Geldscheinporträts: Sigmund Freud – Erforschung des Unbewussten
- Elias Heindl
- vor 6 Stunden
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Reihe zu Porträts bedeutender Persönlichkeiten auf Geldscheinen.
Geburtsname: | Sigismund Schlomo Freud |
Zur Person: | Psychologe, Arzt, Kulturtheoretiker |
Nationalität: | Österreichisch |
Lebensdaten: | 6. Mai 1856 – 23. September 1939 |
Geburtsort: | Freiberg in Mähren, Kaisertum Österreich |
Sterbeort: | London, Großbritannien |

Es, Ich, Über-Ich, Freud'sche Versprecher, Ödipus-Komplex – diese von Sigmund Freud geprägten Begriffe haben längst Eingang in unsere Alltagssprache gefunden. Auch aus Philosophie, Soziologie und Literatur sind die Gedanken des Wiener Arztes kaum noch wegzudenken. Am 6. Mai 1856 wurde Sigismund Schlomo Freud – mit 22 Jahren nannte er sich Sigmund – in Freiberg in Mähren (dem heutigen Příbor) als Sohn jüdischer Eltern geboren. Als er drei Jahre alt war, zog die Familie nach Wien, wo Freud den Großteil seines Lebens verbrachte.
Der begabte Schüler studierte ab 1873 Medizin an der Universität Wien, wobei er sich nicht auf die Ausbildung als Mediziner beschränkte. Er besuchte die Vorlesungen Franz Brentanos zu Logik und Erkenntnistheorie, betrieb einen eigenen Philosophiezirkel und arbeitete in Versuchslaboren. Durch seine häufigen Neigungswechsel und einen unersättlichen Bildungstrieb dauerte sein Studium länger als gewöhnlich. Nach dem Studium arbeitete Freud zunächst als Neurologe. Ein Stipendium führte ihn 1885 nach Paris zu Jean-Martin Charcot, einem der berühmtesten Neuropathologen seiner Zeit. Diese Begegnung sollte prägend werden: Charcot demonstrierte, wie psychische Symptome durch Hypnose beeinflusst werden konnten. Zurück in Wien eröffnete Freud seine eigene Praxis und heiratete Martha Bernays. Zusammen hatten sie sechs Kinder, darunter Anna Freud, die später selbst eine bedeutende Psychoanalytikerin werden sollte. Der Durchbruch kam durch die Zusammenarbeit mit dem Kollegen Josef Breuer. Gemeinsam behandelten sie Patienten mit Hysterie und entdeckten, dass das Sprechen über verdrängte Erlebnisse heilsam wirken konnte. Breuer nannte dies die „Redekur“, Freud sprach von der „Methode der freien Assoziation“. Doch während Breuer vor den sexuellen Aspekten der Neurosen zurückschreckte, erkannte Freud die Sexualität als zentrale Triebkraft menschlichen Verhaltens. 1895 veröffentlichten beide gemeinsam die „Studien über Hysterie“ – das Gründungswerk der Psychoanalyse. Von männlicher Hysterie und kindlicher Sexualität wollte man im zeitgenössischen Wien nichts wissen. In der Wiener Ärzteschaft machte sich Empörung breit. Freud wurde bei Vorträgen ausgepfiffen und war wissenschaftlich weitgehend isoliert. Doch er verfolgte sein Projekt weiter. Mit seiner bahnbrechenden „Traumdeutung“ von 1900 legte er den Grundstein für ein völlig neues Verständnis des menschlichen Seelenlebens. Träume, so Freuds revolutionäre These, seien der „Königsweg zum Unbewussten“ – verschlüsselte Botschaften verdrängter Wünsche und Triebe. In Werken wie „Das Unbehagen in der Kultur“ analysierte Freud die Spannungen zwischen menschlichen Trieben und zivilisatorischen Anforderungen. Allmählich bildete sich um ihn ein Kreis von Anhängern: Alfred Adler, Carl Gustav Jung, Otto Rank und andere. 1908 fand der erste Internationale Psychoanalytische Kongress statt – die Psychoanalyse wurde zur Bewegung. Nicht alle Schüler blieben Freud treu. Jung entwickelte eigene Theorien, Adler gründete die Individualpsychologie. Freud empfand dies als persönliche Kränkung. Er wollte die reine psychoanalytische Lehre erhalten.


1923 wurde bei Freud Gaumenkrebs diagnostiziert. Trotz zahlreicher Operationen arbeitete er weiter. Als die Nationalsozialisten 1938 Österreich anschlossen, musste der 82-Jährige nach London fliehen. Dort starb er am 23. September 1939. Freud hinterließ ein gewaltiges Werk, das weit über die Medizin und Psychologie hinauswirkte. Seine Entdeckung des Unbewussten veränderte unser Selbstverständnis fundamental. Auch wenn viele seiner Theorien heute umstritten sind – als Kultur- und Zivilisationstheoretiker
sowie Pionier der Tiefenpsychologie bleibt Sigmund Freud unvergessen.
Elias Heindl
Literatur/Quellen:
„Sigmund Freud, Neurologe (Todestag 23.09.1939), WDR 2 Stichtag, 23.09.2019, aufgerufen über: https://www1.wdr.de/stichtag/stichtag-sigmund-freud-100.html
Peter-André Alt: Sigmund Freud. Der Arzt der Moderne. Eine Biographie. C.H. Beck, München 2016
Heidemarie Schumacher: Patriarch bis zum Ende. Deutschlandfunk, 25.09.2016, aufgerufen über: https://www.deutschlandfunk.de/biografie-ueber-sigmund-freud-patriarch-bis-zum-ende-100.html
