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Geldscheinporträts: Peter Parler

Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen:

Peter Parler auf einem 1000-Kronen-Schein der Nationalbank für Böhmen und Mähren

von 1942.

​Geburtsname:

Peter Parler (auch Peter von Gemünd, Parlerius, Parlerz und auf Tschechisch Petr Parléř)

Zur Person:

Bildhauer, Baumeister

​Nationalität:

Deutsch

​Lebensdaten:

1330 oder 1333 – 13. Juli 1399

​Geburtsort:

Schwäbisch Gmünd

​Sterbeort:

Prag

Abb. Sonderdruck des Porträts von Peter Parler von der 1000-Kronen-Note der Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag vom 24. Oktober 1942 mit handschriftlicher Signatur des Grafikers und Entwerfers des Geldscheins Jindra (Heinrich) Schmidt.

















Er war ein Vorreiter der hoch- und spätgotischen Architektur und stand am Anfang einer ästhetischen Veränderung, die später als der „Schöne Stil“ in die Kunstgeschichte einging: Peter Parler gilt als Genie und Revolutionär der Baukunst und wird als der vielleicht größte Baumeister des 14. Jahrhunderts bezeichnet. Seine ersten Lehrjahre absolvierte Parler vermutlich in Schwäbisch Gmünd bei seinem Vater Heinrich Parler. Dieser arbeitete dort am Heilig-Kreuz-Münster, dem Erstlingswerk der Baumeisterfamilie Parler. Der Nach­name der Familie lei­tet sich von ihrer Be­rufs­be­zeich­nung ab. Ein „par­le­rius“ oder „par­le­rus“, spä­ter Par­lier, be­zeich­nete einen Meis­ter des Bau­hand­werks, den „Spre­cher“ der Bau­hütte (vgl.

par­lie­ren, Par­la­ment), was sich bis heute in dem Wort Po­lier er­hal­ten hat. Heinrich Parler

der Ältere arbeitete auch in Köln, und bildete dort seinen Sohn Peter nicht nur aus, sondern arbeitete schon früh eng mit ihm zusammen. Peter lernte in seinen Wanderjahren die wichtigste Architektur Mitteleuropas kennen.


Im 12. und 13. Jahrhundert wurde, ausgehend von Frankreich, die Gotik als neuer Baustil modern. Als angehender Steinmetz studierte Peter Parler besonders die Architektur des Straßburger Münsters, ein Einfluss, der auch in seinen späteren Bauwerken immer wieder zu sehen ist. Mit der Einführung der gotischen Architektur benötigte man sehr viele professionelle Steinmetze. Als Arbeits- und Ausbildungsstätte wurden in dieser Zeit die Dombauhütten gegründet. Bei seiner Arbeit an der Frauenkirche in Nürnberg (deren Bau – nicht gesichert – oftmals seinem Vater Heinrich zugeschrieben wird), hatte Peter Parler eine schicksalhafte Begegnung: Er traf Kaiser Karl IV., den größten Herrscher jener Zeit. Karl war auch König von Böhmen und hatte das Ziel, seine neue Reichshauptstadt Prag zu einer der prächtigsten Metropolen Europas zu machen. Der Kaiser ernannte 1356 den erst 23-jährigen Peter Parler zum Dombaumeister von Prag. Parler stand somit an der Spitze der Steinmetze, einem gesellschaftlich ohnehin sehr angesehenen Beruf mit eigener Berufsordnung und Bruderschaften, die Keimzelle für die späteren Freimaurerlogen waren. Karl IV. beauftragte ihn nach dem Tod des französischen Baumeisters Matthias von Arras mit dem Weiterbau des Veitsdoms im Herzen der Stadt mitten in der Prager Burg auf dem Burgberg (Hradschin). Weitere Aufträge waren der Bau der Karlsbrücke und die Burg Karlstein, in der später auch die Reichskleinodien des Heiligen Römischen Reichs beherbergt wurden. Trotz der zum Teil sehr dürftigen Planung und Umsetzung seiner Vorgänger und des hohen Aufwands dieser zeitgleich ablaufenden enormen Bauvorhaben gelang es Peter Parler, seinen eigenen Stil zu entwickeln und die europäische Architektur damit dauerhaft zu prägen. Das „Parlerische“ war ein vielfältiges, aber trotzdem harmonisches Experimentieren mit Netzgewölben mit neuen, fast spielerischen Maßwerkformen. Sein Genie zeigte sich nicht nur in technischer Hinsicht, sondern auch darin, wie er den französischen Kathedralengedanken weiterentwickelte, indem er die Kunst beherrschte, „Lebensfreude in Architektur umzuwandeln“. Peter Parler war zudem ein begnadeter Bildhauer. Die Triforiengalerie des Veitsdoms stattete er mit porträthaften Büsten der Baumeister und Auftraggeber aus. Darunter ist auch ein Abbild von Parler selbst, weshalb sein Aussehen – im Gegensatz zu vielen anderen Persönlichkeiten dieser Zeit – bekannt ist. Parler wurde ein wohlhabender Mann und der berühmteste Baumeister seiner Zeit. 1360 erwarb er sein erstes Haus auf dem Prager Burgberg. 1370 starb seine erste Frau Barbara. Um 1380 heiratete er ein zweites Mal: Mit Elisabeth Agnes von Buhr bekam er noch zwei Söhne und eine Tochter. Alle seine Söhne wurden wie ihr Vater Steinmetze, nur der Älteste Sohn wurde Geistlicher in Prag. Peter Parler gründete seine eigene Bauhütte und wurde zum Vorreiter des „Schönen Stils“. Die Kunst in Europa veränderte sich: Die in faltenreiche, fließende Gewänder gekleideten Madonnen wurden schlank, schön und jung und hatten oftmals einen schmalen Mund, eine hohe Stirn und einen verträumten Ausdruck.


Protektorat Böhmen und Mähren, Nationalbank für Böhmen und Mähren in Prag, Banknote zu 1000 Kronen vom 24. Oktober 1942, Specimen, II. Auflage mit Porträt von Peter Parler nach seiner Büste im Veitsdom zu Prag (im Umlauf vom 15. Dezember 1943 bis 31. Oktober 1945), Vorder- und Rückseite.


Die Anzahl der Gebäude, die der Baumeister teils persönlich, teils durch seine Schüler ausführen ließ, war beträchtlich. Sein Einfluss erstreckte sich weit über die Grenzen Böhmens hinaus. Bauwerke von Parler und seinen Söhnen und Schülern sind auch in anderen Teilen des ehemaligen Heiligen Römischen Reichs Deutscher Nation zu finden, so in Schlesien, der Lausitz, Mähren und in der Oberpfalz. Parler blieb bis ins hohe Alter aktiv. Durch die bald nach seinem Tod ausbrechenden Hussitenstürme wurden viele seiner Werke schon früh zerstört oder blieben unvollendet und die durch ihn gegründete Schule wurde zerstreut.


Elias Heindl


Literatur/Quellen

Jutta Duhm-Heitzmann, Hildegard Schulte: Peter Parler, Baumeister (Todestag 13.07.1399), WDR ZeitZeichen, Sendung vom 13.07.2019, WDR 5, aufgerufen über www1.wdr.de/radio/wdr5/sendungen/zeitzeichen/peter-parler-100.html

Bernhard Grueber: Gmünd, Peter (auch Parler). In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 9, Duncker & Humblot, Leipzig 1879, S. 275–279

Barbara Schock-Werner: Parler, Peter (Peter Parier von Gmünd). In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 20, Duncker & Humblot, Berlin 2001, aufgerufen über www.deutsche-biographie.de/pnd118789708.html#ndbcontent (zul. am 25.01.2023)


Abbildungen

Abb. Archiv für Geld- und Zeitgeschichte, Sammlung Grabowski.

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