

    Moin moin zusammen. Ich habe einen Schein bekommen und kann ihn leider im Katalog und im Internet nicht finden! Gibt es diesen Schein als Original, oder ist es eine Fälschung? Vielen Dank für Infos. A. Reichelt Antwort der Redaktion Hallo Herr Reichelt, leider haben Sie nicht geschrieben, in welchem Katalog Sie den Schein nicht gefunden haben. In meinem Katalog „Die deutschen Banknoten ab 1871“ finden Sie Ihren Schein (Hilfsbanknote) zu 50 Millionen Mark vom 25. Juli 1923 unter DEU-109 (Ro/Gra 97, SCWPM GER-98). Es handelt sich um einen Original-Reichsdruck, also die Variante a. Was nicht an dem Schein original ist, das ist der Stempel „MUSTER“. Im Prinzip kann sich jeder so einen Stempel beschaffen oder einen vorhandenen nutzen, um ihn zur Manipulation von Geldcheinen und anderen Druckerzeugnissen zu benutzen. Streng genommen, ist Ihr Schein dadurch nicht nur eine Manipulation, sondern auch wertlos. Der alte Stempel-Trick sollte zwischenzeitlich eigentlich bei allen Sammlern bekannt sein, was bei jedem Stempel eine gesunde Skepsis hervorrufen sollte. Muster hat man durch Überdrucke und/oder Perforationen gekennzeichnet und nicht durch einfache Abstempelungen. Auch viele andere Stempel auf Geldscheinen, die man besonders bei einer allseits bekannten Internet-Auktion finden kann, sind Machwerke, mit denen Sammler getäuscht und betrogen werden sollen. Beste Grüße Hans-Ludwig Grabowski

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