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Lexikon: Napoleonische Fälschungen

Um seine Gegner wirtschaftlich zu schwächen und die Finanzierung ihrer Rüstung zu behindern, ließ Napoleon I. Geldscheine Österreichs, Russlands und angeblich auch Englands nachmachen.


Die gefälschten russischen Scheine erkennt man an den gedruckten Faksimile-Unterschriften, während Originale handschriftlich unterschrieben wurden. Viel mehr wurde über diese Fälschungen leider nicht bekannt, außer, dass Napoleon auf seinem Russlandfeldzug mit der "Grande Armée" 1812 ganze Kisten gefälschten russischen Geldes mit sich geführt haben soll.


Napoleonische Fälschung der russischen 25-Rubel-Note aus dem Jahr 1807, Format ca. 131 x 177 mm.
Napoleonische Fälschung der russischen 25-Rubel-Note aus dem Jahr 1807, Format ca. 131 x 177 mm.

Ebenfalls 1812 soll Napoleons Polizeiminister Joseph Fouché Beamte der englischen Notendruckerei bestochen haben, die ihm die erforderlichen Druckstöcke für die englischen Banknoten übergeben haben sollen, damit Frankreich diese nachdrucken konnte.

Die Berichte über die Fälschungen englischer Scheine sind jedoch nicht durch Belegstücke nachgewiesen.


Genaueres weiß man über die Fälschung der Wiener Stadtbanco-Zettel. Während der Besetzung Wiens im Jahr 1805 ließ der französische Gouverneur von Wien, General Clark, auf Veranlassung Napoleons Fachleute nach Wien kommen, die heimlich Zutritt zu der Druckerei des Banco fanden und dort die Druckplatten der Geldscheine kopierten.

Der französische Polizeiminister Fouché ließ dann von diesen Platten in Paris und später in Italien fleißig Wiener Stadtbanco-Zettel drucken.

Wie geheim diese Angelegenheit vor sich ging, geht daraus hervor, dass nicht einmal die Pariser Stadtpolizei von dieser offiziellen Fälschungsaktion wusste. Daher kam es sogar zu einem Polizeieinsatz gegen die Druckerei. Erst eine kaiserliche Erklärung verhinderte weitere polizeiliche Maßnahmen.



Wiener Stadt-Banco-Zettel zu 25 Gulden vom 1.6.1806. Während der Besetzung Wiens ließ Napoleon die Druck­platten entwenden, um diese Banknoten später zum Schaden der Feindwährung nachzudrucken.
Wiener Stadt-Banco-Zettel zu 25 Gulden vom 1.6.1806. Während der Besetzung Wiens ließ Napoleon die Druck­platten entwenden, um diese Banknoten später zum Schaden der Feindwährung nachzudrucken.

Napoleon wollte bei der zweiten Besetzung Wiens die Scheine in Umlauf bringen. Da er jedoch inzwischen 1810 die Tochter des Habsburger Kaisers Franz II., die Prinzessin Marie-Louise, geheiratet hatte, wurde der Plan aufgegeben. In dem von den Franzosen besetzen Glatz in Schlesien kam es aber doch ohne den Willen Napoleons zur Ausgabe der Fälschungen.

Fürst Metternich hatte längst von der Fälschungsaktion Napoleons erfahren und bat den französischen Außenminister nach der Hochzeit Napoleons um Auslieferung der Fälschungen, Druckplatten und aller Werkzeuge. In einem Bericht an Franz II. konnte Metternich mitteilen, dass Napoleon erklärt habe, alles Material sein vernichtet worden.


Im Druck sind die Fälschungen der Wiener Banco-Zettel nicht von den Originalen zu unterscheiden, man kann sie jedoch am blassgrünlichen Papier erkennen.


Albert Pick / Hans-Ludwig Grabowski (Überarbeitung und Bebilderung)

Abbildungen: Hartmut Fraunhoffer, www.banknoten.de

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