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Von der Bedeutung der Preise in Ost- und Westdeutschland

Preisliste zu den Ladenverkaufspreisen (Verbraucherhöchstpreisen) für preisgebundene Grundnahrungsmittel vom 15. November 1949. Am 1. Juli 1990 trat die Wirtschafts- und Währungsunion zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratischen Republik in Kraft, die DM löste die Mark der DDR ab. Damit änderten sich auch die Preisschilder im Osten, und zwar nicht nur die Währungseinheit, sondern auch die Beträge. Statt staatlich festgesetzter, „quasi künstlicher“ Preise mussten nun die „wahren“ Preise für Waren und Dienstleistungen bezahlt werden, und zwar in „echter, harter Währung“.

Mehr als 30 Jahre sind seit der Wiedervereinigung vergangen und manches aus DDR-Zeiten wird heute nostalgisch verklärt. Das gilt vor allem dann, wenn von den damals niedrigen Preisen die Rede ist und Vergleiche mit den Preisen in der heutigen Bundesrepublik gezogen werden. Dabei wird allzu leicht vergessen, dass die Versorgungslage in der DDR nicht gerade rosig war, bestimmte Waren oft nicht zu bekommen waren, technische Artikel meist lange Lieferzeiten hatten und die Einkommen deutlich niedriger waren als heute.


Doch wie viel musste man in der DDR für bestimmte Waren bezahlen? Recherchen im Internet ergeben für die Zeit ab 1970 zahlreiche Preisbeispiele, allerdings meist ohne genaue Datierung.


Eine kleine Auswahl:[1] 

Brot   

78 Pfennig

Milch (1 Liter)      

68 Pfennig

Tafel Butter (250g)     

2,40 Mark

Brötchen  

5 Pfennig

Kaffee (125g)     

8,75 Mark

Packung Tempo Bohnen (250g)

65 Pfennig

Packung Tempo Linsen (285g)

1,05 Mark

Kilowattstunde Elektroenergie (keine weiteren Gebühren)

  8 Pfennig

Fahrkarte für Straßenbahn, Bus, S-Bahn, U-Bahn (Erwachsene)

20 Pfennig

Dauerkarte Freibad für 1 Sommer (Kinder)  

5,00 Mark

Monatsmiete für ca. 40-m²- Altbau mit Ofenheizung

25,00 Mark

Farbfernseher Colortron (1987)

ca. 6.000,00 Mark

Waschvollautomat VA 861 (1988) 

2.990,00 Mark


Preisliste (DDR) zu den Ladenverkaufspreisen vom 15. November 1949.



Für die frühen Jahre der DDR sind kaum Angaben zu Preisen zu finden. Daher war es ein Glücksfall, dass ich eine Liste der Ladenverkaufspreise (Verbraucherhöchstpreise) für ausgewählte Grundnahrungsmittel erwerben konnte. Die Liste wurde von der Druckerei Alexander Mann in Pegau (Sachsen) hergestellt und datiert vom 15. November 1949.

Anhand der Liste können die Preise verschiedener Waren bei alternativen Mengen (50 bis 1000 Gramm) abgelesen werden. Die auf der Liste genannten Preise waren in allen Geschäften der Republik gleich, allerdings wurden viele Waren nur gegen Bezugsmarken

der Lebensmittelkarten[2] abgegeben, auch muss berücksichtigt werden, dass das durchschnittliche monatliche Arbeitseinkommen kaum mehr als 200 bis 300 Mark betrug.


Leider liegen mir für die oben genannte Zeit keine Angaben für vergleichbare Waren aus Westdeutschland vor. Hilfsweise mag ein Preisvergleich Westdeutschland – Ostdeutschland vom Oktober 1951 dienen:


Preisvergleich Westdeutschland – Ostdeutschland vom Oktober 1951.[3]



Wie kommen Preise für Waren und Dienstleistungen zustande? Ihre Festsetzung muss in

Ost- und West-Deutschland im Kontext des jeweiligen Wirtschafts- und Gesellschaftssystems gesehen werden, auch wenn alle Volkswirtschaften das gleiche Problem lösen müssen: Welche Ressourcen (Rohstoffe, Arbeitskräfte, Geld) stehen für welche Güter zur Verfügung und welche Güter dienen der Befriedigung der Wünsche der Bevölkerung. Dabei ist zu beachten, dass die Ressourcen in der Regel knapp und die Wünsche unbegrenzt sind und sich im Zeitablauf ändern, sodass alle Entscheidungen der Wirtschaftssubjekte unter der Prämisse der Unsicherheit zu fällen sind.


10 Deutsche Mark der Bank deutscher Länder von 1949.



In den Westzonen wurden parallel zur Währungsreform am 20. Juni 1948 die Preise der meisten Waren freigegeben. Der damalige Direktor für Wirtschaft des Vereinigten Wirtschaftsgebiets und spätere Bundesminister für Wirtschaft Dr. Ludwig Erhard setzte sich mit seiner Idee der Sozialen Marktwirtschaft gegen alle Widerstände durch.


Im Kapitalismus streben alle Marktteilnehmer eine Situation an, aus der sie den größtmöglichen Nutzen ziehen. Das Unternehmen strebt einen möglichst hohen Gewinn an. Es wird daher nur jene Güter produzieren, die es für einen günstigen Preis absetzen kann. Ein günstiger Preis ist aber nur zu erzielen, wenn für die produzierten Güter eine entsprechende Nachfrage vorhanden ist. Art, Menge und Qualität der Produktion richten sich als nicht nur nach Art, Menge und Qualität der Produktionsfaktoren, sondern besonders nach der Nachfrage der Konsumenten. Nur der Produzent wird seine Erzeugnisse absetzen können und Gewinn erzielen, der die Wünsche und die Nachfragemöglichkeiten (sprich die Geldmittel) der Haushalte richtig einzuschätzen vermag. Der Gewinn hängt nicht nur von den Erlösen für die produzierten Güter und Leistungen ab, sondern auch von den Ausgaben für die zur Produktion eingesetzten Güter und den gezahlten Arbeitslöhnen, die für die Mehrzahl der Konsumenten das verfügbare Einkommen ausmacht. Er wird daher nur jene Güter kaufen, die bei entsprechender Qualität am preisgünstigsten sind. In der Theorie sorgt der Preis in der Marktwirtschaft für einen Ausgleich zwischen Angebot und Nachfrage.


Da der Wettbewerb die wichtigste Voraussetzung für einen funktionierenden Markt ist, muss Der Staat überall dort, wo der Wettbewerb z. B. durch Preisabsprachen, Produktionsabsprachen, Aufteilung von Absatzgebieten mehrerer Anbieter und durch Konzentrationstendenzen gefährdet wird, Verbote aussprechen und Kontrollen erlassen.


10 Deutsche Mark der Deutschen Notenbank der DDR von 1948.


Blick in eine Konsum-Fleischerei in der DDR 1951. Foto: Roger und Renate Rössing.



Nun spielen Preise in der Zentralverwaltungswirtschaft nicht dieselbe Rolle wie in einem kapitalistischen System. In der SBZ und der DDR versuchte man soziale Gerechtigkeit, Konsum für jedermann und stabile Preise nicht durch vorsichtige Lenkung des freien Marktes, sondern per Planbeschluss zu erreichen. Dies war mit einer rigorosen staatlichen Lenkung der Volkswirtschaft verbunden, die die Verwaltung überforderte und die wirtschaftliche Produktivität hemmte. Die verordneten stabilen und niedrigen Preise für Grundnahrungsmittel, Wohnungsmieten, Heizung oder im sozialen Bereich führten zu immer horrenderen Subventionssummen, die nur durch Überteuerung anderer Produkte, wie technischer Geräte und „Luxusartikel“ oder durch Kredite zu finanzieren waren. So wurden theoretisch die Preise für Konsumgüter so festgelegt, dass das geplante Angebot dem ebenfalls geplanten Einkommen der Bevölkerung entsprach.

Am Ende ihrer Geschichte stand die DDR vor dem Bankrott, unfähig, ihren finanziellen Verpflichtungen nach innen und außen nachzukommen.


Uwe Bronnert


Anmerkungen:

[2] In der DDR wurden Lebensmittelkarten bis Mai 1958 verwendet.

[3] Bruno Gleitze, Stand der Entwicklung im mitteldeutschen Wirtschaftsraum, Bonn 1952,

S. 65. Abbildung nach: Matthias Ermer, Von der Reichsmark zur Deutschen Mark der Deutschen Notenbank, Zum Binnenwährungsumtausch in der Sowjetischen Besatzungszone Deutschlands (Juni/Juli 1948). Beiträge zur Wirtschafts- und Sozialgeschichte, Band 91, Stuttgart 2000, S. 182.

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