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Aus privaten Sammlungen: Eine gefährliche Fälschung

Am 29. Mai 1945 wurde durch den Beirat der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB)

der Neudruck von auf Schilling lautenden Banknoten beschlossen. Wegen der Dringlichkeit wurde auf die vorhandenen Klischees der letzten Ausgabe der Schillingnoten der ersten Republik zurückgegriffen. Die Scheine wurden ab dem 13. Dezember 1945 in Umlauf gesetzt.

Die Banknote zu 100 Schilling der Ausgabe 1945, die auf dem 1927 in Umlauf gesetzten Entwurf von Wilhelm Dachauer basierte, wurde in der Wertpapierdruckerei der Oesterreichischen Nationalbank in Wien im Offsetdruck hergestellt, der nur einen eingeschränkten Schutz gegen Fälschungen bot, zumal Papier ohne Wasserzeichen verwendet wurde.


Im Spätherbst 1946 tauchten in größerem Umfang Fälschungen der 100-Schillingnote auf. Mitte Dezember 1946 hatte die OeNB in Wien und ihren Zweiganstalten bereits über 800 Fälschungen angehalten, die als Typ 1 und 2 bezeichnet wurden. Den Ursprung der Fälschungen vermutete die Bank im italienischen Südtirol, da viele davon bei der Zweigniederlassung der OeNB in Innsbruck aufliefen. Anfang Dezember 1946 reiste Bankdirektor Eugen Kaniak selbst nach Innsbruck, um sich dort persönlich über die Situation zu informieren. Er konnte erreichen, dass österreichische Kriminalbeamte nach Südtirol fahren und vor Ort Nachforschungen anstellen konnten, die aber ergebnislos verliefen,

die Fälscher blieben unentdeckt. Die OeNB gab Merkblätter (Zirkulare) heraus, um das Publikum vor den auftretenden Fälschungen zu warnen. Die darin beschriebenen Abweichungen der Fälschung vom Original waren jedoch so "feinsinnig", dass sie für die Erkennung der Fälschungen im täglichen Umlauf nicht brauchbar waren.


Zirkular der Oesterreichischen Nationalbank über gefälschte Banknoten zu 100 Schilling. Bankhistorisches Archiv der OeNB, Wien.
Zirkular der Oesterreichischen Nationalbank über gefälschte Banknoten zu 100 Schilling. Bankhistorisches Archiv der OeNB, Wien.

Für den Zahlungsverkehr war diese Situation bedrohlich, weil die 100-Schillingnote die wichtigste Note im Geldumlauf war und jederzeit mit neuen Fälschungen gerechnet werden musste. Tatsächlich tauchten im Frühjahr 1947 weitere Fälschungen auf, deren Anzahl in den kommenden Monaten immer weiter anstieg. Die OeNB plante, die umlaufenden Noten zu 100 Schilling einzuziehen und gegen neue Scheine auszutauschen. Bereits im Dezember 1946 war die Staatsdruckerei Wien beauftragt worden, eine sogenannte Ersatznote zu 100 Schilling in einer Auflage von 10 Millionen Exemplaren herzustellen, die sich von der umlaufenden Banknote nur durch eine Allonge mit der Aufschrift „Zweite Auflage“ unterschied. Im Januar 1947 hatte die OeNB zudem einen Auftrag für den Neudruck einer 100-Schilingnote an die Banknotendruckerei Bradbury, Wilkinson & Co (BWC) in New Malden, England. Die im Dezember 1947 durchgeführte zweite Währungsreform überholte den geplanten Austausch – die 100 Schillingnoten der Ausgabe vom 29. Mai 1945 wurden mit Ablauf des 24. Dezember 1947 wertlos.


Tatsächlich sind die vermutlich in Südtirol hergestellten Fälschungen außerordentlich gut gemacht und im äußerlichen Gesamteindruck von den echten Banknoten nur sehr schwer zu unterscheiden. Da beim Papier der Originalscheine verschiedene Sorten verwendet wurden, musste ein leicht abweichendes Papier der Fälschung insbesondere bei gebrauchten Scheinen nicht auffallen. Den Fälschern müssen eine hochwertige Offset-Druckmaschine sowie hochwertige Druckfarben zur Verfügung gestanden haben. Auch die Schnittkanten der Scheine sind akkurat ausgeführt.


Erkennbar sind die Fälschungen jedoch anhand der Serien- und Kontrollnummern auf der Rückseite der Scheine – diese wurden auf den Fälschungen mit einem Paginierstempel aufgebracht. Für das geübte Auge ist die Abweichung des Ziffernschnitts der Nummern vom Original sofort erkennbar.


Im Vergleich mit Originalschein wundert es nicht, dass die Oesterreichische Nationalbank die Fälschungen als gefährlich einstufte und einen Neudruck der Wertstufe zu 100 Schilling in Auftrag gab, um bei einem weiteren Anwachsen der Fälschungen im Zahlungsverkehr gewappnet zu sein.




Objekttyp:

Banknotenfälschung

Sammlung:

Sammlung Dr. Sven Gerhard

Authentizität:

zeitgenössische Fälschung (Typ 1)

Land/Region/Ort:

Österreich

Emittent:

Oesterreichische Nationalbank

Nominal:

100 Schilling

Datierung:

29.Mai 1945

Vorderseite:

dunkelviolett auf grau-grünem Unterdruck, Frauenkopf (Allegorie der Wissenschaften), Ornamente, Abbildung einer Eule (Symbol der Weisheit)

Rückseite:

dunkelviolett auf grau-grünem Unterdruck, Gebäude der Akademie der Wissenschaften in Wien, vier Symbole der Wissenschaften: oben links Philosophie, oben rechts Theologie, unten links Medizin, unten rechts Jurisprudenz

Unterschrift:

Dr. Viktor Kienböck, Eugen Kaniak und Dr. Franz Bartsch

Material:

Papier ohne Wasserzeichen

Format:

162 mm x 85 mm

Druck:

vermutlich in einer Fälscherwerkstatt in Südtirol

Nummerierung:

Serie 7995 Kontrollnummer 02436

Umlauf:

ab ca. November 1946 bis 24. Dezember 1947

Zitate:

zu Kodnar/Künstner 223, Richter 268, Standard Catalogue of World Papier Money 118.


Dr. Sven Gerhard


Wenn auch Sie ein besonderes Stück aus Ihrer Sammlung vorstellen möchten, dann schicken Sie einfach eine E-Mail an: info@geldscheine-online.com mit dem Betreff "Aus privaten Sammlungen".


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