Die Danziger Privat-Actien-Bank und ihr 50-Thaler-Schein von 1865

Die fortschreitende Industrialisierung in Deutschland in der Mitte des 19. Jahrhunderts verlangte neue Möglichkeiten der Finanzierung der Schlüsselindustrien wie dem Eisenbahnbau, der Bergbauindustrie, der Metallerzeugung oder dem Maschinenbau.
Auch für die sich ausdehnende Infrastruktur suchte man nach Krediten und alle fanden sie diese bei den bestehenden und den neugegründeten Notenbanken, Aktienkreditbanken, Privatbanken, Sparkassen, Genossenschafts- und Hypothekenbanken. Diese konkurrierten auf dem deutschen Markt um Kunden und Kapital.
Mehr als 50 Danziger Handelsfirmen reichten am 14. März 1856 beim preußischen Ministerium für Handel und Gewerbe ein Gesuch um „landesherrliche Bestätigung“ ein, um die Zulassung einer Privatbank-AG unter der Bezeichnung „Danziger Privat-und-Actien-Bank“ zu erhalten. Im Königreich Preußen erhielten die Danziger und die Posener Bank am 16. März 1857 ihre Konzessionierung – wie zuvor schon der Berliner Kassenverein am 15. April 1850, die Privatbanken in Köln am 10.10.1855, die Magdeburger Privat-Bank am 30.06.1856 und die Königsberger Privat-Bank am 13.10.1856.
Die preußische Normativbestimmung forderten je 1 Million Taler als Aktienkapital und erlaubten eine Banknoten-Emission in gleicher Höhe. Die Danziger Privat-und-Actien-Bank bezog das Mietshaus von Samuel Baum in der Danziger Langgasse 33 und das Hinterhaus in der Hundegasse 107. [1] Die erste Sitzung des Aufsichtsrats fand am 21. Mai 1856 statt; die Bank wurde dann am 16. März 1857 offiziell gegründet und nahm ihren Geschäftsbetrieb am 17. Juni 1857 auf. Von den 2.000 Danziger Bankaktien zu 500 Talern wurden 1.158 in Danzig und 842 in Berlin verkauft.

Die erste Banknoten-Serie der Danziger Privat-und-Actien-Bank erschien mit dem Datum vom 1. Juli 1857 in den Wertstufen 10, 20, 50 und 100 Thaler – auch die Ausgabe von 200-Thaler-Banknoten war vorgesehen.
Ein besonderer Geldschein ist die 50-Thaler-Banknote von 1865 [2].


Gedruckt wurden die Banknoten im Typografischen Institut, das 1852 von Hermann Giesecke und Alphonse Devrient in Leipzig gegründet wurde. Die Faksimile-Unterschriften sind dem königlichen Kommerzien- und Admiralitätsrat Karl Robert von Frantzius, dem Kaufmann Laser Goldschmidt (Levin Hirsch Goldschmidt Söhne) sowie Friedrich Heinrich Albert Otto Schottler (Bankdirektor von 1857 bis 1881) zuzuordnen. Die gestalterisch gelungenen Rückseiten aller Danziger Thaler- und Mark-Banknoten wurden in der Leipziger Druckerei im Typus damaliger Geldschein-Designs mit Allegorien entworfen.

Der Zoppoter Ewald Gerchel schrieb 1914 in seiner Inaugural-Dissertation:
„Durchschnittlich zirkulierten im Jahre 1862 täglich 978 134 Tlr. und damit die größte überhaupt je erreichte Zirkulationssumme. Eingelöst wurden 1860 wöchentlich 138 000 Tlr. oder 13,8 % des gesamten Notenkapitals. Schon im Jahre 1863 kam die Privatbank zu der Ansicht, daß die Stückelung der Noten in größere Appoints den Verkehrsbedürfnissen des Ostens mehr entspräche als die kleinen Appoints. Es wurden daher je 100 000 Tlr. zu 20 und 50 Tlr. dem Verkehr entzogen und an ihrer Stelle 200 000 Tlr. zu 100 Tlr. ausgegeben. Da diese seltener an die Kasse der Bank zurückkamen, war damit zugleich eine Kostenersparnis erreicht.“
![Abb. 5: Ausschnitt der Seite 22 der Dissertation von E. Gerchel. [3]](https://static.wixstatic.com/media/d464b6_3a28a8c5e2544b3dac97053729c18523~mv2.jpg/v1/fill/w_980,h_309,al_c,q_80,usm_0.66_1.00_0.01,enc_avif,quality_auto/d464b6_3a28a8c5e2544b3dac97053729c18523~mv2.jpg)
Besondere Befugnisse wurden preußischen Organen gemäß § 52 des Statuts der Danziger Privat-Aktien-Bank vom 16. März 1857 und gemäß § 53 des revidierten Statuts vom 4. Februar 1867 zugesichert – z. B. bei der Herstellung und Ausgabe der Banknoten, die regelmäßig einer besonderen Genehmigung bzw. Überwachung der Regierung bedurften. Auch bei der Vernichtung oder Einziehung von Banknoten waren preußische Beamte zwingend zu beteiligen. Staatliche Kommissare konnten an Sitzungen der Direktionen, des Aufsichtsrates sowie an den Generalversammlungen teilnehmen und erhielten Einsichtsrechte in wesentliche Geschäftsunterlagen.
Der Banknotenbestand lag 1872 lt. Jahresbericht der DPAB weit über der gesetzlichen Höchstgrenze bei 4,139 Mio. Thalern, die nach dem Münzgesetz von 1873 bis zum 1. Januar 1876 einzuziehen waren. Mit den Daten 1. März 1873 und 1. Juni 1875 wurden entsprechend 100-Mark-Banknoten ausgegeben – in Höhe von 3,0 Mio. Mark, was wieder der ursprünglichen Menge von einst 1,0 Mio. Thalern entsprach.
Das Notenprivileg, das 1867 für weitere 15 Jahre verlängert wurde, erlosch zum 31. Dezember 1890. In der Bekanntmachung der Reichsbank vom 25. Dezember 1890 hieß es:
„Da die der Danziger Privat-Aktien-Bank bis zum 1. Januar 1891 ertheilte Befugniß zur Ausgabe von Banknoten in Folge Nichtverlängerung des Notenprivilegiums mit dem genannten Tage in Gemäßheit des § 49 Nummer 1 des Bankgesetzes vom 14. März 1875 (Reichs-Gesetzbl. S. 177) erlischt, hat der Bundesrath auf Grund des § 6 des Bankgesetzes den Aufruf und die Einziehung der von der Danziger Privat-Aktien-Bank unterm 1. Juni 1875 beziehungsweise 1. Juni 1882 und 1. Juni 1887 ausgegebenen Einhundertmarknoten ... angeordnet“. [4]
Die Hunderter behielten als einfache Schuldscheine ihren Wert und konnten als solche bei der Kasse der Danziger Privat-Aktien-Bank bis zum Ablauf des Jahres 1892 eingelöst werden.
Die starke Expansion der Bank führte zwischen 1900 und 1911 zur Errichtung von Niederlassungen in Belgard, Elbing, Graudenz, Köslin, Langfuhr, Lauenburg, Marienburg (Opr.), Neufahrwasser, Preußisch Stargard, Rügenwalde (Pomm.), Stolp und Zoppot sowie in Bromberg, Gotenhafen und Thorn in den 1930er Jahren.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde die seit 1920 bestehende Freie Stadt Danzig ins Deutsche Reich rückgegliedert und so war die Umstellung des Kapitals von Danziger Gulden auf Reichsmark zwingend.


Die Thaler- und Mark-Banknoten der Danziger Privat-und-Actien-Bank sind allesamt sehr selten und erzielen auf dem Sammlermarkt vierstellige Euro-Beträge; wurde der 50-Thaler-Schein von 1865 bei Heinz Fengler [5] noch mit 1.800 bis 2.400 D-Mark bewertet, erhielt ein Exemplar bei der 166. Teutoburger Münzauktion im Dezember 2024 den Zuschlag bei 21.000 Euro.
Michael H. Schöne
Anmerkungen und Quellen
[1] Błażej Śliwiński: „Danziger Privat-Aktien-Bank“ Encyklopedia Gdańska = https://gdansk.gedanopedia.pl
[2] Katalog-Nr.: Grabowski/Kranz # 433, Pick/Rixen # A 309, Pick # S 528, Gumowski/Pelczar # 3, Schöne # A 347
[3] Ewald Gerchel: „Die Danziger Privat-Aktien-Bank 1856-1912“, Borna-Leipzig 1914
[4] „Bekanntmachung, betreffend den Aufruf und die Einziehung der Einhundertmarknoten der Danziger Privat-Aktien-Bank in Danzig“, RGBl. Nr. 38 vom 30. Dezember 1890
[5] Heinz Fengler: „Geschichte der deutschen Notenbanken vor Einführung der Mark-Währung“, Regenstauf 1992




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