Das Fürstentum Monaco im Schatten von Liktorenbündel und Hakenkreuz
- Uwe Bronnert

- 14. Juli
- 8 Min. Lesezeit
Das Fürstentum Monaco ist mit 38.631 Einwohnern (Stand: 2024) und einer Fläche von 2,084 Quadratkilometern nach der Vatikanstadt der zweitkleinste Staat der Erde. Es liegt an der französischen Riviera zwischen der französischen Stadt Nizza im Westen (13 km Entfernung) und der französisch-italienischen Grenze (etwa zehn Kilometer Entfernung) im Osten.
1215 gründeten die Grafen von Genua auf dem heutigen Gebiet Monacos eine Festung, die im Jahr 1297 von der Familie Grimaldi erobert wurde. Dieses Ereignis gilt als die Geburtsstunde der noch heute regierenden Dynastie. Infolge der Napoleonischen Kriege kam Monaco unter französische Kontrolle. Auf dem Wiener Kongress 1815 wurde Monaco unter dem Schutz des Königreichs Sardinien als souveräner Staat wieder hergestellt.
Durch Vertrag vom 2. Februar 1861 trat Sardinien das Monaco umgebende Gebiet mit den Städten Menton und Roquebrune an Frankreich ab. Gleichzeitig erkannte Frankreich die volle Unabhängigkeit Monacos unter der alleinigen Souveränität des Fürsten an. Mit Gründung der Spielbank Monte-Carlo 1853, der Zollunion mit Frankreich 1865 und dem Anschluss an das Eisenbahnnetz 1868 wurden die Grundlage für den mondänen Tourismus gelegt.
Der Französisch-Monegassische Vertrag vom 17. Juli 1918, der in Artikel 436 des Versailler Vertrags von 1919 formell verankert ist, regelt die Beziehungen der beiden Staaten und garantiert die Unabhängigkeit Monacos.[1]
Am 26. Juni 1922 trat Louis Honoré Charles Antoine Grimaldi [* 12. Juli 1870 in Baden-Baden; † 9. Mai 1949 in Monaco] die Nachfolge seines Vaters Albert I. als regierender Fürst an.[2] Trotz Monacos enger Anbindung an Frankreich betonte der Prinz in den 1930er und 1940er Jahren stets die Neutralität des Fürstentums. Das nationalsozialistische Deutschland erkannte früh die Vorteile eines unabhängigen und neutralen Monacos. 1936 besuchte der deutsche Finanzminister Hjalmar Schacht das Fürstentum. Bei einem Treffen mit dem Prinzen Louis arrangierte er die finanzielle Zusammenarbeit zwischen deutschen und monegassischen Banken. Dabei beruhten die Interessen auf Gegenseitigkeit. Monaco stärkte seine Unabhängigkeit und das Deutsche Reich erlangte einen weiteren Zugang zu internationalen Finanzmärkten.

Abb. 1: Prinz Louis II. von Monaco
Dieses Werk stammt aus der George Grantham Bain-Sammlung der Library of Congress. Laut der Bibliothek gibt es keine bekannten Copyright-Einschränkungen in der Verwendung dieses Werkes.
Nach dem deutschen Überfall auf Polen am 1. September 1939 erklärten Frankreich und Großbritannien dem Deutschen Reich am 3. September 1939 den Krieg. An der Westfront blieb es zunächst weitgehend ruhig. Die unter dem Tarnnamen „Fall Gelb“ geplante deutsche Offensive begann am 10. Mai 1940. Bedingt durch den schnellen Vormarsch der deutschen Truppen sah sich die französische Regierung gezwungen am 22. Juni in Compiègne einen Waffenstillstandsvertrag zu schließen. Infolgedessen wurden Nordfrankreich und die Küstengebiete am Atlantik – insgesamt 60 Prozent des Landes – von deutschen Truppen besetzt. Am 2. Juli 1940 richtete sich die französische Regierung in der Stadt Vichy ein, das dadurch in gewisser Weise zur Hauptstadt der freien Zone wurde.
Am Der Süden Frankreichs blieb unbesetzt. Während die französische Regierung ihren Sitz in Vichy hatte, blieb die Zentrale der Banque de France in Paris. Am 10. Juli übertrug das Parlament Marschall Pétain die vollen Machtbefugnisse. Dieser rief den „État français“ (französischen Staat) aus und begann wenig später eine Politik der Kollaboration mit den deutschen Besatzern.
Das mit dem Deutschen Reich verbündete Italien hatte sich bei Ausbruch der Kämpfe als „nichtkriegführend“ bezeichnet und wartete ab, wie sich der deutsche Westfeldzug entwickelten würde. Erst als Frankreich militärisch zusammenbrach, entschied Mussolini, „noch rechtzeitig“ am 10. Juni in den Krieg einzutreten, um so Gebietsgewinne zu sichern.
Die Ankunft der italienischen Truppen beunruhigte Prinz Louis II., befürchtet er doch die Annexion des Fürstentums Monaco durch Italien. Über Stellung und Zukunft Monacos herrschten zwischen Hitler und dem "Duce" heftige Meinungsverschiedenheiten. Entgegen dem Wunsch der italienischen Faschisten, die ehemalige Grafschaft Nizza zurückzugewinnen, endete die italienische Besatzungszone bei Menton, am Rande Monacos. Der Zugang zu einem neutralen Monaco war für das Deutsche Reich sehr wichtig, konnte man hier doch an ausländische Devisen gelangen, die für die Durchführung ehrgeiziger Militärprojekte und kriegsbezogener Aktivitäten notwendig waren. Mithilfe der im Fürstentum gegründeten Vorzeige-Unternehmen konnte das "Dritte Reich" Handel mit dem Rest der Welt treiben und so das Embargo der Alliierten umgehen.
Als am 8. November 1942 alliierte Truppen in Marokko landeten, hatte die Vichy-Regierung zwar ca. 60.000 Soldaten, Küstenartillerie, einige Panzer und Flugzeuge sowie etwa zehn Kriegsschiffe und elf U-Boote in Marokko stationiert, aber der Marschall weigerte sich, Hitlers Forderung nach einem französischen Kriegseintritt auf deutscher Seite nachzukommen.
So marschierten am 11. November deutsche und italienische Truppen in die bis dato frei französische Zone. Die Italiener besetzten den Südosten Frankreichs (Dauphiné, den größten Teil der Provence und die Provinz Nizza) sowie Monaco.
Am 24. Juli 1943 kündigte der Große Faschistische Rat Benito Mussolini die Gefolgschaft und einen Tag später ließ König Viktor Emanuel III. den „Duce“ verhaften. Der neue Ministerpräsident Pietro Badoglio erklärte zwar, er wollte den Kampf loyal an der deutschen Seite fortsetzen, gleichzeitig führte er aber Geheimverhandlungen mit den Alliierten, die am 10. Juli auf Sizilien gelandet waren. Die Verhandlungen endeten am 3. September mit dem Abschluss eines Waffenstillstands zwischen Italien und den Alliierten, die an diesem Tag auf das italienische Festland übersetzten. Als Badoglio den Waffenstillstand am 8. September im Rundfunk verkünden ließ, liefen die deutschen Gegenmaßnahmen unverzüglich an: Entwaffnung und Gefangennahme der italienischen Streitkräfte in Italien, Südfrankreich und dem Balkan sowie die Besetzung Roms durch deutsche Truppen.

Abb. 2: Zwei deutsche Offiziere im exotischen Garten von Monaco (Foto aufgenommen am 12. Mai 1944), Quelle: https://sudwall.superforum.fr/t1973-monaco-occupation-allemande-1943-1944 (29.04.2026).
Am 9. September verließen die Italiener Monaco und die deutsche Wehrmacht rückte nach und richtete ihr Hauptquartier im Hotel de Paris ein. Prinz Louis II., der seinen Status behalten wollte, hieß die Deutschen willkommen und nutzte seine deutschen Wurzeln als verbindendes Element.[3] Für Monaco selbst existiert keine eigene deutsche Militärverwaltung; das Fürstentum wurde in die deutsche Kommandostruktur der besetzten französischen Mittelmeerküste integriert. Der verantwortliche deutsche Befehlshaber für Monaco war der für Südfrankreich zuständige General der Infanterie Rudolf Toussaint.
Monaco erfuhr weiterhin eine Sonderbehandlung durch die Nationalsozialisten. Prinz Louis und die Deutschen nutzte die angebliche Neutralität für wirtschaftliche und finanzielle Transaktionen. Während des Zweiten Weltkriegs gab es in Monaco mehr als dreihundert Gesellschaften mit deutscher Beteiligung.[4] Noch im Sommer 1944 gründeten man eine Bank, um das US-amerikanische Wirtschaftsembargo zu umgehen. Aber nicht nur im finanziellen und wirtschaftlichen Bereich war die Zusammenarbeit mit den monegassischen Behörden eng, sondern auch mit der Gestapo. Bereits in der Nacht des 1. August 1942 waren laut einem Regierungsbericht etwa 90 Personen aus Monaco deportiert worden, von denen nur neun überlebten. Unter den Deportierten war auch René Blum, der Gründer des Opernhauses, der in einem Konzentrationslager starb. Staatsminister Émile Roblot argumentierte später, Deutschland habe gedroht, Monacos Sonderstellung zu beenden, wenn es nicht kooperiere. Noch während der italienischen Besatzung wurden Dr. Hellenthal zum Generalkonsul Deutschlands in Monaco und am 25. Juni 1943 ernannte Louis II. den NSDAP-Abgeordneten Dr. Bernhard Bodenstein zum Konsul Monacos in Berlin.
Die alliierten Truppen landeten am 15. August 1944 in der Provence. Die 1st Airborne Task Force unter General Robert T. Frederick stieß rasch nach Norden und Osten vor.
Ihr Vormarsch zwang die deutschen Einheiten an der Côte d’Azur zum Rückzug, sodass am 3. September US- und französische Truppen Monaco befreiten.
Nach dem Französisch-Monégassischen Vertrag von 1918 stand Monaco unter französischem Schutz und war durch eine Währungs- und Zollunion wirtschaftlich eng an Frankreich gebunden. Der französische Franc war gesetzliches Zahlungsmittel im Fürstentum.
Nur zwischen 1878 und 1904 ließen die Fürsten eigene Goldmünzen prägen. Da nach dem Ersten Weltkrieg in Frankreich ein Mangel an Kleingeld herrschte, beschloss die monegassische Regierung am 16. März 1920 die Ausgabe von Staatspapiergeld über 25 und 50 Centimes und ein Franc. Die Scheine ähneln im Stil dem französischen Notgeld der Nachkriegszeit. Zur Ausgabe gelangten zwei Serien, die sich nur in der Farbe unterscheiden.

Abb. 4.1: Principavté de Monaco, 20.3.1920, 50 Centimes, Vorderseite.

Abb. 4.2: Principavté de Monaco, 20.3.1920, 50 Centimes, Rückseite.
Sie waren bis zum 31. Dezember 1922 gesetzliche Zahlungsmittel und wurden noch bis zum 30. April 1926 eingelöst. Von den gedruckten Nominalen im Wert von 774.500 Francs wurden nur etwa 4.000 Francs eingelöst. Es ist das einzige Papiergeld Monacos.

Abb. 4.1/2: Credit Foncier de Monaco, 1924, 1 Franc, Vorder- und Rückseite.

Abb. 5.1/2: Credit Foncier de Monaco, 1926, 1 Franc, Vorder- und Rückseite.
Mit der Jahreszahl 1924 bzw. 1926 gab die „Credit Foncier de Monaco“ Münzen zu 50 Centimes, ein Franc und zwei Francs aus. Münzmetall (Aluminium-Bronze), Größe und Gewicht entsprechen den Münzen der französischen Handelskammern (Chambres de Commerce de France). Ansonsten machte das Fürstentum in den 1920er und 1930er Jahren kein Gebrauch vom Recht, eigene Geldzeichen zu emittieren. Dies blieb auch nach Kriegsausbruch 1939 so.

Abb. 6.1/2: Monaco, o. D. (1943), 1 Franc, Vorder- und Rückseite.

Abb. 7.1/2: Monaco, o. D. (1943), 2 Francs, Vorder- und Rückseite.

Abb. 8.1/2: Republique Française, 1941, 1 Franc, Vorder- und Rückseite.

Abb. 9.1/2: Republique Française, 1941, 2 Francs, Vorder- und Rückseite.

Abb. 10.1/2: Republique Française (Vichy), 1942, 1 Franc, Vorder- und Rückseite.

Abb. 11.1/2: Republique Française (Vichy), 1943, 2 Francs, Vorder- und Rückseite.
Wohl um seinen Souveränitäts-Anspruch gegenüber den Besatzungsmächten zu dokumentieren, ließ Prinz Louis II. 1943 2.500.000 Münzen zu einem Franc und 1.250.000
zu zwei Francs bei der Monnaie de Paris prägen. Sie entsprechen in Material, Größe und Gewicht den damaligen französischen Münzen. Beide Münzen sind bildgleich ohne Jahreszahl. Auf der Vorderseite das gekrönte Wappen und die Wertangabe; auf der Rückseite das Kopfbildnis des Prinzen nach links blickend und der Umschrift „LOUIS II PRINCE DE MONACO“. Die Gravur stammt von L. Maubert. Erst ab 1945 ließ das Fürstentum regelmäßig Münzen in Paris prägen.
Beispiele für Banknoten der Banque de France, die im Fürstentum gesetzliche Zahlungsmittel waren:

Abb. 12.1: Banque de France, 5 Francs, 26. Dezember 1940, Vorderseite. Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de.

Abb. 12.2: Banque de France, 5 Francs, 26. Dezember 1940, Rückseite.
Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de.

Abb. 13.1: Banque de France, 10 Francs, 4. Dezember 1941, Vorderseite. Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de.

Abb. 13.2: Banque de France, 10 Francs, 4. Dezember 1941, Rückseite.
Abb. Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de.

Abb. 14.1: Banque de France, 20 Francs, 7. Dezember 1939, Vorderseite.
Abb. Sammlung Schilde.

Abb. 14.2: Banque de France, 20 Francs, 7. Dezember 1939, Rückseite.
Abb. Sammlung Schilde.

Abb. 15.1: Banque de France, 100 Francs, 9. Januar 1941, Vorderseite.
Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.

Abb. 15.2: Banque de France, 100 Francs, 9. Januar 1941, Rückseite.
Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.

Abb. 16.1: Banque de France, 1000 Francs, 11. Juni 1942, Vorderseite.
Abb. Sammlung Schilde.

Abb. 16.2: Banque de France, 1000 Francs, 11. Juni 1942, Rückseite.
Abb. Sammlung Schilde.
Auch während der italienischen und deutschen Besatzung blieb der französische Franc gesetzliches Zahlungsmittel. Weder Lire noch Reichsmark hatten in Monaco Umlaufrecht.
Die Geldversorgung erfolgte durch die französischen Banken. Die Banque de France unterhielt hier aber keine eigene Zweiganstalt.
Uwe Bronnert
Anmerkungen
[1] Im Jahr 2002 wurde der Vertrag überarbeitet und 2005 von beiden Parteien ratifiziert.
[2] Sein offizieller Titel lautet lautet „Son Altesse Sérénissime le Prince Louis II“ [Seine Durchlauchtigste Hoheit Fürst Ludwig II.].
[3] Als Louis gerade zehn Jahre alt war, wurde die Ehe seines Vaters Albert I. und seiner ersten Frau Lady Mary Victoria Hamilton annulliert. So wuchs der junge Prinz überwiegend in Baden-Baden bei seiner Mutter auf. Sie stammte mütterlicherseits aus der Familie des Großherzogs von Baden.
[4] Im Februar 1944 besuchte Finanzinspektor M. Montarnal im Auftrage des Vichy-Wirtschaftsministeriums das Fürstentum. Bei seiner Rückkehr schrieb er fassungslos in seinen Missionsbericht: „Die monegassische Staatskasse, die 1937 gerade erschöpft war, hatte Ende 1943 188 Millionen Francs, die sofort realisierbar waren. Weil die Ausgaben eingedämmt wurden? Ganz im Gegenteil: Sie haben sich seit 1938 verdreifacht.“ Zitiert nach „Die schwarzen Akten der Besatzung im Fürstentum Monaco, Geld und die Nazis“ <https://sudwall.superforum.fr/> (29.04.2026)
Literatur:
Victor Gadoury: Monnaies Françaises 1789 – 1975, Deuxième édition, Baden-Baden 1975.
Owen W. Linzmeyer: The Banknote Book: Monaco, 20. May 2021.
Histoire de Monaco pendant la Seconde Guerre mondiale https://fr.wikipedia.org/wiki/Histoire_de_Monaco_pendant_la_Seconde_Guerre_mondiale (18.3.2025).
Invasion and occupation of Monaco during World War II https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Invasion_and_occupation_of_Monaco_during_World_War_II&oldid=1259677822. (17.3.2025)
La guerre vue par les Monégasques https://lobservateurdemonaco.com/infos/societe/la-guerre-vue-par-les-monegasques/ (27.04.2026).
Military history of Italy during World War II https://en.wikipedia.org/w/index.php?title=Military_history_of_Italy_during_World_War_II&oldid=1254704593 (18.03.2025).
Monaco during World War II
https://en.topwar.ru/190570-monako-vo-vremja-vtoroj-mirovoj-vojny.html (27.04.2026).
Die schwarzen Akten der Besatzung im Fürstentum Monaco, Geld und die Nazis“ <https://sudwall.superforum.fr/> (29.04.2026).




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