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  • John Laws katastrophale Idee

    Zwei bedeutende Ereignisse der Papiergeldgeschichte sind eng mit Frankreich verbunden und trugen wesentlich dazu bei, dass die meisten europäischen Länder bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts dem Papiergeld ablehnend gegenüber standen. Zum einen waren dies die nach den Theorien des Schotten John Law durchgeführten Experimente mit Aktien und Banknoten zu Beginn des 18. Jahrhunderts und zum anderen die Ausgabe von staatlichen Papiergeldscheinen während der Französischen Revolution. Mit den damals ausgegebenen „Assignaten“, die durch enteignetes Kirchenland gedeckt sein sollten, wurde ein große Inflation ausgelöst. Schon 1705 hatte der Schotte John Law die abenteuerliche Idee, die Armut seines Landes durch Vergrößerung des Geldvolumens zu beheben. Hierzu sollte eine Notenbank gegründet werden, deren Banknoten nicht mehr durch Metallgeld sondern ausschließlich durch Grund und Boden gedeckt sein sollten. In seiner schottischen Heimat lehnte man diese haarsträubenden Pläne ab, die er dann später in Frankreich verwirklichen sollte. Die Tragödie begann damit, dass der verschwenderische König Ludwig XIV., der „Sonnenkönig“, wieder mal in argen Geldnöten war. Er machte das, was schon viele Herrscher vor ihm taten: er nannte es „Reformation“ und zog gutes Geld ein, überprägte es und gab es zu erhöhtem Kurs wieder aus. Für die eingezogenen Münzen gab es „Münzzettel“, die zu Zahlungsmitteln erklärt wurden. Nach dem Tod des Sonnenkönigs im Jahre 1715 versuchte John Law, den neuen Regenten Philipp von Orléans, der um Reduzierung der ihm hinterlassenen Schulden bemüht war, von seinen Plänen zu überzeugen und erhielt schon 1716 die Genehmigung zur Gründung einer Bank, mit deren Banknoten, für die eine Deckung in Höhe von nur 50 % durch Metallgeld genügen sollte, er den Geldumlauf in Frankreich erhöhen und Kredite schöpfen wollte. Obwohl Law die Einrichtung einer Staatsbank gefordert hatte, erhielt er anfänglich nur die Genehmigung zur Gründung einer Privatbank, der„Banque Générale“, welche dann aber 1718 vom Staat übernommen wurde. Als Finanzminister Frankreichs verkaufte er die Aktien der Bank mit hohem Aufgeld und stürzte das ganze Land in ein Spekulations-Fieber. Doch die Experimente des Schotten endeten in einem Desaster. Banknoten und Aktien wurden völlig wertlos. Doch waren Laws Ideen wirklich so abwegig? John Law ging davon aus, dass Frankreich ein riesiges Kolonialreich besaß, in Übersee gab es unerschöpfliche Quellen des Reichtums. Gab man auf diese Reichtümer Schuldverschreibungen aus, so müssten diese doch so gut wie geprägtes Gold sein. Unmengen von Noten verließen die Bank, zugleich setzte ein fieberhaftes Börsenspiel mit Aktien der neu gegründeten „Gesellschaft beider Indien“ ein. Der Kurs stieg in traumhafte Höhen und rund ein Jahr lang dauerte das Fieber und der Zahlenrausch an. Aktien, die auf 500 Livres lauteten, wurden bis auf 10.000 Livres hinaufgesteigert. Der Geldumlauf erreichte die unglaubliche Summe von 3 Milliarden Livres, ohne dass eine echte Deckung vorhanden gewesen wäre. Die ganze Aktien- und Banknotenspekulation zielte nur auf noch zu erarbeitende Werte ab, eine reale wirtschaftliche Leistung stand nicht dahinter. Es drängt sich an dieser Stelle ein Vergleich mit dem Börsengeschehen vor wenigen Jahren auf. Der Wert der Aktien mancher gerade erst gegründeter Internetfirmen erreichte traumhafte Summen. Als dann im Jahre 2000 die Börse auf dem Gebiet der sog. "Neuen Ökonomie" zusammenbrach und die Kurse ins Bodenlose fielen, sprach man erst von Marktbereinigung und dann im Klartext von Geldvernichtung. Die Seifenblase des 18. Jahrhunderts platzte im Jahre 1721. Die Königliche Bank stellte die Zahlungen ein, viele Menschen verloren ihr ganzes Vermögen. Für sie wird es kaum ein Trost gewesen sein, dass John Law Hals über Kopf nach Italien fliehen musste. Acht Jahre Später starb er dort völlig verarmt. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv

  • Abstempelungen deutscher Geldscheine in Ostbelgien und Luxemburg 1944

    Abgestempelt wurden deutsche Geldscheine 1944 in den von den Alliierten besetzten Gebieten Ostbelgiens und in Luxemburg, die 1940 bzw. 1942 dem Großdeutschen Reich angeschlossen worden waren. Das betraf folgende, ab 1940 dort umlaufende, deutschen Geldscheine: Reichsbanknoten DEU-176/Ro170/P177 50 Reichsmark vom 11.10.1924 DEU-177/Ro171/P178 100 Reichsmark vom 11.10.1924 DEU-178/Ro172/P179 1000 Reichsmark vom 11.10.1924 DEU-183/Ro173/P180 10 Reichsmark vom 22.01.1929 DEU-184/Ro174/P181 20 Reichsmark vom 22.01.1929 DEU-210/Ro175/P182 50 Reichsmark vom 30.03.1933 DEU-211/Ro176/P183 100 Reichsmark vom 24.06.1935 DEU-215/Ro178/P185 20 Reichsmark vom 16.06.1939 DEU-220/Ro179/P186 5 Reichsmark vom 01.08.1942 Rentenbankscheine DEU-209/Ro164/P169 5 Rentenmark vom 02.01.1926 DEU-222/Ro166/P173 1 Rentenmark vom 30.01.1937 DEU-223/Ro167/P174 2 Rentenmark vom 30.01.1937 Reichskassenscheine ZWK-1/Ro550/R135 50 Reichspfennig ohne Datum (1939) ZWK-2/Ro551/R136 1 Reichsmark ohne Datum (1939) ZWK-3/Ro552/R137 2 Reichsmark ohne Darum (1939) ZWK-4/Ro553/R138 5 Reichsmark ohne Datum (1939) ZWK-5/Ro554/R139 20 Reichsmark ohne Datum (1939) ZWK-6/Ro555/R140 50 Reichsmark ohne Datum (1939) Ostbelgien (Gebiet Eupen-Malmedy) In dem vormals deutschen Gebiet Eupen-Malmedy (inkl. St. Vith und Moresnet), das nach dem Versailler Vertrag gegen den mehrheitlichen Willen der deutschen Bevölkerung mit 1036 qkm und 60.000 Einwohnern an Belgien fiel und während des Zweiten Weltkriegs am 18. Mai 1940 wieder dem Deutschen Reich angeschlossen wurde, galten ab diesem Zeitpunkt die deutschen Zahlungsmittel. Nach der Besetzung durch alliierte Truppen Ende 1944 ordneten diese die Abstempelung der vorhandenen deutschen Banknoten (Reichsbanknoten, Rentenmarkscheine und Reichskassenscheine) durch die Gemeinden in Ostbelgien an. Alle ungestempelten Noten wurden danach für ungültig eklärt. Bei den Abstempelungen unterscheidet man zwischen den sog. belgischen Gemeinde- und Lagerstempeln, wobei letztere immer Zeilenstempel sind. Luxemburg In dem ebenfalls im Zweiten Weltkrieg dem Reich angegliederten Luxemburg kam es nach der Alliierten Besetzung 1944 zu einer Umtauschaktion der deutschen Zahlungsmittel gegen Belgische Francs, bei der die eingelieferten deutschen Banknoten durch Stempel entwertet wurden. Es gibt also einen wesentlichen Unterschied zwischen den Abstempelungen in Ostbelgien und Luxemburg. In Ostbelgien galten ab der Abstempelung nur noch die so gekennzeichneten Scheine und ungestempelte nicht mehr. In Luxemburg wurden die Scheine durch die Abstempelung praktisch entwertet. Derartige Abstempelungen rechtfertigen deutliche Aufpreise. Katalogisiert sind die Abstempelungen im Katalog "Die deutschen Banknoten ab 1871". Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hans-Ludwig Grabowski, Battenberg Gietl Verlag, Bildarchiv

  • Wertscheine des FDGB-Erholungsheims "Rennsteig" Oberhof?

    Unlängst lief im MDR ein interessanter Bericht zum Thema Urlaub in der DDR. Aus dem thüringischen Oberhof kennen Geldscheinsammler bereits die Wertscheine des Interhotels/Hotels "Panorama" und des Hotels "Ernst Thälmann". In besagtem Bericht wurde u.a. über das FDGB-Erholungsheim „Rennsteig“ in Oberhof berichtet. Aus den Aufzeichnungen und Erinnerungen der Urlauber ging hervor, dass es in dem Vorzeige-Haus auch eigene Wertscheine zur Bezahlung von Speisen und Getränken gegeben hat und zwar in Höhe von Tagessätzen pro Person. Machte man also z.B. an einem Tag einen Ausflug, so konnte man am nächsten Tag für mehr Bons verzehren. Im aktuellen Katalog von Henning Huschka "Ersatzgeld und geldähnliche Belege in der DDR" sind diese Wertscheine nicht aufgeführt. Ich selbst habe auch noch keinen gesehen. Ihre Existenz wäre aber nur logisch, wenn es solche im „Panorama“ und im „Ernst Thälmann“ in Oberhof auch gegeben hat. Vielleicht hat ja ein Leser ein oder mehrere Belegstücke in der Sammlung. Es wäre schön, wenn diese Lücke in der Dokumentation des Hotelgelds der DDR geschlossen werden könnte. Hier gehts es zum Video des Mitteldeutschen Rundfunks: Oberhof: FDGB-Ferien am Rennsteig Der verlinkte Beitrag ist leider nur ein Auszug aus der Dokumentation, in dem nur durch eine ehemalige Servicekraft von der Bezahlung von Speisen und Getränken mittels Talons und Bargeld gesprochen wird. Im Original-Beitrag ist die Rede von Talons über 5 bzw. 8 Mark pro Person und Tag. Evtl. 5 Mark für Kinder und 8 Mark für Erwachsene. Wem der Tagessatz nicht reichte, der musste die Differenz mit Bargeld bezahlen. Hans-Ludwig Grabowski

  • „Nun kommt der Knallprotz vom ganzen Land“ – Notgeld in Bayern 1914–1923

    Auf einem 1 Billionen Mark Schein, ausgegeben von der Stadt Bamberg im Inflationsjahr 1923, steht neben der Abbildung eines grünen Giftpilzes: Nun kommt der Knallprotz vom ganzen Land: Billionenschein hat er sich prahlend genannt. Er wächst wie ein sumpfig-giftiger Ritter Im Wirtschaftssumpf als Riesenziffer. Billionen Mark? Ein Täuschungswert! Doch billionfaches Leid hat die Zeit beschert! Billionen Seufzer steigen rings auf Und Hunger u. Tränen bezeichnen den Lauf. Gesunde Zeit, stell wieder dich ein Und töte den Giftschwamm Billionenschein Als letzten Tyrannen im kranken Staat - Und führ' von dem Sumpf uns auf trocknen Pfad! Die Inflation und Wirtschaftskrise von 1923 trafen auch Bayern. Zahlreiche Ausgaben von Notgeld durch Gemeinden, Unternehmen und Banken zwischen 1914 und 1923 dokumentieren den Währungsverfall, der 1923 im völligen Zusammenbruch des Geldwesens endete. Zugleich ist das Notgeld ein zentraler heimatgeschichtlicher und kultureller Erinnerungsort der Geschichte Bayerns. Zahlreiche Abbildungen von Sehenswürdigkeiten in den Städten und Gemeinden und von lokal bedeutenden Persönlichkeiten zeugen genauso davon wie Unternehmen, die Notgeld ausgaben – und heute gar nicht mehr existieren oder aber noch immer eine wichtige Rolle in der bayerischen Wirtschaft einnehmen. Die virtuelle Ausstellung ergänzt die Kollektion „Notgeld in Bayern 1914-1923“. Anhand ausgewählter Objekte werden Verlauf und Wirkung der Inflation in Deutschland zwischen 1914 und 1923 dargestellt. Der Fokus liegt dabei auf der Funktion, Verbreitung, Herstellung und Gestaltung des Notgelds. Unter folgendem Link: https://www.bavarikon.de/object/bav:BSB-CMS-0000000000003059 erfahren Sie mehr über: Notgeld – Funktion, Herausgeber und Verfahren Hersteller – Grafiker und Druckereien Gestaltung – Formale Bestandteile, Bezeichnungen und Motive Direkt zur Sammlung Notgeld von Bayern und zu den anderen Sammlungen der HVB Stiftung auf Bavarikon: https://www.bavarikon.de/object/BSB-CMS-0000000000002119 Katharina Depner, HVB Stiftung Geldscheinsammlung, www.geldscheinsammlung.de Abb. HVB Stiftung Geldscheinsammlung

  • Thailand: Höllengeld nach thailändischen Banknoten

    Die meisten Geldscheinsammler haben schon mal chinesisches Höllengeld in den Händen gehabt. Hergestellt wurden und werden die bunten Scheine, die oft sehr fantasiereich oder aber sogar nach existierenden Währungen – beliebt war einst auch die Deutsche Mark und ist bis heute der US-Dollar – gestaltet sind, um bei Totenfeiern verbrannt zu werden. Das soll den Verstorbenen Glück und Reichtum im Totenreich bringen. Deswegen findet man auch nicht selten Höllengeldscheine mit vielen Nullen. Wurden früher meist klassische Motive genutzt, so findet man heute sogar Höllengeld mit Darstellungen von Häusern, Autos und Mobiltelefonen, die so symbolisch den Verstorbenen mit auf den Weg gegeben werden. Typisch für Höllengeldscheine ist aber das Motiv des Höllenfürsten. Höllengeld gibt es aber nicht nur in China, sondern auch in anderen Ländern, in denen viele Chinesen leben. Weniger bekannt ist Höllengeld aus Singapur. Hier nutzt man die Motive von Geldscheinen des Stadtstaates als Vorlage für das Höllengeld. Aber auch aus Thailand ist Höllengeld bekannt. Die abgebildeten Höllengeldscheine nutzen ebenfalls real existierende Scheine als Vorlage. Hier die 50 Baht von 1997 (THL-102), die 50 Baht von 2012 (THL-119), 100 Baht von 2015 (THL-120), 500 Baht von 2014 (THL-121) und 1000 Baht von 2015 (THL-122). Den thailändischen Höllengeldscheinen gemeinsam ist die zusätzliche Abbildung des Höllenfürsten auf der Vorderseite. Zusätzlich sind die Scheine, die auf einfachem Papier gedruckt sind, mit einem Hinweis versehen, der sie als Nachdruck ausweist – entweder auf Thai oder durch das Wort "COPY". Neben den einheimischen Noten dienten aber auch in Thailand US-Dollar-Scheine als Vorlage. Aber das vielleicht in einem anderen Blogbeitrag. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hans-Ludwig Grabowski

  • DDR: Nicht umgesetzte Entwürfe zur Banknotenserie 1971/1975

    Die Banknotenserie 1964 der Deutschen Notenbank der DDR kam am 1. August 1964 in Umlauf. Bereits kurz darauf gingen Kritiken und Eingaben aus der Bevölkerung ein, die das Ministerium der Finanzen der DDR (MdF) veranlassten, über eine in späteren Jahren durchzuführende Gelderneuerung nachzudenken. Am 7. November 1964, also nur rund drei Monate nach Einführung der 1964er Serie ging eine Orientierung des MdF hierzu an die Bezirksdirektionen. Am 19. Dezember 1964 wurde in einem vertraulichen Hausbrief des MdF zur Erneuerung der Banknoten mitgeteilt, dass der Ministerpräsident der DDR, Willi Stoph, darum gebeten hat, ihm einen Vorschlag wegen einer späteren Gelderneuerung nach entsprechender Fertigstellung sofort für eine Beschlussfassung im Präsidium des Ministerrats vorzulegen. Dazu waren Überlegungen für Entwicklungsaufgaben zur Papierherstellung anzustellen, die zunächst mit dem MdF und dem Leiter der DWD (Deutsche Wertpapierdruckerei in Leipzig) beraten werden sollten. Im Rückblick muss man die Serie 1964 eher als die gelungenste der DDR bezeichnen, während die folgenden Scheine schon allein wegen ihrer geringen Größe in der Bevölkerung als "Spielgeld" verspottet wurden. Die Anlage 4 aus der Vorlagen-Mappe für das ZK der SED zur Banknotenserie 1971/1975 zeigt nicht umgesetzte Entwürfe von Banknoten (nur Vorderseiten) über 5, 10, 20, 50 und 100 Mark der Staatsbank der DDR, die den später ausgegebenen Noten in ihrer Gestaltung ähneln, allerdings alle das Porträt von Karl Marx zeigen und in anderen Farben ausgeführt sind: 5 Mark Braun statt Violett, 10 Mark Blau statt Braun, 20 Mark Rot statt Grün, 50 Mark Grün statt Rot. Nur beim Hunderter blieb es beim traditionellen Blau, das schon seit der Kaiserzeit für diesen Wert verwendet wurde. Die Anlage 2 zeigt den ursprünglichen Entwurf der Vorder- und Rückseite des Hunderters. Auf der Rückseite ist hier das Staatsratsgebäude der DDR in Berlin abgebildet. Erst mit Beschluss des Politbüros vom 1.6.1971 (1/206 21/71) wurde festgestellt, dass für die Gestaltung der Rückseite der Banknote zu 100 Mark ein Motiv des Stadtzentrums bestätigt wurde. Nach dem Emissionsplan konnte die Ausgabe des neuen Hunderters kurz nach der Fertigstellung des Palastes der Republik erfolgen. Es wurde deshalb vorgeschlagen, als endgültiges Motiv für die Rückseite das Ensemble um den Marx-Engels-Platz mit dem Palast der Republik im Mittelpunkt zu bestätigen. Hierzu wurde ein entsprechender neuer Entwurf vorgelegt. "Der Entwurf geht von der modernen Gestaltung des zentralen Platzes der Hauptstadt unserer Republik in Verbindung mit der Darstellung historischer Gebäude und Wahrzeichen Berlins aus. Das Motiv stellt eine harmonische Verbindung moderner und prägnanter Bauwerke sozialistischen Charakters mit der historischen klassizistischen Architektur Berlins dar. Die beiliegende Entwurfsskizze muss im Hinblick auf die Übereinstimmung des Motivs mit der äußeren Gestaltung des Palastes vervollkommnet sowie in der künstlerischen Darstellung weiter verbessert werden. Die endgültige Motivgestaltung wird dem Politbüro mit dem Andruck der Banknote zu 100 Mark zur Bestätigung vorgelegt." Die Anlage 5 der Vorlage für das Politbüro enthielt ebenfalls Entwürfe, die alle auf den Vorderseiten ein Porträt von Karl Marx zeigen, aber im Vergleich zu den Entwürfen der Anlage 2, die später in ähnlicher Form auch umgesetzt wurden, sehr einfach gestaltet waren. Die Rückseiten zeigen je ein aufgeschlagenes Buch, das Manifest der Kommunistischen Partei von Karl Marx und Friedrich Engels. Hans-Ludwig Grabowski, mit Dank an Matthias Böhme Abb. Historisches Konzernarchiv KfW Berlin

  • Banknotenatlas: Philippinen

    Bangko Sentral ng Pilipinas: 50 Piso von 2010. Die Vorderseite zeigt ein Porträt von Sergio Osmeña (1878 – 1961, Politiker und ehemaliger Präsident der Philippinen), die Sitzung des ersten Parlaments 1907 sowie US-General Douglas McArthur bei der 1944 erfolgten Landung im Golf von Leyte. Die Rückseite zeigt ein Landschaftsmotiv (Taal-See in Batangas), zwei Stachelmakrelen und die Umrisskarte der Philippinen. 1 Philippinischer Peso (PHP) entsprechen derzeit etwa 0,02 Euro. Fläche: 343.448 qkm Einwohner: 106.512.000 (2018) Hauptstadt: Manila Staatsform: Republik Amtssprachen: Filipino/Englisch Währung: 1 Piso = 100 Centavos Die Gebiet der heutigen Philippinen ist bereits seit 10.000 v.u.Z. ständig besiedelt. Einwanderer kamen vor allem vom asiatischen Festland. Infolge einer großen Einwanderungswelle Mitte des 15. Jahrhunderts aus dem malaiischen Raum breitete sich der Islam aus. Heute umfasst die Bevölkerung mehr als 50 ethnische Gruppen mit rund 100 Sprachen. Am 16. März 1521 landete der portugiesische Seefahrer Ferdinand Magellan (Fernão de Magalhães) auf seiner Weltumseglung in spanischen Diensten im Golf von Leyte und nahm die Inseln für Spanien in Besitz. Nur einen Monat später wurde er im Kampf gegen die einheimische Bevölkerung bei Cebu getötet. 1543 gaben die Spanier einer Inselgruppen nach dem späteren spanischen König Phillip II. den Namen „Islas las Felipinas“, der dann ab 1571 für die gesamten heutigen Philippinen galt. Bereits 1565 hatten sie die gesamte Inselgruppe als spanische Kolonie beansprucht. Wegen der feindlich gesinnten Bevölkerung und der ständigen Gefahr portugiesischer Überfälle, verlegten die Spanier den Verwaltungssitz von Cebu nach Manila. Die katholische Kirche spielte eine bedeutende Rolle bei der Eroberung des Landes. Durch rücksichtslose Missionierung und Landverteilung an den spanischen Adel und wenige Stammeshäuptlinge, wurde der große Teil der Einheimischen zu Leibeigenen auf riesigen Gütern. Die Ausbeutung der Menschen führte zu zahlreichen blutigen Aufständen. Benachteiligt und diskriminiert schlossen sich immer mehr Filipinos der Freiheitsbewegung an. Die Aufstände führten 1896 in die Revolution und zur Ausrufung der Republik der Philippinen am 12. Juni 1898. Als 1898 der Spanisch-Amerikanische Krieg ausbrach, unterstützten die Filipinos die USA, die ihrerseits dafür die Unabhängigkeit der Philippinen versprachen. Kriegsziel der USA war die Kontrolle der spanischen Überseegebiete und der Zugang zu den asiatischen Märkten über die Philippinen. Die veraltete spanische Armada hatte der modernen US-Kriegsmarine nichts entgegen zu setzen. Die USA holten nach den nörd­lichen mexikanischen Provinzen nun auch noch die letzten bedeutenden überseeischen Kolonien Spaniens (Kuba, Puerto Rico, Guam und die Philippinen). Natürlich blieb die Zusage der USA ein leeres Versprechen, das nur der Stärkung der USA auf ihrem Weg zur Weltmacht diente. Spanien musste die Philippinen an die USA abtreten. Als die die versprochene Unabhängigkeit nicht gewährten und selbst Kolonialmacht wurden, ging der Freiheitskampf ab 1899 weiter, musste aber 1901 aufgegeben werden. Auch die US-Amerikaner konzentrierten den Landbesitz in wenigen Händen und verhinderten den industriellen Aufbau, was in den 1920er und 1930er Jahren erneut zu Aufständen führte. 1941 landeten japanische Besatzungstruppen auf den Philippinen und 1943 errichteten die Japaner eine „unabhängige“ Republik, die mit der Niederlage Japans endete. Mit den USA kooperierende Großgrundbesitzer wollten gleich 1945 wieder die Macht übernehmen, oft auch mittels Terror. Am 4. Juli 1946 mussten die USA das Land schließlich in die Unabhängigkeit entlassen und 1949 wurde ein kommunistischer Aufstand mit US-Militär niedergeschlagen. Wahre Demokratie hat das dem Land nicht gebracht, Korruption und Terror halten bis heute an. Am 1. August 1851 war der „El Banco Español Filipino des Isabel II“ mit exklusivem Notenrecht gegründet worden. Die US-Amerikaner änderten den Namen der Bank. Im Zweiten Weltkrieg waren japanische Besatzungsausgaben in Umlauf. In dieser Zeit gab es auch zahlreiches regionales Notgeld (sog. Partisanenausgaben). Nach dem Krieg kursierten Schatzscheine mit einem „V“ für Victory (Sieg). Hans-Ludwig Grabowski Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

  • Schulgeld der Bank of China: Britisches Pfund

    Die Bank of China (BOC) hat in den 1970er und 1980er Jahren einfache Nachdrucke von Geldscheinen verschiedener bedeutender konvertibler Währungen wie z.B. US-Dollar, Britisches Pfund, Deutsche Mark, Schweizer Franken, Französischer Franc, Japanischer Yen usw. herstellen lassen, um sie als Schulgeld für Auszubildende zu nutzen. Die Vorderseiten entsprachen dabei jeweils den Originalmotiven, hatten aber zusätzliche chinesische Aufdrucke, und die Rückseiten waren einheitlich mit einem Muster mit dem Namen der Bank in Englisch ("BANK OF CHINA") und mit chinesischer Schrift ausgeführt. Das Schulgeld diente den Auszubildenden der Bank sowohl als Hilfsmittel zur Erkennung von Fremdwährungen, als auch als Übungsmittel zum Zählen von Geldscheinen. Ich möchte mit diesem kleinen Beitrag beginnend nach und nach verschiedene Schulgeldscheine der Bank of China im direkten Vergleich mit dem Original vorstellen. Wir beginnen heute beim Britischen Pfund und vergleichen dazu die 1-Pfund-Note der Bank of England ohne Datum von 1978 bis 1980 (vgl. SCWPM, Great Britain, GBR-377a). Der Schulgeldschein ist als solcher leicht an den chinesischen Überdrucken und der charakteristischen Rückseite zu identifizieren. Er sollte ja schließlich auch nicht als Nachahmung oder gar Fälschung dienen. Seinen Zweck für Übungen und Schulungszwecke erfüllte er allemal. Natürlich handelt es sich auch nur um einfaches Papier ohne Wasserzeichen. Das Original erkennt man natürlich leicht an dem hervorragenden Stichtiefdruck und der Rückseite mit Isaac Newton, der auch im Wasserzeichen zu sehen ist. Text und Abb. Hans-Ludwig Grabowski

  • Gutscheine der Langenwerke A.G. – Raritäten aus einem Nebenlager von Buchenwald

    Als der alliierte Bombenterror über Deutschland fast alle größeren Städte und Industrieanlagen traf, wurde kriegswichtige Produktion dezentralisiert und darüber hinaus auch vorsorglich Untertage verlagert. Dabei kamen immer mehr Häftlinge aus Konzentrationslagern zum Einsatz, die sowohl beim Bau von Anlagen und Lagern, als auch in der Produk­tion selbst eingesetzt wurden. Eines der bekanntesten Beispiele hierfür ist der Kohnstein bei Nordhausen, in den ein gewaltiges Tunnelsystem gebaut wurde, in dem Zivilbeschäftigte und Häftlinge aus dem Lager „Dora“ Raketenwaffen (sog. V1 und V2) produzierten. Ende 1943 wurde die Teilverlagerung der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke AG, die ihren Hauptsitz im anhaltischen Dessau hatte, in das thüringische Langensalza beschlossen. Tarnbezeichnung des neuen Betriebs war Langenwerke AG. In Langensalza und im angeschlossenen Betriebsteil Niederorschel wurden Tragflächen für ein Jagdflugzeug von Focke-Wulf gefertigt. Unter dem Decknamen „Julius“ war bereits im Frühjahr 1943 ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald bei den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken in Schönebeck an der Elbe entstanden. Wegen des akuten Arbeitskräftemangels durch den massenhaften Kriegseinsatz der deutschen Männer, hatte die Firma einen Vertrag mit dem Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt der SS (WVHA) zum Einsatz von Häftlingen in der Produktion von Bauteilen für Flugzeuge abgeschlossen. Zirka 1.800 Häftlinge arbeiteten hier neben 1.200 deutschen Zivilarbeitern und 1.500 Fremdarbeitern. Die Bedingungen im Lager „Julius“ waren viel besser als anderenorts. Im März 1944 wurden hier Gutscheine eingeführt, mit denen Waren in der Lagerkantine gekauft werden konnten und die sicher auch als Prämien auf der Basis der Prämien-Vorschrift der SS vom 15. Mai 1943 und deren Nachtrag vom 14. Februar 1944 genutzt wurden. In meinem Buch „Das Geld des Terrors“ konnten 2008 nur die Werte zu 1 und 5 Reichsmark belegt werden, obwohl ich damals schon davon ausging, dass es auch die Wertstufen zu 0,50 und 2 Reichsmark gegeben haben muss. Im April 2018 hatten zwei Angebotslose für die 89. Auktion der Leipziger Münzhandlung Höhn für Aufmerksamkeit gesorgt. Die vier Scheine der Junkers Flugzeug- und Motorenwerke Schönebeck/Elbe (Lager „Julius“) belegen nicht nur alle vier Nennwerte der Serie, sondern sie sind auch äußerst seltene Zeitdokumente für die geplante Ausgabe von Gutscheinen in der Bereichsleitung III Niederorschel der Langenwerke AG, wo über 700 Häftlinge Tragflächen produzierten und Fahrwerke einbauten. Die Schönebecker Scheine wurden quasi als Vorlage für eine eigene Ausgabe in Niederorschel genutzt. Bei allen vier Werten wurden jeweils das Logo gestrichen sowie „Muster“, eine geplante Stückzahl sowie eine Druckgenehmigungsnummer für die Langenwerke handschriftlich ergänzt. Die Druckvermerke der Original-Umlaufstücke belegen darüber hinaus, daß von jedem Nennwert der Schönebecker Scheine im März 1944 eine Auflage von 36000 Stück genehmigt worden war. Interessant sind natürlich die auf diesen Scheinen vermerkten Stückzahlen für eine eigenständige Ausgabe für die Langenwerke und die erwarteten Druckgenehmigungs-Nummern. Handschriftlich begannen diese mit „LW 751“ für 0,50 RM und endeten mit „LW 754“ für 5 RM. Das „LW“ steht für Langenwerke statt dem „FZS“ für Flugzeug- und Morenwerke Schönebeck/Elbe. Tatsächlich wurde der Druck eigener Scheine für die Bereichsleitung Niederorschel dann im Oktober 1944 unter einer einzigen Druckgenehmigungsnummer „Lw 751“ für alle vier Werte bestätigt. Für den Gutschein über 0,50 RM war auf der Schönebecker Vorlage eine Auflage in Höhe von 20.000 Stück für Niederorschel vorgesehen, die auch laut Druckvermerk genehmigt wurde. Für die beiden Gutscheine zu 1 und 2 RM hatte man ursprünglich je 10.000 Stück vorgesehen gehabt. Laut Druckvermerk vom Oktober 1944 wurden auch hier je 20.000 Scheine genehmigt. Für den höchsten Wert zu 5 RM hatte man handschriftlich auf der Vorlage 5.000 Stück notiert, die dann auch in dieser Höhe laut Druckvermerk auf den Langenwerke-Scheinen so genehmigt worden waren. Es ist übrigens erst die zweite vollständige Serie von Gutscheinen der Langenwerke, die jemals angeboten wurde, beide durch die Leipziger Münzhandlung Höhn. Die Prüfung beider Serien lässt keinen Zweifel zu. Erstens besteht kein Zweifel an der Echtheit, womit die vollständige Gutscheinausgabe vom März 1944 für das Lager „Julius“ in Schönebeck/Elbe mit allen vier Nominalen bestätigt ist. Zweitens liegen mit den zu „Mustern“ umfunktionierten Scheinen von Schönebeck die Vorlagen für die Gutscheinausgabe der Bereichsleitung III der Langenwerke AG vom Oktober 1944 vor. Bleibt nachzutragen, dass die in der Belei III der Langenwerke in Niederorschel beschäftigten rund 700 Häftlinge meist Juden und die Sterblichkeitsrate trotz mangelhafter Ernährung hier sehr niedrig waren. Die Häftlinge bekamen die Gutscheine als Prämien für gute Arbeit und konnten dafür in der Lagerkantine zusätzliche Waren einkaufen – ganz so, wie dies die erwähnte Dienstvorschrift für die Gewährung von Vergünstigungen an Häftlinge (Prämien-Vorschrift) des Chefs des SS-Wirtschafts-verwaltungshauptamts, Oswald Pohl, vorgesehen hatte. Die Gewährung von Prämien sollte vor allem der Motivierung zu höheren Arbeitsleistungen im „Totalen Krieg“ dienen. In diesem Zusammenhang wurden nicht nur Prämienscheine in den Konzentrations­lagern eingeführt, sondern sogar Häftlingsbordelle betrieben. Über die Angebote in den Lagerkantinen gab es unterschiedliche Erinnerungsberichte: von Toilettenartikeln über Schreibwaren bis hin zu Konserven, Fisch, Salz und Bier. Anfang 1945 war mit über 700.000 Häftlingen in deutschen Konzentrationslagern der Höhepunkt des Arbeitseinsatzes in der Kriegswirtschaft erreicht und das Kriegsende absehbar. Die von Historikern unermüdlich gedroschene Phrase von der „Vernichtung durch Arbeit“ machte in diesem historischen Kontext kaum noch Sinn, da jede Arbeitskraft zählte. So scheint es befremdlich, entspricht aber den Tatsachen, dass ausgerechnet der Lagerkommandant von Auschwitz in seinem Kommandanturbefehl 4/44 schrieb: „In einem Außenlager ist es vorgekommen, dass Häftlinge von Zivilisten, mit denen sie auf einer gleichen Arbeitsstelle beschäftigt waren, geschlagen und z.T. misshandelt wurden... In den Fällen, in denen ein Zusammenarbeiten mit Zivilisten unvermeidlich ist, sind mir die Lagerführer für Ordnung verantwortlich und haben die Zivilisten nochmals durch das Werk über den Umgang mit Häftlingen belehren zu lassen. Andererseits ist mir jede Misshandlung eines Häftlings durch einen Zivilisten umgehend zu melden. Bei dieser Gelegenheit mache ich nochmals ausdrücklich auf den bestehenden Befehl aufmerksam, dass kein SS-Mann Hand an einen Häftling legen darf. Im 5. Kriegsjahr ist alles daran zu setzen die Arbeitskraft der Häftlinge zu erhalten.“ Mit „Häftlingen“ meinte der Lagerkommandant hier natürlich nur die zum Arbeitseinsatz eingeteilten Häftlinge, die als solche im Lager aufgenommen worden waren, und nicht die unglücklichen Menschen aus ganz Europa, die nach ihrer Ankunft und der Selektion auf der sog. Rampe der „Sonderbehandlung“ zugeführt und so im Rahmen der bereits im Januar 1942 beschlossenen „Endlösung der Judenfrage“ ermordet wurden. Durch den für Deutschland zunehmend ungünstigen Kriegsverlauf und den wachsenden Arbeitskräftemangel wurden nicht nur immer mehr Fremdarbeiter angeworben oder zwangsweise eingesetzt, sondern es wurden trotz „Endlösung“ auch wieder mehr und mehr Juden im Arbeitseinsatz für die Rüstungsindustrie beschäftigt, wie dies auch in Niederorschel der Fall war. Die unmenschlichen Arbeitsbedingen in Stollen und Untertage waren nicht zuletzt den alliierten Bombenangriffen geschuldet, die auch vor der Bombardierung von Konzentrationslagern kein Halt machten. So kam etwa der ehemalige Vorsitzende der SPD-Fraktion im Reichstag, Rudolf Breitscheid, der als prominenter Häftling mit eigenen Bediensteten im „Sonderlager Fichtenhain“ in Buchenwald untergebracht war, an den Folgen eines US-amerikanischen Bombenangriffs vom 24. August 1944 ums Leben. Anfang April 1945 traten die letzten Häftlinge von Niederorschel ihren Marsch in das Stammlager Buchenwald an. Sie erreichten das Lager nur einen Tag vor dessen Befreiung. Die beiden abgebildeten Serien bilden zusammen einmalige Zeitdokumente zur Geldgeschichte in einem Außenlager in der Zeit des massenhaften Einsatzes von Häftlingen für die deutsche Kriegswirtschaft im Zweiten Weltkrieg. Die Münzhandlung Höhn hat reagiert und die beiden seltenen Serien aus der 89. Auktion Ende Mai zurückgezogen. Sie sollen dann ausführlich beschrieben in der 90. Auktion im Oktober 2018 angeboten werden. Hans-Ludwig Grabowski Abb. Leipziger Münzhandlung Höhn, https://www.leipziger-muenzhandlung.de

  • Blütenträume – Werbe- und Juxnoten gestern und heute

    Im Publikum und damit auch in den meisten Fernseh- und Kinoproduktionen werden falsche Banknoten meist als „Blüten“ bezeichnet. Selbst waschechte Kriminalbeamte benutzen umgangssprachlich ab und an diesen Ausdruck. Dieser Begriff hat sich seit Jahrzehnten durchgesetzt und eingebürgert, ist aber eigentlich nicht richtig. Denn offiziell steht der Begriff „Blüten“ nicht für Falschgeld, das zum Zweck des Betrugs im Zahlungsverkehr verausgabt wird, um unrechtmäßig einen geldwerten Vorteil zu erlangen. Vielmehr wird die Bezeichnung „Blüten“ im Zentralbankbereich und bei den Ermittlungsbehörden für banknotenähnliche Drucke gebraucht, die für Werbezwecke oder einfach nur als Juxscheine hergestellt werden. Dies ist an sich auch nicht verboten, wenn man sich an die Abbildungsvorschriften der Bundesbank, respektive der Europäischen Zentralbank hält. Diese Vorgaben sollen verhindern, dass ursprünglich zu harmlosen Zwecken hergestellte Banknoten-Nachbildungen zweckentfremdet den Weg in den Zahlungsverkehr finden. Die Scheine müssen sich daher im Papier oder in den Abmessungen bzw. in der grafischen Gestaltung der Darstellungen deutlich von echtem Geld unterscheiden, so dass auch der weniger Kundige nicht getäuscht wird. Der guten Absicht steht hier aber oftmals die Realität gegenüber. Die wenigsten Geldbenutzer schauen sich erhaltene Banknoten genauer an. Genau damit rechnen auch die Verbreiter falscher oder verfälschter Scheine, und auch vorstehend beschriebene Blüten gelangen so häufig in den Geldkreislauf. Ein sehr bekannter Falschgeldexperte eines Landeskriminalamts hat einmal gesagt: „Alles, was auch nur halbwegs wie eine Banknote aussieht, wird angenommen – von der schlechtesten Farbkopie bis hin zur kolorierten Handzeichnung!“ Dafür schauen wir uns nun nachfolgend einige Blüten etwas genauer an, beginnend in den 1950er Jahren bis in unsere Tage. Den Anfang macht eine Blüte der 10-DM-Banknote der Bank deutscher Länder, Ausgabe BdL II. Obwohl sich ihr Format mit 164 mm x 76 mm deutlich von demjenigen der echten Note unterschied (letztere maß 141 mm x 67 mm), die Vorderseite ein einfarbiges, eher blasses Graublau und die Rückseite nur Text aufwies, gelangten doch einige Dutzend dieses Nachdrucks in den Umlauf. Hergestellt und als Wahlwerbung verteilt worden waren diese Scheine durch die Kommunistische Partei Deutschlands (KPD), die sich im Wahlkampf des Jahres 1953 durch die Anprangerung der Entwertung der DM und damit einhergehender Verteuerung der Waren einen Vorteil vor den etablierten Parteien zu sichern suchte. Opfer dieser als echt in den Verkehr gebrachten Drucke waren seinerzeit hauptsächlich Volksfest-Kellnerinnen, Taxifahrer, Imbissbuden-Betreiber oder andere Personen, die ihr Gewerbe auch bei Dunkelheit ausüben. Mit dem Nachdruck der Vorderseite einer 100-Dollars-Note versuchte in den 1990er Jahren eine Missionsgesellschaft, Menschen weg vom schnöden Mammon hin zu höheren, geistigen Werten zu bekehren. Zwar nur einfarbig in einem dunklen Grünton gehalten, gefaltet und mit einem Text auf den Innenseiten versehen, waren die Scheine aber nahezu in Originalgröße gedruckt worden. Dies und die Gefahr, dass die Herstellungsmittel möglicherweise zu weiteren, gefährlicheren Fälschungen missbraucht werden würden, bewog die Deutsche Bundesbank seinerzeit dazu, Herstellung und Verteilung zu verbieten und die Druckunterlagen einzuziehen. Mit einer 100-DM-Note der Ausgabe BBk IIIA als Nachdruck machte gegen Ende der 1990er Jahre eine Werbefirma auf sich aufmerksam. Rückseitig fand sich die individuelle Werbung von Kunden dieser Firma. Ebenfalls nahezu im Originalformat hergestellt und nur durch die Bedruckung des Schaurands vom echten Geldschein auf den ersten Blick zu unterscheiden, beendete auch hier die Bundesbank Herstellung und Verwendung. Denn bei schummriger Beleuchtung und in gefaltetem Zustand schien eine betrügerische Verausgabung durchaus realistisch. Dagegen barg die als Eintrittskarte für den „Besuch der alten Dame“ 1994 konzipierte Blüte der Landesbühnen Sachsen keine Gefahr. Auf sehr dickem Papier gedruckt, vorder- und rückseitig entsprechend verfremdet und mit entsprechenden Aufdrucken versehen, konnte man zwar als Ursprungsmotiv, ebenfalls den Hunderter der Bundesbankausgabe III, erkennen. Eine Annahme als echt im Zahlungsverkehr aber war nur bei extremer Unachtsamkeit denkbar. Mit einer „60-Euro-Note“ versprach eine Versicherung die staatliche Förderung in Höhe dieses Betrags pro Jahr beim Abschluss einer Pflegeversicherung. Auch diese Blüte hat Überformat und auf der Rückseite einen entsprechenden Werbetext, so dass eine missbräuchliche Verwendung unwahrscheinlich ist. Der andere „Sechziger“ diente als Werbeträger eines Verkehrsverbunds. Eben diese 60 Euro sollte derjenige als Prämie erhalten, der eine andere Person als Dauerkarteninhaber für mindestens ein Jahr warb. Der kleinformatige Schein hat mit der Abbildung verschiedener Verkehrsmittel auf der Vorderseite nur noch entfernt Ähnlichkeit mit einer Banknote, rückseitig ebenfalls eine Textbedruckung und ist daher harmlos. Weitaus gefährlicher und daher bereits in den Bereich Geldfälschung einzuordnen waren die sogenannten Facsimile-Noten aus den 1980er bzw. 1990er Jahren. Wohlhabende Geschäftsleute wurden mit solchen Machwerken geködert, in dem ihnen versprochen wurde, dass sie eine große Summe sogenannten Schwarzgelds zu einem weitaus geringeren Betrag erwerben könnten. Dazu wurde ein Treffen in einem Luxushotel meist im europäischen Ausland vereinbart. Die „Verkäufer“, die der sogenannten Nigeria-Connection zuzuordnen sind, und weltweit tätige Betrügerbanden aus eben diesem afrikanischen Land, bewirteten zunächst das spätere Opfer fürstlich und zeigten einen Koffer mit den angeblich vielen Millionen Dollars oder DM vor. Der Käufer, bei dem spätestens in diesem Moment der Faktor „Gier frisst Hirn“ einsetzte, übergab den mitgebrachten Kaufpreis, der in der Regel nur ein Bruchteil des versprochenen Wertes ausmachte, aber meist dennoch stattliche Summen von mehreren Hunderttausend DM repräsentierte. Er merkte jedoch erst später, dass er wertlosen Nachdrucken, eben diesen sogenannten Facsimile-Fälschungen, aufgesessen war. Die Gauner hatten zu diesem Zeitpunkt bereits das Weite gesucht und waren über alle Berge. Diese Betrugsmasche gibt es mit Euro-Facsimiles noch immer, so fallen allein in Deutschland jedes Jahr einige Dutzend Leichtgläubige darauf herein. Karlheinz Walz Abb. Karlheinz Walz

  • Geldscheine der Hyperinflation – Langweilig?

    Eigentlich ist die Geschichte ja bestens bekannt und aufgearbeitet, und jeder kennt die berühmten Bilder vom Herbst 1923, wo Kinder mit Banknotenbündeln Pyramiden bauen oder jemand seine Zimmerwand mit Millionen tapeziert. Am 28. Juli 1923 meldete das Berliner Tagblatt, dass in New York 1 Million Mark gerade nur noch einen Dollar wert sei. Und es ging noch weiter! Banknoten, bei denen man mit der Ausgabe nicht nachgekommen war, wurden mit Aufdrucken bis 500 Milliarden versehen. Eine Feinunze Gold kostete bald beinahe 100 Billionen Mark. Am 15. November 1923 machte die Regierung dem Spuk mit der Einführung der Rentenmark ein Ende. Kurs: 1 Billion Mark galt nun 1 Rentenmark (später Reichsmark). Nun, was soll da spannend sein, wenn die Druckmaschinen täglich abertausende Banknoten, die nichts wert waren, ausspuckten? Diese Noten sind heutzutage noch in riesigen Mengen im Handel zu günstigen Preisen zu finden. Aber, es gibt sie doch, die kleinen spannenden Stories, und da sind zwei solche Noten-Geschichtchen aus dieser Zeit. Abgeschickt am 23. September 1923 und frankiert mit Briefmarken über 750.000 Mark „missbrauchte“ ein Carl, dessen Nachnamen wir nicht kennen, einen Stadtkassenschein der Stadtpflege Stuttgart als Postkarte und sendete ihn an einen Bäcker Carl Feuchte nach St. Gallen in die Schweiz, wo sie auch wirklich ankam. Er schrieb: „Bin glücklich im Lande der Millionen, Milliarden & Billionen angekommen. Näheres folgt. Herzl. Gruss Carl“ . Ein zweiter Notgeldschein erzählt eher eine ganz andere Geschichte, und auch in diesem Fall ging der zur Postkarte umfunktionierte Schein in die Schweiz. Sie war an einen Herrn Dolder gerichtet, und der Absender, dessen Namen wir nicht klar entziffern können, schrieb: „Ich warte sehnsüchtig auf Erledigung meines Visums. Besten Dank für Ihre Bemühungen. Empfehlungen an Ihre Frau Gemahlin / Herzl. Grüsse. (Unterschrift) / Berlin 16/12/23“. In diesem Fall ist der Schritt zur Rentenmark bei der Briefmarke getan – wir befinden uns ja bereits im Dezember 1923 – und die Frankatur zeigt eine Dauermarke zu 20 Pfennig, der man unter den Philatelisten den Übernamen „Korbdeckel“ gegeben hat. Inflationsgeld kann also doch interessant sein! Ruedi Kunzmann Abb. Sincona AG, Zürich, www.sincona.com #Notgeld #Inflation #Europa #Deutschland #Mark #Kunzmann

  • Ein Besuch im Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank

    Die abertausende Objekte umfassende Sammlung des Geldmuseums der Oesterreichischen Nationalbank enthält die wahrscheinlich bedeutendste Sammlung österreichischer Banknoten weltweit. Michael Grundner vom Geldmuseum stand uns Rede und Antwort und wir erfuhren von ihm zahlreiche sehr interessante Details zur Sammlung. Was sind die Tätigkeiten des Geldmuseums? Welche Ziele werden damit verfolgt? Das Geldmuseum der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) ist ein Wissens- und Kulturbetrieb mit dem Ziel, die Öffentlichkeit zu den Themenbereichen Geld, Währung und Wirtschaft zeitgemäß und multidisziplinär entsprechend den Zielen und Leitwerten der OeNB zu informieren. Das Museum versucht dabei historische und aktuelle Entwicklungen in diesem Bereich gleichermaßen zu berücksichtigen und den Besuchern anhand von Originalobjekten näher zu bringen. Es leistet damit einen wesentlichen Beitrag zu den Finanzbildungsaktivitäten der OeNB. Wie bei jedem anderen Museum gehören die Gestaltung von Ausstellungen, die (Weiter)Entwicklung von Vermittlungsprogrammen, die Bearbeitung von Anfragen und natürlich die Betreuung der umfangreichen Sammlungen zum Alltagsgeschäft. Ausführliche Informationen zu unseren vielfältigen Aufgaben, Sammlungen und Vermittlungsprogrammen bietet auch unsere Website www.geldmuseum.at Seit wann gibt es das Geldmuseum? Im Rahmen der Präsentation der 500-Schilling-Banknote „Otto Wagner“ erfolgte 1986 auch die feierliche Eröffnung des ersten Geldmuseums in der OeNB. Dieses hatte allerdings eher den Charakter eines exklusiven Schauraums, dessen Besichtigung nur einmal in der Woche möglich war. In seiner heutigen Form mit regelmäßigen Öffnungszeiten (Di-Mi 9:30-15:30, Do 9:30-17:30, Fr 9:30-13:30), einem breiten Angebot an Führungen, Workshops und anderen Events (Kinderuni, Teilnahme an der Langen Nacht der Museen …) sowie wissenschaftlich ausgebildetem Personal, existiert das Museum seit 2003. Wie viele Menschen besuchen das Geldmuseum jährlich? Im Geldmuseum begrüßen wir jährlich rund 12.000 Besucher. Der Schwerpunkt liegt dabei auf Schulklassen und anderen Gruppen. Gegen Voranmeldung werden kostenlose Führungen für Gruppen ab 10 Personen angeboten. Für Kinder gibt es u.a. spezielle Hands-on-Führungen und Workshops. Über welche Sammlungen verfügt das Geldmuseum? Das Geldmuseum verfügt über zwei historisch unterschiedlich gewachsene Sammlungszweige. Das sogenannte Kunstarchiv ist aus der hauseigenen Banknotenproduktion (Banknoten, Druckplatten, Entwürfe …) hervorgegangen und bildet einen einzigartigen technik- und kulturgeschichtlichen Bestand. Aber auch Wertpapiere, Briefmarken und 3-D-Objekte gehören zu diesem Sammlungsteil. Ein neuer Sammlungsschwerpunkt in diesem Bereich liegt auf österreichischer Bankengeschichte. Den zweiten großen Block bildet die Münzensammlung. Mit ihr wurde erst in den 1950er Jahren begonnen. Bis Anfang der 1990er Jahre erfolgte hier ein umfangreicher, auf Jahrgänge und Raritäten abzielender Ankauf, so dass die Sammlung heute sicher zu den wichtigsten numismatischen Sammlungen des Landes zählt. Zeitlich reichen die Objekte der geldhistorischen Sammlungen von der Gegenwart bis in die Bronzezeit zurück. Wie umfangreich ist die Sammlung im Bereich Papiergeld? Wie teilen sich diese Stückzahlen auf die verschiedenen Themenbereiche (Banknoten, Notgeld, Banknotenfälschungen) auf? Was sind herausragende Stücke der Sammlung? Der Papiergeldbestand umfasst ca. 16.000 Objekte, davon sind 56% österreichische Banknoten und 2% historische Fälschungen. Die übrigen 42% entfallen auf ausländische Banknoten, Banknotenvorläufer, Notgeld und papiergeldähnliche Wertpapiere. Zu den Glanzstücken zählen sicherlich die Banknoten zu 1.000.000 Kronen von 1924 oder die Banknote zu 100 Gulden von 1847. Spannend sind aber auch die 10 Gulden von 1880 mit den illegalen Kennzeichnungen aus Böhmen. Kulturhistorisch bedeutender als die eigentlichen Geldscheine sind die zahlreichen Druckplatten und Entwürfe, die eigene Teilsammlungen bilden. Wie wurde diese Sammlung aufgebaut? Wurden die Banknoten bereits zu Umlaufzeiten bei Seite gelegt oder wurden diese aktiv von der OeNB erworben? Der Bereich an österreichischen Banknoten entstammt nahezu zur Gänze der hauseigenen Produktion. Hier besteht eine beinahe vollständige Typensammlung seit 1816, wobei aber nicht unbedingt alle Detailvarianten und manche Stücke nur mit Musteraufdrucken in die Sammlung gekommen sind. Ergänzt werden die Banknoten durch Entwürfe, Druckplatten, Musternoten, Testdrucke – hier besteht aber keine Vollständigkeit, da die Überlieferung eher den betrieblichen Notwendigkeiten und Zufällen unterlag als einer systematischen Sammlung. Dennoch handelt es sich um den größten und wahrscheinlich einzigen derartigen Bestand zum österreichischen Papiergeld. Vorläufer, wie die Wiener-Stadt-Banco-Zettel, wurden ergänzend erworben. Außerdem gibt es noch unsystematische Bestände an ausländischen Banknoten, die Großteils über den Tausch mit anderen Notenbanken zusammengekommen sind. Erwirbt das Geldmuseum aktiv weitere Papiergeld-Exponate oder ist die Sammlung abgeschlossen? Wenn ja, welches Budget steht dafür in etwa jährlich zur Verfügung? An welchen Exponaten besteht Interesse? Anlassbezogen kommt es gelegentlich zu Ankäufen historisch oder technisch interessanter Stücke. Über ein Ankaufsbudget und genaue Sammlungsstrategien kann aber keine Auskunft erteilt werden. Ist das gesamte vorhandene Papiergeld bereits aufgearbeitet oder könnten in den Archiven des Geldmuseums noch weitere bisher unbekannte Schätze schlummern? Das Gros der Sammlung wurde bereits EDV-mäßig inventarisiert. Bei den eigentlichen Banknoten ist daher nicht mehr mit Überraschungen zu rechnen. Hinzu kommt, dass das österreichische Papiergeld auch schon sehr gut durch Kataloge erschlossen ist. Im Bereich der Banknotenentwürfe gibt es jedenfalls Stücke, die bisher noch nie ausgestellt oder publiziert wurden. Inwieweit erfolgt eine wissenschaftliche Aufarbeitung des Sammlungsbestandes? Sind Publikationen geplant bzw. bereits erschienen? Im Rahmen unserer Ausstellungskataloge wird versucht, eine breite Auswahl an Objekten der Öffentlichkeit vorzustellen. Eine eigene wissenschaftliche Publikationsreihe oder echte Forschungsarbeit gibt es jedoch aus Kapazitätsgründen leider nicht. Gegen Voranmeldung ist es Interessierten jedoch möglich, für konkrete Forschungsvorhaben, wie z.B. Hochschularbeiten oder Buchprojekte, Einblick in die Sammlung zu nehmen oder, bei geringeren Stückzahlen, Arbeitsfotos anzufordern. So wurden Teilbestände der Münzensammlung, wie die Sammlung Leypold oder der Fund vom Schwarzen Meer (Sinope), bereits im Rahmen universitärer Forschungsprojekte aufgearbeitet und publiziert. Zurzeit befindet sich ein weiterer Münzhort zur Bearbeitung an der Universität Innsbruck. Auch unser Bestand an historischen Wasserzeichensieben wurde bereits im Rahmen einer wissenschaftlichen Abschlussarbeit an der Universität Linz gewürdigt. Außerdem sind Objekte des Geldmuseums immer wieder als Leihgaben in anderen Museen zu bewundern und finden so auch Eingang in die zugehörigen Ausstellungskataloge. Wie groß ist die Sammlung an historischen Banknotenfälschungen? Welche Ziele verfolgte man mit der Sammlung dieser Fälschungen zu ihrer Zeit? Inwieweit sind diese Objekte bereits aufgearbeitet und stehen diese für öffentliche Besichtigungen zur Verfügung? Heute wie früher werden von den Notenbanken Banknotenfälschungen zur Beweissicherung, Dokumentation und Analyse aufbewahrt. Dies dient u.a. der Falschgelderkennung. In erster Linie werden jedoch daraus Lehren für die zukünftige Sicherheitsausstattung von neuen Banknotenserien gezogen. Sieht man von einigen sogenannten „Toplitzssee-Fälschungen“ ab, befinden sich im Bestand des Museums nur historische Banknotenfälschungen, die vor dem Zweiten Weltkrieg entstanden sind. Der Bestand umfasst rund 260 Inventarnummern. Dahinter verbergen sich allerdings deutlich mehr Fälschungen, da die Bestände aus dem 19. Jahrhundert in Fälschungsbüchern zusammengefasst wurden. Diese Bücher sind hochinteressante Zeitdokumente, zeigen sie doch den Einfallsreichtum und die Techniken der damaligen Fälscher. Sofern die Täter gefasst werden konnten, wurden darin auch ihre Namen und Strafen vermerkt. Der berühmteste unter ihnen ist sicher Peter Ritter von Bohr. Vor einigen Jahren hatten wir zu diesem Thema bereits eine Ausstellung, und bei begründetem Interesse steht auch dieser Bestand für Forschungen zur Verfügung. Zeitgenössische Fälschungen liegen jedoch in der Zuständigkeit des National Counterfeit Centre – National Analysis Centre in der OeNB und können aus Sicherheitsgründen nicht eingesehen werden. Wie viele Entwürfe von Banknoten befinden sich im Besitz des Geldmuseums? Wie kam man zu diesen Entwürfen? Die Sammlung an Entwürfen stammt zum überwiegenden Teil aus der hauseigenen Banknotenproduktion in der ehemaligen Druckerei für Wertpapiere bzw. aus unserer Tochtergesellschaft OeBS. Die Entwürfe waren entweder Auftragswerke oder Wettbewerbseinreichungen externer Künstler oder sind – wie die Mehrheit – Werke hauseigener Designer. Der Bestand umfasst nicht ganz 3.000 Objekte. Highlights sind in jedem Fall die beiden nicht umgesetzten Entwürfe von Gustav Klimt und die Banknotentwürfe von Koloman Moser. Ein kleiner Teil der Sammlung des Geldmuseums steht der Öffentlichkeit im Internet bereits zum Abruf zur Verfügung. Ist hier an eine Ausweitung gedacht? Welche Objekte sollen dazukommen? Eine online-Bilddatenbank, wie sie andere Museen anbieten, ist bei uns aus Sicherheitsgründen leider nicht möglich. Im Zuge unserer neuen Serie „Das besondere Objekt“ sollen aber in Zukunft immer wieder Objekte mit interessantem Hintergrund vorgestellt werden. Welche Papiergeldobjekte werden derzeit in den Räumlichkeiten des Geldmuseums ausgestellt? Sind hier für die nächste Zukunft Änderungen geplant? Die im Rahmen von Sonderausstellungen gezeigten Exponate wechseln jährlich. Je nach Thema kommen dabei auch Banknoten zum Einsatz. In der derzeitigen Dauerausstellung ist ein kleiner Überblick über die österreichischen Geldscheine vom Banco-Zettel bis zur neuen 50-Euro-Banknote zu sehen. Im Lauf des nächsten Jahres soll die Dauerausstellung jedoch neu gestaltet und vergrößert werden. Mehr wollen wir derzeit aber noch nicht verraten. Gibt es Kooperationen des Geldmuseums mit Papiergeldsammlern? Inwieweit findet hier bisher ein Wissensaustausch statt? Ist dieser gewünscht? Fachliche Anfragen werden gerne entgegengenommen und, soweit möglich, beantwortet. Bei konkreten Forschungs- und Publikationsvorhaben sind wir ebenfalls gerne behilflich. Besonders regen Austausch diesbezüglich gibt es u.a. mit dem bekannten Banknotenspezialisten Rudolf Richter. Wir bitten die Sammlergemeinde aber um Verständnis, dass eine Einsichtnahme in unsere Bestände zu reinen Vergleichszwecken aus Ressourcengründen leider nicht möglich ist. In Sammlerkreisen tauchen von Zeit zu Zeit Mappen mit darin montierten Banknoten auf, die angeblich als Honorierung an verdiente Mitarbeiter der OeNB ausgegeben wurden. Sind Hintergründe zu diesen Ausgaben bekannt? An wen wurden die Mappen ausgegeben und wie oft? Werden auch heute noch solche Mappen ausgegeben? Ohne die erwähnten Mappen gesehen zu haben ist es schwierig, etwas dazu zu sagen. Was es allerdings gegeben hat, sind Mustermappen für Schulungs- und Anschauungszwecke. Wieweit derartige Mappen auch zu Geschenkzwecken gedient haben, entzieht sich meiner Kenntnis. Heute sind derartige Geldgeschenke an Mitarbeitende und Geschäftspartner jedenfalls nicht mehr üblich. Hinzu kommt, dass die der Vernichtung entgangenen, noch existierenden kleinen Restbestände an historischen Banknoten heute Teil der Museumssammlungen sind und, abgesehen von den gesetzlichen Rahmenbedingungen, daher gar keine Mappen mehr angefertigt werden könnten. Johann Kodnar Abb. OeNB, Geldmuseum

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