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Ein spannender Archivfund erinnert an ein missglücktes Projekt

Ein Dokument aus den 1970er Jahren sorgte zum Beginn des Jahres 2026 für Aufmerksamkeit in Österreich. Im Archiv der Oesterreichischen Notenbank fand man eine Vorlagezeichnung für eine Banknote. Sie zeigt das Atomkraftwerk Zwentendorf und stammt von Rudolf Nitsch, dem Architekten des AKWs. Die Abbildung war als mögliches Rückseitenmotiv für die 1983 ausgegebene 1000-Schilling-Banknote mit dem Physiker, Wissenschaftstheoretiker und Philosophen Erwin Schrödinger gedacht. Da es im Museumsbestand der Oesterreichischen Nationalbank nur diese eine Vorzeichnung und keine weiteren Detailstudien im Banknotenformat gibt, dürfte die Idee mit dem AKW eher kurzlebiger Natur gewesen sein. Die österreichischen Tageszeitungen veröffentlichten auch nicht die Originalzeichnung, sondern eine Foto-Montage der geplanten 1000-Schilling- Banknote.


Abb. 1: Foto-Montage des geplanten 1000 Schilling Scheins, bei dem auf der Rückseite das AKW Zwentendorf zu sehen sein sollte.
Abb. 1: Foto-Montage des geplanten 1000 Schilling Scheins, bei dem auf der Rückseite das AKW Zwentendorf zu sehen sein sollte.

Wie kam es zu dieser Vorlagenzeichnung? Für die neue Notenserie, die die Oesterreichische Notenbank in den 1980er Jahren emittieren wollte, wurde eine inhaltliche Verbindung der Rückseitendarstellung mit der abgebildeten Person auf der Vorderseite gewünscht.

Der Schein zu 1000 Schilling sollte Erwin Rudolf Josef Alexander Schrödinger (* 12. August 1887 in Wien-Erdberg; † 4. Januar 1961 in Wien-Alsergrund) abbilden. Er gilt als einer der Begründer der Quantenmechanik. 1933 wurde er zusammen mit Paul Dirac für die Entdeckung neuer produktiver Formen der Atomtheorie mit dem Nobelpreis für Physik ausgezeichnet. Was lag da näher, als für die Rückseite eine Abbildung des bei Wien neu gebauten AKW Zwentendorf vorzusehen.


Die Errichtung des Kernkraftwerkes wurde von der damaligen Bundesregierung Klaus

am 11. November 1969 genehmigt und am 4. April 1972 wurde mit dem Bau begonnen.

Man rechnete mit Baukosten von umgerechnet rund 600 Millionen Euro.

Der Siedewasserreaktor von KWU Siemens sollte mit Urandioxid-Brennelementen, angereichert mit bis zu 4,02 Prozent Uran-235, betrieben werden. Mit dem bei der beim Kernzerfall erzeugten Wärme sollte die Turbine angetrieben werden. „Nach Verlassen der Turbine wäre Wasserdampf (rund 4000 Tonnen pro Stunde) durch Kühlwasser im Kondensator verflüssigt und wieder dem Kreislauf zugeführt worden. Der Dampf in einem solchen Reaktor ist 286 Grad heiß, der Druck sollte 70 bar betragen, um die Turbine anzutreiben.“[1] Dabei wären brutto 730 Megawatt Strom erzeugt worden; ausreichend, um damals eine Million Haushalte zu versorgen. Der österreichische Energieplan sah 1976 noch den Bau von drei weiteren Kernkraftwerken vor.


Der Betrieb des Kernkraftwerks war nicht unumstritten. Nach Fertigstellung des AKWs lehnten bei einer Volksabstimmung am 5. November 1978 mit 50,47 Prozent der abgegebenen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 64,1 Prozent die Inbetriebnahme ab, sodass das AKW nie ans Netz ging. 2005 wurde eine Öffnung in die doppelwandige Kondensationskammer des Kraftwerkes geschnitten, um Besuchern die Kammer zugänglich zu machen. Dies war der endgültige „Todesstoß des Kernkraftwerkes“, da damit eine Inbetriebnahme unmöglich wurde. An dem Durchbruch wäre beim Betrieb Strahlung ausgetreten, somit war an eine Zulassung nicht mehr zu denken. Heute besichtigen jährlich bis zu 16.000 Besucher die „Industrieruine“.


Abb. 2.1: Oesterreichische Nationalbank, 3. Januar 1983, 1000 Schilling, Vorderseite.
Abb. 2.1: Oesterreichische Nationalbank, 3. Januar 1983, 1000 Schilling, Vorderseite.
Abb. 2.2: Oesterreichische Nationalbank, 3. Jänner 1883, 1000 Schilling, Rückseite.
Abb. 2.2: Oesterreichische Nationalbank, 3. Jänner 1883, 1000 Schilling, Rückseite.

Eine Abbildung des AKWs auf der Banknotenrückseite war nach dem Ergebnis der Volksabstimmung auch hinfällig. Stattdessen zeigt die 1000-Schilling-Note mit dem Ausgabedatum vom 3. Januar 1983 das Hauptgebäude der Universität Wien an der Ringstraße. Von 1956 bis zu seinem Tod lehrte Schrödinger am Institut für Theoretische Physik der Universität. Der 152 x 76 mm große Schein wurde von Robert Kalina, von dem auch die Entwürfe der ersten Euronoten-Serie stammen, entworfen. Die Banknoten waren vom 14. November 1983 bis zum 20. April 1998 im Umlauf.[2]


Uwe Bronnert


Anmerkungen

  1. <https://www.zwentendorf.com/AKW-Zwentendorf/Zahlen,-Daten,-Fakten> (08.01.2026)

  2. Johann Kodnar und Norbert Künstner, Katalog der österreichischen Banknoten ab 1759, Eigenverlag Wien 2018, S. 274, Kat.-Nr. 255.


Abbildungen

www.geldscheine-online.com | Regenstauf

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