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Leserpost: Ergänzung zu „Ein Tag in Swakopmund“

Aktualisiert: 27. Okt. 2023

Passend zu dem Artikel von Donald Ludwig möchte ich gerne einen Blick auf die etwas unbeachteten privaten Gutscheine von Deutsch-Südwestafrika (DSWA) werfen.


Tatsächlich denken wir bei Gutscheinen aus Deutsch-Südwestafrika vor allem an die der Swakopmunder Buchhandlung. Denn diese Gutscheine hatten alle eingedruckte Werte und wurden als Kleingeldersatz in den Jahren 1916/1917 in Umlauf gegeben. Kaum bekannt und daher auch nicht beachtet sind jedoch auch amtliche und private Gutscheine für Waren ohne Wertangaben.


Anbei eine Abbildung eines typischen Gutscheins der Swakopmunder Buchhandlung, welche die Vielzahl der kursierenden privaten Ausgaben ablösen sollten. Diese Gutscheine mussten mit einer Hand-Unterschrift in Umlauf gegeben werden und wurden bei ihrer Einlösung auf der Rückseite entwertet.


Aber lassen sie uns einen Blick auf Warengutscheine vom Kaiserlichen Gouvenements für DSWA werfen, welche in 6er-Bögen ausgegeben wurden und vor der Ausgabe in einem Abrechnungsbuch eingetragen und zerteilt. Die Werte wurden jeweils handschriftlich eingetragen. Bekannt geworden sind folgende Stücke (gedruckt auf sehr dünnem Papier).



Gutscheine für Brot, Gemüse und Fleisch. Format 110 x 85 mm. Eine Aufzeichnung, welche Arten von Gemüse bzw. Fleisch bezogen werden konnte, ist nicht belegt. Wahrscheinlich wurde aufgrund des Mangels an Schweinefleisch (die Zucht befand sich noch in den Anfängen) und dem Wert von Rindern als Zugtieren hauptsächlich Wildfleisch verzehrt.


Private Gutscheine mit festen Werten, welche aufgrund des permanenten Kleingeldmangels ausgegeben wurden, sind in der Literatur bereits umfangreich dokumentiert. Dagegen ist über Gutscheine mit einzusetzenden Werten wenig bekannt. Bisher sind vor allem solche Gutscheine aus dem Diamantengebiet rund um Lüderitzbucht bekannt.





Es wurden Gutscheine über Geldwerte, aber auch Sachwerte ausgestellt, wie man den Abbildungen entnehmen kann. Es sind auch Gutscheine über vier Flaschen Bier und Nachtquartier oder zehn Mittagessen (beide Kapps Hotel und Konzerthaus aus Lüderitzbucht) belegt. Diese Gutscheine kursierten bereits deutlich vor den bekannten privaten bzw. von der Swakopmunder Buchhandlung ausgegebenen Scheinen. Es sind Gutscheine ab dem Jahr 1906 belegt. Sehr interessant ist es, einem Gutschein von 1908 zu entnehmen, dass vier Flaschen Bier 8 Mark und eine Hotelübernachtung 4 Mark gekostet hatten.


Gerne würde ich weitere Belegstücke notieren und bin für die Übersendung von Foto/Scans dankbar. Gerne können Sie diese an DSWA@reichsbanknote.de senden. Da ich derzeit auch die belegten Ausgaben der Deutsch-Asiatischen Bank dokumentiere, wäre ich auch hier für jede weitere Note, welche nicht in der bekannten Literatur bzw. den großen Auktionshäusern dokumentiert ist, dankbar.


Jens Dobokay

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