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Gibt es die ultimative Sammlung?

Wie sammele ich richtig?

Auf diese Frage gibt es nur eine klare Antwort: Jein! Jeder Sammler muss für sich entscheiden, was er sammeln möchte und natürlich, was sein Geldbeutel hergibt.

Das Sammeln von Papiergeld stellt für viele einen kurzweiligen Zeitvertreib und eine willkommene Ablenkung vom Alltag dar. Andere betrachten ihr Hobby als mögliche Geldanlage. Aber Vorsicht! Um hierbei erfolgreich sein zu können, benötigt ein Sammler eine gehörige Portion Glück, ein feines Gespür für die Entwicklungen des Marktes und ein fundiertes Wissen, das man sich erst im Laufe eines Sammlerlebens erarbeiten muss.

Leider wird man hierbei auch manches Lehrgeld zahlen.


Aber zurück, wie sammelt man richtig? Als ich vor vielen Jahrzehnten als Jugendlicher begann Papiergeld zu sammeln, sagte mir ein alter, gestandener Sammler: „Junge kauf Dir lieber eine seltene, möglichst gut erhaltene Note, statt zehn oder mehr gebrauchte oder häufige Scheine. Der seltene oder kassenfrische Geldschein wird im Laufe der Zeit immer teurer oder ist später vielleicht gar nicht mehr zu beschaffen, während Du die häufigen oder schlecht erhaltenen dagegen auch weiterhin für wenig Geld bekommen wirst.“

Vergleicht man die Preise in den Verkaufslisten vergangener Jahrzehnte mit den heutigen Preisen bei Auktionen, so muss man anerkennen, dass der Sammler Recht behalten hat. Dennoch sollte man sich hüten, die Erhaltung als Maßstab aller Dinge zu machen. Natürlich lassen sich aktuelle oder häufige Ausgaben leicht in kassenfrischer Erhaltung bekommen, problematisch wird dies jedoch z. B. bei den Notgeldausgaben der deutschen Hochinflation oder bei den seltenen „antiken“ Geldscheinen des 18. und 19. Jahrhunderts, die häufig selbst in mieser Erhaltung nicht zu finden sind.


Abb. 1: Mindmap: Ultimative Sammlung (Sammlungsaufbau).



Für die meisten von uns älteren Sammlern begann ihre Sammelleidenschaft mit einem „Dachbodenfund“. In einer Schachtel befanden sich einige Münzen und Geldscheine, meist aus der Inflationszeit, die ggf. auch den einen oder anderen ausländischen Geldschein beinhaltete. Heute beginnen viele mit Banknoten, die als Restzahlungsmittel bei ihrem Auslandsurlaub übrigblieben. Meist wird zunächst alles aufgehoben, was als Papiergeld anzusehen ist. Doch schon bald stellt sich die Frage nach der systematischen Fortführung dieser Generalsammlung. Mancher Sammler ist bestrebt danach, aus jedem Staat der Erde einen Beleg zu erhalten, andere spezialisieren sich auf

  • die Ausgaben eines Landes;

  • die Notgeldemissionen einer Region, einer Stadt;

  • eine bestimmte Notgeld-Epoche (z. B. 1914er Ausgaben, Verkehrsausgaben, Serienscheine usf.)[1];

  • eine bestimmte Wertstufe (z. B. nur Billionenscheine);

  • ein bestimmtes Zeitfenster (Banknoten vor Reichsgründung, Besatzungsgeld aus dem Ersten Weltkrieg, Kriegsgefangenenlagergeld, Geld aus den Kolonien u. ä.);

  • Briefmarkengeld oder Geldzeichen aus ungewöhnlichen Materialien, wie Stoff, Leder, Plastik (Polymer-Kunststoff) …

Reizvoll kann auch eine Motivsammlung sein. Hier bieten besonders die deutschen Serienscheine mit ihren viele verschiedenen Abbildungen (Bauwerke, Landschaften, Sagen und Märchen, Tiere und Pflanzen, Handwerk und Industrie, historische Ereignisse und Persönlichkeiten …) schier unendlich viele Möglichkeiten, eine reichhaltige Sammlung aufzubauen. In diesem Zusammenhang lassen sich die Ausgaben häufig auch verschiedenen Künstlern und Druckereien zuordnen. Natürlich kann eine Motiv-Sammlung auch mit Banknoten aufgebaut werden, z. B. weisen viele Noten Abbildungen von Eisenbahnen, Schiffen, Flugzeugen, Tieren, historischen Gemälden oder Persönlichkeiten auf.

Eine umfangreiche Sammlung lässt sich z. B. aus Geldscheinen zusammenstellen, die das Konterfeit der verstorbenen englischen Königin Elisabeth II. zeigen, die als am meisten abgebildete Person auf Geldscheinen überhaupt gilt.[2]


Abb. 2: Bank of England, o. D., 10 Pounds, Vorderseite.


Gerade die deutschen Reichsbanknoten und Notgeldscheine wurden nach ihrer Außerkurssetzung an Sammler abgegeben. Um Missbrauch auszuschließen, wurden sie oft auf verschiedene Arten entwertet (Stempel, Lochung, Abschnitte …). Auch hier findet sich ein interessantes und meist kostengünstiges Sammelgebiet.[3] Die Notenbank der Tschechoslowakei gab Restbestände ihrer Noten ab, die in Lochschrift (Perforation) mit „SPECIMEN“ oder „NEPLATNÉ“ gekennzeichnet sind.


Abb.3: Stadtgemeinde Rastatt, 15. Oktober 1918, 20 Mark, Stempelentwertung: „Sammlerstück“, Vorderseite.


Abb. 4: Stadt Mainz, 16. Oktober 1918, 10 Mark, Lochentwertung, Vorderseite.


Ist erst einmal ein genügend großer Grundstock an Scheinen vorhanden, bietet sich oft die Gelegenheit zum Aufbau einer Spezialsammlung. Zum Beispiel lassen sich von der 1000-Mark-Reichsbanknote mit dem Ausgabedatum 15. September 1922 mehr als 6000 Varianten zusammentragen, die sich in Wasserzeichen, Papierfarbe, Firmenbuchstaben, Kontrollnummerngröße, Druckfehler … unterscheiden.[4]


Abb. 5: Reichsbank, 15. September 1922, 1000 Mark, Wasserzeichen: Hakensterne, Firmenbuchstaben BB (Druckerei Büxenstein, Berlin), Vorderseite. Von diesem Schein gibt es 6000 Varianten!

Jeder Sammler strebt nach einer möglichst „vollständigen“ Sammlung. Natürlich freut man sich, wenn man einen Neuzugang im Katalog abhaken kann. Es gibt jedoch Bereiche, die sich wegen der seltenen Angebote oder wegen hoher Preise kaum systematisch sammeln lassen. Ich denke hier an Musternoten, Fälschungen,[5] Propaganda-, Test- und Werbenoten u. ä. Anzumerken ist hier: Seltenheit ist nicht gleichbedeutend mit hohem Preis und umgekehrt ein hoher Preis steht nicht immer automatisch für Seltenheit. So können auch relativ häufige Noten teuer sein, wenn eine entsprechende Nachfrage nach ihnen besteht.


Bei vielen Sammlern findet auch das Anstaltsgeld, Gefängnisgeld, Bettlergeld[6], Schwundgeld, Schiffsgeld, Unterstützungsscheine, Asylantengeld oder Regionalgeld kaum Beachtung. Möglicherweise liegt das daran, dass über diese Sondergeldformen bei den Sammlern immer noch zu wenig bekannt ist.


Abb.6: Musternote, Staatsbank der DDR, 1975, 5 Mark, Vorderseite.


Abb. 7: Werbenote der Oesterreichischen Banknoten- und Sicherheitsdruck GmbH, o. D., 3000, Vorderseite.


Abb. 8: Gefängnisgeld, centre penitenciari d'homes (Barcelona), o. D., 500 Pesetas, Vorderseite.





Abb. 9: Asylantengeld, Kreisverwaltung Erfurt-Land – Sozialamt –, o. D., 5 DM, Vorderseite.


Abschließend noch ein Blick auf die zahlreichen geldähnlichen Druckerzeugnisse, wie Kreditscheine, Warengutscheine, Werbescheine Bedarfsdeckungsscheine, Gutscheine des Winterhilfswerks, Movie-/Theatergeld. Eine besondere Beachtung verdienen die Steuergutscheine. Mit ihnen zahlte die NS-Regierung zweitweise 40 Prozent ihrer Einkäufe.





Abb. 10: Steuergutschein, Reichsminister der Finanzen, 24. März 1939, 5000 Reichsmark, Vorderseite.



Seit geraumer Zeit werden auf der Auktionsplattform „ebay“ eine Unzahl von „Nachdrucken/Kopien“ von mehr oder weniger seltenen Geldscheinen angeboten. Statt hier meist minderwertige Tintenstrahl-Druckerzeugnisse zu erwerben, sollte man sich lieber für den Erwerb von Fachliteratur zur Notaphilie entschließen. Sie bildet nicht nur viele bei ebay angebotenen Geldscheine in besserer Qualität ab, sondern stellt auch Informationen zur Verfügung. Sie werden mir sicher beipflichten, erst wenn man über die wirtschaftlichen, gesellschaftlichen und historischen Hintergründe und Zusammenhänge einer Emission informiert ist, macht Sammeln Spaß. Überhaupt, auch die Banknoten-Literatur ist ein interessantes Sammelgebiet, das man nicht vernachlässigen sollte. Auch als Sammler gilt der Grundsatz: Nur wer informiert ist, kauft günstig.


Zum guten Schluss: Denken Sie immer daran, Sie bestimmen was, in Ihre Sammlung gehört und nicht ein "Katalogmacher". Schaffen Sie Ihre eigene "ultimative Sammlung"!


Uwe Bronnert


Anmerkungen [1] Uwe Bronnert, Deutsche Notgeld-Epochen, 11 Folgen in Münzen & Sammeln von März 2014 bis April 2015

[2] Uwe Bronnert, Congratulations Queen Elizabeth II. <https://www.geldscheine-online.com/post/congratulations-queen-elizabeth-ii> vom 8. Juni 2022.

[3] Uwe Bronnert, Wertlos = wertlos? 4 Teile in: Münzen & Sammeln von Mai bis September 2008.

[4] Uwe Bronnert, Der Giesecke-Tausender, Anmerkung zur Hilfsbanknote zu 1000 Mark vom 15. September 1922, in: Münzen & Sammeln, März 2017, S. 123 ff.

[5] Uwe Bronnert, Papiergeldfälschungen, ein interessantes Sammelgebiet, 2 Teile in: Münzen & Sammeln von August und September 2021.

[6] Uwe Bronnert, Von Bettlerschecks, Wohlfahrtsmarken, Fürsorgescheinen und anderen Geldzeichen für Bettler, in: < https://www.geldscheine-online.com/post/das-geld-der-armen-leute> vom 10. März 2021.

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