Auch „Länder“ werden Opfer des Corona-Virus

Am 11. August 2020 berichtete die Siegener Zeitung unter der Überschrift „Die Welt hat ein Land weniger – Das Fürstentum Hutt River wird nach 50 Jahren wieder Teil Australiens wegen der Corona-Pandemie“ über die Auflösung dieses Staates. Ich muss gestehen, dass ich erst einmal ratlos war. Fürstentum Hutt River sagte mir nichts. Aber waren mir nicht vor Jahren Geldscheine eines Staates mit diesem Namen zum Kauf angeboten worden? Nun schrieb die Zeitung über ein Land, das es eigentlich nie gab. Denn kein Staat der Erde hat es jemals völkerrechtlich anerkannt. Aber der Reihe nach:

Die Geschichte dieses Staates beginnt vor genau 50 Jahren mit einem Streit zwischen der westaustralischen Regierung und dem Farmer Leonard George Casley (* 28. August 1925, † 13. Februar 2019), der die vom Staat eingeführte Weizenquote ablehnte, da sie ihm nur erlaubte, einen geringen Teil seiner Ernte zu verkaufen. Als seine Beschwerde beim Gouverneur von Westaustralien und auch eine Klage bei Gericht keine Abhilfe brachten, erklärte er am 21. April 1970 – sich auf den "Imperial Treasons Act" berufend – kurzerhand die Selbstständigkeit seines Landes und die Lösung vom Commonwealth of Australia.

Das neue „Fürstentum Hutt River“ umfasste ein Territorium von 75 km² und war damit etwas größer als die Republik San Marino. Es lag 517 km nördlich von Perth in der Nähe der Stadt Northampton im Bundesstaat Western Australia. Als Fürst Leonard I. „regierte“ er fortan das Land und die 13 Bürger (Stand 2013). Im Februar 2017 dankte er im Alter von 91 Jahren zugunsten seines jüngsten Sohnes Prinz Graeme ab.

Abb. 1: Das Fürstentum Hutt River.

Die landschaftlichen Sehenswürdigkeiten wie der Mount Secession und der Lake Beginning sowie die Kuriosität bescherten dem Ländchen einen regen Tourismus.

Wie es sich für einen souveränen Staat gehört, stempelte man die Pässe der Besucher und emittierte auch eine mit dem Australischen Dollar wertgleiche eigene Währung, den Hutt-River-Dollar, unterteilt in 100 Cents.

Im Jahr 1974 emittierte das Fürstentum eine Serie von fünf Geldscheinen: 10, 20 und 50 Cents sowie 1 und 2 Dollars. Gedruckt wurden sie in Melbourne auf farbigem, einfachem Papier ohne Wasserzeichen. Die Nummerierung erfolgte in Perth. Alle Geldzeichen haben die Größe 140 x 72 mm, die Vorderseite ist bei allen Werten bildgleich: Am rechten Rand befindet sich die Wertangabe in Buchstaben, daneben das Brustbild von Prince Leonard sowie seine Unterschrift und auf der linken Seite das Staatssiegel (Balkenwaage vor einem stilisiertem Stierkopf, darüber „HUTT RIVER PROVINCE“ und darunter „1970“); am linken Rand sechsmal in Schreibschrift „Hutt River Province Principality“, die Wertabgabe in Ziffern und darüber eine sechsstellige Kennziffer mit vorgesetztem Buchstaben.

Die Rückseiten sind bei den einzelnen Werten ähnlich gestaltet. Am rechten Rand ist unten die Wertangabe in Ziffern zu sehen, darüber wieder sechsmal „Hutt River Province Principality“ sowie neben der Wertangabe nochmals das Staatssiegel; am linken Rand die Wertangabe in Buchstaben sowie vier bzw. fünf Reihen mit je vier Symbolen (beim 20-Cents-Schein z.B.: Schwan — Büffel — Schwan — Büffel).


Abb. 2: 10 Cents, Serienbuchstabe E, Farbe blau.
Abb. 3: 20 Cents, Serienbuchstabe D, Farbe grün.
Abb. 4: 50 Cents, Serienbuchstabe C, Farbe rot.
Abb. 5: 1 Dollar, Serienbuchstabe B, Farbe lila.
Abb. 6: 2 Dollars, Serienbuchstabe A, Farbe gelb.

1976 gab man auch Münzen zu 5 (in Aluminium), 10 (in Kupfer), 20 (in Messing) und 50 Cents (in Kupfer-Nickel) aus. 1978 folgten 30-Dollars-Münzen in Silber und 100-Dollars-Münzen in Gold. In den folgenden Jahren wurden diverse „Gedenkmünzen“ verkauft.

Damit ist nun Schluss, denn mit dem Beginn der virusbedingten Einschränkungen blieben die Besucher und damit auch die Einnahmen des "Fürstentums" aus. Außerdem sitzt dem Prinzen das australische Finanzamt im Nacken, das Jahrzehnte an ausstehenden Steuerschulden einkassieren will. Anders als sein Vater, der deswegen sogar dem Commonwealth of Australia 1977 den Krieg erklärte, wirft der Fürst nun das Handtuch. Graeme Casley bestätigte gegenüber dem staatlichen australischen Sender ABC, dass er plane, das Land zu verkaufen, um den Schuldenberg abzubauen. Mehrere Millionen Australische Dollars soll die Familie dem Finanzamt schulden.

Text und Abb.: Uwe Bronnert

Abb. 1.: https://de.wikipedia.org/wiki/Principality_of_Hutt_River (01.09.2020).

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Literatur:

• Offizielle Homepage: Welcome To The Principality of Hutt River (01.09.2020).

• Principality of Hutt River, https://de.wikipedia.org/wiki/Principality_of_Hutt_River (01.09.2020).

• "Die Welt hat ein Land weniger, Das Fürstentum Hutt River wird nach 50 Jahren wieder Teil Australiens — wegen der Corona-Pandemie", in: Siegener Zeitung vom 11. August 2020, S. 16.

• Michael P. Vort-Ronald, Miscellaneous Australian Notes, Various „currencies“, coupons, redeemable paper items, advertising resembling paper money and political „funny money“, Second printing, Kadina, South Australia 2007.