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75 Jahre alte CIA-Dokumente sagen aus

Wahr oder nicht wahr – das ist hier die Frage. Eine Überraschung bringen Geheimpapiere des US-amerikanischen Auslandsgeheimdienstes CIA zutage:

In einem im August 2002 freigegebenen Bericht finden sich ungeheuerliche Behauptungen. So liest man in sieben Punkten:


  1. Seit langem wird berichtet, dass die bekannte Druckerei Giesecke & Devrient in Leipzig im Auftrag der Sowjets in die Fälschung ausländischer Währungen einbezogen wurde. Es ist bekannt, dass diese Firma während des Krieges gefälschte Gelder für den deutschen Geheimdienst gedruckt hat.

  2. Die Fabrik wurde von den Russen demontiert und die besten und modernsten Maschinen wurden entfernt und zur Reparation nach Russland geschickt. Ein guter Teil des ehemaligen Personals wurde ebenfalls außer Landes gebracht. Einige Monate später planten die Russen, die Fälschungsarbeit wieder aufzunehmen und ein Teil der Fabrik kam für diese Arbeit in Frage. Mehrere Pressen wurden aus Russland zurückgebracht, aber die meisten Spezialausrüstungen fand man nicht mehr. Die Kisten mit Maschinenteilen kamen zurück, aber es war eine große Mühe, genügend Ausrüstung zusammenzustellen, um das Gravieren und Bedrucken von Falschgeld durchzuführen.

  3. Derzeit liegt der Schwerpunkt auf der Reproduktion von US-Schatzscheinen zu 10 Dollars, US-Militärgeldscheinen zu 10 Dollars und englischen Ein-Pfund-Banknoten.

  4. Die Geldfälschungsabteilung arbeitet mittlerweile mit acht Mitarbeitern, davon vier Deutsche und vier Russen. Die Deutschen wurde bei der Arbeit und außerhalb streng bewacht. Sie bringen die für die Arbeit notwendigen technischen Fähigkeiten mit, während die Russen die Aufsichtsfunktionen haben. Über alle Papiervorräte und sonstigen Vorräte sowie über fertige Scheine und sämtlichen Abfall wird streng Buch geführt.

  5. Das Produktionsziel für die vier Monate ab Oktober 1948 war wie folgt: USA-Schatzscheine zu 10 Dollars 100.000 USA-Militärgeld-Scheine zu 10 Dollars 85.000 Englische Banknoten zu 1 Pfund 10.000 Am 23. Oktober 1948 wurden folgende Stückzahlen fertiggestellt und geliefert: USA-Schatzscheine zu 10 Dollars 10.000 USA-Militärgeld-Scheine zu 10 Dollars 20.000 Dies waren etwa zwanzig Prozent weniger als die geplante Lieferung für diesen Zeitraum, und die Lieferung erfolgte zwei Tage später als erwartet.

  6. Das Papier für die Geldfälschung wird von einer kleinen Firma in der russischen Zone hergestellt, die ausschließlich für Giesecke & Devrient arbeitet. Die Druckfarben sollen amerikanische Produkte sein. Die Behältnisse dafür übernehmen nur russische Mitarbeiter, die die Farben bei Bedarf in kleinen Gefäßen an die deutschen Handwerker abgeben.

  7. In anderen Abteilungen des Werks werden verschiedene gefälschte Papiere gedruckt. Dazu gehören Personalausweise, Ausweise, Frachtbriefe, Kfz-Briefe und Führerscheine, wie sie in den Vereinigten Staaten, England, Frankreich, den Niederlanden, Schweden und den drei westlichen Zonen Deutschlands verwendet werden. Die niederländischen Pässe werden jetzt hergestellt und sollen Visastempel für die niederländischen Kolonien tragen. Die Vollmachten für die Polizei des Westsektors in Berlin wurden kürzlich ausgestellt.

Abb. 1 und 2: unter der Nr. CIA-RDP-83-00415R001600090010-3 wurden am 14. August 2002 die beiden Seiten des CIA-Reports über die angeblichen Fälschungen der Sowjets freigegeben.



Schenkt man dem CIA-Bericht Glauben, wurden jedoch nur 10 Prozent der Treasury Notes gedruckt und ausgeliefert ... und dann wären den Angaben zufolge die 10-Dollars-Noten von 1890/1891 gefälscht worden. Das waren aber die großformatigen Scheine, die sog. Large Size Notes; vermutlich wurden aber Small Size Notes gedruckt. Und da kämen wiederum unterschiedliche Ausgaben infrage: Gold Certificates, Silver Certificates, Federal Reserve Notes oder National Bank Notes.


Abb. 3: Warnung der U.S. Army, European Command (EC), vom 16. Januar 1947.

Die großformatigen Schatzscheine wären drucktechnisch eine sehr große Herausforderung für die Leipziger Fälscher gewesen und es ist fraglich, ob man den im Stahlstichdruck hergestellten Originalen nahe gekommen wäre. So wurden vermutlich – wenn überhaupt – Scheine mit dem Datum 1934 und mit unterschiedlichen Unterschriften gefälscht. Eine Warnung des Oberkommandos der US Army vor falschen US-Geldscheinen betraf 18 Fälle innerhalb von 6 Monaten schon im Jahr 1946. Das berichtete ein Militär-Kriminaloffizier in der Armeezeitung „Stars and Stripes“.



Abb. 4: 10 Dollars 1891, Vs., USA-Schatzschein, ausgegeben vom 25. April 1891 bis 30. Juni 1897 (mit Unterschrifts-Varianten).


Abb. 5: 10 Dollars 1934, Vs., Silver Certificate, Julian/Morgenthau Jr.


Abb. 6: 10 Dollars 1934, Vs., FR Note, Chicago, Julian/Morgenthau Jr.


Auch bei den gefälschten 10-Dollars-Scheinen des US-Militärgelds kann man nur vermuten, dass als Vorlage die Ausgabe der Serie 472, SBst. C...C, verwendet wurde. Die dritte MPC-Serie war vom 22. März 1948 bis zum 20. Juni 1951 bei US-Einheiten im Umlauf. Die in Westdeutschland angehaltenen Fälschungen stammen angeblich aus Italien oder Frankreich.


Abb. 7: Meldung der U.S. Army, European Command (EC), in ihrer Armeezeitung „Stars and Stripes“ vom 7. August 1948.




















Abb. 8: 10 Dollars (1948-1951), Vs., Military Payment Certificate, echt.


Abb. 9: 10 Dollars, Vs., Fälschung – bei genauer Betrachtung ist die schlecht gemachte Nachahmung leicht als Falsifikat erkennbar.



Die Serien A...A galt vom 16. September 1946 bis zum 9. März 1947 und die Serien B...B vom

10. März 1947 bis zum 21. März 1948 und kämen aus diesen Gründen nicht infrage. Zeitgenössische 10-Dollars-Fälschungen der Serie 472 sind äußerst selten, belegt ist nur ein Exemplar. Hingegen sind von der Vorgängerserie 471 (B...B) einige Fälschungen italienischer oder französischer Herkunft aus dem Jahr 1948 bekannt. Die von dieser Serie angehaltenen Falschstücke sind wesentlich besser gelungen, auf den ersten Blick jedoch als solche nicht sofort erkennbar; aber diese sind auf keinen Fall den Leipziger Fälschern zuzuordnen.

Von den geplanten 10.000 1-£-Noten, die angeblich gefälscht werden sollten, wurde nicht wieder berichtet; aus den 1940er Jahren sind solche Falschnoten bekannt – Herkunft bisher ungeklärt.


Abb. 10: 10 Dollars, Vs., Fälschung – mit Stempelaufdruck COUNTERFEIT.


Abb. 11: 10 Dollars, Rs., Fälschung – ebenfalls mit Stempelaufdruck COUNTERFEIT.


Abb. 12: 10 Dollars (1947/48), Vs., Military Payment Certificate, echt, Vergleichsstück zu der o. a. Fälschung.


Vier Jahre nach Freigabe der ersten CIA-Papiere zum Fälschungsvorwurf wurde im November 2006 ein weiteres Dokument vom 15. März 1949 der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

In fünf Punkten wurde von einem bisher unbekannten CIA-Mitarbeiter über die Aktivitäten der Sowjets berichtet:


  1. Die Firma ist zur Zeit voll ausgelastet mit dem Druck der neuen zwölfseitigen Ausweise für die Bevölkerung der SBZ und des Sowjetsektors von Berlin. Die Arbeiten an diesem Projekt begannen vor mehr als zwei Jahren, wurden zweimal unterbrochen, aber schließlich im Herbst 1948 wieder aufgenommen.

  2. Das Werk bezieht den größten Teil seines Bedarfs an Banknotenpapier von der Freiberger Papierfabrik zu Weißenborn, Weißenborn (Sachsen).

  3. Weder vor noch während des Krieges hat sich die Firma an der Fälschung ausländischer Währungen beteiligt; es gab jedoch mehrere Fälle von rechtmäßigen Aufträgen ausländischer Regierungen an das Unternehmen zum Drucken von Fremdwährungen. Die für das Drucken von Fremdwährungen erforderlichen Fach- und Spezialgeräte sind jedoch in der Anlage verfügbar, und es wäre möglich, Fremdwährungen in relativ geringem Umfang zu fälschen.

  4. In den Jahren 1945–1946 stellte die Firma Platten für die Besatzungswährung der Alliierten her und druckte anschließend eine unbekannte Anzahl von Besatzungsgeld. Die Banknoten waren nicht nummeriert und wurden lange in den Tresoren der Firma aufbewahrt. Die endgültige Hinterlegung dieser Banknoten ist unbekannt. Es stellte auch die Platten für die heutige Währung der Sowjetzone her und druckte anschließend eine unbekannte Menge der Sowjetzonen-Geldscheine.

  5. Die Firma ist kürzlich von einem vorübergehenden Standort in der Karl-Heine-Straße, Leipzig, an ihren alten Standort in der Nürnberger Straße, nahe dem Karl-Marx-Platz, Leipzig, zurückgekehrt.


Abb. 13: unter der Nr. CIA-RDP-83-00415R002400080008-8

wurde am 13. November 2006 diese Seite des CIA-Reports über die angeblichen Nachdrucke von alliierten Militärmark-Scheinen in Leipzig freigegeben.


Abb. 14: 1 Deutsche Mark 1948, Vs., in der Deutschen Wertpapier-Druckerei in Leipzig gedruckte Nachfolgeserie; Banknoten mit 6-st. Kontrollnummern wurden in Moskau hergestellt und die neue Währung war in neun Wertstufen für die sowjetische Besatzungszone und den sowjetischen Sektor Berlins bestimmt.



Im Punkt 3 wird dem CIA-Dokument vom 21. Dezember 1948 widersprochen und festgehalten, dass sich G&D weder vor noch während des Kriegs an Geldfälschungen beteiligte.

Einem Schreiben des sowjetischen Finanzministers A. G. Zwerew an den sowjetischen Außenminister W. M. Molotow kann man entnehmen, dass unter der Verantwortung der SMAD (Sowjetische Militäradministration in Deutschland) im Frühjahr 1946 sowjetische Militärmark-Scheine von der Traditionsfirma Giesecke & Devrient in Leipzig hergestellt werden sollten. Unklar ist, ob der Druck tatsächlich stattfand und unbeantwortet bleibt auch die Frage, ob das Papier mit dem in den USA hergestellten Wasserzeichen-Papier identisch sein sollte. Tatsächlich sind in der Literatur Militärgeldscheine zu 1, 100 und 1000 Mark ohne Kontrollnummern bekannt; man kann heute nicht mehr feststellen, ob es sich hierbei um Fehldrucke oder um Beispiele der erwähnten Scheine handelt.


Abb. 15: 1 Mark 1944, Vs., Alliierte Militärbehörde, ohne Kontrollnummer.



Im Frühjahr 1948 erlangte der US-Militärgeheimdienst auch Kenntnisse über den Druck von „currency stamps“ in Leipzig – ein Vierteljahr vor der Währungsreform in der sowjetischen Besatzungszone und Ostberlin. Gemeint waren die Spezialkupons, die am 23. Juni 1948 auf die bisherigen Reichs- und Rentenmark-Scheine aufgeklebt wurden.

Karl Steinhoff, seinerzeit amtierender Ministerpräsident des Landes Brandenburg, sagte in einem Interview schon vor Bekanntgabe des Termins einer Währungsreform in den Westzonen: „... die Ostzone sei vollständig vorbereitet und es sei alles soweit fertig, dass unsere Maßnahmen sofort einsetzen können, wenn eine separate Währungsreform im Westen durchgeführt würde. ...“ Also auch schon die vorhandenen Bögen mit den Wertmarken zum Aufkleben auf die umzuwechselnden Geldscheine der Renten- und Reichsbank? Die Militärmark-Scheine der Alliierten sollten zwar umgetauscht, aber nicht beklebt werden.


Abb. 16 und 17: Spezialkupons zu 2 und 10 Mark neuer Währung, auf 2-RentM-Scheinen/ 10-RM-Banknoten im Juni 1948 aufgeklebt; es wurden Kupons der neuer Währung in Höhe von 4,115 Mrd. gedruckt, aber nur etwa 2,0 Mrd. ausgegeben.


Abb. 18: 20 Reichsmark 1939 mit aufgeklebtem Spezialkupon zu 20 Mark neuer Währung, perforiert MUSTER, Vorlageschein für Vergleichszwecke beim Geldumtausch in neue DM-Banknoten der Deutsche Notenbank Ostberlin im Juli 1948.



Vielen Dank an die US-Autoren und Sammler: Jim Downey und Joe Boling für Hinweise und Abbildungen. Schriftliche und Online-Anfragen an das CIA-Archiv in Washington wurden bisher nicht beantwortet und wichtige Teile der Dokumente wurden leider abgedeckt ...


Michael H. Schöne

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