Billete de Canje (1895)

Ende des 19. Jahrhunderts war von dem einstmals riesigen spanischen Kolonialreich wenig übrig geblieben: in der Karibik nur noch Kuba und Puerto Rico.

Jahrhunderte lang wurden aus den reichen Silbervorkommen Mexikos und Südamerikas Münzen zu 8 Real (= 1 Peso) mit einem Gewicht von ca. 27 Gramm mit den entsprechenden Teilstücken geprägten. Sie waren im amerikanischen Raum die vorherrschende Währung. Der 7. Artikel des Königlichen Erlasses (Real Decreto) vom

17. August 1895 schuf nun für Puerto Rico eine eigene Währung. Die neue Peso-Münze entsprach der spanischen 5-Peseta-Münze und hat ein Gewicht von 25 Gramm bei einem Silber-Feingehalt von 900. Vorgesehen waren auch Silbermünzen zu 5, 10 und 20 Centavos. Mithilfe dieser Münzen sollten die umlaufenden alten „mexikanischen“ Silbermünzen eingezogen werden.


Canje de Ultramar, 17. August 1895, 1 Peso, Vorderseite.

Canje de Ultramar, 17. August 1895, 1 Peso, Rückseite.

Da sich die Prägung der neuen Peso-Münze verzögerte, ließ der spanische Übersee-Minister, Don Tomás Castellanos y Villarroya, als Ersatz „Billete de Canje“ (Einlöseschein) zu 1 Peso herstellen. Den Druck besorgte Bartolomé Maura in Madrid.

Die Vorderseite des Scheines bildet auf der linken Seite das Brustbild von Christoph Kolumbus in einem Kreis ab. Entsprechend ist auf der rechten Seite ein weißer Kreis für den Trockenstempelabdruck ausgespart: in einem Doppelkreis außen „CANJE DE PUERTO RICO * * *“ und im Innenkreis die Darstellung der „Santa Maria“. Am oberen Rand die rote Kennziffer. Überschrieben ist der Schein groß mit „BILLETE DE CANJE“, darunter klein zweizeilig „creado por el Art. 1 del / Re. Dto. de Agosto de 1895.“

Es folgt groß in der Mitte zweizeilig „VALE / UN PESO“. Im unteren Scheindrittel die drei Unterschriften: Director de Hacienda, El Ordenador de Pago und El Interventor.

Am unteren Rand schließlich „MINISTERIO DE ULTRAMAR“. Der schwarze Textdruck hebt sich vom gelben Ornamentdruck deutlich ab. Die grünblaue Rückseite zeigt in einem Ornament in der Mitte das gekrönte spanische Wappen, links davon ist in einem weißen Kreis der Trockenstempel zu sehen. Auf der rechten Seite im Kreis „1 PESO“. Am unteren Rand in einem geschwungenen Band „BILLETE DE CANJE“.

Die Noten wurden mit einem Talon am rechten und linken Rand versehen von der Druckerei geliefert. Diese Talons wurden mit einem speziellen Messer wellenartig geschnitten. Da der linke Talon und Schein mit derselben Kontrollnummer versehen waren, konnten Fälschungen leicht festgestellt werden, da Schein und Talon genau passen mussten. Allerdings scheint man hierbei nicht sorgfältig gearbeitet zu haben, denn es gibt Noten, bei denen der Talon nur auf einer Seite geschnitten wurde bzw. wo überhaupt keine Talon-Rest mehr feststellbar sind.

Anzumerken ist, dass ungültige Scheine von einer Firma in San Juan zu Werbezwecken verwendet wurde. Eine Sorte wurde 1904 mit einem ovalen Stempel mit dem Wort „CERECEDO“ gekennzeichnet. Ferner gibt es Noten des gleichen Unternehmens mit „PUERTO RICO AGOSTO 22 1922 Cerecedo“.

Seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts bemühte sich die Bevölkerung Puerto Ricos um Autonomie. Dieses Ziel war fast erreicht, als Spanien am 25. November 1897 mit der Carta Autónomica, der Insel politische und administrative Autonomie gewährte.

Die teilautonome Regierung war jedoch nur kurzlebig, weil die Vereinigten Staaten beim Ausbruch des Spanisch-Amerikanischen Krieges in Puerto Rico einfielen. Am 25. Juli 1898 landeten erste US-amerikanischer Truppen in Guánica an der Südküste der Insel. Am 1. Oktober trafen sich Vertreter der USA und Spaniens zu Friedensverhandlungen in Paris. Die Spanier verzichteten auf ihre Ansprüche auf Kuba, gaben Guam, Puerto Rico und die abhängigen Inseln an die Vereinigten Staaten ab und übertrugen die Souveränität über die Philippinen für 20 Millionen US-Dollar an die USA.


Literatur:

Luis Antonio Rodríguez Vázques, Catálogo del Papel Moneda de Puerto Rico (Emisiones Oficiales y Privadas) (1766 – 1933), Editorial Arybet, Ponce, Puerto Rico 2006.


Text und Abb. Uwe Bronnert

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