Die deutsche Besetzung Dänemarks und Propaganda-Scheine der dänischen Nationalsozialisten 1942

Dänemark im Zweiten Weltkrieg

Das Königreich Dänemark schloss am 31. Mai 1939 einen Nichtangriffspakt mit dem Deutschen Reich. Als die französischen und britischen Pläne zum Eingreifen in den Finnisch-Russischen Krieg und zur Einbeziehung Skandinaviens in den Krieg gegen Deutschland durch den Friedensschluss zwischen Finnen und Russen vom 12. März 1940 gescheitert waren, entschloss man sich auch ohne den Vorwand der „Finnlandhilfe“ Streitkräfte in Nordeuropa zu landen.

Am 7. und 8. April 1940 drangen britische Schiffsverbände unter Neutralitätsbruch in norwegische Hoheitsgewässer vor und verlegten mehrere Minenfelder, um die kriegswichtige deutsche Seeverbindung mit dem norwegischen Erzhafen Narvik zu unterbrechen. Deutsche Handelsschiffe hätten die Minenfelder nun umfahren und damit die neutralen norwegischen Gewässer verlassen müssen, wo sie ohne deren Schutz hilflos den Angriffen der Royal Navy ausgeliefert sein sollten. Während die Regierung in Oslo noch protestierte und die Landung britischer Truppen in Norwegen und Dänemark kurz bevorstand, setzten die deutschen militärischen Gegenmaßnahmen

ein. Nach damals offizieller Lesart wurden Dänemark und Norwegen zum Schutze

ihrer Neutralität von der Deutschen Wehrmacht besetzt. Am Morgen des 9. April 1940 überschritten motorisierte Truppen und Panzerverbände die deutsch-dänische Grenze und besetzten Jütland. Gleichzeitig landeten deutsche Truppen auf den dänischen Inseln, und selbst Kopenhagen war schon in den frühen Morgenstunden besetzt.

Die dänische Regierung Stauning protestierte zwar, akzeptierte aber schließlich die Besetzung und blieb im Amt. Tatsächlich diente Dänemark als „Sprungbrett“ für den Einsatz in Norwegen und sicherte den Schutz der deutschen Nachschubwege und der Zufahrt zur Ostsee.


Danmarks Nationalbank: 500 Kroner von 1941.

Trotz der schnellen militärischen Besetzung des Landes respektierte Hitler die zum Teil ungerechten Ergebnisse der Volksabstimmung von 1920, und es kam zu keinem Anschluss vormals deutscher Gebiete in Nordschleswig an das Deutsche Reich.

Der erste Wehrmachtsbefehlshaber in Dänemark war der General der Flieger Leonhard Kaupisch. Die dänische Armee wurde bis auf 2.200 Soldaten entlassen und auch die Marine wurde von der Stärke her nur noch für Wach- und Polizeiaufgaben eingesetzt.

Bis 1943 herrschte im Land relative Ruhe, was sich änderte, als am 29. August 1943 die dänische Regierung zurücktrat, weil sie es ablehnte, deutsche Forderungen nach Verhängung des Ausnahmezustands zu erfüllen, Schnellgerichte einzuberufen und gegen Saboteure die Todesstrafe zu verhängen. Die folgende Verhängung des Ausnahmezustands durch die Besatzungsmacht war der Beginn zahlreicher

Streiks und Sabotageakte, bei denen sich u.a. die dänische Flotte zum größten Teil selbst

versenkte. Die deutsche Besatzung endete am 4. Mai 1945. Am 9. Mai 1945 liefen britische Kriegsschiffe in den Hafen von Kopenhagen ein. Nach Kriegsende wurde Dänemark als Alliierter der Siegermächte anerkannt und stellte von 1947 – 1958 in Deutschland mit den „Danske Brigade i Tyskland“ sogar ein kleines Kontingent alliierter Besatzungstruppen.


Fœdrelandet –

Propaganda-Anweisungen der dänischen Nationalsozialisten „Vaterland“ 1942

Die Dänische National-Sozialistische Arbeiter-Partei (DNSAP), die schon 1930 gegründet

worden war, gab 1942 Propaganda-Anweisungen in verschiedenen Wertstufen aus, die u.a. zur Bezahlung von Rechnungen gegenüber der Partei sowie deren Druckereien und Zeitschriften verwendet werden konnten. Es existieren auch Probedrucke zu einem Wert über 25 Øre. Die meisten dieser Anweisungen sind verbrannt und komplette Serien sind selten. „Fædrelandet“ (Vaterland) war von 1939 bis zum Kriegsende das Hauptorgan der dänischen Nazi-Partei.


Fœdrelandet: 50 Øre von 1942, Vorderseite mit Mädchen und Jungen in der Uniform der nationalsozialistischen Jugendbewegungen NSU und NSUP der DNSAP.
Fœdrelandet: 50 Øre von 1942, Rückseite mit nationalsozialistischen Symbolen und Text.

Die Ausgabe der Propaganda-Anweisungen erfolgte ohne Wissen und Genehmigung der dänischen Regierung durch den Propagandaleiter der DNSAP, Claus Alfred Langgaard-Nielsen, durch den Direktor der Zeitschrift „Fædrelandet“, Carl Bernhard Nielsen, sowie durch den Geschäftsführer der Zeitung, Carl Henry Thomsen.


Fœdrelandet: 1 Krone von 1942, Vorderseite mit jungem Mann in Uniform der dänischen SA (Stormafdelingerne).
Fœdrelandet: 1 Krone von 1942, Rückseite mit nationalsozialistischen Symbolen und Text.

Am 16. September 1943 wurden die Herausgeber der Propaganda-Anweisungen sogar vor einem Kopenhagener Gericht wegen Herstellung und Vertrieb nicht genehmigter Zahlungsmittel angeklagt und zu Geldstrafen verurteilt.


Fœdrelandet: 2 Kroner von 1942, Vorderseite mit jungen Männern des dänischen Ablegers vom Reichsarbeitsdienst beim Landarbeitseinsatz und mit nordischen Ornamenten.
Fœdrelandet: 2 Kroner von 1942, Rückseite mit nationalsozialistischen Symbolen und Text.
Fœdrelandet: 5 Kroner von 1942, Vorderseite mit Angehörigem des dänischen Freikorps der Waffen-SS sowie ,it Wikinger-Schiff unter Segel.
Fœdrelandet: 5 Kroner von 1942, Rückseite mit nationalsozialistischen Symbolen und Text.

Die Scheine sind wichtige zeitgeschichtliche Dokumente, weil sie wohl am deutlichsten für die Zeit der deutschen Besatzung in Dänemark stehen, auch wenn sie natürlich keine Geldscheine im eigentlichen Sinne sind.


Mit ihrem vorderseitigen Text „Foedrelandet – FOR DANMARKSÆRE, FRIHED OG RET“ (Vaterland – Für Dänemarks Ehre, Freiheit und Recht) sowie den markanten Porträts und der nationalsozialistischen Symbolik sind sie gleichsam auch historische Zeugnisse für die während der deutschen Besatzung in verschiedenen Ländern unterstützten Nazi-Parteien und „Bewegungen“, die nach deutschem Vorbild nach Macht strebten und den „Deutschen Kampf“ gegen den „Weltbolschewismus“ unterstützten. So waren z.B. nicht wenige Soldaten der Waffen-SS Freiwillige aus besetzten Ländern wie den Niederlanden, Belgien, Frankreich, Dänemark oder Norwegen sowie aus "Sateliten-Staaten" wie Kroatien.

Achtung: Es gibt moderne Neudrucke aus den USA mit seitlichem Aufdruck „REPRODUCTION OF W.W. II PROPAGANDA NOTE FROM DENMARK“ in Grotesk-Schrift auf der Rückseite.


Wer mehr über Geld in von Deutschland besetzten Ländern beider Weltkriege erfahren möchte, dem sei der Katalog "Ausländische Geldscheine unter deutscher Besatzung" empfohlen.


Hans-Ludwig Grabowski

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