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Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen

Autorenbild: Uwe Bronnert
Uwe Bronnert
vor 2 Tagen
5 Min. Lesezeit

Notgeldscheine des Fleckens Wiedensahl erzählen die Geschichte

Im niedersächsischen Dorf Wiedensahl (Kreis Schaumburg) wurde am 14. April 1832 Heinrich Christian Wilhelm Busch (1832-1908) geboren. Er war einer der einflussreichsten humoristischen Dichter und Zeichner Deutschlands. Der Ort setzte ihrem größten Sohn mit acht Notgeldscheinen ein bleibendes Denkmal. Während die Vorderseiten das Geburtshaus des Dichters abbilden, finden sich auf den Rückseiten der Gutscheine zu 50 Pfennig Szenen aus seiner wohl bekanntesten Bildergeschichte.


Abb. 1: Wiedensahl, Flecken, o. D., 50 Pfennig, gemeinsame Vorderseite mit der Abbildung des Geburtshauses.
Abb. 1: Wiedensahl, Flecken, o. D., 50 Pfennig, gemeinsame Vorderseite mit der Abbildung des Geburtshauses.
Abb. 2.1: Bockenem, Heinr. Rehmann, Buchdruckerei, o. D., 1 Mark, Rückseite mit dem Bildnis von Wilhelm Busch.
Abb. 2.1: Bockenem, Heinr. Rehmann, Buchdruckerei, o. D., 1 Mark, Rückseite mit dem Bildnis von Wilhelm Busch.
Abb. 2.2: Bockenem, Heinr. Rehmann, Buchdruckerei, o. D., 1 Mark, Vorderseite.
Abb. 2.2: Bockenem, Heinr. Rehmann, Buchdruckerei, o. D., 1 Mark, Vorderseite.

„Max und Moritz – Eine Bubengeschichte in sieben Streichen“[1] ist ein Frühwerk des Dichters. Die Bildergeschichte wurde Ende Oktober 1865 erstmals veröffentlicht.

Die Handlung weist auffällige inhaltliche, stilistische und wirkungsästhetische Grundmuster auf, die sich auch in den späteren Arbeiten Buschs wiederholen. Viele Reime dieser Bildergeschichte wie „Aber wehe, wehe, wehe! / Wenn ich auf das Ende sehe!“, „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich“ und „Gott sei Dank! Nun ist’s vorbei / Mit der Übeltäterei!“ sind zu geflügelten Worten im deutschen Sprachgebrauch geworden.

Die Geschichte wurde in 300 Sprachen und Dialekte übertragen und zählt zu den meist verkauften Kinderbüchern.[2]


Die Bildergeschichte ist eine Abfolge einzelner Episoden. Umrahmt von einem Prolog und einem Epilog wird in sieben einzelnen Streichen der kurze Lebensweg des Lausbubenpaars Max und Moritz erzählt.[3] 


Die Rückseite des ersten Gutscheins stellt die Protagonisten mit folgenden Worten im Vorwort vor:

„Ach, was muß man oft von bösen

Kindern hören oder lesen!

Wie zum Beispiel hier von diesen,

Welche Max und Moritz hießen.“


Abb. 3: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite die Protagonisten Max (rechts) und Moritz (links).
Abb. 3: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite die Protagonisten Max (rechts) und Moritz (links).

Der folgende Text leitet auf den ersten Streich der Lausbuben über:


„Aber wehe, wehe, wehe,

Wenn ich auf das Ende sehe!!

Ach, das war ein schlimmes Ding

Wie es Max und Moritz ging.

Drum ist hier, was sie getrieben,

Abgemalt und aufgeschrieben.“


Erster Streich – Witwe Bolte und die Hühner

Witwe Boltes Stolz sind ihre drei Hühner und der Hahn. Max und Moritz machen sich einen Spaß daraus, mit den Tieren ihren Schabernack zu treiben. Dazu schneiden sie Brot in vier Teile entzwei, die sie an Fäden über Kreuz zusammenbinden. Kaum hatte der Hahn das Brot entdeckt, fing er auch schon an zu krähen. Das Federvieh stürzt sich auf die Brotstücke und verschluckt sie. Nun hängen sie durch die Schnüre verbunden zusammen und flattern hin und her. Schließlich bleiben sie am Ast des Apfelbaumes hängen und ersticken jämmerlich.


Abb. 4: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite die um die Hühner trauernde Witwe Bolte.
Abb. 4: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite die um die Hühner trauernde Witwe Bolte.

Zweiter Streich – Witwe Bolte und der gestohlene Hühnerbraten

Zwar wiegt die Trauer über den Verlust der Hühner schwer, aber die Witwe ist praktisch veranlagt. So beschließt sie, die Hühner in Ehren zu verzehren. Während die Hühner in der Pfanne schmurgeln, geht die Witwe in den Keller Sauerkohl holen. Währenddessen angeln Max und Moritz die gebratenen Hühner durch den Kamin. Der Spitz der Witwe sah den Diebstahl und meldete ihn mit Radau. Da er allein in der Küche war, verdächtigt die Witwe ihren Hund, die Hühner gefressen zu haben. Zur Bestrafung jagt sie ihn mit dem Kochlöffel.


Abb. 5: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite die beiden Lausbuben beim Angeln auf dem Dach.
Abb. 5: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite die beiden Lausbuben beim Angeln auf dem Dach.

Dritter Streich – Der Schneider Böck

Den nächsten Streich spielen Max und Moritz dem Schneider Böck. Täglich überquert der den Bach über eine Brücke. Max und Moritz sägen die Bretter der Brück an, sodass sie zerbrechen, als der Schneider die Brücke betrat. Er rettet sich, indem er die Beine zweier Schwäne ergreift, die vor Schreck aufflogen und ihn so aus dem Wasser zogen. Zuhause angekommen klagt er über Magendrücken. Kurz entschlossen greift seine Frau zum heißen Bügeleisen, um die Schmerzen weg zu bügeln.


Abb. 6: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite Frau Böck, wie sie ihrem Mann mit dem heißen Bügeleisen die Schmerzen wegbügelt.
Abb. 6: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite Frau Böck, wie sie ihrem Mann mit dem heißen Bügeleisen die Schmerzen wegbügelt.

Vierter Streich – Lehrer Lämpel

Während Lehrer Lämpel in der Kirche Orgel spielt, füllen die Lausbuben seine Pfeife mit Schießpulver. Freudig kehrt er nach Hause zurück, um sich ein Pfeifchen zu gönnen.

Als er sie anzündet, explodiert sie. Rußgeschwärzt ist sein Gesicht

 

„Und des Haares letzter Schopf

Ist verbrannt bis auf den Kopf.“


Abb. 7: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite den auf dem Rücken liegenden Lehrer Lämpel nach der Explosion seiner Tabakpfeife.
Abb. 7: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite den auf dem Rücken liegenden Lehrer Lämpel nach der Explosion seiner Tabakpfeife.

Fünfter Streich – Der Onkel Fritz

Den fünften Streich spielen die Jungen Onkel Fritz. Dazu schütteln sie von einem Baum Maikäfer, die sie in seinem Bett platzieren. Als sich nun der Onkel schlafen legt, krabbeln überall Käfer herum. In panischer Angst springt er aus dem Bett.


Abb. 8: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite den herumspringenden, erschrockenen Onkel Fritz.
Abb. 8: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite den herumspringenden, erschrockenen Onkel Fritz.

Sechster Streich – Der Bäcker

Wie alle Kinder lieben Max und Moritz süße Sachen. Darum steigen sie in die Backstube des Bäckers ein. Um an die Brezel zu kommen, klettern sie auf einen Stuhl, der jedoch zerbricht; so landen sie in dem Trog mit dem Backteig. Vollkommen vom Teig bedeckt, schiebt der Bäcker sie mit dem vorbereiteten Brot in den Backofen. Doch die Beiden sind nicht tot,


„Knusper, knasper! wie zwei Mäuse

Fressen sie durch das Gehäuse;“


Abb. 9: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite Meister Bäcker, wie er den fliehenden Buden nachruft.
Abb. 9: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite Meister Bäcker, wie er den fliehenden Buden nachruft.

Siebter und letzter Streich – Das Ende der Lausbuben


„Max und Moritz, wehe euch!

Jetzt kommt euer letzter Streich!“


Aus lauter Übermut steigen sie in die Scheune des Bauern Mecke ein und schneiden Säcke auf, sodass die darin befindlichen Getreidekörner heraus rieseln. Max und Moritz werden entdeckt und der Bauer steckt sie in einen Sack mit den Körnern. Diese Säcke trägt er zum Müller, der den Inhalt in den Trichter des Mahlwerks schüttet.


Abb. 10: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite Max und Moritz, wie sie Getreidesäcke aufschneiden.
Abb. 10: Der Gutschein zeigt auf der Rückseite Max und Moritz, wie sie Getreidesäcke aufschneiden.

„Rickeracke! Rickeracke!

Geht die Mühle mit Geknacke.“


Fein geschrotet und in Stücken kommen Max und Moritz aus dem Mahlwerk und das Federvieh des Müllers stürzt sich begeistert darauf.


Abb. 11.1: Gatersleben, Gemeinde, 30. Juli 1921, 75 Pfennig, Rückseite. Der Gutschein zeigt auf der Rückseitenmitte in einem Medaillon Max und Moritz, umgeben von Enten, die sich an den geschroteten Lausbuben laben.
Abb. 11.1: Gatersleben, Gemeinde, 30. Juli 1921, 75 Pfennig, Rückseite. Der Gutschein zeigt auf der Rückseitenmitte in einem Medaillon Max und Moritz, umgeben von Enten, die sich an den geschroteten Lausbuben laben.
Abb. 11.2: Gatersleben, Gemeinde, 30. Juli 1921, 75 Pfennig, Vorderseite.
Abb. 11.2: Gatersleben, Gemeinde, 30. Juli 1921, 75 Pfennig, Vorderseite.

So endet die Geschichte drastisch und moralisch.


„Als man dies im Dorf erfuhr,

War von Trauer keine Spur.

Kurz, im ganzen Ort herum

Ging ein freudiges Gebrumm

‚Gott sei Dank! Nun ist‘s vorbei

Mit der Übeltäterei!!‘“


Uwe Bronnert


Anmerkungen

[1] W. Busch, Gesammelte Werke, 1. Auflage, eBook, www.null-papier.de/busch, S. 602 ff.

[3] Der Prolog steht vor dem eigentlichen Haupttext und dient dazu, die Handlung einzuleiten, während der Epilog nach dem Haupttext steht und die Handlung abrundet.

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