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  • Die fast vergessenen Banknoten: 1 und 2 D-Mark 1948

    Die heute siebzigjährigen und noch älteren Altbundesdeutschen werden sich kaum noch an die kleinen blau- und lilafarbenen Geldscheine erinnern – wahrscheinlich sind sie nur den Papiergeldsammlern gegenwärtig: die 1- und 2-D-Mark-Scheine von 1948. Abb. 1/2: 1 D-Mark 1948, Vorder- und Rückseite. Abb. 3/4: 1 D-Mark 1948, Vorder- und Rückseite. Diese damals fremd aussehenden Banknoten wurden zur Währungsreform 1948 als sog. Kopfgeld in Umlauf gegeben. Seit dem 21. Juni 1948 waren sie in den Westzonen Deutschlands (und ab 25. Juni 1948 auch in Westberlin) gültige Zahlungsmittel. Am 10. Januar 1957 wurden sie zum Umtausch bis zum 28. Februar 1957 aufgerufen. Ungültig wurden beide Noten am 1. März 1957 – sie konnten aber bis zum 1. April 1957 eingelöst werden und sind auch heute noch in Euro umtauschbar. Das war die Zeit, als man im Umtausch für einen US-Dollar noch 4,20 D-Mark bezahlen musste. Vor dem Umlauf in den Berliner Westsektoren wurden alle Werte der neuen D-Mark mit einem Rundstempel „B“ versehen und ab dem 14. August 1948 auch mit einem perforierten „B“; sog. Zwitterkennzeichnungen mit Stempel und Perforation sind vorgekommen. Solche Scheine wurden ab dem 23. Dezember 1953 wieder aus dem Umlauf genommen. Abb. 5: „B“-Perforation und Abb. 6: Zwitterkennzeichnung. Zu den anfangs 245,0 Millionen gedruckten 1-DM-Banknoten (verpackt in 6.125 Kisten zu je 40.000 Stück) kamen 1949 in einer Nachauflage nochmals 50,0 Millionen Scheine hinzu. Die Erstausstattung von 73,36 Millionen gedruckten 2-DM-Banknoten (verpackt in 1.834 Kisten, ebenfalls zu je 40.000 Stück) wurde 1949 mit zwei weiteren Lieferungen in Höhe von je 25,0 Millionen Scheinen ergänzt. Ende 1957 waren von den 1-DM-Banknoten 3,58 Millionen Stück noch nicht eingetauscht – und von den 2-DM-Banknoten 1,305 Millionen Stück. Bis Oktober 1956 hatte die Bank deutscher Länder von der ausgegebenen Menge bereits 224,44 Millionen 1-DM-Scheine und 67,24 Millionen 2-DM-Scheine vernichten lassen. Abb. 7: Abstemplung von DM-Banknoten in Westberlin (Bild aus dem Dokumentarfilm „Operation Luftbrücke“). Abb. 8: Die BdL- Banknoten wurden meist durch Verbrennen vernichtet, aber auch das Schreddern der Geldscheine war gängige Praxis. Begonnen hatte alles 1945/46, als nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs vor über 75 Jahren eine Neuordnung des Geldwesens notwendig wurde. Die Siegermächte konnten sich nicht auf eine neue Währung für ganz Deutschland einigen. Von deutschen Finanz- und Wirtschaftsexperten wurden etwa 380 Vorschläge zu einer neuen Währung vorgelegt – lediglich knapp 100 waren diskussionswürdig. Aber: Im Auftrag der US-Regierung setzte sich schon Anfang 1946 eine Expertengruppe zusammen, die einen „Plan für die Liquidation der Kriegsfinanzierung und der finanziellen Rehabilitation Deutschlands“ ausarbeitete. Darin waren Grundsätze einer künftigen und einer wirtschaftlich notwendigen Währungsreform enthalten. Das von den deutschstämmigen Wirtschaftswissenschaftlern Gerhard Colm und Raymond W. Goldsmith sowie von Finanzberater Joseph M. Dodge ausgearbeitete Papier wurde am 26. Juni 1946 vom US State Department gebilligt. Es folgte die Einigung der Briten und US-Amerikaner über die Grundzüge eines bizonalen Bankensystems und der Schaffung einer neuen Währung (mit oder ohne Einbeziehung der Sowjets) im September 1947. Nachgewiesen ist, dass im November 1947 der Druck erster Serien neuer Banknoten für (West-)Deutschland beendet war. Schon im September 1947 vergab die US-amerikanische Bundesdruckerei, das Bureau of Engraving and Printing (BEP), im Auftrag der US-Finanz- und Verteidigungsministerien Lohnaufträge an private Druckereien in Massachusetts: Mit dem Decknamen „Operation Bird Dog“ wurde das neue Geld unter Aufsicht von Beamten des Secret Service in den Druckereien Forbes Lithograph Manufacturing Co. in Chelsea und Tudor Press, Inc., in Boston hergestellt. Das BEP in Washington lieferte dann im November 1947 die neuen Geldscheine an die US Army in den New Yorker Hafen. Mit der Bezeichnung „CLAY W OCF OFD 279“ (später auch „CLAY E SX 1 SP 201“) und der Spezifizierung „BIRD DOG 2-40“ für die 1-DM-Banknoten und „BIRD DOG 3-40“ für die 2-DM-Banknoten verschiffte man ab 25. November 1947 die vorerst 4.800 der insgesamt 22.895 Holzkisten auf der S/S „American Farmer“ nach Bremerhaven. Abb. 9: Original-Holzkiste mit der Bezeichnung „BIRD DOG 2-40“, in der 40.000 Banknoten zu 1 D-Mark zum Versand kamen. Abb. 10: Kontrolle einer geöffneten Kiste mit 1-DM-Banknoten (Bild aus dem Dokumentarfilm „Das D-Mark-Wunder“). Abb. 11: Lieferschein (Ausschnitt) der Druckerei Forbes vom 13. November 1947 über die ersten 200.000 Einmark-Scheine. Abb. 12: Lieferschein (Ausschnitt) der US-Staatsdruckerei BEP über die letzten 200.000 Zweimark-Scheine. Man weiß bis heute nicht, wer die 1948er Banknoten entworfen hat. Das Bureau of Engraving and Printing vergab den Druck der Banknoten nach Massachusetts, gestaltet wurden sie jedoch beim BEP in Washington. Einer oder mehrere dort angestellten Grafiker sollten die Arbeiten erledigt haben: Alvin R. Meissner (Chef-Designer von 1937 bis 1949), William K. Schrage, Victor S. McCloskey, Jr. und William A. Roach. Erst vor einigen Monaten wurden Arbeitsandrucke bekannt, die die einzelnen Druckstufen der 1- und 2-DM-Banknoten zeigen: Abb. 13: 1 D-Mark 1948, einseitige Vorderseite Unterdruck 1 einfarbig (hellgrün). Abb. 14: 1 D-Mark 1948, einseitige Vorderseite Unterdruck 2 einfarbig (lila). Abb. 15: 1 D-Mark 1948, einseitige Vorderseite Hauptdruck (blau). Abb. 16: 1 D-Mark 1948, einseitige RückseiteHauptdruck (braun). Abb. 17: 2 D-Mark 1948, zweiseitige Vorderseite Unterdruck 1 (hellgrün) und Unterdruck 2 (orange). Abb. 18: 2 D-Mark 1948, zweiseitige Vorderseite Hauptdruck (lila). Abb. 19: 2 D-Mark 1948, zweiseitige Rückseite Hauptdruck (grün) ohne Unterdruck (rosa). Abb. 20: 2 D-Mark 1948, sog. Austauschnote mit G...G-SbBst., für auszusondernde Banknoten. Auf dem Sammlermarkt kommen die von der Bank deutscher Länder unterschiedlich gekennzeichneten Musterscheine hin und wieder vor: mit Aufdruck „MUSTER“ oder Perforation „SPECIMEN“ und bei den 2-DM-Banknoten meist mit durchbalkter Kontrollnummer. Sehr selten sind Fehldrucke aller 1948er Banknoten. Häufiger sind hingegen zeitgenössische Fälschungen aller Fälschungsklassen in unterschiedlicher Qualität sowie Verfälschungen („B“-Stempel auf Vorder- oder Rückseiten). Abb. 21: 1 D-Mark 1948, mit Perforation „SPECIMEN“ (auch mit Aufdruck „MUSTER“ bekannt). Abb. 22: 2 D-Mark 1948, mit Perforation „SPECIMEN“ und Aufdruck „MUSTER“. Abb. 23: 2 D-Mark 1948, versetzter Fehlschnitt (Rückseite korrekt gedruckt). Abb. 24: 2 D-Mark 1948, einseitiger Fehldruck (KN der Vs. A 23185520 B). Abb. 25: 1 D-Mark 1948, am 7. Januar 1950 von der Südwestbank Karlsruhe angehaltene Fälschung. Abb. 26: 1 D-Mark 1948, am 3. Dezember 1948 in Westberlin angehaltene Fälschung, mit „B“-Stempel! Abb. 27: 2 D-Mark 1948, durch Lochung und Stempel „Falsch“ entwertete Fälschung. Abb. 28: 2 D-Mark 1948, einseitige Fälschung (unfertiger Druck). Michael H. Schöne

  • Banknoten der Bank of Communications, ausgegeben in Harbin, datiert 1920

    Diese Gruppe von Banknoten ist von besonderem Interesse, weil auf der Rückseite der Bankname und die Ortsangabe auch in russischer Sprache, also mit kyrillischen Buchstaben geschrieben sind. Die Auflistung im SCWPM (P.128 bis P.130B) lässt nicht vermuten, dass sich hier mehrere interessante Varietäten verbergen. Nachfolgend möchte ich beschreiben, was hierüber bisher bekannt ist. Es gibt fünf Wertstufen: 1, 5, 10, 50 und 100 Yuan, wovon allerdings die beiden höheren Werte nie ausgegeben wurden. Von den 50- und 100-Yuan-Noten gibt es daher nur Probedrucke bzw. Muster. Alle diese Scheine wurden von der American Bank Note Company (ABNC) gedruckt. Insgesamt finden sich drei verschiedene Unterschriftsvarianten, hier mit a, b und c bezeichnet. Diese verschiedenen Signaturen sind jedoch nicht bei allen Wertstufen bekannt. Von den sechs Einzelunterschriften konnte ich fünf namentlich entziffern. Die drei Unterschriftskombinationen sind: a) Unbekannt +張謇= Zhāng Jiǎn b) 謝蔭昌 = Xiè Yīnchāng + 梁士詒 = Liáng Shìyí c) + 吳興基 = Wú Xìngjī + 盧學溥 = Lú Xuépǔ Die Harbin-Filiale der Bank of Cummunications wurde am 30.11.1913 eröffnet, im nördlichen Abschnitt der 4. Avenue. Es ist bekannt, dass Zhāng Jiǎn erst seit 1922 Bankdirektor („general manager“) war, ferner, dass er 1925 von Liáng Shìyí abgelöst wurde. Die drei in Umlauf gekommenen Wertstufen können also trotz des Datums „Jahr 9 der Republik“ und „1920“ frühestens 1922 ausgegeben worden sein. 1933 wurde Lú Xuépǔ Vorstandsvorsitzender der Bank of China. Noten mit seiner Unterschrift können nur 1933 und 1934 ausgegeben worden sein. Dass es auf der Rückseite der Noten Worte in russischer Sprache gibt, ist der Tatsache geschuldet, dass in Harbin ein großer Bevölkerungteil aus Russen bestand. „Harbin“ wird eigentlich Hā'ěrbīn = 哈爾濱 geschrieben; weil im Chinesischen keine auf „r“ endende Silbe existiert, muss man sich behelfen und „Har“ wie „Hā'ěr“ schreiben. Am 1.3.1932 gründeten die Japaner Mandschukuo (Manchukuo), wozu auch Harbin gehörte. Um die Menge des umlaufenden Geldes zu kontrollieren, wurden die verschiedenen, lokal kursierenden Banknoten auf der Vorderseite mit einem roten Siegel überdruckt; dieses Siegel war quadratisch und zeigt die Zeichen 监理官印 = offizielles Kontrollsiegel. Alle Noten, die dieses Siegel tragen, müssen also 1932 oder später ausgegeben worden sein. Um die Notenvielfalt in dem neu gegründeten Staat zu überwinden, wurde die Zentralbank von Mandschukuo gegründet, die bald für den ganzen japanischen Satellitenstaat gültige Noten emittierte. Daneben wurden auch Münzen geprägt, nämlich in den Wertstufen 5 Li, 1 und 5 Fen sowie 1 Jiao. Die alten Noten, also auch die hier in Rede stehenden Banknoten der Bank of Communications mit Ortsangabe Harbin, durften noch bis zum 30. Juni 1934 zirkulieren. Von den Noten sind verschiedene Probedrucke und Muster bekannt, die man wie folgt aufteilen kann: (Abb.1: 10 Yuan, Probedruck ohne Kontrollnummer) Noten ohne Seriennummer, Rückseite ohne Unterschrift, ohne das Wort „SPECIMEN“. Obwohl in der Literatur und von Händlern oft als Specimen bezeichnet, sind es eher Probedrucke. Kontrollnummer "000000", Rückseite ohne Signaturen, ohne das Wort „Specimen“. Auch dies sind wohl eher Probedrucke, sie wurden in größerer Anzahl von der ABNC versteigert. (Abb.2: „Specimen“ der 10-Yuan-Note) Wie zuvor, aber mit rotem Aufdruck „SPECIMEN“ und zwei Lochungen (Abb.3a: 5 Yuan, Specimen mit niedriger Nummer, Vorderseite) Niedrige Kontrollnummern (z.B. "000047" oder "000148"), hinten mit Signaturkombination a), ohne rotes Siegel, mit den Worten „SPECIMEN“, „樣本券“ (in Schwarz) und unlesbarer Perforation. (Abb.4: Specimen mit Kontrollstempel) Normale Kontrollnummer, hinten mit Signaturen, mit Stempel „Specimen“ und 本樣“ (3 x in Rot) auf Vorder- und Rückseite, 8-fache Entwertungs-Lochung. Bei der zuletzt aufgeführten Variante handelt es sich augenscheinlich um von den Japanern nach Anbringen des Krontrollsiegels als Muster abgestempelte Normalnoten, die also ursprünglich gar nicht als Muster vorgesehen waren. Betrachten wir zunächst die drei ausgegebenen Werte: 1, 5 und 10 Yuan. Alle drei Wertstufen kommen jeweils mit und ohne japanischem Kontrollsiegel vor, das ergibt sechs verschiedene Möglichkeiten. Weitere Varianten entstehen durch die verschiedenen Unterschriftskombinationen. Insgesamt habe ich bislang neun verschiedene Varianten nachweisen können: (Abb.5: 1 Yuan ohne Kontrollsiegel) 1) 1 Yuan ohne Kontrollsiegel: Signatur a). (Abb.6: 1 Yuan mit Kontrollsiegel) 2) 1 Yuan mit Kontrollsiegel: Signatur b). (Abb.7a/b: 5 Yuan ohne Kontrollsiegel, Vorderseite und Rückseite) 3) 5 Yuan ohne Kontrollsiegel: Signatur a) (nur Specimen). 4) 5 Yuan ohne Kontrollsiegel: Signatur b). 5) 5 Yuan mit Kontrollstempel: Signatur b). 6) 5 Yuan mit Kontrollstempel: Signatur c). 7) 10 Yuan ohne Kontrollstempel: Signatur a) (nur Specimen). (Abb.8: 10 Yuan mit Kontrollsiegel, Signatur b) 8) 10 Yuan mit Kontrollstempel Signatur b). 9) 10 Yuan mit Kontrollstempel Signatur c). Wie bereits erwähnt, wurden die 50- und 100-Yuan-Noten nicht ausgegeben. Von beiden Wertstufen existieren nur Probedrucke bzw. Specimen. (Abb.9: 50 Yuan, „Specimen“) (Abb.10: 100 Yuan, „Specimen“) Weitere Varianten sind sicher noch zu entdecken. In Büchern, Verkaufskatalogen und Internet findet man zwar sehr viele Noten dieser Serie, jedoch ist meist nur die Vorderseite abgebildet. Untervarianten können bzgl. der Kontrollnummer vorkommen, es gibt Nummern vom Typ "123455", "A123456" und "A123456H". Außerdem zeigen gewisse 5-Yuan-Noten ohne rotem Siegel zweimal den isolierten Kontrollbuchstaben „H“ auf Vorder- oder Rückseite. (wahrscheinlich für „Harbin“). Erwin Beyer Bildnachweise: Privatsammler aus China (Abb.1, 10) Yangming Auction, Erlaubnis durch Cai Xiaojun (Abb.2, 3, 4, 6) www.banknote.ws , Erlaubnis durch P. Mösselberger (Abb.5, 7) 中國歷代大系, vol. 9, Erlaubnis durch Wu Chouzhong (Abb.9)

  • Chinesische Stoffkupons

    Außer chinesischen Getreide- und Kraftstoffkupons, über die in diesem Blog schon mehrfach berichtet wurde, gab es auch viele andere Konsumkupons. In diesem Beitrag möchte ich einige Stoffkupons (布票) vorstellen. Die „Nennwerte“, wenn man den Ausdruck hier anwenden darf, lauten über die traditionellen Maßeinheiten 市尺 bzw. 市寸. Damit ist bei Stoffkupons die Stofflänge gemeint. Damals waren die chinesischen Längenmaße bei Stoffen noch nicht in Meter und Zentimeter angegeben. Heute verwendet man statt 市尺 nur noch 米 = Meter oder seltener – mit gleicher Bedeutung – 公尺. Es gilt: 1 市尺 = 33.33 cm, oder umgekehrt 1 m = 1 公尺 = 3市尺. Dabei galt die Unterteilung: 1 市尺 = 10 市寸, d.h., 1 市寸 = 3,33 cm. Romanisiert: 市尺 = shìchǐ, 市寸= shìcùn, im folgenden Text abgekürzt als Chǐ bzw. Cùn (das shì bedeutet nur „marktüblich“). Nun lauten die meisten Stoffkupons, die im Internet für Sammler angeboten werden, auf 1, 2, 3 oder 5 市寸. Aber ein Stoff, der z.B. 3,3 cm lang war, was konnte man damit anfangen? Diese Frage kursiert bei Sammlern solcher Kupons in Europa und Amerika schon lange, eine Antwort habe ich in der westlichen Literatur nicht gefunden. Aber ich habe auch eine Chinesin gefragt und die Antwort lautet: Kupons über 1 oder wenige 市寸 funktionierten wie Wechselgeld. Ein Beispiel: Jemand benötigte einen Stoff der Länge 4,6 市尺, das entspricht etwa 1,53 m. Er legte einen Schein über 5 市尺 hin und erhielt einen Kupon über 4 市寸 zurück. Diese kleinen „Nennwerte“ hob man auf und benutzte sie gesammelt bei einem späteren Stoffkauf. Meist waren die Kupons mindestens exakt 1 Jahr lang gültig. Die hier gezeigten Kupons wurden allesamt auch zu Propagandazwecken benutzt. Man findet – stets auf rotem Untergrund – kommunistische Parolen. Meist beginnt der Propagandatext mit 毛主席语录 (máo zhǔxí yǔlù) = „Worte des Vorsitzenden Máo“ oder 最高指示 (zùigāo zhǐshì) = „oberste Richtlinie“. Unter den „obersten Richtlinien“ verstand man Meinungen und Anweisungen des Vorsitzen Máo, die dieser nach Beginn der Kulturrevolution geäußert hatte. Die 1. Abb. zeigt einen Schein über 1 市寸 = 3,3 cm Stoff, ausgegeben von der Provinz Jiāngsū, gültig vom 1.1.1969 bis Ende Dezember 1969. Auf dem roten Feld finden wir: „Worte des Vorsitzenden Máo: Vergesst den Klassenkampf nicht!" Abb. 2 zeigt einen 1- Chǐ-Kupon, das entspricht 33,3 cm, ebenfalls ausgegeben von der Provinz Jiāngsū, gültig vom September 1968 bis Ende Dezember 1969. Der Propagandatext lautet: „Oberste Richtlinie: Die Wirtschaft entwickeln, die Versorgung sichern." Abb. 3: Dieser Kupon über 5 Chǐ (etwa 167 cm) Stoff wurde in der Provinz Yúnnán ausgegeben. Das runde Siegel mit dem 5-zackigen Stern in der Mitte nennt das Revolutionskomitee der Provinz als verantwortlich. Der Abschnitt am rechten Rand des Kupons ist abgeschnitten, d.h., der Kupon wurde benutzt. Der Text auf der roten Fahne besagt wörtlich: „Oberste Richtlinie: man muss die Textilien festhalten“, ein Ausdruck, der auffordert, die Textilindustrie zu fördern. Abb. 4: Kupon über 1 Cùn = 3,3 cm Stoff. Ausgabe durch Provinz Jiāngsū, gültig vom 1.9.1968 bis Ende Dezember 1969. Auf dem roten Feld steht: „Oberste Richtlinie: Kämpft gegen den Egoismus und widersetzt Euch dem Revisionismus!“ Abb. 5: Kupon über 1 Cùn = 3,3 cm Stoff, ausgegeben von der Provinz Shǎnxī (= 陕西, nicht zu verwechseln mit der Provinz Shānxī = 山西). Auf der roten Fahne steht: „Oberste Richtlinie: Erhöht die Wachsamkeit! Verteidigt das Vaterland!“ Abb. 6: 1 Chǐ, Provinz Jiangsu, 1.1.1968 bis Ende Dezember 1968. Der Text auf rotem Feld: “Fördert die Produktion und arbeitet fleißig für die Revolution!“ Abb.7a und 7b: Zum Schluss noch ein Beispiel, das zeigt, das selbst Papier äußerst knapp war. Dieser Kupon der Provinz Shǎnxī über 1 Chi = 33,3 cm Stoff, gültig 1969, wurde auf Papier gedruckt, das schon vorher benutzt und auf einer Seite bedruckt war. Die Rückseite zeigt also chinesische Zeichen. Es war gängige Praxis, einseitig bedrucktes Papier nicht wegzuwerfen, sondern auf der freien Seite nochmal zu bedrucken. Bei diesem Kupon bedeutet der Propagandatext: „Oberste Richtlinie: Bereitet Euch auf den Kampf vor! Bereitet Euch auf Hungersnot vor! Alles ist für den Menschen“. Manche dieser Scheine wurden als Einzelscheine gedruckt, andere auf großen „Konsumkarten“ und sie mussten vor dem Gebrauch ausgeschnitten werden. Noch ein paar Worte zum allgemeinen Gebrauch derartiger Konsumkupons. Etwa ab 1950 wurde in China die Marktwirtschaft nach und nach durch Planwirtschaft abgelöst. 1956 schlossen die letzten freien Märkte. Wegen der Knappheit der Waren war es nötig, die Konsumgüter zu rationieren. In China gehörte (und gehört heute noch) jede Person zu einem bestimmten Haushalt, Hùkǒu (户口) genannt. Es war (und ist) genau registriert, wer zu einem bestimmten Hùkǒu gehört. Jeder Haushalt hatte ein Heft, in dem die Zahl der Mitglieder, ihr Alter, jeweilige Art der Arbeit oder berufliche Stellung und die Zuteilungsrate von Kupons festgehalten war. Diese Kupons wurden entweder von der Provinzregierung oder von den lokalen Stadt- und Kreisverwaltungen ausgegeben. Menschen, die nicht in ihrem Haushalt lebten, z.B. Studenten und unverheiratete Arbeiter, die auf Arbeitssuche vom Land in die Stadt gekommen waren, wurden zu kollektiven Haushalten zusammengefasst. Bestimmte staatliche Stellen verkauften die Konsumgüter, jedes Mal musste man das Haushaltsbuch vorlegen und die entsprechenden Kupons abgeben. Keine Anwendung fand das Kuponsystem bei den Bauern auf dem Lande. Diese mussten kollektive Arbeit verrichten und erhielten dafür Punkte. Mit diesem Punkten konnten sie dann Konsumgüter erwerben. Waren zu Zeiten der Marktwirtschaft regelmäßig zahlreiche Menschen verhungert, so gelang es mit dem Rationierungssystem (Kupons bzw. Punkte), die Hungersnöte zu besiegen, obwohl die Waren sehr knapp waren. Aber jeder bekam (wenigstens in der Theorie) gleich wenig. Erwin Beyer

  • Danzig: 25 Gulden = 1 Englisches Pfund

    Danzig, die einstige Hauptstadt der Provinz Westpreußen, wurde durch den Friedensvertrag von Versailles mit seinem Umland vom Deutschen Reich abgetrennt. Am 10. Januar 1920 wurde das Gebiet als selbständiger Staat unter den Schutz des Völkerbunds gestellt; die Staatshoheit der "Freien Stadt Danzig" ging am 15. November 1920 auf die alliierten und assoziierten Mächte über. Auch in Danzig galt bis dahin und für die nächsten drei Jahre die deutsche Mark. Da man trotz der Zollvereinbarung zwischen Polen und Danzig vom 16. Januar 1922 (ab 1. April 1922 in Kraft) an der deutschen Reichswährung festhielt, breitete sich zwangsläufig auch im Freistaat die Inflation weiter aus. Neben den wirtschaftlichen Auswirkungen hieß das in der Folgezeit für Danzig auch eine Unterversorgung mit Zahlungsmitteln. In der Stadtgemeinde Danzig wurde die Kassenlage so schlecht, dass die Zahlungen fast eingestellt werden mussten. Die Reichsbank in Berlin war es dann, die die Regierung des Freistaats aufforderte, staatliches Notgeld auszugeben. Ursprünglich beabsichtigte der Senat die Ausgabe von Staatskassenscheinen; aus politischen Gründen wurde die Absicht aber verworfen und der Senat gab nach und nach Notgeldscheine aus, die gesetzliche Zahlungsmittel waren. Mit Gesetz vom 2. November 1922 beschlossen Volkstag und Senat die Ausgabe der ersten staatlichen Notgelder: "... § 2. Die zur Ausgabe gelangenden Notgelder müssen auf deutsche Reichswährung lauten. ... § 3. Der Gesamtbetrag der Notgeldscheine darf 360 Millionen Mark nicht übersteigen. ..." Im Zusatzgesetz vom 15. März 1923 hieß es dann: "Artikel 1. Der Gesamtbetrag der Notgeldscheine, welche nach dem Gesetz vom 2. November 1922 von der Stadtgemeinde Danzig ausgegeben werden dürfen, wird um 3600 Millionen Mark erhöht ...". Und im Zusatzgesetz vom 30. Juni 1923: "Artikel 1. Der Gesamtbetrag der Notgeldscheine, welche ... ausgegeben werden dürfen, wird um 10 Milliarden Mark erhöht. ..." Und es hörte nicht auf: im Zusatzgesetz vom 8. August 1923 war zu lesen: "Artikel 1. Der Gesamtbetrag der Notgeldscheine, welche ... ausgegeben werden dürfen, wird auf 60 Milliarden Mark erhöht. ..." und dann noch zwei Wochen später im Zusatzgesetz vom 23. August 1923: "Artikel 1. Der Gesamtbetrag der Notgeldscheine, welche ... ausgegeben werden dürfen, wird um 300 Milliarden Mark erhöht. ... Artikel 2. Der Senat wird ermächtigt, bei weiterem Mangel an Zahlungsmitteln die Ausgabe von Notgeld bis zur Höhe von weiteren [!] 1200 Milliarden Mark zu genehmigen ...". Die Stadt gab verschiedene Serien von auf Mark lautenden Notgeldscheinen in 17 Wertstufen von 100 Mark (31.10.1922) bis 10 Mrd. Mark (11.10.1923) heraus, die aber im Verlaufe der Hyperinflation von 1923 zum Großteil wertlos wurden. Auch der Magistrat der Stadt Zoppot verwendete 1923 Guthabenschecks als Notgeld in sechs Werten 500.000 bis 20 Mrd. Mark deutscher Reichswährung. Die Städte Neuteich und Tiegenhof sowie die Gemeinde Palschau ließen schon 1920/21 Kleingeldscheine zu 5, 10, 25 und 50 Pfennig drucken. Einen großen Vorteil besaßen die Danziger gegenüber den Reichsdeutschen, sie konnten ihre wertlosen Papiermillionen in Dollars oder andere ausländische Währungen umtauschen. Abb. 1: Scheck über 1 £St. vom 21. Juli 1923, auf die Danziger Ostseeländer-Bank gezogen, gedruckt bei Herbert Schnelle. Und so liefen viele kleine und große Geschäfte in der Freien Stadt über stabile Fremdwährungen (US$, £St., skandinavische Kronen oder holländische Gulden). Für Kleinbeträge und Wechselgeld fehlten die entsprechenden Geldzeichen – und Arbeitnehmer forderten ihre Lohnzahlungen in konvertierbarer Währung. Bis zum 8. August 1923 waren die Lebensmittelpreise drastisch gestiegen. So gingen an diesem Tag die Danziger Hausfrauen auf die Straße und prangerten vor dem Senatsgebäude die weiterhin hohen Lebensmittelpreise an. Die Arbeiterschaft legte deshalb vom 9. bis 11. August die Arbeit nieder mit der Forderung nach Entlohnung in wertbeständigem Geld. Der Ausstand war von Erfolg gekrönt: rückwirkend ab 1. August 1923 versprachen die Arbeitgeberverbände Stundenlöhne zwischen 25 Goldpfennige (Facharbeiter) und 22,5 Goldpfennige (ungelernte Arbeiter). Ab Montag, dem 13. August, wurde in Danzig größtenteils wieder gearbeitet. Immer noch war die Regierung nicht in der Lage, eine wertbeständige Währung einzuführen. Die neue Guldenwährung war schon geplant, aber die nötigen Absegnungen in Genf (Völkerbund) und in London (Bank von England) noch nicht erfolgt. Nach den zähen Verhandlungen wurden die sog. Industrieschecks eingeführt, die in zwei Serien und in den Wertstufen 20, 25, 105, 110, 210 und 420 Goldpfennige (1 US$ = 420 GPfg.) von verschiedenen Firmen, Aktiengesellschaften und Finanzinstituten ausgestellt wurden. Die Umlaufzeit wurde ursprünglich auf einen Monat festgelegt, wurde aber Ende Oktober 1923 auf drei Monate verlängert. Die Industrieschecks wurden ab September 1923 in den Verkehr gebracht und durften ab dem 20. Oktober nicht mehr ausgegeben werden, die bekannten und gestempelten Scheine datieren zwischen dem 21. September 1923 und dem 24. Oktober 1923. Die Einziehung dieser Gold-Industrieschecks wurde mit dem Gesetz über die Einführung einer wertbeständigen Rechnungseinheit geregelt: ab 10. November durften sie nicht mehr angenommen werden; ab 1. Dezember 1923 war dann der Umlauf aller Industrieschecks (und der Gold-Notgeldscheine) untersagt. Aus der Literatur ist bekannt, dass die Industrieschecks von einzelnen Banken mit einem Aufgeld von 5 bzw. 10 Prozent bis Februar 1924 wieder zurückgenommen wurden. Abb. 2: einseitiger Scheck über 420 Goldpfennige, 2. Serie (103 . 68 mm), auf die Sparkasse der Stadt Zoppot gezogen. Aussagekräftig sind die Aufdrucke auf den Industrieschecks, die mehr oder weniger inhaltlich identisch sind: "Diese Teilschecks sind gesammelt in vollen Dollarbeträgen an der Kasse der bezogenen Bank innerhalb eines Monats vom Ausstellungsdatum zur Einlösung bezw. Gutschrift einzureichen". Neidisch musste die Danziger Bankenwelt zuschauen, wie sich die Industrie und der Handel jetzt der neuen Not-Goldwährung bediente. Lediglich wenige kleine und mittlere Banken beteiligten sich an der Aktion. Diese, wie einige Sparkassen auch, gestatteten den Industrie- und Handelsfirmen im Freistaat gegen Hinterlegung von Goldanweisungen/-anleihen und fremden Devisen die Ausgabe von "Goldindustrieschecks". Vor allem der Vereinigung der Arbeitgeberverbände war es zu verdanken, dass das Experiment funktionierte und der Wirtschaft und dem Handel auf die Beine half. Die Industrieschecks wurden fast allerorten akzeptiert. Ende September 1923 gingen auch Versorger-Betriebe, Stadtwerke und Straßenbahnen dazu über, Preise und Gebühren in Goldwährung zu erheben. Die Danziger Großbanken verhielten sich abwartend und nicht sonderlich interessiert, zumal auch von staatlicher Seite wenig Unterstützung zu erkennen war. Der Umlauf aller Industrieschecks war von staatlich fast nicht kontrollierbar. Auch kleinere private Betriebe nutzten die Gunst der Stunde, gaben eigene Gold-Notgeldscheine aus und gestalteten dadurch ihren Zahlungsverkehr problemloser. Diese "Goldpfennige" sind den Industrieschecks ähnlich, denen jedoch nicht zuzurechnen. Die Regierungen Polens und der Freien Stadt Danzig einigten sich am 22. September 1923 in Genf auf die Einführung einer neuen Währung, die von polnischer Seite als Vorstufe einer gemeinsamen Währung betrachtet wurde. Gemäß dem einstimmigen Beschluss des Volkstags vom 19. Oktober 1923 und der Senatsbeschlüsse vom 20. Oktober und 20. November 1923 wurde als neue Währung am 26. Oktober 1923 der DANZIGER GULDEN eingeführt. Zunächst handelte es sich um einfache Kassenscheine der Zentralkasse, die auch als "Zwischengulden" bezeichnet werden. Am 18. Dezember 1923 wurde die deutsche Währung abgeschafft und der Gulden gesetzliches Zahlungsmittel. Die Währungssituation in Danzig vor hundert Jahren war eine besondere ... und heutzutage fast undurchsichtig. Einzelheiten dazu sind in der Literatur nachzulesen.1) Abb. 3: Postkarte aus Danzig vom 28. Oktober 1923; der Text sagt mehr über die Auswirkungen der Inflation aus, als jede Statistik. Und auch eine Glosse in einer estnischen Tageszeitung spiegelte die Währungssituation in Danzig jener Tage in etwa wider: "Scheint es denn denkbar, daß eine kurze Eisenbahnfahrt von 20 Minuten durch die Inflation zu einem aufreibenden Erlebnis wird? Die Eisenbahn, die sich in polnischer Regie befindet, nahm an ihren Schaltern bis zur Einführung des Zwischenguldens nur Reichsgeld an, das infolge der Teuerung sehr knapp war. Man wechselte daher den Industriescheck in der Bahnhofsbuchhandlung in Zoppot in Zoppoter Notgeld, stürzte zur Post, wechselte das Stadtgeld in Reichsgeld und kaufte, nachdem man einen Zug schon versäumt hatte, die Fahrkarte, womit nun die Reise beginnen konnte. Da infolge des gleichzeitigen Umlaufs der vielen Währungen die Kurse nicht täglich, wie in Deutschland, sondern stündlich wechselten, entwertete sich das Papiergeld während der kurzen Bahnfahrt um die Hälfte, so daß man sich, in Danzig angekommen, statt eines Mittagessens nur einen schlechten Kaffee gestatten konnte; dieser kostete als man ihn bestellte 50 und als man ihn bezahlte 100 Millionen. Zum Schluß mußte man sich dann zur Heimfahrt Geld leihen, denn der wertbeständige Bahntarif war aus den Millionen in die Milliarden gestiegen."2) Die Bank von England gewährte der Bank von Danzig einen Rediskontkredit in Höhe von 200.000 £St. (= 5,0 Mio. Danziger Gulden). Der Danziger Senat konnte nun die Einführung der neuen Währung vorantreiben, die an das englische Pfund gekoppelt war: 25 Gulden = 1 engl. Pfund. Finanzsenator Dr. Volkmann gab die Prägung von Münzen und am 1. Dezember 1923 den Druck der ersten Banknoten in Höhe von 46,0 Mio. Gulden in Auftrag. Im Gegensatz zu den Briefmarken der Freien Stadt Danzig erfolgte der Druck der neuen Banknoten nicht bei der Reichsdruckerei in Berlin oder bei einer in Danzig ansässigen Druckerei, sondern bei der bekannten britischen Banknotendruckerei Bradbury, Wilkinson & Co., Ltd. in New Malden/England. Der Danziger Finanz-Senator Dr. Ernst Volkmann (ehemaliger preußischer Finanzrat mit Erfahrungen bei der Rupien-Einführung in der damaligen Kolonie Deutsch-Ostafrika) beauftragte die Londoner Druckerei mit der Herstellung der Scheine; zuvor hatten andere Druckereien ihre Angebote mitgeteilt. Trotz des günstigen Preises fielen die beiden deutschen und der belgische Banknotenhersteller durch – unter ihnen auch die Leipziger Firma Giesecke & Devrient. Mister Gibbs von Bradbury-Wilkinson hatte es sehr schwer mit seinen deutlich höheren Preisen. Letztlich konnte er sie durchsetzen – die im Stahlstich angebotene Qualität gab den Ausschlag für die Auftragserteilung nach England. Dr. Volkmann wünschte die erste Banknotenlieferung für Ende Januar 1924. Diesen knappen Termin konnte die Druckerei nicht halten und man einigte sich auf einen anderen: Am 19. Februar 1924 sollten die Scheine eintreffen. Zu dieser Zeit waren Teile der Danziger Bucht und der Danziger Hafen stark vereist und teilweise zugefroren, so konnte die "Baltannic" nicht einlaufen und musste etwa 120 Seemeilen auf hoher See ankern. Diese für die Bank wie die Druckerei unangenehme Situation kommentierte einer der Bankdirektoren bei einem Treffen mit den für Mr. Gibbs unangenehmen Worten "So straft uns der Himmel für den nach England vergebenen Druckauftrag ...", zumal die aus dem Rennen geschlagenen deutschen Druckereien der Stadt wiederholt ihre Dienste anboten. Andere Wege für die Anlieferung der Scheine wollte man finden: entweder über den lettischen Hafen Libau oder über den polnischen Landweg. Aufgrund der wertvollen Fracht wartete man jedoch ab. Gibbs charterte einen Eisbrecher. Durch die Eisschmelze konnte die "Baltannic" aber am 23. Februar 1924 in den Danziger Hafen einlaufen, so dass die ersten Scheine dann am 7. März 1924 in der Stadt ausgegeben werden konnten. Sofort erteilte man den nächsten Auftrag für den Druck weiterer Wertstufen; die Scheine zu 25, 500 und 1000 Gulden wurden dann im Juni bzw. August desselben Jahres ausgegeben. 1925 gab es zwar noch einige Unstimmigkeiten mit der englischen Druckerei, das glättete sich jedoch und Bradbury-Wilkinson blieb die Allein-Druckerei bis 1938. In jenem Jahr erfolgte der letzte Druckauftrag. Dr. Ruhnau beschrieb die Einführung des Danziger Guldens in dem Buch3): "… Am 21. September 1923 vereinbarte Sahm [Heinrich Sahm, Senatspräsident des Freistaats] in Genf mit dem Diplomatischen Vertreter Polens in Danzig, Herrn Plucinski [Leon B. Plucinski, polnischer Generalkommissar in der Freien Stadt Danzig], das Danzig-polnische Währungsabkommen, welches am 11.12.1923 in Kraft trat. Kern des ‚Genfer Übereinkommens‘ war die Einführung einer eigenen Danziger Währung, der Guldenwährung … Die Bank von England garantierte die Sicherheit des Danziger Guldens. Bereits am 26. Oktober 1923 erhielten die Danziger zum ersten Mal ihren Lohn bzw. ihr Gehalt in Gulden ausbezahlt … Allerdings war das neue Geld noch gar nicht vorrätig, man behalf sich für kurze Zeit mit den ‚Zwischengulden‘, das waren auf Gulden lautende Kassenscheine, aus einfachem weißem Papier hergestellt. Die deutsche Währung wurde mit Wirkung vom 18.12.1923 abgeschafft, der Gulden war jetzt alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel im Freistaat." Danziger Geldzeichen im Wert von 25 Gulden = 1 Pound Die technischen Parameter der britischen Sovereign-Münzen waren Vorbild für die 25-Gulden-Münzen des Freistaats. 25 Gulden 1923, Gold 1000 Stück, davon 800 Expl. in "Polierter Platte" 200 Expl. als Normalprägung. Abb. 4: 25 Gulden 1923, Entwurf Prof. Fischer, Danzig/Stempel Kullrich, Berlin. Der Oberbaurat Erich Volmar und der Oberstudienrat Dr. Siegfried Rühle aus Danzig, waren bei der Gestaltung der 25-Gulden-Münzen beteiligt. Die Vorderseite zeigt Neptun auf dem Brunnen vor dem Artushof auf dem Langen Markt in Danzig. Nach Kurt Jaeger4) sollen von den Goldmünzen des Typs 1923 lediglich wenige Stücke an verdienstvolle Persönlichkeiten der Freien Stadt Danzig abgegeben worden sein. Die Ausweisung des Umlaufs der einzelnen Scheide- und Silbermünzen wurden von der Bank von Danzig in den Verwaltungsberichten der Bank, die nur für die Jahre 1924 bis 1938 erschienen waren, erst ab 1931 veröffentlicht. Bis dahin wurde nur der Gesamt- bzw. Banknotenumlauf bekanntgegeben. Interessanterweise wurden die Danziger Goldmünzen zu 25 Gulden nie einzeln ausgewiesen. Sie tauchten nur in der gesetzlichen Kerndeckung des Notenumlaufs zusammen mit fremden Goldmünzen und Noten der Bank von England auf. Regelmäßig in den Danziger Statistischen Taschenbüchern stand: "Außerdem sind 25-Gulden-Stücke (Goldmünzen) in einer Anzahl von 5.000 Stück (= 125.000 G.) ausgeprägt worden, die jedoch nicht für den Umlauf bestimmt, sondern größtenteils in den Goldbestand der Bank von Danzig aufgenommen sind." Also nicht hundertprozentig, wie z.B. eine andere Quelle zeigt: In der "Danziger Zeitung" vom 1. Januar 1924 konnte man lesen: "Das Münzgesetz ... sah goldene Fünfundzwanzigguldenstücke mit demselben Rauh- und Feingewicht wie das englische Pfund vor. Sie wurden jedoch vorläufig in einer derart geringen Menge ausgeprägt und in den Verkehr gebracht, daß für die Fünfundzwanzigguldenstücke Liebhaberpreise von Tausend Gulden gezahlt worden sind. Wegen ihres Hochglanzes waren sie von vornherein allein zu Sammelzwecken bestimmt und wurden daher mit einem Aufgeld abgegeben."5) 25 Gulden 1930, Gold 4000 Stück mit veränderter Rückseitengestaltung (Löwen/Schildhalter des Danziger Wappens). Abb. 5: 25 Gulden 1930, Entwurf Vs. Prof. Fischer, Danzig/Entwurf Rs. und Stempel R. Kullrich, Berlin. Vom Prägetyp 1930 sollen angeblich alle Stücke in Berlin bei der Deutschen Reichsbank verblieben und niemals nach Danzig gelangt sein. Wohl aus Sicherheitsgründen (gegen polnische Einmarschpläne ins Freistaat-Gebiet) blieben die Goldmünzen in der Reichsbank in Berlin eingelagert und verblieben dort bis zum Kriegsende 1945. Sie wurden von der Roten Armee erbeutet und angeblich von den Sowjets an die neugegründete Narodowy Bank Polski in Warschau übergeben. Nach 1990 sollen sie in die Hände eines US-amerikanischen Investors gelangt sein. Auffällig sind die vielen 25-Gulden-Münzen heutzutage am Markt. 25 Gulden 1923, Kassenschein 130 × 73 mm, einseitig gedruckt. Abb. 6: 25 Gulden 1923, 6stellige KN, Firmenzeichen "JS" (Julius Sauer). Abb. 7: Wasserzeichen der Ausgaben zu 10, 25, 50 und 100 Gulden; das gleiche Wasserzeichen wurde später auch für das Papier der 2. Serie Danziger Reisepässe (1936–1939) verwendet. Die 25-Gulden-Scheine der Danziger Zentralkasse AG gibt es nur aus der ersten Serie mit dem Datum 22. Oktober 1923; für die zweite Serie mit dem Datum 1. November 1923 wurde keine Nachauflage gedruckt. Die Kassenscheine zu 25 Gulden wurden in einer Menge von 250.000 Stück bei Julius Sauer in Danzig gedruckt. Sie waren vom 24. Oktober 1923 bis zum 31. Dezember 1924 im Umlauf und nur gegen Zahlung von wertbeständigem Geld erhältlich. 25 Gulden, Banknoten 135 × 75 mm, zweiseitig gedruckt Abb. 8: 25 Gulden 1924, Erstausgabe B-Serie. Von den 25-Gulden-Banknoten mit dem Datum 10. Februar 1924 wurden drei Serien gedruckt: B 000,001 ... B 800,000, B 800,001 ... B/A 100,000 sowie B/A 100,001... B/A 600,000. Es folgte die Ausgabe mit dem Datum 1. Oktober 1928 in zwei Serien: B/A 600,001... B/A 999,999 sowie B/B 000,001 ... B/B 739,000. Als letzte Ausgabe druckte man weitere zwei Serien mit dem Datum 2. Februar 1931, wobei die letzte nicht komplett ausgegeben wurde: B/C 000,001 ... B/C 400,000 und B/C 400,001 ...B/C 999,999. Auf allen 25-Gulden-Scheinen sind auf den Vorderseiten links das Große Wappen der Freien Stadt Danzig, in der Mitte eine Abbildung der Oberpfarrkirche St. Marien in Danzig und im rechten Sichtkreis dann in Durchsicht das Wasserzeichen (Maske und Wertzahl "25") zu sehen. Auf den gleichen Rückseiten wurde rechts der Neptun des Brunnens vor dem Artushof abgebildet. Von allen Ausgaben sind Andrucke, Auftragsdrucke, Muster, Farbproben, Entwertungen und auch Fälschungen bekannt. Bis zum 31. Dezember 1933 kursierten Monat für Monat im Durchschnitt etwa 800.000 Stück dieser heute sehr gesuchten 25er. Diese verloren nach dem Aufruf vom 2. Mai 1933 ihre Umlauffähigkeit am 1. Januar 1934, konnten danach aber noch bei allen Banken eingewechselt werden und verloren ihre Gültigkeit schließlich am 31. Dezember 1934. Mit der Einführung der 20-Gulden-Scheine verringerte sich die Menge an 25-Gulden-Noten schlagartig auf 600.000 Stück schon im Mai 1932, auf 190.000 Stück zum Jahresende 1932 – und am Ende ihrer Umlauffähigkeit waren es nur noch wenige 4000 Stück, was ihre heutige Seltenheit erklärt. Der Beginn des Zweiten Weltkriegs und die Eingliederung Danzigs in das Deutsche Reich beendeten die nicht mehr nötigen Geschäftsbeziehungen zur Druckerei Bradbury & Wilkinson. Der letzte ausstehende Betrag über 755 Pfund, 8 Schilling und 11 Pence für die nicht beglichene Rechnung der Druckerei an die Bank von Danzig für die allerletzte Lieferung war ein Streitobjekt nach dem Krieg ...! Abb. 9: 25 Gulden 1928, Musterdruck ("Rough Proof"), mit Perforation »CANCELLED«, handschriftlichem Datum »20/8/28« und dem Vermerk "as submitted". Abb. 10: 25 Gulden 1924, gelaufene Standard-Banknote mit Entwertungsstempel "wertlos" auf Vorder- und Rückseite. Abb. 11: 25 Gulden, Wasserzeichenpapier ohne Aufdruck, perforiert "CANCELLED" und mit Lochentwertung. Anmerkungen 1) Schöne, M. H. "Das Papiergeld in der Freien Stadt Danzig 1920–1939", 2003 2) "Revaler Bote" vom 8. März 1924 3) Ruhnau, Dr. R. "Die Freie Stadt Danzig 1919–1939", 1988 4) Jaeger, K. "Die Deutschen Münzen seit 1871", 1997 5) Schröder, H. "Die Danziger Währung", Dissertation 1925 Michael H. Schöne

  • Wer war Michael D. Hillegas?

    Vom Namen her könnte es sich bei Michael Hillegas um einen Holländer handeln – oder um einen Spanier. Falsch: es handelt sich um einen Deutschen. Genauer gesagt um einen Untertan der englischen Krone in den britischen Kolonien in Nordamerika. Der damalige König war jedoch auch ein Deutscher (König George II. war in Personalunion auch Kurfürst von Braunschweig-Lüneburg). Michael Hillegas war der erstgeborene Sohn des im badischen Sinsbach geborenen Auswanderers Georg Michael Hillengaß und seiner Ehefrau Margarethe geb. Schiebenstock. Der Vater „amerikanisierte“ seinen Namen nach der Ankunft in Pennsylvanien in George Michael Hillegas. Die Eltern kamen um 1724 nach Amerika und siedelten in Philadelphia. Dort wurde am 22. April 1729 Michael Hillegas geboren. Abb. 1: 10 Gold-Dollars, Serie 1907 (Vernon/Treat1907–1909), mit einem Bildnis von Michael Hillegas. Nach dem Tod von George Hillegas im Oktober 1749 übernahm der Sohn 1750 als Kaufmann die gut laufenden Geschäfte seines Vaters. Er verwaltete fortan das geerbte Vermögen; an Eisenhütten und Zuckerraffinerien war er beteiligt und besaß Handelsfirmen. Michael Hillegas war ein frühes Mitglied der 1743 gegründeten American Philosophical Society in Philadelphia, in der sich bedeutende Männer der Kolonie und auch spätere US-Präsidenten eingeschrieben hatten – wie z. B. Benjamin Franklin sowie George Washington, John Adams, Thomas Jefferson und James Madison. Hillegas schloss sich dem Widerstand gegen das sog. Zuckergesetz an. Aufgrund der angewachsenen Kriegskosten und der beschlossenen Sicherung der Westgrenze gegen die Indianer wuchsen die Staatsschulden Großbritanniens auf 133 Millionen Pfund im Jahr 1763 an. Am 5. April 1764 unterschrieb der König das neue Zuckergesetz. Dieses Dekret bevollmächtigte zur direkten Besteuerung der Kolonisten mit dem erhofften Resultat, dass das Board of Trade eine jährliche Mehreinnahme von 45.000 Pfund in Form von Ein- und Ausfuhrzöllen auf Zucker aufwies. Hillegas diente kurzzeitig als Quartiermeister der Armee und gelegentlich als Kommissar. Abb. 2: Porträt von Michael Hillegas (A. M. Archambault, um 1760). Von 1765 bis 1775 war Michael Hillegas Mitglied der Pennsylvania Provincial Assembly; im Juni 1774 wählte man ihn zum Schatzmeister des Committee of Safety unter Benjamin Franklin. Am 29. Juli 1775 übertrug der Zweite Kontinentalkongress die Verantwortung für die Verwaltung der Finanzen der revolutionären Regierung an George Clymer und Michael Hillegas. Der Kongress forderte für jede einzelne der 13 Kolonien einen Beitrag für die kontinentale Regierung. Nach Clymers Rücktritt am 6. August 1776 übernahm Hillegas die alleinige Verantwortung für das Amt, das er bis zum Ende der amerikanischen Revolution innehatte; auch mit einem Großteil seines eigenen Vermögens unterstützte er die gemeinsame Sache. Anne – die letzte Stuart-Königin von England, Schottland und Irland – erließ 1704 ein Münzpräge-Verbot in den amerikanische Kolonien, welches bis zum 10. Mai 1775 hielt, als die Mitglieder des Kontinentalkongresses die Schaffung einer eigenen Währung forderten und in Umlauf brachten: den Dollar als „Continental Currency“. Ab dem 22. Juni 1775 ließ der Kongress 2 Millionen Dollars in Kreditscheinen drucken und am 25. Juli wurden 28 Bürger von Philadelphia vom Kongress angestellt, um diese Scheine zu unterzeichnen und zu nummerieren. Auch der erstgeborene Sohn von Michael Hillegas – Samuel Hillegas – gehörte zu den Erstunterzeichnern (am 10. Mai 1753 hatte M. Hillegas die 22jährige Henrietta Boude geheiratet; in ihrer Ehe wurden zehn Kinder geboren). Abb. 3: 3 Dollars 1776, Vs., Druckerei: Hall & Sellers, Philadelphia. Anfangs hatten die Kongress-Delegierten die Ausgabe von Kreditscheinen in den Wertstufen 1 bis 8 Dollars beschlossen und versprachen die Einlösung des Geldes im Vertrauen auf die revolutionäre Sache. So erhoffte man sich in- und ausländische Investitionen und damit auch die Finanzierung des Unabhängigkeitskriegs. Die Unterschrift von Michael Hillegas hingegen findet man jedoch nur auf Wechsel-Zinsscheinen, die er als US-Schatzmeister unterzeichnete. Die Scheine wurden in Form von vier Bögen gedruckt, von einem Ersten oben bis zu einem Vierten unten. Sie hatten das gleiche Datum, die gleiche Nummer und den gleichen Namen des Beziehers. Einer oder mehrere konnten gleichzeitig abgegeben werden, wenn dies für die Auslandszahlung erforderlich war. Abb. 4: Zinsschein über 18 Dollars (= 90 Livres Tournois) vom 5. Januar 1782, Vs. mit Wasserzeichen „UNITED STATES 4“ (= 4. Ausführung), unterschrieben von Michael Hillegas (Treasurer), Ausführungs-Nr. 533. Wegen der vielen Gefahren und Risiken bei der Versendung nach Europa, insbesondere während des Krieges, wurden vier Exemplare jedes Scheins ausgefertigt und verschickt. Jeder einzelne Vierer-Schein, der es z.B. nach Paris schaffte, machte alle anderen ungültig und wertlos. William G. Anderson beschrieb das 1983 in „The Price of Liberty“ so: „Wenn der erste Schein verloren gegangen ist oder auf See erbeutet wurde ... würde der Inhaber den zweiten Schein senden, wenn er auch verloren ging, würde er den dritten senden und so weiter. In mehreren Fällen wurden vom Kongress genehmigte Duplikate ausgestellt, als alle vier auf See verloren gegangen waren ...“ Die jeweiligen Abschnitte 1 bis 4 hatten unterschiedliche Wasserzeichen „UNITED STATES 1“, „UNITED STATES 2“, „UNITED STATES 3“ bzw. „UNITED STATES 4“ und waren dadurch unterscheidbar. Und sie wurden in jedem Fall von den Commissioners der Continental Loan-Offices der Einzelstaaten gegengezeichnet. In der Regel wurden diese Scheine in Paris, Amsterdam oder anderswo in Europa ausgezahlt – mit einer Verzinsung von 6 Prozent/jährlich – und deshalb meist auf Livres Tournois (1 $ = 5 Livres) oder eben auf entsprechende Währungen lautend. Abb. 5: Doppelschein (Expl. 3 und 4) des Zinsscheins über 18 Dollars vom 12. September 1782, unterschrieben von Michael Hillegas (Treasurer). Abb. 6: Kreditschein über 400 Dollars vom 26. März 1781, seltenes Exemplar mit der Unterschrift von Francis Hopkinson (Treasurer und Mitunterzeichner der US-amerikanischen Unabhängigkeitserklärung vom 4. Juli 1776). Am 9. September 1776 änderte der Kontinentalkongress offiziell den Namen des Landes in „United States of America“, der Amtstitel von Hillegas änderte sich aber erst im März 1778: Treasurer of the U.S.A. Die erste Verfassung der Vereinigten Staaten wurde am 17. September 1787 verabschiedet; das Finanzministerium bildete man aber erst am 11. September 1789. Alexander Hamilton legte den Amtseid als erster Finanzminister ab und am selben Tag reichte Hillegas seinen Rücktritt als Schatzmeister ein. Nachfolger in seinem Amt wurde Samuel Meredith, ein 48jähriger Hafenkommandant von Philadelphia und ehemaliger Brigadegeneral der Milizen von Pennsylvania. Abb. 7: Grabstein für Michael Hillegas und seine jüngste Tochter Mary Ann (1774–1817) auf dem Christ Church Burial Ground in Philadelphia. Der Coinage Act of 1792 vom 2. April 1792 erklärte den damaligen spanischen Peso (Spanish Milled Dollar) mit einem Feingewicht von 371,25 Grains in Silber zur Hauptwährungseinheit der USA. Es galt fortan der Dollar zu 10 Dimes bzw. 100 Cents. 1792 gründete Hillegas mit zwei Partnern die Lehigh Coal Company. Nach zwölf Jahren in der Bundesregierung wurde Michael Hillegas Ratsherr und Berater des Bürgermeisters von Philadelphia. In den Jahren von 1792 bis 1804 war er auch stellvertretender Richter am Bürgermeistergericht von Philadelphia. Vor allem in der Zeit des Unabhängigkeitskriegs betrieb er Bodenspekulationen nicht nur im Bedford County und im Dunnigs Creek. Zeitgenossen beschrieben Hillegas als guten Flötisten und Geiger – und er betrieb den ersten Musikladen in den Kolonien und bot auch Instrumente an. Michael Hillegas starb 12 Jahre nach dem Tod seiner Ehefrau Henrietta am 29. September 1804 im Alter von 75 Jahren und wurde neben ihr und vielen prominenten Bürgern Philadelphias im Christ Church Burial Ground begraben. Abb. 8: 10 Gold-Dollars, Serie 1922 (Speelman/White 1922–1929). Im vorigen Jahrhundert ehrte man Michael Hillegas auf zwei ähnlichen Ausgaben der sog. Gold-Zertifkate – die von 1907 und von 1922. Das Porträt dafür gravierte G. F. C. Smillie. Der Familienname Hillegas ist noch heute oft in den USA zu finden – ebenso der Name Hillengaß/Hillengass im süddeutschen Raum. Michael H. Schöne

  • Lenin auf chinesischen Banknoten

    Im Jahr 1927 übernahm Chiang Kaishek (eigentlich Jiǎng Jièshí = 蔣介石) die Führung der Nationalisten in China (Guómíndǎng). Er machte es sich zur Aufgabe, die 1921 gegründete Kommunistische Partei Chinas zu unterdrücken. Es begann mit einem Massaker an Kommunisten in Shanghai im Mai 1927. Danach wurde die Kommunistische Partei für illegal erklärt und verboten. Die Kommunisten unter Führung von Máo Zédōng gründeten von 1928 an in verschiedenen Provinzen Chinas autonome Gebiete, chinesisch  蘇維埃共和國 genannt; wörtlich übersetzt heißt das „Sowjetrepublik“. Diese mit Hilfe von vormals unterdrückten Arbeitern und Bauern gegründeten Stützpunkte unter „chinesischer Sowjetverwaltung“ waren Zentren militärischer Operationen gegen die Guómíndǎng. Großgrundbesitzer wurden enteignet und das Land kleinen Bauern und früheren Landpächtern zur Verfügung gestellt. Da die Stützpunkte jeweils auf sich gestellt waren, wurde es nötig, jeweils eine eigene Bank zu gründen und Papiergeld zu emittieren. Es gab sehr viele derartige Banknoten, zahlreiche mit einem Porträt von Lenin. Da die Scheine jeweils nur kurze Zeit zirkulierten und nach Ende der Umlauffrist fast vollständig eingetauscht und anschließend vernichtet wurden, sind die meisten von ihnen äußerst selten. Manche sind überhaupt noch nicht aufgetaucht, von anderen kennt man nur 1 bis 2 Exemplare. Lediglich die Noten der „Nationalbank der chinesischen Sowjetrepublik“ (中華蘇維埃共和國國家銀行) sind nicht ganz so selten. Diese Bank wurde im März 1932 in Zentraljiāngxī gegründet. Direktoren der Bank waren Máo Zémín (毛澤民), ein Bruder von Máo Zédōng, und Lǐ Liùrú (李六如). Sitz der Bank war zunächst Yèpíng (葉坪) bei Ruìjīn (瑞金). Aus Sicherheitsgründen musste die Bank mehrfach umziehen, Im April 1933 wurde die Bank nach Shāzhōubà (沙洲壩) verlegt, im Juli 1934 wurde eine erneute Verlegung der Bank nach Xiàbēizi (下陂子) notwendig. Im Oktober 1934 musste der Stützpunkt ziemlich schnell aufgegeben werden, der berühmte „Lange Marsch“ begann, die Banknoten in den Händen der Bauern und Arbeiter wurden von den heranrückenden Nationalisten (Guomindang) natürlich nicht eingelöst, was ein Grund dafür ist, dass sie heute nicht ganz so selten sind. Die Notenausgabe begann im Juli 1932. Schon die erste Ausgabe über 5 Fen, 1 und 2 Jiao sowie 1 Yuan zeigt zwei Scheine mit dem Porträt Lenins: 2 Jiao und 1 Yuan.  Auf den abgebildeten Scheinen (Abb. 1/2) finden sich zwei Unterschriften in westlichem Stil, es sind die Signaturen der beiden Bankdirektoren Máo Zémín (rechts) und Ruìjīn (links). In einem kleinen Teilgebiet, genauer im Nordwesten des ehemaligen Stützpunkts, konnten sich kommunistische Kräfte halten. Die sog. Nordwestfiliale (西北分行) der ursprünglichen Bank gab ab 1935 wieder Noten aus. Und zwar im Gesamtwert von 900.000 Yuan. In der Dezember-Versteigerung von Yangming Auctions, Shanghai, tauchten solche Noten mit Datum 1935 bzw. 1936 auf. Sie stammten allesamt aus der Sammlung des Japaners Isamu Morimoto. Die frühesten Noten, die durch diese Nordwest-Filiale ausgegeben wurden, mussten, weil kein geeignetes Papier zur Verfügung stand, auf Stoff gedruckt werden. Eine solche Note kann ich hier abbilden (Abb. 3). Gegen Ende des Jahres 1935 hatte man geeignetes Papier besorgen können, sogleich gab man eine 1-Yuan-Note aus Papier aus. (Abb.4). An den ursprünglichen Titel hatte man den Namen der ausgebenden Filiale angehängt: 中華蘇偉啊你更何國國家銀行西北分行 = „Nationalbank der chinesischen Sowjetrepublik, Filiale Nordwest“. 1936 hatte man den Namen der Bank ein wenig verändert, der ursprüngliche Bankname wurde durch Hinzufügung zweier Zeichen (人民 = „Bürger“) leicht verändert. Vollständig lautet er: 中華蘇維埃人民共和國 / 國家銀行 = Chinesische Sowjet-Staatsbank der Bürgerrepublik. „Nordwest-Filiale“ ließ man weg. (Abb.5) Eine weitere Note mit Lenin-Porträt, die hin und wieder in Sammlungen zu finden ist, wurde 1933 im Stützpunkt „Chuān-Shǎn“ ausgegeben. „Chuan“ (川) steht für die Provinz Sìchuān (四川),“ Shǎn“ steht für die Provinz Shǎnxī (陝西). Ausgegeben wurde sie von der „Arbeiter- und Bauernbank der Sowjetregierung in den Provinzen Sìchuān und Shǎnxī“ (川陝省蘇維埃政府 / 工農銀行). Die Note über 1 Chuan zeigt auf der Vorderseite „THE BANK OF SOVJET“ sowie zwei Propagandasätze: „Den Gewinn der Bauern steigern!“ (增加工農利益) und „Die soziale Wirtschaft entwickeln!“ (發展社會經濟). Links und rechts vom Lenin-Porträt finden sich zwei rote, 5-zackige Sterne (Symbole für den Kommunismus), auf der Rückseite ist eine geballte Faust zu sehen (Abb.6). Erwin Beyer Alle Abbildungen: Yangming Auctions, Shanghai, Erlaubnis durch Cài Xiǎojūn.

  • Ein Beispiel für chinesisches Widerstandsgeld

    Als Widerstandsgeld, chinesisch 抗幣, wird eine Gruppe von Banknoten bezeichnet, die während der japanischen Besatzung in den verschiedenen befreiten Gebieten ausgegeben wurden. In diesem kleinen Beitrag geht es um Scheine, die von der sog. Sūnán-Basis (蘇南) in der Provinz Jiangsu ausgegeben wurden. Schon im Sommer 1938 rückte eine zur 4. Armee gehörende Truppe unter Führung von Chén Yì (陳毅) in das Gebiet des Máogebirges (茅山) im Süden der Provinz Jiangsu vor. Hier wurde eine Militärbasis für den Widerstand gegen die japanische Aggression errichtet. Im Dezember 1939 wurde dann von der kommunistischen Partei ein Komitee zur Verwaltung dieses Gebiets gegründet. 1940 wurde die Gründung einer Bank beschlossen und eine erste Notenausgabe vorbereitet. Doch war die Situation für die Eröffnung einer Bank noch zu instabil. 1941 wurde das Gebiet von der 6. Divisions der 4. Armee verwaltet, unter Divisionskommandeur Tán Zhènlín (潭震林). Im April wurde ein „Büro für Geldangelegenheiten“ gebildet, die Leitung hatte Lǐ Jiànhéng (李建橫). Im Dezember 1942 wurde eröffnete das oben genannte Büro die Huìnóng-Bank (惠農銀號) mit Sitz in einem kleinen Dorf namens Yánlíng im Bezirk Dānyáng (丹陽延陵). Leiter dieser kleinen Lokalbank – man scheut sich, ihn „Bankdirektor“ zu nennen – wurde der oben genannte Lǐ Jiànhéng. Die „Bank“ war ein einfaches Blockhaus, aus Sicherheitsgründen versteckt im Hinterhof eines Salzlagers. Diese Bank gab einige Noten aus, die im Bankgebäude auf einer kleinen, leicht transportierbaren, Druckerpresse hergestellt wurden. Es war festgelegt, dass 1 Yuan der neu gegründeten Bank = 5 Yuan des im nicht von Japanern besetzten Gebiet umlaufenden „gesetzlichen“ Geldes – so genanntes Fǎbì (法幣) – entsprach. Die Ausgabe von lokal gedrucktem Geld war nötig, weil es für die Militärbasis, die an allen Seiten von japanisch besetztem Gebiet umgeben war, keinen Nachschub an Fabi gab. Insgesamt hat die Huìnóng-Bank zweimal Geld ausgegeben. Die erste Notenausgabe zeigt Scheine mit Datum 1940 und dem Zusatz „流通券“ (Zirkulationsnote). Auf der Vorderseite findet sich keine Signatur, auf der Rückseite steht „HUILOON CURRENCY“. Wegen des Datums „1940“ auf den Scheinen wird angenommen, dass die Druckplatten für die erste Notenausgabe schon vor der Bankgründung angefertigt worden waren. Ausgegeben wurden Noten über 5 Jiao (oder 50 Cents) und 1 Yuan (1 Dollar). Die 5-Jiao-Note ist bisher in Sammlungen nicht aufgetaucht, die 1-Yuan Note (Abb.1) ist äußerst selten. 2006 wurde ein Exemplar (es ist das hier abgebildete) für 11.000 Yuan versteigert, dieselbe Note wurde 2009 für 19.000 Yuan verkauft; 2014 wurde sie für 60.000 Yuan angeboten, jedoch nicht verkauft. 2017 wurde die Note durch Yangming Auctions in Shanghai angeboten und für 115.000 Yuan verkauft, das entspricht etwa 15.000 € (wozu noch 15% Zuschlag kamen)! Die zweite Ausgabe umfasst 1-, 5- und 10-Yuan-Noten. Das Datum lautet 1942, der Zusatz „流通券“ (Zirkulationsnote) fehlt. Auf der Vorderseite ist eine Unterschrift in westlichem Stil, es ist die von Herrn Lǐ (geschrieben „Lee“), dem Leiter der Bank.   Auf der Rückseite „THE BANK OF FARMER FACILIATING“:  Aus Copyrightgründen kann hier nur die 10-Yuan-Note gezeigt werden (Abb. 2). Als 1943 – nur ein Jahr nach Gründung der Bank – die Japaner aus Jiangsu vertrieben waren, wurde die Huìnóng-Bank nicht mehr benötigt. Sie wurde geschlossen, die Noten wurden zurückgenommen, in Fabi gewechselt und nach Ende der Umtauschfrist vernichtet. Erwin Beyer

  • Die „Sino-Scandinavian Bank“ (華威銀行)

    Die Sino-Scandinavian Bank war ein Joint Venture chinesischer, norwegischer und dänischer Kaufleute. Die Bank wurde formell im November 1921 gegründet, im Dezember 1921 wurde sie bei der Běiyáng-Regierung offiziell registriert und im Januar 1922 öffnete sie ihre Türen für den Publikumsverkehr. Die Zentrale der Bank befand sich in Běijīng (Peking), Filialen waren zu finden in Chānglí (昌黎), Qínhuángdǎo (秦皇島), Shànghǎi (上海), Tiānjīn (天津) und Zhāngjiākǒu (張家口), im englischen Sprachraum  eher als Kalgan bekannt. Es war eigentlich beabsichtigt, die Bank mit einem Anfangskapital von 10 Millionen Yuan zu eröffnen, doch kamen nur 2,5 Millionen Yuan zusammen. Der Bankdirektor war ein Chinese, sein Vertreter ein Norweger. Der erste Direktor hieß Jiāng Tiānfēng (江天鋒), dieser wurde später durch Liú Huàn (瀏煥) ersetzt. Der norwegische Vizedirektor war Johann Wilhelm Norman Munthe. Seine Signatur ist auf der Rückseite aller von der Bank ausgegebenen Noten zu finden. Munthe wurde 1864 in Bergen geboren. 1887 begab er sich nach China und  nahm hier als Freiwilliger am Chinesisch-Japanischen Krieg (1894/95) teil. 1910/11 war Munthe Zolldirektor in Tiānjīn. Er blieb in China bis zu seinem Tode im Jahre 1935. Munthe war bekannt als Sammler chinesischer Kunst, seine Sammlung ist in Bergen, im „Vestlandets Kunstindustrimuseum “, ausgestellt. Der chinesische Name Munthes lautete Màndé (曼德), abgeleitet von der englischen Aussprache seines Namens. Auf vielen (aber nicht auf allen) Noten findet sich eine weitere Unterschrift im westlichen Stil, sie sieht aus wie „Farntsan F. Sung“. Das war ein Chinese, der 1883 in Pútián (莆田), Provinz Fújiàn, geboren wurde. Sein chinesischer Name lautete Sòng Fāxiáng (宋發祥). 1900 ging er in die USA (Ohio und Chicago), um Naturwissenschaften zu studieren. Zurück in China hatte er nacheinander viele hohe Posten inne, so war er „technischer Experte“ im Finanzministerium, Co-Direktor des „Bureau of Engraving and Printing“, Generaldirektor der Nánjīng-Münzanstalt, 1923 war er Mitglied der Kommission zur Konsolidierung von in- und ausländischen Staatschulden. Von 1928 bis 1937 arbeitete er in verschiedenen Überseekonsulaten, 1938 und später arbeitete er auf dem Konsulat in Wien. 1943 starb er an einem Herzinfarkt. In seltenen Fällen und nur bei der allerersten Notenserie und nur bei Noten mit Ortsangabe 北京 (Běijīng) und niedriger Kontrollnummer finden wir eine weitere Signatur. Leider kann sie (noch) nicht identifiziert werden. Folgende Noten existieren, einige scheinen nicht ausgegeben worden zu sein. 1. Serie: Yuan-Noten, Vorderseite monochrom 1 Yuan 北京 / PEKING (Běijīng) – 2 Signaturkombinationen 1 Yuan 昌黎 (Chānglí) (綏遠) Suīyuǎn über 北京 (Běijīng), Abb. 1 1 Yuan 張家口 / KALGAN (Zhāngjiākǒu) über 北京 (Běijīng), Abb. 2 5 Yuan 北京 / PEKING (Běijīng) – 2 Signaturkombinationen 5 Yuan 昌黎 (Chānglí) über (綏遠) Suīyuǎn über 北京 (Běijīng), Abb. 3 10 Yuan 北京 / PEKING (Běijīng) nur 1 Signaturkombination, Abb. 4 10 Yuan 昌黎 (Chānglí) über (綏遠) Suīyuǎn über 北京 (Běijīng), Abb. 5 10 Yuan TIENTSIN (Tiānjīn) über 北京 (Běijīng), Abb. 6 2. Serie: Yuan-Noten, Vorderseite mehrfarbig 1 Yuan 北京 / PEKING (Běijīng), Abb. 7 1 Yuan 北京 / PEKING (Běijīng) über 天津 / TIENTSIN (Tiānjīn) 1 Yuan 天津 / TIENTSIN (Tiānjīn), Abb. 8 5 Yuan 天津 / TIENTSIN (Tiānjīn), Abb. 9a Vorderseite, Abb. 9b Rückseite 10 Yuan 北京 / PEKING (Běijīng) über 天津 / TIENTSIN (Tiānjīn), Abb. 10 10 Yuan 天津 / TIENTSIN (Tiānjīn), Abb. 11 3. Serie: Jiao-Noten 1 Jiao, Abb.12 2 Jiao, Abb.13 4. Serie: Mei-Noten, Wertstufe 10 Mei oder ein Vielfaches davon 10 Mei, Abb.14 20 Mei -Abb.15 30 Mei, Abb. 16 50 Mei, Abb. 17 Serie: Mei-Noten, Wertstufe 16 Mei oder ein Vielfaches davon (1 Yuan entsprach 320 Mei; 16 Mei = 5 Fen, 32 Mei = 1 Jiao, usw. Es galt auch: 16 Mei = 1 Diao, 32 Mei = 2 Diao, 48 Mei = 3 Diao, usw.) 16 Mei, Abb.18 32 Mei, Abb.19 48 Mei, Abb. 20 80 Mei (wohl nicht ausgegeben), Abb. 21 Hier noch ein paar Bemerkungen über einige Irrtümer, die sie sich in der Literatur finden: Einige Quellen berichten von einer 88-Mei-Note. Sie existiert nicht, weil 88 weder durch 10 noch durch 16 teilbar ist. Im SCWPM werden 2 Serien von Mei-Noten unterschieden: eine Gruppe von Noten soll von der „CHINGWANTAO BRANCH“ ausgegeben worden sein, die andere von einer „YUNGTSUN BRANCH“. – Eine „Yungtsun-Fliliale“ hat es nie gegeben. Alle Mei-Noten zeigen den Satz  永遵通用 (Yǒngzūn tōngyòng) = in Yǒngzūn gültig. Yǒngzūn war ein neuer Name für die frühere Präfektur Yǒngpíng (永平府). „Qínhuángdǎo“ ist ein Teil von Yǒngzūn. Die Noten, die im SCWPM unter „YUNGTSUN BRANCH“ aufgelistet werden, sind unfertige Noten, bei denen die Ortsangabe „Qínhuángdǎo“ noch fehlt! Im SCWPM werden auch drei Wertstufe mit Ortsangabe Suīyuǎn (綏遠) aufgelistet. Solche Noten wurden jedoch nie ausgegeben, sie wurden vielmehr allesamt mit 昌黎 (Chānglí) und „YUNGCHI CURRENCY“ überdruckt. In der chinesischen Literatur wird behauptet, es würde vier verschiedene Signaturkombinationen geben. In Wirklichkeit gibt es nur drei, der Fehler entstand, weil die Unterschrift „Farntsan F. Sung“ in zwei etwas unterschiedlichen Variationen auftritt. Erwin Beyer Abb. 5, 8, 14, 15, 18 und 20 Yangming Auctions, Shanghai, mit Erlaubnis durch Cai Xiaojun. Abb. 9b Sammlung Grabowski, die übrigen Abb. ehemalige Sammlung Erwin Beyer.

  • Chinesische Benzinkupons

    Viele kennen die chinesischen „Reis-Gutscheine“, also Bezugsmarken für Getreide. Doch gab es auch ganz andere Bezugsmarken, etwa für Tierfutter, Speiseöl, Brot, Stoff, Seife usw. In diesem Beitrag möchte ich nun einige Benzinmarken vorstellen. Die meisten Benzinmarken wurden von der Firma Sinopec ausgegeben. Diese Firma heißt auch Chinesisch 中国石油 , was man wörtlich mit „Chinesische Petrochemie“ übersetzen kann. Sie hat Ihren Hauptsitz in Peking (Beijing) und erschließt Erdgas- und Erdölvorkommen. Es sollen zunächst zwei Kupons vorgestellt werden, die für die gesamte Provinz Jiangxi ausgegeben waren. Die Scheine haben ein vertikales Format und bestehen aus zwei Schichten, die rückseitige Schicht ist normales Papier, die vorderseitige dagegen ist eine glänzende, wasserfeste Folie! Die beiden Kupons sind zwar ähnlich, aber doch verschieden. Der erste, auf 1992 datiert, lautet auf 10 kg Benzin, der zweite dagegen, der das Datum 1994 trägt, lautet auf 10 Liter. Das heißt, bis 1992 (vielleicht bis 1993) war die Maßeinheit für Benzin kg, ab 1994, (vielleicht ab 1993), war die Maßeinheit jedoch Liter. Das wird bestätigt durch den dritten hier abgebildeten Schein. Er stammt ebenfalls aus der Provinz Jiangxi, war ursprünglich mit 1987 datiert und lautete auf 20 kg Benzin. Ein roter Überdruck am unteren Rand lautet „95年底有效“, das heißt „gültig Ende 1995“. Folgerichtig wurde 公斤 (kg) durch 公升 (Liter) ersetzt. Im oberen Teil wurde „70“ mit „93“ überdruckt, das bedeutet, aus Benzin mit 70 Oktan wurde Benzin mit 93 Oktan. Die Kupons Nr. 4 und 5 stammen aus dem Kreis Tongxu, Provinz Henan. Die undatierten Scheine sehen im Wesentlichen ähnlich aus, mit Nr. 4 konnte man 5 Liter Benzin mit 70 Oktan erwerben, mit Nr. 5 schließlich 5 Liter Benzin zu 90 Oktan. Bei beiden Scheinen findet sich links ein Kontrollabschnitt, der nach Gebrauch abgeschnitten wurde. Der Tankwart musste diese abgeschnittenen Teile in ein Heft kleben, das diente der Kontrolle, dass er nicht irgendwelches Benzin „schwarz“ verkaufte. In anderen Fällen wurde eine dafür vorgesehene Ecke des Kupons abgetrennt, auch damit niemand einen Kupon zweimal benutzen konnte. Die nächste hier abgebildete Marke lautet über 10 Liter Treibstoff mit „Null Oktan“, das steht für Diesel. Auch die Bezeichnung 柴油 („chaizou“) meint Dieselkraftstoff.   Der Kupon stammt aus der Stadt Changde, Provinz Hunan Unter der abgebildeten Tankstelle steht „Die Filiale Changde in Hunan heißt Sie willkommen!“. Die Benzinmarke ist von 2004 und wurde nach Ausweis des roten Logos links oben ebenfalls von der Firma Sinopec ausgegeben. Ergibt sich noch die Frage, warum es auch Scheine über ½, 1 oder 2 Liter Benzin gab? Wer tankt schon eine so geringe Menge Benzin? Ein Beispiel ist der zuletzt hier abgebildete Schein über 2 l Benzin (93 Oktan). Er stammt aus dem Jahr 2000 und galt in der gesamten Provinz Jiangxi. Nehmen wir an, jemand besitzt einen Kupon über 30 Liter Benzin, aber in den Tank passen nur 28 Liter. Für die nicht ausgenutzten 2 Liter erhielt man dann z.B. den abgebildeten Kupon, den man beim nächsten Mal mitbenutzen konnte. Deshalb finden sich unter dem Sinopec-Logo die Worte „找零油票“, was „Benzin-Wechselschein“ bedeutet. Mit liegen ca. 140 verschiedene chinesische Benzinmarken vor. Sie sind wesentlich schwieriger zu finden als die Getreidekupons, jedoch gibt es kaum Sammler solcher Marken, sodass der Preis der Benzinmarken in China nur bei 0,30 € pro Stück liegt. Erwin Beyer

  • Lebensmittelpreise von Mitte 1914 bis Ende 1923

    Bereits während des Ersten Weltkriegs stiegen die Preise für Lebensmittel und andere Güter und das Geld verlor bis Kriegsende 1918 etwa die Hälfte seiner Kaufkraft. Wenn man historisches Geld sammelt, insbesondere auch Banknoten und Notgeldscheine aus Inflationszeiten, dann ist es natürlich immer interessant zu erfahren, was man für dieses Geld einst tatsächlich kaufen konnte. Ich habe Ihnen hier eine Tabelle zur Preisentwicklung bei wichtigen Lebensmitteln von Mitte 1914 bis Ende 1923 gescannt, die aus einer kleinen Broschüre "Notgeldscheine und Lebensmittelmarken als amtliche Zeugnisse ..." von Paul Hohner aus der Zeit nach der Inflation stammt und einem entsprechenden Album beigelegt war. Solche Alben – auch mit Titeln wie "Aus Deutschlands schwerer Zeit" – waren damals beliebte Sammelobjekte, auch bei Nicht-Sammlern. Die Preisangaben für November und Dezember 1923 erfolgten in Rentenmark! Nicht vorenthalten möchte ich Ihnen auch das Vorwort des Autors, in dem – wie üblich – Notgeld und Serienscheine nicht unterschieden werden: Deutschland, durch den Ausbruch des großen Krieges vom Welthandel plötzlich gänzlich abgeschlossen, war durch den bald eintretenden Bargeld- und Lebensmittel-Mangel gezwungen, Notgeldscheine und Lebensmittelmarken zur Behebung der Zahlungsmittelnot und Rationierung der wichtigsten Lebensmittel ausgeben zu lassen. Ueberall wurden die Lebensmittel-Aemter geschaffen und eine Stadt nach der anderen griff zum Notbehelf der Ausgabe von Notgeld, das bald eine vertraute Erscheinung war und durch seine vielfach künstlerische Ausführung in Bildern, Zeichnungen, Versen usw. von der Geschichte des betr. Ortes, von freudigen und traurigen Erlebnissen erzählt. Immer mehr und mehr mußten an Stelle der hochwertigen Nahrungsmittel Ersatzmittel treten, wurde dadurch dem deutschen Volke letzten Ende die Widerstandskraft geraubt und überstürzten sich die Währungsverhältnisse dann durch die große Inflation. Heute aber sind uns die Wahrzeichen in diesem Album Zeugen von unschätzbarem Werte, welche uns von den schweren Tagen des deutschen Volkes in ihrer ganzen Vielgestaltigkeit erzählen. Möge daher diese Sammlung, die der Nachwelt zeigt, daß sich das deutsche Volk auch in schwerster Zeit zu helfen wußte, in jeder deutschen Familie einen Platz finden. P. Hohner Hans-Ludwig Grabowski

  • Leipziger Messe-Schecks vom Herbst 1949

    Manchmal gibt es sie wirklich, die einmaligen Funde, die Sammlerherzen höher schlagen lassen. Kürzlich wurde der Inhalt eines Briefumschlags publik, der wohl jahrzehntelang unbeachtet im Besitz einer heute betagten Dame war. Es handelt sich um ein zertrenntes Heft mit Musterscheinen von Messeschecks der Emissions- und Girobank Sachsen, Filiale Leipzig, für die Herbstmesse 1949. Die Messeschecks wurden zwischen Frühjahr 1949 und Herbst 1951 in sechs Ausgaben jeweils zur Frühjahrs- und Herbstmesse als Valutaersatz an ausländische Besucher mit konvertierbarer Währung ausgegeben. Diese mussten ihre Valuta gegen die Schecks eintauschen, um mit diesen im Stadtkreis Leipzig bezahlen zu können. Im Frühjahr 1949 erfolgte die Ausgabe in Valuta-Mark, danach in Deutscher Mark. In meinem Katalog „Ersatzgeld und geldähnliche Belege in der DDR“, 2. Auflage 2013 ist die Serie vom Herbst 1949 derart katalogisiert, dass Musterscheine für 10 Pfennig sowie 20, 50 und 100 DM mit roter Kontrollnummer "G000000" und die Nominale zu 50 Pfennig sowie 1, 2, 5 und 10 DM mit schwarzer Kontrollnummer "B000000" und mit Perforation "UNGÜLTIG" existierten. Durch den jetzigen Fund von 50 Pf, 1, 2, 5, 10 DM mit roter Kontrollnummer "G000000" ist nachgewiesen, dass es im Herbst 1949 zwei unterschiedliche Serien gab (mit roter bzw. schwarzer KN), und dass beide Serien nicht nur als Muster existierten, sondern auch mit laufender Kontrollnummer im Umlauf waren. Die Revision des Katalogisierung wird voraussichtlich in der geplanten dritten Auflage des "DDR-Ersatzgeldkatalogs" veröffentlicht. Henning Huschka

  • Historische Dokumente: Keine neue Inflation! – Geheimes Papier vom Juni 1930

    Die junge "Weimarer Republik" hatte keinen einfachen Start gehabt, mit immensen Kriegsreparationen belastet, hatte sie nur mit viel Mühe und unter hohen Verlusten die Hyper-Inflation des Jahres 1923 überstanden. Bald darauf wollten viele Menschen einfach nur noch Krieg und Inflation vergessen und tanzten in die "Goldenen Zwanziger", die garnicht so golden waren. Die Demokratie wackelte und war von politischen Extremen von Rechts wie von Links bedroht. Durch den Crash an der New Yorker Börse war im Oktober 1929 die Weltwirtschaftskrise ausgebrochen, die noch weit bis in die 1930er Jahre hinein für Banken-Krisen, Massenarbeitslosigkeit, soziales Elend und politische Wirren sorgen sollte. Mit dem Ausbruch der Krise machte sich auch die Angst vor einer erneuten Inflation in Deutschland breit. Offen darüber reden wollten die Verantwortlichen im Staat und bei der Deutschen Reichsbank wohl nicht. Im Juni 1930 druckte die Reichsdruckerei in Berlin unter dem Titel "Keine neue Inflation!" ein Papier, das "Nicht zur Veröffentlichung bestimmt!" war, also auch nicht für die Öffentlichkeit. Es wird auch kein Herausgeber oder Verfasser genannt! Da es bei der Reichsdruckerei gedruckt wurde, kann man davon ausgehen, dass es entweder vom Finanzministerium oder von der Reichsbank selbst in Auftrag gegeben wurde, und nur für bestimmte Kreise in Politik und Finanzwesen bestimmt war. Wir möchten unseren Lesern dieses historische Dokument nicht vorenthalten und stellen es hier im Blog als PDF zur Verfügung. Es umfasst insgesamt sieben Seiten und ist sicher für alle geld- und zeitgeschichtlich Interessierten lesenswert. Gleichzeitig wollen wir damit den Anfang einer kleinen Dokumenten-Sammlung zur Geldgeschichte machen, die wir Ihnen hier in unserem Blog unter dem Menüpunkt PDF nach und nach kostenlos zur Verfügung stellen. Hier geht es zur PDF! Hans-Ludwig Grabowski

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