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  • Gut-Lynt: Nachbericht zur Auktion 19, Teil 2 – Banknoten vom 30. November 2024

    Der Banknotenteil der Jahresabschlussauktion der Münzen Gut-Lynt GmbH beinhaltete fast 600 Lose zahlreicher Gebiete. Darunter die Auflösung der vermutlich größten Sammlung an Mecklenburg-Geldscheinen inkl. dem sogenannten „Roggengeld“ mit vielen Raritäten ersten Ranges. Zahlreiche Sammler sorgten für ein regelrechtes Feuerwerk an Geboten und ließen die Preise hierfür in die Höhe schnellen. Ebenso vielfach beboten waren Geldscheine der Bundesrepublik, wobei die Austauschnoten/Ersatznoten und andere Seltenheiten wie der 50-DM-Schein "Liberty" stark gefragt waren. Ausländische Geldscheine rundeten diese Auktionsabteilung ab, die ausnahmslos von Internationalen Käufern abgenommen wurden. Ergebnisse sind in unserem Onlinekatalog  https://auktionen.gut-lynt.de/de-de/auctions/current  einsehbar. Der Nachverkauf läuft noch bis Freitag, den 6. Dezember 2024! Die Gut-Lynt Auktion 20 ist für März 2025 geplant. Bei Interesse einer Einlieferung steht das Team von Münzen Gut-Lynt gerne beratend zur Seite. Eine kleine Auswahl zu den Auktionsergebnissen: Los 645 Deutsche Länderbanknoten Mecklenburg-Strelitzsches Staatsministerium Mecklenburg-Strelitzsches Staatsministerium. 5 Millionen Mark 14.09.1923 Ohne Überdruck, ohne KN. Müller 6A. Von großer Seltenheit / Of highest rarity. I / Uncirculated. Dieser Schein wurde ohne Überdruck (200 Millionen Mark) NICHT ausgegeben! Schätzpreis: 2.000 EUR / Zuschlag: 2.000 EUR Los 668 Westliche Besatzungszonen und Bundesrepublik Deutschland ab 1948 Bank Deutscher Länder & Ausgaben Westberlin Bank Deutscher Länder & Ausgaben Westberlin. 50 Deutsche Mark o. D. Liberty. D20383458A. Aus dem bekannten Bündel. Grabowski WBZ-10a.Rosenberg 248. Sehr selten / Very rare. I / Uncirculated. Schätzpreis: 7.500 EUR / Zuschlag: 10.000 EUR Los 696 Westliche Besatzungszonen und Bundesrepublik Deutschland ab 1948 Deutsche Bundesbank Deutsche Bundesbank. 20 Deutsche Mark 2.1.1970. Austauschnoten / Ersatznoten: ZE0879606A. Grabowski BRD-15d. Selten / Rare. I / Uncirculated. Schätzpreis: 100 EUR / Zuschlag: 350 EUR Los 717 Westliche Besatzungszonen und Bundesrepublik Deutschland ab 1948 Deutsche Bundesbank Deutsche Bundesbank. 500 Deutsche Mark 1.10.1993. Austauschnote / Ersatznote. YA9774805A6. Herstellungsbedingte Papierstauchung am unteren Bereich. Grabowski BRD-51b. I- / About Uncirculated. Schätzpreis: 350 EUR / Zuschlag: 1.050 EUR Los 897 Roggengeld Neubrandenburg Neubrandenburg. 100 Zentner 24.11.1923. Serie N, KN 63. Unterschrift Braun. Müller 27b. Nur 1 Exemplar in privater Hand / Only 1 piece in the market. I / Uncirculated. Schätzpreis: 150 EUR / Zuschlag: 320 EUR Los 934 Staatsgeld des Großherzogtums Mecklenburg-Strelitz 1918-1924 Goldanleihe Goldanleihe. 50 Goldpfennig Dazu 1, 2, 3, 5, 10, 20 und 50 Goldmark. 2.01.1924. KN 034729, 037200, 009480, 000700, 011678, 009255, 001782, 000004. Müller 24, 25, 26, 27, 28, 29, 30, 31. Sehr selten / Very rare. I / Uncirculated. (8x) Schätzpreis: 1.500 EUR / Zuschlag: 2.600 EUR Los 1050 Oman Central Bank of Oman Central Bank of Oman. 50 Rials N. D. (1977) Pick 21a. Selten in dieser Erhaltung / Rare in this condition. I- / About Uncirculated. Schätzpreis: 200 EUR / Zuschlag: 300 EUR Alexander Udwari

  • Aus privaten Sammlungen: 1000 Marek Polskich der Polnischen Landesdarlehnskasse von 1919

    Nach der russischen Generalmobilmachung vom 30. Juli 1914 und der daraufhin erfolgten Mobilmachung und Kriegserklärung Deutschlands überschritten am Abend des 1. August 1914 Truppen des mit Frankreich verbündeten Russlands die Grenzen des Deutschen Reichs nach Ostpreußen und gaben damit den „Startschuss“ für den Ersten Weltkrieg. Nachdem die russischen Armeen aus Ostpreußen zurückgedrängt waren, wurde der pol­nische Teil Russlands (Kongress- oder auch Russisch-Polen) vollständig von deutschen und österreichischen Truppen besetzt. Der nördliche Teil davon stand als „Generalgouver­nement Warschau“ bis 1918 unter ziviler deutscher, der südliche Teil unter österreichischer Verwaltung. Nach der von Deutschland betriebenen Unabhängigkeit der polnischen Gebiete von Russland und der Proklamation des Königreichs Polen vom 5. November 1916 wurde mit Gesetz vom 13. Dezember 1916 in Warschau die Polnische Landesdarlehenskasse gegründet, der die Versorgung des Landes mit Zahlungsmitteln oblag. Die bisherige russische Rubel-Währung wurde am 26. April 1917 auf polnische Marka umgestellt, die der deutschen Mark gleich­gestellt war. Das Deutsche Reich haftete sogar für die Einlösung der Gutscheine für das Generalgouvernement in Mark zum Nominalwert. Die 1919 entstandene Republik Polen behielt die Darlehenskassenscheine noch bis zum 30. November 1923 im Umlauf. Am 20. Januar 924 wurde dann die inflationäre polnische Mark-Währung durch den Złoty abgelöst. Die erste Serie von Darlehnskassenscheinen des unabhängigen Polen bestand aus einem Hunderter vom 15. Februar 1919 sowie den Werten zu 1, 5, 20 und 1000 Marek Polskich vom 17. Mai 1919, die dann durch eine zweite Serie mit Werten über 1, 5, 10, 20, 100, 500 und 1000 Marek Polskich mit Datum vom 23. August 1919 (in Umlauf ab 5. Dezember 1919) sowie zu 1/2 und 5000 Marek Polskich vom 7. Februar 1920 (in Umlauf ab 25. Februar 1920 abgelöst wurde. Nach der Einführung des Złoty blieben die Kassenscheine der Polnischen Landesdarlehnskasse noch bis zum 1. Juli 1924 gültig. Von den Tausendern der erste Serie kamen auch zeitgenössische Fälschungen auf deutschem Wasserzeichenpapier vor. Objekttyp: Darlehnskassenschein Sammlung: Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski Authentizität: Original Land/Region/Ort: Republik Polen Emittent: Polska Krajowa Kasa Pozyczkowa (PKKP, Polnische Landesdarlehnskasse) Nominal: 1000 Marek Polskich (Polnische Mark) Datierung: 17. Mai 1919 Vorderseite: Links Porträt des polnischen Nationalhelden Tadeusz Kościuszko (1746–1817), rechts bekrönter polnischer Adler im Zierrahmen mit Text Rückseite: Von Ornamenten und Rankenwerk umgebenes Oval mit Darstellung des bekrönten polnischen Adlers, rechts davon Guilloche und Wertangabe Unterschriften: Mitte: Ernest Adam (Direktion der PKKP), Marian Karpus (Hauptschatzmeister) und Jósef Zarzycki Material: weißes Papier mit Wasserzeichen aus bekröntem polnischen Adler, umgeben von den Buchstaben "B" und "P" Format: 210 mm x 130 mm Entwurf:   Adam Jerzy Półtawski Druck: An der Herstellung waren beteiligt: Staatliche grafische Werke in Warschau, Grafische Werke Bolesław Wirtz in Warschau sowie andere private Druckereien in Warschau Nummerierung: Serie: ZR, No 952965 ❉ Umlauf: 4. Juli 1919 – 1. Juli 1920 Zitate : Poland 22d (Standard Catalog of World Paper Money, Vol. II – General Issues) 22g4 (Czesław Miłczak: Banknoty Polskie i Wzory, Tom I 1794 – 1941, Warschau 2012) Hans-Ludwig Besler (Grabowski) Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com .

  • Die Inselgruppe der Dodekanes und das Papiergeld während des Zweiten Weltkriegs

    Die europäischen Mächte lieferten sich in den 1880er Jahren ein Wettlauf um den Erwerb afrikanischer Kolonien. Am 10. März 1882 übernahm die italienische Regierung von der Schiffsgesellschaft Rubattino die Bucht von Assab. In einem Kolonialfeldzug wurde Eritrea unterworfen und 1890 die Colonia Eritrea gebildet. Von Eritrea aus startete Italien nach den Schlachten von Coatit und Senafe 1895 seinen Eroberungsfeldzug gegen das seit Jahrhunderten selbstständige christliche Kaiserreich Abessinien (heute Äthiopien), der für Italien mit einer demütigenden Niederlage in der Schlacht von Adua endete.   Nach dieser Niederlage richtete sich Italiens Blick auf das benachbarte Libyen, das seit 1551 als Provinz Tripolitanien unter osmanischer Herrschaft stand. Italienische Banken, Handelsunternehmen, Schulen und Zeitungen, die sich hier niederließen, bereiteten den Weg für den späteren kolonialen Anspruch vor. Mit Verweis auf die frühere Herrschaft des Römischen Reichs über diese Region forderte das Königreich Italien unter Ministerpräsident Giovanni Giolitti am 28. September 1911 ultimativ vom Osmanischen Reich freie Hand bei der Besetzung der Provinz. Sultan Mehmed V. wies diese Forderung zurück. Tags darauf erklärte Italien der Hohen Pforte den Krieg. In den nächsten Monaten konnte das italienische Militär wegen der feindlichen Haltung der Bevölkerung nur einige Enklaven entlang der Mittelmeerküste besetzen.   Um den Druck auf die Osmanischen Regierung zu erhöhen, besetzte italienisches Militär die Inselgruppe der Dodekanes. Am 26. April 1912 wurde Astypalea eingenommen, am 12. Mai Karpathos, Kaso, Piscopi, Nisyros, Kalino, Leros, Patmos, Kos, Symi und Chalki, am 4. Mai landeten Truppen auch auf Rhodos, das am 16. Mai vollständig besetzt war.   Der Krieg offenbarte die Schwäche des Osmanischen Reichs. Die Staaten des Balkanbundes nutzten die Gelegenheit und serbische, bulgarische, montenegrinische und griechische Truppen griffen im Oktober 1912 das Osmanische Reich an (Erster Balkankrieg) . Die Bedrohung der Nordgrenze stellte für die Regierung in Istanbul eine größere und massivere Bedrohung dar als der italienische Kolonialismus in der entlegenen Provinz, sodass man im Herbst zu Friedensverhandlungen bereit war. Am 18. Oktober 1912 vereinbarte man in Lausanne: Die Hohe Pforte erkennt die italienische Zivilverwaltung über Tripolitanien und die Cyrenaika an und im Gegenzug zieht Italien seine Truppen aus dem Dodekanes ab.   Das unklare und mehrdeutige Abkommen ließ viel Raum für Interpretationen. Zwar führte es zum Abzug der osmanischen Truppen aus Libyen, aber der Sultan verzichtete darin nicht vollständig auf seine Souveränitätsrechte. Nach den Bedingungen des Vertrags sollten alle Feindseligkeiten gegen die italienische Verwaltung eingestellt werden. Da die Osmanen jedoch den Abwehrkampf der Senussi-Bruderschaft in Libyen weiter unterstützten, blieb es bei der italienischen Besetzung der zwölf Inseln.   Im Friedensvertrag von Sèvres vom 10. August 1920 erkannte das Osmanische Reich den italienischen Besitz des gesamten Dodekanes unter Einbeziehung der Insel Castelrosso an. Als die Vertragsinhalte dieses Vertrags 1919 konkreter wurden, formierte sich in Anatolien eine türkische Nationalbewegung. General Mustafa Kemal, der als späterer türkischer Staatsgründer den Namen Atatürk erhielt, organisierte den als Türkischen Befreiungskrieg bekannt gewordenen Unabhängigkeitskrieg. Sein Ziel war es, alle anatolischen Gebiete unter türkische Kontrolle zu bringen und einen muslimisch-türkischen Nationalstaat zu gründen. Mustafa Kemals Unterstützer trafen sich im April 1920 in Ankara zur „Großen Nationalversammlung der Türkei“, dem Vorläufer des heutigen Parlaments. Am 1. November 1922 erklärte sie alle seit 1920 von der osmanischen Regierung in Istanbul unterzeichneten Verträge für ungültig und das Sultanat für beendet. Die alliierten Sieger des Ersten Weltkriegs und die Türkei unterzeichneten in Lausanne am 24. Juli 1923 einen neuen Friedensvertrag. In Artikel 15 verzichtete die Türkei zugunsten Italiens auf alle Rechte und Titel an den Dodekanes.   Abb. 1: Karte der "italienischen" Inseln in der Ägäis (Dodekanes).   Damit war das geheime Abkommen vom 29. Juli 1919 vom Tisch, das der italienische Außenminister Tommaso Tittoni und der griechische Minister Eleutherios Venizelos vereinbart hatten, wonach Italien die Inseln mit Ausnahme von Rhodos an Griechenland abtreten wollte, wenn dieses im Gegenzug den italienischen Anspruch auf Albanien unterstütze. Vom späteren italienischen Außenminister Carlo Sforza wurde das Abkommen jedoch bereits im Juni 1920 wieder gekündigt.   Die 14 Inseln hatten eine Gesamtfläche von 2.721 km². Bei der Volkszählung vom 21. April 1936 betrug die Gesamtbevölkerung des Dodekanes 129.135 Einwohner, davon stammten nur 7.015 aus Italien (5,4 %) und 4.333 waren Ausländer verschiedener Nationalitäten. Die Inseln wurden 1926 integraler Bestandteil des Königreichs Italien. Die italienische Notenbank, die Banca d’Italia, unterhielt auf Rhodos eine Zweigniederlassung und auf den Inseln zirkulierten dieselben Münzen und Banknoten wie auf der italienischen Halbinsel.   Abb. 2.1: Banca d'italia, 19. Dezember 1940, 100 Lire, Vorderseite. Abb. 2.2: Banca d'italia, 19. Dezember 1940, 100 Lire, Rückseite.   In den ersten Jahren des Zweiten Weltkriegs war der Dodekanes ein wichtiger italienischer Marine- und Luftwaffenstützpunkt. Etwa 40.000 italienische Soldaten waren auf den Inseln stationiert. Nach dem missglückten italienisch-deutschen Abenteuer in Nordafrika nahm die strategische Bedeutung der Dodekanes weiter zu.   Abb. 3: Das 281. Geschwader an der Basis von Gadurrà (Italienische Ägäische Inseln), Juni 1941. < https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/2/21/281_squadriglia_nella_base_di_Gadurr%C3%A0_Egeo_italiano_giugno_1941.jpg > (26.07.2024)   Die Landung der Alliierten auf Sizilien und in Süditalien führte dazu, dass Marschall Badoglio am 8. September 1943 die Fronten wechselte und das Bündnis mit dem Deutschen Reich kündigte. Daraufhin nahmen Verbände der Wehrmacht italienische Militärangehörige in Norditalien, in Griechenland, auf dem Balkan, in Frankreich und an der Ostfront gefangen.   Die Sturmdivision Rhodos unter dem Kommando von General Ulrich Kleemann besetzte zunächst die Inseln Kos, Calino, Piscopi, Levita, Simi, Astypalea und Leros mit dem wichtigsten italienischen Marinestützpunkt in der Ägäis. Kos wurde am 3. Oktober von den Deutschen angegriffen und am 6. Oktober eingenommen. Calino wurde am 7. Oktober besetzt. Piscopi und Levita wurde Mitte Oktober besetzt, Astypalea am 22. Oktober, nachdem ein erster Versuch einen Monat zuvor gescheitert war. Simi wurde am 2. November besetzt, nachdem ein erster deutscher Angriff im Oktober noch von italienischen und britischen Truppen zurückgeschlagen worden war. Leros blieb bis Mitte November 1943 in italienischer Hand und wurde von italienischen Garnisonstruppen unter dem Kommando von Konteradmiral Luigi Mascherpa und von den Alliierten entsandten Verstärkungen verteidigt. Die letzten Inseln, die von italienischen Truppen evakuiert wurden, waren Lisso und Patmos, nachdem die Nachricht vom Fall von Leros eingetroffen war. Die meisten italienischen Soldaten, die von den Inseln flohen, suchten Zuflucht in der Türkei, wo sie interniert wurden. Diejenigen, die bleiben wollten, wurden gefangen genommen und in Deutschland interniert. Durch die Einnahme der Dodekanes durch die Wehrmacht wurde den Alliierten die Möglichkeit entzogen, die Inseln als Operationsbasis für einen möglichen Angriff auf das griechische Festland zu nutzen.   Am 12. September 1943 befreiten deutsche Fallschirmjäger unter SS-Obersturmbannführer Otto Skorzeny den gestürzten italienischen Diktator Benito Mussolini aus der Gefangenschaft am Gran Sasso d’Italia in den Abruzzen. Im von den Alliierten noch nicht besetzten Norditalien wurde er am 23. September 1943 Ministerpräsident der Repubblica Sociale Italiana (RSI), einem Marionettenstaat von Hitlers Gnaden. Regierungssitz wurde Salò am Gardasee.   Zum Territorium der Repubblica Sociale Italiana gehörte auch der von der Wehrmacht besetzte Dodekanes-Archipel. Der bisherige Vizegouverneur Iginio Ugo Faralli, der sich zur RSI bekannte, übernahm das Amt des Gouverneurs, während der bisherige Gouverneur Admiral Inigo Campioni Marschall Badoglio unterstützte. Er wurde am 18. September verhaftet und nach Deutschland deportiert. Die italienische Lokalverwaltung auf den Ägäis-Inseln blieb bestehen, die eigentliche Macht lag jedoch beim deutschen General Ulrich Kleemann (1943–1944) und später beim General Otto Wagener (1944–1945).   Abb. 4: General Ulrich Kleemann (links). General Otto Wagener unterzeichnet die Kapitulation vor den Briten – 8. Mai 1945 (rechts) < https://www.warhistoryonline.com/guest-bloggers/steamship-oria-forgotten-tomb-4200-italian-soldiers.html > (26.07.2024).   Bis zum Kriegsende blieb Rhodos unter deutscher Kontrolle, wurde jedoch von britischen Seestreitkräften vollständig blockiert und konnte nur unzureichend aus der Luft versorgt werden. Nach der bedingungslosen Kapitulation der Wehrmacht gingen die deutschen Truppen am 9. Mai 1945 in britische Kriegsgefangenschaft.   Anstelle der Deutschen besetzten die Briten den Archipel. Neuer Gouverneur wurde Peter Bevil Edward Acland. Wie zuvor blieb die italienische Zivilverwaltung bis zur Übergabe der Souveränität an Griechenland im Amt. Mit dem Pariser Friedensvertrag vom 10. Februar 1947 gingen die Inseln gemäß Artikel 14 des Vertrags an Griechenland über. Auf Rhodos wurde am 15. September 1947 in einer Zeremonie die Macht an den griechischen Gouverneur Periklis Ioannidis übergeben. Mit der Umwandlung in die Präfektur Dodekanes am 7. März 1948 wurden die Inseln offiziell Teil Griechenlands.   Im Verlauf des Krieges wurde die Versorgung der Inseln mit Zahlungsmitteln immer schwieriger, sodass am 19. August 1942 der italienische Finanzminister 100 Millionen Drachmen in „Buoni della Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia“ nach Rhodos bringen ließ. Die Scheine waren zuvor in der italienischen Besatzungszone Griechenlands als Zahlungsmittel ausgegeben. Sie waren dort bis zum 22. April 1942 im Umlauf. Die zweisprachigen (Italienisch und Griechisch) Geldscheine wurden in den Werten 5, 10, 50, 100, 500, 1.000, 5.000, 10.000 und 20.000 Drachmen vom Istituto Poligrafico dello Stato di Roma gedruckt. Bei ihrer Ausgabe wurde eine Lire mit acht Drachmen gerechnet. Ob dieser Wechselkurs auch auf Rhodos galt, ist mir leider nicht bekannt.   Abb. 5.1: Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia, o. D., 100 Drachmen, Vorderseite. Abb. 5.2: Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia, o. D., 100 Drachmen, Rückseite.   War die finanzielle Situation auf Rhodos durch die Ereignisse des Krieges schwierig genug, so verschlechterte sie sich nach dem 8. September 1943 weiter. König Viktor Emanuel III. hatte am 21. September 1943 Banken ermächtigt, Schecks mit festem Nennwert als Zahlungsmittel in Umlauf zu geben.   Abb. 6.1: Scheck der Banco di Roma über 50 Lire, ausgestellt in Torino, Vorderseite. Abb. 6.2: Scheck der Banco di Roma über 50 Lire, ausgestellt in Torino, Rückseite.   Faralli übernahm diese Regelung für die Inseln der Ägais und genehmigte am 14. Oktober 1943 der Banca d’Italia, der Banco di Roma und der Banco di Sicilia die Ausgabe von Schecks mit festem Nennwert. Sie lauteten auf 100 und 500 Lire. Bei der Bevölkerung waren sie nicht beliebt, da eine Verwendung in der neutralen Türkei fast unmöglich war. Im Katalog von Crapanzano/Giulianini werden zahlreiche Schecks mit festem Nennwert abgebildet. [1]   Abb. 7.1: Scheck der Banco di Roma über 100 Lire, ausgestellt in Rhodos am 20. März 1944, Vorderseite. Abb. 7.2: Scheck der Banco di Roma über 100 Lire, ausgestellt in Rhodos am 20. März 1944, Rückseite. https://www.cronacanumismatica.com/il-dodecaneso-italiano-la-cartamoneta-a-rodi/ (21.07.2024).   Am 21. April 1944 erließ Faralli ein Dekret, das den Druck von Staatsnoten im Wert von 10 Millionen Lire genehmigte. Die Scheine wurden von der Officine Grafiche di Rodi auf Papier gedruckt, das ursprünglich für den Druck von Briefmarken vorgesehen war. Es wurden zwei Werte hergestellt:  6.000.000 Lire in Stückelungen von 100 Lire, drei Serien (A, B, C) mit jeweils 20.000 Einheiten; 4.000.000 Lire in Stückelungen von 50, vier Serien (I, II, III, IV) mit jeweils 20.000 Einheiten. Die Banknoten zirkulierten für kurzen Zeit ab Mai 1944.   Die 50-Lire-Note zeigt auf der Vorderseite in der Mitte die Kapitolinische Wölfin mit Romulus und Remus, den mythischen Gründer der Stadt Rom, auf einem Kapitell darunter das Wappen des Johanniterordens, im Hintergrund die Festung des Heiligen Nikolaus auf Rhodos. Die Rückseite bildet im linken Kreis die stilisierte Rose von Rhodos ab und in den vier kleinen Rondellen den Hirsch von Rhodos, sowie das Wappen des Johanniterordens.   Abb. 8.1: Governo delle Isole Italiane dell’Egeo, 21.4.1944, 50 Lire, Vorderseite. Abb. 8.2: Governo delle Isole Italiane dell’Egeo, 21.4.1944, 50 Lire, Rückseite. < https://en.numista.com/catalogue/note354390.html > (19.07.2024). Auch die 100-Lire-Note zeigt auf der Vorderseite in der Mitte die Kapitolinische Wölfin, darunter ein segelndes römisches Schiff. Links und rechts davon die Abbildung der Vorder- und Rückseite einer Didrachme-Münze. Die linke Münze bildet den Kopf des Sonnengotts Helios und die rechte Münze die Rose von Rhodos ab. Die Rückseite zeigt links den Hirsch auf einem Kapitell, wie er noch heute auf einer der beiden Säulen an der Einfahrt zum Hafen von Rhodos steht. Beide Nominale tragen die faksimilierten Unterschriften des Gouverneurs Faralli sowie einer weiteren Person (Lambertini).   Abb. 9.1: Governo delle Isole Italiane dell’Egeo, 21.4.1944, 100 Lire, Vorderseite. Abb. 9.2: Governo delle Isole Italiane dell’Egeo, 21.4.1944, 100 Lire, Rückseite. https://www.cronacanumismatica.com/il-dodecaneso-italiano-la-cartamoneta-a-rodi/ (21.07.2024).   Der Geldbedarf der deutschen Truppen betrug monatlich etwa 26 Mio. Lire. Seit Ende September 1943 entsprach dies 2,6 Mio. Reichsmark [10 Lire = 1 RM]. In den ersten Monaten der deutschen Besatzung wurde der Lire-Bedarf in erster Linie aus Beutebeständen (Bargeld, Barschecks, Bankguthaben) gedeckt. Am 17. Dezember 1943 forderte die deutsche Militärverwaltung Rhodos in einem Fernschreiben an den Chefintendanten b. O.B. Südwest in Verona 15 Mio. Lire an. Die Antwort aus Italien war ernüchternd. Die Noten-Druckerei in Aquila (Officine carte e valori) war am 8. Dezember 1943 bei einem US-amerikanischen Bomberangriff stark beschädigt worden. Der Chefintendant empfahl auf Reichskreditkassenscheine zurückzugreifen, die in Athen wohl noch in größeren Mengen vorhanden waren. [2] Zwar hatte der Chefintendant später den Transport veranlasst, dennoch müssen Reichskreditkassenscheine auf Rhodos wieder in Umlauf gelangt sein. In der „Zahlungsregelung für die Wehrmacht in außerdeutschen Ländern“ (Wehrmachtdevisenbestimmungen – W.Dev.Best . – ) vom 13. Oktober 1944 heißt es unter „(11) Reichskreditkassenscheine sind gesetzliche Zahlungsmittel in den besetzten und eingegliederten Gebieten, in denen das O.K.W. bzw. der zuständige Chef der Zivilverwaltung ihre Einführung angeordnet hat. Zur Zeit sind sie im Zahlungsverkehr jedoch nur zugelassen im Reichskommissariat Ostland und neben der Landeswährung im Operationsgebiet des Heers in den UdSSR, in Rumänien auf den besetzten englischen Kanalinseln, in Montenegro und im Dodekanes. In allen anderen Gebieten dürfen sie weder angenommen noch ausgegeben noch umgewechselt werden.“   Abb. 10.1: Reichskreditkassen, o. D., 50 Reichsmark (=500 Lire), Vorderseite. Abb. 10.2: Reichskreditkassen, o. D., 50 Reichsmark, Rückseite.   Im Oktober 1944 landete die britische Armee auf dem griechischen Festland und setzte Noten der British Military Authority in sechs Stückelungen – 6 Pence, 1 Shilling, 2 Shilling, 6 Pence, 5 Shilling, 10 Shilling und 1 Pfund – in Umlauf. Auch auf Rhodos wurden sie nach der Kapitulation der deutschen Truppen ausgegeben. Nach van Elmpt waren dies zunächst Scheine mit dem aufgedruckten Buchstaben „R“. [3] Die Briten übernahmen den Wechselkurs, der in Süditalien durch Proklamation des italienischen Königs vom 24. September 1943 festgelegt worden war: 1 Pfund entsprachen 400 Lire.   Abb. 11.1: British Military Authority, o. D., 1 Shilling (= 20 Lire), Vorderseite. Abb. 11.2: British Military Authority, o. D., 1 Shilling, Rückseite.   Die Bankniederlassung in Rhodos zog nach und nach die Noten vom April 1944 und die Schecks der drei ausstellenden Institutionen ein. Nach der Übergabe der Dodekanes an Griechenland am 31. März 1947 wurden die Rhodos-Banknoten, sowie das italienische und englische Papiergeld vom 7. bis 12. April umgetauscht. Uwe Bronnert   Anmerkungen [1] Guido Crapanzano u. Ermelindo Giulianini, La Cartamoneta Italiana, Corpus Notarum Pecuniariarum Italiae, Volume primero, Milano 2003, S. 293 – 298, Kat.-Nr. OI 117 A – OI 125. [2] BA Berlin, R 29/196 [3] T.F.A, van Elmpt, British Military Authority Occupation Currency 1942 – 1956, Europe and North Africa, Uithoorn, The Netherlands, 2003, S. 320 ff.

  • Bulgarische Banknoten im Spiegel politischer Umbrüche

    Am Ende der osmanischen Herrschaft in der Region des heutigen Bulgarien nannte man dieses Gebiet „Tuna vilâyeti“ (Türkisch) bzw. Дунавска област (Bulgarisch = Oblast Dunavska) oder im Deutschen „Danubien“. Die Verwaltungseinheit war von 1864 bis 1878 in sieben Sandschaks gegliedert. Während der Regentschaft von Sultan Abdülaziz kam es am 2. Mai 1876 zum sog. April-Aufstand orthodoxer christlicher Bulgaren. Nach fast 500-jähriger osmanischer Fremdherrschaft erreichte das moderne Bulgarien durch den Berliner Vertrag eine erste Unabhängigkeit: Das Fürstentum Bulgarien (Княжество България = Knjaschestwo Balgaria). Abb. 1: Grenzen Bulgariens nach 1878; die Konferenz von Konstantinopel, an der alle damaligen europäischen Großmächte teilnahmen, war auf Initiative Großbritanniens einberufen worden – Ziel war es u. a., Bulgarien innerhalb des Osmanischen Reichs mehr Autonomie zu sichern und die Spannungen zwischen dem russischen Zarenreich und dem Osmanischen Reich zu entschärfen. Das Fürstentum wurde vom 3. März 1878 bis 13. Juli 1878 unter Alexander I. (dem österreichischen Alexander Graf von Hartenau, geb. Prinz Alexander Josef von Battenberg) regiert. Nach dessen Abdankung folgte Ferdinand I. aus dem Haus Sachsen-Coburg und Gotha vom 7. Juli 1887 bis 5. Oktober 1908. In der Verordnung vom 25. Januar 1879 wurde die Satzung der Bulgarischen Nationalbank (BNB) vom zaristisch-russischen Kommissar Fürst Alexander Dondukow-Korsakow genehmigt. Der erste Bank-Gouverneur kam am 4. April 1879 ins Amt, die Eröffnung der Bank folgte am 23. Mai 1879, ohne dass sie bis dahin ein Münzregal und das Recht des Banknotendrucks innehatte. Mit Ukas Nr. 229 vom 27. Mai 1880 wurde durch die Zweite Ordentliche Nationalversammlung des Fürstentums das Münzgesetz verabschiedet und die Landeswährung Lev („лъв” = Löwe) am 4. Juni 1880 eingeführt. Die ersten Kupfer-Münzen zu 2, 5 und 10 Stotinki – in Birmingham/England geprägt – kamen 1881 in Umlauf und entsprachen den Vorschriften der Lateinischen Münzunion. Die Geschäftstätigkeit der BNB begann am 27. Januar 1885. Die neue Satzung (Ukas Nr. 19/1885) gestattete die Umstrukturierung der Bank, garantierte ihre Unabhängigkeit und das Recht zum Druck von Banknoten. Die ersten Goldnoten datieren vom 1. August 1885 und wurden in St. Petersburg/Russland bei der „Экспедиции заготовления государственных бумаг“ (zaristischer Betrieb für die Herstellung von Regierungspapieren und Vorgängerfirma von Goznak) gedruckt: 20 und 50 Leva Zlato (Goldleva) – ausgegeben ab 1. September 1885. Als Emissionsbank unterstand die BNB dem Finanzministerium in Sofia. Auch die folgende Ausgabe zu 100 Leva Zlato von 1887 wurden in St. Petersburg gedruckt – alle hatten das Wasserzeichen „БНБ“ (BNB). Die Banknoten wurden von der misstrauischen Bevölkerung ungern angenommen; aber nicht aus diesem Grund waren sie nur bis zum 30. Juni 1907 umlauffähig. Sie kommen auch mit der Abstempelung „сребро“ (= Silber) und der Streichung „злато“ (= Gold) vor. Abb. 2: 50 Leva Gold, 1. August 1885, 150 mm × 97 mm, Vs., Banknote der BNB, Goldnote mit „srebro“ (= Silber) überstempelt, Unterschriften: Karadjov/Tropchiev; Gestaltung: Kirkov. Die folgenden Banknoten der 1890er und 1899er Emissionen zu 5 und 10 Leva Zlato wurden ohne Wasserzeichen bei Bradbury, Wilkinson & Co. in New Malden in England gedruckt; sie waren bis 30. November 1908 in Umlauf. Die 50-Leva-Banknote von 1899 war dann eine Silbernote, die wiederum in St. Petersburg hergestellt wurde. Auf dem historischen Zarewetz-Hügel in Tirnowo verkündete Fürst Ferdinand I. am 5. Oktober 1908 die staatliche Unabhängigkeit des einstigen Vasallenstaats – Ausrufung zum Zarentums Bulgarien (Царство България = Zarstwo Balgarija) und völlige Loslösung vom Osmanischen Reich. Er nahm die Zarenkrone an, die ihm seine Minister zuvor angeboten hatten. In der Übergangszeit vom Fürsten- zum Zarentum (Königreich) Bulgarien wurden zwischen 1903 bis 1910 die sog. Orlov-Noten zu 5, 10, 50, 100 und 500 Silber-Leva im Hochformat bei der „ЭЗГБ“ gedruckt. Die zweite 1903er Emission umfasste die Banknoten zu 20, 50, 100 und 500 Gold-Leva wieder im Querformat. Aufgrund der Niederlage im Ersten Weltkrieg dankte Ferdinand I. am 3. Oktober 1918 ab und ging ins bayerische Exil; am selben Tag noch trat sein ältester Sohn, der Prinz von Tarnowo, als Zar Boris III. seine Regentschaft an. Mit den Friedensverträgen von 1918 fielen die Süd- und Norddobrudscha im März an Bulgarien, im Folgejahr aber wieder an Rumänien. Es begann die „Europäisierung“ Bulgariens. Durch die Balkankriege 1912/13 und schließlich den Ersten Weltkrieg hatte sich der Bargeldumlauf in Bulgarien stark aufgebläht. 1916 ließ die BNB weitere Banknoten in der Berliner Reichsdruckerei drucken: die Wertstufen zu 1, 2, 5 und 10 Leva Sebro und 20, 50 und 100 Leva Zlato. Wie die Banknoten von 1917 zu 5 Leva Sebro sowie 10, 20, 50 und 100 Leva Zlato, die in Leipzig von Giesecke & Devrient gedruckt wurden, galten alle Scheine nur bis zum 5. Mai 1924 – ebenso der G&D-Zehner von 1919. Es folgten die Ausgaben zu 1 Lev und 2 Leva Srebro von 1921 (Druck: Waterlow & Sons Ltd., London) sowie die Banknoten-Serie von 1922: 5, 10, 20, 50, 100, 500 und 1000 Leva (Druck: American Bank Note Co., New York). Abb. 3: 100 Leva Gold der Bulgarischen Nationalbank ohne Datum (1916), Vorderseite. Abb. 4: 500 Leva 1922, Musterschein 167 mm × 85 mm, Vs.,Unterschriften: Damjanov/Popov; Gestaltung: Gjudshenov/Koshucharov; im Umlauf ab Dezember 1923, Druck: ABNCo.; neben diesen gelochten Scheinen mit Nullnummerierung und Überdruck SPECIMEN gibt es auch mit 4-fach CANCELLED senkrecht perforierte Muster. Der 5000-Leva-Schein von 1924 war die früheste Banknote mit dem Bildnis von Zar Boris III. und wurde in minderer Qualität von der bulgarischen Staatsdruckerei Sofia (Държавна печатница) in einer Auflage von nur 160.000 Stück gedruckt. Ausgegeben wurden die Banknoten im Oktober 1924 und schon im Mai 1925 wieder aus dem Umlauf genommen. Abb. 5: 5000 Leva 1924, 195 mm × 92 mm, Vs., Unterschriften: Bojadjiev/Venkov; Gestaltung: Losev; es sind Vorlagenscheine mit Perforation БНБ aus der Serie Ж bekannt, die gleiche Perforation kommt auf Druckproben deutscher 1924-er Reichsbanknoten vor. In den Dekreten vom 13. November 1926 (Ukas Nr. 33/1926) und dessen Abänderung vom 27. September 1928 (Ukas Nr. 21/1928) wurde bestimmt, dass die BNB keine Banknoten unter 200 Leva mehr ausgeben darf. Im Ukas Nr. 24/1928 vom 28. November 1928 über die Währungsstabilität und den Geldumlauf wurde die unbeschränkte gesetzliche Zahlungskraft bulgarischer Banknoten festgeschrieben, jedoch der Einzug aller Noten zu 5, 10, 20, 50 und 100 Leva bestimmt – bspw. dieser im typischen Bradbury-Wilkinson-Stil gedruckte 50-Leva-Schein: Abb. 6: 50 Leva 1925, 146 mm × 80 mm, Vs., Unterschriften: Bojadjiev/Venkov; Gestaltung: Boshinov/Denev/Tscharkelov. Die bis dahin umlaufenden Noten von 5 bis 100 Leva waren bis zum 31. Dezember 1933 umlauffähig und wurden durch wertgleiche Münzen ersetzt. Das änderte sich aber wieder mit der Ausgabe der 1929er Serie. Dafür wurde eine weitere ausländische Firma für den Banknotendruck verpflichtet: die Londoner Druckerei Thomas De La Rue & Co. Ltd. zur Herstellung von Banknoten zu 200, 250, 500, 1000 und 5000 Leva. Abb. 7: 1000 Leva 1929, 184 mm × 92 mm, Vs., Unterschriften: Ivanov/Nachev; Gestaltung: Sachariev/Boshinov. Schon während des Balkan-Kriegs wurde am 23. Oktober 1912 die Konvertierbarkeit von Leva-Banknoten in Gold abgeschafft, die der Lev erst Ende der 1920er Jahre wiedererlangte; der Goldstandard bestand dann bis 1931. Am 3. Dezember 1928 legte man den Goldwert des Lev auf 0,01087 Gramm fest. Der US-Dollar wurde im Januar 1934 mit 81,75 Leva gerechnet – sank bis August 1939 dann aber unter 139,00 Leva. Die letzten Banknoten mit dem Abbild von Zar Boris III. wurden mit der Serie 1942 bei Diesecke & Devrient gedruckt und 1943 ausgegeben. Zu diesem Zeitpunkt waren schon die neuen Banknoten mit dem Porträt von Zar Simeon II. entworfen und gedruckt; die Scheine zu 200, 250 und 500 Leva der Serie 1943 kamen im Mai bzw. Juni 1944 in Umlauf. Der erst 6-jährige Sohn folgte seinem Vater Boris III. nach dessen Tod am 28. August 1943 in Sofia auf den Thron. Abb. 8: 250 Leva 1943, 145 mm × 78 mm, Vs., Unterschriften: Gunev/Ivanov; Druck: Reichsdruckerei Berlin. In den letzten Monaten des Jahres 1944 hatten die späteren Siegermächte des Zweiten Weltkriegs versucht, ihre geopolitische Vorteile bei der Neuordnung Europas entsprechend ihrer Interessen durchzusetzen. Großbritannien hoffte auf seine Einflusssphäre in Griechenland und Bulgarien. Die Sowjetunion kam dem zuvor, indem die Rote Armee in Bulgarien einmarschierte, ohne dass das Land dem Sowjetreich den Krieg erklärt hatte und nie bulgarische Truppen in der UdSSR gekämpft hatten. Die sowjetische Staatsdruckerei hatte angeblich auch schon Besatzungsgeld für Bulgarien gedruckt – wie für andere Länder (z.B. die Tschechoslowakei und Ungarn) auch. Bildbelege dazu sind aber bis heute nicht bekannt. Abb. 9: „Die Druckereien von Goznak (Moskau und Krasnokamsk) fertigten Papiergeld für die von sowjetischen Truppen befreiten Länder Ungarn, Bulgarien und Rumänien sowie für die sowjetische Besatzungszone in Deutschland.“ ( www.goznak.ru ) Großbritannien hingegen druckte sein Besatzungsgeld mit dem Aufdruck „British Military Authority“ für Nordafrika und fertigte Musternoten zu 1 Pfund für den Einmarsch in Frankreich, Griechenland und Bulgarien mit entsprechenden Überdrucken an. Für Bulgarien wurden 25 Exemplare mit dem Aufdruck „BULGARIA“ hergestellt (39 Z 000001 bis 39 Z 000025). Ebenfalls 25 gekennzeichnete Scheine mit dem Aufdruck „GREECE“ sind nachweisbar (39 Z 000026 bis 39 Z 000050) und weitere 25 1-£-Noten mit dem Aufdruck „FRANCE“ (39 Z 000051 bis 39 Z 000075 – andere Quellen sprechen von 49 bzw. 50 Expl.). Abb. 10: One Pound o. D, 138 mm × 77 mm, Vs., (der Schein 39 Z 000021 wurde 2017 in den USA für 11.000 US-Dollar versteigert). Abb. 11: 3 × 1 Pound o. D. mit Überdruck (der Schein mit der bislang belegten höchsten Kontrollnummer 39 Z 000075 stammt aus der Sammlung von Ruth Hill). Am 15. September 1939 hatte Bulgarien seine Neutralität verkündet. Obwohl Boris III. und die Mehrheit der bulgarischen Bevölkerung mit Deutschland sympathisierten, trat das Land vorerst nicht dem sog. Dreimächtepakt Berlin-Rom-Tokio bei. Die Sowjetunion übergab am 5. September 1944 dem bulgarischen Botschafter in Moskau die Kriegserklärung und besetzte ab 8. September das Land. Mitglieder der Offiziersgruppe „Zweno“ und der „Vaterländischen Front“ setzten die demokratische Regierung ab. Kommunistische Parteiaktivisten sahen sich dadurch ermutigt, über 30.000 Bulgaren als „Volksfeinde“ zu erklären, die verschwanden und umgebracht wurden. Das Zarentum bestand bis September 1946 ... ein Jahr lang unter sowjetischer Besatzung (!). In der Volksbefragung vom 8. September 1946 entschieden sich die Wähler unter sowjetische Besatzung mit (angeblich) 92,72 Prozent für die Abschaffung der Monarchie (Wahlbeteiligung 91,6 %). Am 15. September 1946 wurde schließlich die Volksrepublik Bulgarien ausgerufen. Die Ausgabe 1944 hatte nur das Nominal zu 20 Leva, gedruckt in der Staatsdruckerei Sofia und gelangte ab 9. Mai 1945 in den Umlauf. Der Schein wurde ab März 1947 ausgegeben. Die neue Serie, schon bei Goznak in Moskau gedruckt, bestand aus den Wertstufen 200, 250, 500, 1000 und 5000 Leva und wurde nach der Währungsreform zum 12. Mai 1952 ungültig. Abb. 12: 5000 Leva 1945, 196 mm × 105 mm, Vs., Unterschriften: Stefanov/Ivanov; Gestaltung: Dubasow (Goznak). Die Besetzung des Landes durch die Rote Armee seit September 1944 führte zu einer unkontrollierten Inflation. Die BNB war gezwungen, alle Banknoten ohne jegliche Deckung auszugeben. Nach der Besetzung durch sowjetische Truppen wurde die bulgarische Währung immer wertloser: 1 US-Dollar = 284,72 Leva (Januar 1946) und verfiel mit 1 US-Dollar = 1.148,00 Leva im März 1947 nochmals. Erst nach Jahren mit sehr hoher Inflation wurde durch Erlass des Ministerrats und des ZK der Bulgarischen Kommunistischen Partei (BKP) vom 10. Mai 1952 eine Währungsreform zum 12. Mai 1952 durchgeführt: getauscht wurden 100 alte Leva für 1 neuen Lev. (Artikel I, Pkt. 1.a: Ausgabe neuer Banknoten: 10, 25, 50, 100, 200 und 500 Leva). Alle Gehälter, Renten, Stipendien, Mieten usw. wurden im Verhältnis 100:4 neu berechnet; Lebensmittelkarten für Grundnahrungsmittel wurden abgeschafft und Bankguthaben wurden zwischen 33:1 bis 200:1 gutgeschrieben. Die Umtauschaktion endete am 15. Mai 1952 . Abb. 13: 10 Leva 1951, 196 mm × 105 mm, Vs., Musterschein mit Nullnummerierung, ohne Unterschriften; Druck: Goznak Moskau. Diese 1951er Banknoten galten bis 31. März 1962 und wurden durch eine neue Serie von 1962 und die spätere von 1974 ersetzt, die wiederum bis zum 31. Dezember 1996 in Umlauf waren. Sämtliche Scheine wurden bei Goznak in Moskau gedruckt. Die Abkehr vom staatssozialistischen System begann am 10. November 1989 mit der Absetzung des Parteiführers Todor Schivkov, der der sowjetischen Staatsführung 1963 eine Eingliederung Bulgariens in die UdSSR angeboten hatte. Ihm folgte der ehemalige Außenminister als Staatsratsvorsitzender bis April 1990; bei den freien Wahlen zur VII. Großen Nationalversammlung am 10. und 17. Juni 1990 entschied sich die Bevölkerung für eine demokratische Republik. Neue Banknoten der Serien 1991 – 1993, die in der Wertpapierdruckerei Leipzig gedruckt wurden, kamen ab 1. November 1992 in Umlauf. Bis dahin war die Inflationsrate auf 5891 Prozent gestiegen und Banknoten hoher Wertstufen mussten entsprechend nachgedruckt werden – ab 1994 bei Giesecke & Devrient in München. Das höchste Nominal war der 50.000-Leva-Schein von 1997. Alle Banknoten der Ausgaben von 1991 bis 1997 waren bis zum 31. Dezember 1999 gesetzliches Zahlungsmittel. Abb. 14: 50.000 Leva 1997, 120 mm × 66 mm, Vs., Unterschriften: Filipov/Ivanov; Gestaltung: Gogov; Druck: Giesecke & Devrient München. Am 5. Juli 1999 wurde schließlich ein Währungsschnitt im Kurs von 1.000:1 durchgeführt. Seit November 1999 koppelte man einseitig den Lev an die Deutsche Mark an. Seit dem 1. Januar 2002 rechnet man demnach 1,95583 Lew für einen Euro. Neue Banknoten aus der Druckerei der Bulgarischen Nationalbank wurden ausgegeben und sind bis heute alleinige Geldzeichen im Balkanland: 1, 2, 5, 10, 20, 50 und 100 Leva (die 1- und 2-Leva-Noten galten bis 31. Dezember 2015 bzw. bis 31. Dezember 2020). Die Druckerei (Печатница на БНБ АД) wurde durch Beschluss des Vorstands der BNB Nr. 248 am 11. August 1994 gegründet. Bulgarien wurde am 1. Januar 2007 in die Europäische Union aufgenommen, hat aber den Euro bisher nicht eingeführt, obwohl die Abkürzung ЕЦБ in der protokollarischen Reihenfolge der Mitgliedstaaten auf den derzeitigen Euro-Banknoten an dritter Stelle steht. Abb. 15: 50 Leva 2006, 136 mm × 76 mm, Vs., Unterschriften: Iskrov/Zvetkov; Druck: Druckerei der BNB; Nachfolge-Banknote von 1999 (Unterschriftskombination Gavrijski/Ivanov); am 1. November 2019 kam die dritte und mit besserem Fälschungsschutz in Umlauf (Unterschriftskombination Radev/Zvetkov). 242,4 Mio. 50-Leva-Banknoten waren im Oktober 2023 im Umlauf und hatten den höchsten Anteil an der Gesamtmenge von 583,7 Mio. Banknoten; 340 gefälschte Banknoten wurden im dritten Quartal 2023 registriert: 278 × 50-, 46 × 20-, 12 × 10- sowie je 2 × 5- und 100-Leva-Banknoten Anmerkung: Die politischen Umbrüche in Bulgarien machten es nach 1990 möglich, dass der frühere Zar Simeon II. (abgebildet auf den ausgegebenen 200-, 250- und 500-Leva-Banknoten und auf den nicht ausgegebenen 1000- und 5000 Leva) im Jahre 1996 aus dem Exil in sein Geburtsland zurückkehren konnte und als Simeon B. Sakskoburggotski von 2001 bis 2005 als Ministerpräsident im Amt war. Michael H. Schöne Quellen Borisov S. M./u. a.: „Валюты стран мира“ (= Währungen der Länder der Welt), Moskau 1987 Bulgarian National Bank: „Catalogue Banknotes“, Sofia 2022 https://bulgaria1944-1989.eu https://crownchange.com/en https://de.wikipedia.org https://en.numista.com https://en.wikipedia.org https://histrf.ru https://www.bnb.bg https://www.bta.bg https://www.dw.com/de https://www.pmgnotes.com

  • Leserpost: Gutschein der Stadtgemeinde Tragttuts von 1917

    Hallo Herr Grabowski, ich bin noch ein recht neuer Notgeldsammler und hätte eine Frage zu einem Schein. Es ist eine halbe Mark aus dem Ort Tragttuts, Etikettenfabrik Augsburg. Da ich keine Dokumentation über diese Banknote finde, vermute ich, dass es historisches „Spielgeld“ ist. Seltsamerweise ist bei eBay USA auch ein solcher, sehr  gebrauchter Schein, zu finden, so dass ich mir jetzt nicht mehr sicher bin. Können Sie mir vielleicht etwas über den Schein sagen? Mit freundlichen Grüßen J. Riemer Antwort der Redaktion Da haben Sie ein interessantes Stück. Es handelt sich um eine nicht amtliche "Druckprobe" der Etikettenfabrik Augusburg. Diese Druckerei ist auch durch ihre "Druckprobe" für den Fantasieort „Grubsgau“ über eine halbe Mark vom 1. Juni 1917 bekannt. Liest man Grubsgau von hinten nach vorn, so ergibt sich Augsburg. Bei Ihrem Schein wird so aus „Tragttuts“ = Stuttgart. In der vorliegenden Erhaltung kann man ihn etwa mit 40 Euro bewerten. Beide Proben der Druckerei (Grubsgau und Tragttuts) sind ähnlich gestaltet und tragen die Kontrollnummer 12345. Sie wurden von der Druckerei für Werbezwecke hergestellt und verwendet. Es handelt sich also nicht um historisches Spielgeld. Es ist auch keine Banknote, weil sich so nur Noten einer konzessionierten Notenbank nennen dürfen. Es handelt sich um ein Werbemuster eines Fantasie-Notgeldscheins (Kleingeldersatz) aus der Zeit des Ersten Weltkriegs. Beide "Muster" wurden auf wasserliniertem Papier gedruckt. Die Unterschrift bei „Grubsgau“ (Augsburg) lautet „Regrub“ (Burger) und bei „Tragttuts“ (Stuttgart) "Ilfäsch" (vermutlich Schäfli). Diese Namen haben aber nichts mit den tatsächlichen damaligen Bürgermeistern dieser Städte zu tun (Augsburg: Georg Ritter von Wolfram von 1900 bis 1919 und Stuttgart:  Karl Lautenschlager  von 1911 bis 1933). Ob die Namen Burger und Schäfli einen Bezug zur Etikettenfabrik Augsburg hatten, ist mir nicht bekannt. Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Deutsches Notgeld, Band 5+6: Deutsche Kleingeldscheine: Amtliche Verkehrsausgaben 1916 – 1922 Titel: Gietl Verlag ISBN: 978-3-924861-85-8 Auflage: 1. Auflage 2004 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: zahlreiche farbige Abbildungen Cover-Typ: Broschur Seitenanzahl: 976 Preis: 59,80 Euro Zum Shop

  • Lexikon: Kreditivsedlar

    Nach der Einführung des sogenannten "Kupferplattengeldes" im Jahre 1644, dessen Nennwert ursprünglich dem Kupfergehalt der Platten entsprach und das daher wegen seiner Größe und seines Gewichtes (eine Kupferplatte zu 10 Daler war 30 x 70 cm groß und wog 20 kg) für größere Zahlungen sehr unpraktisch war und zudem wegen der ständigen Wertsteigerung des Materials gegenüber dem Nennwert immer mehr aus dem Umlauf verschwand, kam es zu einem Mangel an Zahlungsmitteln. Um diesen Schwierigkeiten zu begegnen, schlug der Bankier Johan Palmstruch (1611-1671) die Gründung einer Bank vor, die ihr eigenes Papiergeld ausgeben sollte, und erhielt 1656 die Genehmigung dazu. Schwedische Kreditivsedlar (auch Credityf-Zedel, lat. creditivus = vertrauenswürdig, also "Vertrauensscheine" bzw. frei übersetzt "Kreditivzettel" oder "Kreditivscheine") waren die ersten europäischen Banknoten, die ab 1661 von der von Johan Palmstruch gegründeten und geleiteten Stockholms Banco – der ersten schwedischen Zentralbank – ausgegeben wurden. Schweden: Kreditivzettel der Stockholms Banco über 10 Daler Silbermünze vom 17. April 1666. Die Scheine trugen die Unterschriften von Palmstruch und vier Bankbeamten. Im Jahr 1666 wurden neue auf Silbermünze lautende Scheine ausgegeben, da die ursprüngliche Kupferwährung durch eine Silberwährung ersetzt wurde. Die Bank arbeitete zunächst sehr erfolgreich, geriet dann aber in Schwierigkeiten, da sie bei der Kreditvergabe sehr großzügig war und ihre Bücher nachlässig führte, so dass sie nicht mehr in der Lage war, alle Banknoten einzulösen. Da der Schaden für den schwedischen Staat sehr groß war, wurde Palmstruch vor Gericht gestellt und verurteilt. Statt der geforderten Todesstrafe wurde er jedoch zu Gefängnis verurteilt. 1670 wurde er aus dem Gefängnis entlassen und starb nur ein Jahr später. Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

  • Zweites Banknotensammlertreffen in Rabenau/Sachsen am Samstag, den 11. Januar 2025

    Vor einigen Jahren als geselliges Jahresabschlusstreffen einiger Sammler aus dem sächsischen Raum gegründet, hat sich das Banknotensammlertreffen in Rabenau inzwischen zu einem festen Ereignis für Banknotensammler aus Sachsen und darüber hinaus etabliert. Es findet dieses Jahr erstmals nicht mehr am Jahresende, sondern zu Beginn des neuen Jahres als Auftaktveranstaltung statt. Beginn ist ab 11:00 Uhr mit Tausch, Handel und Fachsimpelei. Um 17:00 Uhr steht ein Vortrag von Dr. Sven Gerhard über die Tuzex-Bons der Tschechoslowakei von 1961 bis 1992 auf dem Programm, bevor das Treffen ab 18:00 Uhr mit einem geselligen Abendessen ausklingt. Sammler und Händler sind willkommen, Händlertische kosten EUR 5. Teilnehmer melden sich bitte an bei Marcel Fränzel: Banknoten-fan@gmx.de Veranstaltungsort: Hotel Rabennest, Nordstraße 8, 01734 Rabenau/Sachsen. Parkplätze vor dem Hotel. ÖPNV: S-Bahn / Zug von Dresden Hbf. bis Freital-Hainsberg, dann Bus. Rabenau liegt ca. 15 km südwestlich von Dresden Dr. Sven Gerhard

  • Engravers and Printers of Confederate Paper Money (Graveure und Druckereien der Geldscheine der Konföderierten Staaten von Amerika)

    Von Mark A. Coughlan. 1. Auflage 2024. Softcover, 353 Seiten DIN A 4, durchgehend farbig. In englischer Sprache. ISBN 9-7988-6589-924-4 Kosten ca. EUR 55, bestellbar bei Amazon. Die Abspaltung mehrerer südlicher Bundesstaaten und die Bildung der Konföderierten Staaten von Amerika im Februar 1861 als Reaktion auf die Wahl von Abraham Lincoln zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika hat die nordamerikanische Geschichte tief geprägt und wirkt politisch bis heute nach – der „Süden“ der USA wählt und handelt politisch oft anders als der „Norden“. Im darauffolgenden amerikanischen Bürgerkrieg von 1861 bis 1865 verloren auf beiden Seiten rund 800.000 Soldaten ihr Leben. Der Bürgerkrieg endete mit der Kapitulation der Truppen des konföderierten Generals Lee am 9. April 1865 gegenüber den Truppen des Nordstaatengenerals Ulysses S. Grant bei Appomattox Court House by Lynchburg in Virginia. Mit dieser Niederlage lösten sich die Konföderierten Staaten von Amerika auf. Die ihr angehörenden Bundestaaten wurden zwischen 1866 und 1870 wieder in die Vereinigten Staaten von Amerika eingegliedert. Die Konföderierten Staaten von Amerika bestanden also gerade einmal gut vier Jahre.   Schon im April 1861, zwei Monate nach der Staatsgründung und nur wenige Tage vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs, brachten die Konföderierten Staaten erstmals eigenes staatliches Papiergeld in Umlauf. Die Ausgabe von Papiergeld blieb die wichtigste Finanzierungsquelle der Kriegsanstrengungen der Südstaaten. Es war nicht durch Gold oder Silber gedeckt; stattdessen wurde den Besitzern der Scheine versprochen, sie nach dem Abschluss eines Friedensvertrags zu entschädigen. Der unerwartet lange und verlustreiche Krieg, eine Wirtschaftsblockade durch den Norden und die weit verbreiteten Fälschungen der ausgegebenen Banknoten ließen das Vertrauen der Bevölkerung in das staatliche Papiergeld der Konföderierten Staaten schwinden, sie verloren schnell an Kaufkraft. Bis zum Ende des Bürgerkriegs war der Wert des staatlichen Papiergelds der Südstaaten auf etwa sechs Cents in Gold je Dollar Papiergeld gefallen. Mit Ende des Bürgerkriegs wurden die Geldscheine der Konföderierten Staaten wertlos. Eine Einlösung oder ein Umtausch in Münzen oder in Geldscheine der Vereinigten Staaten fand nie statt. Geblieben sind 72 verschiedene Scheine, die heute insbesondere in den USA ein beliebtes Sammelgebiet darstellen, und die im Katalog von Grover C. Criswell, Comprehensive Catalog of Confederate Paper Money (1996), ausführlich beschrieben und bewertet sind.   Die ersten Scheine der Konföderierten Staaten von Amerika waren noch durch die American Bank Note Company in New York gedruckt und heimlich in den Süden geschafft worden. Mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs war die Möglichkeit eines Banknotendrucks in den Nordstaaten verwehrt. Der Finanzminister der Konföderierten, Christopher G. Memminger, suchte daher händeringend nach Druckmöglichkeiten für Geldscheine in den Südstaaten – die geplante Schaffung einer dem nordamerikanischen Bureau of Engraving und Printing vergleichbaren Bundesdruckerei im Süden wurde nie realisiert. Zwar gehörte die USA damals zu den weltweit führenden Ländern in der Banknotengravur und im Banknotendruck, allerdings waren die entsprechenden Firmen ausschließlich im Norden (vor allem in New York City) angesiedelt. Beauftragt mit der Herstellung von Papiergeld für die Konföderierten Staaten von Amerika wurden daher von 1861 bis 1865 insgesamt 13 oft kleine und kleinste Druckereien in den Südstaaten, die mit der Aufgabe des Banknotendrucks und der Herstellung von größerer Notenmengen technisch und organisatorisch oftmals überfordert waren. Gleiches galt für die beauftragten Firmen zur Herstellung hochwertigen Banknotenpapiers.   Hier setzt das Buch von Mark A. Coughlan an – minutiös und genau hat er zu den einzelnen beauftragten Papierfabriken und Druckereien recherchiert, und erzählt über deren Geschichte, die Biografien ihrer Inhaber, sowie die Umstände der Erteilung und der Umsetzung der staatlich erteilten Druckaufträge. Dabei hat Coughlan viele bisher unbekannte Informationen zusammengetragen. Spannend ist dabei insbesondere der Blick auf die handelnden Personen: Viele der Druckereibesitzer und Graveure waren Einwanderer in die Südstaaten, oft waren sie – wie auch Finanzminister Memminger – in Deutschland geboren und in den Süden der USA ausgewandert. Ebenso interessant sind die Ausführungen zu den technischen Gegebenheiten hinsichtlich Gravur und Druck, die in den Südstaaten zur Verfügung standen. Coughland zeichnet das Bild eines Handwerks der Papierherstellung, der Gravur- und des Geldscheindrucks, das von wenigen Fachleuten bestimmt wurde, die bis zum Schluss verzweifelt versuchten, den immer stärker steigenden Bedarf nach Geldscheinen zu befriedigen – nicht ohne sich dabei durch Konkurrenz und Intrige gegenseitig das Leben schwer zu machen.   Das Buch von Coughlan ist kein Katalog, obwohl es aufgrund insbesondere der zahlreichen Aufstellungen zu den einzelnen Scheinen einschließlich Varianten, Auflagenzahlen und aufgrund des Verweises auf die jeweiligen Katalognummern von Criswell problemlos als solcher genutzt werden könnte. Es ist vielmehr eine ausführliche und spannend zu lesende Einführung in die Welt der Banknotengravur und des Banknotendrucks in der Mitte des neunzehnten Jahrhunderts in Nordamerika. Dabei bietet es detaillierten Einblick in jedes der Unternehmen, das Geldscheine für die Konföderierten Staaten herstellte oder das Papier hierzu produzierte. Zahlreiche farbige Abbildungen von Banknoten, Vignetten, Zeitungsartikeln und Originaldokumenten der Zeit machen das Buch lebendig. Selbst die einzige noch existierende Notenpresse aus der Zeit konnte Coughlan noch aufspüren.   Kritikpunkte lassen sich kaum finden. Allein eine umfassende Schlussredaktion hätte dem Werk sicher gutgetan, um teilweise mehrfache Wiederholung von Sachverhalten zu vermeiden. Diese Wiederholungen tun jedoch weder der Qualität des Inhalts, noch der Lesbarkeit des Textes Abbruch.   Fazit – insgesamt ein hervorragend gemachtes Buch zu einem unschlagbar günstigen Preis, das auch denjenigen begeistern dürfte, der sich bisher noch nicht mit dem Papiergeld der Konföderierten Staaten von Amerika beschäftigt hat. Nach der Lektüre ist man versucht, in dieses Sammelgebiet einzusteigen und sich einige der beschriebenen Scheine zuzulegen, um Zeugnisse dieser kurzen und ereignisreichen Epoche der US-amerikanischen Geschichte in seiner Sammlung zu haben, deren Entstehung und Hintergründe Coughlan detailreich und spannend beschrieben hat. Gratulation an den Autor zu diesem Werk. Dr. Sven Gerhard

  • Eine Billion Mark: Echt – Falsch!

    Am 2. November 1923 machte das Reichsbankdirektorium bekannt, dass in den nächsten Tagen eine Reichsbanknote über eine Billion Mark mit dem Datum vom 1. November 1923 in den Verkehr gegeben würde. Abb. 1: Bekanntmachung Neben der Reichsdruckerei beteiligten sich fünf weitere Druckereien an der Herstellung dieser Banknote. Die Scheine wurden einseitig auf weißem Papier gedruckt und haben das Format 141 x 65 mm. Der rechtsseitige Schaurand ist braunviolett eingefärbt. In ihm sind orangerote und grüne Fasern eingearbeitet. Gegen eine Lichtquelle gehalten, wird das Wasserzeichen „Eichenlaub mit Kreuzdorn“ sichtbar. DEU-155  [1] Druckerei Druckfarbe [2] rote Kennnummer roter Serienbuchstabe a) Reichsdruckerei violett 8-stellig A, B, C, D, E, F, G, H, J Firmendruckereien Firmenzeichen b) wahrscheinlich C. F. Müller, Kalsruhe braun-violett 6-stellig AF (rot) J. S. Preuss, Berlin P (rot) A. Seydel & Cie. A.-G, Berlin R (rot) ungeklärt X (rot) c) C. G. Naumann GmbH, Leipzig fast schwarz N (braun)   Abb. 2: Deutsche Reichsbank, 1 Billion Mark, 1. November 1923, Druck: Reichsdruckerei, Vorderseite. Abb. 3: Deutsche Reichsbank, 1 Billion Mark, 1. November 1923, Druck: A. Seydel & Cie. A.-G., Berlin, Vorderseite. Abb. 4: Wasserzeichen „Eichenlaub mit Kreuzdorn“.   Im Sommer 1922 ging die Reichsdruckerei notgedrungen dazu über, Banknoten von endloser Papierbahn auf Rotationsmaschinen zu drucken. Für aufwendige Sicherheitsmerkmale fehlte die Zeit. Die sehr einfach gestaltete Hilfsnote zu einer Billion Mark lud förmlich dazu ein, gefälscht zu werden. Sie gehört sicherlich zu den meist gefälschten deutschen Banknoten.   In der Regel sind Fälschungen leicht an der (fehlenden/fehlerhaften) Nummerierung, den verwendeten falschen Drucktypen, dem oft flauen Druck und insbesondere dem fehlenden oder falschen Wasserzeichen im Papier zu erkennen. Was aber, wenn das Papier der vermeintlichen Fälschungen das korrekte Wasserzeichen aufweist und auch die Nummerierung der Note dem Original entspricht?   Bei dem zu betrachtenden Falsifikat trifft dies alles zu. Der oder die Fälscher verwendeten für ihre Fälschungen in der Tat echtes Banknotenpapier. Dazu entfärbte sie die ebenfalls nur einseitig bedruckten grünen 100-Millionen-Mark-Banknoten mit Ausgabedatum vom 22. August 1923, die Anfang November 1923 faktisch wertlos waren. Mit 150 x 85 mm war dieser Schein jedoch zu groß. Daher wurde aus ihr ein Schein mit der passenden Größe geschnitten, wobei die Kontrollnummer, die dem Entfärbungsprozess standhielt, weiterverwendet wurde.   Abb. 5: Deutsche Reichsbank, 100 Millionen Mark, 22. August 1923, Druck: Reichsdruckerei, Vorderseite. Abb. 6: Falsifikat der Note zu 1 Billion Mark vom 1. November 1923. Abb.7: Die Papierfläche, die für die Fälschung benötigt wurde.   Bei genauer Betrachtung der Fälschungen fallen einige Abweichungen gegenüber dem Original auf: Die Druckfarbe ist schwarz statt violett. Die kleinen Buchstaben des Strafsatzes, die faksimilierten Unterschriften sowie die beiden Siegel wurden unsauber gedruckt und wirken leicht verschwommen. Überhaupt wirkt der Druck flau, dies gilt auch für Serienbuchstabe und achtstellige Kontrollnummer, die vom Schein zu 100 Millionen Mark übernommen wurden. Durch die chemische Behandlung litt jedoch ihre Farbe. Beim Original endet die Kontrollnummer (oberhalb) mit der Wertzeile, beim Falsifikat steht die letzte Ziffer oberhalb am Beginn des „k“ von Mark. Auf dem rechtsseitigen Schaurand fehlt die braunviolette Einfärbung. Dafür sind schwach noch Teile der ursprünglichen Note – 100 – sichtbar; und auch am linken Rand ist verschwommen noch der alte Strafsatz zu erahnen. Abb. 8: Rechter Schaurand mit ursprünglichem Druck.   Abschließend werden noch einige weiter Beispiele von historischen Fälschungen gezeigt:   Abb. 9: Fälschung 2. Vorderseite. Leicht erkennbar am fehlenden Wasserzeichen. Abb. 10.1: Fälschung 3. Vorderseite. Leicht erkennbar am rückseitigen Aufdruck des „Wasserzeichens“. Abb. 10.2: Fälschung 3. Rückseite mit aufgedrucktem Wasserzeichen.  Abb. 11: Fälschung 4. Vorderseite. Auch hier fehlt das Wasserzeichen, ferner weicht das Äußere stark vom Original ab.   Die Reichsbanknote zu 1 Billion Mark vom 1. November 1923 verlor am 6. Juli 1925 ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittels.   Uwe Bronnert   Anmerkungen [1]  Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, Das Papiergeld der deutschen Notenbank, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine, 23. überarbeitete und erweiterte Auflage 2023/24, Regenstauf 2023, S. 20 f. und 122. [2]  Dr. Arnold Keller, Das Papiergeld des Deutschen Reiches von 1874 bis 1945, 5. Auflage, Berlin-Wittenau 1956, S. 81, Kat.-Nr. 207.

  • Bankovky 6: Eine Banknotenauktion mit vielen Highlights

    Am 15. und 16. November fand die jährliche Papiergeldauktion des Auktionshauses Bankovky mit Sitz in Prag statt. Diese wurde – wie in den vergangenen Jahren – ausschließlich online und über die tschechische Auktionsplattform Livebid abgewickelt.   Bankovky (deutsch: Banknoten) unter Leitung von Aleš Kohout hat sich in den vergangenen Jahren zum einen der führenden Auktionshäuser für Geldscheine insbesondere aus der k&k-Monarchie und deren Nachfolgestaaten entwickelt. Auch in diesem Jahr haben viele Spitzenstücke aus diesen Sammelgebieten ihren Weg in die Auktion gefunden, und zum Teil atemberaubende Zuschläge erzielen können – der Markt für österreichisch-ungarisches und für tschechisch-slowakisches Papiergeld verzeichnet weiterhin eine kräftige Nachfrage insbesondere nach Stücken in sehr guten Erhaltungen. Mit Aufgeld für umgerechnet 1 Million Euro zugeschlagen - 5000 Korun des Bankamtes der Tschechoslowakei vom 15. April 1919 gegradet von PMG in Erhaltung "30" (Very Fine). Quelle: Bankovky.com Ausgerufen wurden 1508 Positionen verteilt auf zwei Tage. Klarer Favorit war das Los Nummer 189, ein Schein des Bankamtes der Tschechoslowakei zu 5.000 Kronen vom 15. April 1919, die erste Staatsnote dieser Wertstufe des wenige Monate zuvor unabhängig gewordenen Landes, gedruckt in der Druckerei für Wertpapiere der österreichisch-ungarischen Bank. Der Schein lief nur kurz und in geringen Stückzahlen um. Gegradet von PMG mit „30“ (Very Fine) und mit einem Ausruf von 2.500.000 Millionen Tschechischen Kronen (umgerechnet rund EUR 99.000) gestartet, erzielte das Stück einen Zuschlag von sagenhaften 21.400.000 tschechischen Kronen (EUR 831.000). Dazu kommt ein Aufgeld von 20 Prozent – der Erwerber oder die Erwerberin zahlte also rd. 1 Million Euro! Die Banknote dürfte damit zu den teuersten Sammlerbanknoten weltweit gehören.   Auch andere Geldscheine erzielten Spitzenpreise, darunter viele österreichisch-ungarische Guldenscheine in oft sehr ansprechenden Erhaltungen, sowie die frühen Noten der Tschechoslowakei. Die Erstausgabe eines Gutscheins der staatlichen Devisenläden der Tuzex zu 50 Haleru wurde in gebrauchter Erhaltung für 750.000 tschechische Kronen (EUR 29.700) plus 20 % Aufgeld zugeschlagen, ein 50 Kronen-Gutschein der Tuzex von 1970 erzielte 340.000 Kronen (EUR 13.500) plus 20 % Aufgeld. Auch gebrauchte Scheinen verkauften sich nach teilweise heftigen (online-)Bietergefechten überdurchschnittlich. Alle Auktionsergebnisse können auf https://livebid.cz/en/organisator/Bankovky/archived nachgesehen werden.   Die Abwicklung der Auktion über die anwenderfreundliche Auktionsplattform Livebid verlief reibungslos und unkompliziert, das Portal ist intuitiv zu bedienen und funktioniert auch auf mobilen Endgeräten ohne Einschränkungen. Trotz des Formates als online-Auktion erhielten Bestandskunden von Bankovky rechtzeitig vor der Auktion zusätzlich einen hochwertig gemachten Auktionskatalog mit zahlreichen Abbildungen per Post, der durchaus als Referenzwerk dienen kann.   Glückwunsch an Aleš Kohout für die auch dieses Jahr wieder beeindruckende Zusammenstellung einer Banknotenauktion von sehr hoher Qualität.   Die nächste Bankovky Auktion findet vermutlich im Herbst 2025 statt. Dr. Sven Gerhard

  • Leserpost: Was ist der Grund für Stempel auf den Banknoten?

    Ich bin ein Sammler von alten Banknoten des "Dritten Reichs" und brauche bitte eine historische Erklärung, warum bestimmte Banknoten mit einem Emblem bzw. Stempel der verschiedenen Nazi-Divisionen während der deutschen Besetzung von Jugoslawien ab dem Jahr 1941 (zum Beispiel auf einer ungarischen Banknote, auf einer 5-Reichsmark-Banknote oder auf serbischen Banknoten) versehen sind. Was war der Grund, um solche Stempel auf diesen Banknoten zu platzieren? Ich füge Bilder bei, um meine Aussage zu untermauern. Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit zu dieser Anfrage. N. Silva Antwort der Redaktion Wir haben schon öfters in unserer Zeitschrift " Münzen & Sammeln " und im Geldschein-Blog   www.geldscheine-online.com  über solche Abstempelungen berichtet. Leider ist der Grund dafür oft sehr banal. Es handelt sich meist zwar um historische Geldscheine, aber nicht um historische Abstempelungen. Die alten Scheine werden schon seit Jahrzehnten immer wieder mit nachgemachten Stempeln versehen, um sie dann teuerer an Sammler verkaufen zu können, die von seltenen Besonderheiten ausgehen. Bis auf die Abstempelungen, die in der bekannten Katalogliteratur erwähnt werden, gibt es keinen historischen Grund für die Abstempelung von Geldscheinen durch verschiedene deutsche Truppenteile oder Dienststellen (wie zum Beispiel auf den abgebildeten Scheinen einer ungarischen 10-Pengö-Note von 1936 mit einem Stempel der Geiheimen Staatspolizei, auf einer Reichsbanknote zu 5 Mark von 1942 mit einem Stempel des Rates der Stadt Wiesbaden, auf einem Reichskreditkassenschein über 1 Reichsmark mit Stempel der Panzer-Division "Totenkopf" der Waffen-SS oder auf serbischen 100-Dinar-Scheinen mit Stempeln eines preussischen Amtsvorstehers einer "Ortspolizei" oder einer "Preussischen Staatsschuldenverwaltung"). Man konnte schon vor mehr als zehn Jahren im Internet ganze Gummitypen-Matten mit je ca. 50 nachgemachten Stempeln für rund 50 US-Dollars kaufen. Diese gab es nach Themen wie Deutsche Wehrmacht, Waffen-SS, NSDAP und so weiter. Jetzt braucht man nur noch einen historischen Schein, der preiswert zu haben ist und ein Stempelkissen und schon kann man „Raritäten“ erschaffen. Es kommen natürlich auch Fantasiestempel vor und solche mit deutlichen Fehlern (z.B. mit falschem polnischen Stempel „Obercommando der Wehrmacht“ statt „Oberkommando der Wehrmacht“). Der Stempel der Waffen-SS-Div. Totenkopf ist reine Fantasie …! Alles, was mit dem „Dritten Reich“ zu tun hat, verkauft sich gut, ganz besonders in den USA. Leider wird dabei auch Geschäft mit der Unwissenheit der Sammler gemacht. Das ist ganz klar Betrug! Nicht alle Abstempelungen sind aber falsch, die echten und historisch begründeten Stempel findet man in Katalogen, so zum Beispiel in meinem Katalog „Die deutschen Banknoten ab 1871“. Hier findet man etwa auch die Abstempelungen deutscher Banknoten in Luxemburg und Ostbelgien am Ende des Zweiten Weltkriegs oder in Griechenland. Generell ist aber bei allen Stempeln Vorsicht geboten! Hans-Ludwig Grabowski Literaturempfehlung: Hans-Ludwig Grabowski: Die deutschen Banknoten ab 1871 Das Papiergeld der deutschen Notenbanken, Staatspapiergeld, Kolonial- und Besatzungsausgaben, deutsche Nebengebiete und geldscheinähnliche Wertpapiere und Gutscheine Titel: Battenberg Verlag ISBN: 978-3-86646-224-3 Auflage: 23. Auflage 2023/2024 Format: 14,8 x 21 cm Abbildungen: durchgehend farbig Cover-Typ: Hardcover Seitenanzahl: 864 Preis: 39,90 Euro Zur Leseprobe Zum Shop

  • Geldscheinporträts: Edmund Hillary – Ein Imker auf dem Everest

    Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen. ​Geburtsname: Edmund Percival Hillary Zur Person: Bergsteiger ​Nationalität: Neuseeländisch ​Lebensdaten: 20. Juli 1919 – 11. Januar 2008 ​Geburtsort: Auckland ​Sterbeort: Auckland Edmund Percival Hillary (circa 1953), Alexander Turnbull Library, Wellington, New Zealand, https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Edmund_Hillary,_c._1953,_autograph_removed.jpg 29. Mai 1953 – Erstmals stehen zwei Menschen auf dem Gipfel des höchsten Berges der Erde. Edmund Hillary und sein nepalesischer Begleiter Tenzing Norgay bezwangen den „dritten Pol“. Der Mount Everest ( Tschomolangma) galt bis dahin als nahezu unbezwingbar, zahlreiche Versuche waren gescheitert, zahlreiche Abenteurer mussten beim Versuch ihr Leben lassen. Edmund Hillary war eigentlich Imker, genau wie sein Vater und sein Bruder. Bereits mit 16 Jahren hatte er das Klettern für sich entdeckt. Seine Laufbahn an der Universität in Auckland dauerte nur zwei Jahre. Hillary wollte lieber die Welt erkunden. Nachdem er während des Zweiten Weltkriegs als Navigator bei der Air Force diente, bestieg er 1948 den Mount Cook, mit 3724 Metern der höchste Berg Neuseelands. Bei seinen Touren durch die neuseeländischen Alpen machte er zahlreiche Bekanntschaften mit anderen Bergsteigern, und bereits drei Jahre nach seiner Besteigung des Mount Cook brach Hillary zu seiner ersten Himalaya-Expedition auf. Schon bald hatte er einen guten Draht zu britischen Bergführern, die ihn 1953 zu einer weiteren Expedition mitnahmen. Ziel war die Erstbesteigung des höchsten Berges der Welt. Bereits acht Expeditionen waren zuvor am Everest gescheitert. Edmund Hillarys Kletterpartner wurde der Sherpa Tenzing Norgay, der ein Jahr zuvor bereits mit einer Gruppe Schweizern den Aufstieg versucht hatte. Als zweites Team machten sich die beiden am frühen Morgen des 29. Mai 1953 auf den Weg vom letzten Camp auf 8500 Metern Höhe. Die erste Seilschaft war zuvor gescheitert – die Sauerstoffgeräte funktionierten nicht, beinahe wären sie abgestürzt. Doch Hillary und Norgay überwanden auch die letzte Herausforderung, eine gefährliche Steilstufe kurz vor dem Gipfel. Indem er sich in einen Spalt zwischen Fels und Eiskante einspreizte, meisterte er auch diese Hürde, die seither „Hillary Step“ genannt wird. Um 11:30 standen sie auf dem Gipfel. Ein Foto von Hillary auf dem Gipfel gibt es nicht, denn es war wenig Zeit und Norgay wusste nicht, wie man eine Kamera bedient. Die Sensationsnachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer. Sie erreichte Großbritannien am Tag der Krönung von Königin Elisabeth II. Noch bevor Hillary zurück in Kathmandu war, wurde er in den Ritterstand erhoben. Zehn weitere Himalaya-Gipfel erklomm der Neuseeländer noch und war 1958 sogar am Südpol. Auch auf dem Nordpol landete er 1985, gemeinsam mit Neil Armstrong. Edmund Hillary war damit der erste Mensch, der beide Pole und den Gipfel des Everest erreichte. Mit der Everest-Region blieb er zeitlebens verbunden. Er war neuseeländischer Botschafter in Indien, Bangladesch und Nepal und gründete die Stiftung Himalayan Trust, die Schulen und Krankenhäuser in Nepal baute und Bildungs- und Umweltschutzprojekte betrieb. In seiner Heimat war er längst Nationalheld. Seit 1992 ist er auf der neuseeländischen Fünf-Dollars-Note abgebildet und damit die einzige Person, die es zu Lebzeiten auf einen neuseeländischen Geldschein schaffte und nicht Staatsoberhaupt war. Die Entwicklung am Mount Everest beäugte er stets argwöhnisch: Kommerzielle Expeditionen trieben immer mehr Menschen auf den Gipfel – und in den Tod. Er kritisierte die Rücksichtslosigkeit gegenüber Umwelt und Kollegen, mit der manche Bergsteiger den Gipfel in Angriff nahmen. Am 11. Januar 2008 starb Edmund Hillary mit 88 Jahren an Herzversagen.    Reserve Bank of New Zealand, 5 Dollars ohne Datum (2015). Vorderseite: Sir Edmund Hillary mit Blick auf den Mount Cook (Aoraki). Rückseite: Neuseeländische Fauna mit typischen Riesenkräutern und einem Gelbaugenpinguin (Hoiho). Elias Heindl Literatur/Quellen: https://en.wikipedia.org/wiki/Edmund_Hillary Curt Schneider: Edmund Hillary. Der erste Mann auf dem Mount Everest. Geo Magazin, aufgerufen über https://www.geo.de/magazine/geo-magazin/edmund-hillary-der-erste-mann-auf-dem-everest-30165690.html  (zul. am 27.08.2024) SWR2 Archivradio: Mount-Everest-Erstbesteiger Edmund Hillary und Tenzing Norgay nach ihrer Rückkehr. https://www.swr.de/swrkultur/wissen/archivradio/mount-everest-erstbesteiger-edmund-hillary-und-tenzing-norgay-nach-ihrer-rueckkehr-100.html Bernd Steinle: Geerdeter Himmelstürmer. Frankfurter Allgemeine Zeitung. 20.07.2019, aufgerufen über https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/menschen/edmund-hillary-geerdeter-himmelsstuermer-16287780.html  (zul. am 03.09.2024)

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