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- Die Geldscheine der Jason Islands
Die Jason Islands liegen im äußersten Nordwesten des Falkland-Archipels, weit vor der Küste Patagoniens. Die Region gehört zu den eher ungemütlichen der Erde. Die durchschnittliche Höchsttemperatur klettert selbst in den wärmsten Monaten – Januar bis Februar – kaum über 15 Grad Celsius. Die Inseln sind karg und felsig. Nur selten verirren sich Menschen auf die zerklüfteten Jason Inseln. Höchstens Wissenschaftler interessieren sich für ihre Bewohner: Pinguine, Seeelefanten, Seelöwen und Vögel. Abb. 1: Das Falkland-Archipel mit den Jason-Islands rot, Quelle: https://en.wikipedia.org/wiki/Jason_Islands Im März 1970 kaufte Leonard W. (Hill die unbewohnten Inseln Steeple Jason und Grand Jason für 5.500 Pfund. Len war ein britischer Vogelliebhaber, der sich bereits mit dem „Birdland Zoo Gardens“ in Burton-on-the Water in Gloucestershire einen Kindheitstraum erfüllt hatte. Nun wandelte er die Inseln in ein privates Vogelreservat um. Obwohl er ein erfolgreicher Geschäftsmann war, strapazierten die Kosten des Birdland Zoo Gardens und der Kauf der Inseln seine Finanzen. Daher ließ er für die Jason Islands Briefmarken drucken. Mit deren Erlös finanzierte er seine Naturschutz-Aktivitäten. Der Druck der Marken erfolgte bei der renommierten englischen Sicherheitsdruckerei Harrison and Sons Ltd. In den späten 1970er Jahren startete er einen weiteren Versuch, Geld für sein Naturschutzprojekt zu generieren, indem er eigene Geldscheine emittierte. Die Ausgabe besteht aus fünf Nominalen, die in aufsteigender Größe und in verschiedenen Farben ausgeführt wurden: 50 Pence (grün), 1 Pfund (lila), 5 Pfund (rot), 10 Pfund (blau) und 20 Pfund (braun). Das Design ist bei allen Werten gleich. Auf der Vorderseite wird oben in der Mitte „Jason Islands“ genannt, es folgt in der unteren Mitte die Wertangabe. Zwischen diesen Angaben befindet sich Len Hills Unterschrift als „Administrator“. Auf der rechten Seite in einem Oval sein Brustbild und links die Abbildung eines Pinguins. Abb. 2.1: 50 Pence, Vorderseite. Abb. 2.2: 50 Pence, Rückseite, Größe: 136 x 70 mm. Abb. 3.1: 1 Pound, Vorderseite. Abb. 3.2: 1 Pound, Rückseite, Größe: 145 x 76 mm. Abb. 4.1: 5 Pounds, Vorderseite. Abb. 4.2: 5 Pounds, Rückseite, Größ3: 157 x 81 mm. Abb. 5.2: 10 Pounds, Rückseite, Größe: 166 x 86 mm. Abb. 6.1: 20 Pounds, Vorderseite. Abb. 6.2: 20 Pounds, Rückseite, Größe: 176 x 91 mm. Auf jedem Schein wird eine andere Pinguin-Art abgebildet: Beim 50-Pence-Schein ein Humboldt-Pinguin, beim 1-Pfund-Schein ein Jackass Penguin (Eselspinguin), das 5-Pfund-Nominal bildet einen Rockhopper Penguin (Felsenpinguin) ab, der Wert zu 10 Pfund einen Gentoo Penguin (Eselspinguin) und der zu 20 Pfund einen King Penguin (Königspinguin). Auf jeder Note findet sich rechts unten eine Referenznummer. Beim Wert zu 20 Pfund „6H 4483“, beim Wert zu 10 Pfund „6H 4484“ usf. Die Nummer beim 50-Pence-Schein lautet „6H 4487“. Ihre Bedeutung ist unbekannt, ist aber bei jedem einzelnen Nominal gleich. Die Rückseiten aller Scheine sind einheitlich gestaltet. Sie unterscheiden sich nur in der Wertangabe. Die Vignette zeigt eine Insel der Jason Islands. Rechts davon eine Tafel mit der Wertangabe und „Jason Islands“ über die einige Blumen hervorlugen, während die Stängel direkt unter der Tafel erscheinen. Leider ist weder die Druckerei der Wertzeichen bekannt noch wann sie ausgegeben wurden. Allerdings findet sich auf den Rückseiten der folgende Hinweis: „valid until 31 December 1979“ („Gültig bis 31. Dezember 1979“). Diese Angabe schützte den Emittenten vor einer späteren Inanspruchnahme. Sie legt den Schluss nahe, dass die Scheine 1978 oder 1979 ausgegeben wurden. Ihre Gesamtauflage ist unbekannt, dürfte aber viele Tausend umfasst haben. Trotz der einfachen Darstellung ist ihr Druck sorgfältig ausgeführt, sodass auch die feinen Linien klar und gut erkennbar sind. Natürlich stand Len Hill kein Notenausgaberecht zu, die Regierung der Falkland-Inseln ließ ihn aber gewähren und betrachtete das Ganze wohl eher als Spendenbescheinigung, zumal kaum anzunehmen ist, dass jemals ein Schein im Zahlungsverkehr auftauchte. In den 1990er Jahren erwarb der New Yorker Philanthrop Michael Steinhardt die Inseln, die er später zusammen mit 425.000 US-Dollars an die im Bronx Zoo ansässige Wildlife Conservation Society schenkte , um eine nach ihm und seiner Frau Judy benannte Naturschutzstation bauen zu lassen. Uwe Bronnert
- Polens Städte-Serie vom 1. März 1990
Ende der 1980er, Anfang der 1990er Jahre kam es zu Umwälzungen der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in Europa. Michail Gorbatschow, letzter sowjetischer Staats- und Parteichef, versuchte mit „Glasnost und Perestrojka“ die sowjetische Wirtschaft und Gesellschaft zu reformieren und setzte damit eine Kettenreaktion von friedlichen Revolutionen und Umbrüchen in Gang, die zum Untergang der Sowjetunion und des Ostblocks führten. Der Prager Frühling in der Tschechoslowakei, die Solidarność-Bewegung in Polen und der Umbruch in Ungarn führten letztendlich zur Friedlichen Revolution in der DDR, zum Fall der Berliner Mauer und zur deutschen Wiedervereinigung. In Polen war der Übergang von der Zentralverwaltungswirtschaft zur Marktwirtschaft mit einer galoppierenden Inflation verbunden, die erst durch die Währungsreform vom 1. Januar 1995 überwunden wurde. Aufgrund des Gesetzes über die Währungsumstellung des polnischen Złoty vom 7. Juli 1994 ersetzte die polnische Notenbank 10.000 alte durch einen neuen Złoty. Bereits in der zweiten Hälfte der 1980er Jahre hatte der Grafiker Andrzej Heidrich zwei alternative Banknotenreihen entworfen. Die erste von ihnen war bedeutenden polnischen Literaten gewidmet: Henryk Sienkiewicz, Bolesław Prus, Stefan Żeromski, Władysław Reymont, Juliusz Słowacki und Adam Mickiewicz. Die zweite Reihe zeigte Politiker: Wincenty Witos, Ignacy Daszyński, Stefan Starzyński, Władysław Sikorski, Stanisław Staszic und Władysław Gomulka. Obwohl der Notenbankvorstand von den Entwürfen angetan war, entschied man sich dagegen, sie für die bevorstehende Währungsreform zu verwenden. Man befürchtete, dass sich die neuen Scheine wegen der Personendarstellungen nicht genügend von den Alten unterscheiden würden. Es wurde daher beschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Die Scheine sollten Gebäude ausgewählter Städte zeigen. Für das Projekt wurde Waldemar Andrzejewski gewonnen. Er legte sieben Entwürfe vor, die folgende Städte repräsentierten: Plock – 50 Złoty, Warschau (Warszawa) – 100 Złoty, Breslau (Wrocław) – 200 Złoty, Kattowitz (Katowice) – 500 Złoty, Krakau (Kraków) – 1000 Złoty und Kalisch (Kalisz) – 1000 Złoty sowie Biskupin – 2000 Złoty. Diese Entwürfe bildeten die Grundlage für den Fortgang der Planung. Die deutsche Druckerei Giesecke & Devrient GmbH wurde mit der Herstellung der Noten beauftragt. Zur Ausführung kamen neun Nominale: 1, 2, 5, 10, 20, 50, 100, 200 und 500 Złoty. Alle Noten haben die Größe von 138 mm x 63 mm und sind in einem einheitlichen Stil gestaltet. Auf der Vorderseite finden sich rechts die Darstellung eines Gebäudes, darunter die Angabe des Emittenten „NARODOWY BANK POLSKI“ und in der rechten unteren Ecke die Wertzahl. Auf der linken Seite oben die Wertzahl in Ziffern und Buchstaben. Darunter die rote siebenstellige Kennziffer mit vorgesetztem Serienbuchstaben – diese Angabe wird in der oberen rechten Ecke wiederholt – dann der polnische Adler in einem Kreis. Es folgt die Unterschrift des Präsidenten der Notenbank Władysłlaw Baka, darunter die des Generalrechnungsprüfers Jerzy Lasocki, schließlich WARAZWA und das Ausgabedatum 1 MARCA 1990. Zwischen der Gebäudedarstellung und dem linken Text ist eine größere runde weiße Fläche ausgespart. Hält man den Schein gegen eine Lichtquelle, ist hier das einheitliche Wasserzeichen zu erkennen. Die Rückseite nimmt verschieden Darstellungen auf. Gemeinsam ist die Wertangabe am rechten Rand sowie die Angabe des Emittenten am unteren Rand, sowie am linken Rand vertikal der Strafsatz. 1: 1 Złoty, 1. März 1990, Vorder- und Rückseite. 2: 2 Złote, 1. März 1990, Vorder- und Rückseite. 3: 5 Złotych, 1. März 1990, Vorder- und Rückseite. 4: 10 Złotych, 1. März 1990, Vorder- und Rückseite. 5: 20 Złotych, 1. März 1990, Vorder- und Rückseite. 6: 50 Złotych, 1. März 1990, Vorder- und Rückseite. 7: 100 Złotych, 1. März 1990, Vorder- und Rückseite. 8: 200 Złotych, 1. März 1990, Vorder- und Rückseite. 9: 500 Złotych, 1. März 1990, Vorder- und Rückseite. 10: Abbildung des Wasserzeichens. Die gelieferten Banknoten wurden zunächst eingelagert, da die Notenbank die Inflation noch stoppen konnte – die Zeit für eine stabile Währung noch nicht reif war. Später kamen bei der Bankleitung Bedenken auf, ob die mit nur wenigen Sicherungsmerkmalen versehenen Noten gegen Fälschung eine ausreichende Sicherheit böten. Daher gab man bei Andrzej Heidrich neue Entwürfe mit Brustbildern polnischer Herrscher in Auftrag, die bei De la Rue mit dem Ausgabedatum 25. März 1994 gedruckt wurden. Die Serie umfasst die Nominale 10, 20, 50, 100 und 200 Zloty. Was macht man aber mit Banknoten, die man nicht ausgeben will und daher nicht benötigt? Die polnische Notenbank fanden eine sammlerfreundliche Lösung. Sie ließ 1996 einen Teil der Noten beidseitig mit dem roten Aufdruck „NIEOBIEGOWY“ überdrucken und verkaufte sie an Interessierte. Da die Scheine aus den fortlaufenden Serien genommen wurden, tragen sie alle entsprechende Serienbuchstaben und Kontrollnummern. 2019 gab die Bank dann den Satz in einem „Buch“ ab, diesmal aber ohne den Ungültigkeitsaufdruck. Scheine mit dem Aufdruck „WZÓR“ auf der Vorderseite und „SPECIMEN“ auf der Rückseite gelangten ebenfalls in Sammlerhände. Etwa 1000 Stück dieser „echten Musternoten“ sollen mit der Serie A und der Kontrollnummer „0000000“ hergestellt worden sein. Auf dem unteren weißen Rand ist links zusätzlich klein Spezimen No mit einer vierstelligen Nummer gedruckt, z. B. SPECIMEN No 0759. Uwe Bronnert
- Hyperinflationen der 1920er Jahre als Folge des Ersten Weltkriegs, Teil 1
„Die Inflation in der Eurozone steigt deutlicher, als die Europäische Zentralbank (EZB) als Ziel vorgegeben hatte,“[1] titelte die WirtschaftsWoche Mitte 2021. Zwar betrug der Anstieg der Verbraucherpreise nur 2,0 % gegenüber dem Vorjahresmonat, aber dennoch „breitet sich die Angst vor Inflation wieder aus. Mittlerweile glaubt fast ein Viertel der Befragten, in den kommenden zwölf Monaten könnten die Preise‚ erheblich‘ steigen.“[2] Die Preise sind gestiegen! Was ist unter Inflation zu verstehen? Inflation (lat. Inflare = aufblähen) ist eine starke Veränderung des Nachfrage- bzw. Angebotsverhältnisses durch eine erhebliche Aufblähung des nachfragewirksamen Geldes, hervorgerufen durch eine Vermehrung der umlaufenden Geldmenge und/oder eine Erhöhung der Umlaufgeschwindigkeit des Geldes bzw. der Senkung des Gütervolumens. Das Phänomen der Inflation ist weltweit und zu allen Zeiten zu beobachten.[3] In den vergangenen einhundert Jahren häuften sich jedoch die Hyperinflationen, d. h. Inflationen mit einer monatlichen Preissteigerung von mehr als 50 Prozent, dies entspricht einer jährlichen Inflationsrate von umgerechnet rund 13.000 Prozent. Solche Zahlen sagen wenig darüber aus, wie Personen die Hyperinflation erleben. Hans Fallada bringt die Hilflosigkeit der betroffenen Menschen in seinem 1937 erschienen Roman „Wolf unter Wölfen“ auf den Punkt: „Irgendwo in dieser Stadt stand eine Maschine und erbrach Tag und Nacht Papier über der Stadt. ‚Geld‘ nannten sie es. Sie druckten Zahlen darauf, wunderbare, glatte Zahlen mit vielen Nullen, die immer runder wurden. Und wenn du gearbeitet hast, wenn du dir etwas erspart hast auf deine alten Tage – es ist alles wertlos geworden; Papier, Papier und Dreck.“ Und Willi Schickling schrieb in einem Aufsatz zur deutschen Inflation: „Auf dem Höhepunkt des tollen Treibens werden die Preise jeden Tag, mitunter sogar von Stunde zu Stunde neu festgesetzt. Täglich werden schließlich auch die Löhne und Gehälter ausgezahlt. Die Unsummen an Reichsmark (sic) und Notgeld, die von den Notenpressen in rasender Hast ausgespuckt werden, müssen mit der gleichen Hast irgendwelchen Käufen dienen, wenn ihr Empfänger überhaupt noch etwas von ihrem Geld haben wollen, statt es wie Teufelsspuk zwischen den Händen zerrinnen zu lassen.“[4] Nach einer Studie der US-Forscher, Steve H. Hanke und Nicholas Krus, von der Johns Hopkins Universität in Baltimore haben die gefürchteten Hyperinflationen die Weltwirtschaft bis Ende 2008 56-mal heimgesucht.[5] Und in den letzten Jahren sind weitere hinzugekommen. Im Gefolge der Französischen Revolution begegnet uns die erste dokumentierte Hyperinflation der Wirtschaftsgeschichte. Das System der Papiergeldausgaben geriet sehr schnell aus den Fugen. Die Nationalversammlung verzichtete nicht nur darauf, die zurückfließenden Assignaten zu vernichten, sondern ließ noch mehr Scheine drucken. Die Regierung verpflichtete die Händler zum Verkauf ihrer Waren gegen Papiergeld und untersagte den Umtausch gegen Edelmetall. Die Probleme wurden noch dadurch verschlimmert, dass das Land von englischen Fälschungen überschwemmt wurde. Allein zwischen 1790 und 1793 verloren die Assignate 60 Prozent ihres Wertes. Im Mai 1795 stieg die monatliche Teuerungsrate auf 304 Prozent. Innerhalb von fünf Jahren schwoll die Umlaufmenge der Assignaten von 912 Millionen Livres am 1. Juni 1791 auf 27,6 Milliarden Livres am 1. Januar 1796 an. Im Februar 1796 ließ schließlich das Direktorium die völlig wertlosen Geldscheine – ihr Kurs betrug gegenüber dem Metall nur noch 1/3 Prozent – in Paris auf dem Place Vendome propagandistisch verbrennen und die Druckplatten zerschlagen. Bild 1: République Française, 7 vendémiaire an II (28. September 1793), 250 Lavers, Vorderseite. Gesamtausgabe: 4.992.000 Noten. Historische und aktuelle Beispiele gibt es reichlich, die belegen, dass „es .. zwei Gründe für heftige Ausbrüche von Inflation [gibt]: Entweder die wirtschaftspolitischen Entscheidungsträger schätzen die Situation völlig falsch ein und werden selbst von heftigen Preissteigerungen überrascht. Oder ein Staatswesen ist derart schwach, dass sich Regierungen nicht anders zu helfen wissen, als die Inflation laufen zu lassen und öffentliche Ausgaben über die Notenpresse zu finanzieren. Manchmal kommt beides zusammen.“[6] Dies ist besonders in Kriegs- und Nachkriegszeiten zu beobachten. Das Deutsche Reich machte während und nach den beiden Weltkriegen Erfahrungen mit der Inflation. Statt durch Steuererhöhungen die enormen Kriegskosten zu decken, wurde die Notenpresse angeworfen. Verschlimmert wurde die Lage nach Ende des Ersten Weltkriegs dadurch, dass die Siegermächte enorme Reparationszahlungen forderten. 1914 belief sich das Volumen aller Zahlungsmittel des Deutschen Reiches auf rund 6 Milliarden Mark und setzte sich aus Reichsbanknoten, Reichskassenscheinen, Privatbanknoten, Gold- und Scheidemünzen zusammen. Am 15. November 1923 waren neben 93 Trillionen Mark an Reichsbanknoten noch mehr als das Sechs- bis Siebenfache an anderen Zahlungsmitteln (kleine Stücke der Reichsgoldanleihe, wertbeständiges und nicht wertbeständiges Notgeld) im Verkehr. Bis Mitte Oktober 1922 lautete die höchste Reichsbanknote auf 1000 Mark. Mit Datum vom 26. Oktober 1923 kam dann im November die erste 100-Billionen-Mark-Note in Umlauf. Im Oktober verdoppelten sich alle 3,7 Tage die Preise. Die monatliche Inflationsrate betrug 29.500 Prozent. Dies war der höchste Wert, der erreicht wurde. Zwar emittierte die Reichsbank Mitte April 1924 noch eine weitere Note zu 100 Billionen Mark (Ausgabedatum 15. März 1924), aber zu diesem Zeitpunkt war die Hochinflation bereits beendet. Abb. 2: Reichsbank, 25. Juli 1923, 20 Millionen Mark, Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Abb. 3.1: Reichsbank, (15. Dezember 1922), 1000 Mark aufgewertet zu 1 Milliarde Mark, Vorderseite. Abb. 3.2: Reichsbank, (15. Dezember 1922), 1000 Mark aufgewertet zu 1 Milliarde Mark, Rückseite. Abb. 4: Reichsbank, 26. Oktober 1923, 100 Billionen Mark, Fälschung, Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Durch Verordnung vom 15. Oktober 1923 wurde die Deutsche Rentenbank gegründet, die ab 23. November 1923 Rentenbankscheine ausgab. Der Wert der Rentenmark wurde am 20. November 1923 auf 1 Billion Mark festgesetzt. Da die Rentenbank eine strikte Politik des knappen Geldes betrieb und die Reichsbank die Notenpresse stilllegte, gelang das Währungsexperiment. Die Inflationsbanknoten blieben zwar noch bis zum 5. Juni 1925 gesetzliche Zahlungsmittel, da die neuen, auf Reichsmark lautenden Banknoten, erst ab Anfang November 1924 ausgegeben wurden. Ihr Umtauschkurs: 1 Billion Mark = 1 Rentenmark = 1 Reichsmark. Abb. 5.1: Deutsche Rentenbank, 1. November 1923, 1 Rentenmark, Vorderseite. Abb. 5.2: Deutsche Rentenbank, 1. November 1923, 1 Rentenmark, Rückseite. Abb. 6.1: Reichsbank, 11. Oktober 1924, 10 Reichsmark, Vorderseite. Abb. 6.2: Reichsbank, 11. Oktober 1924, 10 Reichsmark, Rückseite. Die ehemalige k.u.k.-Monarchie brach 1918 auseinander und ein langes Tauziehen um die Oesterreichisch-ungarische Bank setzte ein. Während es den Nachfolgestaaten gelang, eigene, stabile Währungen zu schaffen, gerieten Österreich und Ungarn immer stärker in einen Inflationssog. Bei Kriegsende war der höchste Wert der Banknoten 10.000 Kronen. Um die Staatsausgaben finanzieren zu können, beschäftigte auch die österreichische Regierung die Notenpresse. 1922 gab die Oesterreichisch-Ungarische Bank, Geschäftsführung Österreich, zunächst noch neue Noten zu 1 bis 1000 Kronen aus. Aber schon bald folgten solche zu 5000, 50.000 und 100.000 Kronen. Im September wurde sogar eine 500.000-Kronen-Note in den Zahlungsverkehr gegeben. Die Krone hatte jetzt nur noch den Wert eines Zwanzig Tausendstel ihres Friedensgoldwertes. Die höchste monatliche Inflationsrate wurde im August 1922 mit 129 % gemessen. Abb. 7.1: Oesterreichisch-ungarische Bank, österreichische Geschäftsführung, 2. Januar 1922, 100.000 Kronen, Vorderseite. Abb. 7.2: Oesterreichisch-ungarische Bank, österreichische Geschäftsführung, 2. Januar 1922, 100.000 Kronen, Rückseite. Um den wirtschaftlichen Zusammenbruch zu verhindern, wurde die Oesterreichische Nationalbank gegründet, die in den ersten Januartagen des Jahres 1923 ihre Arbeit aufnahm. Ihr gelang in wenigen Monaten die Stabilisierung der Krone. Durch „Bundesgesetz vom 20. Dezember 1924 über die Einführung der Schillingrechnung, die Ausprägung von Goldmünzen und über andere das Währungswesen betreffende Bestimmungen“ (Schillingrechnungsgesetz) wurde in Österreich mit dem 1. Januar 1925 der Schilling auf der Basis von 10.000 Kronen als neue Währung eingeführt. Abb. 8.1: Oesterreichische Nationalbank, 2. Jänner 1924, 1 Schilling (10.000 Kronen), Vorderseite. Abb. 8.2: Oesterreichische Nationalbank, 2. Jänner 1924, 1 Schilling (10.000 Kronen), Rückseite. Bei Kriegsende war auch Ungarn von einer planmäßigen Finanz- und Währungspolitik weit entfernt. Die 1919 gebildete Räterepublik beschlagnahmte nicht nur die Kassenbestände in den Filialen der Oesterreichisch-ungarischen Bank, sondern ließ in Budapest „eigene“ 25- und 200-Kronen-Noten drucken sowie Noten zu 1 und 2 Kronen auf fotochemischem Wege herstellen. Zusätzlich beauftragte die Räteregierung die Postsparkasse mit der Ausgabe von Papiergeld (20 und 50 Filler, 5, 10 und 20 Kronen). Neben diesen drei verschiedenen Geldsorten zirkulierten kommunale und private Notgeldscheine. Die bürgerliche Regierung, die der Räterepublik folgte, bemühte sich das Geldwesen wieder zu ordnen. Um das Einströmen der in den anderen Staaten der ehemaligen k.u.k.-Monarchie bereits ungültigen Banknoten der Oesterreichisch-ungarischen Bank zu verhindern, ordnete der Finanzminister am 17. März 1920 ihre Abstempelung an. 50 Prozent des Wertes wurden dabei als Zwangsanleihe eingezogen. Ausgenommen von dieser Maßnahme waren nur die Scheine zu 1, 2, 25 und 200 Kronen. Am 1. August 1921 erfolgte dann die Lösung von der Oesterreichisch-ungarischen Bank und die Gründung eines staatlichen Noteninstitutes, das Staatsnoten zwischen 1 und 10.000 Korona ausgab. Abb. 9.1: Ungarn, Staatsnote, 1. Januar 1920, 1000 Korona, Vorderseite. Abb. 9.2: Ungarn, Staatsnote, 1. Januar 1920, 1000 Korona, Rückseite. Um die Ausgaben decken zu können, nahm ab Herbst 1921 der Staat die Notenpresse immer öfter in Anspruch, sodass sich der Koronakurs ständig verschlechterte und die Preise stiegen. Folglich stiegen auch die Zahlen auf den Noten: 25.000, 50.000, 100.000, 500.000 und Ende 1923 auf 1.000.000 Korona. Zwischen März 1923 und Februar 1924 kam es zu einer Hyperinflation; die höchste monatliche Inflationsrate lag im Juli 1923 bei 97,9 Prozent. Mitte 1924 hatte die ungarische Krone nur noch ein Zwanzig Tausendstel ihres Vorkriegswertes. Ende Juni 1924 nahm die am 25. April gegründete Magyar Nemzeti Bank (Ungarische Nationalbank) ihre Tätigkeit auf. Ihr gelang es, den Wechselkurs zu stabilisieren, sodass durch Gesetz vom 18. November 1925 eine neue Pengö-Währung eingeführt wurde: 1 Pengö = 12.500 Korona. Bis zur Fertigstellung neuer Geldscheine galten die vorhandenen Noten mit einem Aufdruck des neuen Wertes als 8, 40, 80 Filler, 2, 4, 8, 40 und 80 Pengö weiter. Auch nach Ausgabe neuer Noten blieben sie bis 1931 im Umlauf. Abb.10.1: Ungarn, o. D., 8 Filler, Vorderseite. Abb.10.2: Ungarn, o. D., 8 Filler, Rückseite. In der 1920 infolge des Versailler Vertrags entstandenen Freien Stadt Danzig blieb die deutsche Mark weiterhin gesetzliches Zahlungsmittel. Der Verfall der deutschen Währung machte eine Lösung der Währungsfrage immer dringender, zumal Polen die Einführung der ebenfalls inflationären polnischen Mark forderte. Dem Finanzsenator Dr. Volkmann gelang es, die Bank of England für den Plan einer eigenen Währung zu gewinnen, dem auch der Völkerbund in Genf zustimmte. Das „Gesetz vom 20. Oktober 1923 über eine wertbeständige Rechnungseinheit“ legte die Grundlage für den Danziger Gulden. Dessen Wert wurde an das englische Pfund gebunden: 1 £ = 25 Danziger Gulden. Bereits am 24. Oktober 1923 gab es einen ersten Zwischengulden, der von der Danziger Zentralkasse AG ausgegeben wurde. Am 20. November erhielt dann die Bank von Danzig – die Gründung erfolgte erst am 5. Februar 1924 – durch Gesetz das alleinige Notenprivileg. Die deutschen Marknoten konnten in der Freien Stadt Danzig noch bis zum 31. Dezember 1923 verwendet werden. Abb. 11: Stadtgemeinde Danzig, 22. September 1923, 100 Millionen Mark (Deutsche Reichswährung), Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Abb. 12: Danziger Zentralkasse Aktiengesellschaft, 22. Oktober 1923, 1 Danziger Gulden, Vorderseite, Rückseite unbedruckt. Abb. 13.1: Bank von Danzig, 10. Februar 1924, 10 Gulden, Vorderseite. Abb. 13.2: Bank von Danzig, 10. Februar 1924, 10 Gulden, Rückseite. Uwe Bronnert Fortsetzung folgt … Anmerkungen [1] (11.06.2021) [2] (11.06.2021) [3] Vgl. Richard Gaettens, Geschichte der Inflationen, Vom Altertum bis zur Gegenwart, Nachdruck der 2. Auflage von 1957, München 1982. [4] Willi Schickling, Die größte Inflation aller Zeiten, in: Das Parlament, Nr. 38 vom 24. September 1983, S. 17. [5] S. Steve H. Hanke und Nicholas Krus, World Hyperinflations, Institute for Applied Economics, Global Health, and the Study of Business Enterprise. The Johns Hopkins University, Baltimor, MD 21218, CATO Working Paper, August 15, 2012. (27.06.2021) [6] Fn 2.
- Arghow Kenethlek Kernow – Geldscheine des Nationalen Fonds für Cornwall
Die offizielle Währung in Großbritannien und Nordirland ist der Pfund Sterling, der im Dezember 2021 etwa 1,18 € entsprach. Neben den staatlichen Münzen sind die Banknoten der Bank of England im gesamtem Vereinigten Königreich gesetzliche Zahlungsmittel. Daneben sind auch Noten schottischer und nordirischer Banken im Umlauf, ohne jedoch gesetzliche Zahlungsmittel zu sein. Daher kann es vorkommen, dass ihre Annahme bei Zahlungen verweigert wird. 1974 gelangten in Cornwall Geldscheine in Umlauf, auf denen „Arghow Kenethlek Kernow“ als Emittent genannt wird. Dies ist Cornish, die keltische Sprache der Urbewohner Cornwalls und bedeutet so viel wie „Kornischer Nationalfond“, hinter dem das „Stannary Parlament“ stand. Die kornische Sprache (auch Kornisch; neukornisch: Kernewek, Kernowek oder Kernuak) ist eine dem Walisischen und Bretonischen naheverwandte keltische Sprache, die bis ins späte 18. Jahrhundert in Cornwall gesprochen und dann vom Englischen verdrängt wurde. Im 20. Jahrhundert bildeten sich verschiedene Bewegungen, die es sich zum Ziel setzten, die Sprache wiederzubeleben. Eine von der britischen Regierung in Auftrag gegebene Studie (MacKinnon-report 2000) ergab, dass nur etwa 250 Personen die Sprache fließend beherrschen und weitere ca. 3.000 (< 0,7 % der Bevölkerung Cornwalls) über teils minimale Grundkenntnisse verfügen. Siehe https://de.wikipedia.org/wiki/Kornische_Sprache (16.12.2021) Das Wort „stannary“ leitet sich von „stannum“ ab, dem lateinischen Wort für Zinn, das über dreitausend Jahre in Cornwall abgebaut wurde. Im Mittelalter erlangte der Zinnbergbau eine solche Bedeutung, dass den Zinnbergleuten besondere königliche Privilegien gewährt wurden. Danach hatten die Bewohner Cornwalls das Recht, ihre eigenen Gerichte abzuhalten. Die Charter of Pardon bestätigte 1508 nicht nur die Privilegien, sondern erweiterte sie dahingehend, dass die Bürger Cornwalls ein Vetorecht gegen in Westminster erlassene Gesetze bekamen. In jedem der vier Stannaries – Foymore, Blackmore, Tywarnhalle sowie Penwith und Kerrier – wurden sechs Stannators gewählt, die das Stannary Parlament bildeten. Parallel zum Niedergang der Zinnbergbaus verfiel im achtzehnten Jahrhundert die Tradition des Stannary Parlaments. In den 1970er Jahren strebten kornische Nationalisten nach einer Wiederbelebung des Stannary Parlaments und der teilweisen Selbstregierung Cornwalls. Zur Geldbeschaffung dieses Vorhabens wurde der Kornische Nationalfond gegründet und 1974 Geldscheine mit den Nennwerten 5 und 10 Schilling, sowie 1 und 5 Pfund emittiert. Abb. 1: Arghow Kenethlek Kernow (Cornish National Fund), 1974, 1 Pfund, Vorderseite. Abb. 2: Arghow Kenethlek Kernow (Cornish National Fund), 1974, 1 Pfund, Rückseite. Der 5-Schilling-Schein zeigt auf der Vorderseite zwei Schilde. Das linke steht für den Heiligen Piran, den Schutzpatron der Zinnbergleute. Der irische Mönch wirkte um das fünfte Jahrhundert herum in Cornwall. Sein Banner – ein weißes Kreuz auf schwarzem Grund – wird seit vielen Jahren als Flagge Cornwalls verwendet und wurde angeblich von den kornischen Truppen in der Schlacht von Agincourt (25. Oktober 1415) getragen. Die 10-Shilling-Note trägt auf der Vorderseite eine Zeichnung des Kreuzes von St. Piran und die 1-Pfund-Note das Siegel des stannarischen Parlaments. Der kornische Text auf den Scheinen ist weitgehend gleich und kann wie folgt übersetzt werden: „Der Nationalfonds von Cornwall verspricht dem Überbringer, einen Tag nach Sicht den Betrag von fünf [10] Schilling bzw. 1 Pfund auszuzahlen“. Durch die Verwendung der „Sicht“-Klausel umging man eine gesetzliche Beschränkung für Emission von Banknoten in England und Wales. Nach dem Bank Notes Act von 1826 müssen „demand“-Noten [der Betrag ist sofort bei Vorlage zahlbar] mindestens über einen Betrag von 5 Pfund lauten. Der 5-Pfund-Schein bildet das alte Benediktinerkloster auf dem St. Michael‘s Mount vor der Küste Cornwalls ab. Nach dem kornischen Text war dieser Wert sofort zahlbar. Die fast identischen Rückseiten der vier Nominale bilden Restormal Castle in der Zinnstadt Lostwithiel ab. Oben links die Initialen „AKK“ für „Arghow Kenethlek Kernow“ und rechts unten die Initialen der englischen Bezeichnung „CNF“ (Cornish National Fond). Die Scheine wurden von Brian Hambley entworfen, der zu dieser Zeit Lord Protector des Parlaments war. Über ihre Ausgabe ist nur sehr wenig bekannt, weder wie viele Scheine ausgegeben noch, ob sie mit einem Aufschlag verkauft wurden. Eine Unterschrift auf den Scheinen stammt von Frederick Trull, der als "clerk to the Stannary" bezeichnet wurde. Am 26. Februar 1975 stand er wegen eines Verkehrsdeliktes vor dem St. Austell Magistrate's Court. Dabei kam es zu einem ungewöhnlichen Vorfall. Trull versuchte den Gerichtsschreiber und den Richter zu verhaften. Am 2. Juni 1975 wurde er deswegen wegen Landfriedensbruch für schuldig befunden und zu einer Geldstrafe sowie zur Zahlung der Gerichtskosten verurteilt. Es nutzte ihm auch nichts, dass er in einer fünfundzwanzigseitigen Dokumentation nachzuweisen versuchte, dass das Gericht nicht zuständig sei. Anschließend wurde er von seinem Posten als Sekretär des Stannary entlassen und aus der Organisation ausgeschlossen. Die Geldscheine, die Trulls Unterschrift trugen, wurden verbrannt. Im Jahr 1985 gab das Cornish Stannary Parliament 50-Pence- und 1-Pfund-Scheine heraus, die mit einem Aufgeld verkauft wurden. 2000 folgten dann ein Schein zu 500 Dynars. Der erinnert auf der Rückseite an Richard Trevithicks Dampfauto-Fahrt auf den Camborne Hill am Weihnachtsabend 1801. Uwe Bronnert
- Hyperinflationen der 1920er Jahre als Folge des Ersten Weltkriegs, Teil 2
Das polnische Kernland – Kongress-Polen – war nach dem Willen der Gesandten des Wiener Kongresses 1815 dem russischen Zaren unterstellt worden. Im Verlauf des Ersten Weltkriegs besetzten die Mittelmächte Deutschland und Österreich-Ungarn das Land. Im Zweikaisermanifest proklamierten sie im November 1916 das „selbstständige“ Königreich Polen. Der Regentschaftsrat in Warschau nutzte die Gunst der Stunde und rief am 7. Oktober 1918 einen unabhängigen polnischen Staat aus. Der Zerfall der Vielvölkermonarchien in Zentral-, Süd- und Osteuropa hinterließ ein machtpolitisches Vakuum. Elf Nationalstaaten, darunter auch Polen, entstanden neu bzw. wieder, deren Grenzen häufig unklar waren, sodass es zu zahlreichen militärischen Zwischenfällen kam. Polen befand sich mit fast jedem seiner Nachbarländer in militärischen Auseinandersetzungen um Territorien und ethnische Minderheiten: Posener Aufstand (1918–1919) Polnisch-Ukrainischer Krieg, von 1918 bis 1919 Drei Aufstände in Oberschlesien, zwischen 1919 und 1921 Polnisch-Tschechoslowakischer Grenzkrieg, vom 23. Januar bis 5. Februar 1919, um das Olsagebiet und Teschen Polnisch-Litauischer Krieg, vom 1. September 1920 bis 7. Oktober 1920 um Wilna (heute litauisch Vilnius) Polnisch-Sowjetischer Krieg, von 1919 bis 1921 Im neu gegründeten Polen herrschte ein wahres Währungschaos. Im ehemaligen Generalgouvernement Warschau galten die von der „Polska Krajowa Kasa Pozyczkowa“ (Polnische Landesdarlehnskasse) ausgegebenen Darlehnskassenscheine. Sie lauteten auf polnische Marka und waren mit der deutschen Mark wertgleich. Die Bank war von der deutschen Besatzungsmacht gegründet worden. In den bisherigen preußischen Landesteilen war weiterhin die deutsche Mark in Umlauf. Da in den österreichisch-ungarisch besetzten Gebieten die Krone als gesetzliche Währung galt, aber auch noch russische Noten (Denkin- und Zarennoten, sowie ukrainische Karbowanez) zirkulierten, waren sechs Währungen im Umlauf. Hinzu kam diverses Notgeld. Józef Klemens Piłsudski, dem der Regentschaftsrat am 11. November 1918 den Oberbefehl über die polnischen Truppen und kurz danach die Führung des polnischen Staates übertragen hatte, ordnete am 5. Februar 1919 an, dass die neue polnische Währung den Namen Lech tragen sollte, unterteilt in 100 Groszys (Groschen). Der Sejm (Parlament) sprach sich jedoch am 25. Februar 1919 dagegen aus und bestimmte den Zloty zur neuen polnischen Währung. Entsprechende Druckaufträge wurden erteilt. Bis auf Weiters gab die Landesdarlehnskasse weiterhin auf Mark lautende Darlehnsnoten aus. Mit einsetzender Inflation nahmen ihre Nennwerte und Menge zu. Im August 1919 mussten Geldscheine im Ausland, bei der Staatsdruckerei in Wien in Auftrag gegeben werden, die zwei Ausgaben mit den Jahreszahlen 1919 und 1920 und den Nennwerten von 1/2 bis 5000 polnischen Mark lieferte. Die Noten sind im typischen Wiener Jugendstil-Design gehalten. Abb. 14.1: Polska Krajowa Kasa Pozyczkowa, 23. September 1919, 1000 Marek Polskich, Vorderseite. Abb. 14.2: Polska Krajowa Kasa Pozyczkowa, 23. September 1919, 1000 Marek Polskich, Rückseite. Die Kosten der Kriege und der Kursverfall der deutschen Mark begünstigten die Haushaltdefizite, die durch zusätzliche Geldemissionen finanziert wurden. Betrug der Banknotenumlauf Ende 1918 neun Milliarden polnische Mark, so stieg er auf 125.372 Milliarden polnische Mark Ende 1923. Zwischen der Übernahme der Regierungstätigkeit durch Wincenty Witos im Mai 1923 und dem 1. August 1923 fiel der Kurs der polnischen Mark gegenüber dem US-Dollar von 1:52.000 auf 1:230.000. Anfang 1924 erreichte er seinen Höhepunkt – ein Dollar kostete 10.250.000 polnische Mark. Banknoten zu zehn Millionen Mark wurden ausgegeben, solche zu 50 Millionen waren geplant. Die Landesdarlehnskasse nutzte neben ihren Noten auch Zahlungsanweisungen über 50 und 100 Millionen Mark bei Zahlungen. Sie liefen wie Banknoten um. Neun Monate lag die Inflationsrate über 50 Prozent und Im Oktober 1923 erreichte sie den Höchststand von 275 Prozent. Die Mark hatte als Geld ausgedient. Abb. 15.1: Polska Krajowa Kasa Pozyczkowa, 10. xxx 1922, 50.000 Marek Polskich, Vorderseite. Abb. 15.2: Polska Krajowa Kasa Pozyczkowa, 10. xxx 1922, 50.000 Marek Polskich, Rückseite. Parlament und Senat statteten Ministerpräsident Wladyslaw Grabski, der gleichzeitig Finanzminister war, mit umfangreichen Vollmachten aus. Nachdem er den Haushalt konsolidiert hatte, leitete er mit dem Gesetz vom 11. Januar 1923 die Währungsreform ein. Die Landesdarlehnskasse wurde am 28. April 1924 aufgelöst und an ihre Stelle trat die Bank Polski, die goldgedeckte, auf Zloty lautende Banknoten ausgab. Ein Zloty entsprach dem Wert eines Schweizer Franken. 1.800.000 polnische Mark wurden in einen Zloty umgewechselt. Die Zloty-Banknoten im Wert von einem bis 50 Zloty wurden bereits 1919 in Frankreich und die Banknoten der höheren Stückelungen (100-, 500-, 1000- und 5000-Zloty-Scheine) 1920 in England gedruckt. Die neuen Scheine tragen als Ausgabedatum den 28. Februar 1919. Auf die Ausgabe der Banknoten zu 1.000 Zloty und 5.000 Zloty wurde verzichtet, weil ihr Nennwert als zu hoch für die Bedürfnisse der Bevölkerung angesehen wurde. 1920, in der Zeit des polnisch-russischen Krieges, kam es in England zu einem Zwischenfall. Hafenarbeiter warfen bei der Verladung Kisten mit den neuen, polnischen Banknoten ins Wasser, weil sie meinten, dass diese Waffen und Munition zum Kampf gegen die sowjetische Armee enthielten. Abb. 16.1: Bank Polski, 28. Februar 1919, 500 Zloty, Vorderseite. Abb. 16.2: Bank Polski, 28. Februar 1919, 500 Zloty, Rückseite. Abb. 17.1: Staatsnote, 28. April 1924, 1 Grosz, gedruckt auf 500.000 Marek Polskich, Vorderseite. Abb. 17.2: Staatsnote, 28. April 1924, 1 Grosz, gedruckt auf 500.000 Marek Polskich, Rückseite. Nach dreijähriger Kriegsteilnahme brodelte es in Russland. Die Unzufriedenheit und Kriegsmüdigkeit weiter Bevölkerungskreise machte sich in der sog. Februarrevolution im März 1917 Luft und bescherte dem Land vorübergehend eine konstitutionelle Demokratie. Aber die neue Regierung unter Alexander Kerensky beendete nicht den Krieg, sondern intensivierte ihn sogar noch, sodass es am 7. November zu einer zweiten Revolution (Oktoberrevolution) kam. Die Bolschewistische Partei um den revolutionären Sozialisten Wladimir Uljanow (Lenin) übernahm die Macht. Zwar beendete die neue Regierung den Krieg mit den Mittelmächten, jedoch erschütterte das Land ein mehrere Jahre dauernder Bürgerkrieg. Jeder schien gegen jeden zu kämpfen: die bolschewistische Rote Armee gegen zaristische Weiße Armeen und ausländische Interventionstruppen; Balten, Ukrainer, Kaukasier usw. um ihre Unabhängigkeit. Weite Teile Russlands wurden von Kriegsherren kontrolliert. Mit dem Ausbruch des Bürgerkriegs im Sommer 1918 verschlechterte sich die ohnehin düstere wirtschaftliche Lage in Sowjetrussland weiter. Nach dem Zusammenbruch des Steuersystems und dem Wegfall jeglicher Staatseinnahmen bei gleichzeitiger Aufblähung der staatlichen Verwaltung mussten die Bolschewiki enorme Ausgaben bewältigen. Die russische Zentralbank begann, Geldscheine nach Bedarf zu drucken, sodass ab Mai 1919 eine Hyperinflation einsetzte. Diese Entwicklung wurde dadurch begünstigt, dass die Bolschewiki bereits ab Oktober 1917 zahlreiche Dekrete mit dem Ziel erlassen hatten, die gesamte Wirtschaft unter eine zentrale Verwaltung zu bringen. Dazu wurden Industriebetriebe verstaatlicht, der private Handel verboten und durch ein staatliches Verteilungssystem ersetzt. Auch sollte das Geld als Tauschmittel abgeschafft werden. Die Verstaatlichung der Betriebe und Misswirtschaft führten dazu, dass viele Fabriken ihre Produktion aus Mangel an Rohstoffen einstellen mussten. Gleichzeitig wurde die Produktion militärischer Güter mit aller Kraft vorangetrieben, sodass die Herstellung von Konsumgütern fast zum Erliegen kam. Nach Schätzungen sank bis 1920 die Gesamtproduktion der russischen Industrie von 6,059 Milliarden Goldrubel auf 836 Millionen – ein Rückgang von mehr als 85 Prozent. Trotz staatlich verordneter Preiskontrolle stiegen die Preise. Die Bauern weigerten sich, ihre überschüssigen Erträge für Geld abzugeben, da man dafür nichts mehr kaufen konnte. Angesichts der Hungersnot in den Städten wurden landwirtschaftliche Produkte beschlagnahmt, was zu einer Verweigerungshaltung der Bauern führte und zu einem Schrumpfen der Anbaufläche. Gegen den Widerstand der eigenen Partei setzten Lenin und Trotzki 1921 eine neue Wirtschaftspolitik durch. Die Neue Ökonomische Politik (Abk. NEP; russisch НЭП - Новая экономическая политика, NEP – Nowaja ekonomitscheskaja politika) sah eine Dezentralisierung und Liberalisierung in der Landwirtschaft und marktwirtschaftliche Elemente in Handel und Industrie vor. Eine der wichtigsten Aufgabe sah die NEP in der Stabilisierung der Währung. Betrug der Geldumlauf Anfang 1920 rund 225 Milliarden Rubel, so stieg er auf 1,17 Billionen Ende 1920. Dies entspricht einer 25-fachen Steigerung des Papiergeldumlaufs von 1917. In Folge der galoppierenden Inflation stieg der Geldumlauf rasch weiter. Die höchste monatliche Inflationsrate mit 212 % wurde im Februar 1924 erreicht. Lautete 1912 der höchste Wert einer Banknote 1000 Rubel, waren es 1921 bereits 10.000.000 Rubel und in Transkaukasien 1924 sogar 10 Milliarden Rubel. Nach der Revolution war der „Volksbank“ die Notenausgabe übertragen worden. 1920 wurde sie aufgelöst und ihre Aufgaben übernahm das Finanzkommissariat. Doch bereits 1921 erfolgte eine erneute Umorganisation, die in der Gründung einer Staatsbank endete. Sie erhielt aber erst ein Jahr später das Recht zur Notenausgabe. Abb. 18.1: 10.000 Rubel, 1919 (1920), Vorderseite. bb. 18.2: 10.000 Rubel, 1919 (1920), Rückseite. Sog. „Babylonier“ wegen des in sechs Sprachen aufgedruckten Propagandatextes „Proletarier aller Länder vereinigt Euch“. Abb. 19.1: 25.000 Rubel, 1921, Vorderseite. Abb. 19.2: 25.000 Rubel, 1921, Rückseite. Abb. 20.1: 100.000 Rubel, 1921, Vorderseite. Abb. 20.2: 100.000 Rubel, 1921, Rückseite. Am 1. Januar 1922 versuchte die Sowjetregierung die Währung durch eine systematische „Abwertung“ des Rubel – im Umlauf waren immer noch die zaristischen und Kerenski-Rubel sowie die Sovznaki [1]– zu beseitigen. Ein „neuer“ Rubel ersetzte 10.000 „alte“ Rubel. Jedoch war diese Maßnahme von keinem langen Erfolg gekrönt. Um die Inflation einzudämmen, entschied sich die bolschewistische Regierung zum sog. „Bipaperismus“. Im Juli 1922 wurde eine neue Währung kreiert, der Tscherwonez, der durch Gold und Devisen gedeckt war. Beide Währungen blieben gleichzeitig in Gebrauch. Während die Tscherwonzen höherwertigen Zahlungen vorbehalten waren und nur in begrenzten Mengen ausgegeben wurden, zahlte die Bevölkerung ihre kleineren Einkäufe mit den Sovznaki. Sie unterlagen auch weiterhin einem ständigen Wertverlust, sodass sie bei einer neuerlichen Währungsreform am 1. Januar 1923 im Verhältnis 100 zu 1 umgestellt wurden. Der letzte Akt erfolgte am 7. März 1924. An diesem Tag wurde die Währungsstabilisierung erreicht und der Tscherwonez zur einzigen Landeswährung im Land. Aus 50.000 Rubel (Sovznaki) wurden ein Goldrubel. Abb. 21.1: 1 Tscherwonez, 1923, Vorder- und Rückseite. Für internationale Zahlungen ließ die Sowjetregierung den Tscherwonez (= 10 Rubel) auch als Goldmünze prägen. Sie wiegt 8,6 Gramm und ist 900/1000 fein. Geprägt wurden mit der Jahreszahl 1923 insgesamt 2.751.200 Münzen. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Sovznaks (russisch: совзнаки) waren Schatzbrief/Schuldscheine, die 1919 in Sowjetrussland ausgestellt und zwischen 1919 und 1924 im Zahlungsverkehr verwendet wurden. Der Name ist eine Abkürzung des Ausdrucks „Sovetskiye znaki“ (Советские знаки, sowjetische Zeichen). Während das erste von der Sowjet-Regierung ausgegebene Papiergeld noch Kreditbillet genannt wurde, lautete die Bezeichnung ab Ende 1919 Verrechnungsschein. Der Begriff „Verrechnungsschein“ war ein Euphemismus für „Geld“, das die Kommunisten eigentlich abschaffen wollten. Die Sovznaks wurden als Übergangsinstrument angesehen. (27.06.2021)
- Zu wertlos, um noch in Umlauf gesetzt zu werden
Anmerkungen zu drei nicht ausgegebenen Reichsbank-Banknoten Während der Inflation gab die Reichsbank Innerhalb von zwei Jahren insgesamt 57 neue Haupttypen aus.[1] Die Hauptschwierigkeit bei der Notenbeschaffung bestand für die Reichsbank darin, dass die Industriereviere für Löhnungszwecke noch kleine Abschnitte benötigten, während in Gegenden mit starkem Handelsverkehr bereits große Stücke gefordert wurden. Keller gibt zu bedenken, „daß [sich] der ganze Inflationsnotendruck ... in größter Hast abspielte, daß ständig telegraphische Umdispositionen eintrafen, ein eben begonnener Druck wieder eingestellt und ein anderer begonnen werden mußte."[2] Dies mag ein Grund dafür sein, daß drei Banknotentypen zwar gedruckt wurden, jedoch nicht mehr zur Ausgabe gelangten. Ihr Wert war bei Fertigstellung wohl zu gering, um noch in Umlauf gesetzt zu werden. Sie wurden von der Reichsbank eingelagert und für eine spätere Verwendung bereitgehalten. Hier ist zunächst die im Buchdruck ausgeführte 1000-Mark-Note vom 15. Dezember 1922 zu nennen. Sie zeigt auf der Vorderseite im Medaillon das Brustbild des Münzmeister Jörg Herz [geb. 1492 in Nürnberg; gest. 1. Oktober 1554 ebenda] nach einem Bild des Nürnberger Malers Georg Pencz [geb. um 1500 wahrscheinlich in Westheim bei Bad Windsheim; gest. um den 11. Oktober 1550 sehr wahrscheinlich in Breslau], einem Schüler Albrecht Dürers. In der Reichsdruckerei wurden insgesamt 25.701.000 Noten auf weißem Papier mit braunem Faserstreifen und dem Wasserzeichen „verschlungene Bänder mit „1000“ und „Mark“ gedruckt.[3] Das gleiche Papier nutzten auch einige Privatdruckereien für den Tausender. Diese Note wurde so jedoch nie ausgegeben. Sowohl die Drucke der Reichsdruckerei mit den Serienbuchstaben A, B, C, D, E, F, G und H als auch die der Privatdruckereien mit den Firmenbuchstaben[4] A (Greiner & Pfeiffer, Stuttgart), B (R. Oldenbourg, München), C (ungeklärt), D (vielleicht Greiner & Pfeiffer, Stuttgart), E (Edler & Kirsche, Hannover), F (Förster & Borries, Zwickau) und J (ungeklärt) werden im Handel angeboten, meist mit dem Firmenbuchstaben B. Abb. 1.1: DEU-92 c, Reichsbank, 15. Dezember 1922, 1.000 Mark, Firmenzeichen B, nicht ausgegeben, Vorderseite. Abb. 1.2: DEU-92 c, Reichsbank, 15. Dezember 1922, 1.000 Mark, Firmenzeichen B, nicht ausgegeben, Rückseite. Während der Inflationszeit war es in Deutschland gängige Praxis der Kommunen und Unternehmen, ihre nicht ausgegebenen oder eingezogenen „wertlosen“ Notgeldscheine mit höherem Wertaufdrucken zu versehen und wieder in Umlauf zu setzen. Ab 21. September 1923 ging auch die Reichsbank dazu über, die auf Vorder- und Rückseite durch einen diagonalen roten Aufdruck „Eine Milliarde Mark“ versehenen 1000-Mark-Noten auszugeben. Noten auf braunem bzw. weißem Papier mit dem Wasserzeichen „Vierpass“ (Kreuzblüten) gelangten aufgewertet erst am 24. Oktober 1923 in Verkehr. In den Zeitungen wurde ausdrücklich darauf hingewiesen, „daß außer dieser Note sich keine Reichsbanknote im Umlauf befindet, die infolge Überstempelung einen höheren Wert als den ursprünglichen Ausgabewert hat.“[5] Nur vierzehn Tage zuvor war in den Zeitungen zu lesen: „Betrüger haben Reichsbanknoten in den Verkehr gebracht, die durch Stempelaufdruck mit einer erhöhten Wertangabe versehen worden sind. Vor Annahme dieser durch Aufdruck verfälschten Noten wird gewarnt mit dem Hinweis, daß für alle Reichsbanknoten allein die ursprüngliche Wertangabe maßgebend ist.“[6] Abb. 2: Bekanntmachung betreffend die Ausgabe einer neuen Reichsbanknote zu 1000 Mark mit dem Datum vom 15. Dezember 1923 umgeändert durch Stempelaufdruck in eine neue Reichsbanknote zu 1 Milliarden Mark mit dem Datum von 15. Dezember 1922 (II. Ausgabe). Abb. 3.1: DEU-126 a, Reichsbank, (15. Dezember 1922), 1 Milliarde Mark, Druck der Reichsdruckerei, Vorderseite. Abb. 3.2: DEU-126 a, Reichsbank, (15. Dezember 1922), 1 Milliarde Mark, Druck der Reichsdruckerei, Rückseite. Die zweite nicht ausgegebene Note lautet über 10.000 Mark und datiert vom 3. Februar 1923. Sie wurde von der Druckerei Otto Elsner – Firmenbuchstabe E – in Berlin auf Papier mit dem Wasserzeichen „Hakensterne“ (GD-Muster) gedruckt. Die 129 mm x 89 mm große Note trägt eine sechsstellige Kontrollnummer sowie die Serienbezeichnung J, S oder V. Somit lag die Gesamtauflage bei höchstens 3 Millionen Exemplaren, sicherlich zu wenig, um sie mit einem Aufdruck aufzuwerten. Nach Ende der Inflation gab die Reichsbank diese Note mit einem roten Aufdruck „Muster“ auf der Vorderseite an Sammler ab. Bei der Gestaltung des Scheins standen die beiden Noten zu 5.000 Mark vom 16. September 1922 und 2. Dezember 1922 Pate. Abb. 4.1: DEU-94 M, Reichsbank, 3. Februar 1923, 10.000 Mark, Aufdruck Muster, Vorderseite. Abb. 4.2: DEU-94 M, Reichsbank, 3. Februar 1923, 10.000 Mark, Aufdruck Muster, Rückseite. Auch zwei verschiedene Ausführungen einer Banknote zu 5.000 Mark in mehrfarbigem Buchdruck wurde vorbereitet, aber nur die Ausgabe vom 19. November 1922 kam mit dem Nennwert in Umlauf, während die zweite mit Datum vom 15. März 1923 später zu „500 Milliarden Mark“ überdruckt wurde. Beide Noten zeigen das Kopfbildnis des deutschen Juristen und Richters Hans Urmiller [geb. vor 1529; gest. 1572 in Wolfratshausen], aus dem Gemälde „Mann mit Kind“ eines unbekannten schwäbischen Meisters. Die Deutsche Bundesbank verwendete die Darstellung des Brustbildes für ihre 50-DM-Banknote (DM 50 I BBk) vom 2. Januar 1960 und den späteren Ausgaben mit verändertem Ausgabedatum. Nicht aufgewertete 5000 Mark-Scheine werden hin und wieder im Handel angeboten. Hierbei handelt es sich um Drucke der Reichsdruckerei, die aus Druckbögen geschnitten wurden. Dies erklärt auch, warum ihre Größe selten mit denen der aufgewerteten Scheine übereinstimmt. Abb. 5.1: DEU-98, Reichsbank, 15. März 1923, 5.000 Mark, nicht ausgegeben, Vorderseite. Abb. 5.2: DEU-98, Reichsbank, 15. März 1923, 5.000 Mark, nicht ausgegeben, Rückseite. Die aufgewerteten Scheine erhielten rechts oben auf der Vorderseite einen von zartem Linienwerk umschlossenen dreizeiligen Wertaufdruck „500 / Milliarden / Mark“ sowie auf dem linken Schaurand den Aufdruck „500 / Milliarden / Mark“. Die alte Wertangabe am unteren Rand wurde mithilfe von senkrechten Strichen abgedeckt. Auch das Mittelfeld der Rückseite wurde mit einem großen Zierstück und der neuen Wertangabe versehen. Bleibt anzumerken, dass dieser Schein auch von der Privatdruckerei Carl Flemming & C. T. Wiskott AG in Glogau gedruckt wurde, erkennbar am Firmenbuchstaben „G“. Abb. 6: Bekanntmachung betreffend die Ausgabe neuer Reichsbanknoten über 5000 Mark mit dem Datum vom 15. März 1923, umgeändert durch Überdruck in Reichsbanknoten zu 500 Milliarden Mark mit dem Datum vom 15. März 1923 (I. Ausgabe). Abb. 7.1: DEU-146 a, Reichsbank, (15. März 1923), 500 Milliarden Mark, Vorderseite. Abb. 7.2: DEU-146 a, Reichsbank, (15. März 1923), 500 Milliarden Mark, Rückseite. Schon kurze Zeit nach Ausgabe der aufgewerteten Reichsbanknoten warnten Zeitungen vor falschen Aufwertungen. Hierfür würden Fälscher bereits stark entwertete Reichsbanknoten mit entsprechenden Aufdrucken versehen, um einen höheren Wert vorzugaukeln. Die Reichsbank sah sich wieder gezwungen, darauf hinzuweisen, dass sie bei Aufwertungen nur auf Banknoten-Typen zurückgreife, die bisher noch nicht im Umlauf gewesen seien. Abb. 8.1: 5 Milliarden Mark, Überdruckfälschung der 500.000-Mark-Reichsbanknote vom 1. Mai 1923, Vorderseite. Abb. 8.2: 5 Milliarden Mark, Überdruckfälschung der 500.000-Mark-Reichsbanknote vom 1. Mai 1923, Rückseite. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Beginnend mit der Note zu 10.000 Mark vom 19. Januar 1922 bis zur Note über 5 Billionen Mark vom 7. November 1923. Auch nach Stabilisierung der Mark durfte die Reichsbank im Frühjahr 1924 nur auf Mark lautende Banknoten ausgeben. Sie lauten daher über Billionen Mark. [2] Dr. Arnold Keller, Das Papiergeld des Deutschen Reiches von 1874 bis 1945, 5. Auflage, Berlin-Wittenau 1956, S. 105. [3] Fünfzig Jahre Reichsdruckerei 1879 – 1929, Mit einem Rückblick auf den Berliner Buchdruck für Hof und Staat bis zur Begründung der Reichsdruckerei. Verfasst und herausgegeben von der Direktion der Reichsdruckerei unter Mitwirkung von Dr. Ernst Crous, Berlin 1929, S. 161 ff. [4] S. Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, 22. überarbeitete und erweitere Auflage 2020/21, Regenstauf 2020, S. 19 ff. [5] Sieg-Post, Volkszeitung für Siegtal, Westerwald und Oberbergisches Land, Nr. 225 vom 28. September 1923. [6] Sieg-Post, Volkszeitung für Siegtal, Westerwald und Oberbergisches Land, Nr. 212 vom 13. September 1923.
- Banker will Schwarzen eigenes Geld geben
African-American Face Reserve Obligations Am 11. Januar 1991 titelte die „Chicago Tribune“ einen Bericht mit „Banker wants to give Blacks own Money“ [Banker will Schwarzen eigenes Geld geben].[1] In ihm berichtete A. Dahleen Glanton, dass der Banker Derric Price gerade 70 Millionen US-Dollars in 5-,10- und 20-Dollars-Scheinen habe drucken lasse. Die Währung, die er A.F.R.O-Dollar nennt, sei natürlich kein echtes Geld, vielmehr handele es sich um Zertifikate, die in verschiedenen Geschäften in Chicago zur Bezahlung von Waren und Dienstleistungen benutzt werden können. „Und jedes Mal, wenn die Kunden die roten, schwarzen und grünen Scheine für irgendetwas verwenden - von einer Rolle Toilettenpapier bis zur Hypothekenzahlung - tragen sie dazu bei, dass Schwarze auf der wirtschaftlichen Leiter ein oder zwei Stufen höher steigen, so Price.“ Dem 32-jährigen Investmentbanker kam die Idee der eigenen Geldausgabe für Schwarze, als er sich fragte, warum Afroamerikaner als ethnische Gruppe auf der wirtschaftlichen Leiter ganz unten stehen, obwohl sie 300 Milliarden Dollars pro Jahr ausgeben würden. Diese Kaufkraft wollte er mithilfe des A.F.R.O-Dollars bündeln und bei sozialen Projekten nutzen. Sein Plan sah vor, dass bei Ausgabe jedes A.F.R.O.-Dollars ein Prozent in einen kommunalen Treuhandfonds fließt. Dieses Geld sollte gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung stehen, die sich für die Bereitstellung von Wohnraum für einkommensschwache Bevölkerungsschichten, Risikokapital für kleinere Unternehmen und Bildungsmöglichkeiten für benachteiligte Jugendliche einsetzen. Price war überzeugt, dass sich die schwarzen Amerikaner durch Verwendung der A.F.R.O.-Dollars selbst helfen könnten. Er schätzte, dass allein in Chicago jeden Monat „African-American Face Reserve Obligations“ für 100 Millionen Dollars ausgegeben werden könnten und somit der Trust jährlich 10 Millionen Dollars einbringen würde. Nicht nur unterprivilegierte Schwarze könnten vom Gebrauch des „neuen Geldes“ profitieren, sondern jeder der mit A.F.R.O.-Dollars in Berührung kommt. Verbraucher, die 100 US-Dollars bei ihrer örtlichen Bank gegen A.F.R.O.-Dollars eintauschen, erhalten zwei Dollars in Punkten, die sie beim Kauf von Lebensmitteln bis hin zu Luxusautos verwenden können. Price argumentierte ferner, dass Geschäfte, die A.F.R.O.-Dollars akzeptieren würden, eine Fülle neuer Kunden gewännen. Zusätzlich würden sich auch die Geldverkehrskosten der Unternehmen verringern; 4 bis 7 Prozent des Zahlungsbetrags koste die Zahlung mit Kreditkarten, aber nur 2,9 Prozent bei Umtausch der A.F.R.O.-Dollars in US-Dollars. Abb. 1: Vorderseiten der vier A.F.R.P.-Dollar-Scheinen, Quelle: (05.02.2022) Die Ausgabe der ersten Obligationen der „African-American Face Reserve Obligation, Inc.“ gelangten wohl bis zum 1. Februar 1991 in Umlauf, gerade rechtzeitig zum „Black History Month“.[2] Die Serie umfasst vier Nominale, die bei „Northern Bank Note“ in Countryside gedruckt wurden und auf deren Vorderseite prominente schwarze Amerikaner abgebildet sind: Beim 1-A.F.R.O.-Dollar-Schein das Gesicht von Booker T. Washington[3], beim 5-A.F.R.O.-Dollar-Nominal Louis Armstrong[4] beim 10-A.F.R.O.-Dollars-Wert George Washington Carver[5] und schließlich bei der Note zu 20-A.F.R.O.-Dollars Frederick Douglass. Die Wertzeichen wurden auf festem Papier ohne Wasserzeichen banknotenmäßig hergestellt. Price ist mit seinem A.F.R.O.-Dollar einer der frühen Pioniere und Gründer der lokalen Währungsbewegung. Sie ist die Einzige, die vom Finanzministerium in den USA als Umlaufwährung zugelassen wurde. Jeder A.F.R.O.-Dollar ist durch einen US-Dollar gedeckt und wird von den teilnehmenden Banken garantiert. Das Konzept schien so erfolgversprechend, dass sich von Anfang an etwa 15 Banken aus ganz Chicago, mehrere Lebensmittelgeschäfte, Kaufhäuser, Restaurants und andere Unternehmen bereit erklärt haben, A.F.R.O.-Dollars zu verwenden. A.F.R.O.-Dollar-Noten haben unabhängig von ihrem Wert die Größe von 151 mm x 67 mm – sie sind damit ca. 5 mm kürzer als die US-Banknoten der Federal Reserve Bank. Ihre Gestaltung lehnt sich an den damals umlaufenden US-Banknoten an, weist jedoch bereits farbige Bereiche auf. Die Vorderseite ist vorwiegend in Grün gehalten, im mittigen Oval das schwarze Brustbild eines bekannten Afroamerikaners, links davon die Wertangabe in großen Ziffern und unterlegt in roten Buchstaben, rechts vom Oval das US-amerikanische Wappentier, der Weißkopfadler auf einer Felsspitze, am unteren Rand die Wertabgabe in Buchstaben und in den Ecken in roten Ziffern, am oberen Rand „AFRICAN-AMERICAN FACE RESERVE OBLIGATION“, es folgt darunter „PAY IN UNITED STATES (WERT) DOLLARS“ [ZAHLBAR IN (WERT) DOLLAR DER VEREINIGTEN STAATEN], über dem Adler klein zweizeilig „THE FACE AMOUNT DENOMINATION IS REDEEMABLE / IN U.S. DOLLARS AT PARTICIPATING BANKS“ [Der Nennwert ist bei den teilnehmenden Banken in U.S. Dollar rückzahlbar], unter dem Adler eine siebenstellige Kennnummer mit zwei vorangestellten Großbuchstaben, über der großen Wertziffer „Chicago, Illinois“, darunter eine faksimilierte Unterschrift der im Oval abgebildeten Person. Abb. 2: 20 Dollars der „African-American Face Reserve Obligation, Inc.“, Vorderseite. Abb. 3: 20 Dollars der „African-American Face Reserve Obligation, Inc.“, Rückseite. Im Banknotenhandel wird wohl ausschließlich der Wert über 20 A.F.R.O.-Dollars angeboten. Im Oval der Vorderseite befindet sich hier das Brustbild des ehemaligen Sklaven und späterer Abolitionisten und Schriftstellers Frederick Douglass. Er wurde 1817 oder 1818 im Talbot County, Maryland als Frederick Augustus Washington Bailey in Sklaverei geboren. 1838 gelang ihm die Flucht nach New York, in die Freiheit. Dort änderte er seinen Namen, wie es bei entkommenen Sklaven üblich war, in Frederick Douglass. Er starb am 20. Februar 1895 in Washington, D.C. Die Rückseite des 20-A.F.R.O.-Dollars-Scheins zeigt in schwarzer Farbe sein Wohnhaus in den Hügeln von Anacostia, direkt gegenüber dem Anacostia River vom Kapitol und dem Weißen Haus, aber immer noch innerhalb der Stadtgrenzen von Washington, D. C. Cedar Hill wurde ein Wallfahrtsort für Journalisten, Fans und Machthaber, die Douglass hier von 1877 bis zu seinem Tod im Jahr 1895 besuchten. Eingerahmt wird die Abbildung durch einen roten Schmuckrahmen, in deren Ecken jeweils der Wert in Ziffern angegeben wird. Oben im Rahmen „PAY IN UNITED STATES TWENTY DOLLARS“ und unten im Rahmen die Wertangabe „TWENTY DOLLARS“. Über dem Haus „IN GOT WE TRUST“. Links und rechts des Hauses das Einlösungsversprechen: „This Certificate is redeemable form all trade, merchandise or services for business under / Agreement with African-American Face Reserve Obligation or those displaying this logo“ [Dieses Zertifikat kann bei allen Geschäften, Waren oder Dienstleistungen eingelöst werden, die dem System der African-American Face Reserve Obligation angeschlossen sind oder die dieses Logo tragen]. Das Logo befindet sich oberhalb mit der Abkürzung „A.F.R.O.“. Aus dem alternativen Währungsprojekt ist im Laufe der Jahre ein mobiles Banking-System entstanden, das Zahlungen, Hypotheken, Kreditvergaben für Privatpersonen und kleine Unternehmen sowie gemeinnützige Spenden auf seiner Plattform auch digital ermöglicht. Der Community Fund unterstützt lokale Unternehmen bei der Deckung der Kosten für die Einstellung von Arbeitslosen und hilft gemeinnützigen Organisationen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben in der Gemeinde.[6] Uwe Bronnert Anmerkungen [1] (03.02.2022) [2] „Der Black History Month wird in Kanada und in den Vereinigten Staaten alljährlich im Februar gefeiert. Dem Black History Month ging die Negro History Week voraus, die in der zweiten Februarwoche gefeiert wurde. Diese Feierbewegung schwarzer Geschichte in den Vereinigten Staaten wurde 1926 von Carter G. Woodson initiiert, womit er die breite Öffentlichkeit auf den Beitrag von Afroamerikanern zur Geschichte ihres Landes aufmerksam machen wollte. Woodson wählte den Februar deshalb, weil in diesem Monat Abraham Lincoln, Frederick Douglass und Langston Hughes geboren wurden. Zur Gründungszeit des Black History Month wurden die Geschichte und Traditionen der schwarzen Bevölkerung kaum in Geschichtsbüchern behandelt. Die Darstellung Schwarzer in Geschichtsbüchern beschränkte sich auf ihren niederen sozialen Status.“ (05.02.2022) [3] Booker Taliaferro Washington [* 5. April 1856 auf der Burroughs Farm, Hale’s Ford, Franklin County, Virginia; † 14. November 1915 in Tuskegee, Alabama] war ein US-amerikanischer Pädagoge, Sozialreformer und Bürgerrechtler. [4] Louis Daniel „Satchmo“ Armstrong [* 4. August 1901 in New Orleans; † 6. Juli 1971 in New York City] war ein US-amerikanischer Jazztrompeter, Sänger und Schauspieler. [5] George Washington Carver [* um 1864 in Missouri; † 5. Januar 1943 in Tuskegee, Alabama] war ein Botaniker, Chemiker und Erfinder in der Landwirtschaftsforschung in den Südstaaten der USA. [6] Vgl. (05.02.2022)
- Eine australische Gedenkbanknote zu 10 Dollars von 1988
Die Banknote aus Polymer-Kunststoff erinnert an die Gründung der Sträflingskolonie in New South Wales Zwar hatte James Cook bereits am 22. August 1771 die Ostküste Neu-Hollands für die englische Krone in Besitz genommen und in New South Wales umbenannt, jedoch gilt der 26. Januar 1788 als Geburtsstunde des heutigen Australiens. Als Folge der Amerikanischen Revolution war es England nicht mehr möglich „Schwerst-Verbrecher“ nach Nordamerika zu deportieren. Da die eigenen Gefängnisse restlos überfüllt waren, schlug der Naturforscher Joseph Banks das entfernte New South Wales als Sträflingskolonie vor. Er hatte die Küstengegend als Teilnehmer einer von James Cook unternommenen Forschungsreise (1768 bis 1771) erkundet. Acht Jahre später gab Innenminister Lord Sydney die Entscheidung Königs Georg III. bekannt, die Botany Bay als neuen Platz für verurteilte Straftäter zu nutzen. Dass der Kontinent zu diesem Zeitpunkt bereits bevölkert war, spielte bei der Entscheidung keine große Rolle. Am 13. Mai 1787 verließ die „First Fleet“ (Erste Flotte), bestehend aus zwei Schiffen der Royal Navy, drei Lagerschiffen und sechs Sträflingstransportern unter dem Kommando von Kapitän Arthur Phillips mit mit 750 männlichen und weiblichen Sträflingen, 400 Matrosen, vier Kompanien der Marineinfanterie und ausreichendem Viehbestand sowie genug Nahrungsmitteln für zwei Jahre Portsmouth in England. Nach 24.000 Kilometern und über 250 Tagen erreichte sie ihr Ziel: Botany Bay in New South Wales. Da der Landstrich nicht den Erwartungen entsprach, segelte man weiter. Am 26. Januar 1788 ging man in Port Jackson, einer geschützten Bucht mit einem perfekten Hafen, vor Anker und gründete mit der Siedlung Sydney die erste britische Kolonie in Australien. Die zweite Flotte erreichte 1790 mit weiteren Verurteilten und einigen Versorgungsgütern die Ostküste von Australien. Ein Jahr später, mit der Ankunft der dritten Flotte, wuchs die Bevölkerungszahl auf ca. 4.000 Personen an. Bis 1868, dem Jahr in welchem diese Praxis endete, wurden insgesamt 162.000 Sträflinge nach Australien deportiert. „New South Wales war für die Neuankömmlinge ein harscher und grauenvoller Platz. Die Verbrechen, welche mit dem Abtransport nach Australien bestraft wurden, waren oftmals von geringer Bedeutung. Sie wurden dennoch mit mindestens 7 Jahre Freiheitsentzug bestraft, was aufgrund der weiten Entfernung zum Heimatland einer lebenslangen Strafe gleichkam. Es gab zu jener Zeit keine Hoffnung auf eine Rückkehr nach England. Obwohl die neue Kolonie, bestehend aus Soldaten, Matrosen, Taschendieben, Prostituierten und Kleinkriminellen die ersten schwierigen Jahre überstand, glich das Leben in Australien durch die Grausamkeiten des Wachpersonals eher einer Hölle. In der ersten Zeit waren die Siedler stark vom Nachschub aus Europa abhängig und eine Verzögerung oder gar ein gekentertes Versorgungsschiff kam einer Katastrophe gleich. Die Gefahr von Hungersnot bestand über die ersten 16 Jahre in der neuen Kolonie. Dies besserte sich mit den ersten Farmen in Australien. Mit steigenden Ernteerträgen der neuen Farmen wurde New South Wales zunehmend unabhängiger vom Nachschub aus Großbritannien.“[1] Abb. 1: Reserve Bank of Australia, 26. Januar 1988, 10 Dollars, Vorderseite. Abb. 2: Reserve Bank of Australia, 26. Januar 1988, 10 Dollars, Rückseite. Abb. 3: Offizielle Abgabemappe, in dem die Gedenknote eingelegt ist. Die Vorderseite zeigt eine Montage eines Stichs von E. Dayes nach einer Skizze von John Hunter mit dem Titel „View of the Settlement on Sydney Cove“, der erstmals 1783 veröffentlicht wurde, und von Paddy Carroll Tjungurryi’s „Men’s Dreaming“. In der Mappe finden sich die folgenden Informationen, die hier in freier Übersetzung wiedergegeben werden: „Die in der Banknote enthaltene Technologie ist das Ergebnis langjähriger gemeinsamer Forschungs- und Entwicklungsarbeit der Reserve Bank of Australia und der Commonwealth Scientific and Industrial Research Organisation. Im Rahmen dieser Arbeit wurde ein hochentwickeltes optisch variables Gerät (OVD) entworfen, hergestellt und in die Banknote integriert, um Fälschungen zu verhindern. Das OVD, ein Porträt von Captain Cook, ist von beiden Seiten der Banknote sichtbar. Es bricht das Licht und erzeugt ein Regenbogenmuster, wenn der Blickwinkel verändert wird. Ein klares Porträt und das Regenbogenmuster sind wichtige Sicherheitsaspekte der neuen Banknote. Um die Verwendung eines OVD zu ermöglichen, wurde ein spezielles Polymer-Substrat entwickelt, das das herkömmliche Banknotenpapier ersetzt. Das Polymer ist nach der Behandlung im Druckverfahren vergleichbar leistungsfähig wie das Papier. Dies ermöglicht die Einbeziehung traditioneller Fälschungsschutzvorrichtungen, die auf den Fähigkeiten des Banknotendruckers beruhen. Der Stichtiefdruck, der für die Hauptmerkmale verwendet wird, erzeugt beispielsweise einen deutlichen erhabenen Effekt an den Stellen, an denen die Farbe aufgetragen wurde; der Offsetdruck, der für die Hintergrundmuster auf der Banknote verwendet wird, wird auf beiden Seiten gleichzeitig aufgetragen, so dass sie perfekt zueinander passen. Das Wasserzeichen, das bei Papiernoten üblich ist, ist dem OVD gewichen.“ Passend zum Jubiläum waren am 26. Januar 1988 die neuen Gedenkbanknoten emittiert worden. Owen W. Linzmayer berichtet in seinem Katalog, dass diese Scheine bereits nach kurzer Zeit wieder eingezogen wurden. Es hatte sich herausgestellt, dass das OVD des Durchsichtfensters leicht abgerieben werden konnte. Am 24. Oktober wurde dann eine fehlerfreie Version ausgegeben, bei der das OVD mit einer dünnen Plastikfolie überzogen war.[2] Möglicherweise handelt es sich hierbei um die Scheine ohne Datum mit dem Präfix „AB“. Von der Gedenkausgabe sollen insgesamt 17.500.000 Exemplare gedruckt worden sein. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] (10.01.2022) [2] Owen W. Linzmayer, The Banknote Book: Australia, 19.05.2021, S. 29.
- Die Deutsch-Südamerikanische Bank als Notgeld-Emittent in Torreón
Die Finanzgruppe Dresdner Bank, A. Schaaffhausenscher Bankverein und Nationalbank für Deutschland gründeten am 4. Januar 1906 die Deutsch-Südamerikanische Bank A.G. mit Sitz in Berlin und Hamburg. Die Eintragung ins Handelsregister erfolgte am 26. desselben Monats. Die Bank wurde mit einem Kapital von 20 Millionen Mark ausgestattet, von dem 25 Prozent sofort eingezahlt wurden. Der Rest folgte in Raten bis 1911. Bereits am 1. Juli nahm die Niederlassung in Buenos Aires (Argentinien) ihre Arbeit auf und am 10. Juni 1907 eröffnete die Bank eine Niederlassung in Mexico (Stadt).[1] Auch wenn diese Filiale im Geschäftsjahr noch nichts zum Gewinn beitragen konnte, war man mit ihrer Entwicklung in Berlin zufrieden. Der Bankvorstand warnte jedoch vor einer zu großen Euphorie: „Allerdings wird auch in Mexico die Entwicklung nur eine allmähliche sein, indem die Rückwirkung der Krisis in den Vereinigten Staaten sich fühlbar macht und in der Ausdehnung der Geschäfte zur Zurückhaltung mahnt.[2] [3] Abb. 1: Briefsiegel der Deutsch-Südamerikanischen Bank A.G. Die Wahl des Termins für den Beginn der geschäftlichen Tätigkeit in Mexiko schien günstig. Die mexikanische Regierung hatte die Währung des Landes neu geordnet und die bisherige freie Ausprägung von Silberpesos mit dem 15. April 1905 ausgesetzt. Neue Silberpesos wurden nur noch vom mexikanischen Schatzamt gegen Einzahlung von Gold ausgegeben und die gesamte mexikanische Silberproduktion der Kontrolle des Staates unterstellt. Das Ziel dieser Währungsreform war die Umstellung der mexikanischen Währung von Silber- auf Goldbasis. Der Kurs des Silberpesos galt fortan 50 US-Cents Gold.[4] Die mexikanische Regierung folgte bei ihrer Währungsumstellung einer allgemeinen internationalen Entwicklung, die im frühen 19. Jahrhundert von Großbritannien ausging. Im 19. und frühen 20. Jahrhundert sprach man von Geld und meinte damit Münzen, deren Wert durch Gewicht und Feingehalte bestimmt war. Das Wertverhältnis zwischen Gold und Silber galt ab 1795 mit der Einführung des „Franc de Germinal“ 15,5, d. h. Gold hatte den 15,5-fachen Wert des Silbers. Diese Wertrelation hatte lange Zeit bestand. 1821 wurde die Bank of England verpflichtet, ihre Pfundnoten in Goldmünzen einzulösen. Damit schuf Großbritannien die erste Währung, die auf dem Goldstandard beruhte. Aber erst mit der Peel’schen Bankakte 1844 wurde die Golddeckung der Banknoten verfügt. Im System der Goldwährung entsprach jede Währungseinheit einer gesetzlich festgelegten Gewichtsmenge an Gold. Eine Mark des Kaiserreichs z. B. 0,358423 Gramm Feingold. Da sich im Laufe des 19. Jahrhunderts die Goldwährung in den meisten Staaten durchsetzte, standen diese Währungen in einem festen Wertverhältnis zueinander, z. B. 1 Mark = 1,25 Francs. Die wirtschaftliche Entwicklung Mexikos war so verlockend, dass die Deutsch-Südamerikanische Bank 1910 im Norden des Landes, in Torreón, einer aufblühenden Stadt im Zentrum des Baumwolldistrikts, eine Filiale eröffnete. Jedoch änderte sich das politische Klima grundlegend. Seit 1876 regierte Präsident Porfirio Díaz als Diktator das Land mit eiserner Hand. Zwar hatte er das Mexiko modernisiert und die Wirtschaft angekurbelt, aber auch jede politische Opposition niedergeschlagen. Der krasse Gegensatz zwischen dem rasch steigenden Wohlstand der Elite und der Verarmung der Massen führte schließlich zur mexikanischen Revolution. Bei der manipulierten Wahl 1910 ging Díaz zwar als Sieger hervor, sein Herausforderer Francisco Madero rief jedoch aus seinem texanischen Exil zur bewaffneten Revolution auf. Überall im Land erhoben sich Rebellenarmeen gegen die amtierende Regierung, sodass Díaz schließlich sein Amt im Mai 1911 niederlegte und Madero am 6. November 1911 zum Präsidenten gewählt wurde. Die Erhebung gegen Díaz war der Beginn einer Serie von zum Teil überaus blutigen Kämpfen und Unruhen, die große Teile Mexikos erfassten und das Land bis weit in die 1920er Jahre nicht zur Ruhe kommen ließen. Der Geschäftsbericht für 1910 erwähnt, dass das Gebiet der Stadt Torreón zeitweise von der revolutionären Bewegung heimgesucht worden sei und dass die „Tätigkeit mit Rücksicht auf die politischen Unruhen zunächst mit großer Zurückhaltung aufgenommen“ wurde. Der Bankvorstand setzte weiter auf eine Expansion, so bezog die Niederlassung in Mexico (Stadt) Ende Oktober 1911 ein neues Bankgebäude und die Filiale in Torreón errichtete auf einem bereits früher hierfür gekauften Grundstück ein Lagerhaus für Baumwolle, um so eine bessere Kontrolle über die Finanzierung der Ernte zu erhalten.[5] Im Februar 1913 putschte die Armee und General José Victoriano Huerta Márquez übernahm am 19. Februar das Präsidentenamt. Drei Tage später wurde der rechtmäßige Präsident, Francisco Madero, beim Transport vom Nationalpalast zum Staatsgefängnis „auf der Flucht“ erschossen. Dem neuen und de facto diktatorisch regierenden Machthaber Huerta stellte sich eine Koalition nahezu aller revolutionärer Kräfte entgegen. Venustiano Carranza, Gouverneur von Coahuila rief das Volk auf, zu den Waffen zu greifen und den Usurpator zu vertreiben. Am 26. September 1913 beschlossen die wichtigsten Rebellenführer der Bundesstaaten Durango und Chihuahua bei ihrem Treffen in Jiménez den strategisch wichtigen Bahnknotenpunkt Torreón im Bundesstaat Coahuila anzugreifen. Den Oberbefehl über die Rebellenarmee, die als División del Norte von sich reden machte, übernahm Pancho Villa. Seiner vereinten Streitmacht – 6.000 bis 8.000 Mann, Bauern, Bergarbeiter, ehemalige Banditen und US-amerikanische Abenteurer – standen in der Schlacht um Torreón vom 29. September bis 1. Oktober 1913 etwa 3.000 Federales (Regierungstruppen) und Milizionäre gegenüber. Der Sieg markierte den Übergang Pancho Villas vom Guerillero zum Revolutionsführer. Da reguläre Zahlungsmittel fehlten und die Truppen entlohnt werden mussten, stellten sechs Banken in Torreòn – Deutsch-Südamerikanische Bank, Banco de Londres y México, Banco de Coahuila, Banco de la Laguna, Banco Minero und Banco Nacional de México – (Notgeld)-Schecks aus, die auf andere Banken gezogen waren. Die Mehrzahl der Schecks datieren vom 7. Oktober 1913 und lauten über 5, 10 und 20 Pesos. Die Deutsch-Südamerikanische Bank stellte Schecks auf die Banco de Londres y México und Banco Nacional de México aus und umgekehrt. 1. Tabelle: Scheckausgaben in Torreón 1913/14. Die Schecks wurden auf weißem Papier mit Fabrik-Wasserzeichen gedruckt und sind meist 180 mm x 90 mm groß. Die Vorderseite ist mit „SERIE ESPECIAL A“ überschrieben. Darunter links der Kontrollnummer und rechts das Ausgabedatum – meist 7- Oktober 1913. In der nächsten Zeile der Name der bezogenen Bank, z. B. Sudamerikanische[6] Bank (Berlin), es folgt „Sucursal en Torreón“ (= Filiale Torreón) und „Páguese al portador“ (zahlbar an Überbringer), dann die Wertangabe in Worten und schließlich der Name der ausgebenden Bank, z. B. Banco Nacional de México, und zwei Handunterschriften. Nur bei der Banco Minero wird als Zahlungsort „Gomez Placio, DGO“ angegeben. Der vierzeilige Text auf der Rückseite nennt den Ausgabegrund: „Este Cheque será reembolsado en cualquier tiempo en giros / sobre México á la vista y á la par, ó en dinero efectivo al quedar / definitimente abierto el tráfico ferrocarrilero con la Capital de la / República.“ (Dieser Scheck wird jederzeit in Wechseln auf Mexiko bei Sicht und zum Nennwert oder in bar erstattet, sobald der Eisenbahnverkehr mit der Hauptstadt der Republik endgültig eröffnet ist.). Dann folgt der Hinweis: „Sin estampilla por estar clausurada la Administración del Timbre.“ (Ohne Stempel aufgrund der Schließung der Stempelverwaltung.) Abb. 2.1: DAB-70b, 5 Pesos, Notgeldscheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank (Berlin) auf Banco Nacional de México, Vorderseite.[7] Abb. 2.2: DAB-70b, 5 Pesos, Notgeldscheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank (Berlin) auf Banco Nacional de México, Rückseite.[7] Abb. 3.1: DAB-74, 10 Pesos, Notgeldscheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank (Berlin) auf Banco de Londres y México, Vorderseite.[7] Abb. 3.2: DAB-74, 10 Pesos, Notgeldscheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank (Berlin) auf Banco de Londres y México, Rückseite.[7] Abb. 4.1: DAB-76, 5 Pesos, Notgeldscheck der Banco Nacional de México auf Deutsch-Südamerikanische Bank (Berlin), Vorderseite. Abb. 4.2: DAB-76, 5 Pesos, Notgeldscheck der Banco Nacional de México auf Deutsch-Südamerikanische Bank (Berlin), Rückseite. Abb. 5.1: 20 Pesos, DAB-81a, Notgeldscheck der Banco de Londres y México auf Deutsch-Südamerikanische Bank (Berlin), Vorderseite.[7] Abb. 5.2: DAB-81a, 20 Pesos, Notgeldscheck der Banco de Londres y México auf Deutsch-Südamerikanische Bank (Berlin), Rückseite.[7] Scheine kommen auch mit dem Stempelabdruck „Falso“ vor. Die Bedeutung ist unklar, da auch diese Noten Originale sind und keine Fälschungen. Aufgrund der einheitlichen Ausführung der Schecks ist anzunehmen, dass alle bei „C. Montauriol, Torreón“ gedruckt wurden. Über die Umlaufdauer der Notgeldschecks ist nichts genaues bekannt. Man vermutet, dass sie über eine längere Zeit als Zahlungsmittel verwendet wurden; wahrscheinlich bis 1915 oder sogar noch länger. Abb. 6.1: 10 Pesos, Notgeldscheck der Banco de la Laguna auf Banco Minero mit Stempel „FALSO“, Vorderseite. Abb. 6.2: 10 Pesos, Notgeldscheck der Banco de la Laguna auf Banco Minero, Rückseite, Quelle: ebay Im Geschäftsbericht für das Jahr 1913 ist zu lesen, dass „die innerpolitischen Unruhen … dem Wohlstand des Landes schwere Wunden [zugefügt haben]. Besonders wurden im Norden der Republik liegende Centren der Minen- und Baumwolldistrikte durch die Kämpfe … in Mitleidenschaft gezogen. Eine Reihe von industriellen Betrieben musste in diesen Gegenden ganz schliessen. Die besonders reiche Baumwollernte konnte nur zum Teil gepflückt werden und der Versand an die Konsumenten infolge der fortwährenden Zerstörung der Eisenbahnlinien nur sehr schleppend erfolgen. Wir haben gegen Jahresende unsere Filiale Torreón bis zur Wiederkehr geordneter Verhältnisse geschlossen.“ Es sollte bis 1920 dauern, bis die Filiale in Torreón wieder ihre Pforten öffnete. Im Geschäftsbericht für 1913 heißt es weiter: „Die mexikanische Währung, deren Stabilität seit Bestehen des neuen Währungsgesetzes (1905) eine recht gute genannt werden konnte, brach im Berichtsjahr vollständig zusammen, indem der Kurs gegen Jahresende auf 1,45 fiel gegenüber einem normalen Stand von 2,09. Infolge der unsicheren Verhältnisse ist der Kurs inzwischen auf etwa 1,19 [April 1914, Anm. d. Verf.] heruntergegangen. Hand in Hand hiermit ist naturgemäß eine Verteuerung aller Lebensbedürfnisse eingetreten.“ Im Geschäftsbericht 1915 dann: „Besonders der Geldumlauf bedarf dringend einer Ordnung … Abgesehen von den Noten der verschiedenen Emissionsbanken, sind ungefähr 700 Millionen Pesos an Billets im Umlauf, die von der gegenwärtigen Regierung anerkannt sind. Der Kurswert dieser Billets stellte sich Ende 1915 auf ungefähr 5 Cents amerikanisches Gold und fiel bis Mitte 1916 auf ca. 2 ½ Cents nach einem niedrigsten Kurs von 1,65 Cents. … Eine gewisse Vereinheitlichung erfolgte im Juni 1916 durch den Umtausch von 20 verschiedenen kleineren Emissionen in eine neue Ausgabe, sogenannte ‚infalsificables“, der die Regierung einen Goldwert von 10 Cents amerikanisches Gold beilegte. Die Festsetzung des Wertverhältnisses zwischen den umzutauschenden Billets behielt sich die Regierung vor; im freien Verkehr wurden die neuen Noten mit 1 zu 4 gegen alte angenommen. Die Regierung erklärte den Gesamtumlauf auf 500 Millionen Pesos herabmindern zu wollen.“ Während des Ersten Weltkriegs konnte in den neutralen Staate Argentinien, Chile und Mexiko der Bankbetrieb aufrechterhalten werden. Nachdem Brasilien im November 1917 dem Deutschen Reich den Krieg erklärte, wurde die Niederlassung in Rio de Janeiro unter Zwangsverwaltung gestellt, die am 9. August 1919 wieder aufgehoben wurde. Abb. 7.1: Scheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank, ausgestellt in Rio de Janeiro am 19. August 1921 über 10.000 Mark, Vorderseite. Abb. 7.2: Scheck der Deutsch-Südamerikanischen Bank, ausgestellt in Rio de Janeiro am 19. August 1921 über 10.000 Mark, Rückseite. Abb. 8: Scheck der Deutsch-Südamerikanische Bank, ausgestellt in Berlin am 2. Dezember 1935 über 350 RM, Vorderseite. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Zentrale der Bank von Berlin nach Hamburg verlegt und die unterbrochene Arbeit in Übersee wieder aufgenommen. 1996 wurde die Deutsch-Südamerikanische Bank in Dresdner Bank Lateinamerika AG umbenannt. Zu dieser Zeit hatte sie eine Bilanzsumme von 11,4 Mrd. Euro und beschäftigte etwa 1.100 Mitarbeiter. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] 1909 folgte eine Niederlassung in Valparaiso (Chile) und 1910 in Santiago (Chile) und Rio de Janeiro (Brasilien). [2] Geschäftsbericht 1907 der Deutsch-Südamerikanischen Bank, Aktiengesellschaft. [3] Zur Finanzkrise siehe: Uwe Bronnert, Ein Börsenbeben führte zur Gründung der „Fed“. , 23/2020. [4] Vgl. Bruno Simmersbach, Währungsreform und Budget in Mexiko, in: Finanzarchiv (1906), Jg. 23, Bd. 1, S. 170 ff. [5] Geschäftsbericht 1911 der Deutsch-Südamerikanischen Bank, Aktiengesellschaft. [6] Immer „u“ statt „ü“ in Südamerikanische Bank. [7] Quelle: Hans-Ludwig Grabowski, Die deutschen Banknoten ab 1871, 22. Überarbeitete und erweiterte Auflage, Regenstauf 2020/2021
- Griechenland 1941/42 – ungewöhnliche Ereignisse erfordern ungewöhnliche Maßnahmen
Am 6. April 1941 rückten deutsche und bulgarische Truppen in Griechenland ein, um dem verbündeten Italien zur Hilfe zu kommen. Die Nachfrage nach Banknoten stieg sprunghaft an, da die Menschen in Erwartung der Schwierigkeiten der bevorstehenden Besetzung eilig lebensnotwendige Lebensmittel und Waren kauften. Darüber hinaus veranlasste die ungewisse Zukunft die griechische Bevölkerung verstärkt Bargeld zu horten, sodass schon bald Zahlungsmittel knapp wurden. Auf diese Situation war die Bank von Griechenland nicht hinreichend vorbereitet. Der Bankvorstand sah sich gezwungen, auf eine ungewöhnliche Art Abhilfe zu schaffen. Am 25. April 1941 kündigte er an, alle im Umlauf befindlichen Banknoten, die aufgrund von Abnutzung bereits eingezogen, aber noch nicht vernichtet worden waren, wieder in Umlauf zu setzten. Jedoch war eine große Menge dieser Scheine, um einen Missbrauch zu verhindern, bereits mit sechs Stanzlöchern versehen und damit entwertet worden. Zusätzlich trugen sie meistens einen Kastenstempel mit „AKYRON“ (UNGÜLTIG) und weiteren Angaben. Diese eigentlich ungültigen Banknoten wurden durch Verordnung 45 der Bank am 14. Mai 1941 wieder ausgegeben. Sie zirkulierten fast ein Jahr lang, bis sie durch Verordnung 37 vom 1. Januar 1942 mit der ergänzenden Verordnung 30 vom 31. März 1942 am 1. April 1942 endgültig aus dem Verkehr gezogen und gegen neue Noten umgetauscht wurden. Am 14. Mai 1941 waren die folgenden Noten der Bank von Griechenland im Umlauf: Theoretisch können alle diese Noten mit Entwertungsstempel und -lochung wieder ausgegeben worden sein. Bisher sind die mit dem Stern (*) gekennzeichneten Ausgaben nachgewiesen. Die mit der Raute (#) gekennzeichneten Noten kommen auch ohne den Aufdruck des neuen Banknamens ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ vor. Die bekannten Kataloge verzeichnen wohl, dass entwertete 5.000-Drachmen-Banknoten (+) wieder ausgegeben wurden, die Veröffentlichungen der Bank von Griechenland führen diese jedoch nicht auf. Abb. 1.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 15. Oktober 1926, 1000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 1.2: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 15. Oktober 1926, 1000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 2.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 4. November 1926, 1000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 2: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 4. November 1926, 1000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 3.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 24. Mai 1927, 50 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 3.2: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 24. Mai 1927, 50 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 4.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1932, 5000 Drachmen, Vorderseite. Abb. 4.2: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1932, 5000 Drachmen, Rückseite. Abb. 5.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. Oktober 1932, 500 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 5.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. Oktober 1932, 500 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 6.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1935, 50 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 6.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1935, 50 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 7.1: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1935, 100 Drachmen, Vorderseite. Abb. 7.2: ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ, 1. September 1935, 100 Drachmen, Rückseite. Das Fehlen anderer Scheine in gelochter Form ist wahrscheinlich auf die Tatsache zurückzuführen, dass diese Ausgaben und Stückelungen erst kurze Zeit im Umlauf und daher noch nicht abgenutzt genug waren, um sie gegen neue Banknoten auszutauschen bzw. es waren von den eingezogenen Scheinen keine (nennenswerten) Bestände mehr vorhanden. Außerdem halten nur wenige Leute aktuelle Banknoten für Sammlerzwecke zurück, besonders in Zeiten großer Instabilität wie in den ersten Monaten der deutschen Besatzung. In der Regel wurden die Banknoten zur Entwertung mit sechs Stanzlöchern versehen. Ein Vergleich der Lochung zeigt, dass mit verschiedenen Locheisen gearbeitet wurde. Vier Lochgrößen lassen sich unterscheiden: sehr klein, etwas größer, „normal“ und groß. Außerdem gibt es Unterschiede in dem Rechteck, das die Löcher bilden. Normalerweise bedecken die sechs Löcher eine Fläche von 75 x 40 mm; seltener sind Rechtecke von 65 x 40 mm, 60 x 40 mm oder 75 x 35 mm. Scheine, die eine 9- oder 12fach-Lochung aufweisen dürften durch Doppelentwertungen entstanden sein. Auf der Rückseite haben die lochentwerteten Noten einen Kastenstempel, einzig in der Gegend um Athen-Piräus scheint man darauf verzichtet zu haben. Der Stempel besteht aus vier Zeilen: Die 1. Zeile nennt den Namen der Bank „ΤΡΑΠΕΖΑ ΤΗΣ ΕΛΛΑΔΟΣ“, die 2. Zeile den Namen des Ortes der Bankfiliale, die 3. Zeile gibt das Jahr bzw. das komplette Datum der Einziehung an und in der 4. Zeile steht immer „AKYPON“ (Ungültig). Wie aus den Daten der Stempel ersichtlich, wurden sie in den Jahren 1932 bis 1941 eingezogen. Am häufigsten sind die Jahre 1938 und 1939 anzutreffen. Da die eingezogenen und wieder ausgegebenen Banknoten der griechischen Notenbank immer noch preiswert zu erwerben sind, bietet sich hier für den Sammler die Möglichkeit eine Spezialsammlung aufzubauen. Uwe Bronnert Literatur: Hans-Ludwig Grabowski unter Mitarbeit von Henning Huschka und Wolfgang Schamberg, Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung im Ersten und Zweiten Weltkrieg, Regenstauf 2006. Manousopoulos Spiros, The Circulation of Cancelled and Perforated Banknotes from Hellas 1941 – 1942, o. O., 2013. National Bank of Greece – Welfare Foundation for Social and Cultural Affeirs, Greek Banknotes, A Journey, 1822 – 2002, Athens 2005
- Das Brandenburger Tor: Symbol deutscher Teilung – Symbol deutscher Einheit
Es gibt sicherlich nur wenige deutsche Bauwerke, die so geschichtsträchtig und symbolbehaftet sind wie das Brandenburger Tor in Berlin. Mit seiner monumentalen Schlichtheit krönt es die Straße „Unter den Linden“ als architektonischer Blickpunkt, als Eingangspforte und festlicher Abschluss. Es gehört zu den schönsten und größten Schöpfungen des deutschen Klassizismus. In den stürmischen Jahren der Französischen Revolution und am Wendepunkt zweier Epochen erbaut, wurde es zugleich zu einem ersten baulichen Zeugnis einer neuen, vom Bürgertum mitbestimmten Zeit. Seit fast zwanzig Jahre begegnet uns dieses Denkmal deutscher Geschichte regelmäßig bei Zahlungsvorgängen. Nachdem Mitte Juni 1997 die europäischen Regierungschefs auf ihrem Gipfeltreffen in Amsterdam die Entwürfe der gemeinsamen Wertseiten der zukünftigen Euromünzen der Öffentlichkeit vorgestellt hatten, billigte am 17. September 1997 das Bundeskabinett die Entwürfe für die nationalen Rückseiten der deutschen Euro-Münzen. Für Eichenzweig (1, 2 und 5 Cent), Brandenburger Tor (10, 20 und 50 Cent) und Bundesadler (1 und 2 Euro) hatte sich bereits das deutsche Preisgericht am 30. Juni 1997 ausgesprochen. 50 Eurocent, 2004, (alte) Vorderseite und gemeinsame Rückseite. Da die Gestaltung der europäischen Münzseiten sehr feingliedrig und belebt ist, „hielt es das Preisgericht für notwendig, die nationale Münzseite großzügiger und unter Beachtung besonders wichtiger nationaler Symbole zu gestalten. Vom Inhalt entschied sich die Jury für Symbole, die - jeweils auf spezifische Art - als typisch deutsch, sowohl von der eigenen Bevölkerung als auch international erkannt und verstanden werden.” [1] Für die mittleren Werte zu 10, 20 und 50 EURO-CENT wählte die Jury das Brandenburger Tor als sinnstiftendes Bauwerk, das von allen deutschen Bauwerken den höchsten Symbolwert besitzt. „Es steht im zu Ende gehenden Jahrhundert für die Teilung und auch für die Einheit Deutschlands und Europas. Die perspektivische Erweiterung in der Gestaltung des Motivs betont die Durchlässigkeit des Tores und weist so besonders auf die wiedergewonnene deutsche und europäische Einheit hin. - Der Entwurf stammt von dem Medailleur Reinhard Heinsdorff, Friedberg.“[2] Allerdings musste dieser geringfügig geändert werden, da die Stellung der zwölf Sterne nicht den gemeinsamen Vorgaben entsprach. Bleibt noch anzumerken, dass die gemeinsame Wertseite von Luc Luycx vom Königlichen Münzamt in Brüssel entworfen wurde. König Friedrich Wilhelm II. von Preußen beauftragte den Baumeister Carl Gotthard Langhans für das im Mai 1788 abgebrochene alte Stadttor ein repräsentatives neues Tor zu planen. Es galt einen würdigen architektonischen Abschluss für die Straße „Unter den Linden” zu schaffen, der Prachtstraße des preußischen Staates mit ihren Palästen, öffentlichen Gebäuden und Immediathäusern. Langhans entwarf ein monumentales Tor nach dem Vorbild der Propyläen auf der Akropolis von Athen. In nur zweijähriger Bauzeit entstand eine 65,50 m breite und 11 m tiefe Toranlage mit fünf Durchfahrten. Um den vorgesehenen plastischen Schmuck, die 20 Reliefs auf den Scheidewänden, das Flachrelief auf der Attika, die 32 Metopen sowie die Statuen und Medaillons fertigzustellen, wurden aus Berlin und Potsdam Künstler herangezogen. Der bekannte Bildhauer Gottfried Schadow lieferte die Zeichnungen und einige Gipsmodelle für die Quadriga. Das Viergespann wird von einer auf einem zweirädrigen Siegeswagen stehenden Friedensgöttin gelenkt. Die Ausführung der Göttin in doppelter Lebensgröße übernahm der Potsdamer Kupferschmied Emanuel Jury. Da Schadow für die Figur nur eine Skizze entworfen hatte, stand Jurys Cousine Rieke Modell. Ihr Vater Samuel Heinrich Jury betrieb im sogenannten Bullenwinkel am Hausvogteiplatz eine Schmiedewerkstatt. Da die Zahl der Lehrlinge und Gesellen durch Gesetz begrenzt war, mussten ihm seine zwölf Töchter tüchtig helfen. Die kräftige junonische Gestalt der Rieke Jury war daher wie kaum eine andere geeignet, Modell für die Göttin zu stehen. Da das Bauwerk ursprünglich als Teil der Stadtbefestigung errichtet worden war, erhielt es neben den hölzernen Toren, die bei Nacht geschlossen wurden, eiserne Gittertore, um am Tage die Aussicht auf den schönen Tiergarten nicht zu versperren. Die vier Seitenöffnungen hatten eine Weite von 3,79 m, die mittlere war 5,65 m breit. Sie war für die Karossen der königlichen Familie bestimmt. Nahte im lebhaften Verkehr ein königlicher Wagen, dann hatte dies die Wache pflichtgemäß zu bemerken, herauszustürzen und das Gewehr zu präsentieren. Alle übrigen Wagen und Reiter mussten die Durchfahrten zu linker Hand benutzen, die Fußgänger konnten durch alle vier Durchgänge gehen. Wer das Stadttor passierte, wurde streng visitiert, musste sich ausweisen, sein Gepäck vorlegen und akzisepflichtige Waren versteuern. Langhans hatte keinen Zweifel darüber gelassen, dass er am Brandenburger Tor den Sieg des Friedens über den Tod dargestellt sehen wollte. Das Attikarelief sollte die „Göttin des Friedens mit einem Ölzweige und Lorbeerkranze in den Händen“ zeigen. Auch 1791 wurde in einem ministeriellen Erlass, der in den Akten der Königlichen Ministerial-Militär- und Baukommission überliefert ist, die Bezeichnung „das Friedenstor“ verwendet. Am 6. August 1791 wurde das neuerrichtete Brandenburger Tor nüchtern und ohne jede Feierlichkeit für den Verkehr freigegeben. Als Wahrzeichen Berlins wurde es bald Zeuge von Triumphzügen, Paraden, Empfängen und anderen historischen Ereignissen. Kurze Zeit nach der Vollendung des Tors kommentierten Zeitgenossen jedoch den Zug des Friedens auf dem Relief bereits als eine Kampfszene und als Verherrlichung einer „vaterländischen Heldentat“: Kurfürst Albrecht Achilles erobert im Kampf gegen die Nürnberger eine Fahne. Die offiziöse Geschichtsschreibung folgte dieser Glorifizierung des Krieges allzu gern, insbesondere als das Tor dann als Triumph-Pforte Verwendung fand. Knapp zwei Wochen nach der Schlacht bei Jena und Auerstedt, die den vorläufigen militärischen und politischen Zusammenbruch Preußens besiegelte, hielt am 27. Oktober 1806 Napoleon Bonaparte Einzug in die preußische Hauptstadt. In einem seiner ersten Befehle forderte der siegesberauschte Kaiser auch die Entfernung der Quadriga, nicht etwa wegen ihres künstlerischen Wertes, sondern um die Besiegten durch die Beschlagnahme des Wahrzeichens ihrer Hauptstadt zu demütigen. Die Quadriga sollte als Kriegstrophäe einen Triumphbogen in Paris krönen, durch den die Armee beim großen Siegesfest ihren Einzug halten sollte. Eine Deputation unter der Führung Schadows überreichte vergebens eine Bittschrift. Friedensgöttin und Wagen wurden abgenommen, in mehrere Teile zerlegt, in 12 Kisten verpackt und am 21. Dezember 1806 über Hamburg auf dem Wasserweg nach Paris transportiert. Am 17. Mai 1807 trafen sie dort ein, zusammen mit 80 bis 100 Kisten, angefüllt mit anderen aus Berlin und Potsdam geraubten Kunstgegenständen. Nach der Niederlage Napoleons kehrte die Quadriga in einem wahren Triumphzug von Paris über Brüssel, Düsseldorf und Hannover nach Berlin heim. Die sechs Frachtwagen mit ihren mächtigen Kisten wurden festlich empfangen und mit Blumen und Kränzen geschmückt. Als am 7. August 1814 das siegreiche preußische Heer durch das Brandenburger Tor und die festlich geschmückte Lindenallee marschierte, wurde es auch von der Quadriga begrüßt. Die Friedensgöttin erhielt jetzt gegen den Willen Schadows anstelle des antiken Lorbeerkranzes mit seinem römischen Adler eine Standarte mit dem Eisernen Kreuz[3] umgeben von einem Eichenlaubkranz und einem darüber schwebenden preußischen Adler. Aus dem „Tor des Friedens“ wurde ein „Denkmal des Befreiungskrieges“ und Eirene, die Göttin des Friedens, zur Siegesgöttin Victoria. Seit dem Einmarsch Napoleons von 1806 nahmen fast alle Triumphzüge, Paraden und Empfänge ihren Weg durch das mächtige Brandenburger Tor. So blieb es auch bei den Nationalsozialisten, deren Fackelzüge schließlich in den wahnwitzigen Zweiten Weltkrieg mündeten. Um die Mittagsstunde des 21. April 1945 schlugen „Unter den Linden“ die ersten sowjetischen Granaten ein. SS-Einheiten machten die einstige Prachtstraße und den Reichstag zum Schauplatz eines sinnlosen „Endkampfes“. Erst am 1. Mai konnte die Rote Armee zum Brandenburger Tor vorrücken, während der Reichstag bereits besetzt war und auf seiner Kuppel seit dem 30. April die rote Fahne der UdSSR wehte. Der Rest ist nur zu gut bekannt. Die leidvolle Teilung Deutschlands und Berlins, der Volksaufstand von 1953, bei dem die Massen auch durch das Brandenburger Tor zogen, die Errichtung und Verbarrikadierung einer Grenze mitten durch die Stadt, so dass seit 1961 das Tor nicht mehr passiert werden konnte und es ein weit abgesperrter Teil der DDR-Grenzanlagen wurde. Im November 1989 gingen von diesem deutschen Schicksalstor Bilder und Meldungen durch die Medien, lange ersehnt, für viele unfassbar. Nach 28 Jahren trafen sich hier wieder Menschen aus beiden Teilen der Stadt wie des Landes. Auch strömender Regen hielt Zehntausende am Nachmittag des 22. Dezember 1989 nicht davon ab, als das Tor wieder geöffnet wurde. Kamera-Teams aus dem In- und Ausland waren postiert, Friedenstauben stiegen als Hoffnungszeichen in den regenverhangenen Himmel. Am 3. Oktober 1990 wurde nicht weit von hier – vor dem alten Reichstagsgebäude – die Wiedervereinigung Deutschlands verkündet. Die Toranlage zeigte bei Kriegsende schwere Schäden. Nach ersten Sicherungsarbeiten wurde sie dann in den Jahren 1956/57 in einem umfangreichen Rekonstruktionsprogramm wieder instandgesetzt. Von der Quadriga waren nur einige wenige Stücke erhalten geblieben. Die Bild- und Bronzegießerei von Hermann Noack in Friedenau fertigte nach einem Gipsabdruck, der während des Kriegs angefertigt worden war, die Quadriga neu. Der Eichenlaubkranz, über dem sich der gekrönte preußische Adler mit ausgebreiteten Schwingen emporreckte, wurde 1958 beseitigt und verschwand bis zur erneuten Restaurierung 1990/91 in den Depots des Märkischen Museums. Zur Erinnerung an die Öffnung des Brandenburger Tors am 22. Dezember 1989 gab die Staatsbank der DDR am 3. April 1990 20 Mark-Münzen aus. Der Entwurf zu dieser Münze stammt vom Bildhauer und Medailleur Wilfried Fitzenreiter. Die Prägung erfolgte in zwei Ausführungen, sowohl als Sonder- als auch Gedenkmünze, in der VEB Münze der DDR, Berlin. 20 Mark, Gedenkmünze der Deutschen Demokratischen Republik, 1989, Ausgabe zur Erinnerung an die Öffnung des Brandenburger Tors am 22. Dezember 1989, Vorder- und Rückseite. Anfang 1994 wurden dann die Sammler von der Meldung überrascht, dass die Staatsbank der DDR seinerzeit auch eine „Gedenk“-Banknote im Wert zu 20 Mark habe herstellen lassen. Diese Note ist in mehrerer Hinsicht bemerkenswert, da hier erstmals eine Banknote gedruckt wurde, die nach dem Willen des Emittenten keine Zahlungskraft haben sollte. 20 Mark, Staatsbank der DDR, 22.12.1989, Vorder- und Rückseite. „SONDERDRUCK, KEIN GESETZLICHES ZAHLUNGSMITTEL“ ist auf Vorder- und Rückseite zu lesen. Im Gegensatz zu den damals kursierenden Banknoten gleichen Wertes mit dem Aufdruck „Staatsbank der DDR . Zwanzig Mark der Deutschen Demokratischen Republik . 1975“ liest man nun „Zwanzig Mark . Staatsbank der DDR . 22.12.1989“, darunter ebenfalls erstmals die Faksimile-Unterschrift des Präsidenten der Staatsbank, Kaminsky, und das Wappen der Stadt Berlin. Statt Goethes Kopfbild ziert die rechte Seite das von Carl Gotthard Langhans 1788–1791 errichtete Brandenburger Tor. Auf dem linken Schaurand eine große 20 und am oberen Rand die siebenstellige Kontrollziffer. Die vorgesetzten Serienbuchstaben GB könnten für „GedenkBanknote“ stehen. Die Rückseite zeigt links die Quadriga mit der Friedensgöttin. Am rechten Rand das Staatswappen der DDR. Im mittleren Feld in fünf Zeilen der Ausgabeanlass „HERAUSGEGEBEN VON DER STAATSBANK . DER DDR . ANLÄSSLICH DER ÖFFNUNG DES . BRANDENBURGER TORES . DEZEMBER 1989“. Als Druckfirma wird am unteren Rand die „VEB Wertpapierdruckerei der DDR“ in Leipzig genannt. Die Scheine fallen mit 147 mm x 60 mm erheblich größer aus als die im Umlauf befindlichen Noten. Auch die Farbe weicht vom grünen Vorbild ab. Ansonsten weist die Note Sicherheitsfaden und Fasereinlagen auf. Im Januar 1990 sollen von den farbenfrohen Scheinen 530.000 an die Staatsbank in Berlin geliefert worden sein. Nach der Wiedervereinigung wurde die Staatsbank Berlin[4] Rechtsnachfolgerin der Staatsbank der DDR. Sie ließ im Frühjahr 1992 die bei ihr gelagerten Bestände unter neutraler Aufsicht bis auf ein Stück vernichten. Eine größere Anzahl von Scheinen müssen aber diesem Schicksal entgangen sein, denn in der Auktion 66 versteigerte am 2. März 1994 das Tempelhofer Münzenhaus Heinz Senger in Berlin drei Exemplare und in der Folgezeit immer wieder weitere Scheine. Wurde bei der ersten Auktion noch ein Höchstpreis von 2100 DM plus Aufgeld erzielt, liegt heute der Preis bei ca. 350 €. Ursprünglich waren die Noten zu 100 Stück = 2000 Mark gebündelt. Die Kontrollziffern der angebotenen Noten lagen zwischen GB 0385301 und GB 0383500 bzw. GB 0363517 und GB 0363587. Somit dürfen mindestens 300 Stück vorhanden sein. Allerdings wurde 1999 bei einer Auktion eines anderen Hauses erstmals ein Schein – Kennziffer GB 0421150 – angeboten, der nicht in die genannte Serie passt. 100 Mark der Deutschen Notenbank DDR, 1964, Vorder- und Rückseite. Bereits am 1. August 1964 gab die Deutsche Notenbank eine neue Banknoten-Serie in den Umlauf; unter ihnen auch ein 100-Mark-Schein, der auf der Rückseite das Brandenburger Tor und erstmals auch das Staatswappen der DDR zeigt. Die Vorderseite bildet das Porträt von Karl Marx ab und nennt neben dem Emittenten auch das Ausgabeland „DDR“. Der Geldschein ist in Blau gehalten und hat eine Größe von 155 mm x 73 mm. Das weiße Papier zeigt als Wasserzeichen auf dem Schaurand ebenfalls das Kopfbildnis. Der Schein wurde im Tiefdruckverfahren, und wie die Ziffern der Kontrollnummern beweisen, bei der staatlichen Banknotendruckerei Goznak in der UdSSR gedruckt. Er war bis zum 31. Dezember 1982 gesetzliches Zahlungsmittel und wurde noch bis zum 1. Januar 1984 eingelöst. 5 Mark, Deutsche Demokratische Republik, 1971, Vorder- und Rückseite. Darüber hinaus gab die DDR eine 5- Mark-Münze aus Neusilber mit einem Durchmesser von 29 mm einem Gewicht von 9,0 g aus, die auf der Rückseite das Brandenburger Tor abbildet. Die Umschrift lautet „HAUPTSTADT DER DDR BERLIN“. Die Vorderseite zeigt das Staatswappen mit Umschrift „DEUTSCHE DEMOKRATISCHE REPUBLIK 1971 5 MARK“. Über dem Staatswappen das Münzzeichen A für die Münze der DDR, Berlin. Der glatte Rand trägt die Inschrift „5 MARK * 5 MARK * 5 MARK * 5 MARK *“. Die Münze war seit dem 8. Mai 1972 im Umlauf und wurde wie die übrigen gesetzlichen Zahlungsmittel der DDR zum 30. Juni 1990 ungültig.[5] Der Entwurf stammt vom Berliner Grafiker, Professor Axel Bertram, und dem Bildhauer und Medailleur Wilfried Fitzenreiter. Die Münze wurde in den folgenden Jahren mit veränderter Jahreszahl weiter geprägt. 10 Mark, Gedenkmünze der Deutschen Demokratischen Republik, 1989, Johann Gottfried Schadow 1764 – 1850, Rück- und Vorderseite. Mit der Jahreszahl 1989 gab die DDR eine 10-Mark-Gedenkmünze zum 225. Geburtstag von Johann Gottfried Schadow aus. Der Entwurf stammt von A. Kahane und Gerhard Rommel. Sie wurde in einer Auflage von 42.200 Stück geprägt, wiegt bei einem Durchmesser von 31 mm 17,0 g und besteht aus einer Legierung von 500/1000 Silber und 500/1000 Kupfer. Die Rückseite zeigt die Quadriga, darüber im Halbkreis „JOHANN GOTTFRIED SCHADOW“, unten seine Lebensdaten „1764 – 1850“. Auch in der Bundesrepublik wurde das Brandenburger Tor als Motiv aufgegriffen. Am 18. Dezember 1991 begann man mit der Ausgabe einer 10-DM-Münze zur „Erinnerung an 200 Jahre Brandenburger Tor (1791 – 1991) - Symbol der Deutschen Einheit“, die gewissermaßen auch an den ersten Jahrestag der Wiedervereinigung am 3. Oktober 1990 erinnerte. Die Prägung besorgte die Münze Berlin (Prägebuchstabe „A“). Die Auflage betrug 8 Millionen, sowie 450.000 in Polierter Platte. Die Randschrift lautet: „DEUTSCHLAND EINIG VATERLAND”. Zur Ausführung gelangte nach dem Beschluss des Bundeskabinetts vom 25. September 1991 der Entwurf des Medailleurs Erich Ott, München, der „im besten Sinne handwerklich vollendet durchgearbeitet [ist]. Er gibt eine prägnante reduzierte Wiedergabe des Brandenburger Tores.“[6] So das Preisgericht, das diesen Entwurf mit dem 4. Preis bedacht hatte. 5 DM, Deutsche Bundesbank, 1. August 1981, Vorder- und Rückseite. Am 27. Oktober 1992 gab die Bundesbank die neue 5-DM-Banknote in den Verkehr. Während man für die Vorderseite das Brustbild der Schriftstellerin Bettina von Arnim (geborene Brentano, * 4.4.1785, + 20.1.1859) im Alter von 24 Jahren wählte, war die Gestaltung der Rückseite lange umstritten. Nach der Wiedervereinigung „bot sich als Motiv das Brandenburger Tor an, das zu Lebzeiten Bettinas erbaut und eingeweiht wurde. Hinzu kam natürlich, dass dieses Bauwerk inzwischen zum unumstrittenen Symbol für die staatliche Einheit Deutschlands geworden war und somit der 5-DM-Note einen eindeutig gesamtdeutschen Charakter verlieh.“[7] Die 62 mm x 122 mm große, grünlich-gelbe Note vom 1. August 1991 zeigt das Brandenburger Tor von Osten aus einer leicht seitlichen Perspektive mit der restaurierten Quadriga. Die Entwürfe zu dieser Banknote stammen vom Grafiker Reinhold Gerstetter, der auch die anderen Noten dieser Serie entwarf. Der Schaurand gibt, von einem Briefumschlag unterlegt, Unterschriften bedeutender Persönlichkeiten wider. Mit einigen von ihnen stand Bettina von Arnim in einem regen Briefwechsel. Ebenso zeigt der Schaurand ihr Brustbild als Wasserzeichen. Auch im Unterdruck der Vorderseite sollte ursprünglich das Brandenburger Tor vorkommen, wurde allerdings dann durch die Silhouette der Museumsinsel ersetzt. Den Druck dieser Banknote besorgte die Bundesdruckerei in Berlin, wie man unschwer an den Ersatzbanknoten mit dem vorangestellten Y erkennen kann. So mancher Sammler deutscher Münzen schüttelte den Kopf, dass es 2013 keine Gedenkprägung zur Völkerschlacht bei Leipzig gab, dafür aber eine für Schneewittchen. „Als dann im Prägeprogramm für 2014 Hänsel und Gretel herumirren durften, aber keine Münze vorgesehen war zu dem wunderbarsten Ereignis der jüngeren deutschen Geschichte, dem Mauerfall vor 25 Jahren, wollten viele gar nicht glauben, dass man so geschichtslos sein kann. Aber es sollte noch schlimmer kommen: Das Gedenkmünzenprogramm für 2015 sah u.a. Dornröschen vor, aber nicht die deutsche Wiedervereinigung, das Ausgangsereignis der heutigen Bundesrepublik.“[8] In letzter Sekunde erkannte die Bundesregierung ihren Fauxpas. Am 4. Juni 2014 beschloss sie, dass im Januar 2014 eine 2-Euro-Gedenkmünze an dieses Ereignis erinnern sollte. „In einer Hauruck-Aktion ohne Ausschreibung eines Wettbewerbs, sondern mit Griff in die Mottenkiste alter Entwürfe wurde eine Gedenkmünze „[25 Jahre] Deutsche Einheit“ hervorgezaubert.“[9] Der Entwurf der nationalen Seite stammt vom Künstler Bernd Wendhut aus Bernkastel-Kues, der beim Wettbewerb „20 Jahre Deutsche Einheit“ 2010 den 2. Preis gewann. 2 Euro, Bundesrepublik Deutschland, 2015, Vorder- und Rückseite. Die Bildseite zeigt von den üblichen Sternen begrenzt jubelnde Menschen vor dem Brandenburger Tor. Sie verkörpern Aufbruch und Neubeginn. Ihre Willensbekundung „Wir sind ein Volk“, die den Weg zur deutschen Wiedervereinigung repräsentiert, findet sich auf der rechten Seite der Darstellung wider, während links der Anlass der Ausgabe genannt wird: „25 Jahre Deutsche Einheit 2015“. Die gemeinsame europäische Wertseite und die technischen Parameter entsprechen denen der normalen 2-Euro-Münze. Die Randumschrift lautet: „Einigkeit und Recht und Freiheit“. Insgesamt 30 Millionen Münzen wurden in den fünf deutschen Münzanstalten geprägt. 25 Euro, Bundesrepublik Deutschland, 2015, Vorder- und Rückseite. Am 1. Oktober 2015 gelangte dann erstmals und bisher zum einzigen Mal eine 18 g schwere 25-Euro-Gedenkmünze in Silber mit einem Durchmesser von 32,5 mm zur Ausgabe. Die Bildseite entspricht weitgehend dem 2-Euro-Stück. Sie zeigt den Bundesadler. Die Münze wurden in den fünf deutschen Prägeanstalten jeweils in einer Auflage von 300.000 Stück in Normalausführung sowie 50.000 Stück in polierter Platte geprägt. 2 Euro, Bundesrepublik Deutschland, 2019, Vorderseite. Auf den 30. Jahrestag des Berliner Mauerfalls emittierte die Bundesrepublik und Frankreich gemeinsam eine bildgleiche 2-Euro-Münze. Sie zeigt auf der nationalen Seite, wie in der Mitte durch eine Öffnung der Berliner Mauer jubelnde Menschen strömen und Tauben – Sinnbild der internationalen Versöhnung – fliegen. Auf dem linken Teil des noch stehenden Mauerabschnitts ist „30 Jahre Mauerfall“ als Graffiti gestaltet. Auf der französischen Ausgabe ist der Ausgabeanlaßss auch in französischer Sprache angegeben. Auf dem rechten Fragment ist ein Ausschnitt aus einem „Wir sind ein Volk“ betitelten Gemälde von Schamil Gimajev zu erkennen. Im Hintergrund ist das Brandenburger Tor zu sehen. Am unteren Bildrand sind das Zeichen der jeweiligen Prägeanstalt, die Jahreszahl „2019“ und das „D“ für Deutschland aufgeprägt. Bei der französischen Ausgabe steht dort entsprechend „RF“. Der Entwurf der Münze stammt aus der Monnaie de Paris. Ausgabetag für die 30 Millionen deutschen Münzen war der 10. Oktober 2019. 20 Reichsmark, Reichskreditkassen, o. D., Vorder- und Rückseite. Vermittelt diese Münze ein Gefühl der Völkerfreundschaft und des Friedenswillens, so weckt die undatierte 20 Reichsmark-Note der Reichskreditkassen böse Erinnerungen bei unseren Nachbarn. Die Darstellung des Brandenburger Tors auf der Rückseite präsentiert sich ganz im Stil der NS-Zeit, wie auch das Brustbild „Der Baumeister“ nach einer Handzeichnung von Dürer. Der Schein wurde auf Papier mit dem Wasserzeichen „Sonnenrune“ gedruckt und hat die Maße 155 mm x 80 mm. Die vorherrschenden Farben sind Braunviolett auf Grün, Braun und Rotbraun. Mit Verordnung vom 23. September 1939 gründete der Oberbefehlshaber des Heeres die Reichskreditkassen. Sie sollten den Zahlungs- und Kreditverkehr, in dem von deutschen Truppen besetzten Polen regeln. Mit Ausweitung des Krieges wurde durch Verordnung des Ministerrats für die Reichsverteidigung vom 3. Mai 1940 der Tätigkeitsbereich der Reichskreditkassen auf andere besetzte Staaten übertragen. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Reinhard Flören, Neuheiten aus aller Welt, Geldgeschichtliche Nachrichten, 32. Jahrgang, Nr. 182, November 1997, S. 349. [2] Ebenda. [3] Das Eiserne Kreuz war zu Beginn der Befreiungskriege als Orden gestiftet worden. [4] Heute mit der Kreditanstalt für Wiederaufbau Frankfurt am Main fusioniert. [5] Die Banknoten und Münzen konnten bei den Banken noch bis zum 6. Juli 1990 in DM umgetauscht werden. Die DDR-Kleinmünzen (bis 50 Pfennig) blieben noch einige Monate umlauffähig. [6] Zitiert nach Geldgeschichtliche Nachrichten, 26. Jahrgang, Heft 146, November 1991, S. 299 f. [7] Deutsche Bundesbank (Hrsg.), Von der Baumwolle zum Geldschein, Eine neue Banknotenserie entsteht, Frankfurt am Main 1995, S. 18. [8] Späte Einsicht in Berlin: 2-Euro-Sonderprägung zur Wiedervereinigung, in: MünzenRevue, 10/2014, S. 22. [9] Ebenda.
- Die griechische Hyperinflation unter deutsch-italienischer Besatzung 1941 – 1944
Begonnen hatte der Zweite Weltkrieg für die Griechen am 28. Oktober 1940, als Truppen des faschistischen Italiens von Albanien aus in Nord-Griechenland einfielen. In den folgenden Monaten gelang es der griechischen Armee die Italiener nicht nur abzuwehren, sondern selbst in die Offensive zu gehen. Für Hitlers Pläne war das Debakel der Italiener nicht nur gefährlich, weil es das Prestige der Achsenmächte gefährdete, sondern auch den geplanten Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion hinausschob. Großbritannien hatte zur Unterstützung des griechischen Abwehrkampfes ein Expeditionskorps entsandt. Die vier aus Ägypten verlegten Bomberstaffeln stellten nun eine ernste Bedrohung der rumänischen Ölfelder von Ploiesti dar, die eine entscheidende Rolle bei den Überlegungen zur Versorgung der Wehrmacht in einem kommenden Russland-Feldzug spielten. So gab Hitler notgedrungen am 13. Dezember 1940 der Wehrmachtsführung den Befehl zur Planung des „Unternehmens Marita“. Am 6. April 1941 überschritt die 12. Armee unter Generalfeldmarschall Wilhelm List mit 18 Divisionen, darunter mehreren Panzer- und anderen Eliteverbänden, die bulgarische Grenze. Trotz drückender personeller und materieller Überlegenheit brauchte die Wehrmacht drei Tage, die Bunker der Metaxas-Linie zu durchstoßen, die von griechischen Soldaten mit veralteten Waffen aus dem Ersten Weltkrieg verteidigt wurde. Am gleichen Tag erreichten die deutschen Panzer das zur offenen Stadt erklärte Thessaloniki. In den folgenden Tagen rückte sie beständig nach Süden vor. Die Einnahme des Metsovo-Passes durch Teile der „Leibstandarte SS Adolf Hitler“ am 18. April machte einen griechischen Rückzug der Epirus-Armee unmöglich. Am 20. April bot der griechische Befehlshaber in Epeiros, Generalleutnant Georgios Tsolákoglu, in einem Handschreiben dem Kommandeur der „Leibstandarte SS Adolf Hitler“ Sepp Dietrich die Kapitulation an. Ohne mit seinem Armeeoberkommando Rücksprache zu halten, verfügte Dietrich, dass der Waffenstillstand auch für die italienischen Truppen an der Nordwestfront gelten solle. Zudem sollte die Entwaffnung der Griechen durch deutsche Verbände erfolgen. Und: Die griechischen Offiziere sollten ihr Lederzeug und vor allem ihren Degen behalten dürfen, womit der griechischen Bitte nach würdiger Behandlung Rechnung getragen wurde. Als der Duce von der Kapitulation erfuhr, schäumte er vor Wut und verlangte von den Griechen ebenfalls ein Waffenstillstandsersuchen, das an das italienische Oberkommando zu richten sei. Obwohl dies gegen die deutsch-griechischen Vereinbarungen verstieß, wollte Hitler seinen Verbündeten nicht brüskieren. So kapitulierten die 18 Divisionen der griechischen Armee am 23. April ein weiters Mal. Trotz aller italienischer Einwände durften die griechischen Offiziere ihren Degen behalten und alle Soldaten wurden ohne Internierung nach kurzer Zeit entlassen. Der alliierte Oberbefehlshaber im Mittelmehr und Nahen Osten, Feldmarschall Archibald Wavell, ordnete am 21. April die Evakuierung der alliierten Truppen nach Kreta und Ägypten an (Operation Demon). Über die Häfen in Attika und auf der Peloponnes gelang es der Royal Navy bis zum 30. April rund 50.000 Soldaten zu evakuieren, allerdings unter Zurücklassung der schweren Waffen und Geräte. Bereits einen Tag nach Wavells Rückzugsbefehl verließ auch der griechische König Georg II. und sein Premierminister Emmanuel Tsouderros Athen mit dem Flugzeug Richtung Kreta. Ihnen folgten auf Wunsch des Königs und des britischen Botschafters der Gouverneur und der Vizegouverneur der Bank von Griechenland, Kyriakos Varvaressos und Georgios Mantzavions. Die griechische Regierung und die Bank blieben zunächst in Chania. Hier wurde die Satzung der Notenbank dahingehend geändert, dass sie ihren Sitz in derselben Stadt wie die Regierung zu nehmen habe. Besichtigung der Akropolis. Foto der Privat-Sammlung »Der Zweite Weltkrieg in Bildern«, DVD 2017, mit freundlicher Genehmigung von Reinhard Selzle, München. Der deutsche Feldzug auf dem griechischen Festland endete am 29. April mit der Einnahme von Kalamata im Süden der Peloponnes. Zuvor hatten deutsche Truppen am 26. April Korinth besetzt und am 27. April rückten Vorausabteilungen der 5. Panzer-Division in Athen ein. Einige größere ägäische Inseln, darunter Limnos, Lesbos und Chios wurden bis Anfang Mai von deutschen Infanterie- und Luftlandetruppen besetzt. Italienische Truppen besetzten gleichzeitig die Ionischen Inseln. Einzig Kreta war noch in der Hand der 32.000 alliierten Soldaten (Briten, Australier und Neuseeländer) und 10.000 griechischen Soldaten sowie zahlreichen kretischen Freiwilligen. Am 20. Mai 1941 begann unter dem Kommando von General Kurt Student (1890 – 1978) das „Unternehmen Merkur“, das größte Luftlandeunternehmen des Zweiten Weltkriegs. Ein Großteil der 15.000 deutschen Fallschirmjäger wurden bereits in der Luft erschossen oder verwundet. Erst am 1. Juni beendete die Wehrmacht siegreich die Eroberung der Insel. Als sich abzeichnete, dass die Schlacht um Kreta für die griechischen und alliierten Streitkräfte verloren sein würde, verließen der König und die Regierung sowie die Notenbankleitung am 22./23. Mai Kreta. Nach einer Odyssee über Alexandria, Kairo und Johannisburg (Südafrika) wurde vom September 1941 bis 15. April 1943 London Sitz der Exilregierung, um dann nach Kairo zurückzukehren. Mit dem Bankvorstand wanderten auch die Goldreserven des Landes. Bereits im Februar 1941 hatte die Bank von Griechenland heimlich mit der Evakuierung der Goldreserven zur Filiale in Heraklion auf Kreta begonnen. Von dort wurden sie auf einem britischen Kriegsschiff nach Alexandria gebracht und später über Kairo und Suez per Schiff nach Durban in Südafrika. In Germiston wurde das Gold, das vorwiegend aus 750/1000-feinen Goldmünzen bestand, raffiniert und in Barren gegossen und anschließend in den Tresoren der South African Reserve Bank in Pretoria aufbewahrt. Bis September 1943 (Seitenwechsel Italiens) herrschte in Griechenland ein kompliziertes Kondominium der Achsenmächte: zwei Oberbefehlshaber, zwei politische Bevollmächtigte, seit Oktober 1942 noch zwei wirtschaftliche Sonderbeauftrage. Italien besetzte zwar den größten Teil des griechischen Festlandes, die Kykladen, den Ostteil Kretas und annektierte 1942 faktisch die Ionischen Inseln[1], während sich das Großdeutsche Reich als militärisch und wirtschaftlich stärkerer Partner mit wenigen strategisch wichtigen Gebiete begnügte: Thessaloniki mit dem makedonischen Hinterland bis zur ehemaligen jugoslawischen Grenze, den thrakischen Grenzstreifen zur Türkei, Athen, Piräus und die Inseln Lemnos, Lesbos und Chios vor der türkischen Mittelmeerküste sowie den Westteil Kretas. Bulgarien verleibte sich Ostmakedonien westlich des Strymon und Westthrakien ein. Abb. 0.1: Die Besetzung Griechenlands durch die Achsenmächte (1941–1944) Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Balkanfeldzug_(1941)#/media/Datei:Gr-triple-occupation-gr.png (24.07.2021) Die Wehrmachtsangehörige bezahlten ihre Einkäufe von Lebensmitteln und anderen Gütern in Griechenland zunächst mit Reichskreditkassenscheinen (RKKS). Durch Verordnung des Oberbefehlshabers waren sie zu gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt worden. Die deutschen Militäreinheiten stellten Leistungsbescheinigungen für die von der griechischen Bevölkerung erhaltenen Quartier-, Gespann- und Arbeitsleistungen aus, die später eingelöst wurden. Die RKKS galten zunächst 1 RM = 50 Drachmen. Ab 23. Juni 1941 wurde der Umrechnungskurs dann auf 1 RM = 60 Drachmen festgesetzt. Dieser Kurs galt offiziell dann unverändert bis zum Ende der Besatzung. Die italienische Wehrmacht finanzierte sich mit einem eigenen, auf Drachmen lautenden Zahlungsmittel, dem Bon der Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia, für den ein Zwangskurs von 1 Lira = 8 Drachmen galt. Bulgarien führte im annektierten Gebiet die Lewa-Währung ein. Abb. 1.1: Reichskreditkassen, o. D. (1939), 5 Reichsmark, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 1.2: Reichskreditkassen, o. D. (1939), 5 Reichsmark, Rückseite, Sammlung Grabowski. Zur Ausgabe gelangten RKKS mit den Nominalen 50 Reichspfennig, 1, 2, 5, 20 und 50 Reichsmark. Abb. 2.1: Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia, o. D. (1941), 5000 Drachmen, Vorderseite, Abb. www.worbes-verlag.de. Zur Ausgabe gelangten Scheine mit den Nominalen zu 5, 10, 50, 100, 500, 1.000, 5.000, 10.000 und 20.000 Drachmen. Abb. 3.1: Bulgarische Nationalbank, 1938, 500 Lewa, Vorderseite, Abb. www.worbes-verlag.de. Abb. 3.2: Bulgarische Nationalbank, 1938, 500 Lewa, Rückseite, Abb. www.worbes-verlag.de. Abb. 4.1: Biglietti a corso legale per le Isole Jonie, o. D. (1942), 1.000 Drachmen, Vorderseite, Abb. www.banknoten.de. Abb. 4.1: Biglietti a corso legale per le Isole Jonie, o. D. (1942), 1.000 Drachmen, Rückseite, Abb. www.banknoten.de. Zur Ausgabe gelangten Scheine mit den Nominalen zu 1, 5, 10, 50, 100, 500, 1.000 und 5.000 Drachmen. Seit August 1941 wurden RKKS im Allgemeinen nur noch an abrückende Truppenteile und Heimaturlauber ausgegeben. Weil die Bank von Griechenland den Zahlungsmittelbedarf der Wehrmacht in Landeswährung nicht voll befriedigen konnte, kamen die RKKS im November 1941 sowie im Januar und Februar 1942 noch einmal zum Einsatz. Nach Hahn betrug die Gesamtsumme der im griechischen Raum zur Auszahlung gelangten RKKS etwa 150 Millionen RM von denen 56,4 Millionen RM, rund 3,3 Milliarden Drachmen, durch die Bank von Griechenland ohne Gegenwert an die Reichskreditkassen in Athen und Saloniki zurückgeliefert wurden. Von den schätzungsweise 5 Milliarden Drachmen der Cassa Mediterranea di Credito per la Grecia löste die Bank von Griechenland 3,6 Milliarden Drachmen ein.[2] „Die völlige Abschnürung von seinen europäischen und überseeischen Handelspartnern, die schon durch den italienischen Krieg äußerst angespannten Finanzen, das Fehlen eines funktionsfähigen Geld- und Kapitalmarktes, die Vernichtung von Produktionsstätten, der Verlust wertvoller Landesteile, eine unzureichende Ernährungsbasis und schließlich das durch Zerstörung von Anlagen noch weniger leistungsfähig gewordene Verkehrsnetz charakterisierten die Wirtschafts- und Finanzlage Griechenlands beim Einmarsch der deutschen Truppen. Die Währungslage war durch die Belastungen des albanischen Feldzuges nicht unberührt geblieben und wies bereits in Ansätzen auf die kommende Entwicklung hin. Während der Banknotenumlauf sich in den Jahren 1935 – 38 zwischen 6 und 8 Milliarden Drachmen bewegte, wurde schon Ende 1939 nach einem Höchststand von 10,6 Milliarden Drachmen ein Umlauf von 9,4 Milliarden Drachmen ausgewiesen. Der griechisch-italienische Krieg im Jahre 1940 brachte eine Zunahme von 62,6 % infolge gesteigerten Staatsbedarfs, Preiserhöhungen und gewissen Hortungserscheinungen in ländlichen Bezirken. Im letzten veröffentlichten Ausweis der Bank von Griechenland vom 31.3.1941 erreichte der Zahlungsmittelumlauf den Stand von 19 Milliarden Drachmen. Somit war bereits bei Beginn der deutsch-italienischen Besatzung Griechenlands eine Erhöhung des Banknotenumlaufs von mehr als 100 % gegenüber dem Vorkriegsstand zu verzeichnen.“[3] Der Mangel an Zahlungsmitteln nahm durch den Einmarsch der Wehrmacht noch zu. Die Nachfrage nach Banknoten stieg sprunghaft an, da die Menschen in Erwartung der Schwierigkeiten der bevorstehenden Besetzung eilig lebensnotwendige Lebensmittel und Waren kauften. Darüber hinaus veranlasste die ungewisse Zukunft die griechische Bevölkerung verstärkt Bargeld zu horten, sodass schon bald Zahlungsmittel knapp wurden. Verschärft wurde die Situation dadurch, dass größere Mengen an Banknoten bei Luftangriffen verloren gingen. In der Filiale Larissa wurden 185 Millionen Drachmen unter den Trümmern des zerbombten Gebäudes begraben. Am 9. April 1941 gab die Bank von Griechenland eine neue 1000-Drachmen-Note in Umlauf. Hierbei handelte es sich um die bisher noch nicht ausgegebene 100-Drachmen-Note der Banknotenserie mit dem Ausgabedatum vom 1. Januar 1939 mit einem auffälligen Aufdruck des neuen, höheren Wertes. Schließlich sah sich die Bankleitung am 14. Mai 1941 gezwungen, bereits eingezogene, mit sechs Stanzlöchern entwerteter Banknoten, wieder in Umlauf zu setzen. Aufgrund der Kriegsereignisse in Europa überstieg der Materialwert der 10- und 20-Drachmen-Silbermünzen deren Nominalwert, sodass sie aus dem Umlauf verschwanden. Am 1. Juli 1940 wurden an ihrer Stelle sog. Münzscheine, die mit „Griechisches Königreich“ überschrieben sind, ausgegeben. Sie tragen als Ausgabedatum den 6. April 1940 und wurden in einer Auflage von je 20.000.000 Stück bei Giesecke & Devrient gedruckt. Als die deutsche Wehrmacht einmarschierte wurden auch die Nickelmünzen von der Bevölkerung gehortet. An ihre Stelle traten ab 1. August 1941 Münzscheine des „Griechischer Staates“ zu 50 Lepta sowie 1, 2 und 5 Drachmen. Die Scheine wurden bei Aspioti-ELKA, Athen, gedruckt und vom technischen Leiter Othon Pervolarakis entworfen. Die Scheine datieren vom 18. Juni 1941. Offiziell waren sie bis zum 24. Februar 1945 im Umlauf, aber aufgrund der Inflation bereits 1942 wertlos.[4] Tabelle 0.2: Münzscheine 1940/41. Abb. 5.1: Griechischer Staat, 18. Juni 1941, 5 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 5.2: Griechischer Staat, 18. Juni 1941, 5 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Der letzte ausgewiesene Bankausweis führte unter dem Posten „Scheidemünzen und sonstiges Kleingeld“ die außer Kurs gesetzten Nickelmünzen sowie die vom Staat ausgegebenen 10- und 20-Drachmen-Münzscheine im Gesamtbetrag von 333 Millionen Drachmen auf. Aufgrund eines Vertrags mit dem griechischen Finanzministerium übernahm die Deutsche Gold- und Silberscheideanstalt die Silbermünzen, die bis auf kleine Reste abtransportiert wurden. Der im Jahr 1944 eingeleitete Ankauf der Nickelmünzenbestände konnte nicht mehr realisiert werden.[5] Damit die Notenbank in Athen ihre Interessen gegenüber den Besatzungsmächten vertreten konnte, ernannte der Generalrat der Bank M. Negrepontis zum amtierenden Gouverneur und P. Dekazos zu seinem Stellvertreter.[6] Reichsregierung und italienische Regierung suchten ihrerseits von Anfang an, Einfluss auf die Bank zu nehmen. Daher wurden am 14. September 1941 Paul Hahn, Direktor bei der Reichsbank, und Dr. Forte, Direktor bei der Banca d’Italia, als Bankkommissare eingesetzt. Ihre Befugnisse waren sehr weitreichend, sie kontrollierten nicht nur die Arbeit der Bank, sondern hatten ein Weisungs- und Vetorecht gegenüber der Bankleitung; selbst die Einstellung von Mitarbeitern bedurfte ihrer Zustimmung. Die Notenbank wie auch die Besatzungsmächte sahen sich vor zwei Herausforderungen gestellt: Versorgung der Wirtschaft mit ausreichenden Zahlungsmitteln sowie Bekämpfung der immer stärker werdenden Inflation. Während der gesamten Besatzungszeit gestaltete sich die Verwirklichung dieser Ziele als unmöglich. Dies hatte verschiedenen Gründe. Zum einem die horrende Höhe der Besatzungskosten und zum anderen konkurrierten Besatzer und Stadtbevölkerung beim Kauf der knappen Lebensmittel. Die Bauern bezogen durch gestiegene Preise und den Erlösen auf dem Schwarzmarkt erhöhte Einkommen, die jedoch aufs Land abflossen und dort gehortet wurden. Die Notenbank gab daher im September bzw. November 1941 neue Banknoten zu 100 und 1000 Drachmen aus, ferner versuchte sie die Bargeldmenge durch verstärkte Nutzung der bargeldlosen Zahlung zu reduzieren. Die Verordnung Nr. 771 vom 29. November 1941 legte fest, dass Zahlungen, die über einen Betrag von 30.000 Drachmen hinausgingen, durch Hingabe von Schecks zu erfolgen hätten, wobei eine Indossierung, sprich Weitergabe als Zahlungsmittel, verboten war. Diese Maßnahme blieb jedoch auf die größeren Bankplätze Athen und Saloniki beschränkt. Die Umsetzung der Bestimmungen stießen bei den Bauern, die mit dem bankmäßigen Verkehr wenig vertraut waren, auf Widerstand. Auch führte die Barzahlungsbeschränkung zu einer Unterbewertung von Schecks. Das Disagio richtete sich nach der Liquidität des Marktes und erreichte in Zeiten besonderer Bargeldverknappung den Satz von 45 %. Da die Wehrmacht die Scheckzahlung ebenfalls einführte [und bis Mitte 1944 beibehielt] und das von dem Lieferanten einkalkulierte Disagio übernahm, hatte diese Maßnahme auch unerwünschte inflationäre Folgen. Abb. 6.1: Bank von Griechenland, 1. Oktober 1941, 1.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 6.2: Bank von Griechenland, 1. Oktober 1941, 1.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Gemäß dem Haager Abkommen von 1907 über die Gesetze und Gebräuche des Landkrieges musste der griechische Staat für die Besatzungskosten aufkommen. Monatlich erhielten das Deutsche Reich und Italien 1.500 Millionen Drachmen. Da diese Beträge nicht ausreichten, verpflichtete sich die Bank von Griechenland in den Römischen Verträgen vom 14. März 1942 zur Gewährung von Darlehen an die Besatzungsmächte, um den übersteigenden Bedarf der Besatzungstruppen zu decken. Auf Druck der Besatzer musste die griechische Regierung dann am 1. Dezember 1942 die Besatzungskosten an die Inflation anpassen. Am 18. Mai 1943 wurde rückwirkend zum 1. April die Deckelung der Besatzungskosten auf 8 Milliarden Drachmen aufgehoben und der zuvor verwendete Preisindex auf eine breitere Basis gestellt.[7] Natürlich reichten die Steuereinnahmen des griechischen Staates nicht aus, um diese hohen Kriegs- und Besatzungskosten aufbringen zu können. Bereits vor Ausbruch des griechisch-italienischen Krieges hatte sich die Bank von Griechenland vertraglich verpflichtet, dem griechischem Staat Vorschüsse auf die staatlichen Einnahmen bis zum Betrag von einer Milliarde Drachmen zu gewähren. Schon Tage vor dem Einmarsch der deutschen Truppen in Athen, hatte der Staat den Vorschussrahmen bereits um 400 Millionen Drachmen überschritten. Um die Kriegsanstrengungen bewältigen zu können, genehmigte der Generalrat der Bank praktisch die unbegrenzte Fortsetzung der Zahlungen an die griechische Regierung. Der Bank blieb nichts anderes übrig, als die Notenpresse anzuwerfen. Im Herbst 1942 erlebte die griechische Währung ihre erste krisenhafte Zuspitzung. Der Notenumlauf betrug im Oktober mittlerweile das 13-fache des Vorkriegsstandes und die Geldentwertung betrug, über den Goldpfundkurs berechnet, dem charakteristischen Wertmesser für die Preisbildung am Markt, das 400-fache. Es war abzusehen, dass bei gleichbleibender Entwicklung die griechische Wirtschaft schon bald kollabieren würde. Natürlich hätte dies auch gravierende Auswirkungen auf die Versorgung der Besatzungstruppen gehabt. Daher wurden im Oktober 1942 die Gesandten Dr. Neubacher von der Reichsregierung und d’Agostino von italienischer Seite als Sonderbevollmächtigte für wirtschaftliche und finanzielle Fragen nach Athen entsandt. Der deutsche Bankexperte Dr. Schäfer, von Neubacher beauftragt, legte in einer Denkschrift seinen Vorschlag zu einem währungspolitischen Eingriff in Griechenland dar. Der Plan sah vor, durch einen Kaufkraftschnitt an einem bestimmten Stichtag die Noteninhaber unabhängig von ihrer Einkommens- und Vermögenslage zu treffen und die beiden damals größten Notenabschnitte von 5.000 und 1.000 Drachmen, die rd. 95 % des Gesamtumlaufs ausmachten, in eine freie und eine gebundene Kaufkraft zu verwandeln. Wie schon einmal in den 1920er Jahren von den Griechen praktiziert, sollten die Banknoten geteilt werden. Eine Notenhälfte wurde zur Zwangsanleihe und begründete ein Forderungsrecht gegen den Staat, während die als Banknote vorgesehene Notenhälfte mit einer Abstempelung ihre Eigenschaft als gesetzliches Zahlungsmittel behielt. Schäfer war überzeugt, dass diese Maßnahme die Besatzungskosten für sechs bis sieben Monate ohne zusätzliche Notenausgabe decken würde. Allerdings beseitigte dieser Schritt nicht das Währungsproblem, sondern vertagte es nur. Unter Abwägung aller Für und Wider, verzichtete der Sonderbevollmächtigte schließlich auf die Ausführung des Plans.[8] Beide Sonderbevollmächtigte waren überzeugt, dass die griechischen Währungsprobleme nicht von der Geldseite zu lösen seien. Wollte man die Inflation eindämmen, musste die Güterversorgung verbessert werden. Dies schien bei der vollkommen unzureichenden Lebensmittelversorgung der städtischen Bevölkerung umso dringender, da 1941 die durchschnittliche tägliche Kalorienzufuhr nur bei 900 pro Person lag und während der gesamten Besatzungszeit nie 1.400 überstieg. Verhungerte Menschen waren im Winter 1941/42 an der Tagesordnung. Griechenlands Bevölkerungszahl sank während der Besatzungszeit von 7.335.000 (1940) um 415.000, darunter 260.000 Zivilisten. Höchstpreise und Marktregelungen nach dem Vorbild der deutschen Kriegswirtschaft mit Lebensmittelkarten und Höchststrafen bei Verstößen gegen das Verbot des Schwarzmarkthandels bewirkten nur eine weitere Leerung des Marktes. Daher wurde die Ausfuhr von Lebensmitteln und anderen für die Wirtschaft des Landes unentbehrlichen Waren mit sofortiger Wirkung gestoppt und Getreidelieferungen aus dem Banat sichergestellt. Hülsenfrüchte, Zucker und Kartoffeln wurden aus den Balkanstaaten eingeführt. Die Aussicht auf eine bessere Versorgungslage brachte spekulativ zurückgehaltene Warenbestände zum Vorschein.[9] Darüber hinaus versorgte das Internationale Rote Kreuz die griechische Bevölkerung mit Lebensmitteln. Nach anfänglicher Ablehnung stimmten Briten und die Achsenmächte der humanitären Hilfe für die griechische Bevölkerung zu. So traf Weizen aus Kanada auf schwedischen Schiffen in Griechenland ein. Gleichzeitig versuchte die griechische Regierung durch Ankäufe von Agrarprodukten das Angebot der preiskontrollierten Güter zu vergrößern und den Handel auf den Schwarzmärkten einzudämmen. Da jedoch der Notenumlauf nicht ausgeweitet werden sollte, erhielt die griechische Regierung gemäß Gesetzesdekret 1984/24.11.1942 besondere Kreditscheine von der Notenbank, mit denen 75 % der Ankäufe bezahlt wurden. Bei einer Laufzeit von etwa vier Monaten waren sie am 31. März fällig. Bis zu diesem Termin hoffte die Regierung die notwendigen Mittel zu ihrer Einlösung durch den Warenverkauf erwirtschaftet zu haben. Die Notenbank emittierte Kassenbons (Schuldscheine) in Stücklungen von 500.000, 100.000 und 25.000 Drachmen. Die Gesamtemission hat höchstens 10 % des Banknotenumlaufs erreicht.[10] Durch ein Bankenkonsortium bestand für die Bauern die Möglichkeit der Rediskontierung der Kassenbons. Die Maßnahmen der Notenbank zeigten Wirkung. Von Oktober 1942 bis Mai 1943 konnte der Lebenshaltungsindex trotz dreifacher Erhöhung des Banknotenumlaufs auf gleicher Höhe gehalten werden. Der psychologische Effekt, der durch das Eingreifen der Sonderbevollmächtigten erreicht wurde, war jedoch nicht von Dauer, da der zugesagte Warennachschub nach Griechenland aus Lieferungs- und Transportgründen nicht realisiert werden konnte. Der Athener Lebenshaltungskostenindex (Basis April 1941 = 100), begann nach halbjähriger Stabilität wieder zu steigen: 30. Juni 1943: 21.162,5 30. September 1943: 37.040,9 31. Dezember 1943: 157.274,0 Dem Aufwärtstrend entsprach die Entwicklung der monatlichen Besatzungskosten, die von 30 Mrd. Drachmen im Mai 1943 auf 440 Mrd. Drachmen im Dezember 1943 anstiegen. Der Banknotenumlauf erhöhte sich von 463 Mrd. Drachmen am 31. März 1943 auf 3.114 Mrd. Drachmen am 31. Dezember 1943. Der Preis des Goldpfundes stieg im gleichen Zeitraum von 162.670 Drachmen auf 1.541.667 Drachmen. Die besorgniserregende Entwicklung in Griechenland war am 8. November 1943 Thema einer Griechenland-Ressortbesprechung in Berlin, an der auch der Sonderbevollmächtigte Neubacher teilnahm. „Wieder wurden allerhand Stabilisierungsmanöver beschlossen. Darunter der schon seit Januar 1943 im Fall Rumänien praktizierte ‚Einsatz von Reichsgold in Griechenland‘. Tatsächlich lieferte die Deutsche Reichsbank von nun an regelmäßig per Kurierflugzeug Gold nach Athen, insgesamt mehr als acht Tonnen.“[11] „Der Sinn der Goldaktion war folgender: die aufgekauften Banknotenmengen wurden für die Deckung der Besatzungskosten verwendet, dadurch wurde die Banknotenpresse entlastet. Das ständige Angebot von Gold gegen Papierdrachmen auf der amtlichen Athener Börse legte der stürmischen Aufwärtsentwicklung des Goldkurses immer wieder eine Bremse an.“[12] Auch diese Maßnahme konnten die Inflation letztendlich nicht stoppen, höchstens verlangsamen. Im letzten Monat der deutschen Besatzung betrug der Teuerungsindex sage und schreibe 550 Millionen Prozent.[13] Ein weiteres Problem bereitete den Verantwortlichen Kopfschmerzen. Seit Juni 1941 wurde die Reichsmark unverändert mit 60 Drachmen gerechnet. Mit fortschreitender Inflation hatte dieser Kurs jede Beziehung zur inneren Kaufkraft der Drachme verloren. Von einer Anpassung ihres Außenwertes an ihren tatsächlichen Kaufwert wurde aus übergeordneten währungspolitischen Gründen abgesehen. Das Festhalten an der alten Kursrelation hatte unerwünschte wirtschaftliche Auswirkungen. Aus dem Reich gelieferte deutsche Waren wurden von griechischen Importeuren mit entwerteten Drachmen im Clearing bezahlt und zu hohen Inflationspreisen in Griechenland abgesetzt. Auf der anderen Seite fiel es deutschen Importeuren immer schwerer die Reichsmark-Beträge aufzubringen, um griechische Exportwaren zu erwerben. Die Sonderbevollmächtigten sahen sich unter diesen Umständen gezwungen, neue Regelungen zu treffen. Für den deutsch-griechischen Handel gründete die Reichsgruppe Industrie und die Wirtschaftsgruppe Groß- und Außenhandel die Deutsch-Griechische Warenausgleichsgesellschaft m.b.H. (Degriges). Sie übernahm die Aufgabe, die sich aus dem unterschiedlichen Preisniveau zwischen dem deutschen und griechischen Markt ergebenden Gewinne volkswirtschaftlich zweckmäßig zu lenken. Griechische Ausfuhren nach Deutschland wurden preislich extrem gesenkt und die Preise für deutsche Güter nach Griechenland stark erhöht. Die abgeschleusten Preisdifferenzen wurden in Höhe von 3/7 zur Aufbringung der Besatzungskosten herangezogen, während 4/7 des Schleusungsaufkommens zur Verbilligung der Ausfuhr griechischer Überschussprodukte Verwendung fanden. Von italienischer Seite wurde die Sacig, Societa Anonyma Commerciale Italo-Greco, mit den gleichen Aufgaben betraut.[14] Tabelle 0.3: Banknotenausgaben 1941- 1944. Abb. 7.1: Bank von Griechenland, 19. Juli 1943, 5.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 7.2: Bank von Griechenland, 19. Juli 1943, 5.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 8.1: Bank von Griechenland, 12. August 1943, 25.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 8.2: Bank von Griechenland, 12. August 1943, 25.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 9.1: Bank von Griechenland, 21. Januar 1944-01, 100.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Schilde. Abb. 9.2: Bank von Griechenland, 21. Januar 1944-01, 100.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Schilde. Abb. 10.1: Bank von Griechenland, 20. Juli 1944, 5.000.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 10.2: Bank von Griechenland, 20. Juli 1944, 5.000.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Abb. 11.1: Bank von Griechenland, 1. Oktober 1944, 500.000.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Schilde. Abb. 11.2: Bank von Griechenland, 1. Oktober 1944, 500.000.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Schilde. Abb. 12.1: Bank von Griechenland, 11. Oktober 1944, 2.000.000.000 Drachmen, Vorderseite, Sammlung Grabowski. Abb. 12.2: Bank von Griechenland, 11. Oktober 1944, 2.000.000.000 Drachmen, Rückseite, Sammlung Grabowski. Während der Besatzungszeit gab die Bank von Griechenland zwanzig Banknotentypen neu aus. Bis Mitte 1943 blieb die 5.000-Dramen-Note der höchste Wert. Dann aber folgten in immer kürzeren Abständen Noten mit immer höheren Werten. Kurz vor Rückzug der Wehrmacht aus Athen am 12. Oktober 1944 gab die Bank von Griechenland am 7. Oktober Noten über 500 Millionen Drachmen in den Verkehr und am 12. noch Noten zu 2 Milliarden Drachmen. Am 23. Oktober folgte noch ein Wert über 10 Milliarden Drachmen und am 5. November ein Schein zu 100 Milliarden Drachmen. Kriegsbedingt fiel der bisherige englische Banknotenlieferant aus. Zwar hatte das deutsche Unternehmen König & Bauer kurz vor Beginn des Kriegs modernste Offsetdruckmaschinen an die Staatsdruckerei geliefert, die aber wegen fehlender Kabel und anderen Montageteilen nicht einsatzbereit waren. Daher beauftragte das Finanzministerium der griechischen Kollaborationsregierung zusammen mit der Verwaltung der Notenbank vier Privatdruckereien mit der Banknotenproduktion: Papachrysanthou, Aspioti-ELKA, Karydes und Pechlivanides.[15] Angaben über die gedruckten Noten liegen nur von der ältesten und größten der vier Privatdruckereien, der Aspioti-ELKA Grafhic Arts S.A., vor. Das Unternehmen war an der Produktion von 16 der 20 Banknoten beteiligt: Am Druck der meisten Noten waren mehrere Druckereien beteiligt. Dies zeigt sich an den Druckunterschieden, z. B. bei der Anordnung und Gestaltung der Kontrollnummern, der Art des Papiers sowie diverser dekorativer Merkmale. In den Unterlagen der Aspioti-ELKA findet sich auch ein Bericht über die Notenherstellung. Danach kam es bei der Ausführung der Aufträge nur auf Schnelligkeit an, auf eine maximale Tagesproduktion. Faktoren wie Fälschungssicherheit, Qualität der Gestaltung und des Papiers waren von untergeordneter Bedeutung. Die Prototypen der Banknoten wurden von einer speziellen Abteilung der Notenbank vorbereitet und dann an Aspopti-ELKA weitergeleitet. Sodann wurden die Druckplatten für das Offset-Tiefdruckverfahren vorbereitet. Die Banknoten wurden anfangs meist auf beiden Seiten fünffarbig gedruckt. Später reduzierte man den Druck schrittweise auf drei Farben. Bei jedem Durchgang wurde einfarbig oder zweifarbig auf Hochgeschwindigkeits-Planeta-Offsetdruckmaschinen gedruckt. Nach den verfügbaren Daten entwickelte sich der Bargeldumlauf wie folgt: 11,2 Milliarden Drachmen im Jahr 1940; 19,4 Milliarden Drachmen am 30. April 1941; 79,1 Milliarden Drachmen am 30. April 1942; 560 Milliarden Drachmen am 30. April 1943; 18.100 Milliarden Drachmen am 30. April 1944 und 604.470.000 Milliarden Drachmen am 31. Dezember 1944. „Ende August 1944 fand im deutschen Hauptquartier eine Südostbesprechung statt, zu der ich (Neubacher, Anm. d. Verf.) mit Generalfeldmarschall von Weichs ins Führerhauptquartier (‚Wolfsschanze‘) nach Rastenburg in Ostpreußen flog. Generaloberst Löhr (Saloniki) war gleichfalls anwesend. Versammelt waren Hitler, von Rippentrop, Himmler, Keitel, Jodl, Warlimont, Speer und andere. Es war ein volles Haus. Die Räumung Griechenlands lag in der Luft, Hitler griff die Formel auf: ‚Die Inseln haben ihre Aufgabe erfüllt!‘ und befahl die Räumung der ägäischen Inseln und Kretas. Einen Tag später erfolgt der Umsturz in Bukarest, Bulgarien folgte nach, und aus der Räumung der Inseln wurde die Räumung des Balkans.“[16] Bei dieser Besprechung verweigert Hitler weitere Goldlieferung nach Griechenland. Stattdessen schlug er in Verkennung der Lage die Schaffung einer Renten-Drachme oder so etwas ähnliches vor. Er machte sogar den Vorschlag, auf Gold lautende Drachmen drucken zu lassen. Neubacher gab zu bedenken, das dies nicht funktionieren würde. Das griechische Publikum würde nur eine Viertelstunde benötigen, um den Schwindel zu durchschauen, nämlich dann, wenn sie die auf Gold-Drachmen lautenden Noten der Bank von Griechenland zur Einlösung in Gold präsentieren würden. Außenminister von Rippentrop bestand darauf, dass das weitere Vorgehen in dieser Frage in Absprache mit dem Reichsbankpräsidenten Funk und dem Reichsfinanzminister von Schwerin-Krosigk zu erfolgen habe. Allerdings fand ein Treffen der Drei nicht mehr statt, da sich die Angelegenheit wegen des deutschen Abzugs erübrigte.[17] Am 12. Oktober 1944, dem Tag des deutschen Rückzugs aus Athen, wurde der von den Besatzungsbehörden eingesetzte Gouverneur der Notenbank seines Amtes enthoben und einige Tage später kehrte der rechtmäßige Gouverneur Kyriakos Varvaressos aus dem Exil zurück. Mit ihm gelangten neue in England gedruckte Banknoten ins Land. Anfang November führte die Befreiungsregierung eine Währungsreform durch. 50 Milliarden Drachmen aus der Besatzungszeit wurden gegen eine neue Drachme gewechselt. Uwe Bronnert Anmerkungen [1] Die italienische Regierung annektierten faktisch die Ionischen Inseln und führten hier eine eigene Währung ein. Die Ionische Drachme wurde neben der Lira zum gesetzlichen Zahlungsmittel erklärt und die umlaufenden Banknoten der Bank von Griechenland 1:1 umgetauscht. [2] Paul Hahn, Die griechische Währung und währungspolitische Maßnahmen unter der Besatzung 1941 – 1944, Studien des Instituts für Besatzungsfragen in Tübingen zu den deutschen Besetzungen im 2. Weltkrieg, Nr. 10, Tübingen 1957, S. 12. [3] Ebenda, S. 11. [4] National Bank of Greece, Welfare Foundation for Social and Cultural Affairs, Greek Banknotes, A Journey 1822 – 2002. Athens 2005, S. 381. [5] Paul Hahn, S. 5 f. [6] Durch den neuen Finanzminister Gotzamanis wurde dann Prof. Dr. Santis zum Gouverneur bestellt. Wegen eines Finanzskandals musste er auf Drängen der Bankkommissare im Januar 1943 den Posten räumen. Sein Nachfolger wurde der frühere Minister Turkovassilis und nach dessen freiwilligem Rücktritt zu Beginn des Jahres 1944 blieb das Amt unbesetzt und durch den Vizegouverneur Hadjikyriskos erledigt. [7]Die gesamten Besatzungskosten betrugen 87.811.216.671.480 Drachmen oder 3.381.001 Gold-Sovereigns. Darüber hinaus gewährte die Bank von Griechenland ein Darlehen in Höhe von 1.530.190.356.165.819 Drachmen bzw. 4.506.226 Gold-Sovereigns in Form von Vorschüssen auf die Besatzungskosten. [8] Vgl. Paul Hahn, S. 38. [9] Ebenda, S. 21. [10] Michalis Psalidopoulos, History of the Bank of Greece 1928–2008, From gouvernment’s banker to guardian of financial stability, Centre for Culture, Research and Documention, Bank of Greece, Athen 2014, S. 142 f. [11] Götz Aly, Die Bekämpfung der Inflation in Griechenland und die Deportation der Juden von Saloniki, in: Österreichische Zeitschrift für Geschichtswissenschaften (ÖZG), Band 15 Nr. 2 (2004), S. 20. [12] Hermann Neubacher, Sonderauftrag Südost 1940–1945, Bericht eines fliegenden Diplomaten, 2. durchgesehene Auflage, Göttingen Berlin Frankfurt Mai 1957, S. 88. [13] Götz Aly, S. 20. [14] Vgl. Paul Hahn, S. 23 f. [15] Die von italienischer Seite angestrebte Herstellung der Noten in Italien wurde von den Griechen abgelehnt. Die 1944 eingeleiteten Verhandlungen mit der Staatsdruckerei Wien, den Druck höher Notenwerte betreffend, kam wegen des Kriegsverlaufs nicht mehr zum Abschluss. [16] Hermann Neubacher, S. 90. [17] Ebenda, S. 91.












