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6 + 7 = 13: Seltsame Dollarnoten

Bei der Einführung einer neuen Währung oder einer neuen Banknoten-Serie müssen Entscheidungen getroffen werden, in welchen Wertstufen die Geldscheine gedruckt werden sollen. Auch in den USA lag die Verantwortung solcher Festlegungen bei den Banken. Noch heute sind Ausgaben zu 1, 5, 10, 20, 50 und 100 Dollars üblich. Bekanntermaßen gab es in der Vergangenheit auch Banknoten zu 2, 500, 1.000, 5.000, 10.000 und sogar 100.000 Dollars. Anders bei den privaten Banken vor und während des Amerikanischen Bürgerkriegs: die so genannten Broken Banks gaben Banknoten in sehr ungewöhnlicher Stückelung aus. Und solche „krummen Werte“ gab es vorwiegend bei den heute als „obsolete notes“ bezeichneten Scheinen der "Wildcat Banks". Es lassen sich Banknoten der üblichen Nominale zu 1, 2, 5 und 10 Dollars sowie seltsamerweise auch zu 3, 4, 6, 7, 8, und 9 Dollars belegen. Die häufigsten „krummen Werte“ sind die Scheine zu 3 Dollars.


Abb. 1: 1 Dollar 1. Juli 1856, Vs., The Drovers Bank, Salt Lake City/Utah.


Abb. 2: 2 Dollars 1. Juni 1841, Vs., The Towanda Bank, Towanda/Pennsylvania.


Abb. 3: 3 Dollars 1846, Vs., The New England Commercial Bank, New Port/Rhode Island.


Abb. 4: 4 Dollars 1. Januar 1859, Vs., Bank of Cape Fear, Wilmington/North Carolina.


Die Bank of Cape Fear in Wilmington/North Carolina war eine der wenigen Banken, die alle zehn Scheine einer Serie von 1 bis 10 Dollars bei Danforth, Bald & Co. drucken ließen.

Die Bank wurde 1804 gegründet und gab 1866 ihren Geschäftsbetrieb auf. Sie hatte ein Anfangskapital von 250.000 Dollars und war eine der ersten Banken, die über Filialgeschäfte verfügten – bspw. in Raleigh und Fayetteville in North Carolina.


Abb. 5: 5 Dollars 21. Januar 1861, Vs., The Valley Bank, Hillsborough/New Hampshire.


Abb. 6: 6 Dollars 20. September 1866, Vs., Peoples Bank of Paterson, Paterson/New Jersey.


Abb. 7: 7 Dollars 1. Juli 1861, Vs., Bank of Clarendon, Fayetteville/North Carolina.


Abb. 8: 8 Dollars 1. April 1861, Vs., Merchants Bank, Lynchburg/Virginia.


Abb. 9: 9 Dollars 1. Juli 1861, Vs., Monticello Bank, Charlottesville/Virginia.


Darüber hinaus sind Banknoten zu 1 Dollar/25 Cents bekannt, so z. B. die Ausgaben von

1838 der Merchants Bank und von 1853 der Weybosset Bank, beide in Providence/Rhode Island aktiv.

Auch in Kanada gab es Banknoten mit „krummen Wertstufen“ aus dem späten

19. Jahrhundert. Banknoten zu 6 Dollars gaben bspw. die Exchange Bank of Canada in Montreal und die Banque Nationale in Quebec aus, Banknoten zu 7 Dollars emittierte die Molsons Bank in Toronto und Banknoten zu 8 Dollars gab die Commercial Bank of New Brunswick aus.


Abb. 10: 7 Dollars 1. Juli 1871, Vs., The Molsons Bank, Montreal/Dominion of Canada.


3-Dollars-Scheine sind in Kanada wie in den USA nicht selten. Die Bank of Brantford/Province of Canada und die Colonial Bank of Canada/Toronto gaben schon 1859 Noten zu 4 Dollars aus; bekannt sind auch die 4-Dollars-Scheine der Dominion of Canada der Serien von 1882, 1900 und 1902. Interessant ist die Ausgabe der Bank of Upper Canada: die Banknote hat den Wert von 4 Dollars bzw. 1 Pound.


Abb. 11: 4 Dollars/1 Pound 1. Dezember 1846, Vs., Bank of Upper Canada, Toronto.


Auch Banknoten zu 9 Dollars kennt man aus Kanada, so dass nicht nur in den USA Scheine von 1 bis 9 Dollars belegt sind, sondern auch der nördliche Nachbar sich für solche spektakulären Ausgaben entschieden hatte.

Der Sinn dieser „krummen Wertstufen“ lässt sich nicht erahnen und ist auch aus wirtschaftlichen Gründen nicht plausibel. Man musste für diese ungewöhnlichen Wertstufen extra Grafiker und Drucker bemühen, die zusätzliche Kosten verursachten.


Abb. 12: 8 Dollars/2 Pounds 18__, Vs., The Bank of The People, Toronto/Upper Canada,

mit Wertangabe in Französisch HUIT/HUIT PIASTRES und Deutsch ACHT DOLLAR.


Andere unübliche US-Dollar-Scheine sind die zu 1.25, 1.50, 1.75 und 2.50 Dollars. Die als „odd notes“ bezeichneten Noten sind oftmals sog. Remainder.

Scheine zu 1.25 Dollar gaben u. a. die Merchant Bank/Rhode Island und die Roxbury Bank/Massachusetts aus, Scheine zu 1.50 Dollar gab es z. B in Riverton von der Fall River Union Bank/Rhode Island und von der Belvidere Bank/Illinois sowie Noten zu 1.75 Dollar von der Bank of Pontiac/Michigan und der Mechanics & Manufacturers Bank Providence/Rhode Island – vorwiegend aus den 1830er bis 1850er Jahren. 2.50-Dollar-Noten gab 1862 die Bank of the Commonwealth in Richmond/Virginia aus.


Abb. 13: 1 Dollar/50 Cents 18__, Vs., Erie and Kalamazoo Rail-Road Bank, Adrian/Michigan.


Die Serie „krummer Wertstufen“ lässt sich fortsetzen mit den zweistelligen absurden Dollarbeträgen – ebenfalls aus den USA des 19. Jahrhunderts. Es gab außer den üblichen

10- und 20-Dollars-Noten auch Scheine zu 11, 12, 13, 14 und 15 Dollars. Bekannt sind auch die üblichen Teilstücke zu 5, 10, 20, 25, 50 und 75 Cents.


Abb. 14: 11 Dollar 183_, Vs., Commercial Bank of the City of New York.


Abb. 15: 12 Dollar 185_, Vs., Commercial Bank of the City of New York.


Abb. 16: 13 Dollar 185_, Vs., The Atlantic Bank Brooklyn/New York.


Abb. 17: 14 Dollar 185_, Vs., The Merchants Bank New York.


Abb. 18: 15 Dollar 7. Mai 1851, Vs., The Exchange Bank of Virginia, Norfolk/Alexandria.


Die zweistelligen „krummen Werte“ wurden Mitte des 19. Jahrhunderts vorwiegend bei der New Yorker Druckerei Rawdon, Wright & Hatch (1832–1851) hergestellt. Der Sinn solcher Ausgaben erschließt sich wie gesagt überhaupt nicht. Und für den Zahlungsverkehr waren solche Ausgaben sicherlich nicht bedarfsgerecht.

Hingegen hat die Ausgabe einer Gedenkbanknote der Fidschi-Inseln einen einleuchtenden Hintergrund: der Gewinn einer ersten Goldmedaille bei einer Olympiade war Grund genug, die Sportler mit einer 7-Dollars-Banknote zu ehren.

Andere unübliche Dollar-Wertstufen, zum Beispiel zu 25, 30, 40, 60 oder 150 $ aus verschiedenen Ländern, werden hier bewusst nicht beschrieben.


Abb. 19: 7 Dollar 2017, Vs., Gedenkbanknote, Reserve Bank of Fiji; bei den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro errang das Rugby-Team des kleinen Inselstaats erstmals seit ihrer Teilnahme bei Olympia 1952 eine Goldmedaille; die Mannschaft um Kapitän Osea Kolinisau gewann im 7er-Rugby haushoch mit 43:7 gegen Großbritannien; auf der Rückseite ist Premierminister Josaia Voreqe Bainimarama zusammen mit dem Team aus Spielern, Trainer und Betreuern abgebildet.

Die Druckauflage beträgt 2 Mio. Stück ... bei weniger als 1 Mio. Einwohnern. Es gibt eine weitere 7-F$-Gedenknote von 2022 anlässlich der errungenen Goldmedaille bei den Olympischen Spielen 2020 in Tokio (die Spiele wurden wegen der Corona-Pandemie erst im Juli 2021 ausgetragen); die Scheine wurden wie die 2017er Ausgabe in Frankreich im Querformat und in der gleichen Auflage hergestellt.

Die britische Wertpapierdruckerei DeLaRue fertigte hingegen die Gedenkbanknote zu 88 Cents in einer Stückzahl von 3,6 Mio. Exemplaren.



Michael H. Schöne


Quellen:

Polar Currency: „Wacky, Weird & Wonderful Obsolete Banknote Denominations“, YouTube, April 2023

Figma/S. & S. Studio/Moooney: „Unusual Denominations of Banknotes, Notes/Interesting and Non-standard Numbers on Modern Paper Money, YouTube, Mai 2023

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