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- Lexikon: Briefkopfnoten
Als "Briefkopfnoten" werden solche sog. "Buschnoten" bezeichnet, die im Auftrag von General Lettow-Vorbeck im damaligen Deutsch-Ostafrika auf dem Rückzug der deutschen Schutztruppe 1917 mittels Gummitypen einer Spielzeugdruckerei aus Papiermangel auf verschiedenen Briefbogen von Kanzleipapier hergestellt wurden. Auf den Rückseiten dieser Scheine befinden sich somit Briefköpfe verschiedener kaiserlicher Dienststellen. Kanzleibögen sind nur für 1-Rupien-Noten verwendet worden. Bekannt sind Briefköpfe folgender Dienststellen (auch in verschiedenen Schriftarten der gleichen Dienststelle): Briefköpfe verschiedener Dienststellen: DOA-B1a: "Der Distriktskommissar" DOA-B1b: "Der Kaiserliche Distriktskommissar" DOA-B1c: "Kaiserliches Bezirksamt" DOA-B1d: "Kaiserliche Bezirksnebenstelle" DOA-B1e: "Kaiserliches Hauptzollamt" DOA-B1f: "Kaiserliches Zollamt" DOA-B1g: "Kommune Lindi" DOA-B1h: "Landwirtsch. Versuchsstation" Alle Briefkopfnoten sind heute sehr selten! Katalogisiert und bewertet sind die Briefkopfnoten und deren Varianten sowie auch alle anderen Ausgaben von Deutsch-Ostafrika im Standard-Katalog zum deutschen Papiergeld: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-183-3 22. Auflage 2020/2021 durchgehend farbige Abbildungen Hardcover: 928 Seiten Format: 14,8 x 21 cm Preis: 39,90 Euro Zum Shop! Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski
- Nordmazedonien: Scheine mit neuem Banknamen
Die Umbenennung der Nationalbank von Mazedonien in die Nationalbank der Republik Nordmazedonien entsprechend der Namensänderung der Republik lässt sich nun auch auf den Banknoten nachvollziehen: Die Scheine weisen nun die Bankbezeichnung "Народна банка на Република Северна Македонија" auf; die Gestaltung bleibt die bisherige. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Fälscher & Falschgeld: Die Papiergeldfälschung, Teil 16
Fortsetzungsreihe, Teil 32 Die Herstellungstechniken falscher Banknoten, Teil 4 50-Dollar-Note, Serie 1934: Ein Beispiel für eine Offsetdruckfälschung. Der Punktraster ist in der Vergrößerung deutlich zu erkennen. Offsetdruck Das heutzutage wohl am meisten verwendete Flachdruckverfahren ist der Offsetdruck, und zwar sowohl bei kommerziellen Druckereibetrieben als auch in der Gilde der Fälscher. Es ist ein indirektes Druckverfahren, das heißt, von der Platte wird zunächst auf ein Gummituch gedruckt und erst von diesem auf das Papier. Der Offsetdruck wurde 1905 erfunden. Das zu druckende Motiv wird fotografisch seitenrichtig auf eine dünne, speziell beschichtete Aluminiumplatte übertragen. Durch eine Entwicklerlösung wird die nichtdruckende Fläche so präpariert, dass sie mittels spezieller Walzen, das sogenannte Feuchtwerk, während des Druckvorgangs Wasser führt und keine Druckfarbe annimmt. Die druckenden Teile dagegen lassen sich mit der öl- oder fetthaltigen Druckfarbe einfärben und geben diese an das Gummituch ab, das sie auf das Papier überträgt. Die Erkennungsmerkmale des Offsetdrucks bei Fälschungen sind gleichmäßig eingefärbte Farbflächen, saubere, nicht ausgefranste oder gequetschte Ränder, Tonwertabstufung durch Aufrasterung (unter der Lupe oder dem Fadenzähler meist deutlich zu erkennen) und unterschiedlich große Rasterpunkte mit gleicher Farbintensität. Offsetdruckmaschinen sind heute weit verbreitet und auch gebraucht meist billig zu erwerben; das gilt für die einfarbig druckende Kleinoffsetmaschine ebenso wie für die moderne Vierfarbenmaschine. Der Linientiefdruck echter Banknoten lässt sich zwar mit dem Offsetverfahren nicht nachahmen, doch gelingen den Spezialisten der Banden aus der Organisierten Kriminalität mit ihren ausgefeilten Offsetdruck-Methoden ganz ausgezeichnete Fälschungen, wobei es an die Fälscher keine hohen technischen Anforderungen stellt. Früher fertigte man mit Hilfe von Spezialkameras Farbauszüge, heute benutzt man dazu Scanner, in dem man die Bildteile der Banknote in Rasterpunkte umwandelt, wobei die Hell/Dunkel-Abstufungen wie gehabt durch unterschiedlich große Rasterpunkte gebildet werden. Diese Rasterpunkte können dabei so fein ausfallen, dass sie unter der Lupe kaum als solche zu erkennen sind und wie gedeckte Farbflächen wirken. Der fehlende Reliefeffekt des originalen Stichtiefdrucks wird ab und an durch feine Papierprägungen zu imitieren versucht. Bei den Euro-Noten trifft dies bei neueren Fälschungen oftmals auf den als Isard-Code bezeichneten Farbbalken der Vorderseite zu. Auch die Fälscher beobachten sehr genau, welche Sicherheitsmerkmale im Publikum am häufigsten geprüft werden und stellen diese dann in guter Qualität entsprechend nach. Beim modernen Offsetdruck wird seit einigen Jahren zur Auflösung der Bildelemente mit dem sogenannten Kornraster, auch frequenzmodulierter Raster genannt, gearbeitet, insbesondere dann, wenn feinste Modulation, also die Wiedergabe feinster Halbtöne in Fotoqualität benötigt wird. Dies ist eine elektronische Rasterung mittels Computer und von der Qualität her vergleichbar mit der Halbtonwiedergabe, wie sie bislang nur beim Rastertiefdruck zu erreichen war. Dieses neue Verfahren hat unter den Namen Diamond-Screening oder Velvet-Screen Eingang in die Praxis des Drucks gefunden, selbstredend auch in die der Falschgeldproduzenten. Bildbearbeitungsprogramme, wie Adobe Photoshop, erleichtern den Falschgeldproduzenten die Arbeit zudem. Mit solchen Programmen können Farben angepasst, Fehler in der Bildwiedergabe korrigiert und unterschiedliche Notennummern gezaubert werden. Auch ein nur halbwegs versierter PC-Nutzer kann damit hervorragende Druckvorlagen fertigen. Eine gute Fälschung der 100-Euro-Note der Klasse EU/P3. Sie kommt seit etwa 2005 aus Bulgarien, wurde im Offsetdruck hergestellt und wird immer noch verbreitet. Das Hologramm-Patch wurde mit Hilfe beugungsoptischer Strukturen täuschend ähnlich, wenn auch nicht dem Original entsprechend, nachgeahmt. Falsche Folienelemente, denen die beugungsoptischen Strukturen und damit der Hologrammeffekt fehlen, die Darstellungen sind nur statisch. Falsifikate, die echten Banknoten in der Qualität des Druckbildes und in der Farbwiedergabe am ehesten entsprechen, sind nur im Druckverfahren herzustellen. Wenngleich die Qualität echter Geldscheine nie erreicht werden kann, verwenden die Fälscher den Offsetdruck aus mehreren Gründen: Neben den geringen Anforderungen an das Können und an die Technik sind Offsetdruckmaschinen risikolos und relativ billig zu erwerben. Ein gewichtiger Grund ist neben der guten Qualität, die diese Maschinen liefern, durchaus auch die wirtschaftliche Überlegung: wie bereits erwähnt ist der Offsetdruck ganz einfach billiger und erhöht die Gewinnspanne! Während die „Normalfälscher“, das heißt die kleinen Ganovengruppen, ihre Drucke mehrmals durch die Maschine laufen lassen und dabei penibel auf Passgenauigkeit achten müssen, können sich die Falschgeldhersteller aus der Organisierten Kriminalität die teureren Maschinen leisten, die mehrere Farben in einem Druckgang aufbringen. Dann und wann haben Fälscher auch versucht, Klischees sozusagen im freien Handel zu erwerben, wenn sie sich in Ermangelung entsprechender Kenntnisse nicht in der Lage gesehen hatten, Druckplatten selbst herzustellen. So bestellten am 15. September 1958 zwei Angehörige einer Werbefirma bei einer Klischeeanstalt in Traunstein Offsetdruck-Platten mit dem Bild der damaligen belgischen 1000-Francs-Note, angeblich um Werbeprospekte herzustellen. Das Verlangen der beiden, Vorder- und Rückseite der Banknote abzubilden, war dem Besitzer der Klischeeanstalt insofern noch plausibel gewesen, als bei belgischen Banknoten die eine Seite in französischer, die andere in holländischer Sprache beschriftet war. Misstrauisch wurde er aber dann, als die beiden Auftraggeber neben dem Wunsch der absolut maßstabgetreuen Reproduktion auch noch verlangten, dass die Abbildungen keine Notennummern tragen dürften. Der Klischee-Fachmann verständigte die Polizei, die die beiden Werbeleute zunächst unauffällig überwachte. Zur Verhaftung wenige Wochen später führte dann die Tatsache, dass sie einen anderen Druckereibesitzer gefunden hatten, der sich nicht nur bereit erklärte, die Druckplatten zu fertigen, sondern, nach entsprechendem Angebot der beiden Fälscher, sogar noch aktiv in die Produktion und das Verteilgeschäft mit eingestiegen war. Fortsetzung folgt … Karlheinz Walz: Fälscher & Falschgeld, 280 Seiten, Hardcover, ISBN: 978-3-86646-084-3. Das Buch können Sie für nur 9,90 EUR in unserem Online-Shop kaufen!
- Felzmann: Jubiläumsangebot mit Madagaskar-Spezial
Am 29. und 30. Juni 2021 findet die nächste Felzmann-Auktion als Online-Live-Auktion statt. Der neue Katalog im Rahmen des Jubiläums „45 Jahre Felzmann Auktionen“ präsentiert ein umfassendes und spannendes numismatisches Angebot. Ein Highlight ist die Versteigerung der Spezialsammlung „Madagaskar“, welche in einem Sonderkatalog präsentiert wird. Am 29. Juni, ab 10 Uhr gelangen über 400 Exponate aus Madagaskar und Nebengebieten in einer Spezialauktion zum Ausruf, viele davon mehrere hundert Jahre alt, ein Großteil davon fokussiert auf Madagaskars wechselvolle Währungsgeschichte, geprägt von den Goldstücken arabischer Gewürz- und Sklavenhändler, Silbercobs der legendären Piraten-Republik Libertalia über Hacksilber der madagassischen Könige, äußerst seltenen Versuchsprägungen der letzten Königin bis hin zu modernsten Banknoten heutiger Zeit. Zur Abrundung finden sich auch Hieb- und Stichwaffen, Krokodilschädel, Ton-Waren, Matten und andere Gebrauchsgegenstände des täglichen Bedarfs, Aktienzertifikate des frühen 20. Jahrhunderts, Orden, Regimentsabzeichen der frz. Kolonialtruppen, historische Postkarten bis hin zu Casino-Token. Man darf davon ausgehen, dass es eine der vollständigsten Sammlungen in Privathand zu diesem Thema ist, weshalb ihr auch ein eigener Spezialkatalog gewidmet wurde. Ursprünglich sollte diese Sammlung in einem Museum in Tuléar/Toliara (Madagaskar) der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden, jedoch entschied man sich aufgrund der prekären Sicherheitslage vor Ort dagegen. Der heimliche Wunsch des Sammlers war es immer, dass diese Sammlung eines Tages in ihre Heimat zurückkehrt, wo sie im Grunde genommen hingehört. Die Provenienz so gut wie aller Stücke ist lückenlos nachweisbar, keines der angebotenen Exponate stammt also aus Diebstählen im Umfeld des Rova-Brandes von 1996. Der Katalog ist online als E-Paper zu finden: https://www.felzmann.de/epaper-katalog-und-downloads.aspx Weiter in der Auktion findet sich Gold in reichlicher Vielfalt von antiken Kostbarkeiten über Pretiosen der frühen Neuzeit bis zu etlichen modernen 5-Unzen Münzen in kleinsten Auflagen. Aber auch die Silberfraktion wartet mit Top-Numismatik auf: Der halbe Reichstaler von Rudolf II. aus Prag 1607 ist sicher von großem Interesse (Los 1008, Ausruf: 3.000 €) - ebenso wie die Reihe späterer Habsburg-Gepräge. Speziell die sammlerfreundlich detaillierte Strecke Maria-Theresien-Taler 1780 hat es in sich. Auch bei den „unrunden“ Stücken können Liebhaber fündig werden. Kaum einmal am Markt in dieser Qualität angeboten: Der 20 Tael- Schein der Deutsch-Asiatischen Bank Shanghai (Los 1629, Ausruf: 15.000 €), ein weiterer 2 Karbowanez-Schein (Los 1628, Ausruf: 2.000 €) oder ein Weißgoldarmband mit sage und schreibe 882 Diamanten besetzt (Los 1795, Ausruf: 10.000 €). In der Sammlungsabteilung am 30. Juni ist der Aufmacher ein großer unberührter Händlernachlass aus Mitteldeutschland (Los 2001, Ausruf: 50.000 Euro) gefolgt von zahlreichen, oft undurchsuchten Positionen bis zum Gebotslos. Fazit: Jede und jeder kann hier „nach seiner Façon selig werden“; sei es der Großkunde oder eben auch der kleine Sammler. Der gesamte Online-Katalog ist auf https://auktionen.felzmann.de abrufbar. Gebote können ab sofort schriftlich oder über den Online-Katalog abgegeben werden. Die Versteigerung findet am 29. und 30. Juni 2021 statt. Gestartet wird jeweils um 10 Uhr. Im Anschluss an die Münzauktion findet die Briefmarkenauktion vom 1. bis 3. Juli 2021 statt. Für das LiveBidding während der Auktion ist eine einmalige Registrierung notwendig. Weitere Informationen sowie aktuelle Hinweise zur Auktion sind auf www.felzmann.de zu finden. Michael Lang
- Ergebnisse der 136. und 137. Teutoburger Auktionen vom 31.5. bis 4.6.2021 – Nachverkauf läuft
Hier finden Sie alle Ergebnisse zu den Auktionen sowie Informationen zum Nachverkauf. Weiterführende Informationen: www.teutoburger-muenzauktion.de Teutoburger Münzauktion GmbH Brinkstraße 9 33829 Borgholzhausen Tel.: 05425/930050 E-Mail: info@teutoburger-muenzauktion.de www.teutoburger-muenzauktion.de
- Leserpost: Banknote mit Aufdruck "Theatergeld"
Beiliegend sende ich Ihnen eine Banknote des Deutschen Reiches DEU-173, aber diese Banknote ist mit Aufdruck "Theatergeld" auf der Vorderseite versehen. Auf der Rückseite fehlen beide Kontrollnummern. Was hat es mit dieser Banknote auf sich? Das wüsste gern K.-H. Goschala Antwort der Redaktion Sog. "Theatergeld" war schon häufiger Thema von Leseranfragen. Prinzipiell handelt es sich dabei um meist verfremdete Nachdrucke echter Geldscheine oder gar um Drucke von Fantasiescheinen, die jedoch über typische Erkennungsmerkmale eines Geldscheins verfügen, für die Verwendung bei Theateraufführungen, also als Requisiten. Wir kennen dafür verschiedenste Beispiele zeitgenössischen Theatergelds, so auch deutscher Reichsbanknoten aus der Zeit der Inflation. Zusätzlich sind diese oft auch als "Theatergeld", "Bühnengeld", "Movie Money" oder ähnlich gekennzeichnet, um eine Verwendung zur Vortäuschung echten Geldes zu verhindern. Empfohlen sei hierzu ein entsprechender Artikel von Uwe Bronnert hier im Blog: https://www.geldscheine-online.com/post/sein-oder-nichtsein-anmerkungen-zum-theater-und-filmgeld Wichtige Funktion des "Theatergelds" und natürlich auch des "Filmgelds" ist, durch die Zuschauer auch als Geld erkannt zu werden. Darüber hinaus sollten die verwendeten Vorlagen auch historisch zu der Zeit passen, in der ein Stück/Film spielt. Das ist leider nicht immer gegeben. Immer wieder gibt es z.B. in Filmen Szenen, in denen es den Geldschein-Experten schaudert, weil man z.B. Geldscheine der "Weimarer Republik" im deutschen Kaiserreich verwendet. Natürlich treffen solche Fehler nicht nur auf die Verwendung von Geldscheinen zu. In wenig motiviert von der Stange gedrehten und auf unterdurchschnittliche Intelligenz und kaum vorhandenes Geschichtswissen basierenden US-Kriegsfilmen werden auch schon mal Uniformen aus beiden Weltkriegen verwechselt. Aber zurück zum Thema! Der vorliegende Schein ist eine sehr moderne Reproduktion einer Reichsbanknote zu 10 RM von 1924, bei dem auf der Vorderseite die Bezeichnung "Theatergeld" nicht nachträglich aufgedruckt, sondern gleich mit gedruckt wurde. Vorlage war eine echter Schein in guter Erhaltung. Es handelt sich um einen guten Druck, bei dem auf dem Scan der Druckvorlage die Kontrollnummern der Rückseite zuvor wegretuschiert wurden. Ob es sich um "echtes" Theatergeld handelt, oder mit dieser Bezeichnung größeres Interesse bei Sammlern geweckt werden sollte, kann ich nicht nachvollziehen. Leider werden viele "Fantasieprodukte" und Manipulationen angeboten. Nach Rücksprache mit Herrn Goschala, soll es auch noch andere Wertstufen der 1924er Serie (z.B. 1000 RM) in dieser Form geben. Es wäre also tatsächlich der Einsatz für Bühne oder Film denkbar, besonders wenn man an solch populäre Filmproduktionen wie "Babylon Berlin" denkt, bei denen durchaus auch solche Scheine genutzt werden könnten. Hans-Ludwig Grabowski
- Chinesische Wechsel der Qingzeit
In einem meiner letzten Beiträge habe ich etwas über chinesische Wechsel aus der republikanischen Zeit geschrieben, wie sie in der Sincona-Auktion Nr. 69 zu finden waren: https://www.geldscheine-online.com/post/chinesische-wechsel Heute möchte ich zwei typische Wechsel aus der Kaiserzeit, genauer aus der Periode Guāngxù (1871–1908) vorstellen. Während die Wechsel der republikanischen Zeit Huìpiào (匯票) genannt wurden, hießen sie während der Qīng-Dynastie Dùipiao (兑票). Diese beiden chinesischen Zeichen stehen über allen Wechseln der Qīngzeit. Abb. 1: Wechsel von 1905, Sammlung Beyer Die Wechsel sind alle von vertikalem Format, die Rückseite ist blank, Rahmen und Text meist blau, manchmal schwarz, von Holzplatten gedruckt. Wie stets findet sich die Ausgabestelle links unten, mit einem roten Rechteck-Stempel. Im vorliegenden Beispiel heißt die ausstellende Firma Fúqìngyuán jù (福慶園具) in Dōngkǒu (東口), Provinz Shǎnxī (陕西). Der Empfänger des Geldes mit der entsprechenden Ortsangabe ist immer von Hand geschrieben, hier heißt die Firma, an die das Geld ausgezahlt werden soll, Fúshùndé (福顺德) in Jíjiāzhuāng (吉家莊), Provinz Héběi (河北). An der linken Seite steht, wie fast stets bei vertikalen Scheinen, das Datum, in diesem Fall 光緒三十一年 = Periode Guāngxù Jahr 31, das entspricht 1905. Die beiden großen, von Hand geschriebenen Zeichen lauten 壹千 = 1000. Gemeint sind 1000 Wen, in der westlichen Literatur meist Cash genannt. Für die „1“ in „1000“ verwendet man nicht das normale einfache Zeichen 一, das könnte ja leicht in 十 = 10 verfälscht werden, sondern das kompliziertere und daher fälschungssichere 壹. Abb. 2: Wechsel von 1892, aus einer Privatsammlung. Und hier noch ein weiterer Wechsel (Abb.2). Auch auf diesem Schein lautet der Empfänger Fúshùndé (福顺德) in Jíjiāzhuāng (吉家莊) , aber die ausstellende Firma (links unten in Rot) ist eine andere, nämlich , „Geschäft Yǒngxìng‘èr“ (永興㒃店). Der Ort ist jedoch wieder identisch mit dem auf dem vorigen Wechsel: Dōngkǒu (東口), Provinz Shǎnxī. Dieser Wechsel wurde im Jahr 28 der Periode Guāngxù ausgestellt, also 1892. Im chinesischen Internet lassen sich viele auf die Empfängerfirma Fúshùndé (福顺德) in Jíjiāzhuāng (吉家莊) ausgestellte Wechsel finden. Es scheint, als habe man einen ganzen Packen dieser auf diese Firma ausgestellte Wechsel aufgefunden. Von anderen Firmen liegen dagegen meist nur vereinzelte Scheine vor. Wechsel aus der Qīngzeit werden in China kaum gesammelt. Oft werden sie zu mehreren in einem Lot angeboten, auf Auktionen bringen sie meist 10 € pro Stück. Auf Auktionen in Europa und den USA erzielen die Scheine oft viel höhere Preise, weil sie zwar abgebildet werden, aber es wird meist verschwiegen, dass es sich nicht um Banknoten handelt. Erwin Beyer
- Transnistrien: Neue Gedenkbanknoten "30 Jahre eigene Währung"
Am 18. Mai 2021 gab die Zentralbank von Transnistrien neue Gedenknoten zur Feier des 30-jährigen Bestehens des PMR-Finanzsystems aus (PMR = Pridnestrowskaja Moldawskaja Respublika, offizielle Landesbezeichnung). Die mit der Landesflagge und dem Ausgabeanlass versehenen 1-Rubel-Scheine wurden in einer Auflage von 2510 Exemplaren in Umlauf gebracht, davon wurden 2500 in Foldern zum Kauf angeboten. Kana Totsuka Abb. Owen W. Linzmayer (www.banknotebook.com)
- Lexikon: Billets de confiance
In Frankreich wurden während der Französischen Revolution ab 1789 Assignaten zunächst in den Werten zwischen 50 und 2000 Livres ausgegeben. Als ein Mangel an Kleingeld entstand, behalf man sich mit Notgeldscheinen, die von Gemeinden, Banken, Gruppen von Kaufleuten und privaten Unternehmen ausgegeben wurden. Diese Scheine nannte man Billets de confiance (Vertrauensscheine), da sie zwar in Assignaten einwechselbar, doch oft ohne Deckung waren. Beispiele für Billets de confiance Cambrai, Notausgabe über 15 Sols ohne Datum (1792), Vorderseite. Le Thor, Notausgabe über 10 Sous ohne Datum (1792), Vorderseite. Parthenay, Notausgabe über 20 Sous, Ausgabe Juni 1792, Vorderseite. Rouen, Notausgabe über 3 Livres vom 31. Juli 1792, Vorderseite. Saint Maixent, Notausgabe über 6 Sols von 1792, Vorderseite. Saint Maixent, Notausgabe über 6 Sols von 1792, Rückseite (Spielkarte). Sorgues, Notausgabe über 1 Sols ohne Datum (1792) Vorderseite. Die meisten Scheine zirkulierten 1791. Durch die Ausgabe von 5-Livres- und später auch 10-, 25- und 50-Sous-Scheinen wurden die Notausgaben überflüssig und verloren schließlich ihren Wert in der Inflation. Es hat weit über 6000 verschiedene dieser Scheine gegeben, die damit die erste große Notgeldepoche der Papiergeldgeschichte bildeten. Etliche dieser interessanten Scheine – es kommen auch Anfertigungen auf Spielkarten vor – sind heute noch zu erschwinglichen Preisen zu bekommen. Albert Pick/Hans-Ludwig Grabowski Abbildungen: www.cgb.fr
- Eine Neuentdeckung zum österreichischen Notgeld
Vor einigen Wochen wurde bei Geldscheine-Online der 2005 in der Tschechischen Republik veröffentlichte Katalog von Vostal/Ryant über das Notgeld in der Österreich-ungarischen Monarchie, Teile Königreich Böhmen, Marktgrafschaft Mähren und Südteil des Erzherzogtums Schlesien, in tschechischer Sprache und wie damals noch üblich mit Schwarzweiß-Abbildungen, besprochen. Zum Beitrag im Blog! Angeregt durch dem von der Corona-Pandemie eingetretenen Stillstand in vielen Sparten des Lebens hat sich Autor Dr. Vostal, diesmal mit Herrn Hejzlar, entschieden, seinen Katalog neu und dem heutigen Wissen entsprechend zu überarbeiten. Auch ich wurde ins Boot geholt. Geplant war auch die Überprüfung seinerzeitiger Zuordnungen. Und auf der Suche nach einem Namen im Internet konnte Vostal bereits eine Entdeckung, ja eigentlich einen Volltreffer, bekanntgeben. Die vor mehr als 100 Jahren dem Kronland der Österreich-ungarischen Monarchie Böhmen zugeordneten Notgeldscheine, Katalognummer bei Vostal/Ryant 830: Marienthal / Marianske Udoli, Herausgeber Max Todesko, gehören nicht nach Böhmen sondern nach Niederösterreich! Ortschaft Marienthal, Marktgemeinde Gramatneusiedel. Wie konnte es dazu kommen? Dazu die jetzt recherchierte Vorgeschichte: Nach dem Tod seines Vaters Hermann Todesco übernimmt Sohn Max 1844 die Textilfabrik Mariathal. Er hatte genug Pläne für den weiteren Ausbau der Fabrik, schaffte Arbeiterunterkünfte sowie Kindergarten und gründet einen Arbeiter-Consum-Verein. Im Katalog von Menzel 2014 findet man eine Wertmarke aus Messing, Wert 1 beidseitig, jedoch als "nicht lokalisiert" eingetragen. Andere Nominale sind derzeit nicht bekannt. Erstmals finde ich in einem Auktionskatalog von H. Cubasch, Wien, den Namen Mariathal im Zusammenhang mit der Sammlung (Nachlass) von Dr. Schlesinger, Wien. Unter "Papiergeld" wird bei der Nr. 713 Notgeld von 1848/49 von Städten und Orten in Böhmen, Mähren, Niederösterreich ect. angeboten. Leider nur nach Ortsnamen ohne Details und ohne Marienthal. Beim zweiten und sehr großen Lot Nr. 714 (je Ausgabe nur 1 Stück) liegt der Schwerpunkt bei den tschechischen Notgeldern. Bewusst oder fälschlich werden auch je ein Stück Bregenz und Marienthal angegeben. Auch hier keinerlei Details. Von da ab gibt es bei Auktionen von Cubasch keinen Hinweis mehr auf Marienthal. Das könnte der springende Punkt gewesen sein und Marienthal war und blieb in Böhmen bis Todesco "erwachte"! Ähnlich geht es bei Dr. Keller weiter. In seiner Broschüre von 1921 (Nachdruck 1922) schreibt der damals bekannte Sammler Mag. Direktor Reith aus Oberösterreich in einer Zusammenfassung zum österreichischen Notgeld 1805–1848: Unmengen von Notgeld kommen in den Umlauf. Ein Prager ließ sich sogar sein Lusthäuschen mit Scheinen austapezieren. All diese Ausgaben zu erfassen ist jedoch sehr schwierig und muss zu Fehlern führen. So werden in der angekündigten Tabelle auch die beiden Scheine von Marienthal lautend auf 10 und 20 Kronen weiter Böhmen zugeordnet. Jetzt aber schon mit Datum 1.3.1849, doch ohne Angabe eines Herausgebers und nicht in der Spalte Niederösterreich gelistet. In seinem 1954 herausgegebenen Katalog "Österreich-Ungarn, das Notgeld 1848–1869" ordnet Keller dann Marienthal ebenfalls weiter unter Böhmen ein. Doch nun in folgender Reihenfolge: 364 Marienthal (B.) Max Todesco a) 1.3.1849 10 20 Kr (diese bisher jedoch nicht belegt) b) desgl. Fabrik Nr. 1, o.D. (blanco), Udr. rosa / Rahmen braun, Udr.orange, 10, 20 Kr FUST Max Todesco c) desgl. Fabrik Nr. 2, o.D. (blanco), Udr. blau / Rahmen rot, Udr. grün, 10, 20 Kr –"– In meinen Katalog "Papiergeld Spezialkatalog Österreich 1759–2010" wurde erstmals auch das Notgeld von ca. 1800–1887 (heutiges Österreich und Südtirol) aufgenommen. Diese Entdeckung wird die Kat.Nr. NG/22A erhalten. Rudolf Richter Weitere Informationen zu Marienthal bei Wikipedia. Abbildungen: Deutsche Bundesbank, Frankfurt am Main
- Berliner Münzverein unterstützt die Nachwuchsförderung
Gestern traf eine großes Paket in der Redaktion ein, dessen Inhalt für die Initiative "Geldscheine im Geschichtsunterricht" bestimmt ist. Dazu schrieb Herr Krause: "Sehr geehrter Herr Grabowski! Wie versprochen, sende ich Ihnen heute nochmals ein Paket der "Freunde der Numismatik" aus Berlin-Lichtenberg für die Aktion "Nachwuchsförderung". Wir hoffen alle, dass die Aktion ein voller Erfolg wird und bleibt. Die Reaktion auf den Aufruf scheint ja gut anzukommen, wir verfolgen im Internet die Ausführungen ihrerseits." Zusendung von K. Krause: Ein Album mit Münzen aus aller Welt. Zusendung von A. Kunze: Ein Album mit Münzen aus Deutschland und aller Welt. Zusendung von H. Bauer: Ein Album mit Münzen aus aller Welt. Zusendung von U. Henkel: Eine Auswahl an deutschen und ausländischen Banknoten und Notgeldscheinen. Herzlichen Dank für die bereits zweite Spende von Herrn Krause und Herrn Kunze und die Motivierung weiterer Verinsmitglieder, die Initiative zu unterstützen. Natürlich sind nicht nur Geldscheine herzlich willkommen, sondern auch Münzen und andere Zeugnisse der Geldgeschichte. Wir werden über die Fortschritte der Initiative berichten! Letzte Woche informierte Herr Kiel, das bereits eine von ihm geleitete Schüler-Arbeitsgruppe gebildet wurde. Über deren Arbeit und erste Treffen werden wir in Kürze berichten. Vielen Dank allen Unterstützern der Initiative. Den neuesten Arbeitsstand zum Aufruf finden Sie immer unter: https://www.geldscheine-online.com/aktion sowie alle Blogbeiträge dazu unter: https://www.geldscheine-online.com/blog/tags/geschichtsunterricht. Hans-Ludwig Grabowski
- Leserpost: Nachdrucke der Schatzscheine von Deutsch-Neuguinea
Ich habe vor Kurzem bei einer großen Auktion die Nachdrucke der Treasury Notes (Deutsch-Neuguinea), DNG-N von 1980 erworben, welcher auf 3000 Sätze limitiert war. Dies ist auch auf der Rückseite mit einem Auflage-Vermerk versehen. Leider ist da eine Ungereimtheit mit der Satznummer, sie ist größer 3000 (siehe Foto im Anhang). Wie kann das sein? Ich habe versucht, im Internet ähnliche Abweichungen zu finden oder auch Gründe dafür. Leider ohne Erfolg. Die Scheine, die ich gefunden habe, hatten alle Nummern unter 3000, was ja auch verständlich ist. Auch hier sehen die Nachdrucke echt aus, sie waren in einem für die Nachdrucke erstellten "Heftchen" und haben auch einen alten Duft. Auch der Auflage-Vermerk sieht nicht nachträglich gefälscht aus oder ähnliches. Kann es sein, dass es so etwas wie "Austauschnoten" bei echten Banknoten sind, oder welche für Angestellte gedruckte Auflagen? Haben Sie davon schon mal gehört? D. Otto Antwort der Redaktion Ihre Frage zur Auflage der Nachdrucke kann Ihnen eigentlich nur der Auftraggeber der Nachdrucke beantworten. Bisher war lediglich eine Auflage von 3000 Stück bekannt. Offensichtlich wurden mehr hergestellt. Wo eine Nachfrage da ist, wird auch mehr gedruckt!? Mit Austauschnoten hat das mit Sicherheit überhaupt nichts zu tun! Ich kenne den Auftraggeber übrigens nicht! Die Nachdrucke stammen übrigens, wie angegeben, aus dem Jahr 1998 und nicht 1980! Apropos, bei jeder festgelegten Auflage werden wegen möglichen Ausschusses auch immer ein paar Exemplare mehr gedruckt. Schließlich muss der Druck auch erst einmal anlaufen … Deshalb ist auch denkbar und praktisch üblich, dass statt einer geplanten Auflage von 3000 eben z.B. 3020 oder 3030 hergestellt und nummeriert wurden. Bei Büchern ist das gängige Praxis, es kommen immer ein paar mehr Exemplare als geplant! Das ist schon dem Druckvorlauf und –wie gesagt – möglichem Ausschuss geschuldet. Es gibt also keinen Grund zur Sorge! Hans-Ludwig Grabowski












