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Geldscheinporträts: Lessja Ukrajinka – Ukrainische Nationaldichterin und Patriotin

Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen.

​Geburtsname:

Laryssa Petriwna Kossatsch (Лариса Петрівна Косач)

Zur Person:

Dichterin, Dramatikerin, Übersetzerin

​Nationalität:

Ukrainisch

​Lebensdaten:

25. Februar 1871 – 01. August 1913

​Geburtsort:

Novograd-Volynskij (heute: Swjahel)

​Sterbeort:

Surami

Abbildung 1: Porträt von Lessja Ukrajinka

https://commons.wikimedia.org/wiki/File:

Lesya_Ukrainka_portrait.jpg.

Neubearbeitung: Hans-Ludwig Grabowski.


Am Ende des 18. Jahrhunderts wurden die Reste der ukrainischen Autonomie abgeschafft. Gleichzeitig entstand eine neue Nationalbewegung. Alte Traditionen lebten wieder auf, das Kosaktentum wurde idealisiert und das Interesse an Volkstum und Volksdichtung stieg, eng angelehnt an aus Deutschland stammende Gedanken der Romantik. Etwa ein halbes Jahrhundert später erreichte das Streben nach nationaler Selbstständigkeit auch die ukrainischen Intellektuellen. Das russische Kaiserreich reagierte mit Zensur und Unterdrückungsmaßnahmen.





In dieser Zeit des nationalen Aufbruchs lebte Lessja Ukrajinka. Sie wurde 1871 als Laryssa Petriwna Kossatsch geboren. Schon im Kindesalter erkrankte sie an Tuberkulose.

Die Krankheit schränkte sie zeitlebens stark ein und zwang sie, zu Ärzten und Kuraufenthalten im In- und Ausland zu reisen. Ihre Eltern waren bekannte Intellektuelle. Der Vater Petro Kossatsch war Jurist und Staatsrat, die Mutter Olha Drahomaniv (besser bekannt unter ihrem Pseudonym Olena Pschilka) war prominente Schriftstellerin. Beide bemühten sich, ihren Kindern eine gründliche und umfassende Erziehung zu ermöglichen. Besonderes Augenmerk legte Lessjas Mutter dabei auf die sprachliche Bildung. Bereits als Jugendliche hatte Lessja Ukrajinka das Ziel, alle europäischen Hauptsprachen zu erlernen, um die betreffenden Literaturen kennenzulernen. Seit ihrer frühen Jugend las sie nicht-ukrainische Autoren wie Victor Hugo, Shakespeare, Musset, Byron oder Ibsen. Besonders Heinrich Heine und Gerhart Hauptmann prägten ihr späteres Werk. Dennoch achtete ihre Mutter darauf, den Kindern den aufkommenden ukrainischen Nationalismus mitzugeben. Sie nahm sie mit aufs Land, ließ ihnen Volkslieder vorsingen und unterrichtete sie im wolhynischen Dialekt.


200-Hrywnja-Banknote, Nationalbank der Ukraine, 2014. Vorderseite: Porträt von Lessja Ukrajinka, Silhouette ihres Landhauses in Kolodjaschne (Oblast Wolyn). Rückseite: Storch im Flug, rechts Turm der Burg Lubata in Luzk.

Sammlung Grabowski.



Schon im Kindesalter verfasste Lessja Ukrajinka auch eigene Gedichte. Ihre Mutter unterstützte sie anfangs dabei, die ersten Werke wurden 1884 publiziert. Auch ihr Onkel Mykhailo Drahomaniv hatte entscheidenden Einfluss auf Lessja. Mit ihm stand sie in regem Austausch, obwohl er nach Repressionen durch das zaristische Regime gezwungen war, das Land zu verlassen. Er ermutigte sie stets, ihren literarischen Horizont zu erweitern und schickte ihr Anregungen und Empfehlungen. Diese Einflüsse bewegten sie dazu, sich intensiv für eine Europäisierung der ukrainischen Kultur einzusetzen. So arbeitete sie an zahlreichen Übersetzungen mit. Sie wählte bewusst volksnahe Texte aus, um die ukrainische Sprache populär zu halten. Die zaristische Regierung hatte als Reaktion auf die wachsende Nationalbewegung alle nicht-historischen Publikationen in ukrainischer Sprache verboten. Nach Übersetzungen von Werken aus Frankreich und Texten von Lenin, Marx und Engels begann sie, mit sozialistischen Ideen zu sympathisieren. Sie schrieb mehrere politische Satiren, in denen sie die Bourgeoisie kritisierte. Von ihrem Patriotismus löste sich Lessja Ukrajinka jedoch nicht. Ein wichtiges Motiv in ihrem Werk ist die Unterdrückung der Ukraine, die sie mit der Unterdrückung der Frau verknüpfte. Ukrajinka musste wegen ihrer Krankheit zwar viel reisen, hat aber den größten Teil ihres Lebens im vom russischen Kaiserreich okkupierten Kyjiw (Kiew) verbracht. Dennoch ist in ihrem gesamten Werk immer das multikulturelle Umfeld der österreichischen Westukraine mit ihrem deutsch-ukrainisch-polnisch-jiddischen Sprachgemisch omnipräsent. Sie wird Vorreiterin der literarischen Moderne in der Ukraine. Die Ukraine unterschied sich von nahezu allen anderen europäischen Literaturen dadurch, dass die Moderne mit zwei sehr ungewöhnlichen Frauen begann: Olha Kobyljanska und Lessja Ukraijinka. Mit ihnen beiden wurde die Frau als Künstlerin und Erzieherin der Nation zum neuen Paradigma und Topos der Literatur.


1913 starb Lessja Ukrajinka an ihrer Tuberkulose-Erkrankung. Zuletzt hielt sie sich aufgrund des wärmeren Klimas zunehmend in Ägypten auf. Ihr Konterfei ist seit 2001 auf der 200-Hrywnja-Banknote der Nationalbank der Ukraine abgebildet, seit 2007 ergänzt um die ersten beiden Verse eines Gedichts der Autorin („Um der Wahrheit Willen, Brüder, lasst uns aufrichtig zusammenarbeiten. Es gibt nur einen richtigen Weg…“).


Elias Heindl


Literatur/Quellen:

  • Ukrajinka, Lesja: Mein Weg. Dichtungen und »Das Waldlied« = Mij šljach. Hrsgg. von Katschaniuk-Spiech, Irena; Udolph, Ludger und Wöll, Alexander. Thelem Universitätsverlag, Dresden, 2023.

  • Bojko-Blochyn, Jurij; Rothe, Hans; Scholz, Friedrich (Hrsg.): Lesja Ukrajinka und die europäische Literatur. Böhlau, Köln 1994 (Schriften des Komitees der Bundesrepublik Deutschland zur Förderung der slawischen Studien; 18).

  • Bida, Constantine; Rich, Vera: Lesya Ukrainka. University of Toronto Press, 1968, S. 3-26.

  • Lindekugel, Jutta: Feministin und Patriotin – Zum 100. Todestag von Lesja Ukrajinka. Titel Kulturmagazin, 01.08.2023, aufgerufen über: https://titel-kulturmagazin.net/2013/08/01/feministin-und-patriotin-zum-100-todestag-von-lesja-ukrajinka/ (zul. am 13.09.2023).

3 comentários


Ich bin etwas erstaunt, dass die seit 2019 ausgegebene neueste Version der 200 UAH Banknote nicht erwähnt wird. Das Design wurde grundlegend überarbeitet und mit neuen Sicherheitsmerkmalen ausgestattet.

Curtir
Respondendo a

Da stimme ich zu, allerdings wäre eine Nennung der aktuellsten Variante kein großer Aufwand gewesen - der Vollständigkeit halber. Für den Leser wirkt das so, als wäre das dem Autor nicht bekannt (was ich selbst jedoch nicht glaube).

Curtir
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